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Findung und Selbstfindung
Verfasst: Freitag 7. Juli 2006, 15:57
von Zator A´kinar
Selbstzweifel
"Wer bin ich? Wer war ich?
Und wer bist DU mein Bruder? Woher kommst DU?
Und wann gehst DU endlich aus meinem Leben?"
Die Worte, laut ausgesprochen, schienen mehrfach in der kleinen Kapelle widerzuhallen. Doch keine Antwort wurde gegeben, wie auch, war doch kein anderer ausser Zator in dem Hause Temoras.
Zator sass auf der schmalen Holzbank in erster Reihe und stellte dieselbe Frage nun schon zum wiederholten Male. Und weder das boshafte Flüstern in seinem Inneren noch Temora antworteten darauf. Unruhig wippte Zator sitzend auf und ab. Seine anfängliche Kraft und Entschlossenheit verflog mit jedem Augenblich und seine Sorge der Verfehlung wuchs. Konnte er sich von dem Schatten seiner Selbst befreien? Und was, wenn nicht? Würde er auf immer den Konflikt mit sich selbst führen. Wieder diese Selbstzweifel. Und wo waren diese selbst ernannten Temora-Jünger jetzt, wo sie gebraucht wurden. Wo war Thelor Dravan, er Mann, dem er anfing zu vertrauen, der Mann, der scheinbar um sein Dilemma wusste, der Mann, der von seinem Schatten wusste.
Wieder schaute sich Zator A´kinar in der Kapelle um, beinahe als suche er Antworten in den Mauern des Hauses. Doch keine Antwort ward zu finden.
"Antwortet mir!" rief er laut und dreht sich um. Panik stieg in ihm auf, er meinte ein boshaftes Kichern zu hören und alles schien sich vor ihm zu drehen. Der Körper, ob der physischen und psychischen Belastung, tat das einzige sinnvolle und übergab den Geist dem Mantel der Ohnmacht. Zator schlug hart auf den Boden.
Dunkler Wald umgab ihn. Ein Wald der ihm seltsam vertraut war. Kohor! Er war zurück in seiner Heimat. Ohne seinen Willen, begann er sich zu bewegen, schnell lief er durch den dunklen Wald, seine Haltung seltsam geduckt. Plötzlich schnellten seine Hände nach vorn, griffen nach einem Tier und führten es sofort zum Mund. Bittersüss schmeckte das Blut auf seiner Zunge und ohne dass er es verhindern konnte, gruben sich seine Zähne erneut in den zitternden Körper des Tiers. Und in ihm erwachte erscholl ganz leise ein Lachen. Und ihm war, als höre er eine leise Stimme, die das Lachen überlagerte:
"Finde den Anfang und du findest das Ende!"
Die Ohnmacht dauerte nur wenige Augenblicke, wohl nur solange, wie der Körper brauchte, Herzschlag und Hormonausstoss zu regulieren. Dann flatterten kurz die Lider Zators und ein Keuchen entrann seiner Brust. Geschafft setzte er sich auf.
"Finde den Anfang und du findest das Ende."
Was hatte das zu bedeuten? War dies die Antwort auf seine Fragen? Oder war es nur ein weiterer Streich seines Geistes? Zator überlegte lange. Dieser Traum hatte ihn zurückgeführt, zurück zu den Tagen seiner Kindeheit, wo er mehr Tier als Mensch gewesen war. Da, wo sein Schatten zum ersten Mal zu ihm gesprochen hatte. Dort wo sein Schatten kam um ihm zu helfen. Dort wo sein Schatten ihn führte, wo ein jedes Menschen Geist zerbrochen wäre. In den tiefen Wäldern, an der Grenze zwischen Tier und Mensch hatte sein Bruder ihm das erste Mal geholfen. Sollte auch da das Ende liegen? Zator wusste es nicht, er wusste nur, dass er sich an jeden Strohhalm klammerte.
Er schmierte einige Zeilen auf einen kleinen abgerissenen Zettel, heftete diesen an die Festungstür der AdL und begab sich auf die Suche nach Antworten.
[url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?p=62435#62435]Ein schmieriger Zettel an der Festungstür der AdL[/url]
Verfasst: Samstag 8. Juli 2006, 19:55
von Zator A´kinar
Findung
"Leon, ich muss dir etwas sagen. Ich bin krank."
"Du bist krank? Hast du Husten? Ich hatte mal Husten."
"Es ist kein Husten. Es ist ... anders. Es sind zwei Menschen in mir."
"Zwei Menschen? Wo? ... Wo ist der andere?"
"Er ist in meinem Herzen. Tief in mir."
"Und ist das schlimm?"
"Der andere ist böse."
"Dann schick ihn weg."
"Ich wünschte, es wäre so einfach."
"Ich habe keine Angst vor ihm."
...
"Siehst du mein Bruder, sogar ein Kind verlacht dich."
Doch der Schatten schwieg ... vorerst.
Verfasst: Montag 17. Juli 2006, 12:27
von Zator A´kinar
Ein sterbender Bruder und ein Wiedersehen
Glücklich schloss er Leon in den Arm und wollte ihn für einen Moment nicht mehr loslassen. Alles um ihn herum schien zu verblassen, als er den Jungen so hielt, das kleine Herz in dem kleinen Körper schlagen fühlte. Dabei waren es noch nicht einmal Vatergefühle, die durch ihn flossen, denn es war nicht sein Sohn, der da mit blonden Haaren und Rotz in der Nase vor ihm stand. Und dennoch war er es ein tiefes Gefühl, welches er dem Jungen gegebnüber empfand. Mit einem Lächeln auf den Lippen würde Zator wohl sein Leben geben, um den Jungen zu schützen.
Nie zuvor hatte er derartige Gedanken gehabt. Rationalität und Selbstbeherrschung waren stets seine Markenzeichen gewesen. Misstrauen und Missachtung seine täglichen Begleiter. Und wenn er dennoch einmal schwach geworden war, hatte ihn sein Schatten mit Einflüstungen von Hass und Bosheit wieder stark gemacht. Doch seit der Junge da war, hatte ER sich tief in seine Höhle zurückgezogen. ER war noch da, Zator spürte ihn dann und wann, doch sein Flüstern war leiser und Furcht schwang in seiner Stimme mit. Furcht vor der naiven Offenheit eines Kindes. Furcht davor, dass die Naivität des Kindes seiner Nicht-Existenz einen Spiegel vorhalten würde. Furcht davor, für immer zu verschwinden. Todesangst! Nie zuvor hatte Zator dies bei seinem unfreiwilligen Gefährten erlebt. Und mit jedem Tag mehr, an dem seine Zuneigung zu dem Jungen wuchs, sein Schatten sich tiefer zurückzog und in seinem Herzen Hass gegen Liebe ausgetauscht wurde, wuchs der Keim des Glaubens in ihm.
Doch dann holten ihn die Schatten der Vergangenheit ein. Als Zator die vermummte Gestalt sah, dachte er, Rahals Schergen hätten ihn eingeholt. So sprang er auf, stellte sich vor den Jungen, mehr als bereit, es mit Hundertschaften von ihnen aufzunehmen. Mehr als bereit, den Jungen zu beschützen, bis der letzte Atemzug seine Lungen verliess. Doch war das nicht nur ein Rahaler Soldat, der dort vor ihm stand. Ungläubig starrte Zator lange das ihm so vertraute Gesicht an. Nur gehaucht kam der Name von seinen Lippen.
Was dann kam, war abzusehen und die Gedanken wirbelten wild in Zators Kopf umher.
"Ich nehme an du verlangst eine Erklärung von mir, alter Freund?!"
"Du nimmst richtig an, Zator. Wie konntest du es wagen, Laherias Namen in einem Atemzug mit Temora zu erwähnen?"
"Hätte ich ihm sagen sollen, sie wurde geschlachtet, weil sie sich zu viele Feinde gemacht hat? Oder etwa, dass sie sich an die Pranke Alatars schmiegt? Temora in ihrer Güte schien mir die bessere Wahl, ein kleines Kinderherz nicht zu zerbrechen."
"Was ist nur mit dir geschehen Zator, dass du solch Irrwege beschreitest? Du weisst um die Macht und Kraft, Alatars, komm zurück zu uns, dort ist noch immer ein Platz für dich."
"Du verstehst das nicht, mein Freund. Ich bin nun frei und ich bin ein Mensch. Dank ihr ... und dank Leon. Wenn du ihn mir nimmst, kannst du mir im selben Moment deinen Dolch ins Herz stossen, denn nicht länger hat es dann einen Sinn zu Leben."
Lange hatten sie diskutiert und gestritten. Und die Situation schien zu eskalieren, als ein weiterer Scherge Alatars auftauchte. Und doch... am Ende schien sich sein alter Freund an etwas zu besinnen. War es Freundschaft? Zator vermochte es nicht zu sagen.
Am Ende des Tages jedoch stand er, seine große Hand auf den Schultern Leons ruhend am Waldesrand und sah einem Freund nach, der davonritt. Und Zator vermochte nicht zu sagen, ob sie sich als Freunde wiedersehen würden.
Verfasst: Freitag 21. Juli 2006, 09:39
von Zator A´kinar
Süsse Erdbeeren
"Leon, ich muss mit dir reden."
Selbst für Zator kam es unerwartet, beinahe, als würde er durch seine eigenen Worte überrascht werden. Hastig schüttelt er die folgenden Gedanken ab, denn er wusste nur zu gut, wohin das führen würden. Zator ging zu dem Jungen und kniete sich vor ihm nieder, so dass sie auf gleicher Augenhöhe waren.
"Leon, ich möchte dir gern einen Freund vorstellen. Möchtest du ihn kennenlernen? Er ist ein sehr kluger Mann. Wir können doch nicht ewig im Wald leben, bei ihm kannst du einige Tage wohnen. Und ich schlafe vor dem Haus und wache über euch."
Natürlich war es Zator klar, dass ein befestigtes Haus in der Nähe Varunas keiner Wache bedarf. Doch wollte er dem Jungen nicht sagen, daß er sich noch immer fürchtete. Nicht um sein Leben, auch nicht um das des Jungen, sein Schatten hatte zuviel Angst vor Leon, vielmehr um das Leben von Thelor Dravan. Der Mann, der ihm unbewusst den rechten Weg gewiesen hatte. Zator bemerkte den kritischen Blick des Jungen und schnell zauberte er ein Lächeln auf sein Gesicht.
"Nun, wie steht es? Willst du ihn kennenlernen?"
Dann beugte er sich zu dem Jungen und flüsterte ihm ins Ohr, als würde er ihm ein Geheimnis erzählen.
"Das letzte Mal, als ich dort war gab es die süssesten Erdbeeren der Welt zu essen."
Sprachs und strahlte den Jungen erwartungsvoll an.
Verfasst: Dienstag 1. August 2006, 11:25
von Zator A´kinar
Die Frucht der Angst
Einige Zeit war ins Land gestrichen. Die Tage kamen und gingen und es schien sich wenig zu ändern. Doch viel geschah in diesen Tagen. Sich seines Weges und des Ziels bewusst, wandelte sich Zator mehr und mehr. Wann immer er Zeit und Ruhe fand, beschäftigte er sich mit dem Gedanken an Temora. Er dachte daran, was wohl ihre Lehren und Gebote sein mochten. Für Zator war klar, daß sie es war, die ihn zu Leon geführt hatte und somit nicht nur sein Leben, sondern auch sein Seelenheil gerettet hatte. Es schien ihm an der Zeit, etwas zurückzugeben.
Zator warf einen kurzen Blick zu Leon, der schon fest schlief. Dann wanderten seine Blicke zurück zu dem lustig tanzenden Feuer.
So schön das Leben in den Wäldern sein mochte, doch war es zu gefährlich hier. Er konnte unmöglich mit Leon hierbleiben. Und so hatte er vor einigen Tagen ein Schreiben an des Klosters Türe befestigt und um Asyl gebeten. Sicher, Thelor hatte ihm das selbe angeboten, doch Zator hatte zuviel Sorge, um Thelor und dessen Familie. Noch immer war ER nicht ganz weg, daß wusste Zator. Tief in ihm schlummerte sein Bruder und mochte wohl von besseren Zeiten träumen. Doch in diesem Zustand schien ER geschützt vor den verletzenden Worten des Jungen. Doch das reichte Zator nicht, er wollte IHN loswerden, ein für allemal. Im Kloster konnnte man ihm vielleicht helfen, wo sonst, wenn nicht dort. Endlich wieder wollte Zator Freunde haben können, ohne die Sorge, daß etwas in ihm diesen wehtun würde.
Und so schaute Zator immer wieder in das Dunkel des östliches Waldes, in die Richtung, in der das Kloster lag. Und tief in ihm war die Sorge, daß man ihn auch dort abweisen würde. Die Allianz hatte ihm misstraut, wohl zu Recht, doch noch immer war Zator nicht darüber hinweggekommen, daß man ihn abgewiesen hatte, als er Hilfe nötig gehabt hatte. Wieder einmal hatte ihm sein Schatten eine Hoffnung zerstört. Eines Tages vielleicht, wenn der Bruder nicht mehr war, würde er erneut an die Festungstüre der Allianz klopfen können und vielleicht würde man dann sein wahres Gesicht sehen.
Sei es nun ob des Feuers oder ob der Gedanken, doch in diesen Moment löste sich aus dem Augenwinkel des starken Mannes eine einzelne Träne. Mit der geübten Gewandtheit eines Kriegers, hielt er den Zeigefinger in die Flugbahn und schaute auf den Tropfen Nass.
Was würde sein, würden sie am Kloster abgewiesen? Zator mochte nicht daran denken. Er hatte nicht viele Freunde und die er hatte wollte er nicht gefährden. Sein Schatten war geschlagen, doch noch nicht besiegt. Würde dieser erste Sieg nur ein weiterer Hoffnungsschimmer sein, der sich am Ende als vergebens entpuppt. Panik stieg in ihm auf und Angst liess seine Augen weiter werden. Und es war ihm, als ob tief in ihm ein boshaftes Lachen erscholl.
Er räkelte sich genüsslich, erwachend aus einem tiefen Schlaf. Ein Schlaf voller Sorge um seine Existenz. Doch ach so bekannte Gefühle hatten ihn geweckt, Gefühle die ihm gleich süssen Trauben erschienen. Gefühle der Angst. Und er fühlte sich erneut stark. Kein helles Kiinderstimmchen war zu hören, welches unbeeindruckt seiner Stärke ihm Schläge androhte. Da war nur Zator, der Geblendete, der Furchtsame.
"Nun, mein lieber Bruder. Hast du wieder einmal Furcht? Wo ist deine Göttin? Und wo ist das dumme Kind, welches dich vor mir schützen will? Sie sind nicht da! Und wie schon so oft zuvor rufst du mich, wenn du nicht weiterweisst. Deine Angst ruft mich. Und wie immer werde ich dir helfen, denn ich liebe dich mein Bruder. Mit mir bist du stark, mit mir bist du unbesiegbar. Erinnere dich an die Kavernen der Untoten. Nur durch mich bist konntest du sie alle besiegen. Du selbst bist zu schwach dafür. So bin ich also wieder da, dir zu sagen, was zu tun, armer ängstlicher Bruder. Siehst du den Knaben? Schau ihn dir an? Er ist schwach und langsam, ein Gefährte wie er wird dir in den Wäldern zum Verhängis. Du weisst das, genau wie ich. Also nimm dein Messer und töte die Waise, schick ihn zu seiner Mutter, dort ist er am besten aufgehoben."
Mit der boshaften Stimme und dem höhnischen Lachen sprach der Bruder. Und im Geiste sah er sich schon erneut den schwachen Bruder führen. So wie es immer war und wie es immer sein würde.
Und Zator, gekleidet in der strohfarbenden Robe der Hoffnung, stand mit dem Dolch in der Hand auf der Lichtung und sah hinab auf den kleinen Jungen Leon, der wohl tief und fest schlief.
Verfasst: Mittwoch 2. August 2006, 11:15
von Leon A´kinar
Leon atmete tief und fest als ein unwirkliches Lachen ihn zusammen schrecken ließ...
Er rieb sich die Augen und blickte ins dunkle und sah eine dunkle Gestalt mit einem im Mondenschein blitzenden Dolch vor ihm stehen...
"Onkel, was tust du da?", fragte er neugierig und suchte den Blick von Zator...
Der Blick des Onkels war kalt... etwas Schaum war in seinen Mundwinkeln zu sehen und seine Augen schienen blutdurchlaufen zu sein...
Erschreckt sprang Leon auf... er erinnerte sich an die Warnung, die ihm sein Onkel damals zukommen ließ.. an den zweiten bösen Mann im Onkel.. und er zögerte nicht lang..
Er rannte auf den Onkel zu... trommelte ihm mit seinen kleinen Fäusten so fest es ging in den Bauch und brüllte:
"GEH WEG!!!! LASS IHN!!!! NEIN DU WIRST IHN NICHT BEKOMMEN!!"
Weiter trommelte er seinem Onkel in den Bauch, ein verzweifelter keuchender kleiner blonder Mann in der Mission den Onkel zu befreien, ohne den es für ihn keine Zukunft gab.
Plötzlich wurde die Muskulatur des Onkels schlaffer... Leon blickte kurz hoch und sah eine Träne in Zators Augenwinkel...
Der kleine blonde Junge begann zu weinen... umschlang seinen Onkel so fest er konnte und versuchte mit seiner kindlich, ehrlichen Liebe alles Böse zu ersticken..
"Ist es tot Onkel!... ist es endlich weg?", mit diesen Worten hing er schluchzend an Zators Bauch gepresst und wartete sehnsüchtig auf eine erlösende Antwort....
Verfasst: Mittwoch 2. August 2006, 12:03
von Zator A´kinar
Die Saat der Hoffnung
Mit der boshaften Stimme und dem höhnischen Lachen sprach der Bruder. Und im Geiste sah er sich schon erneut den schwachen Bruder führen. So wie es immer war und wie es immer sein würde.
Als Zator über dem Jungen stand und im Wirbel der Gedanken und Gefühle nicht wußte, was zu tun sei, schien die Stunde des Sieges seines Schattens gekommen zu sein. Und dieser, im Siegesrausch vollkommen seine Achtsamkeit vergessend, schob sich weiter vor in das Bewusstsein Zators. In diesem Augenblick war ER mehr Zator, als je zuvor, spürte Zators Ängste und Sorgen, als wären es die eigenen und spürte die Kraft in den Gliedern des noch jungen Mannes. Und er spürte die Kontrolle darüber und fühlte, wie seine Hand den Dolch fester umklammerte. Ein boshaftes Lachen kam von seinen Lippen, als er sich dieser Macht bewusst wurde.
Doch wie so oft im Leben spielen kleine Zufälle (oder sind es gar göttliche Vorhersehungen) eine große Rolle. So auch hier. Denn im Augenblick seiner größten Macht und in Auskostung des Triumphs, der da kommen möge, liess das zweite Ich Zators jegliche Vorsicht fallen. Hier, soweit im Bewusstsein des Menschen Zators, wie nie zuvor, konnte ER sich nicht verbergen. Und in diesem Augenblick öffneten sich zwei Kinderaugen, die strahlenden Sternen gleich, die Wahrheit einer jeden Kreatur, eines jeden Geistes offenbarten.
Eben noch fühlte er sich im Rausch der Macht, doch als er die offenen Augen des Jungen sah, seine helle und klare Stimme hörte und sich seiner eigenen Nicht-Existenz bewusst wurde, erstarb die Macht, das Lachen und das Leben in dem Bruder, der nicht sein durfte. Er war nichts weiter, als eine Schutzfunktion Zators, kein lebendiges Wesen, nicht einmal ein Geist. Er war nur geschaffen, um Zator zu helfen. Doch Zator brauchte keine Hilfe mehr. Und so verging ER, geboren im Augenblick der Hoffnungslosigkeit und gestorben im Glanze einer neuen Hoffnung. Ein letztes Mal sprach er zu Zator und in seiner Stimme war kein Spott mehr, kein Hohn und keine Bosheit:
"Lebe wohl mein Bruder, nun mußt du allein kämpfen."
Zator stand lange Zeit unbeweglich da. Seine Glieder waren schwer, als hätte er mit einem Riesen gerungen und an seinen Beinen hing noch immer klammernd sein Retter, ein kleiner Junge mit strohblondem Haar.
"Ist es tot Onkel!... ist es endlich weg?"
Noch einmal lauschte Zator in sich hinein, doch dort war nichts mehr, nur er selbst.
"Ich glaube es ist ... weg, Leon. Ich glaube du hast ihn vertrieben."
Und mit diesen Worten kniete er sich nieder und schlang die Arme um seinen Retter um ihn fest an sich zu pressen. Und in Gedanken sprach er ein Dankesgebet an die Göttin Temora, welche ihn zu dem Jungen gesandt hatte.
Die Saat der Hoffnung war gesät, und was geerntet werden würde lag in die Händen zweier Menschen. Ein Kind mit strohblondem Haar und blauen Augen und ein Mann, der keinen Bruder mehr hatte.