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Blinde Liebe - Schiffsbruch
Verfasst: Samstag 29. Juli 2006, 21:21
von Jarjare Elial
"Jarjare, ich bitte Dich! Bleib' und schlage Dir diesen Taugenichts aus dem Kopf!", donnerte die Stimme ihres Vaters durch die verschlossene Türe. Ein erbostes Schnauben seitens der Angesprochenen folgte, während sie hektisch Kleider und Hemden aus ihrem Schrank riss und in eine kleine Reisetasche stopfte. Ganz entgegen ihre sonstigen Ordnungsliebe war es Jarjare heute egal, dass ihre Kleidung zerknitterte und Falten davontrug. Ihr Herz schlug bis zum Halse und ihre Hände zitterten. Noch nie war sie dermaßen mit ihrem Vater in Zwietracht gelegen, noch nie hatte sie sich so gegen ihn aufgelehnt. Und das Gehämmerer an ihrer Türe schürte ihren Trotz umso mehr. Mit flinkem Griff packte sie auch noch die hölzerne Schmuckschatulle aus ihrem Nachttischchen in die Tasche. Die goldene und mit wertvollen Edelsteinen besetzte Kette darin hatte einst ihrer viel zu früh verstorbenen Mutter gehört - nun sollte sie die junge Jarjare in den Hafen der Ehe führen. Denn es war Nerrims Wunsch, dass sie die Kett trug, wenn er sie zu einer Braut machte. "Du weißt doch gar nicht wie er ist, er ist genau der Richtige für mich! Er ist der Mann meines Lebens!", brüllte Jarjare in voller verliebter Inbrunst dem Gepoltere ihres Vaters entgegen, um dann das Fenster zur Straße zu öffnen und hinaus zu klettern. Die wütenden Worte des alten Herren hörte sie nicht mehr und auch die verdutzten Blicke der Bürger, welche ihren gemächlichen Abendspaziergang durch Varuna machten, beirrten das junge Mädchen nicht. Sie warf sich die Tasche über die Schulter und lief los - nach Bajard, in die Arme ihrer Liebe.
"Mein Herz, da bist Du ja endlich! Wie sehr habe ich Dich herbeigesehnt", rief Nerrim ihr entgegen, als sie endlich an dem Hafen des kleinen Fischerdorfes ankam. Er nahm sie in die Arme und wirbelte sie voller Freude umher. Als er die jauchzende Jarjare wieder auf dem Boden abgesetzt hatte, flüsterte er leise in ihr Ohr, ob sie denn alles dabei hätte. Sie nickte hastig und als sie seinem prüfenden Blick begegnete, deutete sie auf ihre Tasche. "Ich habe sie dabei, uns steht nun nichts mehr im Wege", beruhigte sie ihn und schmiegte sich vertrauensvoll an seine breite Brust. "Dann lass' uns keine Zeit mehr verlieren!", rief er fröhlich aus, nahm sie an der Hand und zog sie mit sich auf den Steg des anliegenden Schiffes. In den Augen des jungen Paares leuchtete es - in ihren vor Glück und in seinen voller Gier.
Verfasst: Samstag 29. Juli 2006, 21:23
von Jarjare Elial
Niemand wußte, was den Brand ausgelöst hatte. In Sekundenschnelle stand das einst so stolz im Hafen Bajards liegende Schiff in meterhohen Flammen. Rußschwarze Fäden schwängerten die salzige Meeresluft und verwehrten den Menschen das Atmen sowie jeglichen Ansatz einer klaren Sicht. In heilloser Panik stolperten sie auf dem lodernden Deck umher, in der Hoffnung einen Platz in dem einzigen zur Verfügung stehenden Rettungsboot zu ergattern. Die Rufe der Matrosen, dass Frauen und Kinder zuerst in Sicherheit gebracht werden sollte, vergingen im Rauch des Feuers, jeder war sich selbst der Nächste. Nerrim legte scheinbar schützen wollend die Arme um Jarjare und zog sie an sich. Doch während sie vergeblich noch auf ermutigenden Zuspruch wartete, wurde ihr innerhalb weniger Moment die Tasche von den Schultern gerissen und sie selbst wurde unsanft auf die Planken gestoßen. "Nerrim, was ..?", rief sie ihm mit Tränen in den Augen zu. Doch er wandte ihr nur den Rücken zu und hechtete in Richtung des Rettungsbootes. Jerjare ihrem Schicksal überlassend.
Das Feuer ließ dem Mädchen keine Zeit. Ein lodernder Balken krachte nur wenige Meter von ihr entfernt auf das Deck und versperrte somit den Weg zum rettenden Boot. Getrieben von dem Willen nicht in dem Flammenmeer ums Leben zu kommen, rappelte sie sich hastig auf - die Schmerzen in ihrem Knöchel nicht mehr realisierend. Garstig zischend schlug eine mannshohe Flamme nach Jarjare und trieb sie an die Reeling des Schiffes. Unter ihr schlugen die Wellen kräftig, sie sah fuchtelnde Arme und Hände aus dem Wasser herausragen. Jarjare schloß die Augen und sprang. Keine Sekunde später hätte sie sich fallen lassen dürfen, wäre sie eine glühenden Fackel gleich gemacht worden. Eisige Kälte nahm den erhitzten Mädchenkörper in Empfang, die Wellen zerrten an ihr und das Gewicht ihrer Kleidung zog sie mehr und mehr in die Tiefe. Die Augen vor Panik weit aufgerissen, strampelte sie um ihr Leben. Hoch, nur hoch! Der Drang den Mund zu öffnen, der Drang nach Luft war nahezu unwiderstehlich. Nach oben, hoch an die Oberfläche! Die Hände griffen ins Leere, nichts zum Festhalten. Luft! Die Beine, schwer wie Blei, doch sie strampelten weiter. Ja, gleich! Der Mund öffnete sich und zog gierig die kalte Nachtluft in die hungernden Lungen. Ein treibende Holzplanke, ihre Rettung! Nur die Hände danach ausstrecken und zupacken. Wären sie nur nicht so schwer, so müde.
Jegliches Zeitgefühl war ihr abhanden gekommen. Die Kälte des nächtlichen Ozeans hatte ihren Körper umgriffen, Lippen und Fingernägel waren schon dunkelviolett eingefärbt. Der von dicken nassen Haarsträhnen umrahmte Kopf lag auf einem Holzstück, welches die Hände nur noch mit letzter Mühe umfasst hielten. Atmen, nur atmen. Öffne die Augen! Doch ihre Lider gehorchten ihr nicht. Sie trieb weiter im Arm der Wellen. Das brennende Schiff hinter sich gelassen .. dem Tod entgegen?
Verfasst: Donnerstag 3. August 2006, 16:24
von Jarjare Elial
Schwärze. Rabendunkel. Kein Lichtschimmer, kein Farbenspiel. Erdrückende Leere, beklemmende Stille. Schlaf sollte erholsam sein, gespickt mit bunten Träumen. Im Traum verarbeitete die Seele Erlebtes. Doch was, wenn es nichts Erlebtes gab ? Wenn die Erinnerungen an ein ganzes Leben mit einem Schlag weggewischt wurden ? Wovon sollte man träumen ? Wie konnte Schlaf dann Genesung bringen ?
Jarjare sah auf, blickte in mitfühlende blassblaue Augen. "Ich werde Euch zum Orden bringen. Und mich außerdem um einen Heilkundigen kümmern". Ruhig klang die männliche Stimme, die dem blauen Augenpaar zugehörig war. Ihr Fuß, ja. Geschwollen war er, außerdem livide verfärbt. Und schmerzhaft, nicht zu knapp. Doch der Orden ? Eine Regung konnte sie in ihrem Inneren vernehmen. Hatte er nicht auch von Temora gesprochen ? Natürlich, der Orden der Temora ! Woher kannte sie ihn nur ? Es war sicher ein gutes Zeichen - sie sollte dem weißblonden Mann dorthin folgen. Er hatte sie nicht nur aus den Fluten des Meeres gerettet, seine Worte wirkten wie Balsam auf die verzweifelte Seele des jungen Mädchens.
Er reichte ihr ihre Kleidung, welche auf dem Boden vor dem Bett lag. Weiße salzige Krusten zeichneten sich auf dem Stoff ab und machten ihn ein wenig steif. Ein dumpfes Aufschlagen auf dem Teppich machte auf ein Schmuckstück aufmerksam, welches aus der Rocktasche herausgefallen war. Er hob es auf, hielt es an der dünnen Kette hoch und reichte es ihr dann. "Das gehört sicher Euch". Jarjare nahm die Kette entgegen, an deren Ende ein unverziertes ovales Amulett hing. "Ich kenne es nicht". Drehen und Wenden, doch der kleine Klappverschluß blieb unentdeckt. Es wanderte zurück in die Rocktasche.
"Autsch!". Nur wenige Meter aus dem Gastzimmer hatten sie es geschafft. Jarjare auf einem Bein humpelnd, er sie stützend. Jede Bewegung erschien wie ein Beben, welches jede Körperfaser erschütterte. Die wenigen Schritte brachten sie zum Keuchen, ihr schwindelte.
"Die Haltung des Fußes, ich habe sie schon einmal gesehen. Die Färbung." Rasch wurde in einem Buch geblättert. "Setzt Euch, um Himmels Willen setzt Euch!". Jarjare ließ sich mithilfe des Weißblonden auf einen Stuhl herabsinken. Die in eine feine Gewandung gekleidete Frau, welche soeben ihr Gastzimmer verlassen hatte, kniete vor Jarjare und betrachtete den schmerzenden Fuß. "Kaltes Wasser, rasch!", wieß sie ihn an. Jarjare wurde schwarz vor Augen. Geräusche, die sie nicht deuten konnte drangen zu ihr. Noch immer Schwärze. Für wielange ? Unwissend.
"Legt den Fuß in den Eimer, taucht ihn ins Wasser!". Die Kälte ließ den Schwindel verfliegen. Messerscharf war das kühle Naß. "Hier, trinkt. Es wird Euch die Schmerzen nehmen". Bitter rann es ihre Kehle hinab. Zum Ausspucken, doch Hoffnung auf Linderung. "Einen Verband mit Salbe werde ich Euch noch anlegen". Heftiges Kopfschütteln, nicht berühren ! Verwunderung im Blick der Knieenden. "Aber ich kann Euch nicht ohne Verband gehen lassen". Wieder Kopfschütteln. Bloß nicht anfassen !
"Bringt mich zum Orden, bitte". Flehend, sehnend nach dem einzigen Lichtlein in der Schwärze ihrer Erinnerungen. Der Weg war schmerzhaft, anstrengend und ermüdend. Seine Arme hielten sie, führten sie. Bis an den Ort der Hoffnung. Tiefer Schlaf brach über sie herein und ein klein wenig Erlebtes zum Träumen.
Verfasst: Freitag 4. August 2006, 22:30
von Bredelin Elial
"Jarjare, ich bitte Dich! Bleib' und schlage Dir diesen Taugenichts aus dem Kopf!“, der besorgte Vater wusste sehr wohl, dass er sich in Lautstärke und Ton vergriff, doch war ihm seine Tochter zu wichtig, als dass er tatenlos mit ansehen könnte, wie sie diesem Luftikus hinterherlief und seines Erachtens somit in ihr Unglück. Der mittlerweile leicht ergraute Mann liebte seine Jarjare über alles, es zerriss ihn innerlich wenn er daran dachte, dass er sie verlieren könnte. Mit aller Kraft warf er sich gegen die Tür, massiv gebaut schmerzte die Schulter schon nach dem ersten mal, nach dem zweiten kostete es ihn schon Überwindung noch einmal dagegen an zu rennen, doch was die Mischung aus Wut und Liebe schaffte wurde belohnt: Mit einem lauten Knacken, Brechen sprang die Tür auf und er stolperte in das Zimmer seiner Tochter, doch da war niemand mehr außer leeren Schränken und Schubladen…
Sorge hatte den Anflug von Wut aus seinen Zügen vertrieben als er durch die dunklen Straßen hetzte, von Passant zu Passant um Erkundigungen ein zu holen und tatsächlich: So manchem war die aufgelöste 17jährige aufgefallen, wie sie in Richtung des Bajards, dem kleinen Fischerdorf und zugleich dem nächsten Hafen, eilte, als ihm nicht nur die Richtung, die seine Lotsen ihm deuteten klar wurden sondern er auch noch erfuhr, dass sie nicht allein gewesen war beschleunigten sich seine Schritte ein weiteres mal und statt mal um mal zu fragen eilte er direkt zu den Piers…
An den meisten der hölzernen Stege lagen nur die typischen Fischerbote, vor so manchem saß der Eigner im Fackelschein und flickte das Netz, doch hier wusste keiner etwas von seiner Tochter, keiner hatte sie oder den „Mann ihres Lebens“ gesehen. Am letzten Steg lag ein großes Personen- und Frachtschiff, doch die Hoffnung hier die Tochter zu finden erstarb schnell, als er erkannte, dass nur eine Fackel brannte: Die der Wache, welche das Schiff bewachte, gehörte. Der Vater wollte schon enttäuscht umdrehen und die Tavernen aufsuchen, doch beschloss er zuvor noch jenen Bürgerwehr’ler zu befragen: Von dem nächtlichen Dienst sichtlich gelangweilt war William – so stellte sich der junge Mann vor – ausgesprochen auskunftsfreudig und schon bald zeichnete sich ab, dass die Gesuchte sich auf dem Schiff befand, dass von der anderen Seite des Piers vor nicht ganz einer halben Stunde ausgelaufen war.
Zusammengesackt saß der verlassene Vater auf einer Bank am Steg, in einiger Entfernung konnte er noch die Hecklaterne jenes Schiffes ausmachen, auf dem seine Tochter sich befand, mit diesem.. Kerl. Die Liebe zu seiner Tochter, die Wut über ihr Handeln und der Hass auf Kerrim rangen unterdessen in seinem Kopf miteinander und mehr und mehr vernebelte eben dieser Kampf seinen Geist… Doch kaum später riss ein enormer Knall den Sitzenden auf die Füße und zugleich aus dem inneren Kampf der Emotionen: Ein gigantisches Feuer weit draußen auf dem Meer hatte die Dunkelheit der Nacht verspeist und griff um sich, genau an jener Stelle an der er die kleine Hecklaterne zum letzten Mal ausgemacht hatte. Augenblicklich war der vorher gefochtene Kampf entschieden: Mit der Sorge als mächtige Verbündete, schlug Liebe, Hass und Wut, doch das wurde dem Sorgenvollen schon nicht mehr bewusst: Einige lange Sätze trugen ihn an den auf dem Steg und am Ufer Stehenden vorbei und ein weiterer direkt ins kalte Nass.
Der Mann von Anfang vierzig spürte wie das Wasser über ihm zusammenbrach und die eisige Kälte seinen Körper einnahm, mit aller Kraft brachen Hände und Füße durch die Wasseroberfläche um den Körper nach vorne zu drücken, doch es dauerte nicht lange bis seine Glieder zu schlottern begannen, der pochende Drang das ewig weit entfernte Schiff zu erreichen behielt noch einige Zeit die Oberhand doch von Zug zu Zug fielen die Bewegungen schwerer… und schwerer… und schwerer… bis sein Geist leer wurde und einzig von dem Drang vor zu preschen beherrscht wurde – während er in Wirklichkeit kaum noch voran kam, dann… wurde es schwarz um ihn.
Schweres Husten, Wasser spucken… wieder Husten… unter sich spürte er harten Boden, die Planken eines Schiffes, kaum wurde er sich dessen bewusst riss er seine Augen auf: „Was.. Wo.. ich.. ich muss weiter!“, er bemühte sich aufzuspringen doch die Kraftlosigkeit riss ihn von den Füßen und ließ ihn das ganze noch mal langsamer angehen: Seine Lunge brannte als wäre sie mit kochendem Teer ausgegossen worden während er am ganzen Körper vor Kälte schlotterte… Als der Vater seinen Blick über die Reling warf schlug ihm die Hitze des nun nahen Feuers entgegen. Um ihn herum standen zahlreiche Männer, vom Schweiße nass, die mit langen Stangen im Wasser herumstochern, daneben andere, die mit Seilen versuchten die wenigen noch im Wasser Strampelnden heraus zu ziehen – doch da waren nicht mehr viele, die meisten waren wohl schon gerettet, oder aber längst hinab gezogen worden.
Still war es, ab und zu ein Schrei, aber vor allem das Knistern des langsam versinkenden Schiffes, dann legte sich plötzlich eine Hand auf die Schulter des Geretteten: „Ihr seid in Sicherheit… ganz ruhig“, doch das war es nicht was seinen Blick wie den eines Irren umherschnellen lies: „Meine.. Meine Tochter..! Habt ihr.. meine Tochter gesehen?!“ – unterdessen erkannte er, dass sich um das Schiff herum zahlreiche kleinere und größere Boote eingefunden hatten – und wieder ein Hilferuf voll Todesangst. Die Hand auf seiner Schulter drückte kurz ein wenig fester – aufmunternd:
„Es sind fast alle gerettet, wir werden umkehren, ihr solltet eure Tochter an Land suchen… dort wird sie sicher sein.“
Verfasst: Sonntag 6. August 2006, 20:17
von Crean Laskelin
Spät noch war er durch die Gassen Bajards geschlendert, als ein Schrei die stille der warmen Sommernacht durchbrach. Leise und undeutlich klang er in Creans Ohren, und beinahe hätte er es als einen Streich seiner Sinne abgetan. Doch erneut wehte der schwache Hilferuf vom Meer herüber. Vom aufkommenden Seewind herangeweht, erklang er nun so deutlich, dass selbst im am Wasser gelegenen Gasthaus jemand den Klang der jungen weiblichen Stimme vernahm und aus der Tür hinaus eilte. Die beiden Männer spähten auf das Meer hinaus. Wieder ein schwacher Schrei, dann sahen sie den Schopf für einen Augenblick zwischen den schwarzen, sanft wogenden Welle auftauchen. "Temora hilf" entfuhr es Crean, als sich die Wasseroberfläche dunkel über dem versinkenen Schopf schloss. Er sah zur Seite zu dem jungen Mann aus dem Gasthaus, da sprang jener schon in die Fluten und so zögerte Crean nicht lange, es ihm gleich zu tun.
Erschöpft zogen sie das Mädchen gemeinsam aus dem Wasser. Die Kleider des Kriegers klebten nass an seinem Körper. Immer wieder flehte Crean Temora um Beistand an und ob es ihre unendliche Güte oder sein festes Schütteln war, welches sie Kra'thors schwarzen Klauen entriss, konnte niemand mehr sagen.
[...]
Nachdenklich betrachtete der Ordensbruder die schlafende junge Frau, dann wand er sich um und lies die Tür leise hinter sich ins Schloss fallen. Wer war dieses Mädchen? fragte er sich. Was verbarg sich hinter dem Schleier ihrer verlohrenen Erinnerungen? Crean war sich sicher, es war gut sie hier in das Haus des heiligen Ordens zu bringen. Er würde sich ihrer annehmen.
Verfasst: Freitag 11. August 2006, 08:24
von Jarjare Elial
Viele Stunden verbrachte Jarjare im Schlaf. Immer wieder erwachte sie, um sich dem Blick auf die öden Wände ihres Zimmers gewahr zu werden, dann fiel sie wieder zurück in das Reich der Träume. Ja, sie träumte und diese Tatsache machte ihr das Ruhen leichter. Auch wenn die Suche nach ihren Erinnerungen auch in dieser Welt keinen Erfolg zeigte, so konnte sie wenigstens das Erlebte verarbeiten.
Zwei Tage, nachdem Crean sie ins Ordenshaus der Templer gebracht hatte, war sie des Schlafes überdrüssig. Noch viel mehr allerdings war sie der eintönig Wand ihres Zimmers satt. Im Versuch mit dem verletzten Fuß alleine von ihrem kleinen Lager aufzustehen, stützte sie sich auf eine kleine Sitzbank ab, welche aber zu ihren Unmut umkippte und sie wieder zurück gen Boden riss. Wohl durch das Gepoltere aufmerksam geworden, eilte Crean in das Zimmer um nach dem Rechten zu sehen. Eilig half er ihr auf und stützte sie. "Bringt mich an die frische Luft, bitte. Ich werde noch wahnsinnig in diesem Zimmer". Schmerzhaft war der Weg nach draußen in den Garten. Auch wenn ihr Fuß deutlich abgeschwollen war, hatte er noch immer nicht die Maße eines normalen Fußes, von der Farbe ganz zu schweigen. Und an ein selbstständiges Laufen war noch lange nicht zu denken, Creans Zeit als "Packesel" war noch lange nicht vorüber.
Im Garten kamen sie an einem Springbrunnen zum Sitzen. Ein Pfirsichbaum spendete ihnen Schatten vor der Mittagssonne und außerdem eine wohltuende Mahlzeit. Seit man sie aus dem Meer gerettet hatte, hatte Jarjare nichts mehr gegessen. Umso gieriger schlang sie nun das Fruchtfleisch der Pfirsiche hinab. So gut!
"Autsch!", entwich es plötzlich den Lippen Jarjares, als sie ihre Sitzposition auf der Bank ein wenig ändern wollte. Verärgert über den stechenden Schmerz in ihrer Gesäßhälfte, suchte sie mit der Hand nach dem Verursacher. In ihrer Rocktasche wurde sie fündig, es war das ovale Amulett, welches sie vor dem Aufbuch zum Orden darin verstaut hatte. Da war es also wieder, das geheimnissvolle Schmuckstück, mit welchem sie nichts anzufangen wusste. Die dünne Kette um den Zeigefinger gewickelt, ließ sie es in der Luft zwischen Crean und sich hin- und herbaumeln. "Seht mal, dort ist ein Verschluß!", stellte Crean fest, nachdem er es eine Weile betrachtet hatte. Gespannt betrachtete Jarjare das Schmuckstück genauer und tatsächlich, an der rechten Seite offenbahrte sich ein kleiner Klappverschluß. Es kostete sie einige Versuche diesen zu öffnen, doch als es ihr endlich gelang, war die Zeichnung einer kleinen Familie zu erkennen. Zwei Erwachsene, ein Mann und eine Frau, die in ihrer Mitte ein kleines Mädchen umarmt hielten. Eine Weile betrachtete Jarjare das Bild, in der Hoffnung einen der Gezeichneten wieder zu erkennen. Doch es sagte ihr nichts, keine Regung tat sich in ihren Erinnerungen auf. Doch dann spürte sie den Blick Creans auf sich, der immer wieder zwischen ihrem Gesicht und der Zeichnung wanderte. "Was denn?", fragte sie sichtlich verunsichert. "Nun, wenn man genau hinsieht .. und die vergangenen Jahre beachtet ...". "Wollt Ihr damit sagen, dass .. ?". Ungläubig starrte Jarjare noch einmal auf die Zeichnung. Sie wußte nicht einmal wer sie war, wie sollte sie wissen ob ihr jetztiges Gesicht mit dem des Kindes Ähnlichkeiten aufwies. Und dann begann sich etwas zu regen in ihrem Bewußtsein, ein Hoffnungsschimmer tat sich auf. Ruckartig wandte sie ihren Blick auf Crean, griff nach seiner Hand. "Wenn wir diese Leute finden, die auf der Zeichnung abgebildet sind, dann können sie mir vielleicht helfen! Ich meine, ich habe das Amulett ja sicher nicht ohne Grund bei mir getragen. Sie wissen sicher wer ich bin! Oh bitte Crean, Ihr müsste diese Leute finden!". Sichtlich überrumpelt von ihrer Euphorie brauchte er einige Augenblicke bis er Jarjares Gedankengang nachempfinden konnte. Doch dann rang er sich zu einem kräftigen Nicken durch. "Ihr habt Recht, das ist eine Möglichkeit. Ich werde sie suchen lassen!". Beflügelt von dem neuen Lichtblick drückte sie Crean das Amulett in die Hand. "Verliert keine Zeit, bitte!".
Verfasst: Freitag 11. August 2006, 12:21
von Crean Laskelin
Mit dem Amulett in der Tasche eilte Crean durch die Straßen Varunas. Sein Blick fuhr umher, ständig auf der Suche nach jemandem der geeignet schien, das kleine Bildnis zu vergrößern. Es dauerte einige Zeit, bis er auf einen unscheinbaren Laden in einer Gasse nahe dem Armenviertel aufmerksam wurde. In den kleinen Fenstern hingen liebevoll gezeichnete Gemälde und die Fensterbretter waren gespickt mit winzigen hölzernen Figürchen. Crean trat durch die Tür in einen dunklen, von einer einzigen Lampe erhellten Raum. Der Geruch von altem Holz und Wachs stieg ihm in die Nase. Überall hingen und standen verschiedene Bilder zwischen großen und kleinen Figuren. Über einem Tisch in der Ecke saß ein Mann mittleren Alters. Nur noch wenige kurze schwarze Haare zierten sein Haupt. Mit einem Hämmerchen und einem Spatel bearbeitete er ein eingespanntes Stück Holz, doch aus dem unfertigen Klotz war es Crean unmöglich zu schließen, was es einmal darstellen soll. Der Ordensbruder räusperte sich und erst jetzt sah der Mann langsam zu ihm herüber, legte sein Werkzeug beiseite und erhob sich „Was kann ich für euch tun, guter Mann?“ fragte er freundlich und ungewöhnlich Rauh – seine Stimme musste bereits Opfer der feinen Späne und des Staubes geworden sein. „Temora zum Gruß,“ antwortete Crean eben solcher Freundlichkeit. „Habt ihr all diese selbst Bilder gezeichnet?“ Er deutete auf eines an den Wänden. Fragend sah der Mann ihn an. „Wollt ihr eines kaufen?“ „Nein, nicht direkt,“ entgegnete Crean und zog das kleine Amulett hervor. Vorsichtig öffnete er den Verschluss und zeigte ihm das Bildnis. „Könnt ihr das dreimal abzeichnen und vergrößern?“ Der Mann nahm das Amulett an sich und betrachtete es noch einmal. „Sicher kann ich das – für 300 Goldstücke.“ Crean sah ihn beinahe tadelnd an, doch dann antwortete er: „Gut, 300 Goldstücke. Wann werdet ihr fertig sein?“ „Noch am heutigen Abend,“ entgegnete er , befreite seinen Arbeitstisch von dem unfertigen Werk und nahm einen Bogen Pergament zur Hand. „Ist euch die Größe genehm?“ „Ja, das sollte genügen. Ich werde zur 18. Stunde wiederkommen.“
[...]
Mit den Pergamenten in der Hand und dem Amulett in der Tasche betrat er das Wirtshaus. „Temora zum Gruß, Johan. Würdet ihr mir einen Gefallen erweisen?“ „Na was darf es denn sein, Herr Laskelin?“ fragte der Wirt mit seinem stets freundlichen Lächeln auf den Lippen. „Diese Zeichnung,“ er übergab ihm eines der Pergamente, „würdet ihr sie für mich aushängen und jene Menschen sofort zum Haus des Ordens der Temora schicken so ihr sie seht oder von ihnen hört?“ Bittend sah er Johan an. Dieser Betrachtete das Bild und schlug es dann kurzerhand mit einem Nagel an die Wand. Ich werde die Leut zu euch schicken, so ich von ihnen Kunde erhalte.“
So besuchte Crean anschließend auch das Gasthaus und ritt sogar gen Bajard, um dort dem Wirt das dritte Pergament zu übergeben und nach den Personen suchen zu lassen.
Verfasst: Freitag 11. August 2006, 12:51
von Johann Weinschenk
Kleine Wölkchen stiegen aus der Pfeife in seinem Mundwinkel auf, während er die Zeichnung an der Wand seiner Taverne betrachtete. Herr Laskelin, ein Ordensbruder der Temora hatte ihn gebeten, das Bildnis auszuhängen. Zu welchem Zwecke, das hatte er ihm nicht verraten. Doch er war sich sicher, dass es an Wichtigkeit besaß, sonst hätte Herr Laskelin ihn nicht darum gebeten. Leider waren ihm die Gesichter auf dem Bild fremd und das obwohl er schon eine Weile in der Hauptstadt des Reiches lebte. Doch wer wußte schon, aus welchem Jahr die Zeichnung stammte? Die Zeit veränderte die Menschen manchmal auf gar unglaubliche Art und Weise.
Und ein jeder, der die Taverne der Weinschenks betrat, wurde fortan auf das Bildnis aufmerksam gemacht, so dass vielleicht einer unter ihnen weilte, der die Menschen darauf wieder erkannte.
Verfasst: Freitag 11. August 2006, 13:15
von Adrienne de Bourgo
Es war ihr erster Fall und man sagt ja, den ersten Patienten wuerde man auf Lebenszeit nicht vergessen, so vergaß Adrienne auch Jarjare nicht, welche gestuetzt auf den Ordensbruder Crean wackelig in dem Raum der Herberge stand.
Sie hatte zum glueck ein wenig ahnung von solchen Verletzungen und konnte ihr deswegen auch Hilfe leisten, obwohl sie doch etwas unhoeflich war nebendrein, aber es war Adrienne unwichtig, denn sie konnte helfen und das zählte.
Ein dankbares Lächeln bekam sie am Schluss der Behandlung und das reichte ihr allemal.
Sie konnte wenigstens ein wenig helfen und betete zu Temora, dass die junge frau wohl bald wieder vollstaendig genesen wuerde..
Verfasst: Mittwoch 23. August 2006, 19:47
von Bredelin Elial
RAAAATSCH! - Der Nagel mit dem das Pergament an die hölzerne Wand geheftet war riss einen großen Fetzen heraus. Sofort preschte er einmal quer durch die Taverne, an der Theke noch einen der dort Sitzendem vom Hocker schmeißend - ohne Zweifel hätte es so oder so aber wohl sicher nicht mehr lange gedauert bis er von alleine dort hinunter gefallen wäre. Jenes Geschehen riss im gleichen Moment auch schon des Wirtes Aufmerksamkeit auf Bredelin, welcher hastig das abgerissene Pergament auf die Theke donnerte: "Woher.." keuchte er "Was.. von wem habt ihr das..? Wo stammt das her.. nun.. nun.. sprecht schon!!".
Johann hob seine Arme beschwichtigend als habe er einen sturzbesoffenen mit Messer in der Hand vor sich, der versuchte trotz leerer Taschen ein weiteres Bier zu erpressen, die Ruhe, welche seine Worte warm und wohlig färbte, wirkte geradezu routiniert: "Ganz ruhig.. diese Zeichnung hat Herr Laskelin hier aufgehängt, er bat mich einen jeden der danach fragt zum Haus des Ordens der Temora zu schicken..". Kaum hatte der Wirt zu Ende gesprochen eilte Bredelin aus der Taverne - Anstand und Dankbarkeit vergessend - eigentlich war er in die Taverne gekommen um einen Wein zu trinken und ein wenig unter Leuten zu sein, er hatte in den letzten Tagen unentwegt seine Tochter gesucht, kaum geschlafen und von Stunde zu Stunde war sein Verlangen nach ein wenig Seelenbalsam stetig gewachsen, doch jetzt war all das vergessen:
Ohne nach rechts oder links zu schauen eilte er quer durch Varuna in Richtung des nächsten Tores um dem erstbesten Kutscher ein Beutelchen mit Münzen zuzuwerfen: "Auf dem schnellsten Wege zum Kloster! Sputet euch!"
Verfasst: Dienstag 29. August 2006, 13:35
von Crean Laskelin
Vater und Tochter hielten sich fest im Arm und der Anblick erfüllte Creans Herz mit tiefer Freude. Er hatte das junge Mädchen in sein Herz geschlossen Nacht um Nacht, Tag um Tag gehofft, jemand würde sie auf den Bildern in den Gasthäusern erkennen. Innere Wärme stieg in ihm auf, als er die zwei im Licht der Morgensonne stehen sah und der glückliche Vater ihm seine Worte der Dankbarkeit aussprach. Crean war sich sicher, dieser Tag würde den Abschied von dem lieb gewonnenen Mädchen bedeuten und dennnoch überwog die Freude über ihr Glück der Trauer um den Abschied. Als Jarjare und ihr Vater ihm dann versprachen sie würden ihn wieder Besuchen kommen, war ihm, als fehlte ihm einzig Adrienne an seiner Seite, seine von Herzen geliebte Verlobte, zu eine Moment vollkommener Zufriedenheit.
Und so blieb er noch lange am Tor stehen, nachdem Vater und Tochter hinter den sonnenbeschienenen Hügeln aus seinem Blick verschwunden waren und genoß dieses wunderbare Gefühl. Dann richtete er seine blassen blauen Augen gen Himmel und sprach Temora seinen stummen Dank aus.