Vom Osten und Westen - ein Irrgarten
Verfasst: Sonntag 26. August 2018, 11:13
Obwohl es schon spät war, lag sie noch lange wach, auf dem Heuboden der Stallung von Bajard und dachte über den vergangenen Tag nach….
Mutig stapfte Mathilda auf die Schneiderstube zu, ihren Beutel vor sich fest umklammert. Sludig Rattler hatte sie nirgendwo gefunden und Fräulein Merat war die einzige, die sie außer ihm bisher in Bajard kannte und sie war ja auch so nett gewesen und Mathilda war ihr etwas schuldig. Also, lieber wäre ihr gewesen, wenn sie erst gewusst hätte, was in der Kiste wäre, die sie statt eines Fisches aus dem Hafenbecken gezogen hatte. Denn, sie wollte Fräulein Merat eine Freude machen und sich erkenntlich zeigen, für die schönen Kleider. Mit denen nämlich könnte sie sich nun endlich bei den Höfen der näheren Umgebung vorstellen.
Ein beherztes Klopfen und Fäulein Merat öffnet ihr lächelnd die Tür zur Schneiderei. Mathilda fühlte einen Moment der Erleichterung. Den ganzen Tag hatte sie kaum jemanden getroffen, geschweige denn ein längeres Gespräch geführt. Mathilda trat ein und sah, dass die Schneiderin einen Gast hatte. Einen Moment war ihr ihre eigene Naivität peinlich. Was hatte sie erwartet? Der Laden hatte geöffnet und Fräulein Merat musste doch arbeiten. Sie hatte gewiss keine Zeit für einen Plausch und ihre kindlichen Ideen.
Nun stand sie aber mitten in der Schneiderstube mit ihrer Kiste und musste was sagen, was blieb übrig? Also erzählte Mathilda die Geschichte mit der Kiste und schenkte diese Fräulein Merat. Der Herr, der sich als Seyar vorstellte, konnte behilflich sein, das alte verrostete Schloss zu öffnen. Einige vom Salzwasser verfärbte Steine und Münzen befanden sich darin. Als Fräulein Merat deutlich machte, dass die Münzen weitaus genug für die Kleider ausreichend wären, gab sie Mathilda noch Steine, die nach kurzer Politur wohl wieder im Glanze erstrahlen würden. „Als Augen für eine Vogelscheuche“, hatte Fräulein Merat gesagt. Witzig war sie auch noch und immer so adrett. Mathilda mochte sie wirklich gerne. Alles schien hier so einfach und freundlich, hier in Bajard.
Doch ein merkwürdiger Sturm breite sich im kleinen Stübchen aus, umso später der Abend wurde. Mathildas Wunsch nach einer Anstellung und ihrem Traum einst die besten Pferde des Landes zu züchten, entfachte ihn. Unschuldig hatte sie Herrn Seyar und Fräulein Merat ihre Träume offenbart. Doch wie sich herausstellte, erzürnte Fräulein Merat der Vorschlag des Herrn Seyar zutiefst. Dieser bot ihr an, sie im Westen einem Gehöft vorzustellen, welches sich ganz außerordentlich mit der Zucht erstklassischer Pferde auszuzeichnen schien.
Von da an nahm der Abend seinen Lauf und Blitze und Donner türmten sich immer wieder zwischen den beiden auf. Nicht mal Fräulein Merats Dienstmagd Fräulein Winterhain, die dazukam, konnte zur Beruhigung betragen. Wobei Mathilda dünkte, dass auch sie den Westen als dunklen Fluss der Verdammnis betrachtete. Mathilda hingegen verstand von den stetigen Schlagabtauschen nur die Hälfte. Herr Seyar war ein freundlicher junger Mann, der ihr scheinbar wirklich nur das Beste wollte. Er gebar sich höflich und dennoch lag ein Schatten über ihm. Nähe und Mathildas überschwängliche Art schienen ihn zu stören, zumindest zu irritieren. Und dennoch… Er war geduldig mit ihr und bezeugte sein großes Interesse an ihren Zukunftsplänen, die einen Mann wie ihm doch gleich sein konnten. Sie vertraute aber Fräulein Merat, die unmissverständlich zu verstehen gab, dass der Westen Mathildas Untergang, gar Tod bedeuten konnte. Und wie das Fräulein das tat! Ihre Zunge war schärfer als jede Klinge und dennoch brachte sie kaum etwas aus der Ruhe. Und Herr Seyars Zunge konnte dem gut entgegenstehen. Beide lieferten sich gewitterartige Wortgefechte ohne einen Moment die Fassung oder ihren Stolz zu verlieren.
Mathilda versuchte sich aus all diesen Informationen ein Bild zu machen. Adoran, Rahal, Bajard… eigentlich nur Städte. Ost und West… eigentlich nur Himmelsrichtungen. Krieg und Frieden… Wut, Enttäuschung, Angst.
Kein Licht ohne Schatten, kein Schatten ohne Licht!
Dabei saßen hier doch zwei Menschen aus Ost und West beisammen, die sich auf ihre Art irgendwie ähnlich waren. Es hatte fast etwas, als ob zwischen ihnen ein Funke Leidenschaft strahlte, denn jedes Thema wurde zum erneuten Anlass genommen, um wieder anzufangen, sich gegenseitig die Blitze zuzuwerfen.
Schlussendlich hatte Mathilda schon ganz zu Anfang angeboten, sich um Herrn Seyars Pferde hier in Bajard eine Woche lang zu kümmern, um ihm zu zeigen, wie wichtig der richtige Umgang mit den Tieren war. Natürlich wollte sie ihn auch von ihren Fähigkeiten überzeugen. Und bei ihrem Wort blieb sie.
Sie hatte Pläne! Umso mehr Menschen ihr vertrauten und sich ihres guten Umgangs mit den Pferden überzeugt hatten, desto mehr treue Kunden würde sie in einigen Jahren haben, wenn ihre Lehre vorbei und ihre Pferdezucht aufblühte! Nun gut… Zunächst einmal musste und wollte sie auch das Bauernhandwerk von der Pike auf lernen, denn das war notwendig. Nur Pferde zu halten reichte nicht. Es musste das richtige Futter für jedes einzelne Tier sein, es musste ausreichend Platz geben und es bedurfte vieler guter Kontakte, Sattler, Schmiede, anderer Bauern….. Und, so wusste Mathilda, ein Handwerk musste in allen Facetten erlernte werden, um es in Perfektion einst zu beherrschen….
Mit einem Lächeln auf den Lippen schlummerte sie endlich langsam ein… Das letzte Bild waren Fräulein Merat und Herr Seyar, wie sie mit Mathildas edlen Pferden über eine grüne Wiese um die Wette galoppierten….
Mutig stapfte Mathilda auf die Schneiderstube zu, ihren Beutel vor sich fest umklammert. Sludig Rattler hatte sie nirgendwo gefunden und Fräulein Merat war die einzige, die sie außer ihm bisher in Bajard kannte und sie war ja auch so nett gewesen und Mathilda war ihr etwas schuldig. Also, lieber wäre ihr gewesen, wenn sie erst gewusst hätte, was in der Kiste wäre, die sie statt eines Fisches aus dem Hafenbecken gezogen hatte. Denn, sie wollte Fräulein Merat eine Freude machen und sich erkenntlich zeigen, für die schönen Kleider. Mit denen nämlich könnte sie sich nun endlich bei den Höfen der näheren Umgebung vorstellen.
Ein beherztes Klopfen und Fäulein Merat öffnet ihr lächelnd die Tür zur Schneiderei. Mathilda fühlte einen Moment der Erleichterung. Den ganzen Tag hatte sie kaum jemanden getroffen, geschweige denn ein längeres Gespräch geführt. Mathilda trat ein und sah, dass die Schneiderin einen Gast hatte. Einen Moment war ihr ihre eigene Naivität peinlich. Was hatte sie erwartet? Der Laden hatte geöffnet und Fräulein Merat musste doch arbeiten. Sie hatte gewiss keine Zeit für einen Plausch und ihre kindlichen Ideen.
Nun stand sie aber mitten in der Schneiderstube mit ihrer Kiste und musste was sagen, was blieb übrig? Also erzählte Mathilda die Geschichte mit der Kiste und schenkte diese Fräulein Merat. Der Herr, der sich als Seyar vorstellte, konnte behilflich sein, das alte verrostete Schloss zu öffnen. Einige vom Salzwasser verfärbte Steine und Münzen befanden sich darin. Als Fräulein Merat deutlich machte, dass die Münzen weitaus genug für die Kleider ausreichend wären, gab sie Mathilda noch Steine, die nach kurzer Politur wohl wieder im Glanze erstrahlen würden. „Als Augen für eine Vogelscheuche“, hatte Fräulein Merat gesagt. Witzig war sie auch noch und immer so adrett. Mathilda mochte sie wirklich gerne. Alles schien hier so einfach und freundlich, hier in Bajard.
Doch ein merkwürdiger Sturm breite sich im kleinen Stübchen aus, umso später der Abend wurde. Mathildas Wunsch nach einer Anstellung und ihrem Traum einst die besten Pferde des Landes zu züchten, entfachte ihn. Unschuldig hatte sie Herrn Seyar und Fräulein Merat ihre Träume offenbart. Doch wie sich herausstellte, erzürnte Fräulein Merat der Vorschlag des Herrn Seyar zutiefst. Dieser bot ihr an, sie im Westen einem Gehöft vorzustellen, welches sich ganz außerordentlich mit der Zucht erstklassischer Pferde auszuzeichnen schien.
Von da an nahm der Abend seinen Lauf und Blitze und Donner türmten sich immer wieder zwischen den beiden auf. Nicht mal Fräulein Merats Dienstmagd Fräulein Winterhain, die dazukam, konnte zur Beruhigung betragen. Wobei Mathilda dünkte, dass auch sie den Westen als dunklen Fluss der Verdammnis betrachtete. Mathilda hingegen verstand von den stetigen Schlagabtauschen nur die Hälfte. Herr Seyar war ein freundlicher junger Mann, der ihr scheinbar wirklich nur das Beste wollte. Er gebar sich höflich und dennoch lag ein Schatten über ihm. Nähe und Mathildas überschwängliche Art schienen ihn zu stören, zumindest zu irritieren. Und dennoch… Er war geduldig mit ihr und bezeugte sein großes Interesse an ihren Zukunftsplänen, die einen Mann wie ihm doch gleich sein konnten. Sie vertraute aber Fräulein Merat, die unmissverständlich zu verstehen gab, dass der Westen Mathildas Untergang, gar Tod bedeuten konnte. Und wie das Fräulein das tat! Ihre Zunge war schärfer als jede Klinge und dennoch brachte sie kaum etwas aus der Ruhe. Und Herr Seyars Zunge konnte dem gut entgegenstehen. Beide lieferten sich gewitterartige Wortgefechte ohne einen Moment die Fassung oder ihren Stolz zu verlieren.
Mathilda versuchte sich aus all diesen Informationen ein Bild zu machen. Adoran, Rahal, Bajard… eigentlich nur Städte. Ost und West… eigentlich nur Himmelsrichtungen. Krieg und Frieden… Wut, Enttäuschung, Angst.
Kein Licht ohne Schatten, kein Schatten ohne Licht!
Dabei saßen hier doch zwei Menschen aus Ost und West beisammen, die sich auf ihre Art irgendwie ähnlich waren. Es hatte fast etwas, als ob zwischen ihnen ein Funke Leidenschaft strahlte, denn jedes Thema wurde zum erneuten Anlass genommen, um wieder anzufangen, sich gegenseitig die Blitze zuzuwerfen.
Schlussendlich hatte Mathilda schon ganz zu Anfang angeboten, sich um Herrn Seyars Pferde hier in Bajard eine Woche lang zu kümmern, um ihm zu zeigen, wie wichtig der richtige Umgang mit den Tieren war. Natürlich wollte sie ihn auch von ihren Fähigkeiten überzeugen. Und bei ihrem Wort blieb sie.
Sie hatte Pläne! Umso mehr Menschen ihr vertrauten und sich ihres guten Umgangs mit den Pferden überzeugt hatten, desto mehr treue Kunden würde sie in einigen Jahren haben, wenn ihre Lehre vorbei und ihre Pferdezucht aufblühte! Nun gut… Zunächst einmal musste und wollte sie auch das Bauernhandwerk von der Pike auf lernen, denn das war notwendig. Nur Pferde zu halten reichte nicht. Es musste das richtige Futter für jedes einzelne Tier sein, es musste ausreichend Platz geben und es bedurfte vieler guter Kontakte, Sattler, Schmiede, anderer Bauern….. Und, so wusste Mathilda, ein Handwerk musste in allen Facetten erlernte werden, um es in Perfektion einst zu beherrschen….
Mit einem Lächeln auf den Lippen schlummerte sie endlich langsam ein… Das letzte Bild waren Fräulein Merat und Herr Seyar, wie sie mit Mathildas edlen Pferden über eine grüne Wiese um die Wette galoppierten….