Bajard: von Ratten und Särgen
Verfasst: Donnerstag 23. August 2018, 14:44
Da war diese Tür, irgendwo in den Kellern tief unter Bajard. Er warf sich mit der Schulter gegen das wurmstichige Holz. Sie gab nach, ein Stück weit. Ein Tritt mit dem Stiefel, dann schwang sie nach Innen auf: Aus nachtschwarzer Finsternis wehte ihm der Gestank unergründlicher Tiefen entgegen. Er stapfte weiter, die Fackel am ausgestreckten Arm haltend; manchmal zischte sie, wenn Wasser von der Decke tropfte. Die Mauern alt. Uralt.
Und irgendwann in der Halle mit den Rundbögen, die Ecken voll Unrat, die Luft klebrig von Fäulnis, sah er, wie ES auf einem geschnitzten Thron hockte. Gebückt, der Körper von fettigem Fell überzogen, der nackte Schwanz, der den Boden peitschte. Es saß höhnisch grinsend da und sah ihn an, mit seinen kleinen, bösen Augen: Rattenkönig. „Er“, schnarrte es und zeigte mit dem krummen Finger auf Sludig.
Ein Schmerz ließ ihn hochfahren. Im bleichen Licht des Mondes sah er gerade noch, wie ein pelziger Schatten über sein Bett zur Wand huschte und in einer finsteren Ecke verschwand. Als er sich an den Hals griff, waren seine Finger feucht von Blut.
In den vergangenen Tagen war er regelmäßig über Albrechts Schuppen in die Keller der Hafenstadt vorgedrungen. Die alten Gemäuer waren eine Brutstätte für Ratten. Was ihn beunruhigte, war nicht nur die Größe mancher Tiere, sondern die Menge, in der sie auftraten. Und manchmal hatte er den Eindruck als würden sich all diese Tiere huschend, trappelnd entlang uralter, halbverschütteter Gänge nach oben bewegen. Bereit, die ganze Stadt krank zu machen und im Gestank der Pest zu ersticken.
Doch da war noch etwas anderes. Ein Gefühl des Beobachtet-Werdens, das er aus der tiefen Dunkelheit mit nach oben genommen hatte. Etwas verfolgte und belauerte ihn, da war er sich sicher, seit der Nacht, als sich jemand an seinem Türschloss zu schaffen gemacht hatte. Ein namenloses Grauen, das sich ihm in seltsamen Schatten bemerkbar machte, wenn er nachts aus dem Fenster starrte und trappelnden Schritten, die ihn manchmal zu verfolgen schienen, wenn er vom „Torkelnden Oger“ zu seiner Herberge stapfte.
Er befühlte noch einmal die Wunde am Hals. Ratten im Gemäuer, dachte er. Es werden mehr und mehr – eine Hydra mit tausend Köpfen. Und irgendwann werden sie mich im Schlaf auffressen. Er stand am Fenster und schaute aufs Meer, das schwarz und ölig da lag. Und dann fasste er einen Entschluss: Er würde tiefer in die Dunkelheit und den Schmutz unter Bajard vordringen, um das Nest des Unheils aufzuspüren. Und Morgen, gleich nach Sonnenaufgang, wird er sich Holz und Nägel besorgen und eine Kiste zimmern. Mit Deckel. Die würde ihn schützen vor den nächtlichen Angriffen der Nager. Dann dreht er sich um. Ihm war, als hätten die Dielen im Korridor geknarzt.
Und irgendwann in der Halle mit den Rundbögen, die Ecken voll Unrat, die Luft klebrig von Fäulnis, sah er, wie ES auf einem geschnitzten Thron hockte. Gebückt, der Körper von fettigem Fell überzogen, der nackte Schwanz, der den Boden peitschte. Es saß höhnisch grinsend da und sah ihn an, mit seinen kleinen, bösen Augen: Rattenkönig. „Er“, schnarrte es und zeigte mit dem krummen Finger auf Sludig.
Ein Schmerz ließ ihn hochfahren. Im bleichen Licht des Mondes sah er gerade noch, wie ein pelziger Schatten über sein Bett zur Wand huschte und in einer finsteren Ecke verschwand. Als er sich an den Hals griff, waren seine Finger feucht von Blut.
In den vergangenen Tagen war er regelmäßig über Albrechts Schuppen in die Keller der Hafenstadt vorgedrungen. Die alten Gemäuer waren eine Brutstätte für Ratten. Was ihn beunruhigte, war nicht nur die Größe mancher Tiere, sondern die Menge, in der sie auftraten. Und manchmal hatte er den Eindruck als würden sich all diese Tiere huschend, trappelnd entlang uralter, halbverschütteter Gänge nach oben bewegen. Bereit, die ganze Stadt krank zu machen und im Gestank der Pest zu ersticken.
Doch da war noch etwas anderes. Ein Gefühl des Beobachtet-Werdens, das er aus der tiefen Dunkelheit mit nach oben genommen hatte. Etwas verfolgte und belauerte ihn, da war er sich sicher, seit der Nacht, als sich jemand an seinem Türschloss zu schaffen gemacht hatte. Ein namenloses Grauen, das sich ihm in seltsamen Schatten bemerkbar machte, wenn er nachts aus dem Fenster starrte und trappelnden Schritten, die ihn manchmal zu verfolgen schienen, wenn er vom „Torkelnden Oger“ zu seiner Herberge stapfte.
Er befühlte noch einmal die Wunde am Hals. Ratten im Gemäuer, dachte er. Es werden mehr und mehr – eine Hydra mit tausend Köpfen. Und irgendwann werden sie mich im Schlaf auffressen. Er stand am Fenster und schaute aufs Meer, das schwarz und ölig da lag. Und dann fasste er einen Entschluss: Er würde tiefer in die Dunkelheit und den Schmutz unter Bajard vordringen, um das Nest des Unheils aufzuspüren. Und Morgen, gleich nach Sonnenaufgang, wird er sich Holz und Nägel besorgen und eine Kiste zimmern. Mit Deckel. Die würde ihn schützen vor den nächtlichen Angriffen der Nager. Dann dreht er sich um. Ihm war, als hätten die Dielen im Korridor geknarzt.