Chronik von Quant
Verfasst: Mittwoch 11. Januar 2023, 10:10
I - Schwanengesang
Im Säuglingsalter von seinem Vater abgegeben, war Themias in einem Waisenhaus bis zum Alter von etwa 10 Jahren großgeworden. Danach wurde er vom alten Gerris Quant aufgenommen. Einem einfachen Kleinbauern, der den Jungen bei sich aufnahm und sich dadurch eine Hilfe auf den überschaubaren Feldern versprach.
In Quants Haus lernte Themias das erste Mal das Gefühl von „Daheimsein“ kennen. Quant wurde wie ein Vater zu Themias – auch wenn dieser natürlich um die Wahrheit Bescheid wusste. Quant lehrte Themias wie die Felder bestellt werden mussten, wie das Vieh auf dem Bauernhof gepflegt, gefüttert und geschlachtet wurde. Auch die Zubereitung und das Haltbarmachen von Fleisch wurde ihm beigebracht. Es gehörte nicht zu den alltäglichen Arbeiten, fiel jedoch hin und wieder Mal an.
Dieses geregelte und körperliche Leben sonderte sich von dem Waisenhausdasein ab. Neben diesen Arbeiten nahm Quant Themias auch oft mit in die umliegenden Wälder. Zu verschiedenen Jahreszeiten, konnte man verschiedene Pflanzen und Pilze finden. Themias durfte durch seinen Ziehvater alles über Flora und Fauna in der Umgebung lernen und mehr als das konnte er in Erfahrung bringen welche nahrhaft, giftig oder sogar heilend waren. Neben den Erzeugnissen des Hofes verkaufte sein Ziehvater nämlich auch Tinkturen und Kräuter für Tee oder Wundlinderung.
So gab es auf den Hof eine Facette an Arbeiten, die anfielen und Themias reichlich beschäftigten. Quant war ein strenger, jedoch gerechter Lehrmeister.
An einem kälter gewordenen Herbstabend saßen er und Themias in der Stube zu Tische, nachdem sie ihr Tagwerk auf dem Feld vollzogen hatten und die Fütterung und Sicherung der Tiere beendet hatten.
Die Stube war ziemlich einfach aufgebaut. Alte, rissige Holzbretter bedeckten den unterkellerten Boden und Fellteppiche schützen das nackte Fußbett vor Kälte. Das Mobiliar wurde aus einfachem Holz geschaffen. Neben dem Tisch, an dem die beiden saßen, gab es einige ein paar Schränke, in welchen getrocknete Kräuter und Pilze in Gläsern verstaut wurden. Auch ein Regal mit vereinzelten Büchern gab es.
Bücher gehörten nicht etwa zum alltäglichen Tagwerk des Bauern noch war er dazu im Stande sie zu lesen. In manchen von ihnen befanden sich Zeichnungen. Als Themias noch kleiner war, liebte er es die Bücher anzusehen. Selbst wenn er kein einziges der Zeichen verstand, tat er manchmal nur so, als würde er sie deuten können und verbrachte Stunden am Abend damit.
Gerade deswegen war es ein bestimmtes Buch, das Gerris dem kleinen Themias damals gab. Darin befanden sich alle Buchstaben des Alphabets, sowohl in Groß- als auch Kleinbuchstaben. Auf einer Seite waren die beiden Buchstaben aufgeführt und auf der gegenüberliegenden Seite, verschiedene Bilder, deren Worte mit dem jeweiligen Buchstaben begannen. Auf der Seite zu F, war es ein wunderschöner Fuchs, der die gegenüberliegende Seite prägte. Themias stricht immer wieder sanft über die Seite. Der Fuchs sah so lebensecht aus und schien ihn aus dem Buch heraus zu betrachten.
So lernte der kleine Themias über die Jahre hinweg das Lesen. Immer dann, wenn er seine Arbeiten beendet hatte, saß er auf seinem kleinen Strohbett, versuchte zu verinnerlichen und ein danebenliegendes Buch zu lesen. Dies kam so weit, dass Gerris sich dazu entschloss ein kleines, hölzernes Schreibpult zu kaufen, welches der Junge fortan nutzen konnte.
Sie aßen etwas Brot und Käse, tranken dazu ein fades Bier.
>>Du schlägst dich immer besser da draußen. Bald wirst du das Gehöft übernehmen können mein Junge.<<
Gab Gerris überzeugt von sich und kaute auf dem Brot herum.
>>Ich versuche mein Bestes.<<
Entgegnete ihm der Junge dann nur äußerst bescheiden. Dann kehrte für eine Weile Stille ein. Die beiden stießen mit den hölzernen Krügen an und schwiegen sich an. Es war ihre Art der zweisamen Kommunikation nach reichlicher Arbeit.
Auf ungewohnte Weise unterbrach der inzwischen 20. Jährige Themias die harmonische Stille.
>>Ich hatte dich schon Mal gefragt Vater. Magst du mir erzählen wem die Bücher gehörten?<<
Themias wendete den Blick zum Regal, in welchem die besagten Schriften verstaut waren.
Gerris trank einen weiteren kräftigen Schluck und nahm erneut ein Stück Brot mit Käse in den Mund.
Nach einer ausbleibenden Antwort hakte Themias nach.
>>Vater?<<
Prompt schlug Gerris mit zusammengeballter Faust auf den hölzernen Tisch. Teller und Krüge erzitterten durch den Aufschlag. Themias hingegen blieb gefestigt. Er wusste, wie sein Ziehvater zuweilen reagieren mochte.
>>Genug. Warum ist das so wichtig für dich?<<
Wollte der Alte dann nachdrücklich wissen. Themias verweilte mit innerlicher Ruhe an Ort und Stelle, atmete tief ein und pflichtete seiner Bitte mit Nachdruck bei.
>>Du bist mein Vater. Du hast aus dem Waisenhaus aufgenommen – hattes keine Pflicht dazu und doch hast du mir geholfen. Nun lass mich dir helfen. Erzähl mir was dich so sehr belastet Vater.<<
Das grüne Augenpaar von Gerris traf das grünblaue des Ziehsohns und verweilte mit Ernsthaftigkeit auf diesem. Ein Seufzen flüchtete aus dem Hals des alten Mannes.
>>Sie gehörten meiner Tochter. Sie hatte sich all dem verschrieben. Das Lesen und Schreiben. Sie wollte den Hof nicht übernehmen, ging fort um sich ihren Lebensunterhalt in der Stadt zu verdienen – als Schriftengelehrte.<<
Themias wirkte verblüfft. Daran hätte er nicht gedacht. Er wusste dass sie einen imaginären Wert hatten. Doch das der Alte eine Tochter hatte, ließ Themias zunächst völlig verstummen. Diese Stille hielt für einige Herzschläge an.
>>Du hattest eine Tochter?<<
Traurigkeit breitete sich auf dem Gesicht des alten Mannes aus. Er sprach weiter.
>>Und einen Sohn.<<
Von dieser Nachricht war Themias überrumpelt worden. Gerris hatte nie auch nur ein Wort darüber verloren, dass er eine Tochter hatte. Er sprach nie viel über seine Vergangenheit und wenn, dann so, dass sie gut verschlüsselt, zurück blieb. Zurückhalten tastete Themias sich weiter an das Thema heran.
>>Wie waren ihre Namen?<<
Gerris überlegte nicht mehr lange, teilte seine Vergangenheit nun mit dem jungen Mann.
>>Teana und Arthemias.<<
Themias sagte nichts weiter. Auch wenn die Namen einen bleibenden Eindruck hinterlassen sollten.
>>Beide halfen sie mir auf dem Hof. Sie waren eifrig, fleißig und kannten ihr Handwerk – so wie du.<<
Dann füllte der Alte die hölzernen Krüge mit neuem Bier auf.
Themias nickte anerkennend und nahm einen Schluck zu sich.
>>Doch Arthemias war ein Erwachter, suchte die Academia Arcana auf und verließ das Haus.<<
Nicht verstehend schüttelte Themias den Kopf.
>>Einfach so?<<
Ein freudloses und stimmloses Lachen trat kurzzeitig aus dem Alten heraus, ehe er den Kopf schüttelte.
>>Ich gab ihm meinen Segen. Jemand der das Lied hören kann ist zu größerem bestimmt als einen kleinen Hof zu führen. Nein – Arthemias wollte nicht gehen. Ich verlangte es von ihm.<<
Verstehend nickte Themias, wollte Gerris nicht unterbrechen.
>>Es war gut so. Ich wollte ihn nicht hier bei mir behalten, in dem Wissen dass er mit seinem Leben hätte mehr erreichen können.<<
Jetzt intervenierte Themias.
>>Das ist falsch platzierte Bescheidenheit Vater. Was du mir hier beigebracht hast und all die Gesichter der Natur und ihr Nutzen – das ist mir das wichtigste und schönste in meinem Leben gewesen Vater. Ich könnte mir gar nichts anderes wünschen.<<
Es zauberte Gerris ein Lächeln ins Gesicht. Dann erhob sich Gerris, ging zur Küchenecke, wo der Gusseiserne Ofen stand. Er fütterte ihn mit einem Scheitel Holz, welches neben dem Ofen aufeinandergereiht platziert war. Nachdem Gerris den Ofen geschlossen hatte, hörte man sofort das Knistern des brennenden Weichholzes. Es spendete eine angenehme Wärme.
>>Was ist mit Teana?<<
Hakte der junge Mann nach. Gerris wandte sich wieder Themias zu und saß sich wieder auf seinen Stuhl.
>>Ich sehe sehr viel von ihr in dir mein Junge.<<
Themias krauste seine Stirn in Falten.
>>Sie begeisterte sich wie du für das Lesen von Büchern – auch wenn ich es ihr nicht beibringen konnte. Sie lernte auf die gleiche Art wie du aus dem Bilderbuch.<<
Die Traurigkeit in seinen Worten war zweifelsohne zu vernehmen – selbst wenn ein beruhigtes Lächeln sein Gesicht schmückte, war es klar was im Inneren des alten Mannes vorging.
>>Es ist spät. Wir sollten schlafen gehen.<<
Schlug Gerris dann vor. Doch Themias war noch nicht vollends gesättigt. Es gab weitere Fragen, die sich neu aufgetan hatten und auf die er eine Antwort haben wollte.
>>Ist es ein Zufall, dass der Name deines Sohnes dem meinen so sehr ähnelt?<<
>>Arthemias?<<
Hakte der Alte nach. Themias nickte dann nur etwas.
>>Ist er mein Vater?<<
Nahezu herausfordernd sah der Alte seinen Ziehsohn an.
>>Nein.<<
Die Mimik von Themias entspannte sich wieder.
>>Also ist die Ähnlichkeit unserer Namen bloßer Zufall.<<
Gerris schüttelte kurz etwas den Kopf. Starr saß Themias an Ort und Stelle, verfolgte Gerris, der sich erhoben hatte und wieder in die Küchenecke ging.
Er griff nach einer Flasche mit durchsichtiger Flüssigkeit und griff sich zwei hölzerne Stamperl.
>>Dafür brauchen wir etwas reiferes.<<
In diesem Augenblick wusste Themias nicht wie er reagieren sollte. Was für Worte hatte er jetzt zu erwarten?
Der Vater platzierte einen der Stamperl neben Themias, schenkte die durchsichtige Flüssigkeit ein.
>>Pflaumenbrand.<<
Themias wusste das. Er wusste was in der Flasche war und wusste auch das sein Vater diese nur in seltenen Fällen aus dem Schrank nahm.
Auch sich schenkte der alte einen Schnaps ein.
>>Man sagte mir im Waisenhaus über deine Eltern Bescheid Themias.<<
Gebannt festigte sich das Augenpaar des jungen Mannes auf seinem Vater.
>>Tarsos Delaris ist sein Name.<<
>>Tarsos…<<
Flüsterte Themias nur leise nach.
>>Er war derjenige, der dich im Waisenhaus abgab und dir den Rücken kehrte.<<
Die Worte klangen eiskalt – genau so wie ihre Botschaft.
>>Warum?<<
Wollte Themias wissen. Gerris aber hob den hölzernen Stamperl an und setze zum Prost an. Themias tat es ihm gleich. Sie tranken beide davon. Themias verzog das Gesicht etwas, als er das Brennen in der Brust spürte, als er die ethanol-ähnliche Substanz in den Rachen kippte.
>>Er ließ dich zurück, weil er mit dir nicht zurechtkam. Du warst ihm zu viel. Er war alleine und war schlichtweg überfordert.<<
Stutzig sah Themias seinen Ziehvater an.
>>So einfach?<<
>>So einfach.<<
Bekam er sofort als Antwort.
>>Doch was ist mit meiner Mutter?<<
Nun nahm Gerris wieder einen kräftigen Schluck vom Bier, ehe er weiter sprach. Themias tat es seinem Vater gleich.
>>Die Oberin des Waisenhauses erklärte mir alles, was sie wusste. Dein Vater rettete dich vor deiner Mutter. Sie selbst und dein Vater waren Teil einer sektenähnlichen Gruppierung, die sich gegen die Prinzipien der Gesellschaft auflehnte. Laut der Aussagen der Mutter Oberin war deine Mutter viel zu sehr mit ihrer Organisation beschäftigt.<<
Für Themias waren diese Worte unverständlich. Er begriff nicht was passiert war, drückte dies mit einem vielsagenden Kopfschütteln aus.
>>Sie glaubten daran, dass ein Ausgleich zwischen allem geschaffen werden könne, um die Ursprünglichkeit der Welt wiederherzustellen. Angeblich nahm er dich deswegen aus der Obhut deiner Mutter.<<
Themias schüttelte den Kopf erneut.
>>Das klingt unschlüssig. Ich kann das nicht glauben.<<
Der Alte sah Themias dann fragend an.
>>Warum?<<
Er musste nicht lange überlegen, um seine Zweifel sichtbarer machen zu können.
>>Mich meiner Mutter entreißen und mich dann in ein Waisenhaus abzugeben. Wer tut so etwas? Das ist grausam. Verzeih mir Vater – ich kann nicht glauben was ich höre.<<
Der Alte nickte zaghaft und setze zur Korrektur an.
>>Großvater Junge.<<
Schnell schoss ein >>Bitte?<< aus Themias heraus.
>>Teana ist die Frau aus der Sekte und meine Tochter.<<
Themias schluckte schwerfällig, griff zum Krug mit Bier und schüttete es unbedacht in sich hinunter. Was Gerris da erzählte, stellte sein gesamtes Weltbild auf den Kopf. Die Familie, die er nie gehabt hatte und sich so sehr gewünscht hatte – sie war nie fort. Er wurde an dem Tag mit der Familie vereinigt, die er sich so sehr gewünscht hatte, als der alte Mann – sein Großvater, ihn aus dem Waisenhaus mitgenommen hatte. All die Zweifel, die Fragen und die Sehnsüchte waren mit einem Mal verblasst. Als wären die Worte nicht Zeugen genug gewesen, waren es Gerris‘ Tränen, die auf den hölzernen Tisch trafen, der vollkommene Beweis für diese neue Wahrheit.
>>Großvater?<<
Themias schluckte.
>>Ja, mein Junge.<<
An diesem für das Schicksal unscheinbaren Abend, erfuhr der junge Mann die Wahrheit über sich, seinen Ziehvater und all die Fäden, die damit verwoben waren. Ohne es zu wissen, war Themias in dem Heim seiner Mutter großgeworden, wurde dort von dem eigenen Großvater großgezogen und lernte auch die Fähigkeiten, die seine Mutter lernen durfte.
Auch der Junge konnte die Tränen nicht mehr halten. Sie brachen aus ihm hervor, als er das Glück erfahren durfte, dass ihm vor so langer Zeit schon zu Teil wurde.
Die beiden unterhielten sich noch die halbe Nacht. Themias hatte zahllose Fragen über seine Mutter und ihren Bruder. Er wollte alles auf einmal wissen.
>>Dein Name nehme ich an, ist wirklich eine Ableitung von Arthemias. Teana liebte ihren kleinen Bruder sehr.<<
All diese kleinen Informationen wurden freigegeben und ließen Wahrheiten das Tageslicht erblicken, die Themias nie für sich erhofft hatte.
So ging es noch viele Biere weiter. Die Tränen trockneten und daraus wurde ungewöhnlich heiteres Lachen und Reden. Auch der Alte fühlte sich in eine Vergangenheit versetzt, die er sich nicht mehr erhofft hatte.
In der gleichen Nacht schliefen beiden seelenruhig, tief und ungestört. Zumindest bis zu einem gewissen Augenblick. Themias wurde sanft aus dem Schlaf geweckt. Eine Stimme weckte ihn – sie schien ganz nah und doch so fern.
>>Mutter…<<
Er öffnete langsam die Augen. Ihm war ganz und gar so als hätte er eine Stimme gehört. Ein Flüstern einer weiblichen Stimme.
Er sah sich etwas in seinem Zimmer um, sah jedoch niemanden. Nach kurzer Zeit hörte er die Stimme wieder. Sie kam aus der Ferne, klang lieblich vertraut. Er musste an seine Mutter denken. Schnell kleidete er sich an und folgte der Stimme, in die Stube.
Doch auch hier schien keinerlei Anzeichen einer Person. Er wollte den Ursprung dieses fast schon harmonischen Gesangs herausfinden. Also verließ er das Haus sah sich draußen um.
Er versuchte draußen etwas zu erkennen, der aufgehende Mond brachte nur wenig Licht. Doch allem Anschein schien dieses Licht auszureichen. Themias konnte über die mit Gräßern bewachsenen Hügel hinter dem Holzzaun bis zum angrenzenden Wald sehen.
>>Eigentümlich.<<
Kam es aus ihm heraus. Er folgte dem scheinbaren Ursprungsort der Stimme. Sie wurde scheinbar lauter und er wurde immer weiter in das Innere des Landes gelockt. Er traf schließlich auf den schmalen, angrenzenden Bach. Die Stimme schien von hier zu kommen.
>>Mutter?<<
Gab er vorsichtig von sich. Nach einer kuren Zeit des Wartens schien er jedoch keine Antwort zu bekommen.
>>Teana?<<
Kam es deutlicher aus ihm heraus. Es war die Hoffnung, dass das erfahrene Glück nicht enden wollte. Doch es endete, mit einem Klirren in der Ferne. War das Glas? Es kam vom Haus. Er sah sich nochmal um, wollte sich vergewissern, dass niemand hier war. Doch das Klirren des Glases unterbrach die Stimme scheinbar. Für einen Moment war er abgelenkt und hatte sie verloren. Er atmete tief ein, behielt die Luft für eine Weile in den Lungen und entließ sie dann wieder.
Er kehrte wieder zurück. Als er die Hügel der Felder überquert hatte und das Haus sehen konnte, erkannte er, dass drei Pferde vor dem Haus rasteten. Das waren mit Sicherheit nicht die Pferde seines Großvaters Gerris.
Er eilte so schnell es ihm nur möglich war zum Haus zurück.
Dort angekommen sah er, dass die Tür speerangelweit geöffnet war. Achtsamkeit und Vorsicht wurden in ihm wachgerüttelt. Schnell ging er zum anliegenden Unterbau, wo sie die Tiere schlachteten, und griff sich eines der Messer, dass in einem der hölzernen Schubläden abgelegt war.
Vorsichtig schlich er sich an das Haus heran, sah sich genau um und präsentierte eine fast schon paranoide Vorsicht.
>>Wo hast du es Alter?<<
Hörte man plötzlich die Stimme eine fremden Mannes, der wohl mindestens 25 Zyklen hinter sich hatte, wenn man der Stimme vertrauen durfte.
Dann erklang die zerbrechliche Stimme des Großvaters.
>>Ich habe hier nur das was ihr schon habt. Nehmt es und geht.<<
Anscheinend gab sich die Person damit jedoch nicht zufrieden. Geschirr zerbrach und hölzerne, dumpfe Schläge landeten auf dem Holzboden.
Themias stand im Eingangsbereich, sah einen großen stämmigen Mann, der seinen Großvater gegen den Tisch drückte, die Linke fixierte den Hals am Tisch. Dann ein Schlag, direkt in das Gesicht von Gerris – ausgeführt mit der bloßen Faust.
Als Themias das sah, konnte er seine Atmung nicht mehr kontrollieren. Sie wurde unregelmäßig, sein Herz begann laut zu pochen, so laut, dass er es selbst hören konnte. Sein Körper bebte und schien schneller reagieren zu wollen als Themias selbst.
Er gab nach und ließ das Toben gewähren. Er rannte durch den Eingangsbereich und ließ einen Schrei über sich ergehen. Der Aggressor ließ vom Großvater ab, wandte sich zurück. Das Schlachtermesser hatte Themias genau auf den Hals des Eindringlings gerichtet. Unerwartet kam kurz vor der Kollision ein zweiter Eindringling auf Themias zu, überrumpelte ihn und hielt ihn somit vom Angriff ab. Der tödliche Angriff wurde verhindert und doch schnitt die Klinge tief in die Wange des Mannes.
Themias wurde zu Boden gedrückt. Ein dritter entwaffnete Themias schließlich.
>Das hätte ich mir denken können – es waren drei Pferde verdammt.<
Dachte er sich nur und wollte sich für diesen fehlgeschlagenen Plan selbst strafen. Doch dafür war keine Zeit. Er wollte sich losreißen, wehrte sich mit allen ihn zur Verfügung stehenden Kräften.
Ihm war keinerlei Möglichkeit gegeben sich zu befreien. Diejenige Person, die dafür verantwortlich war, dass er an den Boden genagelt wurde, war um ein Vielfaches schwerer als Themias.
>>So du alter Sack? Hast keine Münzen bei dir, aber genügend für einen Knecht?<<
Nach dieser Verurteilung bekam Gerris eine weitere Faust, welche direkt mit dem Gesicht kollidierte. Blut aus Mund und Nase strömten auf den hölzernen Tisch!
>>Nein!<<
Schrie Themias mit Leibeskräften und wehrte sich ungestüm weiter.
Erneut kollidierte die Faust mit dem Gesicht des Vaters. Themias versuchte sich zu erklären, brüllte die Worte.
>>Ich bin sein Enkel! Wir haben nichts!<<
Der Haupttäter wandte sich Themias zu.
>>Gregor lass die halbe Portion los und halt den alten Mann zu Tische.<<
Schnell ging der Hauptaggressor zu Themias hinüber, ging in die Knie.
>>Dein Alter nimmt und nimmt stets, gibt aber nichts zurück. Wie willst du uns das entgelten, mh?<<
>>Was?<<
Kam es aus dem jungen Mann heraus, während er sich immer noch wehrte. Als Dank wurde ihm ein Schlag in das Gesicht gegeben.
>>Du sollst zuhören, wenn ich mit dir rede.<<
Ihm wurde kurz schwarz vor Augen und er schmeckte das leicht metallische Blut im Mund, das durch seine gesprungenen Lippen freigegeben wurde.
>>Dein Alter und du, ihr geht in unseren Wald und beraubt uns unserer Güter. Wäre alles gar nicht so schlimm, wenn ihr uns entsprechend bezahlen würdet.<<
Diese Diebe hatten Gerris und Themias bei einem der Spaziergänge durch den Wald beobachtet und sie bis nach Hause verfolgt. Sie konnten sich nicht gegen sie schützen.
>>Wir haben nichts wertvolles hier.<<
Der Anführer der Gruppe seufzte dann enttäuscht.
>>Dann musst du härter dafür arbeiten. Weißt du – ich helfe dir dabei.<<
Dann nahm er dem benannten Gregor das Messer aus der Hand und ging zurück an den Tisch.
>>Manchmal braucht man einen Ansporn. Das tue ich nur dir zu Liebe.<<
Kritisch und schockiert fixierte Themias den Anführer der Diebe. Ohne Vorwarnung rammte dieser das Messer in den Bauch des Großvaters.
>>Du Schwein!<<
Brüllte Themias mit all seinen Kräften die Worte aus sich heraus. Sein Körper bebte förmlich. Ein Schrei ging vom alten Gerris aus und dann ein Stöhnen.
>>Arbeite härter.<<
Es war irrational, unwirklich und sinnlos was hier passierte. Es musste ein böser Albtraum sein, von dem er heimgesucht wurde – ja, dessen war sich Themias fast schon sicher.
Erwartungsvoll lag der Blick des Diebes auf Themias.
>>Fick dich!<<
Schrie Themias dem Dieb entgegen. Dieser antworte zügig, indem er das Messer erneut umfasste und die im Bauch steckende Klinge drehte. Schmerzerfüllte Schreie verließen Gerris.
Themias Sinne waren in Wahnsinn getaucht. Er wehrte sich mit allen ihm gegebenen Kräften. Dann war da die Stimme in der Ferne – Themias war sich absolut sicher.
>>Mutter!<<
Rief er laut.
Der dicke, der ihn fixierte lachte.
>>Er ruft nach seiner Mami.<<
Kam es dümmlich aus ihm heraus. Die Stimme wurde deutlicher als Themias sich auf seinen eigenen Herzschlag konzentrierte.
>>Beginnst du jetzt zu Weinen?<<
Folgte eine weitere erniedrigende Frage. Themias versuchte sich weiterhin zu wehren. Doch je mehr er sich wehrte desto fester wurde der Griff des dicken Mannes auf ihm.
>>Verreckt endlich Abschaum!<<
Schrie er mit aller Kraft aus sich heraus. Die Holzbretter um ihn herum begannen zu beben. Bücher, Flaschen und Geschirr fielen aus den Regalen und dann gab es einen fühlbaren, jedoch nicht wirklich anwesenden Luftstoß, der Themias‘ Körper und den aller anderern durchdrang. Er verlor das Bewusstsein.
Er hörte die Stimme in seinen Träumen, sah die Stube, in der er sich befand von der Decke aus. Er sah sich selbst am Boden fixiert, die Angreifer und den Großvater, der von Schmerzen geplagt wurde. Es musste eindeutig ein Traum sein.
Dann der ihn scheinbar berührte Stoß und wie alle Menschen im Raum wie Säcke zu Boden fielen. Es wurde dunkler, die Stimme wurde lauter. In all dem Chaos schien sie etwas angenehm, beruhigendes an sich zu haben.
Er öffnete die Augen, spürte die schwere Last auf sich. Mit hörbarem Stöhnen stieß er den Dicken von sich und blickte ihm in seine kalten, leeren und gräulich gefärbten Augen. Er war tot. Schnell baute sich Themias auf, rannte zu seinem Großvater hinüber, stolperte fast über die Leiche des Anführers, der ebenso leere Augen hatte. Themias schob den dritten Dieb vom Tisch, der über seinem Großvater zusammengebrochen war. Auch er war nicht mehr am Leben. Themias war egal was hier passiert war – er wollte seinen Großvater in Sicherheit wissen.
>>Großvater?<<
Doch die Ernüchterung war groß, als er sah das auch sein Großvater von den gräulich gefärbten Augen heimgesucht wurde und der Tod im Hause von Quant zu Besuch gewesen war.
Sie waren alle samt kalt, als wären sie bereits lange gestorben gewesen.
Weinend brach der junge Mann über seinem Großvater zusammen, konnte nicht fassen, dass ihm das genommen wurde, was er erst kürzlich sein Eigen nennen durfte – Familie.
Über eine Stunde verweilte er noch in dieser Position, in der Hoffnung, irgendetwas würde sich ändern. Doch das war die grausame Realität, die ihm zu Teil wurde. Als hätte das Schicksal für sich entschlossen, dass er keine Familie haben durfte.
Themias Leben würde sich fortan ändern. Das es sich um das Erwachen handelte, würde er erst später herausfinden. Was geschehen war, war sein persönliches Erwachen, nachdem er dem Lied gelauscht hatte und eine Phrase genutzt hatte, die den Körpern jedwedes Leben entzogen hatte – das der Diebe und das seines Großvaters. Nichts würde mehr so sein, wie es einmal war. Obwohl er sich geschworen hatte, den Weg seiner Mutter und seines Onkels nicht einschlagen zu wollen, war er gezwungen worden eine Reise zu beginnen, die ihm Antworten liefern sollte. Er wusste nicht wie genau, doch er hatte zweifelsohne dem Tod Zugang zum Haus gewährt. Ein dunkles Gefühl, ein böses Nachbeben war immer noch allgegenwärtig im Haus. Die Chronik der Familie Quant wurde um einen weiteren Liedwirker erweitert.
Im Säuglingsalter von seinem Vater abgegeben, war Themias in einem Waisenhaus bis zum Alter von etwa 10 Jahren großgeworden. Danach wurde er vom alten Gerris Quant aufgenommen. Einem einfachen Kleinbauern, der den Jungen bei sich aufnahm und sich dadurch eine Hilfe auf den überschaubaren Feldern versprach.
In Quants Haus lernte Themias das erste Mal das Gefühl von „Daheimsein“ kennen. Quant wurde wie ein Vater zu Themias – auch wenn dieser natürlich um die Wahrheit Bescheid wusste. Quant lehrte Themias wie die Felder bestellt werden mussten, wie das Vieh auf dem Bauernhof gepflegt, gefüttert und geschlachtet wurde. Auch die Zubereitung und das Haltbarmachen von Fleisch wurde ihm beigebracht. Es gehörte nicht zu den alltäglichen Arbeiten, fiel jedoch hin und wieder Mal an.
Dieses geregelte und körperliche Leben sonderte sich von dem Waisenhausdasein ab. Neben diesen Arbeiten nahm Quant Themias auch oft mit in die umliegenden Wälder. Zu verschiedenen Jahreszeiten, konnte man verschiedene Pflanzen und Pilze finden. Themias durfte durch seinen Ziehvater alles über Flora und Fauna in der Umgebung lernen und mehr als das konnte er in Erfahrung bringen welche nahrhaft, giftig oder sogar heilend waren. Neben den Erzeugnissen des Hofes verkaufte sein Ziehvater nämlich auch Tinkturen und Kräuter für Tee oder Wundlinderung.
So gab es auf den Hof eine Facette an Arbeiten, die anfielen und Themias reichlich beschäftigten. Quant war ein strenger, jedoch gerechter Lehrmeister.
An einem kälter gewordenen Herbstabend saßen er und Themias in der Stube zu Tische, nachdem sie ihr Tagwerk auf dem Feld vollzogen hatten und die Fütterung und Sicherung der Tiere beendet hatten.
Die Stube war ziemlich einfach aufgebaut. Alte, rissige Holzbretter bedeckten den unterkellerten Boden und Fellteppiche schützen das nackte Fußbett vor Kälte. Das Mobiliar wurde aus einfachem Holz geschaffen. Neben dem Tisch, an dem die beiden saßen, gab es einige ein paar Schränke, in welchen getrocknete Kräuter und Pilze in Gläsern verstaut wurden. Auch ein Regal mit vereinzelten Büchern gab es.
Bücher gehörten nicht etwa zum alltäglichen Tagwerk des Bauern noch war er dazu im Stande sie zu lesen. In manchen von ihnen befanden sich Zeichnungen. Als Themias noch kleiner war, liebte er es die Bücher anzusehen. Selbst wenn er kein einziges der Zeichen verstand, tat er manchmal nur so, als würde er sie deuten können und verbrachte Stunden am Abend damit.
Gerade deswegen war es ein bestimmtes Buch, das Gerris dem kleinen Themias damals gab. Darin befanden sich alle Buchstaben des Alphabets, sowohl in Groß- als auch Kleinbuchstaben. Auf einer Seite waren die beiden Buchstaben aufgeführt und auf der gegenüberliegenden Seite, verschiedene Bilder, deren Worte mit dem jeweiligen Buchstaben begannen. Auf der Seite zu F, war es ein wunderschöner Fuchs, der die gegenüberliegende Seite prägte. Themias stricht immer wieder sanft über die Seite. Der Fuchs sah so lebensecht aus und schien ihn aus dem Buch heraus zu betrachten.
So lernte der kleine Themias über die Jahre hinweg das Lesen. Immer dann, wenn er seine Arbeiten beendet hatte, saß er auf seinem kleinen Strohbett, versuchte zu verinnerlichen und ein danebenliegendes Buch zu lesen. Dies kam so weit, dass Gerris sich dazu entschloss ein kleines, hölzernes Schreibpult zu kaufen, welches der Junge fortan nutzen konnte.
Sie aßen etwas Brot und Käse, tranken dazu ein fades Bier.
>>Du schlägst dich immer besser da draußen. Bald wirst du das Gehöft übernehmen können mein Junge.<<
Gab Gerris überzeugt von sich und kaute auf dem Brot herum.
>>Ich versuche mein Bestes.<<
Entgegnete ihm der Junge dann nur äußerst bescheiden. Dann kehrte für eine Weile Stille ein. Die beiden stießen mit den hölzernen Krügen an und schwiegen sich an. Es war ihre Art der zweisamen Kommunikation nach reichlicher Arbeit.
Auf ungewohnte Weise unterbrach der inzwischen 20. Jährige Themias die harmonische Stille.
>>Ich hatte dich schon Mal gefragt Vater. Magst du mir erzählen wem die Bücher gehörten?<<
Themias wendete den Blick zum Regal, in welchem die besagten Schriften verstaut waren.
Gerris trank einen weiteren kräftigen Schluck und nahm erneut ein Stück Brot mit Käse in den Mund.
Nach einer ausbleibenden Antwort hakte Themias nach.
>>Vater?<<
Prompt schlug Gerris mit zusammengeballter Faust auf den hölzernen Tisch. Teller und Krüge erzitterten durch den Aufschlag. Themias hingegen blieb gefestigt. Er wusste, wie sein Ziehvater zuweilen reagieren mochte.
>>Genug. Warum ist das so wichtig für dich?<<
Wollte der Alte dann nachdrücklich wissen. Themias verweilte mit innerlicher Ruhe an Ort und Stelle, atmete tief ein und pflichtete seiner Bitte mit Nachdruck bei.
>>Du bist mein Vater. Du hast aus dem Waisenhaus aufgenommen – hattes keine Pflicht dazu und doch hast du mir geholfen. Nun lass mich dir helfen. Erzähl mir was dich so sehr belastet Vater.<<
Das grüne Augenpaar von Gerris traf das grünblaue des Ziehsohns und verweilte mit Ernsthaftigkeit auf diesem. Ein Seufzen flüchtete aus dem Hals des alten Mannes.
>>Sie gehörten meiner Tochter. Sie hatte sich all dem verschrieben. Das Lesen und Schreiben. Sie wollte den Hof nicht übernehmen, ging fort um sich ihren Lebensunterhalt in der Stadt zu verdienen – als Schriftengelehrte.<<
Themias wirkte verblüfft. Daran hätte er nicht gedacht. Er wusste dass sie einen imaginären Wert hatten. Doch das der Alte eine Tochter hatte, ließ Themias zunächst völlig verstummen. Diese Stille hielt für einige Herzschläge an.
>>Du hattest eine Tochter?<<
Traurigkeit breitete sich auf dem Gesicht des alten Mannes aus. Er sprach weiter.
>>Und einen Sohn.<<
Von dieser Nachricht war Themias überrumpelt worden. Gerris hatte nie auch nur ein Wort darüber verloren, dass er eine Tochter hatte. Er sprach nie viel über seine Vergangenheit und wenn, dann so, dass sie gut verschlüsselt, zurück blieb. Zurückhalten tastete Themias sich weiter an das Thema heran.
>>Wie waren ihre Namen?<<
Gerris überlegte nicht mehr lange, teilte seine Vergangenheit nun mit dem jungen Mann.
>>Teana und Arthemias.<<
Themias sagte nichts weiter. Auch wenn die Namen einen bleibenden Eindruck hinterlassen sollten.
>>Beide halfen sie mir auf dem Hof. Sie waren eifrig, fleißig und kannten ihr Handwerk – so wie du.<<
Dann füllte der Alte die hölzernen Krüge mit neuem Bier auf.
Themias nickte anerkennend und nahm einen Schluck zu sich.
>>Doch Arthemias war ein Erwachter, suchte die Academia Arcana auf und verließ das Haus.<<
Nicht verstehend schüttelte Themias den Kopf.
>>Einfach so?<<
Ein freudloses und stimmloses Lachen trat kurzzeitig aus dem Alten heraus, ehe er den Kopf schüttelte.
>>Ich gab ihm meinen Segen. Jemand der das Lied hören kann ist zu größerem bestimmt als einen kleinen Hof zu führen. Nein – Arthemias wollte nicht gehen. Ich verlangte es von ihm.<<
Verstehend nickte Themias, wollte Gerris nicht unterbrechen.
>>Es war gut so. Ich wollte ihn nicht hier bei mir behalten, in dem Wissen dass er mit seinem Leben hätte mehr erreichen können.<<
Jetzt intervenierte Themias.
>>Das ist falsch platzierte Bescheidenheit Vater. Was du mir hier beigebracht hast und all die Gesichter der Natur und ihr Nutzen – das ist mir das wichtigste und schönste in meinem Leben gewesen Vater. Ich könnte mir gar nichts anderes wünschen.<<
Es zauberte Gerris ein Lächeln ins Gesicht. Dann erhob sich Gerris, ging zur Küchenecke, wo der Gusseiserne Ofen stand. Er fütterte ihn mit einem Scheitel Holz, welches neben dem Ofen aufeinandergereiht platziert war. Nachdem Gerris den Ofen geschlossen hatte, hörte man sofort das Knistern des brennenden Weichholzes. Es spendete eine angenehme Wärme.
>>Was ist mit Teana?<<
Hakte der junge Mann nach. Gerris wandte sich wieder Themias zu und saß sich wieder auf seinen Stuhl.
>>Ich sehe sehr viel von ihr in dir mein Junge.<<
Themias krauste seine Stirn in Falten.
>>Sie begeisterte sich wie du für das Lesen von Büchern – auch wenn ich es ihr nicht beibringen konnte. Sie lernte auf die gleiche Art wie du aus dem Bilderbuch.<<
Die Traurigkeit in seinen Worten war zweifelsohne zu vernehmen – selbst wenn ein beruhigtes Lächeln sein Gesicht schmückte, war es klar was im Inneren des alten Mannes vorging.
>>Es ist spät. Wir sollten schlafen gehen.<<
Schlug Gerris dann vor. Doch Themias war noch nicht vollends gesättigt. Es gab weitere Fragen, die sich neu aufgetan hatten und auf die er eine Antwort haben wollte.
>>Ist es ein Zufall, dass der Name deines Sohnes dem meinen so sehr ähnelt?<<
>>Arthemias?<<
Hakte der Alte nach. Themias nickte dann nur etwas.
>>Ist er mein Vater?<<
Nahezu herausfordernd sah der Alte seinen Ziehsohn an.
>>Nein.<<
Die Mimik von Themias entspannte sich wieder.
>>Also ist die Ähnlichkeit unserer Namen bloßer Zufall.<<
Gerris schüttelte kurz etwas den Kopf. Starr saß Themias an Ort und Stelle, verfolgte Gerris, der sich erhoben hatte und wieder in die Küchenecke ging.
Er griff nach einer Flasche mit durchsichtiger Flüssigkeit und griff sich zwei hölzerne Stamperl.
>>Dafür brauchen wir etwas reiferes.<<
In diesem Augenblick wusste Themias nicht wie er reagieren sollte. Was für Worte hatte er jetzt zu erwarten?
Der Vater platzierte einen der Stamperl neben Themias, schenkte die durchsichtige Flüssigkeit ein.
>>Pflaumenbrand.<<
Themias wusste das. Er wusste was in der Flasche war und wusste auch das sein Vater diese nur in seltenen Fällen aus dem Schrank nahm.
Auch sich schenkte der alte einen Schnaps ein.
>>Man sagte mir im Waisenhaus über deine Eltern Bescheid Themias.<<
Gebannt festigte sich das Augenpaar des jungen Mannes auf seinem Vater.
>>Tarsos Delaris ist sein Name.<<
>>Tarsos…<<
Flüsterte Themias nur leise nach.
>>Er war derjenige, der dich im Waisenhaus abgab und dir den Rücken kehrte.<<
Die Worte klangen eiskalt – genau so wie ihre Botschaft.
>>Warum?<<
Wollte Themias wissen. Gerris aber hob den hölzernen Stamperl an und setze zum Prost an. Themias tat es ihm gleich. Sie tranken beide davon. Themias verzog das Gesicht etwas, als er das Brennen in der Brust spürte, als er die ethanol-ähnliche Substanz in den Rachen kippte.
>>Er ließ dich zurück, weil er mit dir nicht zurechtkam. Du warst ihm zu viel. Er war alleine und war schlichtweg überfordert.<<
Stutzig sah Themias seinen Ziehvater an.
>>So einfach?<<
>>So einfach.<<
Bekam er sofort als Antwort.
>>Doch was ist mit meiner Mutter?<<
Nun nahm Gerris wieder einen kräftigen Schluck vom Bier, ehe er weiter sprach. Themias tat es seinem Vater gleich.
>>Die Oberin des Waisenhauses erklärte mir alles, was sie wusste. Dein Vater rettete dich vor deiner Mutter. Sie selbst und dein Vater waren Teil einer sektenähnlichen Gruppierung, die sich gegen die Prinzipien der Gesellschaft auflehnte. Laut der Aussagen der Mutter Oberin war deine Mutter viel zu sehr mit ihrer Organisation beschäftigt.<<
Für Themias waren diese Worte unverständlich. Er begriff nicht was passiert war, drückte dies mit einem vielsagenden Kopfschütteln aus.
>>Sie glaubten daran, dass ein Ausgleich zwischen allem geschaffen werden könne, um die Ursprünglichkeit der Welt wiederherzustellen. Angeblich nahm er dich deswegen aus der Obhut deiner Mutter.<<
Themias schüttelte den Kopf erneut.
>>Das klingt unschlüssig. Ich kann das nicht glauben.<<
Der Alte sah Themias dann fragend an.
>>Warum?<<
Er musste nicht lange überlegen, um seine Zweifel sichtbarer machen zu können.
>>Mich meiner Mutter entreißen und mich dann in ein Waisenhaus abzugeben. Wer tut so etwas? Das ist grausam. Verzeih mir Vater – ich kann nicht glauben was ich höre.<<
Der Alte nickte zaghaft und setze zur Korrektur an.
>>Großvater Junge.<<
Schnell schoss ein >>Bitte?<< aus Themias heraus.
>>Teana ist die Frau aus der Sekte und meine Tochter.<<
Themias schluckte schwerfällig, griff zum Krug mit Bier und schüttete es unbedacht in sich hinunter. Was Gerris da erzählte, stellte sein gesamtes Weltbild auf den Kopf. Die Familie, die er nie gehabt hatte und sich so sehr gewünscht hatte – sie war nie fort. Er wurde an dem Tag mit der Familie vereinigt, die er sich so sehr gewünscht hatte, als der alte Mann – sein Großvater, ihn aus dem Waisenhaus mitgenommen hatte. All die Zweifel, die Fragen und die Sehnsüchte waren mit einem Mal verblasst. Als wären die Worte nicht Zeugen genug gewesen, waren es Gerris‘ Tränen, die auf den hölzernen Tisch trafen, der vollkommene Beweis für diese neue Wahrheit.
>>Großvater?<<
Themias schluckte.
>>Ja, mein Junge.<<
An diesem für das Schicksal unscheinbaren Abend, erfuhr der junge Mann die Wahrheit über sich, seinen Ziehvater und all die Fäden, die damit verwoben waren. Ohne es zu wissen, war Themias in dem Heim seiner Mutter großgeworden, wurde dort von dem eigenen Großvater großgezogen und lernte auch die Fähigkeiten, die seine Mutter lernen durfte.
Auch der Junge konnte die Tränen nicht mehr halten. Sie brachen aus ihm hervor, als er das Glück erfahren durfte, dass ihm vor so langer Zeit schon zu Teil wurde.
Die beiden unterhielten sich noch die halbe Nacht. Themias hatte zahllose Fragen über seine Mutter und ihren Bruder. Er wollte alles auf einmal wissen.
>>Dein Name nehme ich an, ist wirklich eine Ableitung von Arthemias. Teana liebte ihren kleinen Bruder sehr.<<
All diese kleinen Informationen wurden freigegeben und ließen Wahrheiten das Tageslicht erblicken, die Themias nie für sich erhofft hatte.
So ging es noch viele Biere weiter. Die Tränen trockneten und daraus wurde ungewöhnlich heiteres Lachen und Reden. Auch der Alte fühlte sich in eine Vergangenheit versetzt, die er sich nicht mehr erhofft hatte.
In der gleichen Nacht schliefen beiden seelenruhig, tief und ungestört. Zumindest bis zu einem gewissen Augenblick. Themias wurde sanft aus dem Schlaf geweckt. Eine Stimme weckte ihn – sie schien ganz nah und doch so fern.
>>Mutter…<<
Er öffnete langsam die Augen. Ihm war ganz und gar so als hätte er eine Stimme gehört. Ein Flüstern einer weiblichen Stimme.
Er sah sich etwas in seinem Zimmer um, sah jedoch niemanden. Nach kurzer Zeit hörte er die Stimme wieder. Sie kam aus der Ferne, klang lieblich vertraut. Er musste an seine Mutter denken. Schnell kleidete er sich an und folgte der Stimme, in die Stube.
Doch auch hier schien keinerlei Anzeichen einer Person. Er wollte den Ursprung dieses fast schon harmonischen Gesangs herausfinden. Also verließ er das Haus sah sich draußen um.
Er versuchte draußen etwas zu erkennen, der aufgehende Mond brachte nur wenig Licht. Doch allem Anschein schien dieses Licht auszureichen. Themias konnte über die mit Gräßern bewachsenen Hügel hinter dem Holzzaun bis zum angrenzenden Wald sehen.
>>Eigentümlich.<<
Kam es aus ihm heraus. Er folgte dem scheinbaren Ursprungsort der Stimme. Sie wurde scheinbar lauter und er wurde immer weiter in das Innere des Landes gelockt. Er traf schließlich auf den schmalen, angrenzenden Bach. Die Stimme schien von hier zu kommen.
>>Mutter?<<
Gab er vorsichtig von sich. Nach einer kuren Zeit des Wartens schien er jedoch keine Antwort zu bekommen.
>>Teana?<<
Kam es deutlicher aus ihm heraus. Es war die Hoffnung, dass das erfahrene Glück nicht enden wollte. Doch es endete, mit einem Klirren in der Ferne. War das Glas? Es kam vom Haus. Er sah sich nochmal um, wollte sich vergewissern, dass niemand hier war. Doch das Klirren des Glases unterbrach die Stimme scheinbar. Für einen Moment war er abgelenkt und hatte sie verloren. Er atmete tief ein, behielt die Luft für eine Weile in den Lungen und entließ sie dann wieder.
Er kehrte wieder zurück. Als er die Hügel der Felder überquert hatte und das Haus sehen konnte, erkannte er, dass drei Pferde vor dem Haus rasteten. Das waren mit Sicherheit nicht die Pferde seines Großvaters Gerris.
Er eilte so schnell es ihm nur möglich war zum Haus zurück.
Dort angekommen sah er, dass die Tür speerangelweit geöffnet war. Achtsamkeit und Vorsicht wurden in ihm wachgerüttelt. Schnell ging er zum anliegenden Unterbau, wo sie die Tiere schlachteten, und griff sich eines der Messer, dass in einem der hölzernen Schubläden abgelegt war.
Vorsichtig schlich er sich an das Haus heran, sah sich genau um und präsentierte eine fast schon paranoide Vorsicht.
>>Wo hast du es Alter?<<
Hörte man plötzlich die Stimme eine fremden Mannes, der wohl mindestens 25 Zyklen hinter sich hatte, wenn man der Stimme vertrauen durfte.
Dann erklang die zerbrechliche Stimme des Großvaters.
>>Ich habe hier nur das was ihr schon habt. Nehmt es und geht.<<
Anscheinend gab sich die Person damit jedoch nicht zufrieden. Geschirr zerbrach und hölzerne, dumpfe Schläge landeten auf dem Holzboden.
Themias stand im Eingangsbereich, sah einen großen stämmigen Mann, der seinen Großvater gegen den Tisch drückte, die Linke fixierte den Hals am Tisch. Dann ein Schlag, direkt in das Gesicht von Gerris – ausgeführt mit der bloßen Faust.
Als Themias das sah, konnte er seine Atmung nicht mehr kontrollieren. Sie wurde unregelmäßig, sein Herz begann laut zu pochen, so laut, dass er es selbst hören konnte. Sein Körper bebte und schien schneller reagieren zu wollen als Themias selbst.
Er gab nach und ließ das Toben gewähren. Er rannte durch den Eingangsbereich und ließ einen Schrei über sich ergehen. Der Aggressor ließ vom Großvater ab, wandte sich zurück. Das Schlachtermesser hatte Themias genau auf den Hals des Eindringlings gerichtet. Unerwartet kam kurz vor der Kollision ein zweiter Eindringling auf Themias zu, überrumpelte ihn und hielt ihn somit vom Angriff ab. Der tödliche Angriff wurde verhindert und doch schnitt die Klinge tief in die Wange des Mannes.
Themias wurde zu Boden gedrückt. Ein dritter entwaffnete Themias schließlich.
>Das hätte ich mir denken können – es waren drei Pferde verdammt.<
Dachte er sich nur und wollte sich für diesen fehlgeschlagenen Plan selbst strafen. Doch dafür war keine Zeit. Er wollte sich losreißen, wehrte sich mit allen ihn zur Verfügung stehenden Kräften.
Ihm war keinerlei Möglichkeit gegeben sich zu befreien. Diejenige Person, die dafür verantwortlich war, dass er an den Boden genagelt wurde, war um ein Vielfaches schwerer als Themias.
>>So du alter Sack? Hast keine Münzen bei dir, aber genügend für einen Knecht?<<
Nach dieser Verurteilung bekam Gerris eine weitere Faust, welche direkt mit dem Gesicht kollidierte. Blut aus Mund und Nase strömten auf den hölzernen Tisch!
>>Nein!<<
Schrie Themias mit Leibeskräften und wehrte sich ungestüm weiter.
Erneut kollidierte die Faust mit dem Gesicht des Vaters. Themias versuchte sich zu erklären, brüllte die Worte.
>>Ich bin sein Enkel! Wir haben nichts!<<
Der Haupttäter wandte sich Themias zu.
>>Gregor lass die halbe Portion los und halt den alten Mann zu Tische.<<
Schnell ging der Hauptaggressor zu Themias hinüber, ging in die Knie.
>>Dein Alter nimmt und nimmt stets, gibt aber nichts zurück. Wie willst du uns das entgelten, mh?<<
>>Was?<<
Kam es aus dem jungen Mann heraus, während er sich immer noch wehrte. Als Dank wurde ihm ein Schlag in das Gesicht gegeben.
>>Du sollst zuhören, wenn ich mit dir rede.<<
Ihm wurde kurz schwarz vor Augen und er schmeckte das leicht metallische Blut im Mund, das durch seine gesprungenen Lippen freigegeben wurde.
>>Dein Alter und du, ihr geht in unseren Wald und beraubt uns unserer Güter. Wäre alles gar nicht so schlimm, wenn ihr uns entsprechend bezahlen würdet.<<
Diese Diebe hatten Gerris und Themias bei einem der Spaziergänge durch den Wald beobachtet und sie bis nach Hause verfolgt. Sie konnten sich nicht gegen sie schützen.
>>Wir haben nichts wertvolles hier.<<
Der Anführer der Gruppe seufzte dann enttäuscht.
>>Dann musst du härter dafür arbeiten. Weißt du – ich helfe dir dabei.<<
Dann nahm er dem benannten Gregor das Messer aus der Hand und ging zurück an den Tisch.
>>Manchmal braucht man einen Ansporn. Das tue ich nur dir zu Liebe.<<
Kritisch und schockiert fixierte Themias den Anführer der Diebe. Ohne Vorwarnung rammte dieser das Messer in den Bauch des Großvaters.
>>Du Schwein!<<
Brüllte Themias mit all seinen Kräften die Worte aus sich heraus. Sein Körper bebte förmlich. Ein Schrei ging vom alten Gerris aus und dann ein Stöhnen.
>>Arbeite härter.<<
Es war irrational, unwirklich und sinnlos was hier passierte. Es musste ein böser Albtraum sein, von dem er heimgesucht wurde – ja, dessen war sich Themias fast schon sicher.
Erwartungsvoll lag der Blick des Diebes auf Themias.
>>Fick dich!<<
Schrie Themias dem Dieb entgegen. Dieser antworte zügig, indem er das Messer erneut umfasste und die im Bauch steckende Klinge drehte. Schmerzerfüllte Schreie verließen Gerris.
Themias Sinne waren in Wahnsinn getaucht. Er wehrte sich mit allen ihm gegebenen Kräften. Dann war da die Stimme in der Ferne – Themias war sich absolut sicher.
>>Mutter!<<
Rief er laut.
Der dicke, der ihn fixierte lachte.
>>Er ruft nach seiner Mami.<<
Kam es dümmlich aus ihm heraus. Die Stimme wurde deutlicher als Themias sich auf seinen eigenen Herzschlag konzentrierte.
>>Beginnst du jetzt zu Weinen?<<
Folgte eine weitere erniedrigende Frage. Themias versuchte sich weiterhin zu wehren. Doch je mehr er sich wehrte desto fester wurde der Griff des dicken Mannes auf ihm.
>>Verreckt endlich Abschaum!<<
Schrie er mit aller Kraft aus sich heraus. Die Holzbretter um ihn herum begannen zu beben. Bücher, Flaschen und Geschirr fielen aus den Regalen und dann gab es einen fühlbaren, jedoch nicht wirklich anwesenden Luftstoß, der Themias‘ Körper und den aller anderern durchdrang. Er verlor das Bewusstsein.
Er hörte die Stimme in seinen Träumen, sah die Stube, in der er sich befand von der Decke aus. Er sah sich selbst am Boden fixiert, die Angreifer und den Großvater, der von Schmerzen geplagt wurde. Es musste eindeutig ein Traum sein.
Dann der ihn scheinbar berührte Stoß und wie alle Menschen im Raum wie Säcke zu Boden fielen. Es wurde dunkler, die Stimme wurde lauter. In all dem Chaos schien sie etwas angenehm, beruhigendes an sich zu haben.
Er öffnete die Augen, spürte die schwere Last auf sich. Mit hörbarem Stöhnen stieß er den Dicken von sich und blickte ihm in seine kalten, leeren und gräulich gefärbten Augen. Er war tot. Schnell baute sich Themias auf, rannte zu seinem Großvater hinüber, stolperte fast über die Leiche des Anführers, der ebenso leere Augen hatte. Themias schob den dritten Dieb vom Tisch, der über seinem Großvater zusammengebrochen war. Auch er war nicht mehr am Leben. Themias war egal was hier passiert war – er wollte seinen Großvater in Sicherheit wissen.
>>Großvater?<<
Doch die Ernüchterung war groß, als er sah das auch sein Großvater von den gräulich gefärbten Augen heimgesucht wurde und der Tod im Hause von Quant zu Besuch gewesen war.
Sie waren alle samt kalt, als wären sie bereits lange gestorben gewesen.
Weinend brach der junge Mann über seinem Großvater zusammen, konnte nicht fassen, dass ihm das genommen wurde, was er erst kürzlich sein Eigen nennen durfte – Familie.
Über eine Stunde verweilte er noch in dieser Position, in der Hoffnung, irgendetwas würde sich ändern. Doch das war die grausame Realität, die ihm zu Teil wurde. Als hätte das Schicksal für sich entschlossen, dass er keine Familie haben durfte.
Themias Leben würde sich fortan ändern. Das es sich um das Erwachen handelte, würde er erst später herausfinden. Was geschehen war, war sein persönliches Erwachen, nachdem er dem Lied gelauscht hatte und eine Phrase genutzt hatte, die den Körpern jedwedes Leben entzogen hatte – das der Diebe und das seines Großvaters. Nichts würde mehr so sein, wie es einmal war. Obwohl er sich geschworen hatte, den Weg seiner Mutter und seines Onkels nicht einschlagen zu wollen, war er gezwungen worden eine Reise zu beginnen, die ihm Antworten liefern sollte. Er wusste nicht wie genau, doch er hatte zweifelsohne dem Tod Zugang zum Haus gewährt. Ein dunkles Gefühl, ein böses Nachbeben war immer noch allgegenwärtig im Haus. Die Chronik der Familie Quant wurde um einen weiteren Liedwirker erweitert.



