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Zu später Stunde...

Verfasst: Montag 29. Mai 2006, 01:50
von Ithamar
Es war zweifelsohne eine zu fortgeschrittene Stunde und die Ereignisse des Abends waren noch zu frisch, zu ungeordnet, um in ihrer Tragweite ermessen werden zu können. Der Templer drängte diese Abwägungen bewusst in einen Winkel seines Geistes, wo sie ihn einstweilen nicht belästigen würden. Der Gedanke, dass ihre Heiligkeit den Verletzungen würde erliegen können war hingegen ohnehin zu ungeheuerlich, um ernsthaft in Betracht gezogen werden zu können. All das galt es nun beiseite zu lassen. Er erreichte das Kloster in tiefster Nacht, erteilte dem Pförtner einige Anweisungen, dann machte er sich auf, um die Klosterdienerin Morgane zu wecken und sie über alles nötige zu unterrichten, so dass sie alles für die baldige Rückkehr ihrer Heiligkeit würde vorbereiten können. Zu guter letzt mahnte er sie an in aller Frühe, mit den ersten Sonnenstrahlen, einen Boten zum Haus der Dame de Arganta zu entsenden, der sich nach dem Zustand ihrer Heiligkeit erkundigen sollte. Nun galt es nur noch ihre Gnaden Valeth zu unterrichten. Sollte sie trotz der schweren Gedanken einen Augenblick des Schlafes und der Ruhe gefunden haben, so würde dieser eine jähe Unterbrechung finden. Manche Dinge duldeten keinen Aufschub.

Verfasst: Montag 29. Mai 2006, 08:02
von Alyssa Arnis
So geschah es zu noch fortgeschrittener Stunde, dass erneute Aufregung durch die Klostermauern zog. Unterrichtet durch den jungen Klosterschüler Cassian, war alsbald jeder informiert, dass ihre Heiligkeit ins Kloster zurückgekehrt war. Doch mochte der Anblick des Verbandes um ihre Augen die Aufregung kaum abklingen lassen. Viele Augen sahen sie nun wohl, als sie durch die Heilerin de Arganta geführt, zum heiligen Baum schritt und hiervor zum Gebet des Dankes niederkniete.

So war es deutlich erkennbar, dass sie von neuer Kraft erfüllt war, als sie sich wieder erhob und weiter durch die Heilerin zu ihrem Zimmer geführt wurde, die Nachtruhe suchend.

Verfasst: Montag 29. Mai 2006, 18:40
von Beldan Scherenbrueck
[falscher Account]

Verfasst: Montag 29. Mai 2006, 18:41
von Ithamar
Sollte er beruhigt sein ? Er war es nicht. Es war zweifelsohne eine Erleichterung zu wissen, dass die Erztemplerin wieder im Kloster weilte. Es war zweifelsohne keine besondere Erleichterung zu wissen, dass sie ihr Augenlicht verloren hatte. Es stand zu hoffen, dass dieser Mangel nur zeitweise bestehen würde. Es würde der Erztemplerin zwar nichts von ihrer Weisheit und ihrem Stande nehmen, aber von ihrer Handlungsfähigkeit durchaus. Blindheit war eine Einschränkung, das mochte man drehen und wenden wie man wollte. Und hier lag der eigentliche Kern des Problems, das dem Templer solchen Verdruss bereitete. Wenn man im klerikalen Jargon zu sagen pflegte, dass die Erztemplerin und der Orden der Templer identisch seien, dass die Erztemplerin der Orden sei, dann hatte das in diesem Fall Implikationen, die über den eigentlich angedachten Gehalt der Worte hinausreichten. Natürlich war auch Alyssa, wie ihre Vorgänger und Vorgängerinnen, das klerikale Oberhaupt des Ordens, sie war das Sprachrohr Temoras. Der Wille der Göttin, der durch die Erztemplerin zum Ausdruck kam, gestaltete und bestimmte die Struktur und die Gesetze des Ordens. Sie entschied. Sie war der Orden. In diesem speziellen Fall bedeutete es mehr. Der Orden der Templer hatte eine goldene Spitze. Die Erztemplerin war eine herausragende Frau und waltete auch in ihren Jahren mit großem Eifer und großer Entschlossenheit. Unter dieser goldenen Spitze aber lag kein Fundament. Die Zahl der Templer war winzig, einen hohen Templer gab es nicht einmal und auch ansonsten erfreute sich der Glaube an Temora nicht des stärksten Zuspruchs. Jedenfalls war der Zuspruch nicht groß genug. In friedlichen, ruhigen Zeiten mochte er gereicht haben, in den heutigen Zeiten war er unbestreitbar zu gering. Zu groß waren die Konflikte und schwelenden Gefahren, welche Gerimor bedrängten.

Und gerade in diesen Zeiten hatte sich die Verletzlichkeit des Ordens aufs äußerste erwiesen. Ganz plötzlich und ohne jede Vorwarnung hatte der Orden für einen Moment lang diese goldene Spitze verloren und war zusammengebrochen in sein fehlendes Fundament. Die Erztemplerin war unersetzbar. Ohne sie fehlte jede Führung und jede Ordnung, jede Autorität. Vielleicht war es zynisch und nicht richtig solche Erwägungen zu treffen, aber es war ganz offensichtlich, dass für einen Augenblick lang nicht allein das Leben der Erztemplerin auf dem Spiel gestanden hatte, sondern die Existenz des gesamten Ordens der Templer. Und es war unbezweifelbar so, dass letzterer Verlust schwerer gewogen hätte als der erste, es nicht nur eine Erschütterung des Glaubens gegeben hätte, hervorgerufen durch die Trauer über den Verlust eines besonderen Oberhauptes, sondern einen Einbruch, einen Riss tief durch den gesamten Orden. Und ohne den Orden der Templer würde es keinen Glauben an die Göttin Temora mehr geben. Der Glauben brauchte den Orden. Ohne ihn fehlte das Band zur Göttin. Er war unverzichtbar.

So mutete es nicht verwunderlich an, dass es am Ende am Reich gelegen hatte, dass es einem glücklichen Zufall, nämlich der Möglichkeit einige Gefangene auszutauschen und dem nicht besonders weitsichtigen Handeln Rahals, zu verdanken gewesen war, dass die Erztemplerin befreit werden konnte. Der Orden selbst zeigte sich gelähmt und unfähig etwas zu unternehmen, bedeutende Dinge in die Wege zu leiten. Das hatte sich schon zu Beginn der Krise abgezeichnet, als ihre Gnaden Valeth unglücklicherweise in die Klauen Rahals gelangt war. Unerschütterlich wie sie war, hatte sich die Erztemplerin höchst selbst auf den Weg nach Rahal gemacht, um die Templerin zu befreien. Sie hatte sich freiwillig und ohne Zweifel in die Hände Rahals begeben und mit der gleichen unerschütterlichen Selbstverständlichkeit den gesamten Orden zum Opfer dargebracht. Es war der Göttin zu verdanken, dass sie Rahal mit Blindheit geschlagen hatte und den Geist der Diener Alatars gelähmt, so dass sie dieses Opfer nicht erkannten. Kaum auszudenken was hätte geschehen können. Aber die Gründe lagen tiefer. Für die Erztemplerin hatte es zweifellos kaum Alternativen gegeben. Wer sonst hätte gehen können, um ein Kind des Glaubens zu befreien ? Es blieb im Grunde nur sie und dort lag die Tücke. Der Orden war ein prachtvolles Gebäude. All der Glanz der von seiner Spitze ausging ließ die Herzen höher schlagen und beflügelte die Seelen. All der Glanz versperrte den Blick auf den eigentlichen Kern des Ordens, auf die Schwäche und die Leere, die darunter gähnte. Als Rahal diesen blendenden Stern einen Augenblick lang von den Zinnen gerissen hatte, da mochte manch einem eine dunkle Ahnung gekommen sein, mochte manch einem das Bild des Ordens ganz anders erschienen sein. Ein altes Kloster mit efeuumrankten, rissigen Mauern. Ein verlassener und stiller Ort. Lag hier die Quelle des Lichts, hinter diesen spröden Mauern ? Vielleicht musste man Rahal dankbar sein, dass es für einen Moment einen anderen Blick auf den Orden der Templer gestattet hatte, einen düstereren, einen weniger hoffnungsvollen.

Der Templer beugte sein Haupt vor der Erztemplerin als diese an ihm vorübergeführt wurde. Zuversicht und Stärke strahlte sie aus. Sie war das Licht. Ein Licht das blendete.

Verfasst: Montag 29. Mai 2006, 19:52
von Sanjana Valeth
… stiller Zeiten saß ich am Eingang des Klosters und erweiterte mein Wissen, als ein Hämmern an den Toren erklang… wie es die Pflicht sei einen jeden einzulassen welcher Hilfe bedarf, öffnete ich die Pforten. Zwei jämmerlich wirkende Gestalten warden dort an zu treffen… eine hielt sich kaum auf den Beiden, während die andere ebenso elendig wirkte. Beide schwer röchelnd, mir mitteilend, dass die Pest sie heimsuchte und sie Hilfe benötigten.
Vermummt waren sie. Ich hätte es ahnen müssen…
Doch beugte ich mich hinab, um jene Personen von ihren Masken zubefreien. Frische Luft, es würde ihnen etwas Kraft geben.
Doch jenes ward der zweite Fehler den ich beging, ward wie von Geisterhand ein Dolch gezückt und mir entgegen gehalten… doch so nahe des Klosters sollte ein Angriff nicht ohne weiteres gelingen. So mochte mich ein gleißendes Leuchten umhüllen, welches mich vor den Angriffen zu schützen versuchte. Doch als wäre das Schicksal zu jener Zeit nicht auf meinen Seiten, stieß meine geliebte Tochter zu der Gruppe!
Keine Tugenden zeigten diese Kreaturen, als sie jene bedrohten, welche der Bewahrerin noch nicht so nahe stand und um sie nicht zu gefährden, gab ich meinen göttlichen Schutze auf… alsdann ward ich gefesselt und durch ein magisches Tor nach Rahal gebracht… Tira ließ man mit der Botschaft meiner Entführung zurück…Und doch ward ich in Gedanken bei ihr… Sorge.

So ward ich dort gefesselt, doch in mir die Sicherheit, dass die Bewahrerin bei mir ward… Die fremden Personen, dem Brudermörder andächtig, warden nicht gewillt Frieden walten zu lassen. Sie rissen an meinen Haaren und gruben mir einen Stab tief in den Bauch… Schmerzen durchflossen meinen Leib.
So oft sie auch versuchten Zorne in mir zu wecken, lies ich von meiner Hoffnung nicht ab, dass jene Wesen ebenso Gnade und Tugend tief in ihrem verführtem herzen tragen würden.
So wurde ich daraufhin in den Kerker verfrachtet. Die Robe mit Runen beschmutzt, die Hände fest auf den Rücken gefesselt. Der Schmerz ward groß, doch lag in mir die Hoffnung.

Hier, fernab des Klosters ward die Macht Temoras in weite Ferne gerückt und nur noch ein schwaches Flüstern… Im Kerker traute ich meinen Augen kaum, so ich ein bekanntes Gesicht aus dem ersten Kriege um Varuna sah… die Dame Luzcilla Amarth, welche mir Nahrung brachte.
S versuchte sie auch mich zu testen, so nannte sie es… Doch ihrer Worte nach, mag ich mich meines Standes erwiesen haben…
Luzcilla, eine, die damals noch in Varuna kämpfe. So sind sie wahrlich nicht anders, s doch jene Verführten Alatars, selbst aus den unsren Reihen stammen.

Ich verlor jedes Zeitgefühl, doch irgendwann ward ich erneut heraus gebracht aus dem Kerker, gen Ki… Kirche? Nun… Ich mag es kaum so nennen.
Sie war gekommen… ihre Heiligkeit höchst selbst! Und sie bot sich zum Austausche an… nein… das durfte sie nicht tun! Sogleich ich sie sah, bat ich sie, ja beinahe flehte ich sie an zu gehen. Man würde sie brauchen, mehr als mich. Doch ich blieb ungehört und so folgte ich ihren Worten. Ja, Sanjana, Hoffnung und Vertrauen. Ich lernte diese Worte immer mehr zu führen. In mir zu verinnerlichen.
So ward ich hinaus gebracht aus Rahal während man ihre Heiligkeit dort behalten sollte…

Alsdann machte ich mich rasch auf den Wege zur Kirche Varunas. Sollte dort doch ein Gottesdienst stattfinden, doch wahrlich mag dies lange nicht mehr meinZiel gewesen sein. Hilfe… Hilfe musste ich finden! Und wahrlich, ich fand sie: die Rittern von Elbenau, welcher ich berichtete, was sich zu getragen hatte. So brachte sie mich, und meine geliebte Tochter, welche über Schmerzen in der Schulter klagte, zurück gen Kloster.

Hab Dank, wertes Fräulein Aurian, dass ihr euch um meine Tira gesorgt habt.

Am Kloster angekommen, trafen wir auf den werten Sir de Arganta. Jener schien nur sein Rosse holen zu wollen, doch nach einem kurzen Wortgefechte, verschwanden beide ritterlichen gen Varuna.

So die Ritter sich entfernt hatten, versammelten sich die Brüder und Schwestern des Klosters und ein gemeinsames Gebet wurde angestimmt… es ward, als wäre Temora selbst unter uns weilen, so schwangen die Stimmen sich hinauf, um den Schutze der Bewahrerin anzurufen… Nicht ohne Erfolg sollten die Fürbitten der Templer sein, denn spät in der Nacht traf ihre Heiligkeit im Kloster ein. Ich mag kaum danieder schreiben was ihr angetan wurde, doch ihr Glauben ungebrochen.
So berichtete man es mir, denn des Nachts mochte ich sie nicht mehr zu Gesicht bekommen haben.
So die Schüler des Klosters in ihren Betten ruhten, verbrachte ich die nächtlichen Stunden. Unermüdlich in Gebete versunken, dass ich erst am nächsten Morgen näheres erfuhr.
So stellte ich mich als ihre Hilfe bereit. Führte ihre Heiligkeit an der Hand, ständig in berührung zu jener Frau. Gar zog ich in das Zimmer neben dem ihren, um schnell zur Hand zu sein.

Möge die Bewahrerin Alyssas Opfer nicht ohne wohlwollen betrachten.
Wahrlich, Alyssa Arnis, unsere grundgütige Heiligkeit.
Sie ward die Person, welche die Güte verkörperte.


Alles in meinem Kopfe scheint durcheinander... Schreibe ich so verwirrt... Kaum verständlich vielleicht, doch die Bilder hallen klar in meinem Haupte...
Lasst mich verstehen... Lasst mich erkennen...




Aus dem Tagebuch von Sanjana Valeth