bedingungsloser Gehorsam
Verfasst: Montag 29. Juli 2019, 23:51
Es war nur eine kleine Phiole, an deren Inhalt er in aller weiser Voraussicht nicht erst roch oder nur mal daran nippte, um den Geschmack auszumachen. Er wusste, oder ahnte zumindest, dass sein Körper ihn mit allen Sinnen davor warnen würde, dieses schwarz wabernde Zeug zu sich zu nehmen. Es reichte, dass seine Augen sahen, was er da trank und sein Geist allerhand Assoziationen damit verknüpfte. Dass er Sabri so aufgelöst hatte reagieren sehen, machte diesen Schritt nicht einfacher. Ja, er war sehr reserviert, wusste seine Emotionen vermutlich so gut wie sonst kaum jemand im Zaum zu halten und zu unterdrücken. So etwas wie familiäre Beziehungen pflegte er schon lange nicht mehr. Das Herz stand einem im Dienst an Reich und Glauben doch stets im Weg. Aber er wusste um Sabris Vergangenheit, dass Ahmad derzeit exakt der einzige Verwandte in greifbarer Nähe für den jüngeren Anaan war. Und ausgerechnet diese Bezugsperson, sei es in welchem Verhältnis auch immer, riskierte nun auf Ansage sein eigenes Leben, Sabri sogar noch verbietend, voreilig einen Hakim zu rufen. Er befahl im Grunde genommen seinem Cousin, ihn im Zweifel diese kra'thorischen Qualen durchstehen sehen zu müssen...
<< Nichtsestotrotz! >>
Die fürchterlich schmeckende Flüssigkeit rann Würgereiz erregend die Kehle des Familienoberhauptes runter und ließ ihn, ungesehen jeglicher Blicke flüchtig erschaudern. << Rabenplörre! >> Ahmad keuchte und stellte die Phiole so energisch weg, dass man hätte meinen können, er verstoße diesen nun nur noch eine unschuldige leere Phiole aus Glas darstellenden Gegenstand. Vertrauensvoll - Nein, Vorausschauend war er dem Rat der Matriarchin gefolgt und saß bereits auf der Bettkante. Die Worte seines Maleems gingen ihm noch einmal durch den Kopf, während das Gift sich langsam in seinem Körper auszubreiten begann.
"Im Rahmen deiner Ausbildung erwarten wir stetige Übung... ein gutes Körpergefühl... die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu kennen und darüber hinauszuwachsen. Dieser Trank wird dich in wenigen Stunden unmittelbar beeinflussen. Er wird deinem Körper zusetzen... ihm Kraft rauben... und schwächen. Sei also auf der Hut, dich in den kommenden 30 Stundenläufen außerhalb der goldenen Stadt zu bewegen. Ich erwarte, dass du dicher Beeinflussung hingibst... und dich selber durch Meditation und Kontrolle deines Körpers dem entgegen stellst. Es wird dich neda töten. Und wenn doch, dann warst du dieser Ausbildung neda wert."
Er spürte wie es dort warm wurde, wo das Gift sich seinen Weg bahnte. Dabei dachte er daran, dass Adal einen Bericht über das Erlebte verlangte. Sofort erhob er sich noch einmal, um ohne große Umschweife ins Erdgeschoss zu gehen und dort in seinem Büro einen kleinen Pergamentstapel sowie eine Feder mit Tintenfässchen zusammen zu sammeln. Bereits beim Erklimmen der Treppe zurück nach oben merkte er, wie sein Körper ungewohnt ausgebremst wurde. Er stockte und stützte sich kurz mit einem Arm an der Wand ab. << All-Mara... >> Eisernen Willens setzte er sich jedoch dann wieder in Bewegung und schaffte es noch zum Bett, wo er sogleich alles aus seinen Händen auf dem Nachttisch abstellte, bevor er ohne große Anmut in der Bewegung mit dem Hosenboden auf das Bett sank.
"Aha? Was ist in dieser Flasche? Gift, woraus? Du nimmst ein Gift, kennst die Auswirkungen nicht, kennst die notwendige Dosage, die entsprechend erforderlich ist, um einen Mann deiner Statur zu beeinträchtigen und weisst daher nicht, welche exakte Menge du aufnehmen musst, um nicht elendig an deinem eigenen Blut zu krepieren, kennst die Inhaltsstoffe nicht, ..."
Sabris wütenden Blick sah Ahmad immer noch vor seinem inneren Auge, als er allmählich ein leises Gefühl von Schwindel bekam. War da Trauer in seinem Blick gewesen? Neda! Er würde sich nicht von irgendwelchen Gefühlen ablenken lassen! Es gab einen Grund dafür, warum die mächtigsten Personen eher für sich lebten. Warum sie sich von allen möglichen privaten Verpflichtungen los lösten, um ihrer Berufung nachzugehen. Zu groß war die Belastung für Angehörige, zu gering das Verständnis für die hohe Pflicht, den Bedarf des bedingungslosen Gehorsams gegenüber seinem Maleem, dem Emir und nicht zuletzt der All-Mara selbst. Das hier.. sollte seinen Körper abhärten, seinen Willen auf die Probe stellen. Adal wollte Ahmad nicht töten. Da war sich der Azeezah sicher. Es war eine Probe.
"Wenn du überlebst ... schön für dich, ansonsten kann sich dein Maleem um alles weitere kümmern und ich hoffe du denkst daran, was du hier zurücklässt, wertes Oberhaupt."
Das waren die letzten Worte, die er in seinem Kopf vernahm, als er sich mehr instinktiv, denn bewusst auf den Rücken legte und die Augen schloss. Sich darauf einlassen.. Auf was? Was genau war die Beeinflussung? Sollte er erfahren wie es ist, sich schwach zu fühlen? Oder sollte er dagegen angehen und versuchen, dem zu trotzen?
"Ich erwarte, dass du dicher Beeinflussung hingibst... und dich selber durch Meditation und Kontrolle deines Körpers dem entgegen stellst."
Adals Worte hallten in den kommenden Stundenläufen wie ein Echo durch den immer dunkler werdenden Gedankenraum. Unbemerkt des freiwilligen Opfers bahnte sich über Mitternacht ein ohnmächtiger Zustand an, der kurze Zeit später von einem Fieberschub gefolgt wurde und den Azeezah in einen unruhigen Traum fallen ließ...
Staubiger Wind peitschte gegen seine obere Gesichtshälfte, sodass er die Augen zusammen kneifen musste, um nicht den ganzen Sand in seine Augen zu bekommen. Emsig wanderte er dabei weiter und versuchte mit den älteren Menekanern Schritt zu halten. Es war seine erste Karawane, die er begleitete. Radeh sagte, es sei eine große Ehre, und früh übe sich, wer ein guter Janitschar werden wolle. Natürlich fühlte Ahmad sich mit kindlichen 5 Jahren schon reif für diese Aufgabe und war mit vollem Eifer dabei. Also ignorierte er stoisch den Sand und blinzelte mit gesenktem Kopf immer wieder zwischen den Böen, die ihm die Sicht nehmen wollten. Seine Fidah ging wenige Schritte voraus. Sie war größer als er, weil sie schon älter war, und sie war sogar schon auf ein paar Karawanenwanderungen dabei gewesen. Ahmad war insgeheim neidisch auf Nahalah. Aber das würde er als echter Anaan nie zugeben! Bald würde er größer als sie sein, stärker und besser in allem - außer kochen und so natürlich - und dann würde er es allen zeigen. Er würde ein berühmter Hadcharim werden, zu dem alle aufsahen! Seine selbstgefälligen Gedanken wurden abrupt von einem plötzlich eintretenden Aufruhr unter den Händlern und Janitscharen unterbrochen. Sofort hörte er seine Mara panisch nach seiner Fidah und ihm rufen. Reflexartig blieb er stehen, wandte herum und wollte gerade zu ihr laufen, als er ein grässliches Kreichen hörte, das ihn im ersten Moment entsetzlich an Nahalahs Gekeife erinnerte, wenn sie nicht bekam, was sie wollte. Neugierig drehte er den Kopf, nur um es ganz schnell zu bereuen. Ein fürchterlich hässliches Vieh flog geradewegs auf ihn zu. Noch ehe er sich versah, schrie seine Mara wieder laut, dann erklang auch die kräftige Stimme seines Radehs und auf einmal wurde er von zwei kleinen Händen an der Seite umgestoßen, sodass er orientierungslos über den Sandboden der Düne kullerte. Schnell griffen gleich die nächsten beiden Hände nach ihm, um ihn auf die Füße zu heben und ihn dann mit dem Gesicht voran an den Leib seiner Mara zu drücken, als er unumgänglich den Schmerzensschrei seiner Fidah und ein lautes "Neda!" aus dem Mund seines Radehs vernahm. Zu spät hoben sich die mütterlichen Hände an seine Ohren. Diese Geräusche hatten sich ein für alle Male in seinen Kopf eingebrannt, dicht gefolgt von dem übertönenden Kreichen der Harpyen.
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Keuchend riss er die Augen auf und fand sich bald selbst in seinem Bett wieder. Die Decke des Anaan's-Raum auf dem Anwesen der Familie erkannte er nur vage durch das Mondlicht, welches sich durch das kleine Fester zog. Sein Gesicht glühte, die Gesichtshaut spannte und war schweißnass, während sein gesamter Körper sich wie angekettet anfühlte. <<Neda..>> Es war nur ein schlechter Traum. Für einen Moment hatte er sogar vergessen, dass er vor wenigen Stunden noch Gift zu sich genommen hatte. In diesem Moment hätte er sicherlich nicht mal sagen können, welchen Tag man schrieb. Entschlossen, sich nicht den wohlverdienten sowie offenbar bitter nötigen Schlaf von einem Albtraum nehmen zu lassen, schloss er seine Augen bald wieder, nur um in denselben Traum zu versinken.
Er wehrte sich aktiv dagegen, Angst zu verspüren, wollte mutig sein und zu seiner Schwester laufen, wo sein Radeh bereits diese gruselige Flügelfrau vom Himmel schlug und mit dem Wüstenskorpion erstach. Doch seine Mara hielt den jungen Ahmad aktiv zurück, haspelte immer wieder hektisch, dass er nicht dahin dürfe und bei ihr warten solle. Radeh kümmere sich um Nahalah... Ahmad blieb, wartete artig und vertraute naiv auf seinen Radeh, der aus Sicht des jungen Anaan's Durrah wie kein Zweiter kämpfte. Eine weitere Flügelfrau fiel seiner Klinge zum Opfer. Dann sank er auf die Knie und hob den regungslosen Körper seiner Tochter an. Ahmad sah das Blut, dass Nahalahs Reisekleidung durchtränkt hatte, und plötzlich brach seine Mutter hinter ihm zusammen. <<Mara, was ist mit meiner Fidah?>> Doch seine Mara, Aylin antwortete nicht. Sie krümmte sich bitterlich weinend und drückte Ahmad verzweifelt an sich.
Kaum konnten Trauer und Angst in das junge Herz Einzug halten, da öffnete Ahmad wieder seine Augen und hatte sich ruckartig auf die Seite gedreht, als könne er diesen quälenden Erinnerungen damit entkommen. Schwerer keuchend nun blickte er auf den dämmrigen Fußboden neben seinem Bett herab. Seine Körpertemperatur war weiter gestiegen und ließ ihn nun frieren, als die nächtliche Luft wiederum in Richtung des Gefrierpunkts gewandert war. Ein seichter Windzug durch das kleine Fenster ließ ihn direkt erschaudern und sich aufsetzen, die Decke dabei nun um sich legend und den Rücken an die Zimmerwand am Kopfende lehnend. Der Atem ging noch schwer, als seine Erinnerungen zurück zum Gift und der Unterrichtseinheit mit Suktar Angelica schwiffen. Gift, er war vergiftet! Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen. Wieder verspürte er den Schwindel und nun auch ein flaues Gefühl im Magen. Neda, davon würde er sich nicht bezwingen lassen! Konzentriert atmete er ein und aus, immer wieder... Er versuchte zu spüren wie die kalte Luft in seinen Körper gesogen wurde, seine Lungen damit füllte, die wiederum seinen Brustkorb anhoben, und sobald er die Luft wieder ausatmete alles in sich zusammen fiel. In einem Rhythmus, den er vorgab, den er bestimmte. << Nur nicht die Kontrolle verlieren. >> dachte er sich noch und für den Rest der Nacht sowie den folgenden Morgen wollte sich dennoch seine Verfassung nicht bessern. Wenn überhaupt, konnte man dank seiner redlichen Bemühungen von einem stabil bleibenden Zustand reden. Doch das Fieber blieb, und wann immer er einschlief, wurde er zunächst immer wieder mit dem Tod seiner Fidah konfrontiert...
[ooc: to be continued]<< Nichtsestotrotz! >>
Die fürchterlich schmeckende Flüssigkeit rann Würgereiz erregend die Kehle des Familienoberhauptes runter und ließ ihn, ungesehen jeglicher Blicke flüchtig erschaudern. << Rabenplörre! >> Ahmad keuchte und stellte die Phiole so energisch weg, dass man hätte meinen können, er verstoße diesen nun nur noch eine unschuldige leere Phiole aus Glas darstellenden Gegenstand. Vertrauensvoll - Nein, Vorausschauend war er dem Rat der Matriarchin gefolgt und saß bereits auf der Bettkante. Die Worte seines Maleems gingen ihm noch einmal durch den Kopf, während das Gift sich langsam in seinem Körper auszubreiten begann.
"Im Rahmen deiner Ausbildung erwarten wir stetige Übung... ein gutes Körpergefühl... die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu kennen und darüber hinauszuwachsen. Dieser Trank wird dich in wenigen Stunden unmittelbar beeinflussen. Er wird deinem Körper zusetzen... ihm Kraft rauben... und schwächen. Sei also auf der Hut, dich in den kommenden 30 Stundenläufen außerhalb der goldenen Stadt zu bewegen. Ich erwarte, dass du dicher Beeinflussung hingibst... und dich selber durch Meditation und Kontrolle deines Körpers dem entgegen stellst. Es wird dich neda töten. Und wenn doch, dann warst du dieser Ausbildung neda wert."
Er spürte wie es dort warm wurde, wo das Gift sich seinen Weg bahnte. Dabei dachte er daran, dass Adal einen Bericht über das Erlebte verlangte. Sofort erhob er sich noch einmal, um ohne große Umschweife ins Erdgeschoss zu gehen und dort in seinem Büro einen kleinen Pergamentstapel sowie eine Feder mit Tintenfässchen zusammen zu sammeln. Bereits beim Erklimmen der Treppe zurück nach oben merkte er, wie sein Körper ungewohnt ausgebremst wurde. Er stockte und stützte sich kurz mit einem Arm an der Wand ab. << All-Mara... >> Eisernen Willens setzte er sich jedoch dann wieder in Bewegung und schaffte es noch zum Bett, wo er sogleich alles aus seinen Händen auf dem Nachttisch abstellte, bevor er ohne große Anmut in der Bewegung mit dem Hosenboden auf das Bett sank.
"Aha? Was ist in dieser Flasche? Gift, woraus? Du nimmst ein Gift, kennst die Auswirkungen nicht, kennst die notwendige Dosage, die entsprechend erforderlich ist, um einen Mann deiner Statur zu beeinträchtigen und weisst daher nicht, welche exakte Menge du aufnehmen musst, um nicht elendig an deinem eigenen Blut zu krepieren, kennst die Inhaltsstoffe nicht, ..."
Sabris wütenden Blick sah Ahmad immer noch vor seinem inneren Auge, als er allmählich ein leises Gefühl von Schwindel bekam. War da Trauer in seinem Blick gewesen? Neda! Er würde sich nicht von irgendwelchen Gefühlen ablenken lassen! Es gab einen Grund dafür, warum die mächtigsten Personen eher für sich lebten. Warum sie sich von allen möglichen privaten Verpflichtungen los lösten, um ihrer Berufung nachzugehen. Zu groß war die Belastung für Angehörige, zu gering das Verständnis für die hohe Pflicht, den Bedarf des bedingungslosen Gehorsams gegenüber seinem Maleem, dem Emir und nicht zuletzt der All-Mara selbst. Das hier.. sollte seinen Körper abhärten, seinen Willen auf die Probe stellen. Adal wollte Ahmad nicht töten. Da war sich der Azeezah sicher. Es war eine Probe.
"Wenn du überlebst ... schön für dich, ansonsten kann sich dein Maleem um alles weitere kümmern und ich hoffe du denkst daran, was du hier zurücklässt, wertes Oberhaupt."
Das waren die letzten Worte, die er in seinem Kopf vernahm, als er sich mehr instinktiv, denn bewusst auf den Rücken legte und die Augen schloss. Sich darauf einlassen.. Auf was? Was genau war die Beeinflussung? Sollte er erfahren wie es ist, sich schwach zu fühlen? Oder sollte er dagegen angehen und versuchen, dem zu trotzen?
"Ich erwarte, dass du dicher Beeinflussung hingibst... und dich selber durch Meditation und Kontrolle deines Körpers dem entgegen stellst."
Adals Worte hallten in den kommenden Stundenläufen wie ein Echo durch den immer dunkler werdenden Gedankenraum. Unbemerkt des freiwilligen Opfers bahnte sich über Mitternacht ein ohnmächtiger Zustand an, der kurze Zeit später von einem Fieberschub gefolgt wurde und den Azeezah in einen unruhigen Traum fallen ließ...
Staubiger Wind peitschte gegen seine obere Gesichtshälfte, sodass er die Augen zusammen kneifen musste, um nicht den ganzen Sand in seine Augen zu bekommen. Emsig wanderte er dabei weiter und versuchte mit den älteren Menekanern Schritt zu halten. Es war seine erste Karawane, die er begleitete. Radeh sagte, es sei eine große Ehre, und früh übe sich, wer ein guter Janitschar werden wolle. Natürlich fühlte Ahmad sich mit kindlichen 5 Jahren schon reif für diese Aufgabe und war mit vollem Eifer dabei. Also ignorierte er stoisch den Sand und blinzelte mit gesenktem Kopf immer wieder zwischen den Böen, die ihm die Sicht nehmen wollten. Seine Fidah ging wenige Schritte voraus. Sie war größer als er, weil sie schon älter war, und sie war sogar schon auf ein paar Karawanenwanderungen dabei gewesen. Ahmad war insgeheim neidisch auf Nahalah. Aber das würde er als echter Anaan nie zugeben! Bald würde er größer als sie sein, stärker und besser in allem - außer kochen und so natürlich - und dann würde er es allen zeigen. Er würde ein berühmter Hadcharim werden, zu dem alle aufsahen! Seine selbstgefälligen Gedanken wurden abrupt von einem plötzlich eintretenden Aufruhr unter den Händlern und Janitscharen unterbrochen. Sofort hörte er seine Mara panisch nach seiner Fidah und ihm rufen. Reflexartig blieb er stehen, wandte herum und wollte gerade zu ihr laufen, als er ein grässliches Kreichen hörte, das ihn im ersten Moment entsetzlich an Nahalahs Gekeife erinnerte, wenn sie nicht bekam, was sie wollte. Neugierig drehte er den Kopf, nur um es ganz schnell zu bereuen. Ein fürchterlich hässliches Vieh flog geradewegs auf ihn zu. Noch ehe er sich versah, schrie seine Mara wieder laut, dann erklang auch die kräftige Stimme seines Radehs und auf einmal wurde er von zwei kleinen Händen an der Seite umgestoßen, sodass er orientierungslos über den Sandboden der Düne kullerte. Schnell griffen gleich die nächsten beiden Hände nach ihm, um ihn auf die Füße zu heben und ihn dann mit dem Gesicht voran an den Leib seiner Mara zu drücken, als er unumgänglich den Schmerzensschrei seiner Fidah und ein lautes "Neda!" aus dem Mund seines Radehs vernahm. Zu spät hoben sich die mütterlichen Hände an seine Ohren. Diese Geräusche hatten sich ein für alle Male in seinen Kopf eingebrannt, dicht gefolgt von dem übertönenden Kreichen der Harpyen.
[img]http://elemia.pxd.pl/gallery/pic271/v2011062316144365291006.jpg[/img]
Keuchend riss er die Augen auf und fand sich bald selbst in seinem Bett wieder. Die Decke des Anaan's-Raum auf dem Anwesen der Familie erkannte er nur vage durch das Mondlicht, welches sich durch das kleine Fester zog. Sein Gesicht glühte, die Gesichtshaut spannte und war schweißnass, während sein gesamter Körper sich wie angekettet anfühlte. <<Neda..>> Es war nur ein schlechter Traum. Für einen Moment hatte er sogar vergessen, dass er vor wenigen Stunden noch Gift zu sich genommen hatte. In diesem Moment hätte er sicherlich nicht mal sagen können, welchen Tag man schrieb. Entschlossen, sich nicht den wohlverdienten sowie offenbar bitter nötigen Schlaf von einem Albtraum nehmen zu lassen, schloss er seine Augen bald wieder, nur um in denselben Traum zu versinken.
Er wehrte sich aktiv dagegen, Angst zu verspüren, wollte mutig sein und zu seiner Schwester laufen, wo sein Radeh bereits diese gruselige Flügelfrau vom Himmel schlug und mit dem Wüstenskorpion erstach. Doch seine Mara hielt den jungen Ahmad aktiv zurück, haspelte immer wieder hektisch, dass er nicht dahin dürfe und bei ihr warten solle. Radeh kümmere sich um Nahalah... Ahmad blieb, wartete artig und vertraute naiv auf seinen Radeh, der aus Sicht des jungen Anaan's Durrah wie kein Zweiter kämpfte. Eine weitere Flügelfrau fiel seiner Klinge zum Opfer. Dann sank er auf die Knie und hob den regungslosen Körper seiner Tochter an. Ahmad sah das Blut, dass Nahalahs Reisekleidung durchtränkt hatte, und plötzlich brach seine Mutter hinter ihm zusammen. <<Mara, was ist mit meiner Fidah?>> Doch seine Mara, Aylin antwortete nicht. Sie krümmte sich bitterlich weinend und drückte Ahmad verzweifelt an sich.
Kaum konnten Trauer und Angst in das junge Herz Einzug halten, da öffnete Ahmad wieder seine Augen und hatte sich ruckartig auf die Seite gedreht, als könne er diesen quälenden Erinnerungen damit entkommen. Schwerer keuchend nun blickte er auf den dämmrigen Fußboden neben seinem Bett herab. Seine Körpertemperatur war weiter gestiegen und ließ ihn nun frieren, als die nächtliche Luft wiederum in Richtung des Gefrierpunkts gewandert war. Ein seichter Windzug durch das kleine Fenster ließ ihn direkt erschaudern und sich aufsetzen, die Decke dabei nun um sich legend und den Rücken an die Zimmerwand am Kopfende lehnend. Der Atem ging noch schwer, als seine Erinnerungen zurück zum Gift und der Unterrichtseinheit mit Suktar Angelica schwiffen. Gift, er war vergiftet! Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen. Wieder verspürte er den Schwindel und nun auch ein flaues Gefühl im Magen. Neda, davon würde er sich nicht bezwingen lassen! Konzentriert atmete er ein und aus, immer wieder... Er versuchte zu spüren wie die kalte Luft in seinen Körper gesogen wurde, seine Lungen damit füllte, die wiederum seinen Brustkorb anhoben, und sobald er die Luft wieder ausatmete alles in sich zusammen fiel. In einem Rhythmus, den er vorgab, den er bestimmte. << Nur nicht die Kontrolle verlieren. >> dachte er sich noch und für den Rest der Nacht sowie den folgenden Morgen wollte sich dennoch seine Verfassung nicht bessern. Wenn überhaupt, konnte man dank seiner redlichen Bemühungen von einem stabil bleibenden Zustand reden. Doch das Fieber blieb, und wann immer er einschlief, wurde er zunächst immer wieder mit dem Tod seiner Fidah konfrontiert...