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Gib es mir! Ich will es haben!
Verfasst: Montag 31. Juli 2006, 11:34
von Leith Llastobhar
Ruhig und behutsam hob sich die Brust.
Der Glanz des Mondes auf der leicht gebräunten Haut.
Die sanften Züge, umspielt von einem Hauch der Vollkommenheit.
Sinnliche Lippen, so süß und formvoll.
Geschlossene Augen, verträumt, friedlich schlafend...
Leith lag wach.
Der linke Arm schmerzte und stach ihm bis in den Hals, brannte, fühlte sich an als ob etwas daran nagen würde, ein brennender Schmerz.
Die Augen waren auf ihren Körper gerichtet, der durch das Licht, welches durch das Kellerfenster fiel in ein weiches Schimmern gehüllt wurde. Sie war schön. Doch in ihm keimte etwas auf, wessen er sich nicht mehr erwehren konnte.
"Ich will es haben. Ich will es jetzt. Warum kannst du es mir nicht geben?"
"Ich habe darum gebeten, erinnerst du dich nicht?"
"Sie wissen es alle. Und sie wollen nicht, dass ich es habe."
"Ich weiß ganz gut selbst, was gefährlich für mich ist und was nicht, ihr Narren!"
etwas verdutzt über seine eigenen Gedanken starrte Leith auf die schönen Rundungen der jungen Frau, welche neben ihm lag. Sie schlief selig in die Kissen gekuschelt, mit einem Ausdruck in ihren Zügen, der wohl innere Zufriedenheit zeigte. Dann jedoch, warf er die Zügel, die ihn zurückhielten beiseite.
"Lass es raus"
"Es muss sein"
"Suche mich Leith! Finde mich! Ich flehe dich an!"
Leise wie ein wildes Tier auf der Pirsch erhob er sich und ging zur Treppe. Er achtete penibel darauf kein Geräusch zu verursachen, sie schlafend zu wissen. Die steinernen Stufen waren schnell erstiegen und die Türe zur Küche wurde leise knarrend aufgeschoben.
Bücherregale... irgendwo dort.
Wahllos griff er danach. Viele gingen zu Boden. Entweder durch einen Wurf nach hinten oder durch das achtlose Fallenlassen der Bücher. Es störte ihn nicht, welche Werke er zerstörte, indem er diese ohne weiter nachzudenken auf den Boden knallte, während sich Einbände lösten und Seiten eingerissen wurden oder einfach wild flatterten.
"Du willst mich! Du brauchst mich! Nimm mich!"
schrie die kaltherzige und krächzende Stimme in seinem Kopf, die er beinahe als die Eigene annahm.
Immer noch flogen die Bücher und Regal zu Regal wurde seine Suche hektischer, zielloser, gewaltsamer. Er begann leicht zu zittern. Die Wut steigerte sich und die Hände bekamen Schnitte, Abschürfungen, rote Stellen, als er diese mit Wucht durch die Bücher rammte und dabei eine ganze Reihe zu Boden riss.
"Wo ist es?"
Die einzige Frage, die wahre Frage, der unaufhaltsame Schmerz in seinem linken Arm bahnte sich den Weg stechend in seinen Kopf.
"Lass mich raus!"
Er atmete schwer, angestrengt von dem gewaltigen Chaos, welches er hinterlassen hatte. Es war nicht darunter. Nirgends zu finden.
Wo hatte dieses dumme kleine Miststück das Buch versteckt?
Ein kurzes Zucken durchfuhr ihn bei diesem Gedanken.
"Sie ist kein dummes kleines... oh doch... das ist sie! JA!"
die innere Stimme schwankte um, bestätigte die Gedanken, schürte das Feuer der Wut und lies den Verstand verstummen.
"Du musst sie fragen! Ja, frag sie, stell sie zur Rede Leith!"
"Wo ist das Buch? Wirst du sagen. Und du wirst dir holen was dir gehört Junge. Ja, das wirst du!"
Ein Schauer lief ihm den Rücken hinunter. Der linke Arm pochte nun glutheiß und die Hände ballten sich zu Fäusten.
Er stieß die Tür zur Küche von der anderen Seite erbost auf. Krachend klappte sie um und gab den Blick auf sein Ziel frei, so verletzlich und zart Sie schien, so bloß wie ihr Körper unter der Nachtgarderobe war.
Sie hatte es, Sie wusste es...
"NIMM ES DIR!"
Verfasst: Montag 31. Juli 2006, 12:57
von Leanne
Sie schlief.. so tief und zufrieden, wie schon lange nicht mehr. Ihre Träume, nicht greifbar, aber sanft und friedlich.
Plötzlich durchdrang ein lautes Krachen ihre Träume, unpassend.... das gehörte nicht hierher, unwillig drehte sie sich im Bett herum, nach Leith tastend.
Erst als ihre Hand ins Leere griff, öffnete sie schlagartig die Augen, mit einem Mal hellwach und von einer Art Angst erfasst.
Immer noch war es da, das Rumpeln und Krachen, von oben kam es, kein Zweifel.
Einbrecher? Geschwind sprang sie aus den Kissen, eilte die Stufen hinauf, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie völlig wehrlos sein würde.
Die Geräusche wurden lauter, aus der Stube kamen sie. Einen Moment in der Küche verharrend, liess sie den Blick gehetzt umherschweifen, auf der Suche nach etwas, das ihr Schutz bieten würde, als mit lautem Getöse die Tür aufschwang.
Fassungslos weiteten sich ihre Augen, als ihr Blick die Gestalt im Rahmen erkannte. Das Gesicht zu einer Grimasse des Hasses und der Gier verzogen, stand Leith vor ihr. Nichts als Abscheu war in seinen Augen zu lesen, Abscheu und Grausamkeit, wo war die Wärme, die Liebe?
Entsetzt wich sie langsam zurück, bis sie an die Wand stiess, die ihr den Rückweg versperrte.
Die Augen auf sein verzerrtes Gesicht gerichtet, verzweifelt versuchend darin ein Stück von ihm, dem wirklichen Leith zu finden, dem Leith der sie liebte, dem Menschen Leith. Gab es ihn noch? Tonlos formten ihre Lippen seinen Namen, vergeblich auf eine Reaktion hoffend.
Die Erkenntis traf sie wie ein Schlag, das war er nicht, es war sein Körper, gefangen in dem Fluch, den sie so leichtfertig verdrängt hatte.
Mit dieser Einsicht überkam sie eine seltsame Ruhe, tödlich und bitter, sie wusste, was er wollte und sie würde es ihm nicht geben können, das hatte sie ihm versprochen und das war sie ihm schuldig.
Ergeben sah sie ihm entgegen
"Nimm es dir, wenn du nicht anders kannst....., ich werde mein Versprechen halten."
Verfasst: Montag 31. Juli 2006, 21:47
von Leith Llastobhar
"Gib es mir... du weisst, was ich haben will!"
sagte er mit eisig kalter Stimme.
Sie antwortete nicht. Die liebevollen Augen waren auf sein hasserfülltes Gesicht gerichtet. Schmerz, Trauer und Mitleid.
Er brauchte das alles nicht.
"Nimm es dir!"
zischte die eiserne Stimme in seinem Kopf.
"Gib mir das Buch!"
er tat einen Schritt auf sie zu und wurde dabei etwas lauter.
Sie schüttelte nur kurz und ungläubig den Kopf. Ihr Stand blieb fest und sie bewegte sich kein Stück, wartete ausharrend auf das was kommen mochte. Fast hätte man denken können, dass sie aus Angst wie angewurzelt war. Ihr Atem wurde schneller.
Ein weiteres mal...
"Gib mir endlich das Buch du elendes Weibsbild!"
knurrte er ihr entgegen, während seine Hand fordernd nach vorn schnellte.
Wiederum wurde er abgewiesen.
Diese verhassten Worte. Diese unausgesprochenen verhassten Worte, welche sich in ihren Augen spiegelten.
"Ich werde es dir nicht geben."
Erneut tat er einen Schritt nach vorn, nah an sie heran. Er spürte ihre Angst, ihr inneres Flehen. Sie hatte es versteckt.
"Wo ist es? Sag es!"
brüllte er ihr nun mitten ins Gesicht.
Ein leises Wimmern, die Hände verkrampft. Dann etwas geflüstertes.
Er konnte es nicht hören. Die eisige Stimme brannte. Sie fraß sich weiter und weiter, genau wie der Schmerz in seinem Arm.
"Es tut so weh"
hörte Leith eine vertraute Stimme sagen. Wer sagte das? Hatte Leanne es auch gehört?
"HALT DEN MUND! SEI NICHT SO EIN WEICHLING DU KLEINER NICHTSNUTZ"
schrie die gellende Stimme mit dem eisigen Unterton.
"Hol es dir... Nimm es mit allen Mitteln!"
"Nein... Ich.... Ich kann nicht!"
"Sie ist nutzlos, sie wird dir nichts sagen! Du musst es dir holen... sie ist nur im Weg!"
"Nein... bitte..."
"Du musst sie töten! Töte sie! Sie muss sterben!"
"Nein... Ich will nicht!"
"Töte sie, es ist besser so! Tu es!"
"Lass mich in Ruhe!"
"TÖTE SIE DU FEIGER BENGEL!"
Die linke Hand glitt nach oben, fuhr ihr unwirsch über das Kleid und packte ihre Kehle, während die rechte Hand ihre Finger zurückhielt, die versuchten sich aus seinem Griff zu befreien. Ihr Atem wurde schneller, sie zappelte, presste sich weiter gegen die Wand, stöhnte vergebens unter der Anstrengung nach Luft zu schnappen.
"DRÜCK ZU! MACH IHR DEN GAR AUS!"
Der Druck an ihrem Hals wurde stärker, der Blick hasserfüllter, die Adern kochten, die Muskeln angespannt. Sie ließ einen Schluchzer hören, die Augen wurden feucht.
Eine Träne bahnte sich ihren Weg über ihre Wange und fiel glitzernd zu Boden.
"Nimm ihr den letzten Lebenshauch! Du kannst es! TU ES!"
Während sich die Hand drohend und gefährlich weiter schloss und die Grausamkeit durch seine Züge wanderte, der Hass in den Augen flammte, der Zorn von innen zerfraß, trat eine kleine unscheinbare, weitere Träne aus ihrem Auge. Sie fand sich in der gleichen Bahn wie die andere, wich nur ein paar Finger breit ab und traf auf Leiths Hand, welche sich dort wo die Träne darüber lief langsam von ihrem Hals löste.
Wiederwillig und taumelnd trat er zurück.
"WAS TUST DU DA? BRING SIE UM!"
"Ich kann nicht... ich will nicht... nein... Nein! NEIN!"
Sie keuchte. Sah auf während er begann mit sich selbst zu sprechen.
"TÖTE SIE JETZT!"
"nein! Nein! NEIN! NEEEIIIN! HALT DIE KLAPPE, VERSCHWINDE!"
Leith brach zusammen, vergrub sein Gesicht in den Händen, zitterte wie ein Ast im Sturm, zog die Beine an sich heran und kauerte sich in eine Ecke des Zimmers.
"Ich muss es zerstören." sagte er so leise, dass die Worte ihm nicht wirklich erschienen.
"Leanne... bitte... es tut mir Leid"
tröpfelnd fingen sich glimmende Tränen auf dem Boden.
Verfasst: Dienstag 1. August 2006, 12:17
von Leanne
Sie wusste er würde sie töten, nein... nicht er... ES, wer auch immer es war.
Die Worte die aus seinem Mund kamen, mit seiner Stimme.... und doch sprach nicht er sie, sie konnten ihr nichts anhaben.
Sie sah ihn nur an und schüttelte den Kopf.
"Es tut so weh"... ihre Augen weiteten sich ein wenig, Leith... er war noch da, irgendwo gefangen in seinem Körper.
Sollte sie noch gezweifelt haben, jetzt wusste sie, niemals würde sie nachgeben, wenn es ihr Ende bedeuteten sollte, sollte es eben so sein.
Seine Hand an ihrer Kehle, rannen ihr die Tränen herab, sie konnte es nicht verhindern, ihr Blick verschwamm, Dunkelheit umfing sie.
Nur noch Wortfetzen drangen in ihr Bewusstsein... "nein NEIN, ich kann nicht..." "Es tut mir leid"
Sie sackte langsam an der Wand hinab, plötzlich befreit von der Hand, die ihr die Luft zum Leben nahm. Ihre Kehle war geschwollen, ihr Geist benebelt.
Keuchend sass sie eine Weile da, die Knie an sich gezogen, den Kopf an die Wand gelehnt.
Nur undeutlich wehten Gedankenfetzen durch ihren Kopf, sie wusste nicht, waren es Worte? War es in ihrem Kopf?
"Ich muss es zerstören... Leanne, es tut mir so leid... Ich kann nicht..."
Aufstehn! Sie musste aufstehn! Nach Leith sehn, oder dem was von ihm noch übrig war....
Nein.. es war egal... sie wollte schlafen.. dem allem entgehn...der Schmerz in ihrem Hals.. die Kälte in ihrem Inneren.
Ihr Kopf sackte nach vorn, und eine gnädige Dunkelheit umfing sie.
Verfasst: Donnerstag 3. August 2006, 15:06
von Leith Llastobhar
Stille.
Der Herzschlag, er war deutlich zu hören. Eins, Zwei, Eins, Zwei...
Zwei Herzen.
Ein langsames, ein schnelles.
Das eine, getrieben von der Angst, dem Hass, der Gier.
Das andere geschunden durch Gewalt, Furcht und Mitleid.
"NIMM ES DIR! HOL ES DIR!"
"Es verzehrt mich, frisst mich auf. Hilf mir Leanne... hilf mir..."
Die Tränen stoppten, er wischte sie mit dem Ärmel hinweg, so dass er besser sehen konnte.
Dann stand er auf. Sah auf das zusammengekauerte Bündel Mensch, welches einst sein Herz begehrte.
Einen Dreck war sie ihm nun wert. Das Gesicht zu einer Fratze gezogen. Ja, Dreck. Doch ihr entledigen konnte er sich nicht. Das bischen Mensch hielt ihn zurück. Und das Biest hatte sein Maul schon über diesem Menschen gespannt, jeden Moment bereit zuzuschlagen.
"Sie will es nicht anders. Du Miststück hältst mich nicht auf! NIEMAND HÄLT MICH AUF!"
Mit zitternden Händen und keuchendem Atem beugte er sich über die bewusstlose Leanne. Um ihren Hals war ein feingliedriges, golden schimmerndes Kettchen gelegt an dessen Mitte ein kleiner Schlüssel hing.
"Schlüssel !!! Der Schlüssel!"
Er passte in das Schloss der Schatulle im Schreibtisch vor Leannes Bett.
Fahrig strich Leith sich durch die Haare und öffnete die Schatulle.
Alles was es zu gewinnen gab, alles was wichtig war, was er wollte.
Er brauchte es mehr als die Luft zum Atmen.
Das Buch.
Er näherte sich ihm langsam mit ausgestreckten Fingern dem Einband. Näher und näher… bis er es berührte.
Diese erfüllende Wärme, die Genugtuung, erfüllte Sehnsucht, Verlangen. Er wurde von einer wohligen Freude umfangen, welche ihre schwarzen Schwingen über seiner Seele ausbreitete.
"Una"
"Bring ihr das Buch"
"Und dann bring mir Una"
Sagte die zuckersüße eiskalte Stimme, die nun mehr zu seiner eigenen geworden war.
Leith bekam blutunterlaufene Augen. Im Spiegel des Tisches konnte er genau erkennen wie sich tiefe Augenränder auf seinem Gesicht abzeichneten und sein Blick kalt und bohrend wurde. Aber es musste so sein. Es war gut so.
[img]http://img352.imageshack.us/img352/2999/kadajnonl8.jpg[/img]
Diese Extase der Gefühle und die aufsteigende Macht waren unglaublich. Leith fühlte sich als hätte er Bäume ausreißen können. Das Gesicht zu einer Grimasse verzogen, ging er mit einem hämischen, verachtungsvollen und gefährlichen Grinsen aus der Türe hinaus auf den Flur.
Ein leiser Hilferuf aus dem Hintergrund drang an sein Gehör.
"Lass… mich… heraus"
Doch er lachte nur innerlich über diese bedauernswerte Kreatur, die den Namen Llastobhar trug. "Du hast keine Macht mehr über diesen Geist Schwächling!"
Dann wurde es schlagartig Dunkel um ihn.
Verfasst: Donnerstag 3. August 2006, 16:49
von Lairja Scherenbrueck
Leise vor sich hinsummend, die Stille des frühen Morgens geniessend, stapfte Lairja barfuss durch das noch taunasse Gras, auf die hintere Tür des Hofes zu. Bevor sie die Türe leise öffnete, liess sie noch einen zufriedenen Blick über die Beete schweifen.
"Sapperlott noch mal!", entfuhr es ihr, als sie den Flur betrat. Alle Türen standen sperrangelweit offen. Das hatte es ja noch nie gegeben. Irgendetwas stimmte hier aber ganz und gar nicht. Es dauerte eine ganze Weile, bis Lairja sich bewegte. Man konnte ihr ja vieles nachsagen, aber grosser Mut zählte nicht gerade zu ihren herausragenden Eigenschaften. Nur mit Mühe unterdrückte sie den ersten Impuls, postwendend wieder zur Gartentüre hinaus zu laufen. Lairja schwankte zwischen laut um Hilfe rufen oder erst einmal nachsehn, ob es nicht eine ganz einfache Erklärung für das alles gäbe. Letztendlich gewann die Vernunft wieder Oberhand. Schreien konnte sie ja zur Not immer noch, die Wache, die draussen postiert war, würde sie dann schon hören.
Sie holte tief Luft und ging dann mehr oder weniger entschlossen in die Stube. "Ach herrjeh....!" Es sah aus,als hätte dort eine Schlacht statt gefunden. Alle Bücher waren aus den Regalen geworfen, lagen auf dem Boden, einzelne Seiten flogen zerknittert und zerrissen herum, so als hätte jemand mit wirklich grossem und unbändigem Zorn hier gewütet. Entsetzt wich Lairja einige Schritte zurück, und versuchte irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Ihr Herz schlug zum Zerspringen, ihr eigener Pulsschlag dröhnte in ihren Ohren.
Ein Geräusch, das aus Leannes Schlafzimmer kam, liess sie herum fahren. "Leanne, meine Güte, Leanne....." Wenn es hier schon so aussah...Nein! Das wollte sie gar nicht zu Ende denken. Mit einer fahrigen Bewegung rieb sie sich die Nase, wie immer, wenn sie erst einmal gar nicht wusste, was sie tun sollte. Die Gedanken in ihrem Kopf überschlugen sich. Energisch schüttelte Lairja den Kopf, sammelte ihren ganzen Mut zusammen, sie konnte ja hier nicht stehen bleiben und Wurzeln schlagen. Vorsichtig einen Fuss vor den andern setzend, ging sie in das Kaminzimmer. Auch die Tür zu Leannes Zimmer stand weit offen und deutlich konnte man hören, wie jemand dort drinnen alles durchwühlte. Gehetzt glitten ihre Blicke durch den Raum, sie brauchte eine Waffe irgendetwas, mit dem sie sich notfalls wehren konnte. Mit blossen Händen würde sie keinen grossen Schaden anrichten. Entschlossen griff sie sich einen der Holzscheite, die ordentlich neben dem Kamin aufgeschichtet waren.
Langsam, darauf bedacht kein Geräusch zu verursachen, das Stück Holz mit beiden Händen fest haltend, näherte sie sich der Schlafzimmertür. Das Bild das sich ihr bot, als sie im Türrahmen stehen blieb, liess sie erst einmal nach Luft schnappen. Das war doch dieser Herr Leith, der alle Sachen auf den Boden warf, der wie von Sinnen in Leannes Kommode herumwühlte. Er schien um sich herum gar nichts wahr zu nehmen, sie hätte einen Heidenlärm veranstalten können, und er hätte es gar nicht bemerkt. Das wichtigste aber war, Leanne lag nicht erschlagen am Boden, sie war gar nicht im Zimmer.Wenigstens diese Befürchtung hatte sich nicht bestätigt.
Woher sie diese plötzliche Ruhe nahm, das konnte Lairja sich nicht erklären. Ohne lange zu überlegen, ging sie auf ihn zu, hob das Holzscheit an, kniff die Augen zu und liess es mit aller Kraft auf ihn herunter sausen. Innerlich leise flehend: "Bitte lass mich treffen. Lass mich dem ein Ende bereiten."
Verfasst: Montag 7. August 2006, 09:01
von Leith Llastobhar
Der Holzscheit traf ihn mit Wucht am Hinterkopf.
Ohne einen Ton zu verlieren glitt sein schlaffer Körper zu Boden.
Das Buch rutschte über den glatten Holzboden und verursachte dabei ein Geräusch, nicht etwa wie ein zerschlissener Ledereinband, welcher über den Fußboden gezogen wurde, sondern vielmehr ein leises, heiseres Wispern, welches sich in der Stille verlor.
Gespenstisch flach war sein Atem und der Körper wirkte um Jahre Älter.
Das Buch war der Ursprung seines Schmerzes. Und noch hatte es Macht über ihn.
Verfasst: Montag 7. August 2006, 10:31
von Lairja Scherenbrueck
Das dumpfe Geräusch eines Aufschlags, brachte Lairja wieder zur Besinnung. Vorsichtig öffnete sie die Augen und starrte fassungslos auf Leith, der da vor ihr am Boden lag.
"Ach herrjeh....!" So ganz langsam sickerte bei ihr durch, was sie da gerade eigentlich getan hatte. Das sah gar nicht gut aus. Regungslos lag der Körper des jungen Mannes da vor ihr, der Atem war flach und die sonst schon so blasse Haut, hatte noch einiges mehr an Farbe verloren. Bestenfalls bliebe ja nur eine grosse Beule. So fest hatte sie ja gar nicht zugeschlagen, versuchte sie sich selbst zu beruhigen.
Du liebe Güte, das würde sie ihm irgendwann erklären müssen. Bei dem Gedanken daran, verkrampfte sich Lairja's Magen. Ihr Blick fiel auf das Buch, das da vor ihm Lag. Dieses vermaledeite Buch! Da war er ja schon, als er noch krank im Bett lag, so seltsam damit. Mit einem plötzlich aufkommenden Gefühl von Zorn beförderte sie das Buch mit einem kräftigen Fusstritt in die nächste Ecke, so weit weg wie möglich. Das Holzscheit, das sie immer noch in Händen hielt, flog im selben Atemzug hinter her. Grade so, als könnte sie das Buch oder seinen Inhalt damit auch erschlagen.
Es half alles nichts, so liegen lassen konnte sie Leith hier ja auch nicht. Das machte kein gutes Bild. "Sapperlott, Lairja, jetzt reiss dich aber mal zusammen!", schimpfte sie halblaut mit sich selbst. Und wo war überhaupt Leanne? Ganz langsam machte sich wieder Panik in ihr breit und der vor ihr liegende reglose Körper wurde erst einmal nebensächlich. Darum konnte sie sich nachher immer noch kümmern. So richtete Leith jetzt erst einmal keinen grossen Schaden mehr an. Jetzt musste sie erst einmal Leanne finden. Ausserdem war es, wenn er wieder zu sich käme, sicherlich besser, wenn sie zweit wären.
Verfasst: Montag 7. August 2006, 13:34
von Leanne
Langsam wich der Nebel in ihrem Kopf der Realität.
Mit jedem Atemzug kamen die Gedanken zurück..
Leith.. das Buch... der Fluch..
Er hat versucht mich zu töten!
Nein.. das war nicht er...
Schlagartig riss sie die Augen auf, fast panisch blickte sie sich im Raum um.
Er war fort... das Buch..
Ihre Hand glitt fahrig zu dem Kettchen an ihrem Hals und griff ins Leere.
Mühsam drückte sie sich mit dem Rücken an der Wand hoch.
Ihre Beine zitterten, einen Augenblick lehnte sie mit geschlossenen Augen an der Wand
"Reiß dich zusammen, verdammt. Lairja und Ana.. sie sind so arglos. Du musst nach ihm sehn!"
Sie holte tief Luft, ignorierte den Schmerz in ihrem Hals, und ging unsicher zum Brunnen.
Mit zittrigen Fingern füllte sie ihren Krug, die Hälfte verschüttend, rann die andere wohltuend kühlend ihre Kehle hinab.
Besser.. viel besser.
Den Krug achtlos auf dem Brunnenrand stehen lassend, eilte sie mit immer sicher werdenden Schritten durch die Stube, das Chaos dort gar nicht wahrnehmend, weiter durch den Flur in Richtung ihres Schlafzimmers.
Sie hielt kurz inne, als sie einen dumpfen Aufprall vernahm, öffnete dann aber entschlossen die Tür.
In Sekundenschnelle erfasste ihr Blick die Situation, die sich ihr darbot:
Leith leichenblass am Boden, Lairja völlig aufglöst, Panik im Gesicht, das Holzscheit unweit des verfluchten Buches in der Ecke.
Dankbare Wärme glomm in ihren Augen auf, als sich ihr Blick kurz mit dem Lairjas kreuzte.
Ohne ein Wort der Erklärung kniete sie neben Leith nieder, nahm seinen Kopf behutsam auf ihren Schoss.
"Lairja, wir brauchen etwas um ihn zu binden... er .. er ist nicht er selbst, schnell, bevor er aufwacht"
Ihr Blick glitt mit grimmiger Miene zum Buch. Dann nahm sie die Seile, die Lairja ihr stumm hinhielt, begann Leiths Hände zu fesseln, seine Beine, dabei leise murmelnd
"Es tut mir so leid.. ich weiß nicht was ich sonst tun soll... bitte verzeih mir"
Erst als sie sicher war, dass er sich nicht mehr rühren würde, wenn er aufwachen sollte, holte sie tief Luft und wendete sich Lairja zu.
"Hilfst du mir? Bringen wir ihn in den Keller, ich weiß nicht was er macht, wenn er erwacht, es ist besser wenn man ihn nicht hört.
Und dann..." sie stockte kurz, ein wenig Schuldbewusstsein schlich sich in ihre Stimme, als sie weitersprach "und dann möchte ich dich bitten zu seiner Familie zu reiten. Sie müssen wissen, was mit ihm geschieht.
Vielleicht können sie ihm helfen.
Ich würde lieber bei ihm bleiben... "
Mit leiser Stimme fügte sie an
"Danach .. werde ich dir alles erklären.. soweit ich es kann"