Die schuppige Verwandtschaft
Verfasst: Dienstag 1. Februar 2022, 12:50
Verwandtschaft. Man kennt sie, man liebt sie, man hasst sie. Man spricht oft von der 'buckligen Verwandtschaft', die, wie ein Geschwür am Körper, in seinem Leben existiert. Nun, manche Menschen bleiben daon verschont eine sonderlich große, lästige oder sonst wie anstrengende Verwanschaft zu haben. Doch kommen manche auch nie in den Genuss einer liebevollen, zusammen haltenden Verwandtschaft.
Merrik hat keine sonderlich große Verwandtschaft, aber er kannte und mochte eigentlich jeden von ihnen. Seine großeltern waren über die Jahre fast alle gestorben, abgesehen von Isdia, eine geborene Inke, schon immer eine liebenswürdige, Frau, die mittlerweile in die Jahre gekommen war. Ihr Mann Cordovan starb bereits früh, schenkt ihr aber zwei wunderbare Töchter. Aus mehr bestand die Familie Triffon in den Genereationen auch nicht. Elida, ihre jüngere, kümmert sich um sie, hilft ihr, wo sie nur kann. Ihre ältere Tochter verlor leider viel zu früh ihr Leben.
Auf der anderen Seite war da die Familie Daske. Bardo hatte früh seine Frau Dorida, eine geborene Daribon, geheiratet und zwei prägtige Söhne zur Welt gebracht. Edo, der ältere, und Connar, Merriks Vater. Doch beide Eltern wurden bereits zu Grabe getragen. Nicht weiter verwunderlich, bei dem hohen Alter, das sie erreichten.
Merriks Generation selbst war doch ein wenig kleiner. Sein Onkel und seine Tante hatten keine Kinder und so waren seine, leider schon verstorbene, jüngere Schwester und er die einzigen.
Doch die Zeit verging und Merrik wurde selbst Vater eines kleinen Jungen, Sander Bardo Daske. Es schmerzte ihn, nicht bei ihm sein zu koennen, doch hatte er auf Gerimor wichtige Dinge zu erledigen. Und sein Connar und Merriks Frau würden schon gut auf ihn aufpassen.
Doch kam noch ein Familienmitglied, mehr oder weniger zufällig und unerwartet, zu dem Stammbaum dazu, zumindest inoffiziell.
Man mag es Schicksal, Fügug, Zufall oder sonst wie nennen, doch war seit einigen Monaten Saria, Merriks Adoptivtochter, Teil der Familie geworden.
Nun fragt man sich sicherlich, was denn so außergewöhnlich an einer Adoptivtochter sei. Das wäre ja nun nichts, was so gewöhnlich wie unterschiedliche Haarfarben sei. Na, wenn ihr euch da mal nicht irrt.
Saria war ein aufgewecktes Mädchen mit einem gefühlt unstillbaren Hunger. Ihre Zaehne waren sehr schnell ausgeprägt genug, um Fleisch zu verzehren, oder aber auch dem Vater in die Hand zu beißen. Sie hatte jetzt schon eine nicht zu unterschaetzende Kraft und, sagen wir, außergewöhnliche, wenn auch nicht zwingend kontrollierte Fähigkeiten. Merrik musste schon öfter die Vorhänge austauschen, hatte Saria sie halb verkohlt oder mit ihren Krallen zerfetzt.
Bitte? Verkohlt? Krallen? Jaha, Saria ist keine gewöhnliche Tochter. Sie ist ein Drache. Ein Jungdrache, was sie ein wenig.. unberechenbarer macht, als andere Drachen, doch zumindest nicht weit so gefährlich. Immerhin.
Merrik stellte sich den Prüfungen Selines, doch bedarf es weit mehr als das, was ihm dort abverlangt wurde, um einem Jungdrachen ein Vater zu sein.
Nicht viele wussten von ihr und so sollte es auch bleiben, was, zugegeben, das ein oder andere mal alles andere als einfach ist. Sie ist ein Drache, natürlich will sie eine gewisse Freiheit, sie will lernen zu fliegen, frei durch die Luefte gleiten, in den Wäldern jagen und das Leben eines Drachen leben. Doch die Gefahr, die in erster Linie für Saria selbst besteht, ist viel zu groß. Gerade weil kaum jemand von ihr weiß, würde sie im Zweifel angegriffen und im schlimmsten Fall getötet werden. Das konnte und wollte Merrik nicht riskieren. Doch sie der öffentlichkeit preisgeben.. nein, kaum auszudenken, was das auslösen könnte, würde.
Es war spät nachts und Adoran lag in tiefen Schlummer. Die Wachen gingen, wie gewohnt, in kleinen Gruppen durch die Gassen und Straßen - zumindest sie wussten, dass Saria existiert und wer sie ist - und taten ihren Dienst.
Merriks Umzug stand bevor und Saria musste nun einmal mit umziehen. Ein schwierigeres Unterfangen, als man auf Anhieb denken koennte.
Er packte seine ganzen Moebel zusammen und schaffte sie ins neue Haus, im Adelsviertel, bis Saria selbst zuletzt noch uebrig war. Sie quiekte und sprang, als Merrik wieder kam, wie sie ihn fast immer begrüßte. Liebevoll lag Merriks Blick auf seiner Tochter. "Vergiss nicht, leise sein, damit dich niemand bemerkt, klar?" Sie verstand ihn mittlerweile anschenend ziemlich gut, wenn auch sie selbst, noch, nicht sprechen konnte und nickte ein paar mal. Das Gartentor fiel leise zu und die ersten Ecken waren zuegig überwunden. Ein Wachtrupp ging auf der Parallelstraße und nickte der klerinen Familie auf dem Weg zum neuen Haus grueßend entgegen, gleichsam versichernd, dass nichts weiter groß los sei zu der Nachtstunde. Saria tappste Merrik brav und im Gleichschritt hinterher, wobei sie fast spielend versuche genau dahinzutreten, wo es ihr Vater tat. Doch im naechsten Moment drang, vom Wind getragen, ein unwiderstehlicher Duft an die feine Nase der jungen Drachendame heran. Merrik bemerkte es nicht direkt, als Saria sich still nach einer Ecke in eine andere Richtung verzog und dem Duft folge.
Huepfend und teils gleitend, nicht fliegend, und von dem Duft angelockt folgte sie der Spur, bis zu einer gläsernen Tür. Ein nicht unhörbares, aber nicht allzu lautes, Docken erklang und die Glastuer vibrierte einen kurzen Moment, als der kleine Drachenkopf dagegen stieß. Enttäuscht und als könne sie durch bloße Willenskraft die Tür öffnen, himmelte sie selbige an. Doch es dauerte nicht lange, bis Merrik sie von der Tür wegzog, das dem kleinen Drachenmädchen ein unzufriedenes, wie bittendes Geräusch entlockte. "Ich gebe dir zuhause was, nicht hier". Sie lies sich, ihrem Schicksal ergebend, mitziehen, doch es war nicht auszuschließen, dass das niemand zumindest gehört hatte.
Zumindest der weitere Weg verlief ohne große Probleme oder Umwege. Es dauerte also nicht lange, bis der Magier und das schuppige kleine Wesen ihr Ziel erreicht hatten und nicht mehr gefunden werden konnten. Es blieb nur zu hoffen, dass es niemand, der nicht sowieso von ihr wusste, etwas gesehen hat.

Merrik hat keine sonderlich große Verwandtschaft, aber er kannte und mochte eigentlich jeden von ihnen. Seine großeltern waren über die Jahre fast alle gestorben, abgesehen von Isdia, eine geborene Inke, schon immer eine liebenswürdige, Frau, die mittlerweile in die Jahre gekommen war. Ihr Mann Cordovan starb bereits früh, schenkt ihr aber zwei wunderbare Töchter. Aus mehr bestand die Familie Triffon in den Genereationen auch nicht. Elida, ihre jüngere, kümmert sich um sie, hilft ihr, wo sie nur kann. Ihre ältere Tochter verlor leider viel zu früh ihr Leben.
Auf der anderen Seite war da die Familie Daske. Bardo hatte früh seine Frau Dorida, eine geborene Daribon, geheiratet und zwei prägtige Söhne zur Welt gebracht. Edo, der ältere, und Connar, Merriks Vater. Doch beide Eltern wurden bereits zu Grabe getragen. Nicht weiter verwunderlich, bei dem hohen Alter, das sie erreichten.
Merriks Generation selbst war doch ein wenig kleiner. Sein Onkel und seine Tante hatten keine Kinder und so waren seine, leider schon verstorbene, jüngere Schwester und er die einzigen.
Doch die Zeit verging und Merrik wurde selbst Vater eines kleinen Jungen, Sander Bardo Daske. Es schmerzte ihn, nicht bei ihm sein zu koennen, doch hatte er auf Gerimor wichtige Dinge zu erledigen. Und sein Connar und Merriks Frau würden schon gut auf ihn aufpassen.
Doch kam noch ein Familienmitglied, mehr oder weniger zufällig und unerwartet, zu dem Stammbaum dazu, zumindest inoffiziell.
Man mag es Schicksal, Fügug, Zufall oder sonst wie nennen, doch war seit einigen Monaten Saria, Merriks Adoptivtochter, Teil der Familie geworden.
Nun fragt man sich sicherlich, was denn so außergewöhnlich an einer Adoptivtochter sei. Das wäre ja nun nichts, was so gewöhnlich wie unterschiedliche Haarfarben sei. Na, wenn ihr euch da mal nicht irrt.
Saria war ein aufgewecktes Mädchen mit einem gefühlt unstillbaren Hunger. Ihre Zaehne waren sehr schnell ausgeprägt genug, um Fleisch zu verzehren, oder aber auch dem Vater in die Hand zu beißen. Sie hatte jetzt schon eine nicht zu unterschaetzende Kraft und, sagen wir, außergewöhnliche, wenn auch nicht zwingend kontrollierte Fähigkeiten. Merrik musste schon öfter die Vorhänge austauschen, hatte Saria sie halb verkohlt oder mit ihren Krallen zerfetzt.
Bitte? Verkohlt? Krallen? Jaha, Saria ist keine gewöhnliche Tochter. Sie ist ein Drache. Ein Jungdrache, was sie ein wenig.. unberechenbarer macht, als andere Drachen, doch zumindest nicht weit so gefährlich. Immerhin.
Merrik stellte sich den Prüfungen Selines, doch bedarf es weit mehr als das, was ihm dort abverlangt wurde, um einem Jungdrachen ein Vater zu sein.
Nicht viele wussten von ihr und so sollte es auch bleiben, was, zugegeben, das ein oder andere mal alles andere als einfach ist. Sie ist ein Drache, natürlich will sie eine gewisse Freiheit, sie will lernen zu fliegen, frei durch die Luefte gleiten, in den Wäldern jagen und das Leben eines Drachen leben. Doch die Gefahr, die in erster Linie für Saria selbst besteht, ist viel zu groß. Gerade weil kaum jemand von ihr weiß, würde sie im Zweifel angegriffen und im schlimmsten Fall getötet werden. Das konnte und wollte Merrik nicht riskieren. Doch sie der öffentlichkeit preisgeben.. nein, kaum auszudenken, was das auslösen könnte, würde.
Es war spät nachts und Adoran lag in tiefen Schlummer. Die Wachen gingen, wie gewohnt, in kleinen Gruppen durch die Gassen und Straßen - zumindest sie wussten, dass Saria existiert und wer sie ist - und taten ihren Dienst.
Merriks Umzug stand bevor und Saria musste nun einmal mit umziehen. Ein schwierigeres Unterfangen, als man auf Anhieb denken koennte.
Er packte seine ganzen Moebel zusammen und schaffte sie ins neue Haus, im Adelsviertel, bis Saria selbst zuletzt noch uebrig war. Sie quiekte und sprang, als Merrik wieder kam, wie sie ihn fast immer begrüßte. Liebevoll lag Merriks Blick auf seiner Tochter. "Vergiss nicht, leise sein, damit dich niemand bemerkt, klar?" Sie verstand ihn mittlerweile anschenend ziemlich gut, wenn auch sie selbst, noch, nicht sprechen konnte und nickte ein paar mal. Das Gartentor fiel leise zu und die ersten Ecken waren zuegig überwunden. Ein Wachtrupp ging auf der Parallelstraße und nickte der klerinen Familie auf dem Weg zum neuen Haus grueßend entgegen, gleichsam versichernd, dass nichts weiter groß los sei zu der Nachtstunde. Saria tappste Merrik brav und im Gleichschritt hinterher, wobei sie fast spielend versuche genau dahinzutreten, wo es ihr Vater tat. Doch im naechsten Moment drang, vom Wind getragen, ein unwiderstehlicher Duft an die feine Nase der jungen Drachendame heran. Merrik bemerkte es nicht direkt, als Saria sich still nach einer Ecke in eine andere Richtung verzog und dem Duft folge.
Huepfend und teils gleitend, nicht fliegend, und von dem Duft angelockt folgte sie der Spur, bis zu einer gläsernen Tür. Ein nicht unhörbares, aber nicht allzu lautes, Docken erklang und die Glastuer vibrierte einen kurzen Moment, als der kleine Drachenkopf dagegen stieß. Enttäuscht und als könne sie durch bloße Willenskraft die Tür öffnen, himmelte sie selbige an. Doch es dauerte nicht lange, bis Merrik sie von der Tür wegzog, das dem kleinen Drachenmädchen ein unzufriedenes, wie bittendes Geräusch entlockte. "Ich gebe dir zuhause was, nicht hier". Sie lies sich, ihrem Schicksal ergebend, mitziehen, doch es war nicht auszuschließen, dass das niemand zumindest gehört hatte.
Zumindest der weitere Weg verlief ohne große Probleme oder Umwege. Es dauerte also nicht lange, bis der Magier und das schuppige kleine Wesen ihr Ziel erreicht hatten und nicht mehr gefunden werden konnten. Es blieb nur zu hoffen, dass es niemand, der nicht sowieso von ihr wusste, etwas gesehen hat.
