Ein Fels in der Brandung
Verfasst: Samstag 8. Oktober 2022, 22:07
Der Abendwind streicht über die Baumkronen des Waldstücks vor dem Kloster zu Schwingenstein. Anmutig wiegt sich das bunte Laub des kleinen Bruchs mit dem Wind, schillernd erscheint das Farbenspiel im Licht der untergehenden Sonne, welche sich zur Ruhe hinter das Meer begibt. Wie oft haben die Brüder und Schwestern des Paktes die Sonne an diesem Ort schon untergehen sehen, manches mal nach blutiger Schlacht, doch auch nach freudigen Festen oder geselligen Besuchen bei Handwerkern und Freunden. Schwingenstein war nicht nur ein Grenzgebiet, sondern ein strahlendes Licht des Glaubens, welches sich mutig den Schatten aus dem Westen entgegenstellte und ein Hort, an denen sich all jene einfinden konnten, die Schutz benötigten. Doch Schutz war auch für das Kloster manches mal von Nöten, wenn die Geißel des Westerns nach dieser sonst ruhigen Heimat greifen wollte.
Lester schmunzelt leicht auf. Bei seinen Tagen im Jagdkontor zu Adoran wollte er stets nur seine Heimat schützen, in diesem Bestreben hatte er selbst das Regiment schon durchlaufen. Das alles vermochte jedoch nie genug zu sein, denn allzuoft war die Bedrohung so gewaltig, dass nur die Völker vereint bestehen konnten. Nicht nur der Westen leckte sich die Lippen nach diesem Stück Gerimors: Drachen, Kristallbestien, Dämonen und viel anderes Unheil brach in der Vergangenheit schon über diesen Teil der Insel herein. Als Krieger, der kaum in die Rüstung passte, die ihm damals von Thamor geklopft wurde, fürchtete er stets nicht genug bewirken zu können. Sir Beak war zu dieser Zeit ein wichtiges Vorbild für den noch jungen Krieger und der Pragmatismus von Berenguer prägten ihn nicht gering. Jahre später nun stand er an dem Ort, der eine Feste der Lichteinigkeit werden sollte. Nicht sein alleiniger Verdienst, doch als Gelehrter den Bau zu beaufsichtigen erfüllte ihn mit einer tiefen Genugtuung und selten, ja zu selten, fühlte er sich wirklich ausgeglichen und geerdet. Leandra hat viel in der Vergangenheit in Bewegung gesetzt, um sich durch die Erlasse und Formalitäten zu quälen und die Gemeinschaft als ganzes schon manche Tür eingerannt, um nicht in der Nichtigkeit zu verschwinden. Stärker als sonst, standen sie an jenem Abend zusammen und blickten auf das Stück Land, dass Heimat und Bollwerk werden sollte.
Viel gab es zu bereden. Aus dem Hintergrund vernahm der Magier, wie sich Rago und Raugarosch darüber stritten, ob Bierkeller oder Belagerungswerkstatt wichtiger wären. Sorgsam und feinfühlig, verweilte Arvinul am Wegesrand und suchte schon nach gesunden Bäumen, die ihre Saat spenden würden, um die sonst karge Wiese wieder zu beleben. Christian beobachte sie mit einem Lächeln dabei, stand er der Natur selbst ähnlich Nahe. Gänzlich ungestört davon blieb Dirinthar, der im Schatten des Baumes lag und Wache hielt - oder schlief. Kaum einer wollte ihn stören und es herausfinden. Auch das angeregte Gespräch über die notwendigen Steinlieferungen von Baraffar und Vala konnte ihn da wohl nicht wecken. Mir'iel schien umso mehr frohen Mutes und gesellte sich mit Sir Keylon zu der gemischten Truppe hinzu - hinter ihrem Umhang holte sie eine Flasche Wein heraus und sah erwartungsvoll in die Runde.
Dieser frohe und erwartungsvolle Blick fasste das Gefühl zusammen, dass sie alle an diesem Abend verbinden sollte. Die Hoffnung das streitbare Licht weiter in die Welt hinauszutragen und die Völker zu mehr Austausch im gemeinsamen Streben um Schutz und Wohlergehen der eigenen Heimat zu bewegen waren es, was sie zusammenbrachte. Doch die Freundschaft sollte das Band sein, was sie beisammen hielt. Nun galt es dieses Band in Stein zu meißeln. Abends noch, so mag es der aufmerksame Nachbar bemerken, stiefelte ein Magier mit mehreren Büchern und Pergamenten durch Adoran und verbrachte diese in die Kutsche nach Junkersteyn. Etwas erinnerte ihn an eine alte Wehr aus der Heimat, die wie ein Fels in der Brandung die Dekaden überdauerte...

Lester schmunzelt leicht auf. Bei seinen Tagen im Jagdkontor zu Adoran wollte er stets nur seine Heimat schützen, in diesem Bestreben hatte er selbst das Regiment schon durchlaufen. Das alles vermochte jedoch nie genug zu sein, denn allzuoft war die Bedrohung so gewaltig, dass nur die Völker vereint bestehen konnten. Nicht nur der Westen leckte sich die Lippen nach diesem Stück Gerimors: Drachen, Kristallbestien, Dämonen und viel anderes Unheil brach in der Vergangenheit schon über diesen Teil der Insel herein. Als Krieger, der kaum in die Rüstung passte, die ihm damals von Thamor geklopft wurde, fürchtete er stets nicht genug bewirken zu können. Sir Beak war zu dieser Zeit ein wichtiges Vorbild für den noch jungen Krieger und der Pragmatismus von Berenguer prägten ihn nicht gering. Jahre später nun stand er an dem Ort, der eine Feste der Lichteinigkeit werden sollte. Nicht sein alleiniger Verdienst, doch als Gelehrter den Bau zu beaufsichtigen erfüllte ihn mit einer tiefen Genugtuung und selten, ja zu selten, fühlte er sich wirklich ausgeglichen und geerdet. Leandra hat viel in der Vergangenheit in Bewegung gesetzt, um sich durch die Erlasse und Formalitäten zu quälen und die Gemeinschaft als ganzes schon manche Tür eingerannt, um nicht in der Nichtigkeit zu verschwinden. Stärker als sonst, standen sie an jenem Abend zusammen und blickten auf das Stück Land, dass Heimat und Bollwerk werden sollte.
Viel gab es zu bereden. Aus dem Hintergrund vernahm der Magier, wie sich Rago und Raugarosch darüber stritten, ob Bierkeller oder Belagerungswerkstatt wichtiger wären. Sorgsam und feinfühlig, verweilte Arvinul am Wegesrand und suchte schon nach gesunden Bäumen, die ihre Saat spenden würden, um die sonst karge Wiese wieder zu beleben. Christian beobachte sie mit einem Lächeln dabei, stand er der Natur selbst ähnlich Nahe. Gänzlich ungestört davon blieb Dirinthar, der im Schatten des Baumes lag und Wache hielt - oder schlief. Kaum einer wollte ihn stören und es herausfinden. Auch das angeregte Gespräch über die notwendigen Steinlieferungen von Baraffar und Vala konnte ihn da wohl nicht wecken. Mir'iel schien umso mehr frohen Mutes und gesellte sich mit Sir Keylon zu der gemischten Truppe hinzu - hinter ihrem Umhang holte sie eine Flasche Wein heraus und sah erwartungsvoll in die Runde.
Dieser frohe und erwartungsvolle Blick fasste das Gefühl zusammen, dass sie alle an diesem Abend verbinden sollte. Die Hoffnung das streitbare Licht weiter in die Welt hinauszutragen und die Völker zu mehr Austausch im gemeinsamen Streben um Schutz und Wohlergehen der eigenen Heimat zu bewegen waren es, was sie zusammenbrachte. Doch die Freundschaft sollte das Band sein, was sie beisammen hielt. Nun galt es dieses Band in Stein zu meißeln. Abends noch, so mag es der aufmerksame Nachbar bemerken, stiefelte ein Magier mit mehreren Büchern und Pergamenten durch Adoran und verbrachte diese in die Kutsche nach Junkersteyn. Etwas erinnerte ihn an eine alte Wehr aus der Heimat, die wie ein Fels in der Brandung die Dekaden überdauerte...
Es gab viel zu tun.



