Rache ist scharf
Verfasst: Donnerstag 27. Juli 2006, 22:03
Sie sah auf die vier Teller und nickte.
"Sieht sehr gut aus. Welcher ist der Teller für seine Hoheit?"
Küchenmeister Helmar deutete auf das Gericht, das rechts vor der Ritterin stand. Darna nickte, runzelte leicht die Stirn. "Und woran ist dieser zu erkennen? Es darf unter keinen Umständen eine Verwechslung geben."
"Dieser Teller hat unten im Rand eine kleine Kerbe, die man fühlen kann, wenn man serviert."
Etwas nervös war er ja schon. Er hatte überlegt, ob er es seiner Hoheit sagen sollte, daß die beiden Ritter, die seine nächsten Getreuen waren, sich gegen ihn verschworen hatten.
Die Ritterin lächelte zufrieden und ihre Augen verengten sich kampflustig. "Ausgezeichnet." Es hatte heftiges Getuschel gegeben in der Küche. Daß Lady Darna gerne neue Rezepte ausprobierte, war nichts Neues, aber den Schlag, den sie gegen Adrian heute plante, hatte niemand erwartet. Ausgerechnet Darna?? Und mit Lord Rafael verbündet? Hatte er ihr das eingeredet?
Man kam überein, daß man der Lady den gepfefferten Scherz besser lassen würde - daß sie zu solchen Spielchen aufgelegt war, war ohnehin selten genug, und im schlimmsten Fall war ein grollender Graf im Schloß womöglich leichter zu ertragen als eine mies gelaunte Ritterin in der Küche.
"Lord Rafael wird noch die letzte Zutat mitbringen, das hat r versprochen. Ich sehe mal nach ihm."
Die letzte Zutat... er war extra nach Menek'Ur gereist, um für seinen Teil des Komplotts Kaktusschnaps zu besorgen und für Darna menekanischen Pfeffer. Ein lächerlich kleines Beutelchen, das Schärfste, was er kriegen konnte.
"Damit werden diese drei Gerichte ein wenig - ein wenig! - gewürzt, der Rest kommt auf den vierten Teller."
Die beiden Ritter sahen sich an und grinsten.
"Er verbrennt doch nicht innerlich oder sowas, wenn es zuviel ist?", fragte sie sicherheitshalber nach. "Malt den Panther nicht an die Wand", erwiderte Rafael, "Die Menekanerin meinte, es wäre in Ordnung, würde gehen."
"Gut - dann rein damit." Sie mengte den Pfeffer gründlich unter, bestäubte das Hühnchen und ließ eine Ecke frei. "Falls jemand von uns kosten soll..."
Gekonnt balancierte sie die Teller aus der Küche, bis Rafael ihr zwei der harmlosen Gerichte abnahm.
Unten saß das anvisierte Opfer des Anschlags... seine Frau würde ihn nicht schützen können, har! Es kostete Darna viel Überwindung, völlig ernst, korrekt, gut gelaunt höflich zu sein, doch hatte sie darin ausreichend Übung, und so wünschten sich alle guten Appetit. Menekanisches Hühnchen auf Gemüse, pikant gewürzt.
"Danke Euch, Ritterin von Elbenau." "Dank mir nicht zu früh."
"Dank gebührt auch Lord Rafael, der extra nach Menek'ur reiste, um diese ganzen exquisiten Zutaten zu holen." "Exquisit - oh ja."
"Solch Mühe für ein Abendmahl?", schaute Adrian prüfend Rafael an. "Das hat er gern gemacht, glaub mal dran."
"Dann muß es wirklich hervorragend sein", befand der Graf. "Ich finde, 'außergewöhnlich' träfe es besser. Hau rein, Hoheit", dachte Darna.
Es war tatsächlich pikant, eine angenehm scharfe Note, nicht zu heftig - bis auf das Hühnchen des Grafen, natürlich. Darna musterte ihn aufmerksam. Mit gesundem Appetit machte Adrian sich über das Essen her, hatte die erste Gabel des Gemüses schon unten, bevor er irgendwas großartig daran hätte merken können. Doch das Zeug brannte nach...
Als er das erste Stück Hühnchen im Mund hatte und noch erst zögerte, dann skeptisch darauf herumkaute, entwickelte der Pfeffer seine volle Wirkung. Des Grafen Augen weiteten sich langsam. Um ihn herum ließ Eileen es sich schmecken, und besonders genossen Darna und Rafael das Essen.
"Das ist gut", bekundete Eileen nickend.
"Schmeckt wirklich vorzüglich", bekräftigte Rafael.
Adrian zückte ein Tuch und wischte sich über die Stirn, als ihm der erste Schweiß aus den Poren trat. Er machte den Fehler, noch zu schlucken und fing an zu husten, als der Pfeffer erbarmungslos den Weg von der Nase bis zum Hinterteil freizubrennen begann.
Eileen wandte bei dem Husten den Blick und argwöhnte, daß er sich verschluckt hatte. Adrian hustete, röchelte, Tränen waren ihm in die Augen gestiegen und sein Gesicht rot angelaufen. Er krächzte irgendwas, das ziemlich nach "Wasser!" klang.
Rafaels Stichwort.
"Hier" - hilfsbereit griff der engste Freund des Grafen schnell zu 'seinem' Wasserglas und reichte es ihm, während Darna verbal noch etwas nachwürzte: "Zu scharf für Euren gepflegten Gaumen, Hoheit? Ich find es...", sie schaute rasch auf ihren Teller, "pikant."
Adrian griff zum falschen Wasserglas und kippte den Inhalt runter. Wenn schon der menekanische Pfeffer schlimm gewesen war, ätzte nun menekanischer Kaktusschnaps den Rest der Geschmacksnerven weg. Darna hätte es nicht gewundert, wenn er jetzt wie ein Drache Feuer gespuckt hätte - das Geräusch jedenfalls vor dem nächsten Husten klang ähnlich.
Schlagartig sprang Eileen deutlich besorgt auf. "Haben wir ein Gegengift hier?"
"Da ist kein Gift drin, Milady", antwortete Darna mit aller Überzeugung.
"Da ist ganz sicher kein Gift drin", bekräftigte Rafael.
"Was soll das? So scharf war das nicht!", rief Eileen. "Nein, deins nicht. Du füllst ja auch niemanden mit Alkohol der übelsten Sorte ab."
Doch es war Zeit, es aufzulösen. Darna sah Adrian überaus freundlich an.
"Vielleicht solltet Ihr bis zehn zählen, Hoheit..."
Sie konnte ein breites Grinsen nun nicht mehr verhehlen.
"Tief durchatmen...", riet Rafael, "Arme hoch und ein wenig damit wedeln - soll helfen, hab ich gehört." Dieser Lump. Darna grinste weiter. Mit dieser Aufforderung hatte er versucht, sie lächerlich zu machen, als sie sich beim unerwarteten Loslachen einmal verschluckt hatte. Diese Truppe war auch wirklich nicht zum Aushalten, wenn sie aufeinanderhockten, ihre Scherze trieben und sich gegenseitig durch den Kakao zogen.
Zwischen den Hustenanfällen zischte Adrian ein eisiges "Zweihundert" raus - er wusste also, wofür. Darna grinste noch breiter. "Ihr habt gesagt, ich hab ein Anrecht auf Vergeltung, Hoheit."
Oh ja, hatte er gesagt - und Rache konnte scharf sein.
"Sieht sehr gut aus. Welcher ist der Teller für seine Hoheit?"
Küchenmeister Helmar deutete auf das Gericht, das rechts vor der Ritterin stand. Darna nickte, runzelte leicht die Stirn. "Und woran ist dieser zu erkennen? Es darf unter keinen Umständen eine Verwechslung geben."
"Dieser Teller hat unten im Rand eine kleine Kerbe, die man fühlen kann, wenn man serviert."
Etwas nervös war er ja schon. Er hatte überlegt, ob er es seiner Hoheit sagen sollte, daß die beiden Ritter, die seine nächsten Getreuen waren, sich gegen ihn verschworen hatten.
Die Ritterin lächelte zufrieden und ihre Augen verengten sich kampflustig. "Ausgezeichnet." Es hatte heftiges Getuschel gegeben in der Küche. Daß Lady Darna gerne neue Rezepte ausprobierte, war nichts Neues, aber den Schlag, den sie gegen Adrian heute plante, hatte niemand erwartet. Ausgerechnet Darna?? Und mit Lord Rafael verbündet? Hatte er ihr das eingeredet?
Man kam überein, daß man der Lady den gepfefferten Scherz besser lassen würde - daß sie zu solchen Spielchen aufgelegt war, war ohnehin selten genug, und im schlimmsten Fall war ein grollender Graf im Schloß womöglich leichter zu ertragen als eine mies gelaunte Ritterin in der Küche.
"Lord Rafael wird noch die letzte Zutat mitbringen, das hat r versprochen. Ich sehe mal nach ihm."
Die letzte Zutat... er war extra nach Menek'Ur gereist, um für seinen Teil des Komplotts Kaktusschnaps zu besorgen und für Darna menekanischen Pfeffer. Ein lächerlich kleines Beutelchen, das Schärfste, was er kriegen konnte.
"Damit werden diese drei Gerichte ein wenig - ein wenig! - gewürzt, der Rest kommt auf den vierten Teller."
Die beiden Ritter sahen sich an und grinsten.
"Er verbrennt doch nicht innerlich oder sowas, wenn es zuviel ist?", fragte sie sicherheitshalber nach. "Malt den Panther nicht an die Wand", erwiderte Rafael, "Die Menekanerin meinte, es wäre in Ordnung, würde gehen."
"Gut - dann rein damit." Sie mengte den Pfeffer gründlich unter, bestäubte das Hühnchen und ließ eine Ecke frei. "Falls jemand von uns kosten soll..."
Gekonnt balancierte sie die Teller aus der Küche, bis Rafael ihr zwei der harmlosen Gerichte abnahm.
Unten saß das anvisierte Opfer des Anschlags... seine Frau würde ihn nicht schützen können, har! Es kostete Darna viel Überwindung, völlig ernst, korrekt, gut gelaunt höflich zu sein, doch hatte sie darin ausreichend Übung, und so wünschten sich alle guten Appetit. Menekanisches Hühnchen auf Gemüse, pikant gewürzt.
"Danke Euch, Ritterin von Elbenau." "Dank mir nicht zu früh."
"Dank gebührt auch Lord Rafael, der extra nach Menek'ur reiste, um diese ganzen exquisiten Zutaten zu holen." "Exquisit - oh ja."
"Solch Mühe für ein Abendmahl?", schaute Adrian prüfend Rafael an. "Das hat er gern gemacht, glaub mal dran."
"Dann muß es wirklich hervorragend sein", befand der Graf. "Ich finde, 'außergewöhnlich' träfe es besser. Hau rein, Hoheit", dachte Darna.
Es war tatsächlich pikant, eine angenehm scharfe Note, nicht zu heftig - bis auf das Hühnchen des Grafen, natürlich. Darna musterte ihn aufmerksam. Mit gesundem Appetit machte Adrian sich über das Essen her, hatte die erste Gabel des Gemüses schon unten, bevor er irgendwas großartig daran hätte merken können. Doch das Zeug brannte nach...
Als er das erste Stück Hühnchen im Mund hatte und noch erst zögerte, dann skeptisch darauf herumkaute, entwickelte der Pfeffer seine volle Wirkung. Des Grafen Augen weiteten sich langsam. Um ihn herum ließ Eileen es sich schmecken, und besonders genossen Darna und Rafael das Essen.
"Das ist gut", bekundete Eileen nickend.
"Schmeckt wirklich vorzüglich", bekräftigte Rafael.
Adrian zückte ein Tuch und wischte sich über die Stirn, als ihm der erste Schweiß aus den Poren trat. Er machte den Fehler, noch zu schlucken und fing an zu husten, als der Pfeffer erbarmungslos den Weg von der Nase bis zum Hinterteil freizubrennen begann.
Eileen wandte bei dem Husten den Blick und argwöhnte, daß er sich verschluckt hatte. Adrian hustete, röchelte, Tränen waren ihm in die Augen gestiegen und sein Gesicht rot angelaufen. Er krächzte irgendwas, das ziemlich nach "Wasser!" klang.
Rafaels Stichwort.
"Hier" - hilfsbereit griff der engste Freund des Grafen schnell zu 'seinem' Wasserglas und reichte es ihm, während Darna verbal noch etwas nachwürzte: "Zu scharf für Euren gepflegten Gaumen, Hoheit? Ich find es...", sie schaute rasch auf ihren Teller, "pikant."
Adrian griff zum falschen Wasserglas und kippte den Inhalt runter. Wenn schon der menekanische Pfeffer schlimm gewesen war, ätzte nun menekanischer Kaktusschnaps den Rest der Geschmacksnerven weg. Darna hätte es nicht gewundert, wenn er jetzt wie ein Drache Feuer gespuckt hätte - das Geräusch jedenfalls vor dem nächsten Husten klang ähnlich.
Schlagartig sprang Eileen deutlich besorgt auf. "Haben wir ein Gegengift hier?"
"Da ist kein Gift drin, Milady", antwortete Darna mit aller Überzeugung.
"Da ist ganz sicher kein Gift drin", bekräftigte Rafael.
"Was soll das? So scharf war das nicht!", rief Eileen. "Nein, deins nicht. Du füllst ja auch niemanden mit Alkohol der übelsten Sorte ab."
Doch es war Zeit, es aufzulösen. Darna sah Adrian überaus freundlich an.
"Vielleicht solltet Ihr bis zehn zählen, Hoheit..."
Sie konnte ein breites Grinsen nun nicht mehr verhehlen.
"Tief durchatmen...", riet Rafael, "Arme hoch und ein wenig damit wedeln - soll helfen, hab ich gehört." Dieser Lump. Darna grinste weiter. Mit dieser Aufforderung hatte er versucht, sie lächerlich zu machen, als sie sich beim unerwarteten Loslachen einmal verschluckt hatte. Diese Truppe war auch wirklich nicht zum Aushalten, wenn sie aufeinanderhockten, ihre Scherze trieben und sich gegenseitig durch den Kakao zogen.
Zwischen den Hustenanfällen zischte Adrian ein eisiges "Zweihundert" raus - er wusste also, wofür. Darna grinste noch breiter. "Ihr habt gesagt, ich hab ein Anrecht auf Vergeltung, Hoheit."
Oh ja, hatte er gesagt - und Rache konnte scharf sein.