[Q] Blick hinter das Wesen der Dinge
Verfasst: Freitag 9. August 2019, 23:50
Ich warte in der Dunkelheit
ich glühe in der Nacht.
Das was ich habe, ist die Zeit
von Schwärze gut bewacht.
Wenn einst das Licht mich füllt,
dann ist der Tag gekommen
an dem man mich enthüllt,
ich bin zu dir gekommen.
Dein, will ich sein
und du bist mein!
ich glühe in der Nacht.
Das was ich habe, ist die Zeit
von Schwärze gut bewacht.
Wenn einst das Licht mich füllt,
dann ist der Tag gekommen
an dem man mich enthüllt,
ich bin zu dir gekommen.
Dein, will ich sein
und du bist mein!
Wild und ungezähmt loderte das Feuer in den Bernsteinaugen.
Es sprach von Freiheit, von ungebrochenem Willen, von Stärke und dem berauschenden Gefühl eins mit einem mächtigen, tosenden Sturm zu sein. Tiefe Intelligenz und ruhiges Nachsinnen verbargen sich hinter den stürmischen Feuersböen und jene wiederum waren aus genauen Beobachtungen und Prüfungen geboren. Diese Augen vermittelten nicht nur Leidenschaft und unbeugsame Unabhängigkeit, nein, sie waren in erster Linie da, um zu sehen und zu erkennen.
Er hatte sie gesehen, schon vor langer langer Zeit und er hatte erkannt, was dort tief in ihrer Seele noch schlummerte, als er sie berührt - und auch jetzt noch nicht vollends erblüht war. Abwägen, reizen und ein wenig noch die Geduld auf die Folter spannen. So sehr, bis die Kraft erschöpft schien und die Müdigkeit nagte, dann erst waren sie alle bereit in der Tiefe die eigentliche Kraft, wie ein loderndes Zündholz, zu erkennen, um damit sich selbst zum flammenden Sturm zu verwandeln.
Doch jetzt, so beobachteten die Bernsteinaugen zufrieden, kam der Tag nahe, an dem sie die Müdigkeit und die Erschöpfung in die Tiefe riss und bereits jetzt schon zehrte sie unbewusst aus der Kraft des Zündholzes, dem Glauben. Obwohl er sie zerschlagen und ermattet in den Hallen gesehen hatte, so glimmte heute neue, frische Stärke in ihren Adern und trieb an zu neuen Taten. Interessante Geschehnisse, die wiederum seine Aufmerksamkeit haben sollten.
Da war dieses junge, hübsche, goldene Gesicht, dass nicht eine Miene verzog, als sie sich in der falschen Unschuld an ihn wandte. Jenes Gesicht, dass kein blindes, tumbes Vertrauen kannte - oh ja, sie hatte sich einen würdigen Gegner gesucht, kein jämmerliches Schaf, dass ängstlich blökend zur Schlachtbank trabte. Die Augen des Goldenen sahen auch, sie erkannten aber zu spät, dass er das Ziel war und nicht die Stadt hinter den Wäldern.
Feuersturmregen, Kristallschrillen, Klingengewirbel, Fledermausleder.
Als die sillbrig nachtblauen Umhänge hinter den fast lautlos herbeieilenden Kriegern wehten, da war es aber schon zu spät. Ein würdiger Gegner, ein goldenes und stolzes Antlitz, doch sie hatte gesiegt, das Zündholz ergriffen und den Feuersturm gefunden.
Die Bernsteinaugen schlossen sich einen Moment und gaben der sinnierenden Weisheit das Ruder, es galt zu wiegen und zu einem Ergebnis zu kommen. Als sie sich glimmend öffneten und die Dunkelheit durchdrangen, da war das Urteil gefällt: es war Zeit!
Ja, es war an der Zeit für einen Blick dahinter...