Strophe für Strophe
Verfasst: Sonntag 3. Juni 2018, 21:34
Leise raschelte das feine Papier, als Merileth den Brief sorgsam faltete, noch einmal darüber strich, um es zu glätten, ehe sie ihn in eine Tasche an ihrer Seite behutsam legte, damit er keine Falten erhielt und wandte daraufhin ihren Blick aus den saphirblauen Augen vom Balkon über die Klippen hinaus zum Meer, deren Gischt von der untergehenden Sonne rotgold gefärbt wurde. Einer der Adler, der seinen Horst an den Klippen knapp unterhalb ihres Platzes hatte, kehrte zurück, quietschend-kreischend begrüßt von den Jungen, doch dieses Mal erregten sie nicht ihr Interesse. Merileth hing eine Weile ihren Gedanken nach, lediglich unterbrochen von angenehmen Eindrücken, wie dem kühlen Wind, der von der See her zu ihr wehte und durch ihr Haar strich und den Duft des Meeres mit sich trug. So hielt sie inne, stützte sich auf der Brüstung des Balkons ab und genoss den Moment, hinter dem langsam ihre Gedanken verblassten.
Erste Sterne zeigten sich am Himmelszelt und das Meer lag ruhiger, aber auch dunkler vor ihr da. Der Wind hatte nachgelassen und auch im Horst an den Klippen war Ruhe eingekehrt. Man könnte fast meinen, die Welt wäre zu Ruhe gekommen und machte sich daran, sich schlafen zu legen, aber der ferne Ruf eines Fuchses verdeutlichte, dass nun eine andere Seite der Welt erwacht war. Auf Merileths Zügen bildete sich ein feines Schmunzeln. Der Ruf des Fuchses erinnerte sie an ihre Aufgabe, die sie vor sich hatte und tief atmete sie durch, riss sich von diesem Ort los, an dem sie so gerne verweilte. Sicher, hier fühlte sie sich wohl, aber sie brauchte einen Ort, der sie nicht ablenkte mit majestätischen Adlern, dem lockenden Wind, der sie manchmal geradezu einzuladen schien, mit ihm zu tanzen und einer großartigen Aussicht.
Anfangs hatte sie an einen Berggipfel gedacht, als sie überlegt hatte, wo sie ihre Aufgabe angehen könnte. Aber der Wind ...
So hatte sie sich für einen Ort entschieden, der nicht unbedingt frei von Reizen war, aber halbwegs frei von Verlockungen, die sie auf angenehme Weise ablenken konnten.
Merileth verließ Ered Luin, durchschritt den Nebelwald, der, abgesehen von den tanzenden Irrlichtern, finster und zugleich so vertraut und Geborgenheit vermittelnd dalag und erreichte die Grenze des Waldes. Im tiefen Schatten eines Baumes hielt sie inne, legte eine Hand an diesen, wie man es bei einem Freund tut, den man trifft und hielt Ausschau. Eine weite Graslandschaft breitete sich vor ihr aus, matt beleuchtet durch den Mond, der sich anschickte, in wenigen Tagen zum Vollmond vollendet zu werden. In weiter Ferne leuchteten vereinzelte Lichter - die Häuser der Menschen. Länger als üblich hielt sie inne, ließ den Blick kreisen, lauschte, achtete auf die Zeichen der Natur. Waren Nachttiere zu hören? Aufgeschreckt oder eher entspannt? Erst, als alles wie immer erschien, löste sie sich vom Schatten des Baumes, noch einmal über seine rauhe Borke streichend und trat durch das raschelnde Gras, ging einige Schritte, bis sie eine kleine Ansammlung von flachen Felsen fand, die sie schon am Tage auserkoren hatte. Auch hier ließ sie noch einmal ihren Blick schweifen und lauschte. Auch wenn es nicht weit bis zum Nebelwald war - es war gefährlich geworden. Letharen wagten sich immer tiefer ins Herz des lichten Reiches auf Gerimor.
Sie sind der Grund, warum sie hier war. Merileth hätte sich für den Weg der Bardin entscheiden können, ihren Eltern folgen und damit ein Leben führen können, was vermutlich behüteter geworden wäre, als das, was sie nun erwarten würde. Es wäre einfacher gewesen, in so vielerlei Hinsicht. Aber es wäre nicht richtig gewesen. Erst vor kurzem war Merileth, wie so viele ihres Volkes, von einer langen Reise zurückgekehrt und es waren Berichte über die sich nähernde Dunkelheit, die sie mit als erstes zu hören bekam. Damals, als sie ihre Reise aufgenommen hatte, war sie noch mehr ein Kind, als heute. Zwar hat sie immer noch einen Teil ihrer Jugend und damit eine gewisse Unbeschwertheit bewahrt, aber ihr war auch klar geworden, dass sie ihrem Volk kaum hilfreich zur Seite stehen konnte, wenn sie es sich einfach machte, den Schutz suchte, den Kinder suchten und vor allem - sie musste einfach das Geschenk annehmen, was ihr gegeben wurde, auch wenn es ein Geschenk mit Schattenseiten war.
Im Schneidersitz machte es sich Merileth auf einem der Felsen halbwegs gemütlich und stellte behutsam einen kleinen, irdenen Becher vor sich ab. Feine, verschlungene Linien waren in ihm geritzt worden, bevor er gebrannt worden war. Ansonsten jedoch war er schmucklos und farblos gehalten, dafür konnten aufmerksame Betrachter und Kenner bemerken, dass sehr viele Mühe darin investiert worden war, ihn sehr gleichmäßig und glatt zu töpfern. Keine Delle, Beule oder Rille zierten ihn, als hätte ein Meister ihn geformt. Oder ein Angehöriger der Eledhrim, der die nötige Geduld besaß, über Jahre hinweg ein und dieselbe Form immer wieder zu wiederholen, um über Perfektion hinaus zu gehen. Wieviel von dem Lied seines Schöpfers mochte wohl in dem Becher selbst stecken? War das überhaupt möglich?
Merileth wusste noch zu wenig darüber. Das Lied zu nutzen, um im Dunklen besser sehen zu können oder sich von Giften zu reinigen, war etwas, was ihr, wie all den anderen Eledhrim, förmlich in Fleisch und Blut übergegangen war. Es war wie Gehen oder Atmen. Man dachte irgendwann nicht mehr darüber nach, tat es einfach und das über Jahrzehnte, über ein Jahrhundert lang hinweg. Als nun Merileth kürzlich wieder versuchte, zu ergründen, was sie da eigentlich tat und was mit ihr passierte, als sie sich im Dunklen eine bessere Sicht verschaffen wollte, passierte etwas Ungewohntes - es funktionierte nicht. Irgendwas zerrte kurz an ihr und es blieb dunkel. Dieser Moment erwischt sie eiskalt und sie versuchte es ein weiteres Mal und wie ein Redner, der sich in einem Vortrag verplapperte und anfing nervös zu stottern, erging es auch ihr für einen Moment, bis sie innehielt, sich beruhigte und es dann letzten Endes doch schaffte, wieder im Dunkeln wie gewohnt zu sehen.
Merileth war klar, dass sie wohl solche Momente noch viele weitere Male erleben wird. So, wie der Töpfer wohl bei seinen ersten Bechern krumme und schiefe Gebilde erhielt, so würde auch sie immer mal wieder scheitern, doch in dem Scheitern sah sie die Möglichkeit zu lernen und zur Meisterschaft zu gelangen. Wie eben jener, der diesen Becher erschaffen hatte.
Etwas rückte sich die Elfe auf dem Felsen zurecht, ein letzter, sich vergewissernder Blick ringsum, dann jedoch schloss sie ihre Augen, atmet tief und ruhig durch die Nase ein, ebenso ruhig wieder aus. Sie begann sich auf den Moment zu konzentrieren.
Auf ihre Haltung, ihren Körper. Dort, wo er sich anspannte, entspannte sie ihn.
Ruhe. Loslassen.
Keine Sorgen. Keine Zukunft, keine Vergangenheit. Keine Pläne.
Und dann ... versinken in einem Meer aus Tönen.
So vertraut war der Klang, der sich durch das Gewebe der Welt spannte. Unbeschreiblich und harmonisch, alles zusammenhaltend, alles verbindend. Steter Begleiter, das ganze Leben schon hindurch. Die Augen blieben geschlossen und der Fokus richtete sich auf einzelne Klänge, die durchschimmerten, so als wenn man in einem Konzert versucht, ein Instrument wahrzunehmen, welches zum Gesamtwerk beiträgt. Schwer fassbar und vor allem noch schwerer erkennbar, welcher Ton welchen Ursprung hatte. War es der grollende Laut? Das feine Zirpen?
Die Augenlider der Elfe flatterten leicht, das Kopf ruckte gar, während sie versuchte das Klangmuster, welches sie suchte, auszumachen. Wie in einem Labyrinth aus Tönen kam sie sich vor. Unwohl war ihr jedoch nicht zumute. Dafür kam in ihr immer mehr und mehr das Gefühl von Verlorenheit im Vertrauten auf. Als wenn sich zu viele Arme um sie warm und einfühlsam legen, zu viele freundliche, liebevolle Stimmen auf sie einredeten und sie ablenkten.
Ein Bild schob sich dazwischen - gewaltige Flügel, die sich spannten, Raum schafften. Ein Wind zog kräftig auf, der Platz schaffte, die Töne nicht vertrieb, aber sie dämpfte, für Ruhe sorgte und dann ...
Metallisch. Feucht. Weich. Der Duft von Erde ...
Können Töne duften?
Blinzelnd schlug Merileth die Augen auf und runzelte ihre Stirn, dann atmete sie durch und blickte hinab zu dem Becher. Sie wusste noch nicht viel über das Lied, aber was sie wusste: sie war noch so weit am Anfang, dass sie erstmal lernen musste, nicht den Faden zu verlieren. Da war etwas, glaubte sie zumindest. Irgendwas hatte sie wahrgenommen und es erinnerte sie an den Becher. Vorsichtig hob sie ihn auf, zwei Fingerkuppen strichen unten am Boden entlang, fühlten den eingeritzten Initialen nach - ein Werk des Vaters ihres Vaters, entstanden zu einer Zeit, als selbst der Camvaethol noch eher jung an Jahren war.
Einen Moment saß sie so versunken im Anblick des Bechers da, ehe sie in weiter Ferne, dort, wo die Menschen lebten, das hektisch-aggressive Bellen eines Hundes wahrnahm. Unwohl sah Merileth in diese Richtung, erhob sich leise vom Felsen und barg den Becher in ihren Händen, während sie sich auf den Weg zurück in den Nebelwald machte. Erst, als sie ihn erreicht hatte, wagte sie nochmal einen Blick zurück und lauschte. Stille war wieder eingekehrt, doch ein unwohles Gefühl blieb bestehen. Sie würde ein anderes Mal einen erneuten Versuch wagen.
Erste Sterne zeigten sich am Himmelszelt und das Meer lag ruhiger, aber auch dunkler vor ihr da. Der Wind hatte nachgelassen und auch im Horst an den Klippen war Ruhe eingekehrt. Man könnte fast meinen, die Welt wäre zu Ruhe gekommen und machte sich daran, sich schlafen zu legen, aber der ferne Ruf eines Fuchses verdeutlichte, dass nun eine andere Seite der Welt erwacht war. Auf Merileths Zügen bildete sich ein feines Schmunzeln. Der Ruf des Fuchses erinnerte sie an ihre Aufgabe, die sie vor sich hatte und tief atmete sie durch, riss sich von diesem Ort los, an dem sie so gerne verweilte. Sicher, hier fühlte sie sich wohl, aber sie brauchte einen Ort, der sie nicht ablenkte mit majestätischen Adlern, dem lockenden Wind, der sie manchmal geradezu einzuladen schien, mit ihm zu tanzen und einer großartigen Aussicht.
Anfangs hatte sie an einen Berggipfel gedacht, als sie überlegt hatte, wo sie ihre Aufgabe angehen könnte. Aber der Wind ...
So hatte sie sich für einen Ort entschieden, der nicht unbedingt frei von Reizen war, aber halbwegs frei von Verlockungen, die sie auf angenehme Weise ablenken konnten.
Merileth verließ Ered Luin, durchschritt den Nebelwald, der, abgesehen von den tanzenden Irrlichtern, finster und zugleich so vertraut und Geborgenheit vermittelnd dalag und erreichte die Grenze des Waldes. Im tiefen Schatten eines Baumes hielt sie inne, legte eine Hand an diesen, wie man es bei einem Freund tut, den man trifft und hielt Ausschau. Eine weite Graslandschaft breitete sich vor ihr aus, matt beleuchtet durch den Mond, der sich anschickte, in wenigen Tagen zum Vollmond vollendet zu werden. In weiter Ferne leuchteten vereinzelte Lichter - die Häuser der Menschen. Länger als üblich hielt sie inne, ließ den Blick kreisen, lauschte, achtete auf die Zeichen der Natur. Waren Nachttiere zu hören? Aufgeschreckt oder eher entspannt? Erst, als alles wie immer erschien, löste sie sich vom Schatten des Baumes, noch einmal über seine rauhe Borke streichend und trat durch das raschelnde Gras, ging einige Schritte, bis sie eine kleine Ansammlung von flachen Felsen fand, die sie schon am Tage auserkoren hatte. Auch hier ließ sie noch einmal ihren Blick schweifen und lauschte. Auch wenn es nicht weit bis zum Nebelwald war - es war gefährlich geworden. Letharen wagten sich immer tiefer ins Herz des lichten Reiches auf Gerimor.
Sie sind der Grund, warum sie hier war. Merileth hätte sich für den Weg der Bardin entscheiden können, ihren Eltern folgen und damit ein Leben führen können, was vermutlich behüteter geworden wäre, als das, was sie nun erwarten würde. Es wäre einfacher gewesen, in so vielerlei Hinsicht. Aber es wäre nicht richtig gewesen. Erst vor kurzem war Merileth, wie so viele ihres Volkes, von einer langen Reise zurückgekehrt und es waren Berichte über die sich nähernde Dunkelheit, die sie mit als erstes zu hören bekam. Damals, als sie ihre Reise aufgenommen hatte, war sie noch mehr ein Kind, als heute. Zwar hat sie immer noch einen Teil ihrer Jugend und damit eine gewisse Unbeschwertheit bewahrt, aber ihr war auch klar geworden, dass sie ihrem Volk kaum hilfreich zur Seite stehen konnte, wenn sie es sich einfach machte, den Schutz suchte, den Kinder suchten und vor allem - sie musste einfach das Geschenk annehmen, was ihr gegeben wurde, auch wenn es ein Geschenk mit Schattenseiten war.
Im Schneidersitz machte es sich Merileth auf einem der Felsen halbwegs gemütlich und stellte behutsam einen kleinen, irdenen Becher vor sich ab. Feine, verschlungene Linien waren in ihm geritzt worden, bevor er gebrannt worden war. Ansonsten jedoch war er schmucklos und farblos gehalten, dafür konnten aufmerksame Betrachter und Kenner bemerken, dass sehr viele Mühe darin investiert worden war, ihn sehr gleichmäßig und glatt zu töpfern. Keine Delle, Beule oder Rille zierten ihn, als hätte ein Meister ihn geformt. Oder ein Angehöriger der Eledhrim, der die nötige Geduld besaß, über Jahre hinweg ein und dieselbe Form immer wieder zu wiederholen, um über Perfektion hinaus zu gehen. Wieviel von dem Lied seines Schöpfers mochte wohl in dem Becher selbst stecken? War das überhaupt möglich?
Merileth wusste noch zu wenig darüber. Das Lied zu nutzen, um im Dunklen besser sehen zu können oder sich von Giften zu reinigen, war etwas, was ihr, wie all den anderen Eledhrim, förmlich in Fleisch und Blut übergegangen war. Es war wie Gehen oder Atmen. Man dachte irgendwann nicht mehr darüber nach, tat es einfach und das über Jahrzehnte, über ein Jahrhundert lang hinweg. Als nun Merileth kürzlich wieder versuchte, zu ergründen, was sie da eigentlich tat und was mit ihr passierte, als sie sich im Dunklen eine bessere Sicht verschaffen wollte, passierte etwas Ungewohntes - es funktionierte nicht. Irgendwas zerrte kurz an ihr und es blieb dunkel. Dieser Moment erwischt sie eiskalt und sie versuchte es ein weiteres Mal und wie ein Redner, der sich in einem Vortrag verplapperte und anfing nervös zu stottern, erging es auch ihr für einen Moment, bis sie innehielt, sich beruhigte und es dann letzten Endes doch schaffte, wieder im Dunkeln wie gewohnt zu sehen.
Merileth war klar, dass sie wohl solche Momente noch viele weitere Male erleben wird. So, wie der Töpfer wohl bei seinen ersten Bechern krumme und schiefe Gebilde erhielt, so würde auch sie immer mal wieder scheitern, doch in dem Scheitern sah sie die Möglichkeit zu lernen und zur Meisterschaft zu gelangen. Wie eben jener, der diesen Becher erschaffen hatte.
Etwas rückte sich die Elfe auf dem Felsen zurecht, ein letzter, sich vergewissernder Blick ringsum, dann jedoch schloss sie ihre Augen, atmet tief und ruhig durch die Nase ein, ebenso ruhig wieder aus. Sie begann sich auf den Moment zu konzentrieren.
Auf ihre Haltung, ihren Körper. Dort, wo er sich anspannte, entspannte sie ihn.
Ruhe. Loslassen.
Keine Sorgen. Keine Zukunft, keine Vergangenheit. Keine Pläne.
Und dann ... versinken in einem Meer aus Tönen.
So vertraut war der Klang, der sich durch das Gewebe der Welt spannte. Unbeschreiblich und harmonisch, alles zusammenhaltend, alles verbindend. Steter Begleiter, das ganze Leben schon hindurch. Die Augen blieben geschlossen und der Fokus richtete sich auf einzelne Klänge, die durchschimmerten, so als wenn man in einem Konzert versucht, ein Instrument wahrzunehmen, welches zum Gesamtwerk beiträgt. Schwer fassbar und vor allem noch schwerer erkennbar, welcher Ton welchen Ursprung hatte. War es der grollende Laut? Das feine Zirpen?
Die Augenlider der Elfe flatterten leicht, das Kopf ruckte gar, während sie versuchte das Klangmuster, welches sie suchte, auszumachen. Wie in einem Labyrinth aus Tönen kam sie sich vor. Unwohl war ihr jedoch nicht zumute. Dafür kam in ihr immer mehr und mehr das Gefühl von Verlorenheit im Vertrauten auf. Als wenn sich zu viele Arme um sie warm und einfühlsam legen, zu viele freundliche, liebevolle Stimmen auf sie einredeten und sie ablenkten.
Ein Bild schob sich dazwischen - gewaltige Flügel, die sich spannten, Raum schafften. Ein Wind zog kräftig auf, der Platz schaffte, die Töne nicht vertrieb, aber sie dämpfte, für Ruhe sorgte und dann ...
Metallisch. Feucht. Weich. Der Duft von Erde ...
Können Töne duften?
Blinzelnd schlug Merileth die Augen auf und runzelte ihre Stirn, dann atmete sie durch und blickte hinab zu dem Becher. Sie wusste noch nicht viel über das Lied, aber was sie wusste: sie war noch so weit am Anfang, dass sie erstmal lernen musste, nicht den Faden zu verlieren. Da war etwas, glaubte sie zumindest. Irgendwas hatte sie wahrgenommen und es erinnerte sie an den Becher. Vorsichtig hob sie ihn auf, zwei Fingerkuppen strichen unten am Boden entlang, fühlten den eingeritzten Initialen nach - ein Werk des Vaters ihres Vaters, entstanden zu einer Zeit, als selbst der Camvaethol noch eher jung an Jahren war.
Einen Moment saß sie so versunken im Anblick des Bechers da, ehe sie in weiter Ferne, dort, wo die Menschen lebten, das hektisch-aggressive Bellen eines Hundes wahrnahm. Unwohl sah Merileth in diese Richtung, erhob sich leise vom Felsen und barg den Becher in ihren Händen, während sie sich auf den Weg zurück in den Nebelwald machte. Erst, als sie ihn erreicht hatte, wagte sie nochmal einen Blick zurück und lauschte. Stille war wieder eingekehrt, doch ein unwohles Gefühl blieb bestehen. Sie würde ein anderes Mal einen erneuten Versuch wagen.