Ein Brief an die Kommandantur des Lichtenthaler Regiments
Verfasst: Sonntag 12. Juli 2020, 15:02
*ein Schreiben wird auf der Kommandantur des Lichtenthaler Regiments wird abgegeben. Das Schreiben ist hochwertigem Papier in gestochen scharfer, nur leicht verschnörkelter Schrift verfasst und mit einem Bürgerwappen gesiegelt, dass einen Luchskopf über einem Tropfen zeigt*
An die Kommandantur des Lichtenthaler Regiments
Beschwerde über Rekrut Lester Schrevenau
Krone und Reich zur Ehre,
am gestrigen Abend, dem 11. Cirmiasum des Jahres 263, ist es mir, Tristion Luchsenquell, nach langer und aufwendiger Suche endlich gelungen, meine vor Wochen aus der Residenz der Luchsenquells in Bruchstein verschwundene Gemahlin Silja Luchsenquell in Adoran ausfindig zu machen. Gerade rechtzeitig offenbar, um zusammen mit einer zufällig anwesenden Bürgerin der Stadt ihren Sturz von der Brücke östlich des Marktplatzes zu verhindern.
In Freude über das Wiedersehen und zum Schutz vor weiteren Fehltritten griff ich darauf den Arm meiner Gemahlin, was allerdings im Anbetracht der von ihr gezeigten Verstörtheit offenbar einen falschen Eindruck auf die anwesende Bürgerin machte. Diese ging in Unkenntnis der Sachlage wohl davon aus, dass ein Fremder eine Dame bedrängen würde und versuchte – durchaus ehrenhaft – zu intervenieren. Bevor ich nun aber Gelegenheit hatte, dieses Missverständnis aufzuklären, erschien der Rekrut Lester Schrevenau am Ort des Geschehens.
Dieser zeigte wenig Interesse an einer sachlichen Aufklärung der Situation, dafür aber umso größeres Interesse daran, mich von meiner Gemahlin zu trennen. Dies änderte sich selbst dann nicht, nachdem ich endlich Gelegenheit hatte, mich als ihr Gemahl zu erkennen zu geben. Im Gegenteil, der Rekrut legte einen geradezu beleidigend intimen Umgang mit meiner Gemahlin an den Tag, die in seiner Anwesenheit geradezu panisch wurde, als hätte sie Angst davor, dass etwas enthüllt werden könne.
Ich kam indes nicht dazu, einem sich aufdrängenden Verdacht weiter nachzugehen, da der Rekrut mir mit Berufung auf die Autorität des Lichtenthaler Regiments klar zu verstehen gab, dass ich mich nun ungeachtet jeglicher Gelöbnisse vor Temora und Bürgerrechten an anderen Orten nun als rechtloser Freier gefälligst von meiner Gemahlin zu entfernen habe. Schließlich sei es Aufgabe des Regiments, die Interessen der Bürger Adorans zu wahren, wobei er sich selbst ausdrücklich mit einschloss.
Im Anbetracht der Tatsache, dass den Anweisungen des Regiments laut Stadtgesetzen unbedingt Folge zu leisten ist, ungeachtet von Rang und angemessenem Verhalten, entschloss ich mich als gesetzestreuer Bürger des Reiches zu diesem Zeitpunkt, den ‚Ermahnungen‘ des Rekruten Folge zu leisten. Dieser ließ es sich indes nicht nehmen, meine Gemahlin noch vor meinen Augen zum Tee zu begleiten, nachdem er mir erfolgreich den Umgang mit ihr verboten hatte.
Auch wenn mir bewusst ist, dass die Gesetze des Herzogtums Lichtenthal tatsächlich keinerlei Rücksicht auf Rang und Ansehen Auswärtiger nimmt, so sie nicht gerade von Adel sind, und auch wenn ich zugebe, dass die Situation durchaus missverständlich gewesen sein mag, komme ich doch nicht umhin, das Verhalten des Rekruten Lester Schrevenau als befremdlich zu empfinden. Selbst wenn sich der sich aufdrängende Verdacht – wie ich innig hoffe – als unbegründet herausstellen sollte, kann ich mir kaum vorstellen, dass es Aufgabe des Regiments ist, sich in den privaten Umgang eines vor Temora getrauten Paares einzumischen. Zudem kann es für einen Ehemann nur als Schlag ins Gesicht empfunden werden, wenn ein Mann seine Gemahlin vor seinen Augen vertraulich beim Vornamen nennt, den sie höchstens seit einigen Wochen kennen kann.
Ich komme daher nicht umhin, auf diesem Weg Beschwerde über das Verhalten des Rekruten Schrevenau einzulegen, umso mehr da dem Lichtenthaler Regiment als Truppe des Königssitzes eine besondere Aufmerksamkeit zukommt und so jedes Fehlverhalten auf das ganze Reich zurückfällt.
Möge die Schwertmaid die Truppen des Reiches stets zu höchsten Ehren führen,
Tristion Luchsenquell
Bürger der Stadt Bruchstein in Werlental
An die Kommandantur des Lichtenthaler Regiments
Beschwerde über Rekrut Lester Schrevenau
Krone und Reich zur Ehre,
am gestrigen Abend, dem 11. Cirmiasum des Jahres 263, ist es mir, Tristion Luchsenquell, nach langer und aufwendiger Suche endlich gelungen, meine vor Wochen aus der Residenz der Luchsenquells in Bruchstein verschwundene Gemahlin Silja Luchsenquell in Adoran ausfindig zu machen. Gerade rechtzeitig offenbar, um zusammen mit einer zufällig anwesenden Bürgerin der Stadt ihren Sturz von der Brücke östlich des Marktplatzes zu verhindern.
In Freude über das Wiedersehen und zum Schutz vor weiteren Fehltritten griff ich darauf den Arm meiner Gemahlin, was allerdings im Anbetracht der von ihr gezeigten Verstörtheit offenbar einen falschen Eindruck auf die anwesende Bürgerin machte. Diese ging in Unkenntnis der Sachlage wohl davon aus, dass ein Fremder eine Dame bedrängen würde und versuchte – durchaus ehrenhaft – zu intervenieren. Bevor ich nun aber Gelegenheit hatte, dieses Missverständnis aufzuklären, erschien der Rekrut Lester Schrevenau am Ort des Geschehens.
Dieser zeigte wenig Interesse an einer sachlichen Aufklärung der Situation, dafür aber umso größeres Interesse daran, mich von meiner Gemahlin zu trennen. Dies änderte sich selbst dann nicht, nachdem ich endlich Gelegenheit hatte, mich als ihr Gemahl zu erkennen zu geben. Im Gegenteil, der Rekrut legte einen geradezu beleidigend intimen Umgang mit meiner Gemahlin an den Tag, die in seiner Anwesenheit geradezu panisch wurde, als hätte sie Angst davor, dass etwas enthüllt werden könne.
Ich kam indes nicht dazu, einem sich aufdrängenden Verdacht weiter nachzugehen, da der Rekrut mir mit Berufung auf die Autorität des Lichtenthaler Regiments klar zu verstehen gab, dass ich mich nun ungeachtet jeglicher Gelöbnisse vor Temora und Bürgerrechten an anderen Orten nun als rechtloser Freier gefälligst von meiner Gemahlin zu entfernen habe. Schließlich sei es Aufgabe des Regiments, die Interessen der Bürger Adorans zu wahren, wobei er sich selbst ausdrücklich mit einschloss.
Im Anbetracht der Tatsache, dass den Anweisungen des Regiments laut Stadtgesetzen unbedingt Folge zu leisten ist, ungeachtet von Rang und angemessenem Verhalten, entschloss ich mich als gesetzestreuer Bürger des Reiches zu diesem Zeitpunkt, den ‚Ermahnungen‘ des Rekruten Folge zu leisten. Dieser ließ es sich indes nicht nehmen, meine Gemahlin noch vor meinen Augen zum Tee zu begleiten, nachdem er mir erfolgreich den Umgang mit ihr verboten hatte.
Auch wenn mir bewusst ist, dass die Gesetze des Herzogtums Lichtenthal tatsächlich keinerlei Rücksicht auf Rang und Ansehen Auswärtiger nimmt, so sie nicht gerade von Adel sind, und auch wenn ich zugebe, dass die Situation durchaus missverständlich gewesen sein mag, komme ich doch nicht umhin, das Verhalten des Rekruten Lester Schrevenau als befremdlich zu empfinden. Selbst wenn sich der sich aufdrängende Verdacht – wie ich innig hoffe – als unbegründet herausstellen sollte, kann ich mir kaum vorstellen, dass es Aufgabe des Regiments ist, sich in den privaten Umgang eines vor Temora getrauten Paares einzumischen. Zudem kann es für einen Ehemann nur als Schlag ins Gesicht empfunden werden, wenn ein Mann seine Gemahlin vor seinen Augen vertraulich beim Vornamen nennt, den sie höchstens seit einigen Wochen kennen kann.
Ich komme daher nicht umhin, auf diesem Weg Beschwerde über das Verhalten des Rekruten Schrevenau einzulegen, umso mehr da dem Lichtenthaler Regiment als Truppe des Königssitzes eine besondere Aufmerksamkeit zukommt und so jedes Fehlverhalten auf das ganze Reich zurückfällt.
Möge die Schwertmaid die Truppen des Reiches stets zu höchsten Ehren führen,
Tristion Luchsenquell
Bürger der Stadt Bruchstein in Werlental