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Der letzte Atemzug, Stille, Ballade des gefallenen Engels

Verfasst: Freitag 14. Juli 2006, 14:16
von Leith Llastobhar
"Hmm... nein, vielleicht sollten wir das ganze noch einmal mit der gesamten Familie feiern."

"Ja, das denke ich auch... vielleicht möchtest du ja auch deinem Vater von den guten Neuigkeiten berichten... aber jetzt will ich mich noch ein wenig in der Bibliothek umsehen"

"Wir sehen uns morgen Leith..."

"Stille..."

"diese undurchdringliche Stille..."

"diesmal sagt sie nichts..."

"diesmal schweigt sie..."

"sie atmet nicht..."

"sie blinzelt nicht..."

"Una!"




Es war sehr früh am morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und das kleine Häuschen, welches direkt neben der Baustelle errichtet worden war lag in Dunkelheit.
Leith saß schweißgebadet auf seiner Pritsche.
Diese Nächte der Alpträume begannen ihn wahrhaft zu stören. Er ließ sich dazu hinreißen sie sogar zu hassen. Nichtmehr zu schlafen wäre wohl eine willkommene Abwechslung gewesen, auch wenn die wahre Welt dort draussen sich ihm manchmal schrecklicher zeigte als die Träume.

Er hatte von Una geträumt... sie lief über eine taubedeckte Wiese im strahlend hellem Sonnenlicht, welches sich in schillerndem weiß in ihrer Kleidung fing und sie hell leuchtend aus dem grünen Meer mit den blauen, gelben und roten Tüpfeln hervorhob.
Mit weit ausgestreckten Armen und in freudigster Manier bewegte sie sich geisterhaft über die Wiese und hatte ein Lächeln auf dem nicht wie sonst fröhlichen Gesicht. Sie lachte... lachte aus Freude und wirkte dabei fast wie ein Engel mit ihrem Lichtdurchfluteten Gewand und dem puppenhaften Gesicht, welches vor Freude strahlte.


Dann senkte sich ihre Stimme, sie stoppte die vorher so grazilen, drehenden und laufenden Schritte, starrte in den Himmel, während sich ihr Lächeln plötzlich in einen geweiteten, dann aufgerissenen Mund verwandelte. Der Himmel färbte sich dunkel, dunkler noch als bei dem schlimmsten Gewitter das Leith je sah, beinahe tiefschwarz.
So starrend stand sie für einige Augenblicke dort, dann fiel Sie. Fiel tiefer und tiefer, während Leith dabei zusehen musste. Er konnte keinen Finger bewegen, obwohl er es durchaus wollte. Es wurde still. Nur noch ein leiser Luftzug war zu hören. Ein letztes Ausatmen. Doch auf das normalerweise folgende Einatmen wartete Leith vergeblich.


Dann wachte er auf.

"Una!"

stieß er in einem heiseren Flüstern aus, getränkt von einem stechenden Schmerz in seiner Brust.

Wie die Nächte zuvor zog er sich sein Hemd und seine Hose über, diesmal fast schon überstürzt. Er wusste wo sie war, er wusste dass etwas geschehen war. Nur was? Und warum?

"Ich werde sie beschützen"

Hatte Leith seine Vorsätze vergessen? Hatte er sein Versprechen gebrochen?

In aller Hast öffnete er die Tür ohne sie hinter sich wieder zu schließen. Sie fiel mit einem leisen Quietschen und einem etwas lauteren Krachen ins Schloß zurück. Doch Leith hatte kein Ohr und auch keinen Sinn für diese Kleinigkeiten. Auch wenn ihr nichts zugestoßen sein sollte, er musste sicher sein.

Barfuß humpelte er über die Spitzen Steinchen am Flußlauf, hastete über die Brücke, rannte in Richtung Berchgard. So schnell ihn seine Füße nur tragen konnten machte er seinen Weg vorbei an den Wachen, die nur ein verdutztes Gesicht machten, als der weißhaarige Junge vorbeizog, in Richtung Varuna, zum Konvent des Phönix, wo er noch in der Nacht zuvor auf Probe aufgenommen wurde. Ohne ersichtlichen Grund wurde das stechende Gefühl in seiner Brust mit jedem Schritt stärker, bis es sich schließlich zum Hals ausdehnte und sich in seinem Schlund festsetzte.

Würde Alfaran nicht auf sie achten? Doch sicherlich...
Aber sie hatte sich schon seit einigen Tagen immer in der Bibliothek verkrochen um zu lesen. Sie kam erst zu späten Stunden heraus, manchmal erst bei Sonnenaufgang. Leith hatte sich in den Tagen seiner schlechten Träume des öfteren zu Spaziergängen hinreißen lassen und dabei mindestens ebensoviel über seine jüngere Base erfahren wie über das Nachtleben Varunas, wenn nicht mehr.

Hatte ihr jemand aufgelauert? Des Nachts in einer dunklen Gasse? Sie ausgeraubt? Geschlagen?

Leith musste es trotz allem wissen und beschleunigte seine Schritte um ein weiteres Mal, bis er fast ohne Besinnung rannte.

Der Phönix, der aus dem Feuer geborene, steinerne Vogel, welcher auf dem Dach des Konvents über alle Eintretenden mit seinem strengen, machtvollen Blick wachte, war zu sehen.
Doch Leith verlangsamte seine Schritte mitnichten. Halb schon stolpernd und mit aufgewetzten Fußsohlen kam er vor den schweren Eisentoren zum stehen, zog mit seinen Kraftreserven daran, legte sein Gewicht nach hinten, nur um im nächsten Moment durch den offenen Spalt zu springen, über die Treppe mit dem kleinen Bachlauf zu hasten um dort, auf der letzten Stufe des Übergangs mit weit aufgerissenen Augen, einem heftigen Schmerz in seinem ganzen Körper und vor Anstrengung hustend zum Stehen zu kommen.


Sie lag dort. Friedlich. Still. Wie im Schlafe.

Leith war einen Lidschlag wie paralysiert. Sie schlief nicht. Ihr Brustkorb hob sich nicht. Sie blinzelte nicht. Die Sonne, welche nun gemächlich über den Horizont geschlichen war, schien langsam über die Zinnen des Daches und zeichnete sich halb auf ihrem porzelanartigen und bleichen Gesicht ab.

"Una!"
rief Leith in einem entsetzten, halb erstickten Schrei.

Doch niemand antwortete.

Er ging langsam und zittrig auf Sie zu, stolperte dabei kurz, fing sich wieder und wischte sich den Ärmel über die klitschnasse Stirn. Die Angst trieb ihm die Tränen in die Augen. Er beugte sich hinab und legte sein Ohr an ihre erblassten, dunklen Lippen, welcher unüblich anders als sonst aussahen.

Nichts war zu hören gewesen.


"ALFARAN!"
schrie Leith nun verzweifelter denn je, mit einem unterdrückten hilflosen Unterton in seiner Stimme.


Woraufhin der etwas ergraute, schmächtige Verwalter aus dem Hofeingang stürmte, in seinem langen weißen Mantel gehüllt, seitlich auf den Stab gestützt. Man hätte ihn für einen alten gebrechlichen Mann halten können, wenn man ihn nun gesehen hätte. Doch wusste Leith genau, welche Kraft in dem Verwalter steckte sofern er sich diese zunutze machen wollte.


Auch er schien erschüttert von dem Anblick, der sich ihm bot, als er sich hastig der kleinen Gestalt im Grase annahm und sie ins Innere trug.


Leith machte sich unterdessen daran, nach einer Wache zu suchen, um einen Boten schicken zu lassen.
"Egal, was es kostet, lauft so schnell wie möglich zu Cathal Llastobhar dem Knappen des Herrn Rafael de Arganta"


Bis er schliesslich völlig ausser Atem wieder im Garten zum stehen kam, als ihm ein kleines Stückchen Brot ins Auge fiel.
Jemand hatte davon gekostet.
Er nahm es in die Hand und führte es in einer fast Zeitlupengleichen Bewegung zur Nase um im nächsten Moment daran zu riechen.

Es roch ganz normal. Stinknormales Brot.


Dann wurde Leiths Blick etwas verschwommen, er wollte gehen, brachte es aber nur fertig sich der länge nach ins Gras fallen zu lassen, kurz bevor ihm Schwarz vor Augen wurde.




Kurze Zeit später erwachte er unter der Obhut Alfarans in einem Zimmer des Konvents, wohl eine ganze Stunde nachdem Leith mit dem Gesicht voran ins Gras gefallen war. Beide saßen sie dort und sahen nun Cathal, welcher direkt vor Una stand, die auf einem Bett lag und nach wie vor kein einziges Lebenszeichen von sich gab.

Verfasst: Freitag 14. Juli 2006, 15:39
von Cathal Llastobhar
Das heftige Pochen, ein hämmerndes Klopfen, hatte ihn unsanft aus dem eher ruhigen und recht entkräfteten Schlaf gerissen. Lange hatte er noch Wache geschoben und sich auch mit etwas düsterer Miene die Beschwerden eines Gardisten angehört, welcher wirklich wenig erfreuliche Neuigkeiten über jüngste Gesetzesbrüche zu berichten hatte. Die Ruhe war seiner Meinung nach nun mehr als verdient und so sah er sich fast versucht den Lärmbold, welcher da an die Türe des Zimmers donnerte verbal zur Schnecke zu machen, doch stockte ihm der Atem zum ersten wütenden Brüller schon im Ansatz, als er die Verzweiflung im Gesicht des jungen Mannes sah, im Halse stecken blieb. Ein kurzer Blick über die Schulter versicherte ihm, dass zumindest Alleen ihren gesegneten Schlaf nicht verloren hatte und sich im Traum brummelnd in ihrer Decke verhedderte. Um sie nicht weiter zu stören schob er sich aus dem Zimmer und stand dem Wachmann nur in langem Hemd und Linnenhosen gegenüber im Flur.
Abwartend blickt er ihm still entgegen und als dieser den Mund öffnete und ihm stammelnd, wenige Worte entgegensprudelte, da stand mit einem Mal die Zeit still und begann danach wild zu springen.

Una… wie ein schlafender Engel.
Friedlich, sanft und rührend anzusehen… TEMORA, WARUM ATMET SIE NICHT??!
WARUM?

Welch bizarres, schmerzliches Bild!

[img]http://mitglied.lycos.de/sherahadh/Unaschneewittchen.JPG[/img]

Kalt klapperten die Stiefelabsätze im Rhythmus der Schritte auf dem Boden der Konventshallen wieder. Una war so leicht, so klein und zerbrechlich, wie eine Feder lag sie in seinen Armen. Ihr Kopf jedoch war nach hinten gefallen, als würde er wahrlich eine Leiche in den Händen tragen… HERRIN, DAS KANN NICHT WAHR SEIN!

Erneut beschattete ein schwarzer Mantel seine innere Uhr und verschmolz Momente mit Stunden, Gedankenläufe mit Augenblicken der Qual, des Unverständnis, der blanken Fassungslosigkeit. Es KONNTE einfach nicht stimmen, musste ein Alptraum sein und zwar der bitterste seines Lebens, dunkler als jede erdachte, ausgemalte Tortur ging es weit über sein Verständnis.
Allerdings sollte er sich etwas später nur, als die erste Morgenröte dämmerte und zumindest Leith die Augen wieder aufschlug, nicht mehr recht an jene Zeit des blanken Wahnsinns erinnern. Die Gefühle hatten ihn übermannt und mit brennendem Blicke starrte er auf das Brot herab, welches Leith ihm in die Hand gedrückt hatte. Wie Stroh entflammte alles in ihm mit dem wilden Feuer der Rache, des blinden Hasses, doch war es das Blut des Hauses Llastobhar, welches die eigentliche, klare Kälte hervorbrachte und die Gedanken wie Blitze durch den Kopf jagte.

Gift! An der Armenspeisung… das Brot hatte ihm jenes Paar zugesteckt.
Gift! Er hatte es Una gegeben, er hatte Schuld, er ganz allein hatte sie getötet.
Gift! Die Truhen mussten strenger Kontrolle durchzogen werden, bevor nochmals je
Etwas ausgehändigt werden konnte… wenn denn überhaupt… dieses Opfer war zu viel, war fast alles, was er zu schützen geschworen hatte… war FAMILIE.

Gift! Opfer? Siedendheiß überkam es ihn: Ein Name, ein Lichtblick – ANGELINA!

Mit wehendem Mantel rannte er durch die Strassen, unfähig aufzugeben, die aberwitzige Hoffnung nicht verlierend. Er hatte sich nur noch die Zeit genommen einen Eilboten nach das Gasthaus bei Tirell zu senden, denn Viljo musste es rasch erfahren. Alle anderen wichtigen Personen hatte Herr Eibenbruch versprochen in Kenntnis zu setzen. Er und Leith wollten über Una wachen…

Ihr Körper wurde nicht steif. Kühl zwar, bleich wie eh und je, blankes Puppengesicht aus Porzellan, doch nicht steif… keine Leichenstarre. Sein einziger Strahl Hoffnung!

Angelina! Sie musste helfen können… LICHTBRINGERIN, LASS UNS JETZT NICHT IM SCHWARZEN DUNKEL ALLEINE! LASS UNS NICHT IM STICH!

Verfasst: Freitag 14. Juli 2006, 16:07
von Tara Llastobhar-Naweya
Von einem lauten Krachen der Tür schreckte sie aus einem bleischwerem Schlaf hoch. Wer bei Eluive machte um diese Uhrzeit so einen Lärm?
Müde quälte sie ihre Augen auf und ließ ihren Blick über die Schlafstätten schweifen. Nur Leiths war aufgewühlt und leer. Seid wann stand er um diese Uhrzeit auf? Und vor allem: wieso nahm er keine Rücksicht auf die noch Schlafenden? Ihre Augenlider flackerten kurz. Zu lange war sie diese Nacht wieder unterwegs gewesen und erst vor nichtmal zwei Stunden müde - und leise - in ihre Schlafstätte gefallen. Ihre Augen schlossen sich wieder. Nicht fähig einen weiteren Gedanken zu verschwenden, sank sie wieder zurück in einen traumlosen Schlaf.

Dann schreckte sie wieder hoch. Diesmal wusste sie nicht weswegen. Wieder schlich ihr Blick über den kleinen Raum. Die ersten Sonnenstrahlen krochen durch das kleine staubige Fenster der Bauhütte. Kurz blinzelte sie und blickte wieder gen Leiths Schlafstätte. Leer.
Dann fiel es ihr wieder ein: das Krachen der Tür, überhastete Schritte. Vielleicht sollte sie doch lieber nachsehen.
Sie sreckte sich, um die Müdigkeit halbwegs abzuschütteln und zog sich dann rasch etwas über. Geschwind führten sie ihre Schritte nach Berchgard. Vielleicht hatten die Gardisten dort etwas gesehen.

„Ein junger Mann mit schneeweißen Haaren? Ja, der ist vor etwa einer Stunde hier wie wildgeworden vorbeigerannt,"
teilte ihr Serge freimütig mit.
„Weiße Haare? Ja, der schien es sehr eilig zu haben. Richtung Varuna lief er. Hat er was ausgefressen?", so neugierig die Wache Rudolf am Tore Berchgards.

Ein dankbares Nicken, dann lenkte Tara ihre Schritte gen Varuna. Langsam stieg nun Sorge in ihr hoch. Wieso hatte Leith es so eilig gehabt? Da musste doch irgendwas passiert sein.

Auch die Gardisten in Varuna konnten ihr weiterhelfen. Zielstrebig schien sie gen dem Konvent des Phönix zu laufen.
Der Konvent... vielleicht musste Leith dort ja etwas dringendes erledigen und sie würde nur stören. Aber um diese Uhrzeit? Sie konnte ja wenigstens nachfragen, auch auf das Riskio hin, wieder als bevormundende Tante hingestellt zu werden. Doch mit jedem Schritt Richtung des Konvents, überkam sie immer mehr ein Gefühl, als packe eisige Kälte ihre Seele. Irgendwas war dort geschehen.

Die Türen des Konvents standen offen. Tara überlegte nicht lange und schritt hinein und wäre fast mit einem Herrn in weißer Robe zusammengestoßen.
„Verzeiht mein Eindringen, Tara Llastobhar-Naweya mein Name, ich suche einen jungen Herrn der den Konvent hier besucht...Leith Llastobhar sein Name..", stieß sie rasch hervor. Alfaran musterte sie kurz, wenig überrascht schien er.

„Llastobhar, ah.. ich wollte gerade einen Boten schicken.."

„Einen Boten... ist Leith etwas passiert?" Aufwallende Sorge.

„Nein, nicht Leith...." Ein vielsagender Blick.

„Una..."

Sie wurde bleich.

Kaltes Feuer

Verfasst: Samstag 15. Juli 2006, 01:00
von Viljo Llastobhar
Sein Schlaf war tief jene Nacht, sein Körper ermattet von den Entbehrungen die er ihm in den letzten Tagen aufgebürdet hatte. Am Morgen jedoch erwachte er nur mühsam, gar so als ob ihm die Nacht weitere Stunden des Schlafes abzuringen versuchte und ihn nicht mit neuer Kraft den Tag schreiten lassen wollte. Jedoch gewann er den Kampf gegen die Trägheit und begann seinen Tag.

Gegen Mittag kehrte er in Varuna ein, um dort in der Nähe des Marktplatzes sich zum Mittagsmahl niederzulassen. Vielleicht würde er in dort auch Una antreffen, die allen Anschein, erneut eine Nacht in den Fängen der großen Bibliothek des Konvents verbracht hatte. Ein Ort der ihm leider bislang noch verwehrt geblieben war, denn so sehr er sich auch bemühte sein erlerntes Können zu meistern und seinem, durch seinen ehemaligen Lehrmeister bekräftigten, Titel gerecht zu werden, so drängte es ihn gleichermaßen danach neues zu lernen und in seiner Ausbildung fortzufahren und ebenso, wie in den Tagen Tirells, erneut Seite an Seite mit seiner Schwester und neuerdings auch mit Leith, studieren zu können.

Doch anstatt der erhofften, vertrauten Gestalt Unas näherte sich ihm eine dunkle Schreckenswolke, in der Form einer schlichten Botschaft. Alles um sich herum vergessend, eilte er gen Konvent, wo bereits Leith und Cathal neben der reglosen Gestalt seines Zwillings ausharrten. Er fürchtete ihm würde die Luft weg bleiben, so fest saß ihm der schwere Kloß der Trauer in der Kehle. Aber er zwang sich zur Ruhe und schluckte schwer um seinen Hals zu befreien.
Er mußte jetzt, mehr als jemals zuvor die Ruhe bewahren um nicht alles was ihm lieb und teuer war aufs Spiel zu setzen.
So lauschte er der bruchstückhaften Erzählung Leiths, den das Ereignis an der Oberfläche seines Wesens mindestens ebenso aufwühlte, wie ihn selbst in der Tiefe seines Herzens. Während er dem Bericht zu hörte, kniete sich Viljo nieder und ergriff Unas Hand. So sehr sich ihre Hände auch glichen, so verschieden waren sie doch. Die blasse Haut hatten sie beiden gemein, ebenso wie den feingliedrigen Knochenbau. Jedoch wo seine Haut schwielig und rau war, die Sehnen und Muskeln gehärtet vom Nahkampf und warm vor Leben, so war ihre Haut weich und sanft, aber auch kühl und bar des Lebens.
Dennoch mußte er sich nicht einmal auf das Lied und Unas Leib konzentrieren um zu wissen, das nicht alles Leben aus ihr gewichen war, so stark wart das Band das die Zwillinge miteinander verband.
Unter dem Wissen das Una von den übrigen Familien Mitgliedern treu umsorgt wurde, brach, nicht ohne einen hoffen Blick, hoffend auf doch ein plötzliches Zeichen der Regung, auf. Nicht, das ihm seine Schwester nicht am Herzen lang, nicht das er Nichts unversucht lassen würde um ihr zu helfen, doch wußte er das er seine äußere Ruhe nicht mehr lange aufrecht erhalten können würde.
Und vor seiner Familie, vor seinem eigen Blut, wollte und konnte er nicht die Kontrolle verlieren.


Er schaffte es bis zum Gasthof, sogar bis hinauf in ihr gemeinsames Zimmer, ehe alles in ihm zusammenbrach und er sich nicht länger beherrschen konnte. Es war nur ein kurzes Auflodern, wie ein Schwall Öl den man auf noch heiße Kohlen goß. All der Zorn, die ohnmächtige Wut, ja der Hass auf jene die das ihm, Una, ihnen beiden angetan hatten, brach hervor. Mit aller Kraft traf seine Faust die verputzte Wand des Zimmers. Seine eigenen Emotionen brandeten über ihn hinweg und sein Hieb und der mit ihm erfolgte unartikulierte Aufschrei gaben ihnen Richtung und Form.
Doch dann schaltete sein Verstand wieder ein, bahnte sich einen Weg durch die Wogen der Gefühle und in seinem Geist erstarkten wieder die Mauern die die Flammen bändigten. Nur seine schmerzenden Knöcheln und die unregelmäßige, in etwa kreisrunde geschwärzte Stelle an der Wand verblieben als Zeugen seines kurzen Kontrollverlustes. Mehrmals atmete er tief durch und sein Leib zittere vor Anstrengung sich zu mäßigen. Wart dies doch im Moment die falsche Reaktion, konnte er doch so keine Heilung bringen, konnte noch aller Eifer und heißes Blut keinen Feind niederstrecken der sich noch nicht zu erkennen gegeben hatte.
Nein, er mußte ruhig bleiben, er mußte das Feuer in seinem Herzen klein halten. Es galt seine Wut, seinen Zorn aufsparen, ihn lenken und gezielt, wie eine Waffe im rechten Moment gen seine, die Feinde seiner Familie, zu lenken, auf das sie in dem Feuersturm vergehen mögen.

Langsam begannen seine Gedanken wieder in klaren Bahnen zu verlaufen und er überlegte, was er tun konnte.
Gift, das war es was seine Schwester an die Schwelle des Todes gebracht hatte. Zwar hatte er bei seinen alchemistischen Studien auch die Giftkunde kurz angerissen, jedoch, größtenteils Aufgrund mangelnder oder nicht zugänglicher Aufzeichnungen, es bislang nicht näher vertieft.
Nun ärgerte er sich, daß seine eigenen Aufzeichnungen hierüber nur allzu lückenhaft waren und das eine mögliche Quelle der Lösung nur einen Steinwurf entfernt, nun Heimat von Dämonen und anderer Höllenbrut war.
So blieb ihm vorerst nur sein bescheidenes Grundwissen über Gifte und seine sonstigen Erfahrungen in der Kunst der Alchemie und der Funktionsweise des Körpers um zumindest den Ansatz einer Lösung zu finden.
Während er seine Unterlagen durchging, umriss er zumindest einen groben Plan um den Lebensfunken der noch in Una weilte zu erhalten und ihren Körper zu stärken, auf daß das Gift keinen weiteren Schaden anrichten könne.
Während er an der Zusammensetzung jenes Tranks arbeitete und verschiedene Reagenzien und ihr Zusammenspiel miteinander abwog, kam ihm ein weiterer Gedanke in den Sinn.
Die Bibliothek zu Tirell war nicht mehr, unter den Bänden seines Vaters würde er mit Sicherheit auch nicht fündig werden. Aber es gab ganz bestimmt einen weiteren Ort, an dem Bücher über Gifte und deren Wirkung zu finden waren.
Kurz huschte ein Anflug von einem triumphierenden Lächeln über seine Lippen, ehe er sich wieder fasste und seine Arbeit an jenem ersten Trunk vollendete. Hoffentlich würde er Owyn und Leith antreffen, denn sie konnten, auch ohne es zu wissen wohlmöglich Unas größte Hoffnung sein.

Und so brach er eiligst gen Varuna auf. Er hatte seine Ruhe wieder gefunden und nun klares Ziel das es anzustreben galt. Der Sturm der Emotionen hatte sich gelegt und lediglich tief in seinem Herzen glomm weiterhin das kalte Feuer. Das Feuer das er behütete und nur seinen Feinden offenbaren würde.

Verfasst: Samstag 15. Juli 2006, 11:27
von Alassea
Als irgendwann dann ein Bote sie endlich fand, denn er hatte vor Varuna und auf dem Hof gesucht und sie dabei mehrmals verpasst. Nahm er sie sacht beiseite und murmelte ihr leise eine Nachricht zu? Einen Moment lang erstarb alles Lächeln in ihrem blassen wie in mamor gehauenen Porzelanpuppenähnlichem Gesicht. Doch sie fing sich gleich wieder.

Solche Nachrichten waren ihr nichts neues mehr. Nachrichten über tote Schwestern, Freunde keine Neuheit mehr für sie. Sie behielt ihren kühlen Kopf und blickt an sich herab. Ohne den Boten weiter zu beachten, den Rest mit ihm überliess sie einfach Elias, ging sie die Kellertreppen hinunter in ihres und Elias privaten Bereich und nahm ruhig eine Tasche vom Schrank herunter. Dorthinein packte sie ein paar Kleidungssachen und einen Beutel mit Alchemistischen Kram.

Das der kleinen Una etwas geschehen war, ihrer, abgesehen von Ronya, besten Freundin hier in diesem Land stimmte sie nachdenklich. Die Tasche band sie ruhig an Linseys Sattel. Sie hasste Sättel und Zügel aber wo sollte sie sonst die Tasche transportieren? Ein Blick zu Elias lies ihm sagen das sie ein paar Tage lang wegsein würde und das etwas geschehen sei. Ihre eh schon dunklen tiefblauen Augen wirkten um eine Neaunce dunkler und mit Elias Hilfe schwang sie sich in den Sattel.

Shel wollte zwar mit und Lise schrie herum das sie auch mit wolle, aber Alassea schuettelte nur den Kopf. Das war eine Familiensache, da hatten die Kinder nichts bei zu suchen und auch wenn sie in jener Familie oft bis meistens das Gefühl vermittelt bekam sie gehöre nicht dazu, so war es Una um die es ging und egal ob man ihr die Türe vor der Nase zuschlagen würde, sie würde zu Una durchkommen.

Verfasst: Samstag 15. Juli 2006, 19:02
von Angelina de Arganta
Angelina hörte gar nicht bis zum Schluss zu, sondern ließ Cathal einfach stehen und berichten, während sie hastig ihre Heilertasche überprüfte und dann zum Aufbruch bereit wieder vor ihm stand.
„ Dann lasst uns sofort gehen, Cathal. Ich hoffe, dass ich helfen kann.“
Rafaels Knappen kannte sie als wohl besonnenen jungen Mann, doch im Moment machte er ihr Sorgen. Noch nie hatte sie ihn so aufgeregt erlebt, auch wenn er versuchte, sein Entsetzen und seinen Kummer zu beherrschen. Seine bleiche Gesichtsfarbe verriet Angelina seinen inneren Aufruhr.

Sie legten den kurzen Weg durch die Stadt fast im Laufschritt zurück… das heißt, Angelina lief und Cathal schritt nur energisch und weit aus. Das war wieder einmal der Moment, wo sie sich wünschte, doch ein wenig größer geraten zu sein. Doch ihre Gedanken verweilten nur sehr kurz bei diesem Wunsch und richteten sich sogleich wieder auf das Mädchen Una, das offenbar im Sterben lag. Hoffentlich kamen sie nicht zu spät!
Angelina bat inständig Temora um Hilfe und Weisheit, während sie neben Cathal her hastete.

Bei dem Konvent des Phönix angekommen führte Cathal Angelina sogleich zu Una.
Sie sah Alassea am Lager der zierlichen, kleinen Person, die ganz still lag und im ersten Moment glaubte Angelina, aus dem Mädchen wäre bereits alles Leben gewichen. Alassea blickte zu Angelina auf und diese konnte den großen Kummer nun auch in ihren Augen erkennen. Wer sich noch im Raum befand, nahm Angelina kaum wahr.
Leise flüsterte sie mit Alassea und erkundigte sich, ob sie Una schon untersucht hätte. Von Cathal wusste sie, dass der Verdacht bestand, dass Una vergiftet worden war und so hörte sie sich von der jungen Heilerin Alassea an, dass auch sie Gift als Ursache des Zustandes ihrer Freundin vermutete.
Angelina hob sacht die Lider der reglosen Una, öffnete ihr ganz vorsichtig die Lippen ein wenig, um den Zustand der Schleimhäute festzustellen und legte dann ihr Ohr auf Una’s Brust.
Atmete sie noch?
Die Atmung war so flach, dass sich der Brustkorb nicht mehr sichtbar hob und senkte.
Erleichtert richtete sie sich wieder auf und lächelte Alassea kurz mit einem leichten Nicken zu.
„Bitte haltet ihren Kopf ein wenig hoch.. stützt ihren Nacken, Alassea.“
Angelina suchte in ihrer Tasche nach einer bestimmten Phiole.
„Ah.. ich wusste es doch.. da ist sie.“
Während Alassea nun Una’s Kopf stützte und ihr liebevoll das Haar aus dem Stirn strich, bemühte Angelina sich, dem Mädchen tropfenweise von dem Gegengift über die vorsichtig geöffneten Lippen zu träufeln. Immer wieder setzte Angelina die Phiole ab und wartete, den besorgten und prüfenden Blick in das wächserne Gesicht der Patientin gerichtet.
„Hoffentlich verschluckt sie sich nicht“ flüsterte sie Alassea leise zu.
Nach einem weiteren Versuch, Una ein wenig von der Flüssigkeit einzuflößen, überprüfte Angelina den Puls, legte dann ihre Hand auf Una’s Brust und sah sich danach zu Cathal um, der blass und still hinter ihr stand.
„Die Atmung.. sie wird kräftiger“ sagte sie leise und ihr Blick verriet Hoffnung und Freude.

Eine Weile wachte Angelina noch zusammen mit den anderen am Lager des jungen Mädchens, dann entschied sie, dass sie es Alassea überlassen konnte, jede Stunde ein wenig von dem Gegengift in den Mund Una’s zu träufeln, so dass die Schleimhaut die Medizin aufnehmen konnte.
Angelina konnte der jungen Heilerin ansehen, wie sehr sie sich über ihr Vertrauen freute und wusste, dass Alassea sich genau an ihre Anweisungen halten würde.
Una war ihre Freundin… hatte sie leise erklärt. Sie würde alles tun, um ihr zu helfen, ins Leben zurückzukehren….

Als Cathal Angelina zur Tür begleitete, nickt sie ihm zu und lächelte ihn aufmunternd an.
„Habt Geduld Cathal“ sagte sie dann zum Abschied ruhig und berührte kurz aber sanft seinen Arm. „Sie ist stärker als sie aussieht…“

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 02:38
von Kailen
Wie die Augen eines jagenden Falken richtete sich der eisfarbene Blick auf die bleiche, kleine Gestalt des Kindes, welches noch immer über die schwarzen Felsen eilte, rannte, hastete und trotz dem keuchenden Atem eines gehetzten Tieres noch immer leise wimmerte.
In sich hineinlächelnd beobachtete er die schneeweiße Beute mit dunkler Zärtlichkeit…
erfasste jedes Geräusch, wie das leise Rascheln des blütenreinen Leinennachthemdes,
sah jede Bewegung, wie das stetige Zittern und Beben der blassen Kinderlippen,
spürte jedes Gefühl; allen voran:
ANGST
… doch der Jäger genoss die fast schon schmeckbare Panik zunächst, wie eine Katze, welche mit der hilflosen Maus noch etwas zu spielen geruhte, ehe sie tödlich zuschlagen wollte.

Erst als diese weiße Maus mit den Zehen gegen einen der schwarzen, zerklüfteten Steine stieß und der Länge nach auf den Boden aufschlug schlich der düstere Wolf auf Samtpfoten näher um das nun greinende Kind ins unmittelbare Blickfeld zu fassen. Schöner als die klangvolle Melodie trauernder Harfen klangen die kleinen, hektischen Schluchzer in seinen Ohren und mit Wonne beobachtete er wie glitzernde Tränen über marmorbleiche Wangen rannen.
Süffisanz ergriff ihn und kehlig lachte er mit Amüsement kurz kehlig auf.
Da hob sie ruckartig den Kopf und tränenverhangene, große, graue Augen blickten suchend umher. Noch konnte sie ihn nicht sehen…noch!

„Viljo?“, begann das helle Stimmchen und mit schierer Begeisterung entblößte der Wolf grinsend die Zähne bei jener erwarteter Reaktion und der Erinnerung an den verzweifelt kämpfenden, aufbrausenden Bengel, welche er mit diesem Namen verband.
„Papa?“ – Er musste ein weiteres, euphorisches Lachen heftig unterdrücken – „Cath… Cathal bist du das?“ – nun allerdings konnte es nur besser werden und er widerstand dem Impuls leise zu knurren nur mit sehr viel Disziplin und der freudigen Erwartung der folgenden, ängstlich herausgepiepsten Aufzählung. Er konnte flüsternd mitsprechen und verglich interessiert seine Liste mit ihrer, jubelte innerlich über die eine oder andere Nennung oder nickte neugierig in sich hinein. Keiner ihrer erbettelten Retter meldete sich auf das leise Rufen der Kleinen und schon wagte er einen Schritt näher, als sie plötzlich einmal zu viel, mit voller Hoffnung und bebender Stimme wieder ansetzte:
„Feoras…?“ Der weiße Wolf erstarrte in der Bewegung und riss die Augen auf.
DAS war neu! DAS war nicht geplant und ebenso nicht berechnet… überrumpelt öffnete er nun doch den nun freudlosen Mund und zischelte schmalem Blicke heiser wenige Worte voller drohender Schärfe in ihre Richtung:
„Nicht doch, Nichte, ich hatte gehofft du würdest deinen dich liebenden Onkel etwas rascher erkennen, mein Kind.“

Wenigstens enttäuschte ihn ihre Reaktion diesmal nicht, als sie erstickt aufschrie und unfähig sich zu bewegen zitternd immer kleiner in sich zusammensackte. Schützend schlang sie die Arme um den Körper, als müsse sie sich vor einem plötzlichen, kalten Wind verbergen und starrte aus geweiteten Augen steif in die Richtung des erhöht stehenden Wolfes.
Bebende Lippen formten einen Namen und beschworen das sarkastische Lächeln zurück.

„Richtig…“ brachte er heiser hervor und beugte den Kopf ein letztes Mal um die scharfen Reißzähne zu entblößen.
„Ich habe dich vermisst… gesucht und nun… gefunden – HAB DICH!“
Dann setzte er zum Sprung an, dem gellend aufschreienden Kind entgegen.

Doch der panische Ausruf der Kleinen vermischte sich mit seinem eigenen, ohnmächtigen Brüllen der Wut, als ihn etwas noch in diesem Moment mit Schmerzen zurückrief und ihm alles so greifbar Nahe entglitt…

[img]http://www.bbc.co.uk/blast/images/art/gallery/fs/mumuse_blueeyes.jpg[/img]

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 03:57
von Sorcha Llastobhar
„Kadettin Llastobhar? Es geht um eine eurer Verwandten …“ so hatten sie begonnen die Worte und danach war alles so schnell gegangen. Die Erklärung, das Hineilen, der Anblick von Una, wie sie da lag. Sie schüttelte den Kopf. Wie konnte das nur passieren? Antworten blieben aus, schon alleine weil sie sich ihnen teilweise verschloss. Gift. Das war das einzige, was sie wirklich genau wusste. Sie hatte sich an ihre Seite gesetzt, hatte die anderen kommen und gehen sehen, Cathal, Viljo, Alassea,Leith, Tara, sie war aber nie von ihr gewichen. Wie eine Wache ihren wohlbehüteten Schatz bewachte, wachte sie über Una. Selbst als man sie aufforderte, zu gehen, sich etwas Ruhe zu gönnen, wich sie nicht fort. Der Dienst, die Pflichten, all das war gerade nicht wichtig. Hilflos kam sie sich vor, hilflos angesichts der Tatsache, dass sie nicht mehr tun konnte als abzuwarten und zu beten. Hätte sie es verhindern können? Nein, dessen war sie sich bewusst, dies war etwas, was seinen Weg gefunden hätte, selbst wenn sie dauernd bei Una gewesen wäre. Doch sie würde es in einer Art gut machen, indem sie auf sie aufpassen würde, mit ihr reden würde und ihre Hand halten würde, auch wenn sie es vielleicht nicht spüren konnte, nicht wahrnehmen konnte. Sie würde für Una da sein. Und wenn es sein musste bis hin zum bitteren Ende.

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 09:56
von Jago di Trequona
Eine ganze Weile schon hatte sich der Bettler in den abgerissenen Lumpen in den Schatten vor dem Konvent des Phönix herumgedrückt. Gelehnt auf einen knorrigen Stab, das linke Bein offenbar lahm, das Gesicht bedeckt mit Dreck und Staub. Doch darin funkelten erstaunlich wache rauchgraue Augen durch die Schatten und ließen sich nichts und niemanden entgehen. Sah man zufällig zu ihm hin, senkte er rasch den Blick und starrte scheinbar teilnahmslos vor sich hin.
Als es plötzlich im Konvent laut wurde und schließlich eine weißhaarige Gestalt nach der anderen in das Gebäude hinein und wieder heraus rannte, wurde er hellhörig. Einige von ihnen kannte er, sie waren auf dem Marktplatz dabei gewesen, als von Gryffenhorst ihm hilfsbereit seine eigene Lebensgeschichte erzählt hatte. Nein, natürlich nicht ihm, Jago di Trequona, dem Führer des Arkorither-Ordens, sondern seinem zweiten Ich, dem harmlosen Herren Vanderbilt und seiner treusorgenden Gemahlin Katharina..... Pah! Gryffenhorst, Llastobhar und wie sie alle hießen! Magier, allesamt Magier auf der falschen Seite der Macht!
Angewiedert spuckte Jago aus, sank dann aber sofort wieder in sich zusammen, als dieser Bursche mit der Frau wiederkehrte, die eine Heilertasche mit sich führte. Hastig rannten sie an ihm vorbei, bemerkten wohl nicht den scheinbar verkrüppelten Bettler, der an der gegenüberliegenden Hauswand lehnte.
Immer mehr Llastobhars eilten an ihm vorbei und irgendwann drang es zu ihm durch - diese Una war vergiftet worden. Jago erinnerte sich an das Puppengesicht aus Porzellan auf dem Marktplatz und runzelte die Stirn, bevor ein kaltes Lächeln seine Mundwinkel kräuselte. Dieses Kind hatte doch nicht etwa bei der Armenspeisung genascht?
Eine Weile noch verharrte er an seinem Platz und falls sich nichts mehr weiter tat, würde schon bald ein Bettler durch die Straßen Varunas humpeln, zum Stadttor hinaus und dort wundersamer Weise auf zwei sehr gesunden Beinen ein Pferd besteigen und in Richtung Rahal davon jagen.
Eine Weile später flog die Tür der Taverne in Rahal auf und die Kunde von den Geschehnissen in Varuna machten im einzig wahren Magierorden die Runde.

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 10:19
von Reika Lypsan
Reika lauschte Jago´s Bericht und begann laut zu lachen.. "Armenspeisung!", rief sie aus...

"Nun ja, so ist es eine mehr als gerechte Strafe selbst im Sinne des Konvents wenn einer der Ihren nicht an sich halten kann!"

Sie schwieg und dachte an frühere Zeiten in denen Una ihre Lehrerin gewesen war und wischte den Gedanken schnell wieder fort..

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 10:44
von Sarog Pilyan
"Llastobhar?"

Er suchte in seiner Erinnerung. Rasch kam ihm wieder das Gesicht vor Augen, des weißen Engels, mit lupenreiner, heller Haut und dem weißen Haar. Wie gerne hätte er es selbst vernichtet. Die Diskussion mit ihr über den Konvent war nicht ausreichend zufriedenstellend, vor allem weil sie ihn ständig an diesen Gryffenhorst verwies, der scheinbar sowieso im tiefsten Keller zu studieren schien. Vielleicht war es auch so, dass ihn Nachrichten von Außerhalb nicht interessieren. Ein Treffen konnte Sarog jedenfalls nicht arrangieren.

Nun, ja. Ihre Ignoranz sollte ihre Strafe sein. Aber diese Llastobhar..? Was waren das nur für Leute. Sie glichen sich dermaßen und schienen eine große Familie zu sein? Wohlhabend? Sarog musste sich vielleicht einmal der Sache annehmen. Aber nur, wenn es der Meister so wünschen würde. Immerhin musste er noch andere Aufträge erfüllen. Das geheimnisvolle Buch musste auch untersucht werden - er musste diese fremde Sprache lernen.

Mit diesen Gedanken, und vielleicht einiger weniger anderer, lehnte er sich im Sessel zurück. Sein Blick haftet auf Jago, abermals musterte er den Arkorither mit steinerner Miene, aus dem er immer noch nicht wirklich schlau wurde. Seine Hand griff nach Reikas, umschloss sie in aller Ruhe und sah sie von der Seite an. Sie hatten den ersten, geheimen Schlag ausgeführt. Mitunter war seine Liebste wohl die Urheberin, die nächsten Tage sah sich Sarog sein Essen ganz genau an.

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 11:47
von Alassea
Die ganze Nacht über sass und stand sie neben Unas Liegestatt. Jede Stunde versuchte sie vorsichtig ein wenig von Angelinas Gebräu Una zu geben. Ruhig wirkte sie dabei, als könne sie gar nichts erschüttern. Auf die Worte von Cathal ging sie gar nicht erst drauf ein. Mehrmals sagte er ihr sie solle sich hinlegen. Knapp war nur ihre Antwort

Jahrelang war ich nicht da, weil ich von euch nichts wusste, dann will ich jetzt da sein und niemand kann mich daran hindern.


Am Morgengrauen konnte man an Unas Brustkorb langsam schon merken das die Atmung immer kräftiger wurde, erst dann hockte sie sich neben Una und liess den Kopf neben Unas Brustkorb sinken. Ihrer Meinung nach war das Schwerste überstanden und ab dem Moment liess sie auch Müdigkeit zu. Als habe ihr Körper eine innere Uhr entwickelt wurde sie jede Stunde wach und gab Una weiterhin die Medizin, solange bis Angelina kam und sie ablöste.

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 15:29
von Tara Llastobhar-Naweya
„Bringt mich zu ihr,“ leise geflüsterter Befehlston.

Wie ein schlafender kleiner Engel war Una dagelegen. Sie hatte so friedlich ausgesehen. Eisige Kälte schien Taras Herz zu umfassen und sich langsam in ihr auszubreiten.

„Es wird bereits nach einem Heiler gesucht.“ Beruhigend? Sie hatte zu Alfaran aufgeblickt.

Dann die Fragen: „Was ist mit ihr? Wie ist das passiert? Wer ...?“ Unzureichende Antworten.

Dann war Angelina in den Raum gestürmt... Unas Atem wurde wieder sichtbar. Erleichterung.



Wie Sorcha und Alassea saß Tara fast die ganze Zeit an Unas Bett. Nur ab und an schlich sie aus dem Raum um für die beiden anderen etwas zu Essen zu holen, ihnen aufmunternde Worte zuzusprechen, den anderen über Unas Zustand Bericht zu erstatten, oder nachzufragen, ob es Neuigkeiten gab.
Dann saß sie wieder da, die Augen auf Una gerichtet. Schweigend. In ihrem Herzen: Stille. Nur in ihrem Kopf rasten die Gedanken.

Gift. Wie konnte das nur passieren? Wer hatte Interesse Una etwas zu tun? Oder war es nur Zufall, dass es ausgerechnet sie getroffen hatte?
Ausgerechnet... Und wieso war niemand dagewesen um sie zu beschützen? Wieso war Leith mitten in der Nacht aufgesprungen und nach Varuna gerannt? Wie hatte er von dem Vorfall erfahren? Hatte er etwa... nein, das konnte nicht sein...
Ihr Blick glitt über die anwesenden Familienmitglieder. Niemals...

Sie schüttelte den Gedanken ab.

Das einzig wichtige war jetzt, dass Una wieder aufwachte. Und dann, dann konnte sie sich Gedanken machen, wer die Schuld trug... und entsprechende Konsequenzen ziehen...

Dann richtete sich ihre Konzentration wieder ganz auf Una und ihren schwachen aber regelmäßigen Atem.

Stille.

Verfasst: Sonntag 16. Juli 2006, 17:31
von Lythiana Cronor
"Una... Una Llastobhar" Lautlos formte Lythianas Mund diesen Namen. Wie sie gerade erfahren hatte, hatte die vom Orden gelegte Saat nun doch noch Frucht getragen....Wie überaus passend, dass ausgerechnet eine Magierin des Konvents vom vergifteten Brot genascht hatte! Ein amüsiertes Lächeln spielte um den Mund Lythianas als sie sich vorstellte, welche Aufregung und Sorge nun im Konvent und besonders innerhalb der Familie Llastobhar herrschen mussten. Bald würde wohl die Hatz losgehen... die Hatz auf einen unbekannten Gegner, der keine Spuren hinterlassen hatte. Von ihr und dem Bruder war in Varuna nichts bekannt, sie waren noch nicht einmal gezwungen gewesen einen falschen Namen anzugeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Knappe, Cathal Llastobhar, an ihre Gesichter erinnerte und sie zufällig irgendwo wieder sah, war wohl mehr als gering. Mochte die Hatz ruhig beginnen...

Verfasst: Montag 17. Juli 2006, 01:05
von Una Llastobhar
Nachtmare

Es war ungewohnt düster und obwohl sie sich so auf diese klirrende, leise Stimme in ihrem Inneren konzentrierte, schwieg das Wesen, dessen unaussprechlicher Name für das kleine Mädchen in Szylph geändert worden war und kein Laut wurde an die kleine Freundin herangetragen. Angst griff geballt mit all jener Schwärze wie mit langen, dürren, farblosen Fingern nach dem Kind und würgte es langsam erstickend. Heftig schluckte die Kleine ihre Tränen herunter und zwang sich die Erinnerungen an das Vergangene zurück zu beschwören.

Sie hatte geträumt, fest geschlafen und irgendwann hatten diese wirren, zusammenhanglosen Bilder ihre Gedanken geflutet. Menschen, die sie nicht kannte oder nur irgendwann einmal auf Bildern gesehen hatte, Menschen die sich immer wieder mit entsetzten, blassen Gesichtern über sie beugten, weinten und aufschrieen, Menschen die meist ebenso schneefarbiges Haar wie Vil, Cath, Tante Ione und Vater hatten…
Einer sah Cath sogar etwas ähnlich- nur so viel älter und ein weiterer hatte die gleichen sturmesflirrenden hellgrauen Augen wie ihr Zwilling. Aber sie kannte die Menschen nicht! Wozu also die Sorge? Was wollten sie von ihr?
Sie schon jenen Aspekt des Traumes von sich und widmete sich anderen Teilen der Bilder, während sie langsam durch das Dunkel kroch.
Da war ein Gebäude, eine Art Schule, wie jene in Tiaresh, nur trugen alle Lehrer dort weisse Gewänder und verstanden sich auf den Umgang mit der Gabe, so wie Vater…. Vater, er war nie da, er war so weit fort… Vater…
„Una?“, die warme Stimme Eoins ließ die Kleine inne halten, „Una, komm runter von der Mauer. Du weißt ich sehe das nicht gerne… eines Tages fällt du herunter und tust dir etwas. Diese Kletterei hat dir sicher wieder Viljo beigebracht… warum…“
Seine Worte verklangen in der dumpfen Schwärze, noch ehe sie ihm sagen konnte, dass sie doch nur auf der Mauer im Garten sicher war. Von dort aus sah man alles… alles was näher kam und in eine Richtung konnte man herabspringend fliehen!

Nun rauschte die Erinnerungswelle entgegen und überflutete das Kind mit einer Unzahl an durchbohrenden Momentaufnahmen. Berührungen, Blicke, Orte, Kälte, Angst!
Sie begann zu rennen und spürte den schwarzen Fels unter ihren Füßen. Mit jedem überhasteten Schritt kam das wahre Bewusstsein zurück, doch ihr Körper änderte sich nicht, blieb der eines kleinen Menschenmädchens, welches hastete und immer wieder die besorgten, verweinten und geliebten Gesichter ihrer Freunde… Familie sah, im Nacken allerdings spürte sie längst das näher kommende, namenlose Grauen. Ein Sturz, Schmerzen in der Brust und der abgeschnürte Atem. Sie begann zu greinen wie ein Kleinkind und als das Lachen erklang, war es im Grunde schon um sie geschehen. Verzweifelt versuchte sie mit ängstlichen, erstickten Rufen all jene zu sich zu holen, die sie gesehen hatte, die sich so sorgten, doch war es der Wolf, welcher zuletzt vor ihr stand, die wilde Rose, ihr Onkel… Kailen, ihr Alptraum.

Sie merkte nicht, wie die Schlinge in ihrem Halse sich langsam löste und ihr Atem mit jedem Stundenschlag tiefer wurde, so sehr blieb sie in dem Augenblick seines Griffes und bitterer Gewissheit gefangen, dass ihr Herz rasend schlug, während das noch immer nicht erwachsene Kind zitternd mit weitaufgerissenen Augen in die zerklüftete Felslandschaft starrte und ihre Träume im Grunde ruhiger werden sollten.