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Habe ich mir das SO vorgestellt ?

Verfasst: Donnerstag 2. Mai 2019, 19:28
von Sophie Meshun
"Ich erwarte mir eine gesunde Ernsthaftigkeit und keine Blödeleien bei deiner Arbeit als Heiler. Einfühlungsvermögen, Sorgfalt, Disziplin und absolute Reinlichkeit sind ein Muss." So oder so ähnlich hatte Lucien es gesagt. Sophie blickte auf das Buch vor sich welches bisher nur eine beschriebene Seite hatte und selbst auf diese war der Text kurz gehalten. Es war ein kleiner Brief an ihr späteres Ich. Auch wenn dieser wohl erst später eingetragen wurde schien sie die erste Seite stets dafür reserviert zu haben.


Tagebuch Sophie Meshun, angehende Heilerin zu Adoran


Es kann eine Zeit kommen, da wir zweifeln. Es kann eine Zeit kommen da du nicht mehr siehst warum wir diesen Weg gehen. Ich möchte dich daran erinnern wie es sich jetzt anfühlt. Wenn ich ihre Gesichter sehe, ihr Lächeln. Wenn ich ihre Dankbarkeit spüre. Dann wärmt es mir das Herz. Nichts fühlte sich so wahr und so ehrlich an wie ihre freudigen Gesichter. Vielleicht wird es in deiner Zeit weniger, vielleicht überhäufen sie dich nicht mehr mit Lob und Dank, aber er ist da. Denk bitte daran.

Sophie




24. Wechselwind im Jahre 262
  • Heute habe ich mit Lucien über meinen Werdegang gesprochen. Ich weiß gar nicht mehr warum mein Magen so grummelte bevor ich zu ihm ging. Es war mir klar das seine Worte eindringlich, hart und fair sein würden. Seine Forderung war einfach und klar. Sei bei der Sache und streng dich an. Nachdem sich Majalin zu uns gesetzt hatte kamen wir an den Punkt was ich von wem lernen konnte. Dann drangen hektische Stimmen aus dem Untergeschoss.

    Letzten Ende stellte sich heraus, das ein junge Dame von einem Raubtier angegriffen wurde. Einige der Kratzer waren oberflächlich, Lucien wies mich an die Wunden zu säubern während Majalin der Frau gut zusprach. Oder lenkte sie die Frau ab? Was auch immer, es funktionierte. Grade bei Wunden von Tieren kann man wohl nicht vorsichtig genug sein und muss jene immer gut säubern. Die tieferen Wunde vernähte Lucien. Temora war ich froh darüber. Hätte er gesehen wie meine Hände zitterten, bei Danielas Wimmern, wer weiß.

    Kaum das Lucien fertig war trug ich die Salbe auf, die er mir gegeben hatte und verband die Wunden. Ruhig wurde Daniela noch erklärt das sie im Hospital bleiben könnte, wo sie Essen und trinken fand und das sie sich zu schonen habe. Während für Daniela Essen vorbereitet wurde, habe ich ihr noch frische Kleider aus dem Glaubenshaus geholt.

    Alles in allem lief der Abend anders als erwartet. Dennoch war ich froh als ich am Abend im Bett lag. Froh da gewesen zu sein.

Verfasst: Dienstag 7. Mai 2019, 13:48
von Sophie Meshun
Der Abend gestern war lang. Vielleicht zu lang. Ihr Blick glitt zum Fenster welches eine feine Staubschicht als Kleidchen trug. Die ersten Sonnenstrahlen lugten neugierig über die Stadtmauer hinweg ins haus hinein. Nachdem das Fenster geöffnet war und sie die kühle Morgenluft tief in ihre Lungen gesogen hatte, straffte sie ihre Haltung. "Ich weiß was du dort oben sagen würdest... das rechte Maß. Aber noch bin ich nicht bereit eine meiner Aufgaben ziehen zu lassen. Und vielleicht.." Ein Lächeln zart wie ein Grashalm im Winde und warm wie der frühe Sonnenstrahl, wurde gen Himmel entsandt.
"... und vielleicht, wird es nach der vielen Lehrzeit leichter."

Auf dem Tisch rückte sie ihr Tagebuch zurecht und schlug eine weitere Seite auf...

1. Eluviar im Jahre 262
  • Heute suchte mich die Dame Daniela auf. Sie beteuerte glaubhaft den Arm geschont zu haben, wie erbeten. Ich willigte ein mir ihren Arm anzusehen, zumal, laut ihrer Aussage unter dem Verband nun ein Juckreiz entstanden. Ich habe ihr den Verband abgenommen, und den Arm mit einer Lösung aus warmem Wasser und einem halben Löffel Alkohol gesäubert. Es gelang mir auch nahe der Wunde, Reste der Salbe und trockenes Blut zu entfernen. Daniela ließ alles geduldig über sich ergehen.

    Die Wunde war gut verheilt und zusammen gewachsen. Ich legte mit eine saubere Tücher zurecht. Dann trennte ich die erste Naht auf und beobachtete die Wunde. Es hielt soweit ich es überblicken konnte. Also löste ich auch die zweite Nacht welche Lucien gesetzt hatte. Sie musste sich wirklich geschont haben, alles war fein zusammen gewachsen. Nachdem ich alle Nähte entfernt hatte, trug ich ein weiteres Mal die Salbe auf, die Lucien mir gezeigt hatte.

    Abschließend gab ich ihr noch einen Sud aus Apfel und Ginseng, welcher im Rezeptbuch des Kontor Labors, als Trank mit heilender Wirkung eingetragen war. "Am besten, davon jeden Abend zwei große Löffel bis die Phiole leer ist." Und entließ sie mit der Auflage, sich beim ersten Anzeichen von Schmerz oder Unwohlsein direkt wieder im Hospital zu melden.

Verfasst: Dienstag 14. Mai 2019, 15:03
von Sophie Meshun
Müde blinzelte sie in die letzten Strahlen der Sonne hinein. Der Tag hatte ihr viel zum nachdenken gegeben. Viel mehr als sie wollte. Waren es Zweifel an dem was sie tat oder.. vielleicht sogar an dem was sie tun wollte? Nein das war es nicht. Es hatte lange gedauert, aber sie war sich ihres Weges nun sicher. Doch woher kam dann ihr unwohles Gefühl?
Ihre Hand strich über den Bauch, der so rebellisch auf sich aufmerksam machte. Gedankenverloren wanderte sie die Straße entlang, kein Blick ging nach links oder nach rechts. Sie bewegte sie wie ein Geist durch eine Welt die ihr Leid selbst wählte. War es möglich das Sorgen sich in körperlichen Schmerz wandelten? Ihre Hand knautschte sich in den Stoff ihres Hemdes und hielt sich verbissen darin fest. An diesem Abend zitterte ihre Hand leicht als sie ihr Tagebuch öffnete.

13. Eluviar im Jahre 262
  • Heute habe ich Freundin verloren. Ich habe lange versucht ihr Herz und ihre Seele davor zu bewahren, zu zerbrechen. Wie sagte er einmal, 'Empathie Sophie'. Ich weiß nun zumindest wie es nicht geht. Alles in mir schreit danach ihr nach zu rennen, die Verantwortung auf mich zu nehmen. Aber ist das noch Mitgefühl. Er hatte auch gesagt 'Was du fühlst hat nichts mit der heiligen Amyra zu tun, es ist dein Gewissen.' Aber was tue ich nun, ihr weiter nachrennen und sie umsorgen? Mich um jene kümmern die aus der anderen Hälfte dieser Situation stolpern werden? Ihm ging es sicher keinen Deut besser. Aber er hat Leute die ihm in den Hintern treten wollen. Ab die komme ich kaum ran, ich glaube manchmal reichen nette Worte nicht um eine Seele zu heilen.

    Ich habe ihr angeboten Amyras Schrein vor dem Südtor aufzusuchen. Aber sollte wirklich Sie dorthin gehen oder ich? Aber wenn L. sagt Amyra hat damit nichts zu tun, glaube ich ihm. Doch wie reinige ich mein Gewissen von diesem dumpfen schwarzen Makel der darauf liegt?

    Wenn sie es nicht ist, die das Opfer bringen muss, wer dann?

    Etwas ist furchtbar schief gelaufen. Zu richten ist es nicht mehr, und eine der Personen die es offenbar zerstört haben, bin ich selbst. Kann ich nun von ihr erwarten sich selbst zu heilen? Aber wie heilt man sich davon das man seinen Mann mal wieder verloren hat und jemand der bisher gut und freundlich zu dir war, dir auf einmal direkt die Meinung sagt? Selbst wenn sie L. oder die anderen Heiler fragte, konnte es darauf eine Antwort geben die nicht sagte 'Zeit heilt alle Wunden'?
    Ich habe zugesagt mich fortan raus zu halten. Ich werde also den Abstand zu ihr so groß wie möglich halten.