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Briefe nach Schwalbenwies

Verfasst: Dienstag 19. Februar 2019, 19:55
von Ronya Wieseltanz
Nachdem sie sich nun so langsam eingelebt hatte und alle wichtigen Erledigungen getätigt wurden, nahm sich die junge Nadelschwingerin endlich mal die Zeit für sich und einen längst überfälligen Brief welcher mit viel Liebe und Sorgfalt verfasst wurde. Sie suchte sich daraufhin einen zuverlässigen und vertrauenswürdigen Boten dem sie einen prallen Beutel voll Gold sowohl als Lohn, als auch für ihre Familie mit auf den Weg gab.
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    19. Eisbruch 262
    Zum tanzenden Wiesel
    Adoran
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Lieber Vati, liebe Mutti, geliebtes Bruderherz,

es tut mir aufrichtig leid das ich euch diese Zeilen erst jetzt zukommen lasse, aber sorgt euch bitte nicht, ich bin gut angekommen und bei bester Gesundheit. Ich habe soviel zu berichten und weiß garnicht so recht wo ich anfangen soll. Ich hoffe euch allen geht es gut und ihr habt den Winter heil überstanden. Außerdem hoffe ich das sich die Geschäftslage wenigstens ein bisschen gebessert hat. Hier in Adoran ist wirklich alles ganz anders, ich glaube ihr würdet hier wieder aufblühen. Selbst den Bauern und Handwerkersleuten scheint es hier an nichts zu mangeln. Ich vermisse euch so sehr und wünschte ich könnte euch alle in die Arme schließen. Ich weiß das ich bei unserem Abschied ein kleines Ekel war und es plagt mein Gewissen das ich unter Tränen, statt mit einem Lächeln, davon gegangen bin. Ihr hattet wie immer recht, es war das Richtige nach Adoran zu gehen und ihr sollt wissen das ich jetzt, im Nachhinein, unendlich dankbar bin das ihr mir das ermöglicht habt, vor allem weil ich weiß was die Familie dafür opfern musste. Manchmal denke ich tatsächlich, dass das alles nur ein Traum sei aus dem ich bald erwache und doch sitze ich hier an meinem Schreibtisch und schreibe Euch diesen Brief. Ich hoffe es erfüllt euch alle mit Stolz wenn ihr die nächsten Worte lest. Ich habe tatsächlich meine Lehre bestanden, ich bin eine echte Meisterin! Du sollst wissen Mutter, im Grunde genommen ist das alles dein Verdienst. Ich vermisse die Zeiten wo ich neben dir in der Stube saß und dir bei der Arbeit helfen durfte, sovieles davon hat mir auf meinem Weg hier in Adoran geholfen, ich bin dir unendlich dankbar. Du bist die beste Mutter die man sich wünschen kann.

Seit kurzem bin ich sogar stolze Besitzerin eines Bürgerbriefs! Ja, ihr habt richtig gelesen. Eure kleine Tochter ist tatsächlich eine Adoranerin und Bürgerin des Herzogtum Lichtenthal. Ich war zwar wirklich aufgeregt als ich vor Hochgeboren von Thronwall saß, aber ich habe mich gewissenhaft vorbereitet und hätte fast einen Freudensprung im sitzen gemacht nachdem ich den Brief augehändigt bekam. Und ja Vati, natürlich werde ich meine Wurzeln nicht vergessen, weiß ich doch wieviel Wert du darauf legst. Die Menschen hier sind wirklich sehr herzlich und garnicht so aufgeblasen wie du immer behauptet hast. Naja, manche schon, aber die meisten sind wirklich freundlich, zuvorkommend und sie haben mir meinen Einstieg in das neue Leben wirklich erleichtert. In meiner Lehrzeit, als ich gerade in Adoran eintraf, habe ich Herrn Steiner kennengelernt, einen Kesselflicker aus der Stadt. Keine Sorge Vati, du weißt doch, ich bleibe immer Papas Prinzessin und ich kann dir versichern er hat seine Hände bei sich behalten, war sehr höflich und ist ohnehin schon vergeben. Du brauchst also nicht das nächstbeste Schiff nehmen um ihm deinen Hammer um die Ohren zu hauen. Er wies mich auf die Möglichkeiten seiner Majestät hin und ich bezog eine kleine Lehrhütte in bester Lage, direkt neben dem Marktplatz, ich habe sie nach deiner Stube benannt Mutti. Die Hütte war zwar nicht viel größer als dein Arbeitsbereich, aber dafür umso kuscheliger und wirklich erschwinglich. Und du hattest recht, mein geliebter Bruder, der König ist wirklich ein sehr großzügiger Mensch. Also, nicht das ich ihn kennengelernt habe, aber die Möglichkeit die er seinem Volk bietet mit diesen Lehrhütten sprechen für seine Güte. Wie ihr sicher auch mitbekommen haben dürftet hat seine Majestät Ciarda Emyn von Nharam geheiratet, die Tochter Seiner Herzoglichen Hoheit Andurion III. von Nharam. Alle im Lichtenthal waren total aufgeregt und es wurde überall gefeiert und getuschelt. Ich arbeite schon seit Wochen an einem Kleid welches Ihrer würdig wäre, denn scheinbar soll das Königspaar bald zu Besuch nach Adoran kommen, ich würde ihr so gerne ein Geschenk machen. Ich weiß Vati, Ziele sollte man sich nicht zu hoch stecken, aber ein wenig träumen darf man ja wohl, mh? Aber stellt euch vor, ich habe sogar schon mit einem echten Ritter, Sir Heinrik von Talgrund, am Lagerfeuer gesessen und noch dazu mit einer wahren Lady, die Baronin Helisande von Gipfelsturm! Ich glaube sie war schwanger, zumindest deutete ihr rundlicher Bauch darauf hin. Ihr fragt euch jetzt bestimmt wie eure Tochter zu so einer Ehre kam, mh?

Kurz nachdem ich die kleine Lehrhütte bezog lernte ich eine Wachtmeisterin des Lichtenthaler Regiments kennen, Moira Salberg. Nein, keine Sorge ich habe nichts angestellt! Sie ist sehr hilfsbereit und hat mir, zu meiner Freude, mit der Einrichtung der kleinen Stube geholfen. Sie war es auch die mich mitnahm um beim, ich glaube es war ein Biwak oder so, mitzuhelfen. Wir haben dort alle zusammen Holz gehackt. Ja, geliebter Bruder, deine Schwester hatte tatsächlich ein Beil in der Hand. Ich musste immerzu an dich denken als ich die kleinen Äste zurecht gehauen habe, alle waren sehr freundlich, auch wenn ich nicht die dicksten Stämme beigetragen habe. Dort hat mir Moira auch die Edle Amelie van Salberg vorgestellt. Sie ist ebenso eine meisterliche Schneiderin und ich glaube ihr würdet euch gut verstehen Mutti. Alle sprechen in den höchsten Tönen von ihr und obwohl sie mir nun schon zwei mal anbot mich liebend gern zu unterstützen, konnte ich bis jetzt meinen Mut nicht aufbringen um sie zu besuchen, sie ist immerhin eine Edle und Vogtin von Kronwalden, und obwohl mir jeder versicherte das sie eine herzensgute Frau ist, hat sie bestimmt wichtigere Dinge zu tun. Ich werde sie aber schon bald besuchen, ja, ich weiß Vati, weniger reden mehr tun! So kam es auf jeden Fall das wir eines Abends alle zusammen am Lagerfeuer saßen. Sogar einen geselligen Kaluren Namens Dorlikin habe ich dort kennengelernt. Er hat zwar einen seltsamen Geschmack was Speisen angeht, aber was die Vorliebe zum Bier betrifft, würdet ihr beide euch sicher mehr als gut verstehen Vater. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie aufregend es war mit solch höhergestellten Leuten da zu sitzen. Ritter, Ladys, Knappen, Wachtmeister und sogar Hochwürden Hohenhain und dann... Ich!

Eine Bekanntschaft ist mir dabei besonders ans Herz gewachsen. Es kommt mir manchmal fast so vor als hätte ich die kleine Schwester gefunden die ich mir immer so sehr gewünscht habe. Ihr Name ist Rhea und sie ist die Ziehtochter von Wachtmeisterin Moira Salberg. Wir verstehen uns wirklich gut und jedes mal wenn sie die Stube betritt erhellt es mein Herz aufs Neue. Obwohl sie noch so jung ist, ist sie dennoch klug, schlagfertig und aufgeweckt. Sie hat mir viel von der Stadt und dem Umland gezeigt, wie zum Beispiel Kronwalden und den Hort des Wissens. Wehe ihr lacht jetzt, ach, ich weiß das ihr ohnehin lachen werdet. Sie hat mit mir sogar den Knicks geübt! Ja, ihr habt richtig gelesen, ich kann jetzt sogar das. Naja, zumindest besser als vorher. Sie hat mir auch Mut zugesprochen den kleinen Laden zu öffnen so dass ich mir gar einen kleinen Kundenstamm aufbauen konnte und immer wieder mal nette Leute kennenlernen durfte, zu denen ich sogar die eine oder andere freundschaftliche Beziehung aufgebaut habe. Elfen wie zum Beispiel Aerandir, Liedkundige und stolze Säbler aus dem Wüstenreich, Barden wie Kaleya Auenbacher, eine wirkliche Frohnatur und sehr hilfsbereite Frau, Krieger, Abenteurer und Schützen, ja, sogar Pferde und Katzen, sie alle sind schon ein und aus gegangen in der kleinen Stube und wie du es mir immer wieder vorgelebt hast Mutter, sie alle haben den Laden mit einem Lächeln verlassen.

Meine bisher größten Aufträge habe ich einem Mann Namens Julius Kerner sowie einem hiesigen Ingenieur Namens Alec Valmanay zu verdanken. Natürlich habe ich auch viele andere Aufträge erfüllen dürfen und habe diese gewissenhaft und mit Freude bewerkstelligt, aber diese beiden waren bisher jene Arbeiten auf die ich besonders Stolz bin. Herr Kerner benötigte eine komplette edle Gewandung von Kopf bis Fuß um vor der Hochgeboren von Thronwall vorzusprechen, also habe ich mir natürlich besonders viel Mühe gegeben um seinen Erwartungen zu entsprechen. Ich glaube behaupten zu können das es Früchte trug, er war nämlich immer sehr großzügig und hilfsbereit auf meinem weiteren Weg und ist es bis heute noch. Das gleiche gilt für Herrn Valmanay. Er verschaffte mir einen Auftrag der seiner Herzdame als Geschenk galt, für die Ballsaison. Diese verkehrt wohl in höheren Kreisen was für mich natürlich nicht nur Werbung bedeutet, sondern auch eine große Ehre ist. Auch er war sehr zufrieden und großzügig zu mir und schenkte mir außerdem eine wirklich prachtvolle Kette die er selber angefertigt hat aus Pyrian. Ein wahrer Segen in den kalten Tagen und ein wirklicher Blickfang noch dazu, ich habe mich sofort verliebt, also in die Kette! Ich bin ihm sehr dankbar.

Natürlich bin ich allen anderen ebenso dankbar für jeden noch so kleinen Auftrag und das Vertrauen in meine Arbeit, aber ich glaube Vati hat schon wieder einen Wutausbruch da ich wie ein Wasserfall plappere, also komme ich nun so langsam zum Ende. Wie ich bereits erwähnte habe ich vor einigen Tagen die Prüfung, den Göttern seis gedankt, bestanden und musste somit die Lehrhütte verlassen. Aber sorgt euch nicht das ich nun auf der Straße lebe, nein, ganz im Gegenteil. Nur einige Schritte entfernt war zu meinem Glück ein Haus frei, auch direkt neben dem Marktplatz, welches ich nun bezogen habe! Es ist sogar zweistöckig und richtig geräumig so dass ich mir sogar zwei kleine Mitbewohner dazu geholt habe, nein Vati, keine Männer! Also naja, der eine ist es schon. Ein Kater, Sir Pfote sowie eine weitere süße Katze, Wusel. Dank meiner bisherigen Auftragslage und der Hilfe von Mara und ihrem Gefährten, dem Herrn Guldenstern der Schreiner ist, konnte ich sogar schon alles einrichten. Auch wenn ich die kleine, kuschelige Lehrstube irgendwie vermisse, habe ich mich so langsam eingelebt und sitze jetzt hier am Schreibtisch und schreibe euch diese Zeilen in meiner eigenen, richtigen Schneiderstube. Ich hoffe es erfüllt euch mit Stolz. Ich liebe euch alle von ganzem Herzen und vermisse euch unbeschreiblich doll. Da ich, dank der Menschen und ihrer Großzügigkeit, fast garnicht hinterherkomme die ganzen Aufträge zu erfüllen habe ich dem Boten etwas Gold für euch mitgeschickt und hoffe es hilft euch ein wenig weiter. Ich bin fest davon überzeugt das wir eines Tages, alle gemeinsam hier in Adoran leben und wieder vereint sind.

Nun muss ich mich aber wirklich verabschieden und mich an die Arbeit machen, diesmal aber nicht wie bei unserem letzten Abschied, sondern mit einem herzlichem Lächeln und voller Freude auf alles was noch auf mich zukommen wird. Stellt euch mal vor, ich habe einen Auftrag von einer Edlen, der Dame van Drachenfels, erteilt bekommen und ich möchte sie ungerne enttäuschen, ist das nicht toll? Eine richtige Dame die mit meinen Werken herumspazieren wird. Ich bin so glücklich, und euch so dankbar das ihr mir das alles ermöglicht habt, danke! Ich werde jetzt öfter schreiben, bitte verzeiht mir das ich nicht vorher von mir hören lassen habe, aber ich musste soviel lernen für die Prüfung und für den Bürgerbrief.

Eure euch liebende Tochter und Schwester
Ronya