Die Hochzeit seiner Hoheit
Verfasst: Donnerstag 13. Juli 2006, 15:40
Ein paar Fragen der Ehre
"Ich wünsche Euch alles Gute, was Ihr mir wünscht, Darna."
"Ihr wünscht mir eine glückliche Ehe mit seiner Hoheit, Milady?"
Eileen hob anerkennend die Brauen. "Der war gut..."
Im Scherz hatte Wahrheit gelegen.
Eileen stand neben ihr, die Hände hinter sich auf die Stuhllehne gestützt. "Eure Bedenken wurden zur Kenntnis genommen und ich will Euch auch verzeihen, daß Ihr gerade durchs halbe Schloß schreit."
"Ach, plötzlich kann sie hoheitliches Gebahren an den Tag legen - wenn es ihr in den Kram passt", schoß es ihr durch den Sinn und ihre Augen verengten sich. Schreien... sie war zunehmend lauter geworden und ihre stets überkorrekt klar artikulierte Stimme sorgte mit aller Wahrscheinlichkeit dafür, daß tatsächlich mindestens das ganze untere Stockwerk ihren Beiträgen zum Gespräch hatte lauschen können, aber...
"Ihr habt mich noch nicht Schreien gehört, Milady."
Die Worte waren plötzlich vertraut, sie hatten ganz die äußere Form, die es bei Hofe brauchte - um Darna rauszuschicken. Sie verneigte sich knapp, dem Protokoll komplett genügend und rauschte hinaus.
"Hab ich etwa geschrien?", fragte ihr Blick eisig - der Gardist auf dem Gang sah rasch woanders hin. Sie ließ Viola mit ein paar knappen Worten stehen und marschierte zu den Ställen, sattelte ihr Pferd. Natürlich würde sie ihren Worten gemäß bereits mit den Vorbereitungen heute Nacht beginnen. Doch erst musste diese Wut versiegen.
Sie lehnte den Rücken gegen die steinerne Säule und ließ sich langsam daran zu Boden gleiten, bis sie saß und die Arme um die Knie wickelte. Der Schwertgriff drückte gegen ihr Bein. Sie schloß die Augen, legte die Stirn auf Arme und Knie.
"Finde die Gründe für die Wut und kläre sie, dann wird auch der Zorn vergehen."
Es dauerte eine Weile, bis sie die nötige Ruhe dafür in sich spürte.
Die Hochzeit zwischen Adrian und Eileen sollte am Tag der Freiheit in einer Woche stattfinden. Neun Tage... in dieser Zeit konnte man einen Kuchennachmittag für zwei handvoll Leute umsichtig organisieren, aber doch nicht die Hochzeit des Reichsregenten, verdammt! Wenn sie alleine an den ganzen Aufwand für Aradans Heirat zurückdachte, wurde ihr schlecht - dies hier war eine deutliche Nummer größer, es ging schließlich um das gesellschaftliche Ereignis nach der Beisetzung Ihrer Majestät Anara.
Dann stellte sich heraus, daß Sir Rafael in keinem Fall an diesem Freitag anwesend sein könnte - der engste Freund seiner Hoheit nicht bei dessen Hochzeit anwesend...
Aber dann legte man den Termin eben einen Tag vor...
Acht Tage. Und das war deutlich beschönigt, denn es war schon später Abend. Sieben Tage. Sie spürte die Zeit schon jetzt wie Sand durch ihre Finger rinnen. Und Adrian schien das auch noch auf die leichte Schulter zu nehmen - er wollte die Aufsicht über die Organisation der Feier übernehmen. Als hätte er sonst nichts zu tun...
Und Darna ja auch nicht... aber natürlich bot sie ihre Hilfe an. Sobald Cathal seine Unterstützung anbot, wusste sie, daß sie ihn auch bitter benötigen würde.
Der Grund für die Wut? Angst, daß das alles in der kurzen Zeit nicht zu bewältigen war. Sie würde wieder bis über beide Ohren derartig in Arbeit stecken, dass ihre persönlichen Belange dabei zu kurz kämen. “Das spielt doch keine Rolle. Es ist die Hochzeit deines Herrn, und du hättest nie auch nur einen Lidschlag lang gezögert, dafür deine ganze Kraft aufzubringen. Und niemand, der dir das auch nur einen Moment lang übel nehmen würde.“ Sie fühlte sich schon erschöpft, wenn sie nur an die Arbeit dachte. “Tu dein Bestes. Nicht mehr und nicht weniger. Lebe, was du selber predigst.“
„Ich will die charakterlichen Qualitäten von Ihrer Gnaden Valeth nicht schmälern, im Gegenteil – doch in einer Zeit, wo ein Mann namens Meritor behauptet, die Ehe mit Ihrer Majestät Anara hätte vor einem einfachen Priester rechtmässig stattgefunden, geht es hier doch nicht einfach nur um Eure Hochzeit, sondern um Politik, Milady!“
Es war zum Haareraufen, die Ehe – so überhaupt etwas derartiges stattgefunden hatte - war seitens des Klerus bis zum heutigen Tag nicht für nichtig erklärt worden. Die Hochzeit des Reichsregenten würde als vor Temoras Angesicht geschlossen betrachtet werden, da war es doch geradezu zwingend, sich bei deren weltlicher Vertretung auf die geistliche Unfehlbarkeit der Heiligkeit zu berufen und nicht auf die einer Templerin, Kirchenvorsteherin hin oder her! „Die Heiligkeit nicht damit belasten...“, Darna entfuhr ein abfälliges Schnauben. Es war eine allseits bekannte Tugend der Heiligkeit, dass sie sich selbst bei ihrer Blindheit nun persönlich um die Sorgen und Bedürfnisse eines jeden kümmerte, der sie um ihre Hilfe ersuchte. Und nun sollte die Heirat des Reichsregenten etwas lästiges sein, was man ihr ersparen wollte?!
Der Grund für die Wut? Die beiden schienen kein Stück darüber nachgedacht zu haben, dass diese Heirat von den Adligen und vom Volk dieses Reiches bewertet werden würde – oder schlimmer noch, es war ihnen egal. Leichtfertig schienen sie ihren Feinden gerade die kleinen empfindlichen Ansatzpunkte zu liefern, die es brauchte, um treue, doch nicht persönlich gebundene Personen mit ihren aufrührerischen Reden zweifeln zu lassen. Je mehr Meritor seine Herrschaftsansprüche mit denen Adrians gleichsetzen konnte, desto eher warf die Frage Bedenken auf, warum man noch dem Hause Hohenfels folgen sollte.
“Denk nach. Wie gräbt man dem das Wasser ab? Und wie kleidet man Eileens Wunsch in ein nach außen repräsentatives Gewand?“
Natürlich konnte man sich nachvollziehbar darauf berufen, dass die Heiligkeit mit ihrer Blindheit die Zeremonie nicht eigenhändig durchzuführen vermochte - sie konnte offiziell diese Aufgabe an Sanjana übertragen, am besten wäre sie selber bei der Zeremonie noch persönlich schlicht anwesend und gab auf diese Weise dem Ganzen ihren Segen. Aber das Ganze herunterzuspielen, was die Wichtigkeit anbelangte... nein. Die Verbindung wurde eh kritisch beäugt, und dann mit irgendwas nur kleine Brötchen zu backen gäbe Anlaß zu dem Verdacht, dass es auch irgendwas berechtigtes gab, womit man besser hinter dem Berg hielt. Nein, keine gute Idee.
“Aber in diesen Dimensionen denkt Eileen nun mal nicht. Und das weißt du. Du hast geschworen, dem Reich und Adrian zu dienen, also tu das und füll die Lücke, weise auf die Dinge hin, die übersehen werden – sie werden ihre Schritte schlußendlich so oder so selber gehen. Doch du tue dein Bestes.“
Bescheidenheit. Das Nächste, was sie aufregte. Eileen hatte sich auf die Argumentation zurückgezogen, dass jene eben einfach nicht genug nachdachten, die in der Schlichtheit dieser Dinge nicht die Bescheidenheit zu würdigen wüssten. Es schien ihr dabei gänzlich egal zu sein, welche und wie viele Leute sie damit enttäuschte, verprellte. Schlußendlich konfrontierte sie Darna sogar mit der Frage, was an der Demut denn verkehrt sein solle.
Das wagte die Frau zu fragen, der sie vor wenigen Tagen noch hatte erklären müssen, dass der Adler das Symbol Temoras war...
Darnas Erleichterung, dass Eileen sich vom Orden im Glauben unterweisen lassen wollte, war immens gewesen. Eileen musste das nachholen, was Darna von klein auf und erst recht in ihrer Knappenzeit beigebracht worden war. Und sie wagte es, ganz in kleingeistiger Manier, wie es die Rahaler gern pflegten, ihr vorzuwerfen, die Tugend zu mißachten, die sie sich gerade wegen ihrer am größten scheinenden Zweckmässigkeit ausgesucht hatten?
“Du weißt, dass dies nicht in böser Absicht geschieht. Nicht einmal gewollt aus dieser Intention heraus.“
Darna senkte den Kopf. Ihre Antwort zu Eileen war klar gewesen: „Dies ist nicht der Zeitpunkt und nicht die angemessene Gelegenheit, um die Bescheidenheit zur höchsten Tugend zu erklären, Milady!“
„Welche dann?“
„Die Aufopferung, Eure persönlichen Wünsche den Bedürfnissen des Reiches und den Erwartungen des Volkes unterzuordnen!“
Symbole... Darna seufzte. Sie waren so enorm wichtig, gerade beim Adel, gerade für’s Volk. Die Liebe zwischen Adrian und Eileen war unbestreitbar. Sie dachte an die Diskussion mit Rafael zurück, als sie über die Notwendigkeit der weltlichen Gebäude an den Plätzen der Tugenden geredet hatten. Wenn diese Liebe zum Nutzen mehrerer sein sollte, musste sie Symbole finden, die nicht nur diejenigen wahrnahmen, die diese Liebe vor Ort spürten, sondern sie musste dann auch von weither sichtbar sein.
Bescheidenheit... nein, darum ging es hier wirklich nicht. Das hieße hier, einem Theaterspieler zu verbieten, sich stark zu schminken, damit man die Regungen seiner Mimik auch in den hinteren Reihen noch sah – eine denkbar schlechte Idee.
Sie hörte schon das Gegenargument: „Sie wollen mit ihrer Liebe nicht Theater spielen...“
Sie zog die Brauen zusammen und schaute auf das Symbol vor sich. “Verflixt noch eins, aber wer behauptet denn, dass der äußere Anschein und der wahre Inhalt nicht zusammenpassen dürfen? Oft genug trügt der Schein, ja. Aber es geht doch darum, Fassade und Inhalt Wahrheit sein zu lassen!“
Ein kostbarer Kelch für einen edlen Tropfen – was sollte daran verkehrt sein, wenn es so war? Letzten Endes spielte der Becher keine Rolle und war doch notwendig.
Und sie? Hatte sie ihre Ehre bewahrt? Ihr Zorn hatte dafür gesorgt, dass sie sich fast daneben... nein. Sie hatte sich daneben benommen. Es hatte wohl seine eigene symbolische Bedeutung, wenn sie laut wurde, doch letztlich hatte es nicht sein müssen.
“Du hast geschworen, zu dienen. Nicht als Jasager, sondern als Ritter, immer treu und warnend, wenn es not tut. Und kaum etwas, was du kostbarer nennen kannst, wenn er dich als mehr als Ritter, sondern als Freund ansieht. Tu dein Bestes. Und dazu gehört sicher nicht, seine Frau anzuschreien.“
Sie stand auf und verneigte sich im Schrein der Ehre vor den Symbolen der Göttin, dann ging sie hinaus.
Es gab viel zu tun.
"Ich wünsche Euch alles Gute, was Ihr mir wünscht, Darna."
"Ihr wünscht mir eine glückliche Ehe mit seiner Hoheit, Milady?"
Eileen hob anerkennend die Brauen. "Der war gut..."
Im Scherz hatte Wahrheit gelegen.
Eileen stand neben ihr, die Hände hinter sich auf die Stuhllehne gestützt. "Eure Bedenken wurden zur Kenntnis genommen und ich will Euch auch verzeihen, daß Ihr gerade durchs halbe Schloß schreit."
"Ach, plötzlich kann sie hoheitliches Gebahren an den Tag legen - wenn es ihr in den Kram passt", schoß es ihr durch den Sinn und ihre Augen verengten sich. Schreien... sie war zunehmend lauter geworden und ihre stets überkorrekt klar artikulierte Stimme sorgte mit aller Wahrscheinlichkeit dafür, daß tatsächlich mindestens das ganze untere Stockwerk ihren Beiträgen zum Gespräch hatte lauschen können, aber...
"Ihr habt mich noch nicht Schreien gehört, Milady."
Die Worte waren plötzlich vertraut, sie hatten ganz die äußere Form, die es bei Hofe brauchte - um Darna rauszuschicken. Sie verneigte sich knapp, dem Protokoll komplett genügend und rauschte hinaus.
"Hab ich etwa geschrien?", fragte ihr Blick eisig - der Gardist auf dem Gang sah rasch woanders hin. Sie ließ Viola mit ein paar knappen Worten stehen und marschierte zu den Ställen, sattelte ihr Pferd. Natürlich würde sie ihren Worten gemäß bereits mit den Vorbereitungen heute Nacht beginnen. Doch erst musste diese Wut versiegen.
Sie lehnte den Rücken gegen die steinerne Säule und ließ sich langsam daran zu Boden gleiten, bis sie saß und die Arme um die Knie wickelte. Der Schwertgriff drückte gegen ihr Bein. Sie schloß die Augen, legte die Stirn auf Arme und Knie.
"Finde die Gründe für die Wut und kläre sie, dann wird auch der Zorn vergehen."
Es dauerte eine Weile, bis sie die nötige Ruhe dafür in sich spürte.
Die Hochzeit zwischen Adrian und Eileen sollte am Tag der Freiheit in einer Woche stattfinden. Neun Tage... in dieser Zeit konnte man einen Kuchennachmittag für zwei handvoll Leute umsichtig organisieren, aber doch nicht die Hochzeit des Reichsregenten, verdammt! Wenn sie alleine an den ganzen Aufwand für Aradans Heirat zurückdachte, wurde ihr schlecht - dies hier war eine deutliche Nummer größer, es ging schließlich um das gesellschaftliche Ereignis nach der Beisetzung Ihrer Majestät Anara.
Dann stellte sich heraus, daß Sir Rafael in keinem Fall an diesem Freitag anwesend sein könnte - der engste Freund seiner Hoheit nicht bei dessen Hochzeit anwesend...
Aber dann legte man den Termin eben einen Tag vor...
Acht Tage. Und das war deutlich beschönigt, denn es war schon später Abend. Sieben Tage. Sie spürte die Zeit schon jetzt wie Sand durch ihre Finger rinnen. Und Adrian schien das auch noch auf die leichte Schulter zu nehmen - er wollte die Aufsicht über die Organisation der Feier übernehmen. Als hätte er sonst nichts zu tun...
Und Darna ja auch nicht... aber natürlich bot sie ihre Hilfe an. Sobald Cathal seine Unterstützung anbot, wusste sie, daß sie ihn auch bitter benötigen würde.
Der Grund für die Wut? Angst, daß das alles in der kurzen Zeit nicht zu bewältigen war. Sie würde wieder bis über beide Ohren derartig in Arbeit stecken, dass ihre persönlichen Belange dabei zu kurz kämen. “Das spielt doch keine Rolle. Es ist die Hochzeit deines Herrn, und du hättest nie auch nur einen Lidschlag lang gezögert, dafür deine ganze Kraft aufzubringen. Und niemand, der dir das auch nur einen Moment lang übel nehmen würde.“ Sie fühlte sich schon erschöpft, wenn sie nur an die Arbeit dachte. “Tu dein Bestes. Nicht mehr und nicht weniger. Lebe, was du selber predigst.“
„Ich will die charakterlichen Qualitäten von Ihrer Gnaden Valeth nicht schmälern, im Gegenteil – doch in einer Zeit, wo ein Mann namens Meritor behauptet, die Ehe mit Ihrer Majestät Anara hätte vor einem einfachen Priester rechtmässig stattgefunden, geht es hier doch nicht einfach nur um Eure Hochzeit, sondern um Politik, Milady!“
Es war zum Haareraufen, die Ehe – so überhaupt etwas derartiges stattgefunden hatte - war seitens des Klerus bis zum heutigen Tag nicht für nichtig erklärt worden. Die Hochzeit des Reichsregenten würde als vor Temoras Angesicht geschlossen betrachtet werden, da war es doch geradezu zwingend, sich bei deren weltlicher Vertretung auf die geistliche Unfehlbarkeit der Heiligkeit zu berufen und nicht auf die einer Templerin, Kirchenvorsteherin hin oder her! „Die Heiligkeit nicht damit belasten...“, Darna entfuhr ein abfälliges Schnauben. Es war eine allseits bekannte Tugend der Heiligkeit, dass sie sich selbst bei ihrer Blindheit nun persönlich um die Sorgen und Bedürfnisse eines jeden kümmerte, der sie um ihre Hilfe ersuchte. Und nun sollte die Heirat des Reichsregenten etwas lästiges sein, was man ihr ersparen wollte?!
Der Grund für die Wut? Die beiden schienen kein Stück darüber nachgedacht zu haben, dass diese Heirat von den Adligen und vom Volk dieses Reiches bewertet werden würde – oder schlimmer noch, es war ihnen egal. Leichtfertig schienen sie ihren Feinden gerade die kleinen empfindlichen Ansatzpunkte zu liefern, die es brauchte, um treue, doch nicht persönlich gebundene Personen mit ihren aufrührerischen Reden zweifeln zu lassen. Je mehr Meritor seine Herrschaftsansprüche mit denen Adrians gleichsetzen konnte, desto eher warf die Frage Bedenken auf, warum man noch dem Hause Hohenfels folgen sollte.
“Denk nach. Wie gräbt man dem das Wasser ab? Und wie kleidet man Eileens Wunsch in ein nach außen repräsentatives Gewand?“
Natürlich konnte man sich nachvollziehbar darauf berufen, dass die Heiligkeit mit ihrer Blindheit die Zeremonie nicht eigenhändig durchzuführen vermochte - sie konnte offiziell diese Aufgabe an Sanjana übertragen, am besten wäre sie selber bei der Zeremonie noch persönlich schlicht anwesend und gab auf diese Weise dem Ganzen ihren Segen. Aber das Ganze herunterzuspielen, was die Wichtigkeit anbelangte... nein. Die Verbindung wurde eh kritisch beäugt, und dann mit irgendwas nur kleine Brötchen zu backen gäbe Anlaß zu dem Verdacht, dass es auch irgendwas berechtigtes gab, womit man besser hinter dem Berg hielt. Nein, keine gute Idee.
“Aber in diesen Dimensionen denkt Eileen nun mal nicht. Und das weißt du. Du hast geschworen, dem Reich und Adrian zu dienen, also tu das und füll die Lücke, weise auf die Dinge hin, die übersehen werden – sie werden ihre Schritte schlußendlich so oder so selber gehen. Doch du tue dein Bestes.“
Bescheidenheit. Das Nächste, was sie aufregte. Eileen hatte sich auf die Argumentation zurückgezogen, dass jene eben einfach nicht genug nachdachten, die in der Schlichtheit dieser Dinge nicht die Bescheidenheit zu würdigen wüssten. Es schien ihr dabei gänzlich egal zu sein, welche und wie viele Leute sie damit enttäuschte, verprellte. Schlußendlich konfrontierte sie Darna sogar mit der Frage, was an der Demut denn verkehrt sein solle.
Das wagte die Frau zu fragen, der sie vor wenigen Tagen noch hatte erklären müssen, dass der Adler das Symbol Temoras war...
Darnas Erleichterung, dass Eileen sich vom Orden im Glauben unterweisen lassen wollte, war immens gewesen. Eileen musste das nachholen, was Darna von klein auf und erst recht in ihrer Knappenzeit beigebracht worden war. Und sie wagte es, ganz in kleingeistiger Manier, wie es die Rahaler gern pflegten, ihr vorzuwerfen, die Tugend zu mißachten, die sie sich gerade wegen ihrer am größten scheinenden Zweckmässigkeit ausgesucht hatten?
“Du weißt, dass dies nicht in böser Absicht geschieht. Nicht einmal gewollt aus dieser Intention heraus.“
Darna senkte den Kopf. Ihre Antwort zu Eileen war klar gewesen: „Dies ist nicht der Zeitpunkt und nicht die angemessene Gelegenheit, um die Bescheidenheit zur höchsten Tugend zu erklären, Milady!“
„Welche dann?“
„Die Aufopferung, Eure persönlichen Wünsche den Bedürfnissen des Reiches und den Erwartungen des Volkes unterzuordnen!“
Symbole... Darna seufzte. Sie waren so enorm wichtig, gerade beim Adel, gerade für’s Volk. Die Liebe zwischen Adrian und Eileen war unbestreitbar. Sie dachte an die Diskussion mit Rafael zurück, als sie über die Notwendigkeit der weltlichen Gebäude an den Plätzen der Tugenden geredet hatten. Wenn diese Liebe zum Nutzen mehrerer sein sollte, musste sie Symbole finden, die nicht nur diejenigen wahrnahmen, die diese Liebe vor Ort spürten, sondern sie musste dann auch von weither sichtbar sein.
Bescheidenheit... nein, darum ging es hier wirklich nicht. Das hieße hier, einem Theaterspieler zu verbieten, sich stark zu schminken, damit man die Regungen seiner Mimik auch in den hinteren Reihen noch sah – eine denkbar schlechte Idee.
Sie hörte schon das Gegenargument: „Sie wollen mit ihrer Liebe nicht Theater spielen...“
Sie zog die Brauen zusammen und schaute auf das Symbol vor sich. “Verflixt noch eins, aber wer behauptet denn, dass der äußere Anschein und der wahre Inhalt nicht zusammenpassen dürfen? Oft genug trügt der Schein, ja. Aber es geht doch darum, Fassade und Inhalt Wahrheit sein zu lassen!“
Ein kostbarer Kelch für einen edlen Tropfen – was sollte daran verkehrt sein, wenn es so war? Letzten Endes spielte der Becher keine Rolle und war doch notwendig.
Und sie? Hatte sie ihre Ehre bewahrt? Ihr Zorn hatte dafür gesorgt, dass sie sich fast daneben... nein. Sie hatte sich daneben benommen. Es hatte wohl seine eigene symbolische Bedeutung, wenn sie laut wurde, doch letztlich hatte es nicht sein müssen.
“Du hast geschworen, zu dienen. Nicht als Jasager, sondern als Ritter, immer treu und warnend, wenn es not tut. Und kaum etwas, was du kostbarer nennen kannst, wenn er dich als mehr als Ritter, sondern als Freund ansieht. Tu dein Bestes. Und dazu gehört sicher nicht, seine Frau anzuschreien.“
Sie stand auf und verneigte sich im Schrein der Ehre vor den Symbolen der Göttin, dann ging sie hinaus.
Es gab viel zu tun.