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Das schluckende Fass

Verfasst: Dienstag 27. Juni 2006, 12:07
von Mhyri Famrock
Seltsam, seltsam…
Wäre doch nur Valia endlich wieder da. Seufzend fiel ihr Blick auf das gähnend leere Bett ihrer Cousine. Ein merkwürdiger Mann, ging es ihr im Kopf herum.
Moment! Vielleicht hatte er ja versucht etwas aus ihr heraus zu bekommen was mit den Geschehnissen der letzten Nacht zu tun hatte.
Ohnehin schlich sich bei ihr immer wieder ein seltsames Gefühl ein im Laufe ihres Gespräches.
OHH nein, da müsste euer Merkwürden schon früher aufstehen. Als wenn sie darauf reingefallen wäre ..
Schwerfällig seufzend ließ sie sich nach hinten auf ihr Bett plumpsen. Oh weh, soweit war es mit ihr schon gekommen. Nun erkor sie schon rechtschaffene Kunden zu Spitzeln aus. Soviel also zum Thema Ruhe bewahren. Nein, hier müsste sich ganz entschieden etwas ändern aber erst einmal eine Mütze Schlaf …

Nun, so recht passen sollte die Mütze auch in jeder Nacht nicht…
Es gab einfach keinen Zweifel mehr, sie war hier nicht am rechten Platz.
Es schien ihr unter derartigen Umständen nicht mehr möglich sich weiter um die Kundschaft der Zunft zu kümmern. Klüger wäre es wenigstens für ein, zwei Tage das Weite zu suchen.
Sie war einfach zu aufgedreht, nicht bei der Sache, alleine? überfordert? Valia.. Julia.. sie fehlten ihr.
Schnell wurden noch die Tiere der Zunft versorgt. Sie sollten kein armes Dasein fristen während sie Entspannung in der Sonne suchte. Nach alt bekannter Manier wuselte sie durch das Zunftgebäude. Jetzt nur nicht wieder etwas vergessen…

Wenige Stunden später.. lag er vor ihr.. der Dunkelhof. Das hier war gewiss das rechte Fleckchen Erde…
Sie fand bereits bei ihrer ersten Begegnung mit Elisabeth gefallen an dem zum Teil schon von der Witterung geplagten Gemäuer.
Ja, der Dunkelhof .. im jetzigen Sonnenlicht machte er seinem Namen nicht grade alle Ehre. Aber mmm, was kümmerte sie das jetzt ..
Eben angekommen schlüpfte sie sogleich in eines ihrer luftigen Kleider. Nun noch einen guten Schluck Wein und die Welt würde vielleicht schon anders aussehen.
Auf Zehenspitzen, weit über den Rand des hölzernen Bottichs gelehnt, angelte sie nach der Flasche Wein die auf dem Boden des großen Fasses wohl bereits schon auf die Vernichtung zu warten schien. VERDAMMNIS! Ihr darauf folgend, lautes Fluchen sollte der Wind wohl selbst bis hin zum Söldnerlager tragen als sich die kleinen Füße plötzlich in die Luft erhoben und sie sich mit einem Mal kopfüber im Fass wieder fand…

Verfasst: Dienstag 27. Juni 2006, 14:33
von Mhyri Famrock
Wer zum Henker braucht schon scheppernde Rüstungen? So ein Unfug..
Zufrieden liess sie sich zurück ins Weizenfeld fallen. Sie musste Elisabeth unbedingt ihr Wohlgefallen an dem hauseigenen Wein aussprechen. Hui, das war in der Tat ein gutes Tröpfchen, das es in sich hatte. Zufrieden zog sie ihren Strohhut tief über das Gesicht und schloss die sonst so wachen Augen.
Wenn das ihr letztes Stündlein wäre .. mmm..
Ach, soweit würde es gar nicht kommen .. nun mal genug der finsteren Gedanken.
Hatte es schlussendlich darin gegipfelt einen doch recht freundlichen Kunden der Zunft insgeheim beschuldigen. Na, der würde was über sie denken. Feines Bild gab sie da ab. Kurz ward der Strohhut auf dem Kopf ein Stückchen hoch geschoben und die Flasche wurde um einen weiteren kräftigen Schluck erleichtert. Wenn sein heißes Gebräu auch nur halb so einschläfernd gewesen wäre wie der gute dunkelhöfische Wein…

Verfasst: Mittwoch 28. Juni 2006, 16:46
von Valia Famrock
In ein stück Brot beißend ließ sich Valia auf die Decke, welche sie auf eben auf die Wiese gelegt hatte, nieder. Schön war es hier, weit und breit keine Menschen und wilde Tiere traf sie fast eben so selten. Ihre beiden Pferde genossen nicht weit ab vom Wege die Pause und kauten genüsslich am satten Grün der Weide. Nachdem sie ihr spärliches Mahl mit einem Schluck von Herrn Weinschenks berühmten Wein runter gespült hatte, ließ sie sich langsam nach hinten fallen. Es tat gut die Beine nach der srapatzenreichen Reise auszustrecken und so legte sie ihren Hut in ihr Gesicht und verfiel in einen unruhigen Schlaf. Doch der Schlaf währte nicht lange. Wie in den letzten Wochen es schon üblich war kreisten ihre Gedanken um ihre Familie und das Geschäft in ihrer Heimat. Nie hätte sie gedacht, dass ihr die Trennung so sehr zusetzen würde. Und hätte sie dies geahnt, so hätte sie die Reise wohl niemals angetreten. Sicherlich, der weit aus mehr als wohlhabende Kunde den sie aufgesucht hatte, hat sie finanziell mehr als reichlich für ihre Dienste belohnt. In dieser Hinsicht konnte sie nun wirklich nicht klagen, dennoch fragte sie sich im Nachhinein ob sie recht gehandelt hatte.

Mhyri lebte noch nicht lange in Varuna und Julia hatte oft genug in Bajard zu tun, so dass Mhyri wohl die meiste Zeit auf sich selbst gestellt sein würde. Wie würde sie wohl mit dem Kundenandrang fertig werden? Ob die anderen Mitarbeiter sie unterstützten in dieser ersten Zeit für sie? Valia konnte es nur hoffen, denn obwohl ihre Cousine eine recht tatkräftige junge Frau war, wusste aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie hektisch die Arbeit in dem Handwerkshaus sein konnte. Und obgleich sie die Erholung in den weiten der herrlich ungestörten Natur genoss, wünschte sie sich nach Varuna zurück. Es würde freilich viel Arbeit auf sie warten. Ein Berg an Aufträgen würde zu erledigen sein, doch all dessen ungeachtet konnte sie es kaum abwarten varunesischen Boden unter den Füssen zu haben.
Nur noch einen halben Tagesritt und eine Schiffsreise von etwa einem Tag gab es zu bewältigen und dann würde sie ihre Heimat sehen und ihre geliebte Familie endlich wieder in die Arme schließen dürfen.

Zufrieden mit diesem Gedanken verfiel sie wieder in einen leichten Dämmerschlaf. Sie musste ruhen, denn sie hatte nicht mehr vor an diesem Tage weitere Pausen einzulegen.
Temoras Güte sei dank, bald würde sie zu hause sein.