[MMT]Im Kloster der Lichteinigkeit
Verfasst: Samstag 12. Januar 2019, 15:56
Der Tag näherte sich dem Ende und die kalte Luft schlich, vom Wind getrieben, über das Kloster Lichteinigkeit. Sophies Gedanken flogen noch einmal über Tag hinweg. Ihr Treffen mit den Wächtern des Klosters. Andra und Beak hatten sich jede Mühe gegeben ihre Ängste zu mildern und waren dabei sehr erfolgreich. Ihre Weisung das Kloster, bis zum Treffen mit mit Hochwürden Hohenhain, nicht zu verlassen behagte der zierlichen Blondine nicht und dennoch hatte sie eingewilligt. Mehr noch sie hatte sogar angeboten kleine Bediensteten Arbeiten zu übernehmen.
Ihre Erinnerungen streiften eben jenen Moment da sie, um Feuerholz für das Hospital zu sammeln, an der Klostermauer entlang in ein kleines Waldstück wanderte. Sie hatte sich gerade auf den Rückweg machen wollen als er vor ihr stand. In einem Moment freundlich und Hilfsbereit und im nächsten mochte man meinen, dass ihm der Schalk den Nacken kratzen würde. Sophie mochte seine Art, sie wusste nicht wie, aber seine Offenheit weckte etwas Vertrautes in ihr. Er half ihr sogar das Feuerholz in das Hospital zu bringen und auf zu stapeln. Sorglos plauderte sie mit ihm drauf los, berichtete ihm von der Vergangenheit, ihrer Flucht ins lichte Reich und von ihrem Versuch, den Dienern Temoras zumindest eine Kleinigkeit zurück zu geben, indem sie Feuerholz sammelte. Auf seine Frage hin warum sie das tue, erklärte sie ihm, dass Wächterin Andra ihr Kleider geschenkt hatte um die zerschlissenen zu ersetzen. Sein Kompliment traf sie wie ein Schlag.
“Gute Sophie, ihr seid eine Schönheit, schon für weniger wurden Kriege geführt. Jemand wie ihr könnte ein Kartoffelsack wie ein Ballkleid aussehen lassen.“
Er mochte ihr ansehen wie ihre Gedanken seine Worte sortierten und erst langsam verstanden. Sein seliges Lächeln war die einzige Reaktion auf ihre Wangen, welche vor Scham puterrot waren. Ihre Stimme, nunmehr unsicher und zittrig, tat sich schwer damit ihm zu sagen, dass sie ihn nicht auf seinen angepriesenen Spaziergang begleiten werde. Seine Anmerkung, dass diese Weisungen dem Wohle des Reiches dienten, grade bei ihrem Hintergrund, ließ Sophie in Gedanken versinken.
„Das letzte was ich für jemanden sein möchte ist eine Gefahr.“
„Was ist das Erste?“ Seine Worte entwaffneten ihren Verstand. Sie hatte bisher keinen einzigen Gedanken an ihre Zukunft verschwendet. Wie eine Puppe des Schicksals tanze sie von Tag zu Tag, schlief mal hier, mal dort und war über jeden Morgen froh an dem sie nicht erfroren war. Noch immer in ihren Gedanken gefangen bemerkte sie seine Hand erst als sie unter ihrem Kinn lag und sie unnachgiebig dazu zwang hinauf zu sehen.
Er beugte sich vor, sein Gesicht näherte sich ihrem, erst im letzten Moment wurde ihr klar das er nicht vorhatte ihre Lippen mit einem Kuss zu versiegeln. Dann erklang seine Stimme an ihrem Ohr, wie das flüstern des Windes in den Baumkronen.
„Im Westen fragen sich die Kerle, was das beste ist... wer die Schönste ist, auf das sie sich bedienen. Hier fragt man sich, wie man das beste geben kann, der Schönste sein kann. Im Geiste, Körper und Tat.“ Ihr Körper erbebte und wieder sah sie sich als Bildnis der Puppe, doch hatte jemand anderes als das Schicksal die Schnüre nun in der Hand.
„Euer Körper scheint mir auf dem besten Weg, euer Geist wacht. Die Tat wird bald fällig sein, seht zu, dass ihr dann reif seid, ja?“ Reif sein? Die Tat ist bald fällig.
Ihre Einsicht ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.. Ihre Blicke gefüllt von unsicherem Zittern suchen seine Augen und nur mit großer Mühe konnte sie ihn fragen wer er wirklich sei. Dann begann ein Spiel, das ihr sogar jetzt noch Schauer über den Rücken jagte. Er forderte sie auf zu raten. Wollte er sie testen? Kaum das er ihr Kinn losgelassen hatte, zog sie die Beine auf das Bett, schlang die Arme darum und sah ihn misstrauisch an.
„Hat Hochwürden Hohenhain euch geschickt mich zu prüfen? Oder war es sogar Wachtmeisterin Salberg?“ Sein belustigtes Lächeln lies sie schon vorweg erahnen was seine Worte bestätigten. Sie lag daneben und suchte auf einer Spur kalt wie der Schnee vor der Türe. Auch ihre Frage nach den Klosterwachen und seiner Zugehörigkeit wurde verneint. Und dann kroch es in ihr hinauf, von den Zehenspitzen bis ins Haar erfasste sie kalte Angst.
„Sie... sie haben euch geschickt um mich zurück zu holen zum Duestersee..“ Ihre Stimme war nur mehr ein leises Flüstern während sie, von ihm weg zur Bettkante zurück krabbelte. Ihre Gedanken wirbelten im Kreis keiner von ihnen klar, sogen sie ihren Mut auf und überschwemmten ihn mit klebriger Furcht.
'Rocas, Hilfe!' Hatte sie geschrien? Hatte sie den Wächter gerufen? Ihr Gegenüber ließ sie weiterhin dieses kalte Lächeln sehen als sei nichts geschehen.
„Bitte nicht, ich flehe euch an. Bitte.“
„Hab keine Angst, Nach dir.“ Seine Hand deutete auf die Tür während seine Augen sich in ihre bohrten und sie gefangen hielten. Auch als sie ihm das Gold von Wächterin Andra anbot, das sie sparen sollte, konnte ihn nicht erweichen.
„Mach es uns nicht so schwer Sophie. Glaub mir, der Preis ist höher angesetzt. Und das ist bei weitem nicht das kostbarste an dir.“ Tränen schossen ihr in die Augen und wie in einem Nebel sah sie ihn nur noch verschwommen, hörte nur noch gedämpft wie sie ihm zustimmte. Zögernd führten ihre Schritte zur Türe.
Dann packte er sie am Arm und zog sie grob an sich. Wieder entfuhr ihr ein Schrei.. oder war es wieder nur Einbildung? War es wiederum nicht geschehen oder war sie zu leise?
'ROCAS BITTE!' hämmerte es durch ihren Kopf, doch es blieb still im Haus. Als wäre ihre Stimme dazu verdammt, von niemandem gehört zu werden außer ihm.
„Temora sei meiner Seele gnädig.“ Seine Hände, obwohl sie Sophie umschlungen hielten, waren sanft in ihrem Griff. Ihr im gleichen Moment Halt bietend und Trost spendend sorgte er nur dafür das sie ihm Nahe war, dass sie seiner Umarmung nicht entfliehen würde.
Den Kopf an seine Schulter gelehnt, von leisen Tränen gefesselt wimmerte sie ein weiteres Mal.
„Wer seid ihr, wirklich?“ Der erste Teil seiner Antwort bestand darin mit der Linken sachte über ihren Rücken zu kraulen. Auf diese Weise lies er ihr genug Zeit um ihren Atem zu beruhigen. Geduldig wartete er ab bis das Gros ihrer Tränen versiegt war.
„Ein Panthersohn mit Sicherheit nicht, eh“ Ihre zierliche Faust traf seine Brust, ein Treffer der einem Mehlsack nicht einmal ein Stäubchen entlocken könnte, und der ihn nur herzlich Lachen lies.
„Und wenn meine Seele auch brennen mag, Sophie, das war es mir wert.“
Sie wollte ihm soviel vorwerfen, wenigstens eintausend Gedanken tobten als wirre Bilder durch ihren Kopf und jeden davon sollte er sich anhören müssen. Doch ließen ihre bebenden Lippen nur wenige Worte zu und es waren beinahe immer die selben.
~ Warum habt ihr das getan...? ~
Seine Worte verstand sie nicht, wie seine Hand ihren Rücken hinab wanderte und sich auf den Ansatz ihres Pos legte, hingegen verstand sie nur zu gut. Jeder einzelne Muskel in ihrem Körper spannte sich an. War es Absicht gewesen? Wusste er was er dort tat? Welche Wahl bliebe ihr wenn er weiter machte? Kämpfen? Es geschehen lassen und schweigen? Ihre zitternden Lippen formten das leise Flehen, vielleicht … ja vielleicht konnte sie ihn von seinem Vorhaben abbringen.
„Es ist erstaunlich angenehm, oder? Wie ich mit dir spiele... Zugreifen könnte... deinen Nacken küssen könnte.“ Mit den letzten Worten durchbrachen die Züge seines Gesichtes ihren Schleier aus goldgelbem Haar und sein Atem rann über ihre Haut hinab wie, von der Sonne erwärmter Honig, über das Brot zerläuft.
„Horteras, Temora, steht mir bei.. lasst diesen dunklen Traum enden.“ In einem grotesken Tanz wog er seinen Körper hin und her. Sophie wurde heiß, die Luft im Raum schien mit jedem Atemzug den sie ersehnte, weniger zu werden. Ihre kleinen Hände versuchten den Mann weg zu drücken und für einen Moment ließ er sie in dem Glauben es würde gelingen. Als würde er ihrer Gegenwehr einen kleinen Sieg gönnen, führte er sie zum Bett von dem sie vor kurzem erst aufgestanden war. Einem Hüter gleich legte er sie darauf ab und tat einen Schritt zurück. Erleichterung machte sich breit. Hatten die Götter ein Einsehen und würden alles zum Guten wenden?
Erneut suchte sie die Antwort, erneut erbaten ihre Lippen den Grund für seine Taten. Und wieder stieß er sie hinab in die Grube voller Schlangen wo jedes Schritt und jedes Wort das Ende sein konnte. Wieder ließ er sie raten.
„Ihr tut dies alles, weil ihr Gefallen daran findet mich leiden zu sehen, zu spüren wie ich mich unter euren Fängen winde und vor Angst erzittere.“ Sein Lächeln wuchs heran und glich dem eines Wolfes der vor dem arglosen Lämmchen steht. Einem Lämmchen das ihm grade in diesem Augenblick anbot direkt in sein Maul zu springen. Die Antwort die seine Stimme zu ihr herüber trug war eine Ansammlung schmutziger vulgärer Andeutungen, welche Sophie die Schamesröte in die Wangen trieben. Als sei dies nun notwendig, schlang sie ihre Arme um ihren Körper. Trotz des Stoffes, trotz all der Kleidung die sie am Leibe trug, flüsterten Stimmen aus dem Hintergrund von ihrer nackten Haut.
„Gibst du auf?“ Ein stummes Nicken bekam er zur Antwort und seine Mimik ließ erahnen wie sehr ihn sein Sieg amüsierte.
„Und was bist du bereit, mir als Gewinn zu geben? Du weißt doch, mein gibt hier stets sein Bestes“ Sophies Augen weiteten sich. Nicht nur das er sie in ein Spiel schleuderte, welches sie nicht gewinnen konnte, er war auch noch so dreist, sie selbst wählen zu lassen, was sie ihm geben musste. Konnte er es nicht sehen, oder wollte er es nicht sehen. Wie sie mit sich rang, wie ihre Neugierde die Angst, mehr und mehr beiseite schob. Wie der Drang nach Antworten ihre Vorsicht unter sich begrub? Sie war sich sicher er wollte es nicht sehen. Wie Recht sie hatte wurde ihr schneller offenbart als ihr lieb war.
„Ich gebe euch, was immer ihr verlangt.“ Nuschelte sie zögernd und schalt sich noch im gleichen Augenblick für diese Worte.
„Sag es nochmal, aber laut genug auf das Temora dich höre, und auf dich niederwirke solltest du dein Wort brechen.“ Seine Worte erdrückten Sophie unter sich und schnürten ihr die Luft ab. Als könnte sie ihn berühren, dort wo er stand glitt ihre Hand durch die Luft, nur um sich danach wieder schützend um ihren Leib zu schlingen.
„Wenn ihr mir offenbart, warum ihr mich ausgesucht habt, und warum ich all diese Qualen ertragen muss... … … gebe ich euch, was auch immer ihr verlangt.“
„Ich quäle dich, weil es mir Heiterkeit verschafft, damit es Dir eine Lehre ist und weil ich dir weder im Ansehen noch deinem Leib oder Geiste schade. Ach, und du bist niedlich, das auch.“
Er setzte sich zu ihr auf die Bettkante und Sophie drehte sich vom Rücken auf die Seite, die Beine angezogen und die Arme eng um sich geschlungen. Als sie hätte sie jetzt überhaupt noch eine Chance ihm etwas zu verwehren.
'Dumme Gans' tönten ihre Gedanken. Doch sie, ebenso wie die Atemzüge von Sophie wurden unterbrochen als etwas glattes, kaltes, scharfes sich an ihren Hals legte. Sophie schloss mit allem ab. Die Qualen die ihre Familie ihr zugefügt hatte, die Flucht ins Lichte Reich, ein Leben hier zwischen Menschen die freundlich waren, all dies glitt an ihr vorüber und verschwand im Nebel. Sie hatte ihm alles versprochen und nun würde er ihr Leben dafür einfordern.
„Du wirst dich ja nicht wehren, richtig? Sscchh..“ Ein Zeigefinger legte sich auf ihre zarten Lippen just als sie ein weiteres mal heiser nach Temora flehte. Dann löste sich seine Hand von ihrem Mund, ein kurzes Ziepen später erhob er sich. Zwischen seinen Fingern ein einzige Locke ihres Haares.
„Damit sehe ich dein Versprechen als erfüllt.“ Als er Anstalten macht zu gehen wuchs eine unbändige Wut in ihr.
„Raus!“ - „Sicher das ich gehen soll?“
Das war zu viel ! Sie sprang vom Bett auf und stürmte auf ihn zu, die Hand erhoben um sie schallend auf seine Wange knallen zu lassen. Mit der Leichtigkeit, mit der ein Adler durch die Lüfte gleitet, glitt er unter ihrer Hand hindurch und lies sich auf die Knie fallen.
„Vergib mir meinen Schindluder.“ sagte er leise aber klar. Sie sollte WAS? Sie hatte die Hand schon wieder erhoben als ihr klar wurde wo sie gerade waren. Wie konnte sie ihm vergeben was er ihr angetan hatte?
„Auch dies ist eine Frage, der man in ihrem Licht begegnen muss.“ Nach allem was er getan hatte konnte sie es nicht. Auf einer nahen Bank lies sie sich nieder und vergrub ihr Gesicht in den Händen, seine letzten Worte vernahm sie nur noch wie durch einen Nebelschleier.
„Du wirst in den nächsten Stunden..eventuell sogar Tagen noch oft an mich denken. Vielleicht begegne ich dir im Schlaf oder raube ihn dir, tu dir selbst einen Gefallen, babbel nicht zuviel über mich. Ansonsten wird unser kleines Spielchen enden müssen.“ Dann entschwand er in Nacht hinaus, und lies nichts zurück als den kalten Hauch der Nachtluft. Sophie sah zur Decke des Hospitals als könne sie durch Stein und Raum hindurch zu den Sternen sehen.
„Horteras, es war doch nur ein Traum, oder?“
Trotz aller Versuche, war sie nicht in der Lage zu schlafen, unruhig wälzte sie sich den Rest der Nacht umher.
Ihre Erinnerungen streiften eben jenen Moment da sie, um Feuerholz für das Hospital zu sammeln, an der Klostermauer entlang in ein kleines Waldstück wanderte. Sie hatte sich gerade auf den Rückweg machen wollen als er vor ihr stand. In einem Moment freundlich und Hilfsbereit und im nächsten mochte man meinen, dass ihm der Schalk den Nacken kratzen würde. Sophie mochte seine Art, sie wusste nicht wie, aber seine Offenheit weckte etwas Vertrautes in ihr. Er half ihr sogar das Feuerholz in das Hospital zu bringen und auf zu stapeln. Sorglos plauderte sie mit ihm drauf los, berichtete ihm von der Vergangenheit, ihrer Flucht ins lichte Reich und von ihrem Versuch, den Dienern Temoras zumindest eine Kleinigkeit zurück zu geben, indem sie Feuerholz sammelte. Auf seine Frage hin warum sie das tue, erklärte sie ihm, dass Wächterin Andra ihr Kleider geschenkt hatte um die zerschlissenen zu ersetzen. Sein Kompliment traf sie wie ein Schlag.
“Gute Sophie, ihr seid eine Schönheit, schon für weniger wurden Kriege geführt. Jemand wie ihr könnte ein Kartoffelsack wie ein Ballkleid aussehen lassen.“
Er mochte ihr ansehen wie ihre Gedanken seine Worte sortierten und erst langsam verstanden. Sein seliges Lächeln war die einzige Reaktion auf ihre Wangen, welche vor Scham puterrot waren. Ihre Stimme, nunmehr unsicher und zittrig, tat sich schwer damit ihm zu sagen, dass sie ihn nicht auf seinen angepriesenen Spaziergang begleiten werde. Seine Anmerkung, dass diese Weisungen dem Wohle des Reiches dienten, grade bei ihrem Hintergrund, ließ Sophie in Gedanken versinken.
„Das letzte was ich für jemanden sein möchte ist eine Gefahr.“
„Was ist das Erste?“ Seine Worte entwaffneten ihren Verstand. Sie hatte bisher keinen einzigen Gedanken an ihre Zukunft verschwendet. Wie eine Puppe des Schicksals tanze sie von Tag zu Tag, schlief mal hier, mal dort und war über jeden Morgen froh an dem sie nicht erfroren war. Noch immer in ihren Gedanken gefangen bemerkte sie seine Hand erst als sie unter ihrem Kinn lag und sie unnachgiebig dazu zwang hinauf zu sehen.
Er beugte sich vor, sein Gesicht näherte sich ihrem, erst im letzten Moment wurde ihr klar das er nicht vorhatte ihre Lippen mit einem Kuss zu versiegeln. Dann erklang seine Stimme an ihrem Ohr, wie das flüstern des Windes in den Baumkronen.
„Im Westen fragen sich die Kerle, was das beste ist... wer die Schönste ist, auf das sie sich bedienen. Hier fragt man sich, wie man das beste geben kann, der Schönste sein kann. Im Geiste, Körper und Tat.“ Ihr Körper erbebte und wieder sah sie sich als Bildnis der Puppe, doch hatte jemand anderes als das Schicksal die Schnüre nun in der Hand.
„Euer Körper scheint mir auf dem besten Weg, euer Geist wacht. Die Tat wird bald fällig sein, seht zu, dass ihr dann reif seid, ja?“ Reif sein? Die Tat ist bald fällig.
Ihre Einsicht ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.. Ihre Blicke gefüllt von unsicherem Zittern suchen seine Augen und nur mit großer Mühe konnte sie ihn fragen wer er wirklich sei. Dann begann ein Spiel, das ihr sogar jetzt noch Schauer über den Rücken jagte. Er forderte sie auf zu raten. Wollte er sie testen? Kaum das er ihr Kinn losgelassen hatte, zog sie die Beine auf das Bett, schlang die Arme darum und sah ihn misstrauisch an.
„Hat Hochwürden Hohenhain euch geschickt mich zu prüfen? Oder war es sogar Wachtmeisterin Salberg?“ Sein belustigtes Lächeln lies sie schon vorweg erahnen was seine Worte bestätigten. Sie lag daneben und suchte auf einer Spur kalt wie der Schnee vor der Türe. Auch ihre Frage nach den Klosterwachen und seiner Zugehörigkeit wurde verneint. Und dann kroch es in ihr hinauf, von den Zehenspitzen bis ins Haar erfasste sie kalte Angst.
„Sie... sie haben euch geschickt um mich zurück zu holen zum Duestersee..“ Ihre Stimme war nur mehr ein leises Flüstern während sie, von ihm weg zur Bettkante zurück krabbelte. Ihre Gedanken wirbelten im Kreis keiner von ihnen klar, sogen sie ihren Mut auf und überschwemmten ihn mit klebriger Furcht.
'Rocas, Hilfe!' Hatte sie geschrien? Hatte sie den Wächter gerufen? Ihr Gegenüber ließ sie weiterhin dieses kalte Lächeln sehen als sei nichts geschehen.
„Bitte nicht, ich flehe euch an. Bitte.“
„Hab keine Angst, Nach dir.“ Seine Hand deutete auf die Tür während seine Augen sich in ihre bohrten und sie gefangen hielten. Auch als sie ihm das Gold von Wächterin Andra anbot, das sie sparen sollte, konnte ihn nicht erweichen.
„Mach es uns nicht so schwer Sophie. Glaub mir, der Preis ist höher angesetzt. Und das ist bei weitem nicht das kostbarste an dir.“ Tränen schossen ihr in die Augen und wie in einem Nebel sah sie ihn nur noch verschwommen, hörte nur noch gedämpft wie sie ihm zustimmte. Zögernd führten ihre Schritte zur Türe.
Dann packte er sie am Arm und zog sie grob an sich. Wieder entfuhr ihr ein Schrei.. oder war es wieder nur Einbildung? War es wiederum nicht geschehen oder war sie zu leise?
'ROCAS BITTE!' hämmerte es durch ihren Kopf, doch es blieb still im Haus. Als wäre ihre Stimme dazu verdammt, von niemandem gehört zu werden außer ihm.
„Temora sei meiner Seele gnädig.“ Seine Hände, obwohl sie Sophie umschlungen hielten, waren sanft in ihrem Griff. Ihr im gleichen Moment Halt bietend und Trost spendend sorgte er nur dafür das sie ihm Nahe war, dass sie seiner Umarmung nicht entfliehen würde.
Den Kopf an seine Schulter gelehnt, von leisen Tränen gefesselt wimmerte sie ein weiteres Mal.
„Wer seid ihr, wirklich?“ Der erste Teil seiner Antwort bestand darin mit der Linken sachte über ihren Rücken zu kraulen. Auf diese Weise lies er ihr genug Zeit um ihren Atem zu beruhigen. Geduldig wartete er ab bis das Gros ihrer Tränen versiegt war.
„Ein Panthersohn mit Sicherheit nicht, eh“ Ihre zierliche Faust traf seine Brust, ein Treffer der einem Mehlsack nicht einmal ein Stäubchen entlocken könnte, und der ihn nur herzlich Lachen lies.
„Und wenn meine Seele auch brennen mag, Sophie, das war es mir wert.“
Sie wollte ihm soviel vorwerfen, wenigstens eintausend Gedanken tobten als wirre Bilder durch ihren Kopf und jeden davon sollte er sich anhören müssen. Doch ließen ihre bebenden Lippen nur wenige Worte zu und es waren beinahe immer die selben.
~ Warum habt ihr das getan...? ~
Seine Worte verstand sie nicht, wie seine Hand ihren Rücken hinab wanderte und sich auf den Ansatz ihres Pos legte, hingegen verstand sie nur zu gut. Jeder einzelne Muskel in ihrem Körper spannte sich an. War es Absicht gewesen? Wusste er was er dort tat? Welche Wahl bliebe ihr wenn er weiter machte? Kämpfen? Es geschehen lassen und schweigen? Ihre zitternden Lippen formten das leise Flehen, vielleicht … ja vielleicht konnte sie ihn von seinem Vorhaben abbringen.
„Es ist erstaunlich angenehm, oder? Wie ich mit dir spiele... Zugreifen könnte... deinen Nacken küssen könnte.“ Mit den letzten Worten durchbrachen die Züge seines Gesichtes ihren Schleier aus goldgelbem Haar und sein Atem rann über ihre Haut hinab wie, von der Sonne erwärmter Honig, über das Brot zerläuft.
„Horteras, Temora, steht mir bei.. lasst diesen dunklen Traum enden.“ In einem grotesken Tanz wog er seinen Körper hin und her. Sophie wurde heiß, die Luft im Raum schien mit jedem Atemzug den sie ersehnte, weniger zu werden. Ihre kleinen Hände versuchten den Mann weg zu drücken und für einen Moment ließ er sie in dem Glauben es würde gelingen. Als würde er ihrer Gegenwehr einen kleinen Sieg gönnen, führte er sie zum Bett von dem sie vor kurzem erst aufgestanden war. Einem Hüter gleich legte er sie darauf ab und tat einen Schritt zurück. Erleichterung machte sich breit. Hatten die Götter ein Einsehen und würden alles zum Guten wenden?
Erneut suchte sie die Antwort, erneut erbaten ihre Lippen den Grund für seine Taten. Und wieder stieß er sie hinab in die Grube voller Schlangen wo jedes Schritt und jedes Wort das Ende sein konnte. Wieder ließ er sie raten.
„Ihr tut dies alles, weil ihr Gefallen daran findet mich leiden zu sehen, zu spüren wie ich mich unter euren Fängen winde und vor Angst erzittere.“ Sein Lächeln wuchs heran und glich dem eines Wolfes der vor dem arglosen Lämmchen steht. Einem Lämmchen das ihm grade in diesem Augenblick anbot direkt in sein Maul zu springen. Die Antwort die seine Stimme zu ihr herüber trug war eine Ansammlung schmutziger vulgärer Andeutungen, welche Sophie die Schamesröte in die Wangen trieben. Als sei dies nun notwendig, schlang sie ihre Arme um ihren Körper. Trotz des Stoffes, trotz all der Kleidung die sie am Leibe trug, flüsterten Stimmen aus dem Hintergrund von ihrer nackten Haut.
„Gibst du auf?“ Ein stummes Nicken bekam er zur Antwort und seine Mimik ließ erahnen wie sehr ihn sein Sieg amüsierte.
„Und was bist du bereit, mir als Gewinn zu geben? Du weißt doch, mein gibt hier stets sein Bestes“ Sophies Augen weiteten sich. Nicht nur das er sie in ein Spiel schleuderte, welches sie nicht gewinnen konnte, er war auch noch so dreist, sie selbst wählen zu lassen, was sie ihm geben musste. Konnte er es nicht sehen, oder wollte er es nicht sehen. Wie sie mit sich rang, wie ihre Neugierde die Angst, mehr und mehr beiseite schob. Wie der Drang nach Antworten ihre Vorsicht unter sich begrub? Sie war sich sicher er wollte es nicht sehen. Wie Recht sie hatte wurde ihr schneller offenbart als ihr lieb war.
„Ich gebe euch, was immer ihr verlangt.“ Nuschelte sie zögernd und schalt sich noch im gleichen Augenblick für diese Worte.
„Sag es nochmal, aber laut genug auf das Temora dich höre, und auf dich niederwirke solltest du dein Wort brechen.“ Seine Worte erdrückten Sophie unter sich und schnürten ihr die Luft ab. Als könnte sie ihn berühren, dort wo er stand glitt ihre Hand durch die Luft, nur um sich danach wieder schützend um ihren Leib zu schlingen.
„Wenn ihr mir offenbart, warum ihr mich ausgesucht habt, und warum ich all diese Qualen ertragen muss... … … gebe ich euch, was auch immer ihr verlangt.“
„Ich quäle dich, weil es mir Heiterkeit verschafft, damit es Dir eine Lehre ist und weil ich dir weder im Ansehen noch deinem Leib oder Geiste schade. Ach, und du bist niedlich, das auch.“
Er setzte sich zu ihr auf die Bettkante und Sophie drehte sich vom Rücken auf die Seite, die Beine angezogen und die Arme eng um sich geschlungen. Als sie hätte sie jetzt überhaupt noch eine Chance ihm etwas zu verwehren.
'Dumme Gans' tönten ihre Gedanken. Doch sie, ebenso wie die Atemzüge von Sophie wurden unterbrochen als etwas glattes, kaltes, scharfes sich an ihren Hals legte. Sophie schloss mit allem ab. Die Qualen die ihre Familie ihr zugefügt hatte, die Flucht ins Lichte Reich, ein Leben hier zwischen Menschen die freundlich waren, all dies glitt an ihr vorüber und verschwand im Nebel. Sie hatte ihm alles versprochen und nun würde er ihr Leben dafür einfordern.
„Du wirst dich ja nicht wehren, richtig? Sscchh..“ Ein Zeigefinger legte sich auf ihre zarten Lippen just als sie ein weiteres mal heiser nach Temora flehte. Dann löste sich seine Hand von ihrem Mund, ein kurzes Ziepen später erhob er sich. Zwischen seinen Fingern ein einzige Locke ihres Haares.
„Damit sehe ich dein Versprechen als erfüllt.“ Als er Anstalten macht zu gehen wuchs eine unbändige Wut in ihr.
„Raus!“ - „Sicher das ich gehen soll?“
Das war zu viel ! Sie sprang vom Bett auf und stürmte auf ihn zu, die Hand erhoben um sie schallend auf seine Wange knallen zu lassen. Mit der Leichtigkeit, mit der ein Adler durch die Lüfte gleitet, glitt er unter ihrer Hand hindurch und lies sich auf die Knie fallen.
„Vergib mir meinen Schindluder.“ sagte er leise aber klar. Sie sollte WAS? Sie hatte die Hand schon wieder erhoben als ihr klar wurde wo sie gerade waren. Wie konnte sie ihm vergeben was er ihr angetan hatte?
„Auch dies ist eine Frage, der man in ihrem Licht begegnen muss.“ Nach allem was er getan hatte konnte sie es nicht. Auf einer nahen Bank lies sie sich nieder und vergrub ihr Gesicht in den Händen, seine letzten Worte vernahm sie nur noch wie durch einen Nebelschleier.
„Du wirst in den nächsten Stunden..eventuell sogar Tagen noch oft an mich denken. Vielleicht begegne ich dir im Schlaf oder raube ihn dir, tu dir selbst einen Gefallen, babbel nicht zuviel über mich. Ansonsten wird unser kleines Spielchen enden müssen.“ Dann entschwand er in Nacht hinaus, und lies nichts zurück als den kalten Hauch der Nachtluft. Sophie sah zur Decke des Hospitals als könne sie durch Stein und Raum hindurch zu den Sternen sehen.
„Horteras, es war doch nur ein Traum, oder?“
Trotz aller Versuche, war sie nicht in der Lage zu schlafen, unruhig wälzte sie sich den Rest der Nacht umher.