Der Dieb mag lügen - der Diebstahl nicht.
Verfasst: Samstag 4. August 2018, 01:31
- Die Wärme von Draußen drang lau an ihre Haut, während sie sich auf den Fellen herumdrehte. Zu warm... es war viel zu warm. Nachdem der hochgewachsene, rothaarige Wildfang Yndis das Schreiben der Schwester gelesen hatte, gab es nur schwerlichst einen Weg zur Ruhe zu finden. Was bildeten sich diese Städter überhaupt ein? Tag ein, Tag aus schwitzte sie in der Sonne auf den Feldern, fütterte die Kaltblüter, kümmerte sich um die Pflanzen und Sträucher... in anderen Zeiten konnte man sie überhäuft von Fellen in den kühlen Morgenstunden auf dem großen Thyrenhof erblicken... aber heute hatte man das geduldige, meistens sanfte und friedvolle, moosgrüne Augenpaar voller Zorn aufflammen sehen können. Unbegreifliche Dreistigkeiten welche die Städter und sogar ihre Verbündeten, die Menekaner, an den Tag legten und gelegt hatten. Waren sie gar zu faul ihre eigenen Erzeugnisse hervorzubringen sodass sie sich an den Früchten der Anderen laben mussten? Es war ihr einfach ein nicht zu erschließendes Rätsel.
Die andere Frage die der erneute Diebstahl ihres Obstes aufwarf war, was tat man mit solchen Dieben? Was tat man um ernst und glaubhaft wahrgenommen zu werden? Die nordischen Wurzeln in der Thyrin keimten einmal mehr auf und sie erwischte sich bei dem Gedanken, dem nächsten Dieb ihre Sichel hinterher zu werfen... oder ihnen die Finger zu brechen, zu was sie bei einer Körpergröße von 1,92m auch bei einem Mann des Städtervolkes durchaus und einfach im Stande wäre. Die Sagen und Erzählungen ihres Volkes erzählten von riesigen Brandschatzungen, Plünderungen von Gold und Silber... und nun sollten sie selbst die Beklauten sein? Das konnte und würde sie sich nicht gefallen lassen. Und bei den Ahnen - den nächsten den sie erwischen würde, würde nicht nur mit einer Bisswunde eines Wolfes davonkommen. Zwar war sie stets sanftmütiger und eher stoischer Natur, doch am Ende des Tages brannte auch in ihr die kühle und distanzierte Flamme des Nordens.
Sollten sie nur kommen...