geschlagene Schlachten
Verfasst: Freitag 3. Dezember 2021, 15:31
Antritt, Trupps einteilen und die eigene Ausrüstung überprüfen. Heute kamen menekanisches Brandöl und Feuerteufel hinzu. Eines war feinstes brennbares Öl und das andere ein wässriges Gemisch aus allem was sich entzündete, wenn man es nur schief ansah.
Es war nicht die erste Schlacht und nicht die letzte. Aufklärung war auf seinem gedanklichen Zettel neben dem Ziel so viel Schaden wie möglich durch einen Überraschungsangriff anzurichten. Die Letharen sollten spüren, dass Lichtenthal nicht tatenlos zusieht, wenn die eigenen Grenzen verletzt werden.
Sie waren an der Wiese angekommen. Die Wiese mit dem kleinen Teich an dem Lymeria ihre ewige Ruhe fand und er hatte immer noch einen Kloß im Hals als er an ihrem unscheinbaren Grab vorbeilief. Ein halbes Leben entfernt wirkte diese Episode seiner Vita heute, doch an diesem Ort waren die Geschehnisse von damals so präsent als wären sie gestern gewesen. Es war jedoch nicht der Moment um sich damit zu befassen.
Die Mine war in Sicht und er hob die Faust. Das durch den Waldboden gedämpfte Stakkato der Stiefel verstummte und vier Schützen kamen an seine Seite. Meisterschützin van Dragane führte sie an. Grimmig dreinblickend nickte sie ihm entgegen. Sie waren bereit für den Angriff. Er deutete auf die beiden Letharen, welche an der Mine wache schoben und erhielt erneut ein Nicken. Die Schützen gingen in Stellung und er hatte zu warten.
Die beiden Letharen die in der Nähe der Baumgrenze standen und sich unterhielten erhielten seine Aufmerksamkeit. Er konnte kein Wort verstehen doch, wenn Letharen sprachen, klang es immer nach Schmerz und Unwohlsein. Für einen Moment wanderte sein Geist und er fragte sich was die namen- und gesichtslosen Antagonisten da taten. Rezitierten sie Liebesgedichte oder diskutierten sie darüber wer von beiden mehr hasste? Es war nicht von Belang, denn beide Wachen fielen einen Moment später leblos zu Boden. Der Schützentrupp hatte ganze Arbeit geleistet und doch blieb ein Stück Unbehagen zurück. Beide hatten begonnen ihre Köpfe zu drehen als die Pfeile heranschossen. Er dagegen hatte nicht einmal gehört, dass die Schützen schossen. Diese Millisekunde welche Elfenvolk schneller war als alle anderen war schon immer etwas Mulmiges für den Feldwebel.
Die Mine war genommen. Wachtmeister Riemerins Trupp versperrte, nach einem prüfenden Blick ins Innere den Eingang mit den Loren und Wachtmeister Erlenthals Trupp zündete das oberirdische Lager an. Das kleine und nun leere Fässchen Brennstoff wurde mit in die Flammen geworfen, welches gierig die Planen, Tische und zumindest die Holztruhen des kleinen Lagers verschlang. Die Zeit der Heimlichkeit war vorbei als der Feuerschein die Baumkronen beleuchtete und so rückten sie vor mit den kleinen Fläschchen voller Zerstörung in der Hand.
Die Soldaten stürmten vor und er allen voran. Rennen, den Vortrieb nutzen und werfen. Simpel, doch die Letharen waren etwas schneller als erwartet. Es waren schon zwei Schützen an den Zinnen. Es würde also verletzte geben. Die Flasche, welche mit Pyrian behandelt wurde, verließ seine Hand. Er blickte ihr einen Moment nach, bevor das Schild die obere Blöße deckte. Der Alchemist der Menekaner hatte ihm sogar einmal erklärt, wie das ganze funktionierte. Pyrian, welches ins Glas eingearbeitet war, erzeugte Hitze beim Aufprall oder so etwas. Als ehemaliger Schmiedelehrling eigentlich eine Schande, dass er die Erklärung nicht wirklich verstand. Wichtig war, dass es funktionierte, und er war für Schlachten ausgebildet. Nicht für Feinschmiedetechniken.
Ein paar Würfe gingen fehl und landeten an der Mauer. Die meisten schafften es darüber. Man hörte immer wieder dieses markante „Fwusch“, wenn sich das Öl entzündete. Die Schützen würden Bereichen, die nicht brannten, mit Pyrianpfeilen nachhelfen.
Ein leiser Fluch war hinter ihm zu hören und als er den Kopf wendete sah er eine Flasche an sich vorsausen und weiter hinten ungebrochen im Gras landen. Ein kurzes Stoßgebet gen Temora brachte er zustande, da er sich kaum auszumalen wagte was passiert wäre, wenn er nur ein paar Dezimeter weiter links gestanden hätte.
Als er über die Schulter sah wie der Gardist sich wieder erhob kam ihm Bjarne „Zwo Meter“ Güntersen ins Blickfeld. Der einzige Kerl im Regiment, welcher größer war als er. Seine Flasche flog in einem so hohen Bogen, dass man annehmen könnte er hätte auf Düstersee gezielt. Merkwürdigerweise fiel ihm gerade in diesen Moment der Wetttopf ein. Dreieinhalb Monate Sold war er groß und handelte davon, wo es „Zwo-Meter“ mal erwischen würde, weil er aus der Reihe immer herausragte. Bevor er den Gedanken jedoch abschütteln konnte, schrie der Hüne auf und sank auf ein Knie. Ein Bolzen war in seinem Bein und hatte die Rüstung glatt durchschlagen. Das Bein… Wer hier wohl gewonnen hatte?
Die erste Welle aus Feuer war geworfen und alle zogen sich gedeckt durch ihre Schilde ein Stück in den Wald zurück. Bjarne wurde hinter die Linien getragen ohne weitere Vorkommnisse. Frau Oberst war im Norden der Burg mit ihren Trupps und er hinter einem Baum. Die Letharen zogen sich von der Mauer zurück und würden wohl das Löschen beginnen. Es war Zeit nach Süden zu ziehen um mehr Unheil anzurichten.
Auf dem Weg zum Süden der Burg hörte er ein markantes Krachen, welches wenige Soldaten kennen sollten. Eine Büchse wurde ausgelöst und wo Büchsen waren, waren Piraten nicht weit. Sie hatten sich Rahal angeschlossen, wenn auch in kleiner Zahl, und er hörte eine gedankliche Sekunde später das „Plink“ hinter sich als die Kugel an etwas metallenem abprallte. Natürlich fehlte der dazugehörige Fluch aus dem inneren der Mauer nicht. „Puta!“ kam es in diesem dreckigen Dialekt, welche die Piraten hier pflegten. Der Trupp zog sich für die Verlegung etwas weiter in den Wald zurück und der Schütze musste erstmal nachladen.
Sie brachen kurz darauf wieder aus dem Wald und die Sache ging von neuem los. Vorstürmen, werfen und die Schützen würden Sperrfeuer geben. Als er gerade wieder seinen Schild hob sah er eine Gestalt im inneren der Burg wachsen. Ein dämonenartiges Gebilde, welches nur ein Magier sein konnte. Ein kurzer Blick über die Schulter zeigte den Korporal van Daske in einer völlig unpassenden Ruhe mit halb geschlossenen Augen. Er stand an einem Baum mit dichter Krone und war wohl dabei zu zaubern, zu konterzaubern oder was Magier auch immer machen. Einen Magier dabei zu haben war immer von Vorteil, auch wenn sie akut nie das machen können, was der Feldwebel brauchte.
Wolken zogen über der Burg auf und regneten herab. Der Feuerschnaps wurde gelöscht, doch das Öl fing brennend an der Mauer herabzufließen und im Innenhof würde es wohl richtig Freude bereiten. Seine Wachtmeister hatten sich mit ihren Trupps verteilt und steckten alles an was nur ein wenig Brennbar aussah. Ein Soldat kam herangeeilt und salutierte vor ihm. Rekrut Mercio de Schmies. Von den „de Schmies“ aus Alrynes. „Melde Frau Oberst schließt sich den Truppen im Süd…“ mehr brachte der stramm vor ihm stehende Soldat nicht hervor.
Der Feldwebel verstand die Welt für einen Moment nicht. Ist der Rekrut nachgeschlichen und hat sich den Truppen angeschlossen? Wieso war dieser grüne Bursche auf dem Feld. Er packte ihn am Wappenrock, um ihn wenigstens in Deckung zu ziehen, aber es war zu spät und mitten im Satz ragte auf einmal ein Bolzen aus seinem Hals. Der Jüngling hatte in seiner Eile seinen Halsschutz nicht angelegt. Wut kochte im Feldwebel auf. Auf den Schützen, auf den Rekruten selbst und seinen Vater. Jener, ein Edler aus Alrynes, hat wenig Hehl daraus gemacht mit einem dekorierten Sohn an der Front die Ehre seiner Familie anreichern zu wollen. Der Bursche unterdessen hatte die Geschichten von ehrenhaften Soldaten und ruhmreichen Schlachten derartig gefressen, dass er nun hier sein Leben ließ. Wer salutiert ohne Deckung in einer Schlacht? Sein Tod war unnötig und die Gedanken des Feldwebels wanderten, während er den Wappenrock losließ. Sie wanderten zu der möglichen Zukunft, welche das ewige Wesen ihnen gezeigt hatte. Ein in ein paar Generationen zerstörtes Adoran. Zerstört, wenn man nichts unternimmt. In diesem zerstörten Adoran lag sein in der Anzahl der „Urs“ nicht näher definierter Ur-Enkel tot in der Gosse. Ebenso jung und mit dem gleichen gebrochenen Blick wie dieser junge Rekrut. Am Tag der kleinen Geschenke wäre er 19 Jahre alt geworden.
Er blickte hinter seiner Deckung zu den Zinnen und eine Lethra, welche das Zeichen der „T“ trug, lächelte. Erkennbar war diese Freude an dem erfolgreichen Schuss nur an den weißen Zähnen, welche das blauschwarz der Haut teilten. Gleich darauf flogen weitere Bolzen in seine Richtung. Wer sich einen Rekruten schießt, der will sich auch einen Feldwebel ins Heft schreiben. Den Kopf einziehen und solange man auf ihn schoss, schoss man nicht auf andere. Opferbereitschaft im Kleinen.
Die Truppen von Frau Oberst rückten an und man hörte wieder das Krachen der Büchse. „Chica, du bist mein“ kam irgendwo aus dem inneren der Wehrmauer und es wurde Deckung gesucht. Zeit für eine Heldentat. Schild hoch und an die Mauer gestürmt! Die Schützenlöcher in der Mauer waren ein Kompromiss und würden dem Piraten nun hoffentlich zum Verhängnis. Offensivkapazität, wenn man die Schützen hat, aber Einbußen in der Integrität der Mauer. Andere Länder andere Sitten und andere Wehranlagen wohl. Er schlich an der Mauer entlang, den Schild über den Kopf erhoben. Ein kurzer Blick in das erste Schützenloch. Leer. Weiter zum nächsten und da stob schon eine Pulverwolke hervor mit dem krachenden Knallen der Büchse. Wie können Piraten nicht taub werden bei dem Lärm? Zwei Flaschen sind gezückt und in die Öffnung der Mauer geworfen. Wieder dieses „Fwusch“ und der Pirat sucht fluchend das Weite. Vielleicht mit einer schönen Brandnarbe.
Eine Stichflamme schoss aus dem Loch und ließ ihn zurückweichen. Weißes Zeug regnete auf ihn herab und kurz nachdem er den Schild wieder erhoben schlug auch ein Dolch ein. Auf seinem Visier kreuchten Maden, welche die Rekrutenmörderin auf ihn warf. Er würgte und schüttelte die unliebsamen Delikatessen ab. Hinter ihm begann es Feuerbälle zu regnen. Der Letharenmagier drängte die Truppen zurück und durch ein Wunder wurde keiner erschlagen. Korporal van Daske antwortete mit einem Blitzhagel.
Weiter nach vorn an die Ecke und auf dem Schild krachte alles ein, was die Lethra in die Finger bekam. Kleine Steine, welche sie wohl aus dem Mauerwerk pulte, Maden, Geld und andere Dinge. Es wirkte als würde sie alles werfen was sie um sich oder in ihren Taschen fand. Er schlich voran als er auf einmal Funkenregen bemerkte und mit einem heftigen Schlag wurde der Schild fast zur Seite gefegt. Sie hatte die Feuerschale geworfen, welche unweit von ihr stand. Er löst die Fibel des des Umhangs, welcher anfing Feuer zu fangen und jener glitt zu Boden. Er musste hier weg, bevor die Lethra sich selbst auf den Feldwebel werfen würde.
Ein hastiger Blick von der Mauer zu den Reihen der Soldaten. Ein Patt war erreicht. Zeit sich zurückzuziehen.
„Diamant!“ gab er die Losung aus und ein jeder Soldat wusste das es Zeit war zu gehen.
Es war nicht die erste Schlacht und nicht die letzte. Aufklärung war auf seinem gedanklichen Zettel neben dem Ziel so viel Schaden wie möglich durch einen Überraschungsangriff anzurichten. Die Letharen sollten spüren, dass Lichtenthal nicht tatenlos zusieht, wenn die eigenen Grenzen verletzt werden.
Sie waren an der Wiese angekommen. Die Wiese mit dem kleinen Teich an dem Lymeria ihre ewige Ruhe fand und er hatte immer noch einen Kloß im Hals als er an ihrem unscheinbaren Grab vorbeilief. Ein halbes Leben entfernt wirkte diese Episode seiner Vita heute, doch an diesem Ort waren die Geschehnisse von damals so präsent als wären sie gestern gewesen. Es war jedoch nicht der Moment um sich damit zu befassen.
Die Mine war in Sicht und er hob die Faust. Das durch den Waldboden gedämpfte Stakkato der Stiefel verstummte und vier Schützen kamen an seine Seite. Meisterschützin van Dragane führte sie an. Grimmig dreinblickend nickte sie ihm entgegen. Sie waren bereit für den Angriff. Er deutete auf die beiden Letharen, welche an der Mine wache schoben und erhielt erneut ein Nicken. Die Schützen gingen in Stellung und er hatte zu warten.
Die beiden Letharen die in der Nähe der Baumgrenze standen und sich unterhielten erhielten seine Aufmerksamkeit. Er konnte kein Wort verstehen doch, wenn Letharen sprachen, klang es immer nach Schmerz und Unwohlsein. Für einen Moment wanderte sein Geist und er fragte sich was die namen- und gesichtslosen Antagonisten da taten. Rezitierten sie Liebesgedichte oder diskutierten sie darüber wer von beiden mehr hasste? Es war nicht von Belang, denn beide Wachen fielen einen Moment später leblos zu Boden. Der Schützentrupp hatte ganze Arbeit geleistet und doch blieb ein Stück Unbehagen zurück. Beide hatten begonnen ihre Köpfe zu drehen als die Pfeile heranschossen. Er dagegen hatte nicht einmal gehört, dass die Schützen schossen. Diese Millisekunde welche Elfenvolk schneller war als alle anderen war schon immer etwas Mulmiges für den Feldwebel.
Die Mine war genommen. Wachtmeister Riemerins Trupp versperrte, nach einem prüfenden Blick ins Innere den Eingang mit den Loren und Wachtmeister Erlenthals Trupp zündete das oberirdische Lager an. Das kleine und nun leere Fässchen Brennstoff wurde mit in die Flammen geworfen, welches gierig die Planen, Tische und zumindest die Holztruhen des kleinen Lagers verschlang. Die Zeit der Heimlichkeit war vorbei als der Feuerschein die Baumkronen beleuchtete und so rückten sie vor mit den kleinen Fläschchen voller Zerstörung in der Hand.
Die Soldaten stürmten vor und er allen voran. Rennen, den Vortrieb nutzen und werfen. Simpel, doch die Letharen waren etwas schneller als erwartet. Es waren schon zwei Schützen an den Zinnen. Es würde also verletzte geben. Die Flasche, welche mit Pyrian behandelt wurde, verließ seine Hand. Er blickte ihr einen Moment nach, bevor das Schild die obere Blöße deckte. Der Alchemist der Menekaner hatte ihm sogar einmal erklärt, wie das ganze funktionierte. Pyrian, welches ins Glas eingearbeitet war, erzeugte Hitze beim Aufprall oder so etwas. Als ehemaliger Schmiedelehrling eigentlich eine Schande, dass er die Erklärung nicht wirklich verstand. Wichtig war, dass es funktionierte, und er war für Schlachten ausgebildet. Nicht für Feinschmiedetechniken.
Ein paar Würfe gingen fehl und landeten an der Mauer. Die meisten schafften es darüber. Man hörte immer wieder dieses markante „Fwusch“, wenn sich das Öl entzündete. Die Schützen würden Bereichen, die nicht brannten, mit Pyrianpfeilen nachhelfen.
Ein leiser Fluch war hinter ihm zu hören und als er den Kopf wendete sah er eine Flasche an sich vorsausen und weiter hinten ungebrochen im Gras landen. Ein kurzes Stoßgebet gen Temora brachte er zustande, da er sich kaum auszumalen wagte was passiert wäre, wenn er nur ein paar Dezimeter weiter links gestanden hätte.
Als er über die Schulter sah wie der Gardist sich wieder erhob kam ihm Bjarne „Zwo Meter“ Güntersen ins Blickfeld. Der einzige Kerl im Regiment, welcher größer war als er. Seine Flasche flog in einem so hohen Bogen, dass man annehmen könnte er hätte auf Düstersee gezielt. Merkwürdigerweise fiel ihm gerade in diesen Moment der Wetttopf ein. Dreieinhalb Monate Sold war er groß und handelte davon, wo es „Zwo-Meter“ mal erwischen würde, weil er aus der Reihe immer herausragte. Bevor er den Gedanken jedoch abschütteln konnte, schrie der Hüne auf und sank auf ein Knie. Ein Bolzen war in seinem Bein und hatte die Rüstung glatt durchschlagen. Das Bein… Wer hier wohl gewonnen hatte?
Die erste Welle aus Feuer war geworfen und alle zogen sich gedeckt durch ihre Schilde ein Stück in den Wald zurück. Bjarne wurde hinter die Linien getragen ohne weitere Vorkommnisse. Frau Oberst war im Norden der Burg mit ihren Trupps und er hinter einem Baum. Die Letharen zogen sich von der Mauer zurück und würden wohl das Löschen beginnen. Es war Zeit nach Süden zu ziehen um mehr Unheil anzurichten.
Auf dem Weg zum Süden der Burg hörte er ein markantes Krachen, welches wenige Soldaten kennen sollten. Eine Büchse wurde ausgelöst und wo Büchsen waren, waren Piraten nicht weit. Sie hatten sich Rahal angeschlossen, wenn auch in kleiner Zahl, und er hörte eine gedankliche Sekunde später das „Plink“ hinter sich als die Kugel an etwas metallenem abprallte. Natürlich fehlte der dazugehörige Fluch aus dem inneren der Mauer nicht. „Puta!“ kam es in diesem dreckigen Dialekt, welche die Piraten hier pflegten. Der Trupp zog sich für die Verlegung etwas weiter in den Wald zurück und der Schütze musste erstmal nachladen.
Sie brachen kurz darauf wieder aus dem Wald und die Sache ging von neuem los. Vorstürmen, werfen und die Schützen würden Sperrfeuer geben. Als er gerade wieder seinen Schild hob sah er eine Gestalt im inneren der Burg wachsen. Ein dämonenartiges Gebilde, welches nur ein Magier sein konnte. Ein kurzer Blick über die Schulter zeigte den Korporal van Daske in einer völlig unpassenden Ruhe mit halb geschlossenen Augen. Er stand an einem Baum mit dichter Krone und war wohl dabei zu zaubern, zu konterzaubern oder was Magier auch immer machen. Einen Magier dabei zu haben war immer von Vorteil, auch wenn sie akut nie das machen können, was der Feldwebel brauchte.
Wolken zogen über der Burg auf und regneten herab. Der Feuerschnaps wurde gelöscht, doch das Öl fing brennend an der Mauer herabzufließen und im Innenhof würde es wohl richtig Freude bereiten. Seine Wachtmeister hatten sich mit ihren Trupps verteilt und steckten alles an was nur ein wenig Brennbar aussah. Ein Soldat kam herangeeilt und salutierte vor ihm. Rekrut Mercio de Schmies. Von den „de Schmies“ aus Alrynes. „Melde Frau Oberst schließt sich den Truppen im Süd…“ mehr brachte der stramm vor ihm stehende Soldat nicht hervor.
Der Feldwebel verstand die Welt für einen Moment nicht. Ist der Rekrut nachgeschlichen und hat sich den Truppen angeschlossen? Wieso war dieser grüne Bursche auf dem Feld. Er packte ihn am Wappenrock, um ihn wenigstens in Deckung zu ziehen, aber es war zu spät und mitten im Satz ragte auf einmal ein Bolzen aus seinem Hals. Der Jüngling hatte in seiner Eile seinen Halsschutz nicht angelegt. Wut kochte im Feldwebel auf. Auf den Schützen, auf den Rekruten selbst und seinen Vater. Jener, ein Edler aus Alrynes, hat wenig Hehl daraus gemacht mit einem dekorierten Sohn an der Front die Ehre seiner Familie anreichern zu wollen. Der Bursche unterdessen hatte die Geschichten von ehrenhaften Soldaten und ruhmreichen Schlachten derartig gefressen, dass er nun hier sein Leben ließ. Wer salutiert ohne Deckung in einer Schlacht? Sein Tod war unnötig und die Gedanken des Feldwebels wanderten, während er den Wappenrock losließ. Sie wanderten zu der möglichen Zukunft, welche das ewige Wesen ihnen gezeigt hatte. Ein in ein paar Generationen zerstörtes Adoran. Zerstört, wenn man nichts unternimmt. In diesem zerstörten Adoran lag sein in der Anzahl der „Urs“ nicht näher definierter Ur-Enkel tot in der Gosse. Ebenso jung und mit dem gleichen gebrochenen Blick wie dieser junge Rekrut. Am Tag der kleinen Geschenke wäre er 19 Jahre alt geworden.
Er blickte hinter seiner Deckung zu den Zinnen und eine Lethra, welche das Zeichen der „T“ trug, lächelte. Erkennbar war diese Freude an dem erfolgreichen Schuss nur an den weißen Zähnen, welche das blauschwarz der Haut teilten. Gleich darauf flogen weitere Bolzen in seine Richtung. Wer sich einen Rekruten schießt, der will sich auch einen Feldwebel ins Heft schreiben. Den Kopf einziehen und solange man auf ihn schoss, schoss man nicht auf andere. Opferbereitschaft im Kleinen.
Die Truppen von Frau Oberst rückten an und man hörte wieder das Krachen der Büchse. „Chica, du bist mein“ kam irgendwo aus dem inneren der Wehrmauer und es wurde Deckung gesucht. Zeit für eine Heldentat. Schild hoch und an die Mauer gestürmt! Die Schützenlöcher in der Mauer waren ein Kompromiss und würden dem Piraten nun hoffentlich zum Verhängnis. Offensivkapazität, wenn man die Schützen hat, aber Einbußen in der Integrität der Mauer. Andere Länder andere Sitten und andere Wehranlagen wohl. Er schlich an der Mauer entlang, den Schild über den Kopf erhoben. Ein kurzer Blick in das erste Schützenloch. Leer. Weiter zum nächsten und da stob schon eine Pulverwolke hervor mit dem krachenden Knallen der Büchse. Wie können Piraten nicht taub werden bei dem Lärm? Zwei Flaschen sind gezückt und in die Öffnung der Mauer geworfen. Wieder dieses „Fwusch“ und der Pirat sucht fluchend das Weite. Vielleicht mit einer schönen Brandnarbe.
Eine Stichflamme schoss aus dem Loch und ließ ihn zurückweichen. Weißes Zeug regnete auf ihn herab und kurz nachdem er den Schild wieder erhoben schlug auch ein Dolch ein. Auf seinem Visier kreuchten Maden, welche die Rekrutenmörderin auf ihn warf. Er würgte und schüttelte die unliebsamen Delikatessen ab. Hinter ihm begann es Feuerbälle zu regnen. Der Letharenmagier drängte die Truppen zurück und durch ein Wunder wurde keiner erschlagen. Korporal van Daske antwortete mit einem Blitzhagel.
Weiter nach vorn an die Ecke und auf dem Schild krachte alles ein, was die Lethra in die Finger bekam. Kleine Steine, welche sie wohl aus dem Mauerwerk pulte, Maden, Geld und andere Dinge. Es wirkte als würde sie alles werfen was sie um sich oder in ihren Taschen fand. Er schlich voran als er auf einmal Funkenregen bemerkte und mit einem heftigen Schlag wurde der Schild fast zur Seite gefegt. Sie hatte die Feuerschale geworfen, welche unweit von ihr stand. Er löst die Fibel des des Umhangs, welcher anfing Feuer zu fangen und jener glitt zu Boden. Er musste hier weg, bevor die Lethra sich selbst auf den Feldwebel werfen würde.
Ein hastiger Blick von der Mauer zu den Reihen der Soldaten. Ein Patt war erreicht. Zeit sich zurückzuziehen.
„Diamant!“ gab er die Losung aus und ein jeder Soldat wusste das es Zeit war zu gehen.