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Einsamkeit...

Verfasst: Montag 19. Juni 2006, 00:39
von Eldir
...da war sie wieder, die Einsamkeit, kühl und leer... solange war sie schon da gewesen, undurchdringlich, schier ewig ... zu lange?
... seit er von zuhause weglief ... es waren beinahe schon 11 Sommer, allein ... aber die Sommer waren nicht schlimm ... die Winter waren schwer, ließen die Gedanken schwerer fließen und die vor kälte verengten Augen weniger scharf sehen.
11 Sommer war er allein und es hatte ihm nie was ausgemacht, Warum auch? Das Leben allein war das was er sich immer vorgestellt hatte einfach, stark und aufregend ... keiner der einen verwirrte oder von einem verlange, was man nicht zu leisten vermochte, unbeschnittene Freiheit.
Zu dem wusste er doch eh nichts von der Gemeinschaft mit anderen, doch warum ... warum macht es ihm jetzt plötzlich etwas aus?
Er war immer allein ... auf sich gestellt, andere brauchte er nie doch jetzt? Nein ... er brauchte sie nicht...

Damals bei seiner Ankunft auf Gerimor, traf er auf zwei Weibchen die ihn aufnahmen ... ohne irgendwelche Gedanken dabei ... wie ungewohnt?
Plötzlich gefiel ihm diese Gesellschaft ... wie ein Rudel, ja ein Rudel keiner war abhängig vom anderen und doch verstand man sich, jagte auch mal gemeinsam um hinterher wieder seiner Wege zu gehen, jederzeit konnte er ein und aus gehen je nach belieben.
Es war so angenehm, respektiert zu werden ohne wichtig zu sein...
Dann war da noch, sein Weibchen ... ja.. sie waren wohl zusammen.. waren ... jetzt war sie weg. War fast ... als hinterließe sie ein Loch ... eine Lücke ... Leere die nicht mal sein Bruder hinterlassen hatte, plötzlich war es da ... das Gefühl zu niemandem und nirgends zuzugehören, als wäre das Rudel weitergezogen, obwohl es noch da war... doch wie lange war es noch da, hatte er überhaupt Platz darin, Nein...

Mit den Gedanken die seinen eh schon verwirrten Kopf, noch mehr verwirrten, klettert er am Abend auf einen Baum um sich schlafen zu legen.
... eigentlich wollte er rede, doch Alassea schlief und aus Ronya’s Zelt war auch nur ein leises Schnarchen zu hören ... warum er grade zu den beiden wollte wusste er selber nicht.
Vielleicht war es auch besser so ... dachte er bei sich, den Blick zu den Sternen gehoben glitten seine Gedanken in unruhige Träume ab,
„Was tun?“ fleuchte immer wieder um seine Gedanken.

Und mit den Gedanken ... an Einsamkeit kamen auch die Träume wieder, jene Träume die er verdrängt hatte, nach all den Jahren... die Gesichter seiner Eltern... sein zorniger Vater... Arbin... Arbin... großer Bruder warum hast du mich weggeschickt?
In seinen Träumen lief er zurück ... zurück nachhause, aber der Weg schien endlos, die Bäume bildeten eine Gasse die ihn den Weg nicht gehen ließ, am Ende der Gasse stand seine Mutter ... hinter ihm sein Vater zornig ... ihn verfolgend.
Er wollte nicht... tun was von ihm verlangt wurde und trotzdem vermisste er seine Eltern...


Durch einen knall und einen Schmerz ... am Rücken ... schreckte er schließlich aus diesen Träumen hoch, vom Baum gefallen ... mal wieder ... war ihm schon lange nicht mehr passiert... aber immer dann wenn er zuviel nachdachte.
Knurrend rappelte er sich hoch und setzte schlurfenden Schrittes den Weg gen Teich, den Wolf der an ihm hockte und mit der Zunge das Wasser aufschlabberte, ignorierte er bloß.... ein Fehler ... Wo waren seine Gedanken nur!
Er hätte es sehen müssen... mager, dürr geradezu, die Fliegen und das leise schnauben des Tieres... Schaumwut, doch zu spät, der Wolf ging auf ihn los und zerrt an dem Lederschoner seines Armes.
Gerade so eben konnte er den Dolch aus dem Halfter reißen und einen schweren Stich platzieren der den Wolf in die Flucht zwang unter tosendem Gejaule.
Sein Blick fiel auf die Wunde ... den Biss, er war nicht ganz durchgedrungen, dachte er und widmete sich gemütlich dem Teich, einige Schlucken zu sich nehmen, er ignorierte die Wunde, vertiefte sich wieder in Gedanken, der zweite Fehler...

Verfasst: Dienstag 20. Juni 2006, 02:53
von Eldir
Schwer seufzend verließ er das Zelt, von einem Gedanken getrieben „Weg von hier“ , er hatte Trost gesucht, bei denen die er gern hat, den Weibchen die ihn aufnahmen... damals.
Zumindest einer .. ein einziger war fröhlich bei seiner Ankunft, Drago... wie immer wurde er herzlich begrüßt von dem jungen Wolf, ein guter Junge... Tiere wissen eben Bindungen zu schätzen, die weiter laufen als nur bis zum Kopf oder der derzeitigen Laune.
Irgendwas lag schon bei dem Eintritt ins Zelt in der Luft, beide waren da...
obwohl er grad mal auf seine Schwester gehofft hatte... Schwester.
Wie gewohnt setzte er sich schaute den beiden ruhig zu, sprach mit ihnen doch sie redeten über nichts, alles bedeutungslos.
Eigentlich hätte er auch gleich gehen können, wieder raus. Vielleicht zum Waisenhaus? Nein, er wollte reden, mit jenen die er lieb hatte, über jene die weg war...
Eher ungefragt und ohne große umschweife sprudelte es dann aus ihm heraus, wie es geschah und was geschehen war, dass sie weg war... Doch die Reaktion... die eine Erstaunt... doch die andere, seine sogenannte Schwester, eine Beleidigung.. kein weiteres Wort... was war?

Verdattert sprudelten Fragen an die beiden heraus.. er wusste nicht mehr weiter,
„Was tun?“ dieser Gedanke der ihn schon den Tag und die Nacht, die Zeit, die er allein im Waisenhaus saß, fesselte und lähmte wie ein fester Gurt.
Plötzlich... eine komische Frage... seine Antwort... Gelächter, sie lachte, einfach so ...Lachen, herzlichster Art, wie konnte sie bloß lachen war ihr das so egal war sie so auf sich bedacht, dann konnte nicht sein.
Hatte er schon wieder etwas gesagt, etwas was nicht passte? Die andere, war ratlos er saß bloß da, starrte sie an, diese Schwester ... lachend, lachte sie über ihn? Er war verzweifelt, konnte er nicht mal mehr hierher zurückkehren? Nein!
Sie lief, der Wolf ihr nach, in seinem Bauch kam eine leere auf, nicht vom Hunger oder Durst... plötzlich heulte sie,
„Was nun?“, Weibchen... ihn packte nur noch ein Gedanke „Bloß weg von hier!“
Die Tür, der Abschied vom Wolf... zwei kurze Worte, draußen!
Er beschleunigte, zum Wald, seine Gedanken machten Sprünge, von Ort zu Ort wo er gerne war, wo er hätte hingehen wollen um sich fallen lassen zu können in diese Leere, stille Leere.
Aber es gab keinen Ort, keinen er wollte nicht mehr gefunden werden, am liebsten nie wieder, da gab es nur einen Ort!
Der Gedanke stand fest!
Sein Schritt wurde wieder sicherer, die Luft atembarer und die Leere füllte er mit einem Bissen selbst „verbratenem“ Fleisch...

Verfasst: Dienstag 20. Juni 2006, 09:52
von Erinna Hinrah
Irgendwann in der Nacht versiegten die Tränen, Tränen der Einsamkeit, der Ungewissheit und der Angst. Er hatte gesagt das Alana fort sei, nach einem Streit gegangen. Sie hatten sich wenigstens gestritten. Erinna hatte angefügt das Lyanna auch fort sei, das sie wortlos gegangen sei. Er reagierte gar nicht darauf, erzählte nur von Alana, er sah sie nichtmal an.

Jeder hatte Probleme und kam damit dauernd zu ihr, aber ignorierte befliesslich ihr eigenes Befinden. Sie war enttäuscht das er nicht versucht hatte sie in den Arm zu nehmen, immerhin war er doch ihr Bruder. Xin war zu ihr gekommen und hatte sie getröstet, im Arm gewiegt bis sie sich in den Schlaf geweint hatte. In den Schlaf geweint, wie früher.

Sie hatte die beiden gefragt, ob sie es kennen würden, dass jemand da sei und doch wiederrum nicht wirklich da. Sie hatten die Frage nicht verstanden. Beide sassen da und trotzdem fühlte Erinna sich weiterhin alleine. Bei Ronya, wenn sie mit der Katze spielte oder wenn Drago mal die Anwandlung hatte zu ihr zu kommen, dann fühlte sie sich nicht einsam.

Alles sprach immer über die Dinge die ihr selber auch wehtaten, obwohl Ronya ja eher weniger von Miki sprach. Xin erwähnte immer Lyanna obwohl Erinna von ihr nichts mehr hören wollte. Beide erzählten das Lyanna an ihnen vorbei geritten sei und beide ignoriert habe. Was konnte sie dafür, sie konnte es doch nicht ändern, was erhofften sich die anderen davon wenn sie es ihr erzählten? Lyanna hatte ihr selber ja nichtmal auf Wiedersehen gesagt gehabt.

Eldir hatte sie nicht gefragt was los sei, weil sie so still war. Sie fing einfach wieder an ihre Sachen zu sortieren, das komischer Weise fiehl auf und man runzelte die Stirn als wäre es was sschlimmes das sie sortierte. Sie hatte doch eh nichts zu sagen. Wärend Eldir erzählte schwieg sie, was sollte sie auch sagen? Warum sollte sie ihn in den Arm nehmen, er sah sie ja nichtmal an und sah auch nicht das es ihr keinen Deut besser ging als ihm, er hatte es wahrscheinlich nichtmal nicht gehört das sie sagte das Lyanna weg sei, denn dann hätte er vielleicht bemerkt das es ihr selber schlecht ging.

Irgendwann fing sie an zu lachen, er konnte nichts dafür, sie wusste selber nichtmal warum sie lachte. Das Lachen wandelte sich irgendwann in leises Schluchzen, der erste der zu ihr kam war Drago, er leckte ihr durch das tränennasse Gesicht und lehnte seinen schweren Körper an ihren. Schnell vergrub sie ihr Gesich in sein Fell. Dann kam Xin und nach einigen Fragen die in Erinnas Augen in dem Moment unnütz waren kniete sich Xin zu ihr und nahm Erinna tröstend in den Arm. Wiegte sie wie ein Baby, aber es tat Erinna in dem Moment nur gut, solange bis Erinna eingeschlafen war.

Als sie nach nur zwei Stunden wieder wach wurde, war Xin immer noch bei ihr und sie beobachtete Xinthra beim schlafen, ohne von ihr wegzurücken. Sie wollte keine Liebe, keine Beziehung mehr, aber alleine sein? Als sie noch klein gewesen war, das hatte man ihr erzählt, hatte sie immer zwischen Falk und Cailly geschlafen, danach hatte Seymour bei ihr geschlafen und dann Viola, sie hatte nie wirklich alleine schlafen muessen, oder alleine essen. Nach Grimwould hatte sie bei Xinthra geschlafen und dann war da Lyanna gewesen und pltzlich waren die Felle leer. Sie schlief eine Nacht alleine aber wanderte dann die folgende Nächte zwischen Ronya und Xinthra hin und her.

Sicher sie hatte Drago, aber Drago roch nach Wolf, er atmete wie ein Wolf. Wenn sie bei Ronya schlief, roch es nach Ronya, nach Mensch und Ronyas Atem war wenn sie schlief langsam und ruhig. Xinthra roch einfach nach Xinthra und auch nach Mensch und ihr Atem ging auch ruhig und langsam. Wie gerne würde sie manchmal einfach nach Grimwould und sich irgendwo am Fussende bei Falk und Cailly rollen. Sie fühlte sich sicher bei Ronya und Xinthra und schlief da auch eine gute Weile immer. Sie war aber jedesmal mit dem ersten Vogel wach und huschte aus dem Zelt.

Wieso Eldir, ihr grosser Bruder, sie nicht getröstet hatte, wurmte sie einfach. Es gab immer wieder hübsche junge Frauen die jemanden wie Eldir finden wollten, aber Frauen die keinen Mann suchten gab es kaum. Sie seufzte und verliess für einige Stunden dasZelt, war aber wieder da bevor xinthra wach wurde, und durchsuchte den Wald nach Eldir.

Verfasst: Dienstag 20. Juni 2006, 10:51
von Alana Duin
“Du schlägst so schwach zu wie ein Varuner Waschweib!”
Immer wieder hallten die Worte durch ihren Kopf, verhöhnten sie, lachten sie aus. ER lachte sie aus… Dann erwachte sie und ihr Körper schmerzte von oben bis unten.

Dabei war es noch vor wenigen Stunden anders gewesen. Endlich lachten sie wieder zusammen, hatten eine unbeschwerte Zeit. So wenig sahen sie sich. Jeder war wohl in letzter Zeit viel mit sich beschäftigt gewesen, doch heute fanden sie endlich wieder zusammen und genossen es. Sie beschlossen sogar, miteinander zu trainieren. Vielleicht ein Fehler? Denn auch nach vielen Kämpfen auf Alathair konnte sie ihr Schwert immer noch nicht gut genug führen. Das zeigte er ihr gerade mehr als deutlich. Immer wieder schlug er ihr mit seinem Holzkryss auf ihre Arme und Beine, holte sie von den Füssen. Sie war noch immer beinahe wehrlos, viel zu wehrlos … so wie damals…

Damals, als sie 12 Sommer alt war. Damals, als sie mit ihrer Mutter im Wald Holz sammelte. Damals, als das Sommergewitter sie überraschte…
Damals hatten sie Schutz in einer Höhle gesucht vor dem Unwetter, doch sie wussten nicht, dass sie nicht allein waren. Sie schliefen ein und bemerkten nicht, wie die merkwürdige affenartige Gestalt mit den Fledermausflügeln aus den Tiefen der Höhle gekrochen kam. Erst als das Untier ihre Mutter packte und versuchte, sie in die Höhle zu ziehen, erwachte sie. Ihre Mutter schrie angsterfüllt und versuchte sich aus dem Griff der Bestie zu winden, doch vergeblich.
Jung wie sie war, ergriff sie einen Ast und versuchte dem Tier nachzusetzen und es mit dem Ast zu schlagen, auf dass es ab lies von ihrer Mutter. Doch es holte nur mit einer Pranke aus und schleuderte sie an die gegenüberliegende Felswand. Und noch bevor sie am Boden aufkam, hörte sie das Genick ihrer Mutter brechen, als das Tier ihr den Kopf verdrehte. Dann überkam sie die Ohnmacht.
Als sie erwachte, war sie allein, und das sollte die nächsten Jahre auch so bleiben. Ausser ihrer Mutter hatte sie niemanden. Ihren Vater kannte sie nicht und sie wohnten abseits von einigen Dörfern in einer Hütte am Waldrand. Nur selten waren sie im Dorf gewesen. Also versuchte sie sich mehr schlecht als recht alleine durchs Leben zu schlagen. Doch fand sie eine Stelle als Magd auf einem grossen Bauernhof, wo sie während der Erntezeit mit anpacken konnte.
Der alte Bauer trainierte abends nach dem Tagwerk noch seine beiden Söhne im Umgang mit dem Schwert und so oft es ihre Arbeit zu lies, sah sie zu.
Zu gerne nur, wollte sie auch ein Schwert führen können. Nie wieder wollte sie sich so wehrlos fühlen. Nie wieder wollte sie jemand verlieren, weil sie wehrlos war. Und so schlich sie sich eines Nachts in das Haus des Bauern und suchte nach den Schwertern. Doch der alte Bauer hatte einen leichten Schlaf und als Einbrecherin war sie wohl auch gänzlich unbegabt. Und so erwischte er sie, als sie die Wohnstube gerade in Augenschein nahm. Doch statt sie fort zu jagen oder zu schlagen, hörte er sie an und nickte nur leicht. Am folgenden Tag dann wurde sie des Abends zum alten Bauern gerufen und zu ihrer Überraschung drückte jener ihr ein Holzschwert in die Hand. Sie sollte von nun an seinen Söhnen beim trainieren helfen. Doch das, was sich sich so verheissungsvoll angehört hatte für sie, wurde nun zur Qual. Man hätte sie eher Prügelknaben nennen sollen, als Trainingsgehilfin. Die beiden Jungen trafen sie sehr oft und sehr hart und nur ab und an gelang es ihr, ihre Schläge abzuwehren. Und so weinte sie oft des Nachts, weil sie vor blauen Flecken nicht wusste, wie sie liegen sollte.
Doch mit der Zeit wurde sie besser im abwehren der Schläge, nur selbst konnte sie fast nie einen Schlag anbringen. Sie traute sich auch nicht, aus Angst, einen der jungen Bauern zu verletzen. Aber das ein oder andere sah sie sich bei den Jungen ab.

Offenbar war es aber nicht genug, sonst müsste sie sich nicht sagen lassen, sie sei ein Varuner Waschweib. Sicher, er reizte sie nur, damit sie härter zu schlug, verbissener kämpfte. Doch stattdessen wurde sie immer wütender.

Und dann kam auch noch diese Frau dazu, offenbar auch eine Waldläuferin und sie unterhielten sich, als kenne man sich schon etwas.
Sie betrachtete die beiden, als sie sprachen und wieder einmal kamen ihr die Worte eines Freundes in den Sinn „Ihr passt einfach nicht zusammen. Ihr habt nichts gemeinsam“ Immer tiefer gruben sie sich in ihre Gedanken und nährten ihre Zweifel schon seit Tagen. Und dann zogen die beiden auch noch über die Menschen in der Stadt her. Wie hinterlistige Schlangen seien sie. Und Städte wären eh alle so hässlich und eng und mit so vielen schlechten Menschen bevölkert.
Sie konnte es einfach nicht mehr hören! Was war so schlimm daran in der Stadt wohnen zu wollen?
Es hatte ihr gefallen in Varuna, in ihrem kleinen Haus dort. Endlich hatte sie das Gefühl, nicht mehr so allein zu sein. Dort lernte sie einen Nachbarn kennen und unterhielt sich ab und an mit ihm. Die Menschen waren immer freundlich. Und auf den Strassen und in den Gasthäusern war meist etwas los. Es dauerte nie lange und schon war man in ein Gespräch verwickelt. Und bequem war es auch. Benötigte man etwas, dann musste man nur wenige Schritte gehen und schon war man beim Schneider, Krämer, Barbier...
Sicher, hier war es auch schön. Sie hatten nun ein Zelt am Flussdelta, wo er in das Meer mündete. Abends waren die Grillen zu hören und morgens die Vögel und über allem das sanfte Rauschen des Meeres. Aber hier hatte sie nur ihn, sonst nichts. Keine Menschen wohnten um sie herum. Nur ein verlassenes Dorf war in der Nähe.
Seine Freundinnen hatten auch ihre Zelte in der Nähe, aber sie...sie hatte niemanden hier. Seit sie aus der Stadt gezogen waren, hatte sie ihren ehemaligen Nachbarn nicht mehr gesehen und der einzige, der so etwas wie einem Freund gleichkam, war ein Söldner und hätte ihr Vater sein können.
Hier fühlte sie sich allein, schrecklich allein. Als wäre sie die einzige auf Gerimor. Aber das verstand er wohl nicht. Für ihn war sie nur an dritter Stelle. Erst kam seine Freiheit in den Wäldern, dann seine Gefährtinnen und erst dann kam sie.
Aber war ihr das genug? Konnte sie damit wirklich leben? Anfangs dachte sie, das ginge, aber warum bohrte nun immer wieder der Zweifel an ihr und lies sie nicht schlafen?

Sie fauchte ihn an, wie eine wilde Katze, dass er die Stadt nicht immer so schlecht machen sollte, dass es ihr dort gefallen hatte und dass sie sich einsam fühle, weil er so oft unterwegs ist. Und er blaffte zurück, ein Wort gab das andere und am Ende verliesen beide verärgert das Zelt.
Sie wollte beweisen, dass sie kein Varuner Waschweib war und durchaus zuschlagen konnte! Und so führte sie ihr Weg zu den Katakomben vor Varuna, wo sie unter den Skeletten und Zombies wütete. Doch dann wandte sich ihr Glück gegen sie und immer öfter spürte sie die Knochen und das verfaulte Fleisch zwischen ihren Rippen, an ihren Armen und Beinen zerren, bis ihr ein Ghul den linken Arm aufriss mit seinen Klauen.
So verletzt konnte sie nicht weiter kämpfen und floh hinaus in die Nacht. Ihr war schlecht von den vielen Schlägen in den Magen und die Wunde blutete sehr. Und so setzte sie sich auf ihr Pferd und ritt in die Nacht. Doch weit kam sie nicht. Als sie am Lager der Krähen vorbei kam, wurde ihr schwarz vor Augen und sie viel vom Pferd wie ein nasser Sack. Zum Glück waren gerade einige der Söldner vor ihrem Lager und redeten. Sie versorgten sie notdürftig und luden sie ein zu bleiben. Doch hier wollte sie nicht bleiben, also ritt sie wieder hinaus in die einsame Nacht. Er fehlte ihr so sehr...was hatte sie nur getan?

War es denn wirklich so schlimm? Warum war sie eigentlich so wütend gewesen? Er hatte ja recht...sie konnte es einfach nicht.
Aus verletztem Stolz hatte sie ihm all die Dinge an den Kopf geworfen...wie dumm sie doch war. Eigentlich, so dachte sie, hatte er besseres verdient. Wäre er ohne sie nicht besser dran? Hatte sie ihm nicht schon oft genug wehgetan mit ihrer aufbrausenden Art? Sie wollte ihm nicht wehtun....
Er war immer für sie da, wenn sie Hilfe brauchte, doch sie verletzte ihn nur, engte ihn ein und versuchte etwas aus ihm zu machen, was er nicht ist.
Aber wollte sie das? Hatte sie sich nicht in ihn verliebt, eben weil er so wild und ungezähmt war?
Doch was sollte sie nun tun? Sicher war er in den Wäldern unterwegs. Dort konnte sie ihn unmöglich finden. Und selbst wenn sie ihn fand...wäre eine Entschuldigung genug? Plötzlich überkam sie die Angst. Was, wenn sie ihn für immer verloren hatte?
Der Gedanke lies sie nicht los und so zog sie sich in eine verlassene Hütte unweit ihres Zeltes zurück und weinte die ganze Nacht, bis der Schlaf sie übermannte. Wie gerne wäre sie doch in seinen Armen eingeschlafen...
aber ob das je wieder der Fall sein würde?

Verfasst: Dienstag 20. Juni 2006, 12:50
von Xinthra
Oh welch seltsame Stimmung in der Luft um das Lager herrschte. Erinna war wohl wegen etwas bedrückt, aber wie sie halt so war, ging ihr nicht über die Lippen, was es war. Sie denke an nichts, sagte sie immer wieder. Auch Ronya war bedrückt, war sie doch eben erst von einem Besuch am Grab ihres Sohnes zurückgekehrt und hatte in Bajard einen Jungen getroffen, blond, frech, etwa so alt wie Miki gewesen war. Ronya traurig, Erinna traurig, dazwischen eine Xinthra die nicht wusste ob es klüger war zu schweigen oder etwas zu sagen. Ein wenig spielte Erinna mit Milesch, dem kleinen Kater, der einst Miki gehört hatte.

Sie sprachen ein wenig von Lyanna, die sie wortlos verlassen hatte, ohne jegliche Erklärung, nicht einmal für Erinna hatte sie ein Wort übrig gehabt. Man konnte Ronya ihre Enttäuschung ansehen. Später dann in Erinnas Zelt sprach man weiter, einige Krüge Wein fanden ihren Weg in die Mägen der drei Frauen. Ihr Gespräch fiel auf Fiona. Die liebe Fiona, die mit Rahalern jagen geht, in Varuna wohnt und in Bajard Wächter spielt. Einst war sie Erinnas und Xinthras Nachbarin, doch ihr Verhalten änderte sich, als die beiden es wagten, fortzuziehen, ohne sie davon zu unterrichten.

Ronya legte sich schlafen, und Erinna begann, ihren Schrank umzuräumen. Eigentlich hatte sie ja gesagt, malen zu wollen. Xinthra beobachtete sie beim umräumen. Hin und her wurden die Kleidungsstücke geschoben, in einem Schrank, der schon sehr aufgeräumt war. Nach einer ganzen Weile erst sprach sie Erinna darauf an und legte eine Hand auf deren Schulter, was sie aber nicht davon abhielt, weiterhin Kleidungsstücke umzuräumen. "Ich spüre doch, dass etwas nicht stimmt. Du bist einsam hier, hab ich recht?" fragte Xinthra. Sie erhielt lange keine Antwort.

"Na wenn nichts ist.." sagte sie, nachdem Erinna ihr mehrmals zu versichern versuchte, dass sie nichts bedrücke. sie band sich den Schwertgurt um und wollte gerade ihren Speer ergreifen, da stand Erinna neben ihr. Stotternd sprach sie "Du.. du gehst? Warum?" und blickte Xinthra dabei an. "Ja, ich gehe, weil ich mir das nicht ansehen muss, wie du hier herum trauerst und sagst, dass nichts ist. Ich spüre, dass etwas nicht stimmt, aber.." und in dem Moment sprang die Tür auf, Drago kam herein gerannt und hinter ihm direkt Eldir. "Bitte bleib noch hier" bat Erinna, und Xinthra legte den Schwertgurt wieder ab, setzte sich auf einen Stuhl, neben den auch Eldir platz fand.

Erinna schien sich über den Besuch irgendwie nicht richtig zu freuen, es dauerte nicht lange, da begann sie wieder, umzuräumen. Auch als Eldir davon erzählte, wie er sich mit seiner Liebsten zerstritten hatte, wegen einer Lapaille, Erinna reagierte nicht darauf wie sie sonst reagiert hätte. Nein, sie räumte weiter in ihrem Schrank herum. Bis sie plötzlich zu Lachen begann. Sie kringelte sich auf dem Boden und lachte einfach nur, Eldir schaute verdattert drein, fragte ob er etwas lustiges gesagt hätte. Doch Xinthra war ebenso verwundert über Erinnas Lachen. Keiner der beiden, nur Drago, erkannte, dass das Lachen in wirklichkeit kein Ausdruck der Freude war, sondern wohl eher der Verzweiflung. Der Wolf rannte zu Erinna hin und schleckte ihr durchs Gesicht. Das Lachen veränderte sich, es wurde zunehmend deutlicher ein Schluchzen, Erinna weinte, und drängte ihr Gesicht ins Fell des Wolfs.

Erst jetzt bemerkte Xinthra ihre Verfassung und ging langsam auf sie zu. Die Frage, ob sie weine, war wirklich überflüssig gewesen. Kaum hatte sie sich neben Erinna gekniet und sie umarmt, erwiderte Erinna dies und kuschelte sich eng an Xinthra. Seufzend verließ Eldir das Zelt, vermutlich hatte er nicht mehr die verabschiedenden Worte von Xinthra vernommen. Diese hob Erinna ein Stück an, um so mit ihr auf die Felle zu kriechen, eng umschlungen und Erinnas Kopf an ihrem Hals lag sie so lange wach, bis die Tränen versiegt waren.

In diesem Moment war sie einfach nur noch glücklich, dass Erinna noch immer solches Vertrauen in sie hatte, trotz allem was passiert war.

Verfasst: Dienstag 20. Juni 2006, 14:27
von Eldir
Leise... kein Ton jetzt... er schlich über die freie Wiese, von einem Waldstück zum nächsten, der Tau gab dem Moos einen frischen Geruch, die Sterne ließen alles für ihn heller scheinen.
Endlich waren wieder alle Sinne da, keine Verwirrung mehr, sie wurde von dem Adrenalin, das in ihm hoch stieg abgelöst. Er konnte schmecken wie die Luft langsam feuchter wurde und die Nacht sich ausbreitete, der Geruch von Wildheit lang wieder in der Luft, ein kurzer Blick gen Himmel, die Sterne... Bar...kleiner und großer Hund, Schwester... einige Momente stockte er,

„Was war nur los?“
Schneller dann, er hastete zum Wald, leisen Schrittes huschte er über die alten Blätter auf dem Waldboden, bis zu einem Baum.
Ein Griff an einen Ast, hochgezogen und auf einem höheren Ast fand er einen Platz, der geeignet war. Im Augenwinkel konnte er noch ein umherstreifendes Rudel wilder Wölfe ausmachen,
„Warum war es nicht so einfach?“ er wusste wie Wölfe sich verhalten, wann sie glücklich waren, aufgeregt, neugierig, wütend oder traurig. Warum waren Menschen nicht so wie Wölfe, es könnte soviel leichter sein so das er verstehen würde was los ist. Bis tief in die Nacht hinein beobachtete er die Wölfe, ehe er irgendwann in einen unruhigen Wachtraum hinabglitt.