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[Q] Fund der toten Gardisten

Verfasst: Sonntag 17. Februar 2019, 19:55
von Vladimir Dracones

Bei Ausgrabungen rund um die alte Angurenfeste wurden die Leichen der vier toten Gardisten gefunden, tat Leutnant Rabenstein es der Erhabenen und ihm kund. Der Leutnant und die anderen Gardisten, die diesem bei dem Transport der Überreste behilflich waren hatten kreidebleiche Gesichter. Und der Vicarius sollte bald erfahren warum dem so war. Minder konnte man es als Kadaver bezeichnen, als es denn eine Ansammlung von einzelnen zerhackten Gliedmaßen war. Auf mehreren großen Leichentüchern in den unteren Ebenen der Krypta luden sie die Leichenteile ab und breiteten sie aus. Da konnten die Tempeldiener das erste Mal die Ausmaße der Verunglimpfung betrachten...

* * *

Seit einigen Tagen schon ist der Vicarius nunmehr mit dieser Aufgabe beschäftigt. Es ist nichts was ihn mit Begeisterung oder überschwänglicher Euphorie beträufelt. Eher mit Bedauern und Andacht. Zudem war der Aufenthalt in der Krypta nicht gerade angenehm. Der Geruch von faulendem Fleisch toter Kadaver paarte sich mit dem stickigem süßlichem Duft der brennenden Duftstäbchen. Das.. über den gesamten letzten Wochenlauf einen Großteil seiner Zeit ertragen zu müssen ist noch weniger als Unangenehm. Und irgendwie treibt dieser andauernde stickige Duft der Stäbchen Schmerzen in seinen Kopf, doch wäre der faulende Gestank ohne sie noch weitaus schwerer zu ertragen. Er bleibt selbst an seiner Garderobe haften, wenn er die Krypta dann des Nachtes mit den anderen Tempeldienern verlässt, welche die Erhabene ihm für diese Aufgabe zur Seite gestellt hat. Doch der Dienst an Herrn und Reich verlangt diesen Einsatz obgleich es müßige Kleinstarbeit ist die einzelnen Körperteile zu Säubern und an einem Großteil der Überreste die Fäulnis zumindest noch, bis nach der Totenmesse, im Rahmen zu halten. Mehrere Catuli gehen dem Vicarius bei der Säuberung der einzelnen Leichenteile zur Hand. Die verschiedenen Körperteile müssen zuerst mittels einer klaren Flüssigkeit von Schlamm, Sand und anderem Unrat gesäubert, ehe sich überhaupt in einer Art und Weise ermitteln lassen kann, welches Teil zu welchem Torso gehört.

Er hatte vorsorglich von einem der Catuli leere, hölzerne Eimer heranschaffen - und diese überall an den Seiten des Kryptaraumes abstellen lassen, damit die jungen Tempeldiener nicht noch die ganze Arbeit, welche bereits in die Säuberung der Leichenteile geflossen war, zunichte machen falls diese sich in Zuge dessen übergeben mussten. Lang blieben sie nicht leer. Dieser Anblick war nichts für jeder Mann. Es boten sich ihnen abgehackte Köpfe, bei denen hier und da Maden aus den Augen fielen, weil die Fäulnis schon nach innen gedrungen war. Hier und da lagen abgetrennte Extremitäten, übersäht mit Wunden in welchem sich so manches Mal schon Ungeziefer eingenistet hatte. An so manchen Torso waren tiefe Schnittwunden erkennbar.. an einem sogar ragte eine Rippe aus der unteren linken Seite heraus. Man konnte gut sehen, dass die Haut dort irgendwann nachgegeben hatte und unfein aufgeplatzt war. Nur die wenigstens Körperteile waren weitestgehend unversehrt geblieben. Und dann dieser beißende Geruch.. der sich um dessen bereicherte, was die Catuli in die Eimer erbrachen.

Er hatte noch viel zu tun.. und die Nächte wurden nicht länger, ganz im Gegenteil.

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Verfasst: Montag 25. Februar 2019, 19:56
von Eliza Tautropfen
Ihr Aufenthalt im Tempel verlief die ersten Tage recht unspektakulär, bekam Eliza doch neben den täglichen und äußerst erkenntnisreichen Terminen mit den Templern lediglich die Aufgaben sich um die Kerzen zu sorgen, sowie den Tempel zu putzen. Das Putzen war dabei natürlich die weitaus aufwendigere Aufgabe. Nebenher beschäftigte sich die Novizin noch mit Schriften, die auf der Empore gleich bei ihrem Schlafplatze in die Schränke sortiert waren. Nach ein paar Tagen dann, wurden Ihre Aufgaben doch deutlich fordernder.

Ein kreidebleicher Catulus, geschickt von Vicarius Dracones, holte sie hinab in die Gruft. Sie sollte dort eine wichtige Aufgabe erhalten. Der Geruch der in ihre Nase stieg kündigte schon an, was sie erwarten sollte. Doch als Eliza dann das volle Ausmaß erblickte wurde schnell klar, dass sie mehr als nur eine Nacht mit ihrer neuen Aufgabe verbringen sollte. Der Catulus, nach wie vor bleih wie Kreide wirkte verwundert, dass die ihm unbekannte Frau kaum Ekel zu empfinden schien. Jene senkte den Kopf demütig gen derer, die im Kampfe für die Freiheit des heiligen Reiches gefallen waren und begann dann gleich ihre neue Aufgabe.

Noch immer war die Feinmotorik der Novizin nicht so, wie sie es einst war. Die feinen Arbeiten wurden ihr also verwehrt. Stattdessen widmete sich Eliza der Reinigung der Toten, sowie dem Sortieren und der Zuordnung der einzelnen Körperteile. Mit ihrem Wissen über Anatomie, war sie dem Tempel nützlich, auch wenn sie sicherlich nicht die Einzige war, die dieses Wissen hatte. Da sie selbst kaum Ekel empfand, reinigte sie vor allem jene Teile, die im besonderen verunstaltet, oder von Fäulnis befallen waren. Für den ein oder anderen jüngeren Catulus schienen ihre Methoden der Reinigung dabei etwas grob, schrubbte sie die verunstalteten Glieder doch mit viel Kraft. Der Vicarius jedoch konnte sehen, wie die Novizin nur das tat, was notwendig war und dabei jedem Teil stets den nötigen Respekt entgegen brachte.

Die ersten Nächte wirkte es so, als würde es kein Ende nehmen wollen. Die ursprünglich angedachte Dauer Elizas Aufenthaltes war schon vorbei, doch wie mit der Tetrarchin besprochen blieb sie weiterhin im Tempel und half dabei, diese Verunstaltung seiner Streiter für die Totenmesse zu bereinigen.

Verfasst: Sonntag 26. Mai 2019, 13:33
von Elea Falon
Im Frieden begraben die Söhne ihre Väter,
im Kriege aber der Vater die Söhne.
Herodot (um 485 - um 425 v. Chr.)

* * *

Ich kenne den Krieg nicht. Sicher, ich habe von ihm gelesen und mir mehrere Chroniken angesehen, in denen die Daten stehen. Mir sind die Zahlen bekannt von den Opfern, die auf dem Felde lagen und starben für ihren Gott. In der stillen Hoffnung, noch am Ende ihre Pflicht zu erfüllen und letztendlich einen Platz an der großen Tafel in Nileth Azur zu erhalten. Und nur der All-Eine allein wird wissen, wie viele dieser kämpfenden und sterbenden Seelen dann wirklich aufgenommen wurden in seine heiligen Hallen.
Wie viele waren es wohl?

Doch wie der Krieg wirklich ist, ist mir unbekannt. Ich kenne das Leiden nicht, die Rufe und Schreie auf dem Schlachtfeld nach dem Kampf. Habe nie das Blut der Ketzer gesehen, das in den Boden sickert wie das von jedem anderen Menschen. Ich kann nur erahnen, wie es sein muss, aber wissen kann ich es nicht.

Und doch bin ich mit dem Krieg schneller konfrontiert worden, als mir lieb war. Ein Brief im Tempel, eine Anweisung und schließlich... das blanke Erkennen, jenes mit delegieren zu müssen. Es ging um Tote. Um Menschen, die ihr Leben ließen bei der Verteidigung der Angurenfestung. Söhne, Väter, Töchter und Mütter. Sie lagen viel zu lange und viel zu unbeachtet in jenen Trümmern und durften erst jetzt ihre letzte Ruhe antreten. Ich war noch lange nicht bereit gewesen, dem Tod so direkt ins Auge zu blicken, nein. Sicher hatte ich auch ihn schon gesehen und jedes Mal irgendwie ertragen. Doch dieses Mal war es etwas anderes.
Der Tod ist ein Bestandteil des Lebens. Er ereilt jeden von uns und nur wir allein entscheiden, was wir zuvor aus unserem Leben machen. Welchen Weg gehen wir? Welche Ziele wollen wir erreichen? Ich hatte die Krypta nur einmal betreten, hatte mich dem gestellt, was man den Tod nannte und delegierte danach die Aufgabe an den Vicarius. Wie schnell man doch ausweichen und flüchten kann. Es war zu einfach geworden, das zu meiden, das man nicht wollte, statt sich der Prüfung zu stellen. Doch meine Prüfung war jene, Ort und Zeitpunkt der Beerdigung festzulegen, mich mit der Vicaria aus dem Axorn zusammenzusetzen und über den Segen zu sprechen samt der Gebete. Wir wussten um die Zeit, die vergangen war, um die Unruhe in den Seelen und den Zustand der Leichen. Und das Leben ging weiter in Rahal, im alatarischen Reich. Die Reihen in der Armee waren wieder gefüllt, die Namen nun andere als zuvor. Ich konnte nur erahnen, dass in manchem Wohnhaus noch immer geweint wurde, noch immer sich nach der Person gesehnt wurde, die nun nicht mehr hier war Und wir? Wir machten weiter, ließen die Körper einbalsamieren, einwickeln in ein festes Totentuch und bereiteten sie für eine stille Totenmesse vor. Sie sollten diesmal verbrannt werden, zusammen als Soldaten, zusammen den Segen des Herrn empfangen und schließlich ihre letzte Ruhe finden, ebenso zusammen. Wir hatten den Familien Bescheid gegeben, doch der Rahmen blieb klein. Ich wollte keinen Staatsakt, ich wollte, dass die Menschen trauern durften, weinen, klagen. Und so war es dann. Ein schlimmer Augenblick, ein Abend, der mir lange in Erinnerung bleiben würde. So viele Tränen, so viele Fragen in den Blicken der Menschen. Ich sah ihnen an, wie sie immer und immer wieder in Gedanken sich diese eine Frage stellten: Warum? Warum mein geliebter Mensch und nicht jemand anderes? Das erlösende Feuer, das nach den Tüchern und Körpern geiferte, brachte keine Erlösung, keinen Frieden. Ich tat, was ich konnte, um Stärke und Beistand zu sein, doch ich kann bis heute nicht einschätzen, ob ich genug gesagt hatte.

Den Toten war es nun egal.
Sie saßen an seiner Tafel, in seiner Feste und bereiteten sich auf die letzte Schlacht vor, die sie noch einmal zu fechten hätten, wenn sie ansteht.

Ihre Seelen hatten ihre Gnade gefunden,
ihren Platz.

Den Toten war es egal, was wir mit ihren Körpern machten
und wie lange wir noch um sie weinen würden.

Sie hatten ihren Platz eingenommen.