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Betäubt... Gefangener?
Verfasst: Montag 24. Juli 2006, 09:28
von Leith Llastobhar
Ein gleißender Lichtstrahl.
Ein schemenhaftes Gesicht.
Dunkelheit.
"Ich wache auf. Vor mir erstreckt sich eine weite grüne Wiese über die sie geht. Ihr schimmernd schwarzes Haar weht im Wind."
"Ich werde dich nicht sterben lassen."
"Ich fühle mich besser, wenn du hier bist."
"Das klingt so schön."
Die Wärme verschwindet in einem Meer aus Schwärze. Kälte kriecht durch die Beine und Arme. Verloren wirkt die Seele in der ewigen Weite.
Ein Traum?
Sie hatte ihn betäubt. Das Schlafmittel verabreicht, nachdem er aussah wie der Tod persönlich. Noch viel länger hätte er wohl nicht durchgehalten.
Doch das erste Mal half nichts.
Er schlief ganze zwei Tage, während sie ihm die Mixtur nach und nach zuflöste. Sie sah, dass sich sein Zustand nicht besserte und hielt an ihrer Taktik fest.
Dann jedoch hatte sie damit aufgehört. Es war grausam mit anzusehen wie er sich wand und zuckte. Teilweise hatte er geschrien, als ob man ihn umbringen wollte.
Dann erwachte er. Der schwere Kopf hing lange in den Kissen, bis er es schaffte sich mit allen Kraftreserven hoch zu stemmen. Die Tür.
Er schleppte sich auf seine Freiheit zu. Zog seine Stiefel an.
Die Tür kam näher. Während er strauchelte schossen ihm die Gedanken durch den Kopf.
"Wo bin ich?" "Weshalb bin ich hier?" "Wo sind die anderen?"
Er blieb ohne Antworten.
Dann schaffte er es sich aus dem Haus zu stehlen. "War ich etwa hier gefangen gehalten?"
"Nein... das war doch das Haus der Bürgermeisterin. Ja. Sie hatte uns den Trank gegeben..."
Mit schwummrigem Blick und schweren Schritten stapfte er in Richtung der Tore zu Bajard.
"Ich muss... wieder nach Hause. Der sehende Schlaf... Ich muss es heraus..."
Er blieb stehen.
Zwar war Leith schon durch die Tore geschritten und nahe einem Baum zum Stehen gekommen, jedoch stach ihn ein Gedanke in seinem Kopf, jetzt da er es bis hier her geschafft hatte.
"Das Buch! Es liegt noch dort."
Entkräftet ließ er sich vor dem Baum niedersinken und starrte gebannt auf seine Hände.
Wie konnte er nur so leichtsinnig gewesen sein?
Er brauchte das Buch. Und nur Owyn wusste was mit ihm los war.
Ein Mann, etwa um die 30 Sommer alt, mit langen leicht rötlichen Haaren, die zu einem langen Zopf gebunden waren eilte an ihm vorbei.
"Ich habe ihn schon einmal gesehen"
dachte Leith, während er dem Mann nachblickte.
Dann stieß er mit Leanne zusammen, die gerade auf dem Weg nach draussen war.
Eine leicht hitzige Diskussion entbrannte, der Mann schien sehr selbstsicher und spöttisch zu sein, Leanne dagegen leicht verwirrt und mit etwas anderem beschäftigt.
Die Diskussion hatte sich schnell gelegt und der Mann zog davon, anscheinend nicht ohne ein hämisches Grinsen und ein beschämendes Lachen loszuwerden, was ihn für Leith mehr als nur unsympathisch machte.
Leanne schritt auf ihn zu, entdeckte ihn unter dem Mahagonibaum und ging vor ihn in die Hocke.
Blitzschnell entschied sich Leith, trotz der schwere seiner Gedankengänge für eine neue Taktik. Er brauchte das Buch.
Er konnte nicht fliehen. Dafür war er nun zu schwach. Stattdessen müsste er sie austricksen. Ja, so wollte er es tun.
Als er am Abend im Bett lag und ihm die Hausmagd eine Hühnersuppe hinstellte, warf er einen resignierten Blick zur Decke des Zimmers.
"Wo ist meine Tasche?"
Er hatte die Hühnersuppe nur zwanghaft und halb in sich geschaufelt, um die Magd hinaus zu treiben. Somit war der Weg frei um Leanne diese eine, gänzlich bedeutsame Frage zu stellen.
Sie war hübsch, das traf zu. Aber sie hatte ihn ohne zu Fragen hier festgehalten. Und sie hatte das Buch irgendwo im Haus.
Er wollte es wiederhaben.
Als sie ihm die Tasche gab, brannte es in seinem Kopf. Hätte er sie nicht haben dürfen, so hätte er ihr vielleicht sogar etwas angetan.
"Wieso nicht? Das Buch ist viel wichtiger als sie."
Er war abermals zu entkräftet um weiter nachzudenken. Er bat um den Trank. Sie würde sich sicherer fühlen. Sie war wirklich schön.
Er schluckte es mit einem bitteren Gedanken an den nächsten Tag herunter.
Verfasst: Montag 24. Juli 2006, 14:01
von Leith Llastobhar
Als er wieder zu sich kam, war es schonwieder dunkel vor dem Haus geworden.
Sie kam zur Türe herein. Hatte den Bruder nicht finden können. Hatte das Buch genommen. Hatte seine Geschichte gehört.
"Ich werde dich nicht sterben lassen"
hatte sie gesagt.
Leith wurde es wärmer ums Herz, als ob es sich von der brechenden Kälte der letzten Tage etwas befreien konnte.
Irgendetwas hielt ihn hier. Doch er wusste nicht genau was es war.
Sie war so nett gewesen, hatte sein kleines Geheimnis erfahren und sich liebreizend um ihn gekümmert.
Wieso tat sie das? Und warum konnte er sich ihr gegenüber so offen zeigen?
Das war doch sonst nicht der Fall.
Er wollte das Buch wieder bei sich haben, doch Leanne hielt ihm das Kästchen indem es lag etwas ungläubig und vielleicht auch widerwillig hin.
Sein Gesicht verzog sich auf eine boshafte Weise, die Augen zusammengekniffen, die Zähne aufeinander gepresst, schnappte er mit der Hand nach dem Kästchen und öffnete es sogleich um mit der anderen Hand behutsam über den Buchrücken zu streifen. In seinem Innersten hatte er schon mit dem Gedanken geliebäugelt sie zu würgen, falls sie ihm das Buch nicht hätte wieder geben können. So lange bis ihre bleichen Finger das Buch nichtmehr hätten halten können....
Er stockte und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken.
"Was... was ist das? Wieso denke ich an so schreckliche Dinge? Nein... Nein... ich darf nicht... ich muss das Buch los werden!"
Dann, mehr überstürzt sagte er ihr sie solle das Buch nehmen und irgendwo verstecken wo er nicht hinkommen könne. Er flehte geradezu in einem verzweifelten Versuch damit seine brutalen und beängstigenden Gedanken aus dem Gedächtnis zu wischen.
Und sie tat, was er von ihr wollte, weil sie anscheinend nur zu genau verstand was er damit meinte.
Verfasst: Montag 24. Juli 2006, 20:22
von Leanne
Er sah so ausgezehrt aus...
trotz seiner Jugend, wirkte er wie ein alter Mann.
Der Heiltrank hatte den Husten gelindert, aber dennoch..
Sie hatte an seinem Bett gesessen, beobachtet wie er sich schreiend hin und herwälzte, die Qualen in seinen Zügen berührten sie im Innersten.
Ihr Blick ruhte besorgt auf ihm, während sie die kühlenden Tücher auf seiner Stirn erneuerte.
"Nias Spezialtrank"..., sie spielte schon einige Zeit mit dem Gedanken, sie zögerte noch.. schliesslich war sie keine Heilerin.
Nia hatte ihn ihr da gelassen, für den äussersten Notfall, mit der Anweisung ihn niemals leichtfertig zu benutzen.
Er würde Leith betäuben, wie lange und wie stark wusste sie nicht genau.
Aber er musste zur Ruhe kommen.. er musste einfach, diese Tortur konnte niemand lange durchhalten.
Noch war sie nicht entschlossen, aber beim nächsten markerschütternden, heiseren Schrei sprang sie fast fluchtartig auf und rannte zur Medizinkiste.
Sie konnte es nicht mehr hören, es zerriss ihr das Herz.
Sie würde ihm ein paar Tage seines Lebens stehlen, vielleicht noch mehr...aber sie konnte nicht mehr mit ansehn, wie er litt.
Sie hob vorsichtig seinen Kopf an und setzte die Phiole an seine Lippen.
Widerwillig öffnete er die Lippen ein wenig und die klare Flüssigkeit fand ihren Weg.
"Grosse Mutter, bitte lass es seine Wirkung tun" flüsterte sie leise.
Gebannt sass sie an seinem Lager, ihn nicht aus den Augen lassend.
Nach Stunden, völlig erschöpft sackte ihr Kopf auf die Brust, ihn gleich wieder hochreissend, musste sie sich eingestehn, dass es nichts bewirkt hatte, rein gar nichts.
Die Schreie, die Unruhe, die Qual.. nur aufwachen konnte er nicht.
Resigniert überliess sie sich ihrer Müdigkeit, bereitete sich ein notdürftiges Lager neben dem Bett und fiel in einen kurzen, unruhigen Schlaf.
Verfasst: Montag 24. Juli 2006, 23:28
von Leanne
Arbeiten..
das altbewährte Mittel gegen Sorgen...
Aus einem kurzen unruhigen Schlaf erwacht, verliess sie nach einem letzen Blick auf seinen geschundenen Körper leise den Raum.
Sie konnte nichts mehr für ihn tun, außer Warten.
Und Warten ohne etwas zu tun würde sie verrückt machen.
Sie wusste nicht, ob sie nicht das Falsche getan hatte... vielleicht hatte sie ihm nur geschadet, vielleicht war der Trank zu stark für seinen geschwächten Körper..
Schluss damit, sie hatte es getan und konnte es nicht mehr rückgängig machen.
Entschlossen schüttelte sie den Kopf und ging auf die Felder.
Sie arbeitete verbissen, die Felder standen prall voll, die Tiere mussten gefüttert, die Pferde bewegt werden.
Das erste Mal war sie froh darüber, dass der Knecht sich aus dem Staub gemacht hatte. Der Schmerz in ihrem Rücken war ihr willkommen, lenkte er sie doch ab von den nagenden Selbstvorwürfen.
Als sie die Heuballen in die Erntekiste werfen wollte, lief ihr Lairja über den Weg.
Sie war froh sie zu sehn, sie würde ihr von Leith erzählen, Lairja fiel immer etwas Vernünftiges ein, das sie beruhigte.
"Am besten du siehst nochmal nach ihm, das wäre ein erster Schritt"
Natürlich.. und schon wieder hatte sie einen Fehler gemacht. Sie hatte die Zeit vergessen über der Arbeit. Eilig stand sie auf und stieg die Stufen zum Keller hinunter.
Das Lager war ... leer?
Ungläubig starrte sie einen Moment auf die Kissen. Er konnte doch unmöglich fort sein?
Aus ihrer Starre erwachend, rannte sie zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppen hinauf. Lairja im Vorbeilaufen zurufend "Er ist fort, ich muss ihn suchen, er kann nicht weit kommen, in seinem Zustand", hetzte sie zur Tür hinaus.
Jeden befragend der ihr entgegen kam, rannte sie zum Tor. In ihrer Hast prallte sie in einen Mann, in dem sie beim Aufblicken Letast erkannte. Ihre Züge nicht unter Kontrolle fuhr sie ihn angewidert an, ihr aus dem Weg zu gehn. Sein spöttisches Lachen nur am Rande wahrnehmend, hielt sie vor dem Tor kurz inne, den Blick in alle Richtungen schweifen lassend, malte sich unendliche Erleichterung auf ihren Zügen ab, als sie ihn am Fuss eines mächtigen Baumes sitzend entdeckte.
"Was tut ihr hier, Leith? Ihr seid krank... kommt mit heim, ich bitte Euch"
Vollig verwirrt schien er ihr, geschwächt und verwirrt, aber er lebte. Und er war aufgewacht. Sie legte den Arm um ihn und führte ihn langsam zum Hof zurück.
Sein Geist klärte sich mit jedem Schritt, er stellte Fragen, wollte wissen, wie er hier hergekommen sei.
Sie wich ihm aus, bis sie daheim angekommen waren. Es half nicht, sie musste es ihm sagen, dass sie ihm zwei ganze Tage gestohlen hatte.
Sie hoffte er würde verstehn, warum sie es getan hatte.
Während sie ihm berichtete, glitt ihr Blick immer wieder zu seinem Gesicht, in der Hoffnung zu erkennen, wie er es aufnahm.
Er wirkte ungläubig.... unsicher, und.. ja irgendwie erbost oder aufgeregt.
Kein Wort sagte er, als sie geendet hatte.
Dann "Meine Tasche! Wo ist meine Tasche?"
"Ich hole sie Euch, ich war nicht dran, das schwöre ich" mit diesen Worten huschte sie zur Tür, um gleich darauf mit der Tasche zurückzukommen und sie ihm wortlos zu überreichen.
Sie beobachtete ihn unauffällig, als er sie hastig an sich riss und fast ängstlich hinein sah.
Tief Luft holend, setzte sie sich auf die Bettkante, blickte ihn eindringlich an und begann zu reden
"Leith, irgendetwas stimmt nicht mit Euch, Ihr werdet sterben, wenn Ihr nichts unternehmt. Seht euch nur an..."
Er nickte nur, auf einmal unendlich erschöpft wirkend.
"Ihr wisst was Euch fehlt, nicht wahr?"
Sein Blick glitt fahrig zur Tasche, dann nach einem tiefen Atemzug nickte er ihr zu.
Die Worte kamen stockend aus seinem Mund und was sie hörte, liess ihr das Blut in den Adern gefrieren.
Ein Fluch.... irgendwie im Zusammenhang mit diesem seltsamen Buch seines Urahnen...
Der sehende Schlaf...
Natürlich.. seine Unruhe, die Unmöglichkeit erholsamen Schlaf zu finden, es passte alles zusammen...
Das Buch .. wenn es den Fluch enthielt, vielleicht verbarg es auch die Rettung?
In ihrem Kopf formte sich langsam ein Gedanke... sie musste es lesen, er konnte es nicht mehr. Wenn auch nur der Hauch einer Möglichkeit bestand, dass es ihn retten konnte, musste sie es lesen!
Er schüttelte entsetzt den Kopf, als ihm klar wurde was sie vorhatte.
Sich nicht beirren lassend erklärte sie ihm hastig, fast beschwörend, dass es ihr sicher nichts anhaben konnte, sie hatte nicht sein Blut, sie hörte das Lied nicht, sie war ein einfacher Mensch...
Was sollte ihr schon passieren? Sie musste es einfach versuchen, er würde sie nicht davon abbringen können, selbst wenn er wollte.
Er sehnte sich nach Ruhe, er konnte nicht mehr reden, und auf seinen Wunsch hin gab sie ihm noch einmal etwas von Nias Trank.
Als er in seinen unruhigen Schlaf gefallen war, zog sie die Tasche mit dem Buch vorsichtig zu sich heran und verliess den Raum.
Sie setzte sich ins Arbeitszimmer, zündete die Kerzen an, das Buch ungeöffnet vor sich auf dem Tisch.
Ihre Finger glitten über den Einband, bevor sie es öffnete. Die Stirn vor Konzentration gerunzelt, las sie ein paar Seiten. Angst... doch sie spürte Angst vor diesem Machwerk
Es war .. böse, das konnte selbst sie spüren, lange hielt sie es nicht aus.
Für heute Nacht musste es reichen. Müde klappte sie es zu, schob es wieder in die Tasche und verstaute sie in der Kommode.
Ihr erster Gang am nächsten Morgen führte sie an sein Lager.
Zu ihrer grossen Freude war er wach, ja er schien sogar ein wenig erholt.
Das aufkeimende Lächeln blieb ihr jedoch im Halse stecken, als er fast barsch zu ihr sagte "Das Buch, ich will das Buch zurück"
Die Hand fordernd ausstreckend, den Mund fast bösartig verzerrt, sah er sie herausfordernd an.
Nur ein Nicken, dann machte sie auf dem Absatz kehrt um die Tasche zu holen.
Sie wusste, es würde ihm schaden, aber es war sein Eigentum... was sollte sie nur tun?
Sie nahm ein Holzkästchen aus dem Sekretär, legte das Buch hinein und verschloss den Deckel sorgfältig. Vielleicht würde dieser Mantel seine Wirkung schwächen....
wenn sie ihn schon nicht davon abhalten konnte es wieder an sich zu nehmen.
Als sie das Zimmer betrat, hielt sie das Kästchen fest umklammert, sie wollte es nicht loslassen, reichte es ihm dennoch entgegen.
Sich nicht anmerken lassend wie sehr sie die Gier, die sich mit einem Mal auf seinen Zügen abzeichnete erschreckte, redete sie leise auf ihn ein.
"Überlegt doch, es geht Euch besser, das Buch war heut das erste Mal nicht in Eurer Nähe, ihr habt nicht geschrieen heut Nacht, Ihr seht besser aus...
Es ist das Buch, es strahlt etwas Böses ab..."
Die Worte reihten sich aneinander, ihn dabei aufmerksam beobachtend. Er griff nach dem Kästchen, riss es fast an sich, und erst nachdem er es geöffnet hatte, sackten seine Schultern ein wenig herab, sein Körper entspannte sich, der böse Zug um seinen Mund verschwand.
Er hob den Blick zu ihr, den ihren suchend, hielt er ihr das Kästchen entgegen
"Nehmt es, und gebt es mir nicht zurück, verwahrt es an einem sicheren Ort"
Seinen Blick mit Wärme erwidernd nickte sie ihm abermals nur zu, bevor sie es an sich nahm, das verfluchte Buch.....
Verfasst: Dienstag 25. Juli 2006, 13:32
von Lairja Scherenbrueck
Störrisch wie ein Maulesel! So etwas hatte Lairja ja auch noch nicht erlebt. Kopfschüttelnd verliess sie Leannes Zimmer. Da lag dieser Leith Llastobhar im Bett, bleich wie ein Toter, konnte gar nicht mehr richtig gehen, so geschwächt war er. Das Atmen fiel ihm schwer, unter seinen Augen grosse dunkle Schatten. Aber um trotzig jede Hilfe abzulehnen, dazu reichte es noch. Kopf weg drehen und an die Decke starren. Wie ein kleines Kind. "Sapperlott noch mal..." schimpfte sie auf dem Weg in die Küche vor sich hin.
Auch noch weg gelaufen war er in dem Zustand. Immer noch leise vor sich hin zeternd, begann sie eine kräftige Hühnersuppe zu kochen. "Essen hält Leib und Seele zusammen!", erinnerte sie sich an die Worte ihrer Mutter, einer bodenständigen und fülligen Frau. Von diesen anderen Dingen, diesen Tränken, da verstand Lairja nichts. Sie konnte ja nicht einmal lesen, was auf diesen ganzen Fläschchen und Fässern alles stand. Aber das zwei Tage nur im Bett herum wälzen, immer wieder laut schreien, nichts essen und nichts trinken, den Körper schwächte, das wusste selbst der Ungebildetste, dass das nicht gut tun kann. Und gerade so ein feiner Herr, der würde das ja noch besser wissen. Und wenn sie ihm die Suppe mit einem Trichter einflössen müsste, aber jetzt war das Mass wirklich voll. Entschlossen füllte sie die heisse, dampfenden Suppe in einen Teller. Ausserdem konnte sie sich das beim besten Willen nicht mehr länger mit ansehn, wie Leanne hier im Haus herum schlich. Immer diese schuldbewusste Miene, weil sie Leith einen von Nias Tränken gegeben hatte. Sie hätte ihm zwei Tage gestohlen. Energisch schüttelte Lairja den Kopf. So ein Unfug! Hätte Leanne gar nichts getan, wären dem jungen Herrn sicher bedeutend mehr Tage gestohlen worden, vielleicht sogar alle, die noch vor ihm lagen.
Dieser ganze Aufstand um diese Tasche, als würde sein Leben davon abhängen, das entzog sich auch bei weitem ihrem Fassungsvermögen. Irgendwann hatte Lairja das Wort Buch aufgeschnappt. Sie hatte nie lesen und schreiben gelernt, also war das für sie auch gar nicht von grösserer Bedeutung. Das er sich da so benahm, das konnte sie beim Besten Willen nicht verstehn. Aber da waren ja viele der gebildeten Leute so, das sie so einen Tanz mit ihren Büchern aufführten, als wären sie ganz besondere Heiligtümer.
Betont gleichmütig zuckte sie mit den Schultern und trug das Tablett in Richtung Schlafzimmer. Das sollte alles nicht ihre Sache sein. Sie würde das Zimmer nicht eher verlassen, bis das er wenigstens die Hälfte der Suppe gegessen hatte.
Ein neues Gefühl
Verfasst: Mittwoch 26. Juli 2006, 12:15
von Leith Llastobhar
Es fühlte sich anders an.
Er hatte ihr das Buch überlassen und daraufhin noch einen weiteren Tag im Haus von Leanne geschlafen. In ihrem Bett fühlte er sich wohler als auf der harten Liege, die sonst seine nächtliche Bleibe war. Die etwas heruntergekommene Bauhütte der Familie, welche kurz über Berchgard ihren Platz gefunden hatte war weniger wohnlich, denn mehr als Stauraum gedacht.
Warm und sanft zugleich.
Er war gerade dabei sich sein Hemd überzustreifen, als Leanne in der Tür auftauchte. Bevor viele Worte gewechselt waren, stülpte er seine Stiefel über und zog die Tunika an, wobei er seine geliehenen Sachen sauber zusammengelegt auf einem Stapel neben dem Bett abgelegt hatte.
geschmeidig, samtig weich.
Er war aufgestanden und hatte sich noch einmal bedankt. Ihre Augen deuteten leicht an, dass sie dies nicht für nötig hielt und abwehrend hob sie die Hände um den Dank abzuweisen. "Ich habe euch schliesslich ein paar Tage eures Lebens gestohlen" hatte sie gesagt.
Doch auf die Frage ob es ihm nun besser ginge, konnte er keine klare Antwort hervorbringen.
Sie schüttelte nur ungläubig den Kopf, und als er fragte, ob er vielleicht doch noch etwas bleiben könne, willigte sie ein.
"Ich würde noch gern bei Eu... bei dir bleiben" hörte er sich selbst sagen.
"Ich... fühle mich besser, wenn ich in... deiner Nähe bin" brachte er langsam hervor.
Er hatte mehr für Sie empfunden, als er sich zugestehen wollte.
Ein Gefühl der Entspannung... der Freude...
Er trat einen Schritt auf sie zu, während sie nur leise und schüchtern antwortete.
"Das... hörte sich schön an wie du das gesagt hast."
Dieses leidenschaftliche Feuer, welches plötzlich entfacht wurde, erfüllte Sehnsucht, Zärtlichkeit...
Mit der rechten Hand an ihrer Wange und dem Linken an ihrem Arm, näherten sich die Gesichter ein wenig, während sein Blick den ihren suchte.
Liebevoll war der Ausdruck in ihren Augen.
Und leicht fordernd streckte sich ihr Kinn etwas, während sie sich auf die Zehnspitzen stellte und sich Leith's und Leanne's Nasenspitzen beinahe berührten.
Sie spürte den sanften, warmen Atem auf ihrer Haut, die weiche Hand, welche noch auf ihrer Wange ruhte und sachte ihren Kopf zu sich anhob.
Dann küsste er sie innig.
Und sie erwiderte den Kuss.
Ein neues Gefühl.
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