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Familienbande

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 14:05
von Owyn Llastobhar
Die dumpfen Geräusche der Stiefelabsätze hallten auf dem Kopfsteinpflaster zwischen den Häuserschluchten der Grafschaft Varuna und nur langsam wurden jene leiser ehe sie im gesamten verstummten. Der junge Mann hob sachte sein Haupt empor und das sowieso schon bleiche Gesicht wirkte im sanften Mondschleier wie eine reine Kalkwand. Unerhört, wie konnte sich dieses kleine, wie eine Porzellanpuppe wirkende, Mädchen nur diese Frechheit erlauben. Die wütenden Gesichtszüge verzerrten das ansonsten hübsch anzusehende Gesicht zu einer fast hässlich wirkenden Fratze und nur mühselig klang der Zorn in ihm ab. Hatte Sorcha alleine nicht genügt? Musste jetzt auch sie noch beginnen ihn herauszufordern, Sie die er eigentlich im inneren zu akzeptieren begonnen hatte.

Einiges war geschehen, seit er das erste mal auf Verwandtschaft getroffen hatte. Immerhin war er jetzt stolzer Schüler der Academia Arcana und war nun in der Lage seine Studien im Zweig der Illusionisten aufzunehmen. Nichts Sehnlicheres hatte Owyn sich gewünscht und nun war es ihm möglich den Versuch zu starten, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, zumindest was es den Machtgehalt anging. Er würde von nun an die Akademie mit Tara besuchen, die ebenfalls den Zweig der Illusionisten einschlug und gleichzeitig die erste Person seiner Verwandtschaft darstellte, auf die er traf. Eigentlich konnte er sie ganz gut leiden, immerhin war sie magisch begabt und aufgrund der Tatsache, dass niemand aus der Familie Tuireans von ihr wusste, konnten auch keine schlechten Worte über sie in Umlauf gebracht werden. Sie war sozusagen ein unbeschriebenes Blatt für ihn und so würde er unbeschwert seine eigene Meinung über sie bilden können.

Auf Alleen und Viljo traf er nur kurz, somit verschwendete er keine großen Gedanken an jene, lediglich akzeptierte der junge Magier die beiden.

Gegenüber Cathal bot er immer noch einige Skepsis auf, so war jener sicherlich recht umgänglich ihm gegenüber, doch die Tatsache, dass er den Weg des Kriegers einschlug und nicht mit der Gabe gesegnet war, ließ ihn dann doch recht weit in seiner Anerkennung sinken. Auch wenn Owyn es nicht offensichtlich zeigte, so belächelte er den jungen Knappen zumindest – im Moment.

Ganz anders jedoch Sorcha. Dieses kleine unwürdige Ding bekam die volle Breitseite seiner Verachtung zu spüren, denn keine Möglichkeit wurde verspielt, ihr mitzuteilen was er von ihr hielt. Sie war jedoch nicht wirklich auf den Mund gefallen und so würde es sicherlich noch einige Wortgefechte zum austragen geben. Natürlich war Owyn der schuldige, weswegen die ganze Sache jeden Tag aufs Neue zu eskalieren drohte, doch sah er dies zunächst einfach nicht ein. Sie war immerhin eine unwürdige, nichts wehrt!

Das größte und eigentlich einzige, wirkliche Vertrauen brachte er aber lediglich seinem Bruder Leith entgegen. Nur in seinem Beisein wirkte er wirklich zugänglich und nicht immer kühl und berechnend wie den anderen gegenüber. Es handelte sich immerhin um seinen Bruder – seinem Geschwisterteil, den er am liebsten mochte.

Das Haupt wurde ein wenig gesenkt, welches nun im Schatten lag und allmählich begann sich der angespannte Körper wieder abzuregen. Und dann war da noch Una, die er eigentlich ganz gut leiden konnte, die es jedoch mit dem heutigen Abend einfach auf die Spitze getrieben hatte. Zuerst schien es nur eine gewöhnliche Frage, als sie meinte wie alt denn nun seine Schwester sei. Aber schon recht bald kristallisierte sich heraus, dass dies nur eine Einleitung gewesen war. Denn dann überspannte sie den Bogen, in dem sie ihm Vorwarf seines Vaters Worte willenlos nachzueifern, seine Meinung zu vertreten und keine eigene aufbieten zu können. Anstatt die kleine Schwester zu schützen und zu achten, würden sie ihr nur Kälte entgegenbringen. Das nur, weil sie die Gabe nicht besaß und Tuirean dies ebenfalls guthieß. Das ganze Gespräch entwickelte sich zu wütenden Anfeindungen, doch ging es nicht vorüber ohne Owyn’s Gedankengänge anzuregen.

Aus diesem Grund hatte er die Taverne verlassen und war ins nächtliche Varuna geflohen. Er war wütend, aufgebracht und irgendetwas schien ihn stetig zu begleiten und es wirkte gar unmöglich dies los zu werden.

Zweifel…..

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 14:30
von Sorcha Llastobhar
Schwere Schritte hallten durch das große Gebäude der Garde wider Mit einem kräftigen Ruck wurde die Tür aufgestoßen und eine junge, anmutige Frau trat herein, schritt zielstrebig auf einen der vielen Balkone des Zimmers zu und stützte sich an das Geländer von eben einem dieser. Ihr langes, schneeweißes Haar wehte im sachten Wind und sie sah in die Ferne, zur untergehenden Sonne, welche sich im Wasser widerspiegelte. Sie atmete tief ein, der Körper eingehüllt in bequeme Stoffkleidung, eingefärbt in die Farben der Inselreiche. Stolz war ihr Blick, stolz dass sie so weit gekommen war, trotz ihres noch recht jungen Alters. Sie konnte Schritte hinter sich hören und eine junge, weibliche Stimme fragte vorsichtig „Leutnant Llastobhar …?“

Und dann war sie wieder im Hier und Jetzt. Sie stand ebenfalls im Gebäude einer Garde, jedoch war dies hier nicht das Inselreich, sondern Varuna. Und sie war kein Leutnant, sondern Kadett. Eine Tatsache die sie nicht sonderlich grämte, sie hatte diesen Schritt erwartet, und sie war noch jung, sie würde sich wieder hocharbeiten, wie sie es einst schon getan hatte, es war alles nur eine Frage der Zeit. Sie legte sich in ihr Bett und starrte auf die Matratze des Bettes über sich. Sie war stolz, ohja. Stolz auf alles was sie erreicht hatte und selbst jene „Degradierung“ weckte mehr Stolz und Ehrgeiz als alles andere in ihr. Sie hatte eine Familie hier, ihre beiden Geschwister und unzählige Verwandte. Und sie bekam in der Zeit, in der sie hier war, recht deutlich zu spüren, dass sie keine Magierin war, wie es eigentlich üblich war. Doch war es nicht der Großteil der Familie, der sie diese Tatsache fühlen ließ, sondern eine einzige Person; Owyn. Jener junge, arrogante und hochnäsige Bengel. Er war deutlich jünger als sie, wohl drei oder vier Jahre lagen zwischen den beiden und wohl auch eine Menge an Lebenserfahrung, und doch schien er ganz nach dem Vater zu kommen. Cousin. Es war fast bittere Ironie dass er und Sorcha beinahe direkt miteinander verwandt waren. Seine Worte hallten, immer wieder in ihrem Kopf wieder, seine hochnäsige, abfällige Art. Nie hatte er wirklich eine Situation ausgelassen, um Sorcha zu zeigen, was für ein „Abschaum“ sie doch eigentlich war, und nie hatte sie ihn einfach so davonkommen lassen. Ob sie ihm nun verbal konterte, ihn ignorierte oder ihm, wie letztens, die Nase einschlug, sie würde sich nichts von diesem arroganten Magier gefallen lassen, nicht von einem, der aus dem Samens Tuireans entsprungen war. Sorcha hegte keinen Groll gegen ihn, die Erfahrung zeigte nur zu oft, dass die Erziehung in seiner Familie entsprechend gewesen sein musste, denn dass es auch anders ging, bewies sein Bruder Leith, mit dem Sorcha bestens auskam und der ihr niemals ins Gesicht sagte, sie wäre unwürdig oder dergleichen. Owyn schien ganz nach seinem Vater zu kommen, und vielleicht dachte er auch, er könne Cathal und sie wie Dreck behandeln, doch er hatte da die Rechnung ohne Sorcha gemacht. Ihre Mutter hatte ihr nicht ohne Grund oft genug eingebleucht, sie solle stolz auf sich und ihre Laufbahn sein.
Sie würde Owyn distanziert halten, ihn immer wieder Paroli bieten und nicht mehr. Es war alles gut, und solange er nicht gegen Niall oder Shanna das Wort erheben würde, sondern nur gegen sie selbst, würde es auch immer so weitergehen.

Ruhig streckte sie sich aus, schloss die Augen und gab sich dem Schlaf hin. Sie war verdammt müde.

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 15:54
von Una Llastobhar
Sie hatte nicht einmal gemerkt, dass ihre sonst so leise und etwas rauchige Stimme plötzlich mit einem dunklen Grollen belastet und mehr als nur gut hörbar geworden war. Ein angewidertes Zischeln und bissiger Nachdruck untermalen nun jedes Wort, während sich die bleichen, kleinen Finger haltsuchend in die Tischkante krallten. Wut, oh ja, es war die Wut welche ihr bleiches Gesicht dunkler verfärbte und einen glühenden Zornesfunken sehr lebendig in den ansonsten stetig verträumt wirkenden Augen entflammen ließ.

Sie war nahe dran sich nun vollends zu vergessen.
Wild prasselten Worte im Schlagabtausch hin und her, trugen die ein oder andere Verletzung mit sich und bohrten sich dann tiefer um vermutlich noch Tage später an beider Herzen zu fressen. Ihre Enttäuschung hatte die Wut geweckt, als es nicht mehr tragbar war, als sie realisierte wie sehr sie sich anscheinend in jenem jungen Mann getäuscht hatte, der trotz der ähnlichen Optik zunächst nichts mit ihrem verdammten Onkel gemein zu haben schien.

Es waren auch seine Worte, welche ihr im Laufe des Wortgefechts zwischen Sorcha und Owyn, welche beide keine noch so kreative Möglichkeit ausließen dem anderen einen winzigen Dolchstoß zu verpassen, dass ihr alte, gesprochene Sätze wieder einfielen und eine dunkle, leise Stimme schien jene ausnahmslos für sie nochmal zu wiederholen:

"Es war nett bei ihnen. Ausnahmslos. Immer wieder so herzerfrischend zu sehen, wie Tuirean und Ginesso mit ihren kleinen Sorgen umgehen. Aber sieh einmal, mein Kind, zumindest gedenken sie ihrer Tochter den rechten Platz an. Sie ist die Vierte, ohne Gabe und vom schwachen Geschlecht... Kleines, was denkst du wo sie im Hause steht? Tiefer als nur unten... viel tiefer..."

Hass wallte auf, als sie nun jene Worte nicht nur bestätigt, sondern auch diese tyrannische Grundeinstellung befürwortet sah. Sie wollte nicht wahrhaben sich so in Owyn getäuscht zu haben. Sicher, Tuirean prägte seine drei Söhne immens, doch Leith hatte im Grunde ein sanftes Herz, welches Schutz und Schirm für seine nun neue Familie so fest verankert hatte und nicht selten spürte sie den stechenden Schmerz, welcher in ihm explodierte wann immer man sein Elternhaus ansprach.
Was hatten Tuirean und Ginessa ihren Kindern mit jenem kalten Heim nur angetan... und WARUM war Owyn zu bereitwillig gefügig sich in Zukunft auch so einen eisernen Turm zu erschaffen?

Ja, er war anders als ihr Onkel, aber eiferte er dafür seinem herzlosen, berechnenden Vater nach? Es sollte lange dauern bis ihre Wut von einer besonderen Woge gelöscht oder besser von einem zärtlichen Windhauch abgelenkt wurde... in all dem Durcheinander, in dem aufkeimenden Kampf um jene Rubine, dem Zwiespalt in der Familie und weiteren Eskapaden blieb ihr stetig ein fester Stützpfeiler, der sie in seinen Bann zog...

Verfasst: Mittwoch 28. Juni 2006, 11:15
von Owyn Llastobhar
Mit seichten Schritten folgte er dem Weg in Richtung Bajard, auch wenn es ihm eigentlich nicht wirklich bewusst war, wieso er das tat. Seine Gedankengänge waren bei einer ganz anderen Sache, als solch belanglose Überlegungen. Die Worte Una’s geisterten immer noch in seinem Gedächtnis umher. „Hab ich mich wirklich so sehr in dir getäuscht? Du bist _ihm_ doch ähnlicher als ich gedacht habe. Hast du überhaupt eine eigene Meinung oder vertrittst du nur die Tuireans?“ Aber daran gab es doch nichts verkehrtes, oder? Die Lippen des jungen Magiers pressten sich zu einer dünnen Linie worauf auch noch das letzte bisschen Farbe aus jenen wich. Sie hatte die Erziehung seines Vaters in Frage gestellt, ja gar seine ganze Kindheit, wenn man es so sah. Natürlich war Tuirean immer recht streng und herrisch ihnen gegenüber gewesen, doch tat er dies nur, weil er das Beste für seine Kinder wollte. Es war doch so. Es musste so sein. Oder? Und da waren sie wieder, jene Zweifel, die er schon am Abend in Varuna verspürte, als er die Taverne nach dem Streitgespräch mit Una verließ. Natürlich hatten sie des Öfteren Prügel ertragen müssen, doch waren diese gerechtfertigt, da sich die Brüder ja etwas zu schulden kommen gelassen haben. Strafe muss doch sein, sonst herrscht keine Disziplin und….ja…die brauch man auch im Leben, denn an einer Akademie musste man sich auch zu benehmen wissen. Es war doch so? Sein Vater hatte ihn nur auf sein bevorstehendes Leben vorbereiten wollen, ja, so musste es sein!

Als er seinen Kopf in der Abenddämmerung leicht emporhob bemerkte Owyn, dass er sich bereits schon mitten in Bajard befand, ganz in der nähe der örtlichen Taverne. Die kühlen Züge wurden noch ein wenig mehr überschattet, als er dort draußen an einem Tisch Una sitzen saß. Ohne große Aufmerksamkeit zu erregen, verschwand er in der Schenke, dabei sogar Tara ignorierend. Nach einer kurzen Zeit, wurde er trotz Verwunderung, von einem Gast dieser Örtlichkeit zu einem Bier eingeladen, was sich jedoch als großer Fehler herausstellte. Immerhin war es der junge Llastobhar nicht gewohnt Alkohol zu trinken und so kam es wie es kommen musste. Er übernahm sich völlig und trank dabei wohl einen über den Durst. Vielleicht kam es ihm ganz recht, denn so konnte er zumindest für einen Moment diese ganzen wirren Gedanken vergessen und auch sein Gemütszustand verbesserte sich rapide. Die sonst so kühle Art war wie verflogen und er unterhielt sich fast offen mit seinem ‚Gastgeber’.

Schon beim hinabgleiten von dem Hocker war ihm klar, dass sich der Weg zur Türe nicht als einfach erweisen würde. Sehr bedächtig und leicht wankend stolperte er auf diese hinzu, bemerkte erst nach einigen Momenten, dass man an jener ziehen und nicht drücken müsste und versuchte wohlgemerkt die wenigen Treppen hinabzusteigen, was ihm natürlich aufgrund seines Zustandes nicht gelang. Ein dumpfes Geräusch entstand, als Owyn ins Gras purzelte, wobei das ganze noch von einem leisen grummeln und fluchen unterstützt wurde. In seinem Suff nahm er zunächst nur war, dass Tara ihm leise seufzend zur Hilfe eilte, doch war sie nicht die einzige die ihm aufhelfen wollte. Als er den Kopf ein wenig zur Seite drehte, bemerkte er auch Una die ihm half und vollkommen ausser sich darüber, versuchte Owyn sich loszureissen was nicht unbestraft blieb. Die beiden Damen kamen ins wanken und das ganze Unglück endete, indem er wieder auf den Boden plumpste und die beiden regelrecht hinterher zog. Una jedoch erntete das Pech, direkt auf ihn zu fallen um in allem Überfluss bei dem Versuch aufzustehen, ihren kleinen knochigen Ellebogen in seine Brust zu jagen, was für ihn das Fass zum überlaufen brachte. „Erst gestern kommst du mir mit deinen dummen Sprüchen, und heute schlägst du mich auch noch?“ lallte er vor sich hin, dabei völlig verdrängt, dass sie ihm eigentlich helfen wollte. Una meinte darauf nur resignierend das er nicht eine solche Szenerie an den Tag legen sollte, was den jungen Mann fast zum platzen brachte. Mittlerweile war auch Cathal hinzugekommen, der genauso wie Tara nicht wirklich wusste, was überhaupt der Anlass des gesamten Geschehens war.

Völlig aus dem Zusammenhang gerissen erklang ein„Wag es nich’ mehr..sowas über meine Familie zusagen…“ und darauf wankte er auf die Dunkelheit hinzu.

Aus den Augenwinkeln konnte er Cathal erkennen, ebenso die dunklen Umrisse eines Gasthofzimmers. Viele Gedanken waren ihm nicht mehr möglich, doch trotz der Trunkenheit wunderte er sich über seinen Aufenthaltsort, sowie über ausgerechnet Cathal, der ihn wohl dort hingebracht haben musste. Ein leises ‚Danke’ entfloh leise seiner Kehle, ebenso ein murmelndes ‚Familie’ ehe er vollkommen das Bewusstsein verlor und einschlief…..

Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2006, 11:12
von Tara Llastobhar-Naweya
Endlich sitzen. Sie schloss ihre langen schmalen Finger um den kühlen Steinkrug in dem eine rötliche Flüssigkeit schimmerte. Der Tag war kräftezehrend, aufregend und erschreckend gewesen.

Diese Sache mit den Rubinen, hörte sich äußerst erschreckend an. Una hatte ihr kurz davon erzählt, als sie gemeinsam im qualmenden Varuna gen dem Platz eilten, wo sich dieses düstere Steinportal befand.
Dunkle Kreaturen krochen dort heraus und in dem heillosen Chaos und Gemetzel das dort entstand, tat sie sich schwer gleichzeitig ihre Verwandten im Blick zu behalten und sich selbst aus diversen Schlagreichweiten zu halten. Erst hier merkte sie erschrocken, wie wehrlos sie eigentlich war. Nun, sie hatte sich auch nie zuvor gegen solche Ungeheuer stellen müssen. Vielleicht hatte Cathal ja doch recht mit dem körperlichen Training...

Und dann diese Besprechung im Schloss mit den Magiern und den Elfen... Die Elfen... ihre Stimmen sangen wenn sie sprachen... und sie sahen alle so verdammt gut aus... Und dann war da noch diese eine Elfe gewesen. Anders als alle anderen. Eine so enorme Macht ausstrahlend, dass es sogar Tara spürte. Sie schien die Anwesenden auf die Probe stellen zu wollen. Diese so real scheinende Illusion.
Tara grübelte verzweifelt wie diese Elfe das wohl angestellt hatte. Wie lang das wohl dauerte, bis man so etwas beherrschte? Die Diskussion war allgemein recht verwirrend und sie war sich am Schluss nicht so sicher, welcher sinnvollen Entschluss nun getroffen wurde. Sie wollten doch wohl nicht ernsthaft durch das Portal?

Nach der Sitzung musste ihre Nichte noch zu einem Treffen in Bajard. Kurzerhand beschloss Tara diese zu begleiten. Momentan ließ sie Una ungern allein.
Hier saß sie nun zusammen mit dem kleinen weißhaarigen Mädchen und einem Mann, der über die seltsamen Fähigkeiten seines Schützlings berichtete. Sie hörte nur mit einem Ohr hin und sann über die Ereignisse dieses Tages nach.

Dann hörte sie ein Geräusch hinter sich, als es einen weißhaarigen jungen Mann der Länge nach ins Gras schlug. Ein kurzer Blick über die Schulter genügte.
Wieso hörte eigentlich niemand auf ihre Ratschläge? Kurz zuvor war sie noch in der Taverne gewesen um Wein zu holen, als sie Owyn am Tresen entdeckte. Sie hätte ihn ja mit hinausgebeten, aber an ihrem Tisch führte Una immer noch das Gespräch über ihre Akademie. Ein wenig erstaunt über sein Getränk mahnte sie ihn, es nicht zu übertreiben. Er kam ihr nicht wirklich vor wie ein fester Trinker.

Nun, sie schien recht behalten und er nicht auf sie gehört zu haben...

Mit einem innerlichen Aufseufzer machte sie sich daran mit Unas Hilfe Owyn wieder auf die Beine zu bringen, was leider nicht so gelang, als Owyn Una erblickte...

Am Boden liegend fragte sich Tara wieso eigentlich die ganze Zeit schon ein so gespanntes Verhältnis zwischen den beiden waren. Owyn war sicherlich nicht einfach. Mit Sorcha schien er sich nur Wortgefechte zu liefern, sobald er sie sah. Ihm war eine Kriegerin wohl einfach nicht geheuer.... Aber wieso mit Una? Und wieso schien diese ebenso auf Konfrontation aus?

Sie beschloss diesen Zustand bei Gelegenheit anzusprechen. So konnte das jedenfalls nicht bleiben. Sie fand es jedes Mal entsetzlich, wenn ihre Familie sich stritt. Und besonders nahe ging ihr das bei ihrer Nichte.
Wenigstens sie sollte glücklich sein...

Sie war erleichtert, als Cathal auftauchte und den beiden Frauen Owyn abnahm und versprach diesen heil in die Bauhütte zu bringen. An seinem fragendem Blicke erkannte sie, dass auch er genauso ratlos war wie sie. Es tat ihr leid, dass ihm keine Antwort auf seine unausgesprochene Frage geben konnte.

Kurz darauf verabschiedeten sich alle und nachdem sie einem ehemaligen Schüler Tirells den Weg zur Academia gewiesen hatte, machte sich auch endlich Tara auf dem Heimweg. In der Bauhütte war niemand. Dann hatte Cathal Owyn wohl nach Varuna gebracht. Ob das das schlauste war, bei dem was momentan dort los war? Ein wenig unruhig kuschelte sie sich in ihre Bettrolle.
Noch einige Zeit lang hingen ihre Gedanken bei Una, Owyn und dem Rest der Familie, bis sie schließlich hinüberglitten in ein Reich der Träume und zu einem Gesicht, dass ihr immer noch näher war als alles andere.

Verfasst: Freitag 7. Juli 2006, 08:58
von Owyn Llastobhar
In den folgenden Tagen wirkte das Verhalten Owyns, als würde er vollkommen neben sich stehen. Leere, emotionslose und völlig desinteressierte Blicke wanderten durch die Landschaft und ein tonloser Gruß war so ziemlich das einzigste, was man im hätte entlocken können. Zu sehr war er dafür in seinen Gedanken beschäftigt, wäre sein Kopf durchsichtig, hätte man die dortige Schwerstarbeit sicherlich gesehen. Jetzt jedoch war wieder mal seine vollste Konzentration gefragt, denn die zweite Stunde an der Academia Arcana wurde von Veneficia Erishel gehalten. Es gelang ihm auch die Überlegungen über die Familie und seinem Vater kurze Zeit zu vergessen, um sich vollstens auf den Unterricht zu konzentrieren, doch mit nur einem Schlag wurde dies zunichte gemacht.

Erishel brachte durch eine harmlose Anspielung auf die Eltern der Unterrichtsteilnehmer den jungen Llastobhar nahezu zum überkochen. Nur die Disziplin, welche ihm über die Jahre hinweg immer wieder eingetrichtert wurde – auch mit Schlägen – verhinderte, dass er mit einem unpassenden Kommentar darauf erwiderte. Vielmehr pressten sich die sowieso schon blassen Lippen aufeinander, welche kurz darauf fast vollkommen Blutleer wirkten.

Eltern – streng – Disziplin ……..Immer wieder rasten ihm diese Begriffe durch den Kopf.

Nach der Stunde, jene jedoch nicht ganz zu Ende geführt werden konnte, verließ Owyn das Akademiegelände und begab sich ins nächtliche Varuna. Er wusste nicht was er momentan zwingender brauchte, den Schlaf oder die Ablenkung, was jedoch durch seinen inneren Zwist entschieden wurde. Wer konnte schon an schlaf denken, wenn die gesamte Weltanschauung, sowie sämtliche Ideale in Frage gestellt wurden. Behutsam wurde ein lederndes Buch hervorgezogen, ehe er zu lesen begann…..

Am nächsten Abend brach er langsam in Richtung Stadteingang Varunas auf, da die Familie mal wieder eine gemeinsame Jagd geplant hatte. Eigentlich hätte er die Teilnahme aufgrund seiner sicher nicht allzu großen Hilfe abgelehnt, doch aus irgendeinem Grund war ihm dies momentan egal, sowie eigentlich alles andere auch. Natürlich kam er zu spät und selbst dem bissigen Kommentar von Sorcha, erwiderte er nichts. Sein Gesicht hellte sich lediglich einige Nuancen auf, als er seinen Bruder in den Reihen sah, was ihm jedoch auch nicht zu Romanerzählungen verhalf. Die Insel Lameriast war das Ziel…

Wie nicht anders zu erwarten erwies sich die Jagd als extrem schwierig für den ungeübten und untrainierten Owyn, so es nur eine Frage der Zeit war bis er von einem der Kreaturen niedergeschlagen wurde. Seltsamerweise kümmerte sich Sorcha, jene die ihn ebenso zu hassen schien wer er sie, um ihn und achtete darauf, dass ihm nichts geschah während er Erholung suchte um wieder bei Sinnen zu kommen. Als die Augenlider leicht geöffnet wurden erblickte er jene Situation, welche seine Verwirrung noch weiter schürte. Doch viel dachte er darüber nicht nach, denn jetzt galt es erst einmal diese Höhlen zu verlassen, was er wohl ohne die stützende Hilfe seines Bruders Leith nicht geschafft hätte.

Wieder in Bajard angekommen zerstreute die gesamte Familie in alle vier Himmelsrichtungen, während Owyn gen Stadtausgang steuerte. Einen kurzen Moment hielt er inne und war wohl mit seinen Gedanken abwesend, denn er bemerkte gar nicht wie Una plötzlich vor ihm stand. Seiner Ansicht nach wirkte sie in seinen Augen etwas verstört und peinlich berührt, doch da begann sie schon zu sprechen.

„Ich soll dir von Sorcha etwas ausrichten“ eine kurze Pause entstand. „Es tut ihr Leid, und m..mir tut es auch Leid“

Owyn war baff, schlichtweg überrumpelt. Er wandte sich um und ging einige Schritte ehe der halt an einem Baum gesucht wurde. „Wenn du willst, komm doch noch zur Taverne hier, wir sind alle da“ jene Worte vernahm er noch aus der Kehle Unas die sich dann allmählich auf den Weg machte. Wieso wurde es ihm so schwer gemacht? Die nach der Aussage seines Vaters, unwürdigen und unnütze Familie kümmerte…..ja sie kümmerte sich regelrecht um ihn. Erst Cathal, der ihn vor einigen Tagen in seinem Vollrausch in einem Gasthaus unterbrachte und heute Sorcha, die Wache an dem Platze hielt, an dem er niedergeschlagen wurde. Mit einem unangenehmen Gefühl ging er auf die draußen stehenden Tische der Taverne hinzu, an einem von diesem sich ein Großteil der Familie versammelt hatte. Nach einer Einladung Cathals ließ er sich auch neben Viljo nieder. Owyn hätte sich bestimmt sicherer gefühlt, wäre auch Leith da gewesen, aber dem war nun mal nicht so.

Die anherrschende Schweigsamkeit unterbrechend, hob Tara den Becher mit den Worten „Auf die Familie“ an und munterte den Rest zum zuprosten auf. Una tat dem gleich und nur kurze Zeit später lagen die Blicke auf ihm selbst. Der junge Magier fühlte sich nun sichtbar in die Enge getrieben, öffnete leicht die Lippen und…“Auf….auf die…Fa….“

Es war zu viel für ihn. Überstürzt murmelte er etwas von Büchern und lesen sowie Arbeit, erhob sich und stapfte schnell gen Stadtausgang. Die Freundlichkeit Una’s, die ihm noch ein „Gute Nacht Owyn“ hinterher warf gab ihm den Rest. Was sollte er nur tun…

Tuirean….Vater…..hattest du unrecht? Nein…das…das kann nicht sein…

Verfasst: Freitag 7. Juli 2006, 17:07
von Una Llastobhar
Wieder einmal war es die splittrige Holzdecke, welche ihre bohrenden, schlaflosen Blicke auffing und sich offenbar rächte, indem sie die altbekannte, geschickte Illusion nutzte um dem Mädchen vorzugaukeln, dass sie sich langsam herabsenkte. Dieses stumme Duell – Mensch gegen Deckenbalken – verlor Una und mit einem Ruck setzte sie sich auf, warf einen prüfenden Blick zum selig schlummernden Zwilling auf der Pritsche gegenüber um sich dann still und heimlich zum Schrank zu schleichen. Ohne ein Geräusch fiel das seidige, recht püppchenhafte Schlafgewand zu Boden und das Mondlicht hüllte ihren eh schon bleichen, blassen, nackten Körper für wenige Momente in gespenstisches, blauweißes Licht… dann war sie mit hastiger Geste in die dunkle, praktische Hose gestiegen und knüpfte die schmale, purpurschwarze Weste mit flinken Fingern zu. Die Stiefel wurden im Vorbeihasten gegriffen und erst als die Türe geräuschlos ins Schloss klickte, wagte sie jene anzuziehen. Viljo sollte nicht aufwachen, er sollte schlummern und seine verdiente Ruhe genießen. Leise aufatmend lehnte sie den Rücken und den Kopf nochmals an die Türe und lauschte mit geschlossenen Augen ihrem Bruder nach. Obwohl es nicht recht möglich war ohne das überragende Gehör eines Elfen die Atemzüge Viljos noch durch das Holz hindurch zu hören, doch spürte sie seine ausgeglichene Ruhe ungleich empathischer. In ihrem Falle war die Kutschfahrt gen Land der Träume verpasst und sie konnte sich mit hämmernden Gedanken stattdessen begnügen. Sehnsüchte drohten sie zu überfluten und Sorgen würgten an ihrer Kehle mit unbarmherzigem Druck.

Überwältigt stieß sie sich von der Türe ab und beschloss diesem düsteren Strudel im wahrsten Sinne zu entfliehen. Leise trippelte sie die Stiege herab in den Schankraum. Die leise klackenden Absätze ihrer Stiefel brachten das einzige Geräusch im Raume hervor, denn sogar Stephen hatte längst seinen angestammten Platz hinter der Theke verlassen um sich zur Ruhe zu begeben. Sie hatte nicht die Zeit das malerisch, mystische Bild des in graublaues Licht getauchten Tavernenraumes in sich aufzunehmen, sondern hastete auf den Spitzen ihrer kleinen Füße hinaus in die Arme der Nacht.

Irgendwann hatten sich ihre Beine wohl selbständig den Pfad ausgesucht und selber tief in Grüblereien versunken bemerkte sie erst sehr spät, dass es einmal wieder die Küste war, die sie beinahe magisch angezogen hatte. Selbst jetzt in der warmen Sommerzeit herrschte hier die brausende Kühle des Meeres. Die Luft schmeckte nach Salz und der Wind stürzte sich mit bizarrer Begeisterung auf die kleine Gestalt um neckend an ihrem langen Haar zu zerren und es zu durchwuscheln, wie eine große Hand.
Warum wieder das Meer… warum wieder die Sehnsucht, der Blick über das endlose schwarzblaue Gewässer ins Nichts, als könne man dort irgendwo etwas in der Ferne erspähen.
Was denn?
Heimat? Tiaresh? Ihre Familie? War es soweit denn nun doch schon gekommen, dass sie sich nach der schützenden Gestalt ihres Vaters und den Rockzipfel ihrer Tante sehnte? Sie war hier doch auch nicht alleine. Im Gegenteil! „Auf die Familie!“

Trotz des beißenden Windes weiteten sich ihre Augen, als mit einem Schwung eine ihrer Sorgen geradezu bildlich vor ihr prangte. Ein blasses, von Zynismus geprägtes Gesicht. Schöne, anmutige Züge… ein Abbild des Wesens, welches noch immer ihre dunkelsten Nächte hervorrief und ihr nicht die Möglichkeit zur Gegenwehr ließ. Er sah ihm so verdammt ähnlich und doch war er anders, war Owyn, nicht das Monster ihrer Kinderzeit.

…und sie war unter anderem Schuld daran, dass sie nun beide über unebenen Boden stolperten und sich verloren im Nebel umsahen, der Pfad unklar, einander nahe und doch alleine.
Aberwitzigerweise fragte sie sich plötzlich ob auch Owyn sich gerade nach seiner Heimat sehnte…

Verfasst: Montag 10. Juli 2006, 09:19
von Owyn Llastobhar
„Guten Abend Owyn“, ertönte eine nur allzu bekannte Stimme in seinem Rücken, welche ihn aus seinen Gedanken entriss und herumfahren ließ. Verdammt, es kam in letzter Zeit oftmals vor, dass er einfach so mit fern liegenden Gedanken mitten auf dem Weg stand und um sich herum nichts mehr mitbekam. Ein wenig aus der Fassung gebracht musste er Sorcha mit einem äußerst ungewohnten, neutralen Blick belegen dieser jedoch nach einer kurzen Weile, ins altbekannte abweisende und distanzierte überging.

„Una hat mir etwas von dir ausgerichtet, aber wieso entschuldigst du dich?“ kam der junge Llastobhar direkt darauf zu sprechen, wohl ernsthaft ein wenig über diese mitgeteilte Aussage verwundert.

„Das sollte sie auch. Owyn, wir haben unsere Differenzen, und werden sie wohl auch immer haben, doch am Ende sind wir eine Familie. Ich weiß, dass du abfällig über mich denkst und ich dir nichts wert bin, da die Gabe nicht in meinem Besitz ist, da ich nichtmagisch bin. Denk was du willst, jedoch sollst du wissen, dass du mir trotzdem wichtig bist da du Teil dieser Familie bist. Vielleicht wichtiger als so einige andere hier. Denk darüber nach, wenn du das nächste Mal am Boden liegst und ich neben dir stehe um über dich zu wachen.“

Jene Ansprache aus dem Mund von Sorcha ließ ihm ein weiteres mal zu denken geben. Auch seine trockenen und teils sogar abfälligen Bemerkungen die er zwischendrin einwarf konnten diese Gedankenzüge nicht unterbinden. Trotz seiner immer währenden Beleidigungen und zynischen Kommentare, hatte die Kriegerin gerade eine Entschuldigung abgegeben und ihm offenkundig mitgeteilt, dass sie ihn als Teil der Familie achtete und mochte. Etwas entgegen zu setzen war ihm nicht mehr möglich, da sie schon längst an ihm vorbeigegangen war, ihn allein gelassen hatte mit seinen Zweifeln, seinen Fragen, seinen Gedankengängen.

Leise seufzend strich der junge Llastobhar eine schneeweiße Strähne aus seinem Gesicht und begab sich auf dem Weg zum südlichen Ausgang Varunas, was jedoch schon recht bald, in der nähe einer alten Eiche mit einem abrupten stoppen vereitelt wurde. Er war zwar des Öfteren ein wenig zerstreut, aber seine Wahrnehmung funktionierte einwandfrei und so drehte er seinen Körper in Richtung der kleinen, von kindlicher Statur wirkenden Person, die soeben in seinen Augenwinkeln aufgetaucht war und mit geschlossenen Augen und gesenktem Blick am Baumstamm lehnend dort stand. Una bemerkte ihn jedoch erst nach kurzer Zeit und ein wenig peinlich berührt stammelte sie einige leise Worte. „Oh, Owyn..ich wollte euch…also ich wollte dich und Sorcha nicht belauschen, nur….ach ich dachte ihr wolltet wieder streiten und da….“ Sie brach jedoch ab und war ihre Blicke wieder zu Boden auf die Stiefelspitzen.

„Schon gut, bleibt ja….in der Familie“

Im nach hinein wusste Owyn nicht mehr im Geringsten wie er zu jener Aussage kam. War er wieder Gedanken abwesend? Kam es aus seinem inneren und wollte er es nur nicht wahrhaben? Weiter kam er nicht, denn vor ihm bot sich ein bis jetzt unvernommenes lächeln der jungen Una auf deren Zügen dar und sie hob ihre Arme leicht an, als wolle sie ihm um den Hals fallen. Doch dazu kam es nicht, vielleicht auch zu seinem Glück, da er damit sicher nicht hätte umgehen können.

„Na ihr beiden?“…

Leith! Er atmete lautlos, einmal kurz erleichtert auf. Oh vielen dank Bruderherz ……

Verfasst: Montag 10. Juli 2006, 22:02
von Tara Llastobhar-Naweya
Sie war am Abend noch kurz in der Taverne gewesen, um Abend zu essen. Erstaunt hatte sie Una, Owyn und Leith dort zusammen an einem Tisch sitzen sehen. Scheinbar schienen Owyn und Una sich immerhin wieder soweit zu vertragen.
Gut gelaunt hatte sie nach dem Gesprächsthema gefragt und wurde kurz darauf wieder etwas skeptischer als sie es erfuhr.. Mussten sie Una wirklich mit -solchen- Themen konfrontieren? Ja, ihre Nichte konnte sehr erwachsen sein, aber manchmal war sie einfach noch so naiv wie das vierzehnjährige Mädchen nach dem sie aussah. Hatten die beiden Brüder eigentlich keinen andern Gesprächsstoff, wenn sie zusammentrafen? Am liebsten hätte sie die beiden jungen Männer gehörig gerügt. Aber als ob die sich so etwas gefallen lassen würden. So begnügte sie sich mit einigen bohrenden Blicken gen dieser und halbwegs ablenkenden Worten gen Una.
Wenigsten lenkte sich das Thema schließlich schnell auf andere Dinge und so kam noch ein halbwegs angenehmes Gespräch zustande, ehe sich alle recht bald verabschiedeten. Auch Tara machte sich auf ihren dunklen Heimweg, die Gedanken erst noch ein wenig auf das anstehende Familienessen gerichtet. Das würde wohl durchaus interessant werden.

Aus einer Laune heraus zog sie ihre Harfe hervor und begann ihr eine liebliche Melodie zu entlocken. Doch vielleicht aus reiner Gewohnheit heraus wandelte sich diese bald in schöne aber melancholische Töne...

Die düsterblauen Augen wandten sich zu dem gleichfarbenen Nachthimmel. Kleine glitzernde Punkte verteilten sich unregelmäßig über das schwarze Blau.
Ferne Lichter. Einen unerkennbaren Weg weisend.
Dann von irgendwoher eine aufblitzende Erinnerung. Erneut aufkeimende Traurigkeit. Die so schwer erarbeitete Fröhlichkeit überschattend.

Hingeben?
Doch würde er wollen, dass sie in ewiger Trauer verginge? Würde sie das nicht irgendwann zerstören? Wollte sie selbst auf ewig traurig sein?
Ankämpfen?
So schwer, wenn die Erinnerungen sie übermannten. Hatte sie so viel Kraft? Es kam ihr nicht so vor, wenn sie des Nachts wachlag und wünschte bei ihm zu sein, ihm gefolgt zu sein...
Erinnern?
So schmerzvoll. Nicht möglich, ohne sich nach dem Verlorenen zu verzehren. Würde sie sich je an ihn erinnern können, mit nichts als einem Lächeln auf den Lippen?
Vergessen?
Wie könnte sie das jemals?... Loslassen?...nein...

Wenn der Weg doch nur klar und offen vor einem läge.


Aber das tat er natürlich nicht. Sie schien irgendwie fest zuhängen in einem ewigen Auf und Ab: Wenn sie mit ihrer –neuen- Familie zusammen war und versuchte bei Streitigkeiten zu vermitteln,
wenn sie mit Una herumalberte, wenn sie in der Akademie saß und das Wissen in sich aufsog, dann dachte sie wenig an ihn. Zeitweise war sie dann sogar richtig zufrieden. Doch irgendwo in einer schmerzhaften Ecke ihres Fühlens und Denkens war der Schmerz immer präsent. Und wenn sie dann allein war, kroch dieser hervor und die Erinnerungen überschwemmten sie. Und es schien nicht, dass dies sich jemals ändern würde. Auch fragte sie sich, ob sie das überhaupt wollte... Denn würde sie ihm dann nicht untreu?
Ihre Gedanken glitten zu dem Grund, weshalb sie überhaupt hierher gekommen war. Hatte sie nicht auch irgendwo genau dies gehofft...diese Erinnerungen überwinden zu können?
Immerhin hatte sie hier so viel gefunden... mehr als sie je erwartet hätte. Ihre Familie. Auch wenn es Streitigkeiten gab, sie war sich sicher, dass dies nichts unbewältigbares war. Sollte ihr das alles nicht den nötigen Halt geben? Doch fühlte es sich nicht so an.

Wieder schwangen ihre Erinnerungen zurück zu jenem schmerzhaften Tag. Wie so oft, schrien ihre Gedanken ein -warum- in den dunkel funkelnden Himmel. Und wieder richteten sich ihre Gedanken auf diese eine Person. War er wirklich Schuld? Hatte er...? Sie wollte diesen Gedanken nie zuende denken. Und doch hatte sie es im Laufe der Zeit sooft getan. Und das, was Una über ihn erzählte... es schien noch mehr darauf hinzudeuten... Aber hatte sie sich wirklich all die Jahre so in ihm geirrt? Wenn nicht, wieso hatte er sich nie wieder gemeldet? Und wenn doch... Ihre Augen verdunkelten sich noch mehr. Nein, sie musste erst herausfinden wie es wirklich war, wie es sich zugetragen hatte.
Dazu musste sie ihn finden. Aber wie? Und was würde dann passiern? Und wenn das alles durchgestanden war, würde ihr Herz dann Ruhe finden?

Wenn es doch nur so wäre...

Familie?!

Verfasst: Donnerstag 20. Juli 2006, 05:14
von Tara Llastobhar-Naweya
Sie hatte sich eigentlich darauf gefreut. Die Hochzeit des Grafen. Endlich ein Grund für fröhliche Gesichter. Neue Leute. Schicke Kleider.
Doch mal wieder lief alles anders.

Sie hatten sich vor der Kirche getroffen: Cathal, Owyn, Leith und sie. Una schien es noch nicht gut genug zu gehen. Leith tauchte in den üblichen abgewetzten Kleidern wie immer auf.
Wollte er Cathal oder die Familie blamiern?
Zum Glück konnte Cathal aushelfen. Die Trauung verlief bis auf ein wenig Unruhe durch einen Zwerg recht gut.
Dann das Festessen. Owyn und Tara bekamen einen Platz neben den Elfen zugewiesen. Leith an einer anderen Tafel. Von Cathal war nichts zu sehen.
Ein wenig unwohl fühlte sie sich neben den Elfen. Sprachen sie doch in einer zwar schön klingenden doch für sie fremden Sprache und schienen keinen zu beachtenausser sich selbst.
Bald flüsterte Owyn ihr etwas von „gehen“ zu, stand auf und marschierte quer durch den Saal um sich neben Leith niederzulassen und dort den Rest des Abends zu bleiben.

Tara blickte ihm verdattert hinterher. Er konnte doch nicht so einfach die Sitzordnung missachten... und vor allem: sie allein bei den Elfen sitzen lassen.
Sie blickte sich um. Kein einziges bekanntes Gesicht. Ein dumpfes Gefühl im Magen keimte auf. Sie schluckte und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Am liebsten wäre sie gegangen oder hätte sich zu den beiden Brüdern gesetzt, aber sie brachte einfach nicht den Mut auf. Das war doch nicht angemessen, oder? Verkrampft saß sie da und starrte verloren auf ihren Teller, als sie bemerkte, dass die Elfen wohl über sie sprachen – in ihrer fremden Sprache. Unmut keimte in ihr auf. Das war ja nun wohl absolut unhöflich. Ein freundliches aber bestimmtes „Ja?“ schickte sie gen der Elfin, die ihr gegenüber saß. Diese hatte sich wohl über Taras blaue Haare gewundert.

Mit dieser Elfe, Laurelin, entstand ein Gespräch über Haarfarben, Flüche und Benehmen, das sich ein wenig stockend zwar fast über das ganze Festmahl hinzog, aber dennoch Tara nichts von ihrem unwohlen Gefühl nehmen konnte. Ab und an blickte sie sehnsüchtig zu den beiden Brüdern hinüber die sich wohl äußerst gut zu unterhalten schienen. Unmut keimte wieder auf. Eigentlich war es eine ziemliche Unverschämtheit. Vielleicht hatten Sorcha und Una doch recht: Turieanns Söhne schienen nicht wirklich wohlerzogen zu sein oder Rücksicht auf ihr Mitmenschen zu nehmen.

Es schien ihr wie eine Ewigkeit, bis sich endlich alle erhoben und nach draussen gingen. Endlich ein geeigneter Zeitpunkt um zu verschwinden. Tara war schon längst nicht mehr in der Stimmung um zu feiern.
Zügig schritt sie gen Ausgang und kam dabei an Owyn und Leith vorbei. Sie sah zu ihnen hinüber, doch beide schienen sie gekonnt zu ignorieren. Rasch weiter. Jetzt zusammenreißen.
Dann am Tor Cathal und Raphael. Kurz blieb sie stehn und verabschiedete sich. Cathal schien gerade mit einer Liste beschäftigt und Tara überhaupt nicht wahrzunehmen. Zwar war es wohl nicht wirklich seine Schuld, dennoch war das genug für sie. Schnell hastete sie weiter, ehe er aufblicken konnte. Tara merkte, wie es ihr die Luft abschnürte. Was war nur los? Wieso regte sie sich so auf? Sie hatten wohl nunmal besseres zu tun...

Dann traf die Erkenntnis sie wie ein Schlag.
Sie war wohl zu blind gewesen, vor Freude wieder eine Familie gefunden zu haben. Sie hatte es verdrängt. Genug andere Probleme gehabt um darüber nachzudenken.

Sie gehörte einfach nicht richtig dazu.

Sie sah die Gesichter vor sich. All die feinen, blassen, zierlichen Gesichter. Umrahmt von weißen oder fast-weißen Haaren. Die fast alle schlanken, schmalen oder schmächtigen Gestalten.

Schon das Aussehen schien es zu verraten.

Sie selbst trug nunmal nicht Caradawcs Blut in sich... das konnte doch nicht etwa der Grund sein? Immerhin hörte sie Eions Seite der Familie nur schlecht über diesen reden. Aber dennoch...

Sie schienen sie einfach nicht wirklich wahrzunehmen.


Erinnerung:
Der Abend an dem die Familie fröhlich dem Wein fröhnte und sie selbst ihren traurigen Gedanken nachhing... Damals war sie froh gewesen, sich ohne jegliche Fragen davonmachen zu können. Aber jetzt, als sie darüber nachdachte... Nur Una hatte später nachgefragt was mit ihr war.
Bei der letzten Familienjagd. Aus einer Bewusstlosigkeit hob sie den Kopf... und sah alle um den am Boden liegenden Owyn herumstehen. War sie zu benebelt gewesen, um es zu deuten?
Eines Abends in der Taverne. Sie tauchte auf, und kurz darauf hatten sich alle verabschiedet. Sie hatte sich nichts dabei gedacht.
Weitere solcher Vorfälle drängten sich ihr auf und ein Schwindelgefühl stieg in ihr empor.

Owyn... er schien immer kühl und eigentlich fand sie seinen düsteren Humor amüsant. Doch wann hatte er schon je Interesse für sie gezeigt, abgesehen davon,um wie viel schneller sie die Hausaufabe fertig hatte, als er?
Sorcha... sie sah sie selten. Hatten sie eigentlich je schon ein richtiges Gespräch geführt?
Alleen... war nicht zu sehen in letzter Zeit. Doch wenn sie anwesend war, schien sie immer sehr auf Cathal fixiert.
Leith... er schien eigentlich immer durch sie hindurch zu sehen.
Cathal...hatte einfach immer so viel zu tun, seinem Ritter hinterher zu rennen.
Viljo... er hatte sie eigentlich noch nie wirklich beachtet... Hatten sie je mehr als fünf Sätze gewechselt?
Una... ja, Una war die einzige die ernstes Interesse an ihr zeigte. Doch auch sie war vielbeschäftigt. Und war das nicht ein Interesse, das sie beinahe jedem gegenüber brachte? Oder tat sie ihr da Unrecht?

Aufgewühlt eilte sie gen Taverne. Erstmal beruhigen. Sie bestellte bei Rosalind den stärksten Schnaps den sie hatte. Dann noch einen.. und noch einen...

An den Rest erinnerte sie sich nur düster.
Herumirren durch Varuna... in einen Spiegel starren... Blaue Haare, dunkle Augen, gerötete Wangen... Wäre es anders, wenn sie so aussähe wie die andern? Der Barbier hatte schon zu.
Die Taverne... ein neues Gesicht...jemand hörte zu... Verständnis. Mehr Schnaps...
Zwei weiße Haarschöpfe... ein winziger Blick... weg... ein erneutes Beispiel...ein verstehender Blick...
Mehr Schnaps...

Dann ein im Mondlicht spiegelnder Teich. Düsterblaue Augen, blaue Haare, rosige Wangen... so sah keine Llastobhar aus. Sie trug diesen Namen den Eion ihr gegeben hatte zu Unrecht.
Es war alles nur ein Traumgebilde gewesen. Eine Hoffnung auf etwas Neues. Ein Kartenhaus. Und nun.... stürzte es zusammen.
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Ein Zettel in der Bauhütte. Darauf in leicht zittriger, aber sonst sauberer Schrift.

Ich werde für eine Weile abwesend sein. Habe einiges zu Denken und zu Tun.
Macht euch keine Sorgen.

Tara Naweya

Verfasst: Donnerstag 20. Juli 2006, 09:54
von Owyn Llastobhar
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