Pad î laeron
Verfasst: Dienstag 21. April 2020, 12:35
- ~o~ vor einigen Monden ~o~Leichter weißer Rauch war am Himmel zu sehen, welcher den Geruch des Waldes trug. Eine starke Note von Fichtennadeln und Harz wohnte diesem inne.
Der Wind zerrte an seiner Robe. Das Lied spendete auch ihm, einem Kind Phanodains, Wärme, sodass er selbst mit einfachem Schuhwerk über den Schnee gehen konnte, ohne dass ihm kalt wurde. Es war ein morgendliches Ritual, welchem Eluvaëril nun seit einigen Monden seine volle Hingabe widmete.
Der Wald schwieg. Doch dies war ein Trugschluss. Das bloße Auge, gar das nackte Ohr ließen keinen Rückschluss auf das Rauschen, welches er nunmehr seit Jahren wahrnimmt, doch bisher nicht zu Deuten wusste.
~o~ vor einigen Tagen ~o~Konzentriert saß er vor einem Stapel Folianten, in der hölzernen Bibliothek Ered Luins. Viele dieser Schriftstücke waren alt. Die Seiten ließen einen Hauch der vergangenen Zeitalter spüren und gaben den doch so wertvollen Einblick in bereits vorhandenes Wissen. Auch wenn das fein geschwungene Sindarin an manchen Stellen nur mehr schwer zu entziffern war, gab der Kontext zumeist ausreichend Informationen.
In der Bibliothek schien die Ruhe und Harmonie ihn zu erfüllen, welche meist auf zweierlei Säulen fußte. Die erste Säule umfasste das Stillen seines Wissensdurstes und die Beantwortung seiner Fragen, welche durch jedes neue Schriftstück mehr zu werden schien. Die zweite Säule hingegen erzeugte die Harmonie, durch die natürliche Einwirkung des Ortes auf sein Inneres, auf seine Seele. Es gab lediglich zwei Orte, an welchen er letzte Säule verspürte: die Bibliothek in Ered Luin und der angrenzende Nebelwald.
Im schwindenden Licht des Tages und der sich dem Ende neigenden Kerzen waren die beendete er zumeist die Tage. Doch am vergangenen Tag war etwas anders. Der Entschluss war gefasst: Für ihn galt ein neues Kapitel, gar eine neue Melodie anzustimmen.
~o~ vor wenigen Tagen ~o~Ein feines Pergament lag vor ihm auf dem Tisch ausgebreitet. Bedächtig tauchte er die Feder in das Tintenglas und begann seinen persönlichen Schwur dort zu verewigen.
Den Pfad des Liedwebers wolle er ab diesem Tage folgen. Mit all seinen Pflichten und Aufgaben, welche ihn fortan begleiten werden. Der erste Schritt sei die Aufnahme als Cunnir.
Ari´eildae Lirrisal empfing ihn in Ered Luins Bibliothek. Ein Ort an welchem er sich sicher und behütet fühlte.
Nicht jeder Eledhrim ist für den Pfad eines Liedwebers geschaffen, auch wenn das Volk die Gabe besitzt, das Lied instinktiv zu nutzen. Doch die bewusste Nutzung, sowie die Wahrnehmung der verschiedenen Klänge, der Nuancen und Facetten - dies ist mitunter die Kunst der Liedweber.
So erhielt er seine erste Übung..
.. vom Großen zum Kleinen
.. vom Schriftwerk zu einzelnen Buchstaben
.. vom Baum zu einzelnen Blättern
.. vom großen Lied zu differenzierbaren Klängen
Eine wahrlich herausfordernde Übungen für einen angehenden Ithron.
~o~ kürzlich ~o~Die Kunst des Meditierens mag eine fördernde Methodik für den präzisen Fokus und die Ausblendung der peripherie sein. Amae´thariel Sae´linds Unterricht, nahe der Donnereiche im Nebelwald, mag sich dafür als außerordentlich hilfreich beweisen.
Ähnlich einer Seifenblase mag der Fokus und die Konzentration sein. Selbst ein Hauch des Windes, oder ein zu intensiver Sonnenstrahl, kann diese zunichte machen.
Einen jedweden Inhalt mag diese Seifenblase in sich tragen und den Fokus auf diesen richten, doch die Balance zwischen aktiver und passiver Wahrnehmung muss stets gewahrt werden.
Noch jung und nicht wirklich verankert scheint diese Methode, aber so soll sich diese in den kommenden Jahren als wahrlich dienstlich erweisen.Laurië liltar i lassi súrinen.
(Wie Gold tanzen die Blätter im Wind)