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Schlacht um Bajard

Verfasst: Dienstag 30. Mai 2006, 13:41
von Beldan Scherenbrueck
Lange hatte er gezögert, ob er überhaupt nach Bajard gehen sollte. Er war in Varuna gewesen, eigentlich schon in Sicherheit. Als er mit Marvin aufgebrochen war, da stand der Entschluss wieder zurückzukehren nicht fest. Er war sich sogar sicher gewesen, dass er dort bleiben würde, hinter den sicheren Mauern der großen Stadt. Irgendwie war er doch umgekehrt. Verspätet, fast als letzter, trudelte er ein. Die Palisaden um Bajard standen schon, die Männer und Frauen waren kampfbereit. Er ging rasch in das Dorf, rüstete sich und kam zurück. Als er dort stand mit seinem Schwert über der Schulter und die vielen Krieger vor sich sah, verstand er erst richtig. Hier gab es keine Schlacht zu schlagen, nicht für ihn. Was auch immer ihn bewegt haben mochte umzukehren, hier würde es keine Erfüllung finden. Varuna und seine Bündnispartner waren vor der Stadt aufmarschiert, Söldner und freie Krieger schärften ihre Waffen. Selbst Magier und Templer waren zugegen. Dies also sollte die Rache für Berchgard, die Rache für die Zerstörung Varunas, die Rache für die vielen Demütigungen die Rahal Varuna und vielen anderen zugefügt hatte werden. Und das wurde sie. Es brauchte keinen außergewöhnlichen Verstand um zu erraten, dass Rahal verlieren würde. Sie waren gekommen um ein Dorf anzugreifen und vor ihnen stand das Reich, standen die Menekaner, standen die Zwerge. Die Schlacht dauerte nicht lang. Beldan hatte nur den Rand der Auseinandersetzung gesehen. Die Spuren von Magieanwendungen, ein paar Bewusstlose oder Tote, die bei dem Sturm auf den Feind zurückgeblieben waren. Ihre Zahl war nicht groß. Als die Schlacht ausbrach war er zurückgeblieben, stand er vor den Toren des Dorfes das zu verteidigen er sich aufgemacht hatte. Neben ihm noch der ein oder andere behelfsmäßige Krieger, der verwirrt, begeistert oder entfremdet auf die Menge sah, die unter Schreien und Rufen auf den Gegner losbrach. Irgendwo an den Palisaden stand die Bürgermeisterin, die den Kampf um ihr Dorf aus der Ferne beobachtete. Es war ein großer Sieg für Varuna. Ein Sieg für den er keinen Streich getan hatte. Der Ruhm lag nicht auf seinen Schultern. Zwischen zwergischen Wühlern, menekanischen Säbelkämpfern, Magiern und Rittern hatte er keine Bedeutung. Er war nur gekommen, weil er nicht sicher sein konnte, ob sie wirklich dort wären. Sie waren es.

Richtige Euphorie mochte sich nicht einschleichen. Nach der Schlacht standen einzelne Grüppchen ahnungslos oder geschäftig herum, ein paar Streitereien und Konflikte brachen noch aus, die Gefangenen wurden nach Varuna gebracht. Vor den Toren Bajards führten ein Zwerg und eine Menekanerin, die vorher noch Seite an Seite gestanden hatten, ihre eigene Schlacht fort. Den Lärm des Zweikampfes konnte man in Bajard hören. Nachdem sich all die Kämpfer zerstreut hatten, die vor Bajard aufmarschiert waren, um eine Schlacht zu schlagen, um das Dorf zu verteidigen, um Rache zu nehmen oder weil sie bezahlt wurden, blieb das Dorf fast leer zurück. Ein Hauch von Nervosität lag noch in der Luft, gelegentlich preschte ein Reiter durch die Stadt oder lief jemand eilig, in scheppernder Rüstung durch die Straßen. Aber meistens hatte er kein Ziel mehr, hielt irgendwann inne, zögerte, kehrte um. Alle anderen gingen dorthin zurück, woher sie gekommen waren. Meistens war das nicht Bajard. Es war ein wenig schauerlich nach dem Kampf durch Bajard zu gehen, zwischen den errichteten Palisaden hindurch. Das Dorf lag so offen und verletzlich da, wie man es die Tage über gekannt hatte. Eine seltsame Schlacht. War es auch ein Sieg für Bajard ? Irgendwie fiel es schwer das zu glauben. Für Varuna war alles zum besten gelaufen. Mit dem Handelsposten hatte Rahal einen überraschenden Weg eingeschlagen, hatte sich vor Bajard festgesetzt und seine Hand langsam aber geduldig nach dem Dorf ausgestreckt, in scheinbarer Freundschaft. Warum sie diese Maske fallen gelassen hatten ? Wer weiß. Vielleicht war Rahal in sich gespaltener als man geglaubt hatte. Dann dieser Aushang, den die Bürgermeisterin nach der Schlacht veröffentlichen ließ. Verbot für Anhänger Rahals die Stadt zu besuchen. Ein nachvollziehbarer Entschluss. Die öffentliche Ausnahme des Bund des Handwerks zu Rahal. Unverständlich. Ein Versuch Rahal zu entzweien ? Oder nur leichtfertige Achtlosigkeit ? Beldan erschien beides möglich. Beides gefiel ihm nicht unbedingt, egal ob der Bund wirklich auf der Seite Bajards gestanden hatte oder nicht. Wenn ja, dann hatte man ihn an Rahal verraten. Eine denkbar unvernünftige Entscheidung. Wenn es nur eine Finte gewesen war, dann verspielte man zumindest den Kontakt zu gemäßigteren Bürgern Rahals. Alles lief auf das gleiche hinaus. Man würde in Zukunft mit Varuna Vorlieb nehmen. Vorlieb nehmen müssen. Wenn man im Kampf mit zwei großen Mächten einmal aus der Neutralität gerutscht war, dann führte der Weg schwer wieder zurück. Besser man stellte sich gleich und ganz auf eine Seite, bevor man riskierte zwischen den beiden kriegsführenden Reichen zermalmt zu werden.

Etwas müde schlenderte er in diesen Tagen durch das heimatliche Dorf. Würde Rahal noch einmal angreifen oder war es vorerst vorbei ? Er hatte nicht einmal wirklich verstanden weshalb die Schlacht zustande gekommen war, wie sollte er abschätzen ob sich die Konflikte fortsetzen würden ? Resigniert hob er die Schultern. Im Grunde ging es ihn auch nichts an. Bei der nächsten Schlacht würde er wohl wieder in irgendeiner der Reihen stehen. Vielleicht würde er dann auch gezwungen sein das Schwert in die Hand zu nehmen und zu kämpfen. Je nachdem ob es eine Schlacht um Bajard werden würde oder für das Reich.