Des Wentzels Gedanken
Verfasst: Samstag 29. Februar 2020, 09:16
Er musste lächeln, dabei zog es ihm die Wangen nach oben und die junge Stirn legte sich in zwei Denkfalten, wie sie es so schon so oft getan hatte. Wentzel dachte an den langdauernden Besuch bei seinem Onkel, der dem jedem-drohenden Verlangen der Sterblichkeit doch noch getrotzt hatte und so wünschte er es sich zumindest; doch noch einige Lenze vor sich hatte. Es war schön gewesen, doch genauso sehr freute er sich wieder hier zu sein, hier gehörte er her. Dies war seine neue Heimat, er hatte sie vermisst, die eiligen und geschäftigen Schritte durch das Konzil, den Boden, der kein Boden war. Die hohen Bücherregale, die unzähligen Artefakte, geschaffen aus den Händen fähiger Akademiker. Einige der Geschichten die ihm von Elinor und Arenvir noch im Gedächtnis waren, rauschtem ihm durch den Kopf, wenn er mit schnellen Schritten über den durchsichtigen Fußboden des Konzils schritt. Ob sie wirklich unartige Candidati als Fische dort ihr Leben fristen ließen? Er bezweifelte es, aber es hatte wohl seinen Zweck erfüllt und ihn beim ersten Hören gehörig erschreckt und zur Gelehrsamkeit ermahnt. Ein schneller Blick in die Küche; leer. Vor seinem geistigen Auge sah er dort die stellvertretende Praecepta Elinor sitzen, ein dampfender Teekessel neben ihr, ihre stets einladende Handgestik ihr Gesellschaft zu leisten, sie fehlte ihm. Dafür war wohl nun die Vogtin Adorans, die Magistra von Thronwall wieder häufiger am Konzil zugange. Er hielt eine zeitlang inne und sinnierte darüber, wie wohl ihre Unterrichte ablaufen würden, aber dem jungen Magierhirn entsprang keine konkrete Vorstellung - er würde sich wohl überraschen lassen müssen und so fiel die Türe wieder zu. Die Konzilsrobe, die in der Form ohnehin für Tragekomfort und Bewegungsfreiheit im Kampfe ausgelegt war, wehte theatralisch im Abendwind als er wieder zur Terrasse zurückkehrte. Er pustete einige male, um sein Blickfeld von einer der immer wieder lästig-fallenden blonden Haarsträhnen zu befreien und als dass auch nichts half, strich er sie sich fest mit der Linken gegen Hinterkopf. Fürs erste schien das Abhilfe zu schaffen, aber er bereute es beinahe ein wenig, weil von dem was er nun mehr sah, wollte er nicht unbedingt mehr sehen. Es stürmte noch immer, einzelne Blitze und diese anhaltende Dunkelheit, die so bedrohlich über Gerimor - vermutlich über der ganzen Welt - stand, erleuchteten den pechschwarzen Abendhimmel. In der Ferne grollte der Donner und mischte sich mit den Geräuschen der aufschlagenden Brandung an den steilen Klippen des Konzilfundamentes. Das Grün seiner Augen wanderte hinüber, zu einer der montierten, gelöschten Laternen, ein kurzer Eingriff in das Lied und er ließ den Docht mit ein wenig Salmbe aufflammen, der wachsende Lichtschein warf lange Schatten, die je nach aktueller Dochthöhe vor sich her tanzten. Auch das ließ seine Mundwinkel erneut freudig beben, wenn er daran dachte, wie viel Konzentration ihm das noch vor einigen Jahren abverlangte und jetzt schon nicht mehr als alltägliche Routine war. Der Daumen der rechten Hand schob sich zwischen Leinenhemd und Bauchriemen des Waffengurtes und der junge Magier drückte den Rücken durch - es knackte irgendwo in seiner Wirbelsäule, der nächste Windschlag warf ihm mit einem pfeifenden Ton erneut die goldene Haarpracht ins Gesicht - er beließ es dabei, man konnte schließlich nicht alles haben..
Während ihm ein Gemisch aus Regen und salzigem Meerwasser, aufgetrieben von der unbändigen Luft des Unwetters in das Gesicht fuhr, wanderten seine Gedanken zur nächsten Thematik.. Sein Bruder Neroth wollte also zu den Geweihten der Temora, ein nobler Weg, ein teils auch enthaltsamer Weg, er dachte zurück an die geteilte Jugendzeit. Als sie zusammen auf den hintersten Bänken der Dorfkapelle saßen, der Priester mit seinem strengem und zugleich gutmütigen Blick den jungen Wentzel immer wieder zur Ruhe ermahnen musste, einmal jagte sogar ihre Mutter den Wentzel hinaus, mit einem gebundenen Besen, als dieser seinen vorlauten Mund so gar nicht zügeln konnte. Ein Phänomen dass sie so oft einen Besen zur Hand hatte.. Ob er heute noch zwischen Hirse und Gerste gebundenen Besen unterscheiden könnte, je nachdem was seinen Hosenboden zur Gehorsamkeit erzog? Ob Neroth wohl noch oft dort, in dieser kleinen Kapelle, gewesen war, als man Wentzel im frühen Alter schon zu seinem Onkel geschickt hatte? Er würde ihn einmal fragen müssen, nahm er sich fest vor und verlagerte sein Gewicht vom rechten, auf das linke Bein.
Einige der neuen Gesichter des Konzils, hatte er ja bereits kennengelernt, wenn er nur nicht so schlecht mit Namen wäre.. Er kaute nachdenklich die salzige Luft und spuckte ein wenig Regen in die Nacht, als er versuchte einiger der Namen handhab zu werden, es gelang ihm nicht sonderlich gut. Sogar ein Tiro von adeliger Herkunft war dabei, den Namen hatte er sich wohl gemerkt - aber so befahl es ihm auch seine Erziehung und seine Wertschätzung gegenüber der Krone. Er musste schmunzeln, immerhin hatte er das Gespräch zwischen Hochwürden Antorius und dem adeligen Tiro aufgeschnappt, als jener seine Hochwürden daraufhin wies, er möge doch seinem Stand angemessen mit ihm sprechen.. Aber die Etikette in Adoran ließ oftmals zu wünschen übrig, wenngleich er sich sicher war, dass dahinter meist keine böse Absicht zu vermuten sei. Selbst wenn er sich stolz als Candidatus vorstellte, wurde er im nächsten Atemzug bereits “Herr Barasthan” genannt, aber das kümmerte ihn kaum, wenngleich Wentzel sich stets mühte der Etikette ein treuer Verfechter zu sein. Ah, und Magister van Daske! Den hatte er ja schon am Abend seiner Rückkehr getroffen - dieser schien ehrlich erfreut zu sein, ihn wiederzusehen. Seinen Brief mit der Bitte nach Unterricht, hatte er ja kürzlich Arcomagus Alfaran überreicht und er fragte jenen auch jeden Tag, ob schon Antwort von den Hochgelehrten gekommen sei - Geduld war ja bekanntlich nicht eine seiner Stärken. Er schnalzte mit der Zunge am Gaumen und drehte seinen dünnen Leib aus dem direkten Wind, das Haar flatterte nun aus seinem Blickfeld, nach rechts weg und verpasste ihm einen Seitenscheitel, wie ihn sonst nur die geschäftigsten und zeitgleich schmierigsten Verkäufer trugen. Von Magister van Daske hatte er immer schon viel gehalten, aber bei der Kampfesübung des Regimentes, der er zuletzt beiwohnen durfte, hatte dieser ihn tief beeindruckt. Nur die Scharfschützin van Quellhain schien ihm beinahe gewachsen zu sein. Er selbst hatte ja erst am nächsten Tag noch einen Pfeil der Wachtmeisterin Salberg aus seiner Konzilsrobe geborgen und war überrascht dass er ohne gröbere blauen Flecken davongekommen war. Aber das würde mit Übung schon besser werden, sprach sich der junge Konzilist Mut zu und dann - eines Tages - würde er wohl auch in die Bücher eingehen, als glorreicher Kampfmagier im Dienste seiner Majestät. Er nickte fest und behielt sich diesen Gedanken noch eine Weile, während die See immer wieder Wassermengen gegen die Felsen drückte, als wolle sie die Landmassen einfach aus dem Weg peitschen. Ein schneller Blick über die Schulter, als wäre er ein Jugendlicher auf Abwegen, um sich zu vergewissern dass ihn keiner sah und er steckte sich die Zigarette, gefüllt mit leicht feuchtem Tabak vom Festland, zwischen die Lippen, ein kleiner Funkenschlag und der torfig-kräftige Rauch erfüllte alsbald seine Lungen. Er unterdrückte das kratzende Aufkommen eines Hustanfalls und entließ den Rauch aus Mund und Nase, der Wind griff jenen auch direkt bereitwillig und trug ihn davon - wie eine der düsteren Wolken die so fest am Himmel hangen. Er paffte noch mehrere Zug, ehe er sich die Zigarette zwischen Daumen und Nagel des Zeigefingers klemmte und entschlossen über die Brüstung schnippte. Aus irgendeinem Grund erwartete er sich ein “Plopp und Plumps” im Wasser, das blieb natürlich aus und ließ den Wentzel einmal enttäuscht seufzen. Hoffentlich verschluckt sich kein verwandelnder Candidati daran, schmunzelte er noch in sich hinein und zog die hohen Türen der Terrasse wieder hinter sich zu. Mal sehen welcher Buchrücken ihm für den heutigen Abend noch in die Augen springen würde, dachte er sich und schritt auf eines der glücklicherweise, unweit gelegenen Bücherregale zu..
Während ihm ein Gemisch aus Regen und salzigem Meerwasser, aufgetrieben von der unbändigen Luft des Unwetters in das Gesicht fuhr, wanderten seine Gedanken zur nächsten Thematik.. Sein Bruder Neroth wollte also zu den Geweihten der Temora, ein nobler Weg, ein teils auch enthaltsamer Weg, er dachte zurück an die geteilte Jugendzeit. Als sie zusammen auf den hintersten Bänken der Dorfkapelle saßen, der Priester mit seinem strengem und zugleich gutmütigen Blick den jungen Wentzel immer wieder zur Ruhe ermahnen musste, einmal jagte sogar ihre Mutter den Wentzel hinaus, mit einem gebundenen Besen, als dieser seinen vorlauten Mund so gar nicht zügeln konnte. Ein Phänomen dass sie so oft einen Besen zur Hand hatte.. Ob er heute noch zwischen Hirse und Gerste gebundenen Besen unterscheiden könnte, je nachdem was seinen Hosenboden zur Gehorsamkeit erzog? Ob Neroth wohl noch oft dort, in dieser kleinen Kapelle, gewesen war, als man Wentzel im frühen Alter schon zu seinem Onkel geschickt hatte? Er würde ihn einmal fragen müssen, nahm er sich fest vor und verlagerte sein Gewicht vom rechten, auf das linke Bein.
Einige der neuen Gesichter des Konzils, hatte er ja bereits kennengelernt, wenn er nur nicht so schlecht mit Namen wäre.. Er kaute nachdenklich die salzige Luft und spuckte ein wenig Regen in die Nacht, als er versuchte einiger der Namen handhab zu werden, es gelang ihm nicht sonderlich gut. Sogar ein Tiro von adeliger Herkunft war dabei, den Namen hatte er sich wohl gemerkt - aber so befahl es ihm auch seine Erziehung und seine Wertschätzung gegenüber der Krone. Er musste schmunzeln, immerhin hatte er das Gespräch zwischen Hochwürden Antorius und dem adeligen Tiro aufgeschnappt, als jener seine Hochwürden daraufhin wies, er möge doch seinem Stand angemessen mit ihm sprechen.. Aber die Etikette in Adoran ließ oftmals zu wünschen übrig, wenngleich er sich sicher war, dass dahinter meist keine böse Absicht zu vermuten sei. Selbst wenn er sich stolz als Candidatus vorstellte, wurde er im nächsten Atemzug bereits “Herr Barasthan” genannt, aber das kümmerte ihn kaum, wenngleich Wentzel sich stets mühte der Etikette ein treuer Verfechter zu sein. Ah, und Magister van Daske! Den hatte er ja schon am Abend seiner Rückkehr getroffen - dieser schien ehrlich erfreut zu sein, ihn wiederzusehen. Seinen Brief mit der Bitte nach Unterricht, hatte er ja kürzlich Arcomagus Alfaran überreicht und er fragte jenen auch jeden Tag, ob schon Antwort von den Hochgelehrten gekommen sei - Geduld war ja bekanntlich nicht eine seiner Stärken. Er schnalzte mit der Zunge am Gaumen und drehte seinen dünnen Leib aus dem direkten Wind, das Haar flatterte nun aus seinem Blickfeld, nach rechts weg und verpasste ihm einen Seitenscheitel, wie ihn sonst nur die geschäftigsten und zeitgleich schmierigsten Verkäufer trugen. Von Magister van Daske hatte er immer schon viel gehalten, aber bei der Kampfesübung des Regimentes, der er zuletzt beiwohnen durfte, hatte dieser ihn tief beeindruckt. Nur die Scharfschützin van Quellhain schien ihm beinahe gewachsen zu sein. Er selbst hatte ja erst am nächsten Tag noch einen Pfeil der Wachtmeisterin Salberg aus seiner Konzilsrobe geborgen und war überrascht dass er ohne gröbere blauen Flecken davongekommen war. Aber das würde mit Übung schon besser werden, sprach sich der junge Konzilist Mut zu und dann - eines Tages - würde er wohl auch in die Bücher eingehen, als glorreicher Kampfmagier im Dienste seiner Majestät. Er nickte fest und behielt sich diesen Gedanken noch eine Weile, während die See immer wieder Wassermengen gegen die Felsen drückte, als wolle sie die Landmassen einfach aus dem Weg peitschen. Ein schneller Blick über die Schulter, als wäre er ein Jugendlicher auf Abwegen, um sich zu vergewissern dass ihn keiner sah und er steckte sich die Zigarette, gefüllt mit leicht feuchtem Tabak vom Festland, zwischen die Lippen, ein kleiner Funkenschlag und der torfig-kräftige Rauch erfüllte alsbald seine Lungen. Er unterdrückte das kratzende Aufkommen eines Hustanfalls und entließ den Rauch aus Mund und Nase, der Wind griff jenen auch direkt bereitwillig und trug ihn davon - wie eine der düsteren Wolken die so fest am Himmel hangen. Er paffte noch mehrere Zug, ehe er sich die Zigarette zwischen Daumen und Nagel des Zeigefingers klemmte und entschlossen über die Brüstung schnippte. Aus irgendeinem Grund erwartete er sich ein “Plopp und Plumps” im Wasser, das blieb natürlich aus und ließ den Wentzel einmal enttäuscht seufzen. Hoffentlich verschluckt sich kein verwandelnder Candidati daran, schmunzelte er noch in sich hinein und zog die hohen Türen der Terrasse wieder hinter sich zu. Mal sehen welcher Buchrücken ihm für den heutigen Abend noch in die Augen springen würde, dachte er sich und schritt auf eines der glücklicherweise, unweit gelegenen Bücherregale zu..