Stein um Stein eine kleine Burg
Verfasst: Sonntag 4. Juni 2006, 16:59
Dunkle Ränder unter den noch immer wachsamen und nachdenklich dreinblickenden, nebelgrauen Augen waren das einzige offene Indiz für die aufkommende Schwäche und Müdigkeit im kleinen Körper des Mädchens. Ihre Ausbildung und auch die vorher vom Vaters stets geforderte Disziplin, sowie der gemeinsame Familientraum jedoch hielten sie aufrecht und strafften ihre schmalen Schultern. Obwohl diese kleine Person aufgrund der flachen, schmalen Gestalt und dem fast puppenhaftem Kindergesicht optisch kaum älter als dreizehn Sommer geschätzt werden konnte, wagten die beiden jungen Maurer, welche den ersten Lehm und Mörtel anrührten kein einziges Mal zu widersprechen, als sie ihnen ruhig erklärte wo man was unterzustellen hatte und dass sie vorerst die Aufsicht über die Bauten übernehmen wolle.
Sie selber hatte lange gebraucht um sich mit Cathals Idee wirklich anzufreunden.
Sicher, eine Burg – sogar eine kleine Familienburg wie jene – bot ihnen allen auf Dauer Zuflucht und war zudem ein recht stattlicher Sitz für ein gut bürgerliches Haus wie das ihre. Doch hätte sie sich weiterhin mit einem kleinen, eigenen Türmlein begnügt … wenn nicht sogar mit einem einfachen Herbergszimmer. Ihre bisherige Kemenate hatte all das geboten, was sie bisher zum Glücke brauchte:
Truhen und ein Schrank für Kleider und ähnlichen, weibischen Zierkram, welchem sie so verfallen war, ein netter Arbeitstisch mit einem simplen Stuhl und ein Fenster davor, durch dessen Scheiben sich das Licht strahlend brach.
Ein nassmatschiges Klatschen unterbrach ihre Gedanken, als der frische Lehm auf die wenigen, ersten Grundsteine geschaufelt wurde. Bauen…. erneut.
Zuerst hatte der Konvent angefangen und erst seit wenigen Tagen hatte sie, völlig überfordert mit dem regen Treiben am Pier, der Ankunft weiterer Lehrkräfte entgegengefiebert. Stoßen, rangeln und immer dicht hinter Finja, da sie hoffte jene am einfachsten im Gewühl wieder zu finden. Letztendlich hatten sie es geschafft und nebst den etwas unterkühlten Blicken des Herren Drachman überschüttete sie die exotisch schöne Dame Mascari mit Begrüßungsküsschen. Dann war auch dieser Punkt seitens der Konventsplanung vorerst abgehakt.
Nun allerdings standen neue Arbeiten an und dennoch nahmen das Schicksal und die verschlungenen Pfade, welche sich Zukunft nannten, auch keine Rücksicht auf diesen erneuten bienenartig geschäftigen Stressschwall.
Stein auf Stein, unendlich langsam, doch beständig wurde hier nun die kleine Burg errichtet, welche alsbald Heimat genannt werden sollte… Burg Llastobhar?
Sie schüttelte den Kopf matt und eine der schneefarbenen Strähnen löste sich aus dem hochgesteckten Haarwust um neckend über ihre Schulter nach vorne zu fallen.
Es geschah doch so viel um sie herum, was zudem eigentlich jede Aufmerksamkeit wert war.
Sie wurde schwächer und plötzlich brachten sie Worte über welche sie vor wenigen Mondläufen nur milde gelächelt hätte aus der inneren Ruhe. So hatte das Gespräch mit jener seltsamen, schmächtigen und scheinbar ebenso wie sie recht bleichen Gestalt im Hügelgrabe Spuren hinterlassen, die ihre Aufmerksamkeit noch immer ab und an einforderten und sie über das Gesprochene grübeln ließen… aber das war längst nicht alles!
Ihr Herz hatte erst am gestrigen Tage einen doppelten Sprung gemacht, zunächst vor Freude über die sanften, alles andere als erbosten oder verfeindeten Blicke ihrer Großbase, welche sie nun nicht mehr Shanna, sondern mit viel Mühe und nachdrücklicher Erinnerung Alassea nannte, dann vor Überraschung und Verwirrung über das plötzliche Auftauchen ihrer Tante Tara.
Unsicherheit war in jenen Momenten ständiger Begleiter ihres Herzens.
Wo wollte Alassea mit der Familie noch zu tun haben, wo zog diese nun ihre eigenen Grenzen?
Wann sprach sie welches falsche Wort gegenüber ihr oder der jungen Schwester ihrer eigenen Mutter, welche sie bisher nur auf einem Portrait im Hause ihres Vaters, erblickt hatte?
Gaben sie ihr Schuld?
Schuld für den Namenswechsel und den damit verbundenen Bruch in einer seltsamen Familie?
Schuld an Tode ihrer Mutter, geliebter Schwester Taras, da es Geburt der Zwillinge Viljo und Una war, welche Cinnia Naweya Llastobhar, nicht überleben sollte?
Schuld, wie ihr dieses junge, verzweifelte Mädchen namens Viola einst entgegengeschleudert hatte...
Wieder ließ ein Geräusch sie aufblicken und die Gedanken verpufften ein weiteres Mal, als Stein auf Stein traf.
Ja, die Burg wuchs… unendlich langsam, doch sie wuchs und mit dem Bau in sommerwarmen Gefilden auf einem ihr noch immer heiligen Grunde, bewilligt vom Grafen persönlich, kam die Zuversicht wieder in die junge Seele zurück. Sie hatte diesem Bau zugestimmt, weil sie das Leuchten in Cathals lavendelfarbenen Augen gesehen hatte, als er ihnen von seinem großen Traum, dieser Festung, erzählt hatte.
Nie zuvor hatte sie ihn derart schwelgen sehen und der Glanz der Begeisterung hatte sich auf den Gesichtern jener, welche sie liebevoll Familie nannte, gespiegelt.
Stein um Stein wuchs nun ein gemeinsamer Traum im Lichte der Sonne heran… zu einer Burg.
[img]http://www.armin-grewe.com/holiday/scotland2003summer/ness-eilean-donan-castle.jpg[/img]
Sie selber hatte lange gebraucht um sich mit Cathals Idee wirklich anzufreunden.
Sicher, eine Burg – sogar eine kleine Familienburg wie jene – bot ihnen allen auf Dauer Zuflucht und war zudem ein recht stattlicher Sitz für ein gut bürgerliches Haus wie das ihre. Doch hätte sie sich weiterhin mit einem kleinen, eigenen Türmlein begnügt … wenn nicht sogar mit einem einfachen Herbergszimmer. Ihre bisherige Kemenate hatte all das geboten, was sie bisher zum Glücke brauchte:
Truhen und ein Schrank für Kleider und ähnlichen, weibischen Zierkram, welchem sie so verfallen war, ein netter Arbeitstisch mit einem simplen Stuhl und ein Fenster davor, durch dessen Scheiben sich das Licht strahlend brach.
Ein nassmatschiges Klatschen unterbrach ihre Gedanken, als der frische Lehm auf die wenigen, ersten Grundsteine geschaufelt wurde. Bauen…. erneut.
Zuerst hatte der Konvent angefangen und erst seit wenigen Tagen hatte sie, völlig überfordert mit dem regen Treiben am Pier, der Ankunft weiterer Lehrkräfte entgegengefiebert. Stoßen, rangeln und immer dicht hinter Finja, da sie hoffte jene am einfachsten im Gewühl wieder zu finden. Letztendlich hatten sie es geschafft und nebst den etwas unterkühlten Blicken des Herren Drachman überschüttete sie die exotisch schöne Dame Mascari mit Begrüßungsküsschen. Dann war auch dieser Punkt seitens der Konventsplanung vorerst abgehakt.
Nun allerdings standen neue Arbeiten an und dennoch nahmen das Schicksal und die verschlungenen Pfade, welche sich Zukunft nannten, auch keine Rücksicht auf diesen erneuten bienenartig geschäftigen Stressschwall.
Stein auf Stein, unendlich langsam, doch beständig wurde hier nun die kleine Burg errichtet, welche alsbald Heimat genannt werden sollte… Burg Llastobhar?
Sie schüttelte den Kopf matt und eine der schneefarbenen Strähnen löste sich aus dem hochgesteckten Haarwust um neckend über ihre Schulter nach vorne zu fallen.
Es geschah doch so viel um sie herum, was zudem eigentlich jede Aufmerksamkeit wert war.
Sie wurde schwächer und plötzlich brachten sie Worte über welche sie vor wenigen Mondläufen nur milde gelächelt hätte aus der inneren Ruhe. So hatte das Gespräch mit jener seltsamen, schmächtigen und scheinbar ebenso wie sie recht bleichen Gestalt im Hügelgrabe Spuren hinterlassen, die ihre Aufmerksamkeit noch immer ab und an einforderten und sie über das Gesprochene grübeln ließen… aber das war längst nicht alles!
Ihr Herz hatte erst am gestrigen Tage einen doppelten Sprung gemacht, zunächst vor Freude über die sanften, alles andere als erbosten oder verfeindeten Blicke ihrer Großbase, welche sie nun nicht mehr Shanna, sondern mit viel Mühe und nachdrücklicher Erinnerung Alassea nannte, dann vor Überraschung und Verwirrung über das plötzliche Auftauchen ihrer Tante Tara.
Unsicherheit war in jenen Momenten ständiger Begleiter ihres Herzens.
Wo wollte Alassea mit der Familie noch zu tun haben, wo zog diese nun ihre eigenen Grenzen?
Wann sprach sie welches falsche Wort gegenüber ihr oder der jungen Schwester ihrer eigenen Mutter, welche sie bisher nur auf einem Portrait im Hause ihres Vaters, erblickt hatte?
Gaben sie ihr Schuld?
Schuld für den Namenswechsel und den damit verbundenen Bruch in einer seltsamen Familie?
Schuld an Tode ihrer Mutter, geliebter Schwester Taras, da es Geburt der Zwillinge Viljo und Una war, welche Cinnia Naweya Llastobhar, nicht überleben sollte?
Schuld, wie ihr dieses junge, verzweifelte Mädchen namens Viola einst entgegengeschleudert hatte...
Wieder ließ ein Geräusch sie aufblicken und die Gedanken verpufften ein weiteres Mal, als Stein auf Stein traf.
Ja, die Burg wuchs… unendlich langsam, doch sie wuchs und mit dem Bau in sommerwarmen Gefilden auf einem ihr noch immer heiligen Grunde, bewilligt vom Grafen persönlich, kam die Zuversicht wieder in die junge Seele zurück. Sie hatte diesem Bau zugestimmt, weil sie das Leuchten in Cathals lavendelfarbenen Augen gesehen hatte, als er ihnen von seinem großen Traum, dieser Festung, erzählt hatte.
Nie zuvor hatte sie ihn derart schwelgen sehen und der Glanz der Begeisterung hatte sich auf den Gesichtern jener, welche sie liebevoll Familie nannte, gespiegelt.
Stein um Stein wuchs nun ein gemeinsamer Traum im Lichte der Sonne heran… zu einer Burg.
[img]http://www.armin-grewe.com/holiday/scotland2003summer/ness-eilean-donan-castle.jpg[/img]