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Verfasst: Freitag 16. August 2013, 12:07
von Malaika Leyla Ifrey
Gerechtigkeit.

Also übergab ich den Brautpreis damals an Rasin.

Natürlich bemerkte ich, dass Gassur in dem Moment zu mir sah, als Kadir den Namen erwähnte. Natürlich versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, dass die Erwähnung seines Namens Narben und Wunden aufriss. Natürlich versuchte ich, all jenes zu überspielen. Aber während ich die Küche putzte, tanzten meine Gedanken im Kreis. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren und ich wollte am liebsten weinen oder davonlaufen. Es war lange her, dass mich meine Gefühle tatsächlich so überwältigt hatten. Da war zum einen wieder diese unleugbare Trauer. Ich hatte ihn geliebt und ich hatte ihn viel zu schnell verloren. Auf der anderen Seite war dann das Glück, welches hinter mir am Tisch saß. Ein Glück, von welchem ich nie gedacht hatte, dass es so überwältigend sein konnte. Was auch immer er gemacht hatte, er ließ alles andere so klein erscheinen. So unwichtig.

Kadir tat mir bei seinen Ausführungen leid. Ich wusste nicht, was Nazeeya für ein Problem hatte und es machte mich gleichsam wütend, dass sie keinen Moment ausließ, um sich bei meinem Mann auszuweinen. Natürlich war er Statthalter, aber diese Belange gingen nur ihre Familie an. Sie war Prehaatim, sie musste Vernunft zeigen. Es war an ihr, dafür zu sorgen, dass ihre Familie wieder funktionierte. Und sie musste ihren eigenen Egoismus hinten anstellen. Kadir war Oberhaupt. Kadir hatte die Familie über eine sehr lange Zeit vertreten, von Radeeh war nichts mehr zu sehen. Das wusste Nazeeya selbst. Sie war nicht nur einmal hier gewesen und ich hatte ihr nicht nur einmal tröstende Worte gespendet. Ich verstand sie nicht. Als Rasin verschollen war, war ich auch nicht länger die Frau des Oberhauptes. Als dann die Nachricht kam, dass er verstorben war, war diese nervenaufreibende Ungewissheit zu Ende. Kadir erzählte noch irgendwas von einem Geburtsrecht, welches Radeeh wohl besaß. Geburtsrecht? Waren nicht alle Mitglieder der Familie Bashir gleichwertig?

Ich verstand die Aufruhr nicht. Radeeh war weg gewesen. Radeeh konnte allenfalls Kadirs Stellvertreter werden. Es war wie im Hause Ifrey. Talib war verschollen, Zafer hatte umgehend das Amt übernommen. Haroun war sein Stellvertreter. Nun war Zafer weg und in den nächsten Tagen würde Haroun nachrücken und seinen Stellvertreter bestimmen. So war der Lauf der Dinge. Radeeh konnte doch nicht erwarten, dass er zurückkam und nichts hätte sich verändert? Wer konnte sich darauf verlassen, dass er nicht wieder weggehen würde? Es war ja zuvor schon so, dass Radeeh selten anzutreffen war. Ich hatte ihn in all der Zeit vielleicht einmal kurz gesehen. Was war nur mit allen los? Ich verstand die Welt langsam nicht mehr. Ich wünschte meinem ungeborenen Kind, dass sich die Welt, dass sich MenekUr wieder ein Stück beruhigt hatte, sobald es auf die Welt kam.

Ich wusste nicht, wie ich Kadir helfen konnte. Er war verzweifelt über all den Hass und auch über die Lügen, die Nazeeya erzählte. Er berichtigte all das, was Gassur bereits erfahren hatte. Teilweise konnte ich meinen Mann nicht verstehen. Natürlich musste er mit Skepsis an die ganze Situation rangehen. Aber er wusste doch selbst, welch schlechtes Gefühl es war, alleine dazustehen. Er wusste selbst, wie dankbar er für ein wenig Unterstützung damals gewesen war. Was war nur los? Ich musste in einem zweisamen Moment nochmal an ihn appellieren. An seinen Verstand und an sein Herz. Kadirs Ausführungen klangen pausibel und ich hatte auch nie das Gefühl, dass irgendwer bei den Bashir unerwünscht gewesen wäre. Nazeeya war zwar Prehaatim, aber sie handelte nicht danach. Natürlich hatte sie Respekt verdient, aber kein Mann war dazu verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, wenn sie danach verlangte. Warum tat sie das? Tausend Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum, aber ich fand keine Antwort. Vielleicht würde es helfen, wenn ich für sie beten würde. Irgendwo in all dem Tumult, in all der Angst und der Sorge um Radeeh, hatte sie ihren Verstand verloren. Anders konnte ich mir ihr Verhalten nicht erklären. Und ich musste unbedingt mit Hazar sprechen. Sie schien noch mehr über Nazeeyas Verhalten zu wissen. Ich konnte nachvollziehen, dass Nazeeya ihren Posten als Oberhauptsfrau nicht loslassen wollte. Aber irgendwo konnte ich es dennoch nicht verstehen. Sie war Prehaatim. Als Prehaatim war sie für Familienbelange so oder so die erste Ansprechpartnerin. Auch, wenn es um die Belange der einzelnen, anderen Familien ging. Ja, ich musste tatsächlich nochmal mit Gassur reden. Manchmal sah er alles zu nüchtern, zu oberflächlich. Er verstand auch nicht, weshalb Kadir mit allem zu ihm kam. Aber dass man vielleicht einfach jemanden zum reden brauchte oder sich in Sicherheit wiegen wollte, dass jemand die wahren Worte erkannte, das kam ihm nicht in den Sinn. Manchmal war mein Mann wirklich ein Dickschädel und ein Holzkopf. Aber glücklicherweise hatte er eine äußerst empathische Frau an seiner Seite. Ich musste kurz gedanklich schmunzeln.

Die Tage zuvor hatte ich ein Gespräch mit Aaminah. Es war schwer für mich, sie so leiden zu sehen. Beides mal hatte ich äußerst Glück mit meinen Ehemännern gehabt, sie waren bei mir geblieben, bis Rasin dann verstorben war. Aber selbst dann hatte Eluive mir weiteres Glück beschert. Und sie? Erst war es Issam, der ihr Herz berührt hatte und sich aus dem Staub gemacht hatte. Bei ihm hatte mich das auch nicht gewundert, er war von Anfang an ein Halodri gewesen. Die Augen auf jedem Dekolte der Frau, er hatte nichts anbrennen lassen. Und dann kam Zafer in ihr Leben. Als sie Zafer kennengelernt hatte, war Aaminah vollkommen anders geworden. Sie war ein Stück weit vernünftiger, vorbildlicher. Um ehrlich zu sein hatte ich nicht gedacht, dass Zafer irgendwann verschwinden würde, aber auch er war weg. Verschollen, in der Wüste, die ihn nicht mehr freigegeben hatte. Vielleicht war er auch fortgegangen, weil er ein wenig Zeit für sich brauchte. In der letzten Zeit war es alles auch ein wenig viel für ihn gewesen. Kadir, der sich für seine liebste Cousine interessierte, die er nicht gehen lassen wollte. Aaminah, die deswegen einen halben Tobsuchtsanfall bekam, was ich nachvollziehen konnte. Und dann Gassur und ich. Was auch immer Zafer fortgetrieben hatte – er war weg. Und ob er jemals wiederkommen würde, war so unsicher. Aaminah hatte also erst einmal tatsächlich ihren Verlobten verloren. Bei Issam war es kein Problem gewesen. Sie war weder versprochen noch mental allzu sehr an ihn genagelt. Dass es weh tat, stand außer Frage. Aber sie begann an sich selbst zu zweifeln. Sie fing an, ihre Qualitäten als Natifah anzuzweifeln, sprach sogar von einem Fluch. Ich nahm sie in den Arm, ich war ihre Freundin. Ich konnte nicht mehr tun als ihr Mut zusprechen und ihr sagen, dass alles gut werden würde. Ich würde darauf vertrauen, dass irgendwann ein Mann ums Eck biegen würde, der Aaminah genauso verzauberte wie Gassur es bei mir getan hatte. Bei Gassur hatte ich tatsächlich das Gefühl, angekommen zu sein. Auch, wenn ich ihn manchmal nicht verstand oder er mich wahnsinnig machte mit seiner Unbeholfenheit. Aber dann entschuldigte ich es gedanklich wieder damit, dass er noch nicht lange hier war und erst recht noch kaum Erfahrung damit hatte, wie eine Frau wie ich es war ticken würde. Er musste lernen. Lernen, dass er nicht weglaufen durfte. Genauso, wie ich das ebenfalls lernen musste. Eluive, ich liebte diesen Mann so unabdingbar wie nichts anderes jemals zuvor. Allein der Gedanke daran, ihn jemals in meinem Leben zu verlieren ließ es mir eiskalt über den Rücken laufen. Wenn er nicht mehr wäre… daran wollte ich nicht denken. Es war mir verboten, diesen Gedanken, der in mir aufkam, auszusprechen. Aber hatte mein Leben dann denn noch einen Sinn? Wenn er fort war? Ich seufzte innerlich, während ich die Küche weiter putzte. So viele Gedanken und so viele Worte, die ich nebenbei vernahm.

Verfasst: Montag 2. September 2013, 13:17
von Malaika Leyla Ifrey
Familie.
    • Und alles was du wissen musst ist, dass der Himmel brennt.
      Geh vor die Tür und sieh ihn dir an.
      Ich hab es mit eigenen Augen gesehen.
      Und man der Himmel brennt, alles glänzt so wunderschön.
      Nein, ich warte nicht bis die Nacht anbricht.
      Alles was ich tu, tu ich für den Augenblick.
      Nein, ich warte nicht bis die Nacht anbricht.
      Alles was ich will, ist, dass du glücklich bist.

      (Tim Bendzko – Alles was du wissen musst)
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Und was, wenn er auf einmal wieder vor dir steht?
Die Frage beschäftigte mich seit meinem letzten Traum. Was wäre, wenn er auf einmal wieder auftauchen würde und gar nicht tot war? Wenn alles ein riesiges Missverständnis gewesen war? Ich legte die Arme um mich, meinen Oberkörper, den deutlich gewölbten Bauch. Ich musste lächeln, als ich wieder einmal daran erinnert wurde, wie sehr sich Gassur auf den eigenen Nachwuchs freute. Wie hätte es auch anders sein können – er war so liebevoll, was Kinder betraf. Jalilah war hin und weg von ihm und all meine Sorgen, die ich zum Anfang unserer Ehe hatte, waren verflogen. Ich dachte an sein Lächeln, den Blick seiner Augen und mein Lächeln wurde intensiver. Liebevoller. Ich war immer noch genauso verliebt wie zum Zeitpunkt unserer Ehe. Ich spürte, wie meine ganze Haut zu kribbeln begann, wenn ich nur an ihn dachte. Und er hatte mich all das Andere, all meine Vergangenheit vergessen lassen. Ich würde nicht zurückgehen. Niemals. Ich würde nicht mehr von Gassurs Seite weichen. Hier war ich angekommen, hier war mein Zuhause. Zu ihm gehörte ich. Wir hatten unsere eigene Familie – ich wollte nichts anderes mehr.
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Erschreckte mich die Erkenntnis? Oder war mir das bereits bewusst gewesen? Vielleicht nicht von Anfang an. Aber mit Fortschreiten der Ehe, mit der Schwangerschaft, mit den Glücksgefühlen, die er in mir auslöste – ja, dadurch wurde ich sicherer und sicherer. Ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man endlich bei demjenigen angekommen war, der aus tiefstem Herzen und verbundener Seele zu einem gehörte.

Ich spürte wieder den sanften Tritt. Das Leben, welches in mir heranwuchs, war kostbar. Sehr kostbar. Ich war mir fast sicher, dass das ein kleiner Prinz war, der da in mir herumtobte. Aber ich würde Gassur davon noch nichts erzählen. Er sollte an der Geburt selbst überwältigt sein, dass es ein „Thronfolger“ war. Zumal ich mir nicht sicher war und irgendwie doch. Fehlte nur noch ein Name. Bis jetzt war mir noch keiner eingefallen, aber das alles hatte ja auch noch ein bisschen Zeit. Meine Hand streichelte liebevoll über den Bauch. Ob sich viel verändern würde? Wie Jalilah wohl reagieren würde, wenn das Kleine erst einmal da war? Sie war schon immer sehr eifersüchtig gewesen, gerade was Gassur anging. Vielleicht hatte sie damals als kleiner Säugling doch mehr von dem Tod Rasins mitbekommen, als mir lieb war. Vielleicht war deswegen ihr Vaterkomplex so weitgehend ausgeprägt. Ich seufzte kurz. Es würde alles gut werden, da war ich mir sicher.

Ich legte mich wieder neben meinen Mann, drehte mich zu ihm und umarmte ihn. Mit dem Bauch wurde es langsam schwieriger, aber ich ließ nur ungern einen Moment der Nähe aus. Dazu war seine Haut zu weich, seine Wärme zu angenehm und seine Nähe zu überwältigend. Dieses Glück wünschte ich sogar meinem ärgsten Feind – oder gerade diesem. Denn mit solch einer allumfassenden Liebe konnte man keinen Hass mehr empfinden.

Verfasst: Samstag 21. September 2013, 13:34
von Malaika Leyla Ifrey
Stolz sein.
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      • Ich habe einhundert Jahre auf dich gewartet,
        ich würde noch eine Million Jahre auf dich warten.
        Nichts hat mich auf dich vorbereitet,
        auch nicht auf das Privileg, deins zu sein.

        Wenn ich nur vorher die Wärme deiner Berührung gefühlt hätte,
        wenn ich nur dein Lächeln gesehen hätte, wie du errötest;
        oder, wie du die Lippen bewegst,
        wenn du dich zu sehr konzentrierst;
        dann hätte ich vorher gewusst,
        wofür ich die ganze Zeit gelebt habe.



Mein Blick legte sich auf das Meer vor uns. Es war weit und unberechenbar. So wie die Liebe. Ich spürte seine Arme, die um mich gelegt waren, seinen festen Griff. Er ließ mich nicht los. Ein wundervolles Gefühl.

Vor ein paar Lidschlägen noch hatte ich festgestellt, wie perfekt mein Leben mittlerweile war. Mit ihm. Es war alles so einfach gewesen rückblickend. Es war zwar schade, dass ich mit dem Großteil meiner Blutsfamilie abgeschlossen hatte, aber so hatte das wohl kommen müssen. Wenn das der Preis dafür gewesen war, wenn ich diesen Gewinn dafür gemacht hatte, dann war das für mich alles das gewesen, was lohnenswert war. Es gab auch nur noch selten Momente, in denen ich an mein früheres Leben zurückdachte.

Natürlich, Jalilah erinnerte mich immer wieder daran, dass es vorher schon einen Mann in meinem Leben gegeben hatte, der mich größtenteils glücklich gemacht hatte. Aber sie erinnerte mich jeden Tag umso mehr daran, dass es hier einen Mann gab, der mich aus der dunkelsten Zeit geholt hatte und der mich nicht nur glücklich machte, sondern auch zufrieden, vollkommen und ausgeglichen. Wir waren so sehr zusammengewachsen, als Paar, als Familie, dass es mich jeden Tag wieder überwältigte.
„Ich liebe dich einfach von Tag zu Tag mehr.“; alleine diese Worte, die er verwendete, zeigten mir, wie glücklich wir beide mit den Umständen waren. Er konnte sich keine bessere Frau für sich vorstellen. Ich war klug, ich war aufbrausend, ich ließ mich nicht so schnell unterkriegen und dennoch war ich liebevoll, einfühlsam, tat alles dafür, dass es meinem Mann gut ging. Er wusste, was er an mir hatte. Das war ihm immer bewusst gewesen. Ich kochte für ihn, ich bereitete Frühstück vor. Ich hielt ihm den Rücken frei, so, wie eine gute Frau das eben tat. Er vertraute mir Aufgaben an, über die ich glücklich war und die mir sein Vertrauen zeigten. Es machte mich selbst einfach glücklich, ihn zufrieden zu sehen. So sollte das auch sein. Wie oft philosophierten wir darüber, wie viele solcher Natifahs es noch gab? Kadir hatte mit Hazar das gleiche glückliche Los gezogen. Keine Furie, sondern eine Frau, die ihn liebte und die ihm den Himmel auf Erden bereiten würde. Aaminah war auch eine solche Natifah. Der Mann, der einmal um ihre Hand anhalten würde – und ich verfluchte Zafer bis heute, dass er sie hier allein gelassen hatte – und sie auch heiraten würde, würde ebenfalls eine bezaubernde Natifah bekommen. Eine Natifah, die sich nicht weigerte zu kochen und zu putzen und die sich darauf freute, Mutter zu werden. Und es war eine riesige Freude. Jeden Tag mitzuerleben, wie sich das Leben im eigenen Körper ausbreitete. Es war wirklich ein Wunder der Schöpferin, einer Frau all diese Dinge zu ermöglichen.

Manchmal hatte ich Angst. Angst, dass ich all dem nicht genügen würde. Aber dann wurde mir wieder bewusst: Wenn nicht ich, wer dann? Ich hatte um das gekämpft, was mir lieb war. Und das würde ich nicht mehr so leicht aufgeben. Was sollte ich schon für eine Schande sein?
Ich war nicht von Zuhause weggelaufen, so, wie Zahra es getan hatte. Ich hatte um meine neu entfachte Liebe gekämpft. Auch, wenn mich jeder dafür verspottet hat. Ich hatte in ihren Augen nicht das Recht, mich wieder neu zu verlieben – schon gar nicht so schnell. Ich hatte nicht das Recht dazu, mich wieder gut zu fühlen. Kurz musste ich lächeln bei dem Gedanken daran, dass ich mir das Recht dennoch herausgenommen hatte. Und was war nun? Ich war eine ehrenvolle und gute Ehefrau. Bald Mutter zweier Kinder, die eine hervorragende Erziehung genossen. Ich konnte zufrieden lächeln und mir nur noch meinen Teil zu allem denken. Auf MenekUr munkelte man schon wieder an jeder Ecke, dass sie mal wieder weggelaufen war. Ich wusste schon, warum sie für mich gestorben war und ich ihr kaum noch Beachtung schenken konnte. Welche Natifah lief schon ständig davon? Eine Schande. Und ganz klar, dass solch eine Schande ein Dach über dem Kopf bei den Yazir gefunden hatte. Manchmal bedauerte ich das Bild, was ich von meiner eigenen Familie im Kopf hatte, ein wenig. Aber dann erinnerte ich mich wieder an all das, was Saman und Amar über mich gesagt hatten und dann war meine kleine Welt wieder in Ordnung. Und ich musste wieder lächeln, weil ich mir selbst zu genüge bewiesen hatte, wie ehrbar ich selbst war. Und das – das allein war das Wichtigste. Interessant würde es werden, würden sie mich in Gassurs Anwesenheit weiterhin so anreden oder ignorieren, wie sie es zuvor taten.

Ich seufzte wieder, als der Griff um mich herum enger wurde. Er beschützte mich wie seinen Augapfel; erst recht, als ich ihm verkündete, dass wir Nachwuchs bekamen. Für ihn war es ein riesiges Glück; für mich auch, aber ich hatte das alles schon einmal durch. Ich war so glücklich über alles. Jalilah war so auf ihn fixiert, sie liebte ihn über alles. Sie wurde größer und größer und es war so wunderschön, ihr beim wachsen zuzusehen. Das Einzige, was schade war: Sie würde all ihre Cousinen bei den Yazirs nicht wirklich kennenlernen. Ich ließ mich da nicht mehr sehen und uns besuchte auch kaum jemand. Bedauernswert? Teilweise.

Wir waren glücklich. Das war das Wichtigste.

Verfasst: Samstag 21. September 2013, 16:20
von Gassur Farees Ifrey
Nachdem sie es sich auf der Hängematte richtig bequem gemacht und er sie in den Arm genommen hatte. Und sie eine Weile ruhig da gelegen hatten ohne ein Wort zu wechseln, schwelgten seine Gedanken durcheinander.

Jetzt da sie schon einige Zeit verheiratet waren und sich langsam ein bisschen Routine eingeschlichen hatte, merke er erst was er wirklich an ihr hatte. Als er ihr sagte, er liebte sie von Tag zu Tag mehr, war das sein voller Ernst. Er könnte das Gefühl gar nicht beschreiben, falls ihn jemand danach fragen würde. Er wusste nur, dass er niemals mehr ohne sie sein wollen würde. Sie war die perfekte Frau für ihn, sie sorgt und kümmert sich wo immer sie kann. Sie nimmt ihn hin, wie er ist. Ihm ist durchaus bewusst, dass es nicht immer einfach mit ihm ist, aber sie weiß wie sie mit ihm umzugehen hat. Andererseits war es auch nicht immer ganz einfach mit ihr, sie lies sich nicht alles vorschreiben und hatte ihren eigenen Kopf, obwohl sie das nach außen hin niemals zeigen würde. Er wollte aber auch keine Natifah, die alles stumm hinnehmen und nur "aiwa" zu ihm sagen würde.

Er schaute zu ihr wie sie dort völlig friedlich in seinem Armen lag, dabei schmunzelte er vollends zufrieden.

Aber ihm war auch klar, dass er in den letzten Wochen sein Amt, welches ihm der Erhabene anvertraute, stark vernachlässigt hatte. Er nahm sich vor das in den nächsten Wochen zu ändern, schließlich ist es eine Ehre Sanjak einer so schönen Stadt zu sein und keine Last. Das hatte er immer so empfunden, auch wenn er in den letzten Wochen mehr Zeit bei seiner schwangeren Frau verbracht hatte. Wie würde er das erst einmal organisieren wenn sein eigener Nachwuchs das Licht der Welt erblickt hat. Wäre er dann gezwungen in den Nächten im Büro seiner Arbeit nachzukommen, weil er tagsüber bei seiner Familie sein wollte?

Er schaute nachdenklich auf das Meer hinaus und seufzte leicht.

Das neue Haus, es war ein kurzfristiger Umzug. Aber es war die richtige Entscheidung, wenn es auch sehr anstrengend war. Malaika konnte nur noch leichte Dinge tragen, eigentlich wollte er dass sie gar nichts mehr trägt und sich Ruhe gönnt, aber sie konnte nicht ruhig zusehen, das war nicht ihr Wesen. Nichts desto trotz haben sie den Umzug vollbracht, nun haben sie mehr Platz und einen schönen Balkon zum entspannen, wie heute. Das beste an dem Haus ist, dass sich Jalilah nicht das Zimmer mit ihrer Schwester oder ihrem Bruder teilen muss. Obwohl das im Kindesalter sicherlich auch kein Problem wäre, er musste sich das Zimmern mit seinen beiden älteren Brüdern teilen, auch wenn das nicht immer ganz so leicht war und es des öfteren zu Streitigkeiten kam. Aber für Jalilah wäre ein eigenes Zimmer bestimmt besser, dachte er. Schließlich ist sie ihm ziemlich ans Herz gewachsen, auch wenn er sich anfangs nicht sicher war ob er sie wie sein eigenes Kind lieben könnte. Aber mittlerweile tat er es, in naher Zukunft müsste er sich bestimmt noch mehr um sie kümmern. Wenn erstmal das nächste Kind auf der Welt ist, wird Malaika oftmals beschäftigt sein.

Er schaut dabei ein wenig besorgt auf Malaika's Bauch, der mittlerweile rund und nicht mehr zu übersehen war.

Sie hatte ihm heute morgen erzählt, dass sie gestern Abend schon dachte es wäre soweit. Es war zum Glück noch nicht soweit, auch wenn der Tag immer näher rückt, einige Wochen sollten noch bleiben. Ihm war es einerseits recht, aber wenn er sie manchmal ansah, wenn das Kind in ihrem Bauch rebellierte und sie ihre Augen zusammen kniff, tat sie ihm unendlich leid und er wollte sie nicht weiter leiden sehen. Aber bei der Geburt müsste er dabei sein, das hat sie ihm unmissverständlich klar gemacht. Allerdings hatte er davor selbst große Angst, aber das interessierte sie nicht wirklich. Also müsste er wohl dabei sein und hoffen, dass alles gut verläuft.

Bei diesem Gedanken wurde er auf der Hängematte mit ihr im Arm, etwas unruhiger und rutschte unbehaglich ein wenig hin und her.

Andererseits würde er mit als erstes sein eigenes Kind sehen, dieser Gedanke gefiel ihm schon sehr. Wenn es dann noch männlicher Nachwuchs wäre, wäre sein Leben perfekt, auch wenn er sich sehr über ein Mädchen freuen würde. Aber ein Stammhalter ist immer noch etwas anderes und männlich Verstärkung wäre im Haus sicherlich auch eine Erleichterung. Des Weiteren hätte die Familie Ifrey einen weiteren männlichen Nachkommen, schließlich kann davon keine Familie genug haben.

Er schaute abermals zu Malaika, strich ihr sanft durch das Haar und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. Dabei flüsterte er ihr ein paar Worte zu.

Verfasst: Sonntag 22. September 2013, 10:28
von Malaika Leyla Ifrey
Ich hatte mich maßlos übernommen. Auch, wenn ich nur Kleinigkeiten gehoben hatte, ich hatte mich übernommen. Und das bekam ich schnell zu spüren. Die Krämpfe, die ich über Nacht bekommen hatte, verunsicherten mich. Mein Körper und mein Kind sagten mir, dass ich einen falschen Schritt zu viel gesetzt hatte. Ich hätte mich tatsächlich schonen sollen. Dafür musste ich nun leiden – mit diesen Schmerzen.

Als ich Gassur davon erzählte, befahl er mir, dass ich mich nicht mehr überarbeiten durfte. Ich musste alles stehen und liegen lassen, ich durfte einfach nicht mehr zu viel arbeiten. Ich wusste, dass er es gut meinte und ich wusste, dass er recht hatte. Für den Rest des Tages tat ich einfach gar nichts mehr. Ich musste wirklich ein Auge auf mich haben.Und vor allem diese Krämpfe im Blick haben. Krämpfe verhießen nichts Gutes und sie fühlten sich an, wie leichte Wehen. Ich wusste ja, wie sich Wehen anfühlten. Also durfte nichts geschehen, was diese Wehen weiter auslösen konnte. Ich gab vor Gassur die Starke, diejenige, die wüsste, was jetzt zu tun war. Aber im Inneren hatte ich Angst. Wahnsinnige Angst, dass dieser eine Schritt ein Schritt zu viel war und ich mein Kind vorzeitig auf die Welt bringen würde. Auf eine Welt, in der es zu diesem Zeitpunkt noch nicht überleben konnte. So blieb mir nichts weiter, als meine Augen zu schließen und zu hoffen, dass ich in der kommenden Nacht mehr Schlaf fand. Unruhigen Schlaf, dicht gefolgt von den schlimmsten Träumen.

Verfasst: Freitag 4. Oktober 2013, 12:50
von Malaika Leyla Ifrey
Panik.

      • Dein Körper zeigt dir, wann er an seinen Grenzen ist.
        Deine Seele spiegelt deine Narben wider.
        Dein Leben hängt am seidenen Faden.
        Es ist an dir, zu reagieren.


Ich hatte diese Nacht zum ersten Mal in unserer Ehe nicht im Ehebett verbracht. Ich ertrug es einfach nicht. Ich blieb hier in dem Bett. Die Felle wärmten mich zwar, aber innerlich war es so kalt. So eisig kalt. Ich hatte mich auf das Wort meines Mannes verlassen, darauf, dass er auffindbar sein würde, auch, wenn er nicht zuhause war. Ich war in Panik verfallen, hatte die Wachen gerufen, als ich das Blut überall sah. Aber sie fanden ihn nicht. Sie fanden meinen Mann nicht, der mir doch das Versprechen gegeben hatte, da zu sein.

Ich hatte mich überarbeitet. Ich war einfach zu fleissig gewesen und das musste ich nun so büßen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Weit laufen konnte ich nicht. Ich flüchtete ins Familienhaus, aber auch da war niemand. Verzweiflung. In mir brach alles zusammen. Was, wenn ernsthaft etwas mit dem Kind geschehen war? Blutungen hatten nur zwei Optionen: Entweder hatte ich das Kind verloren oder es war ein Warnsignal.
Ich zitterte am ganzen Körper. Ich war allein. Niemand war hier. Ich konnte nicht einmal schreien, vielleicht hätte das noch jemand gehört. Irgendwann, nach gefühlten Stunden, kam Gassur wieder. Er sah besorgt zu mir, fragte, was passiert war. Aber meine Stimme war weg, ich konnte nichts sagen, ich wollte nichts mehr sagen. Apathisch starrte ich auf den Boden vor mir, die Beine angezogen, die Hände: Blutverschmiert. Erst, als ich meinen Rock ein Stück hochzog, verstand er. Ich sah, wie er in Panik und Trauer gleichzeitig verfiel. Aber ich war doch nicht lange weg...
Für einen Moment zu lang. Ich konnte ihn nicht mehr ansehen. Ich wollte ihn nicht mehr ansehen. Die letzten Tage und Wochen zerrten an meinen Nerven. Es war alles zu viel. Zu viel für mich, für das Kleine. Es war kein Wunder, dass es so kommen sollte - ich flüchtete mich in die Arbeit, um nicht weiter über das nachzudenken, was derzeit passierte. Zahra, die Schande über die Familie brachte. Djamji, die mit ihrem leichtsinnigen und dummen Verhalten andere Menekaner in Gefahr brachte. Sie war schlimmer als die Pest. Und die Arbeit? Die Arbeit hatte nicht gut getan. Ich hatte mich überanstrengt, obwohl ich deutlich gespürt hatte, dass es nicht gut für mich war.

Ich schickte ihn fort. Ich wollte ihn nicht sehen. Die Enttäuschung über sein Verhalten war zu groß. Ich wollte allein sein. Irgendwann ging ich nach Hause, zog mir frische Kleidung an und beseitigte alle Spuren. Gassur war verzweifelt. Er hatte Angst, Panik. Aber ich konnte ihm keinen Trost spenden. Ich wollte auch nicht. Ich war leer, vollkommen leer und über dem Maßen enttäuscht. In den Straßen rief Tamina nach Gassur. Ihrer Stimme war zu entnehmen, dass irgendetwas passiert war. Ich hatte mich längst in das Bett im oberen Stockwerk gelegt. Ich wollte hier liegen bleiben und einfach nur sterben. War das wirklich mein Wunsch? Nein, ich wollte schlafen. Eine ganze Weile einfach nur noch schlafen.

Gassur ging nicht. Er wurde zwar dringend gebraucht, aber er ging nicht. Er blieb hier. Er hätte auch gehen können, es hätte eh nichts genutzt. Sein Versprechen hatte er längst gebrochen. Genauso gut hätte er mein Herz herausreißen und darauf herumtrampeln können, ach, wie auch immer alles gelaufen war; hier in mir drin war alles leer. Ich versuchte mich immer wieder auf das Kind zu konzentrieren, aber ich konnte nichts mehr fühlen.

Irgendwann kam die Heilerin der Bashir. Sie untersuchte mich. Beruhigende Neuigkeiten, dass sie den Herzschlag spüren konnte, brachten mich fast wieder zum lächeln. Wenigstens war alles nochmal gut gegangen. Aber ich musste mich ausruhen, durfte mich nicht übernehmen und nicht überarbieten. Absolute Ruhe, das war ihre dringende Bitte. Also musste ich wohl Ruhe geben. Die Beine stillhalten, zu große Aufträge ablehnen.

Nachdem ich Gassur fortgeschickt hatte liefen mir die Tränen. Vor Freude, vor Wut, vor Enttäuschung - von allem ein bisschen. Und irgendwann schlief ich ein. Erst am nächsten Morgen wurde ich wieder wach. Nicht neben ihm, in einem einsamen Raum.

Verfasst: Sonntag 6. Oktober 2013, 21:28
von Malaika Leyla Ifrey
Verflucht.

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Die Zutaten waren klein geschnitten. Ich war nicht mehr wütend auf Gassur, ich war einfach nur enttäuscht. Nur noch enttäuscht. Ich hatte Phasen, in denen ich glaubte, ihn einfach nicht mehr zu lieben. Aber als er da so vor mir saß und zitterte und auf einmal zur Seite weg kippte, wurde mir klar, dass es doch noch so war. Er hatte mich vorgewarnt, dass irgendetwas nicht stimmte. Anfangs wollte ich es belächeln und es als Versuch abtun, alles wieder gerade zu biegen. Aber dann spürte ich selbst diese Kälte, die mir Gänsehaut auf die Arme und auf den gesamten Körper zauberte. Ich ging zu ihm, legte meine Hand auf seine Schulter, seine Augen waren auf einmal so seltsam, Mein Herz begann zu rasen. „Ranim, schau mich an. Was ist los?“; ich hatte Angst, Panik. Er öffnete seine Augen und stand auf. Für einen Moment wich meine Anspannung, welche allerdings nach seinem hasserfüllten Blick sofort wieder zunahm. Was war mit ihm los?
[18:43:31] Gassur Farees Ifrey: [menek] ranim? ich staune, dass du mich noch so nennen kannst. nachdem ich doch so schlimm bin.
[18:44:08] Gassur Farees Ifrey: [menek] ich will dein essen nicht. es hat mir noch nie geschmeckt. außerdem isst du doch sowieso lieber in
[18:44:14] Gassur Farees Ifrey: [menek] der taverne mit anderen.
Ich sah ihm fassungslos entgegen. Was sprach er da? Natürlich, wir hatten in den letzten Tagen nicht die besten Tage. Aber diese Worte... die Härte in seinem Ton. Er kam auf mich zu und sah mir tief in die Augen. Ich zitterte und begann zu weinen.
[18:47:30] Gassur Farees Ifrey: [menek] warum heulst du jetzt? ich bin doch das letzte für dich.
[18:48:04] Gassur Farees Ifrey: [menek] aber du bist das letzte, du bist eine schande. hätte zafer mich damals nicht dazu gedrängt dich zu
[18:48:23] Gassur Farees Ifrey: [menek] heiraten, würdest du immer noch im yazirviertel vergammeln.
[18:49:08] Gassur Farees Ifrey: [menek] also zeig verdammt nochmal dankbarkeit und mach mir keine vorwürfe.
Seine Stimme wurde hasserfüllter, ebenfalls wie sein Blick. Ich krabbelte weg von ihm, ich weinte. Ich wusste nicht, was passiert war. Warum sagte er all das? Seine Augen.. sie waren so anders.
[18:50:20] Gassur Farees Ifrey: [menek] aiwa, am besten krabbelst du unter den stein, unter dem du hergekommen bist.
Er ging mir nach, als ich wegkrabbelte. Ich hielt mich am Geländer fest und versuchte mich hochzuziehen, aber er packte mich am Arm und zerrte mich empor. Dann stieß er mich zurück. Zurück zu den Treppenstufen, die in den unteren Raum führten. Polternd stürzte ich rücklinks die Treppen hinab und fiel unsanft auf den Rücken. Die mich umgebene Kälte wurde intensiver. Ich spürte den Schmerz in meinem Bauch und zeitgleich spürte ich den Hass. Irgendetwas befreite diesen Hass in mir, sorgte dafür, dass ich mich von genau diesem Hass treiben ließ. Ich presste die Augen vor lauter Schmerz zusammen. Entfernt hörte ich ihn fragen, was passiert war. Meine Augen verschwammen, ich konnte für einen Augenblick kaum was sehen, bis sich der schwarze Schleier komplett über meine Augen gelegt und der Dschinn die Kontrolle über mich genommen hatte.

„Verderben über IHN!“; flüsterte es leise, aber einprägend in meinem Kopf. Eine dunkle, verzerrte Stimme machte sich in meinen Gedanken breit. Ich öffnete meine Augen wieder und krabbelte trotz der Schmerzen in meinem Bauch weg von ihm. „Du bist die Pest, Gassur Farees Ifrey. Verderben soll über dich kommen.“; ich hörte mich sprechen, voller Spott, Hass, Wut und Hohn. Ich spürte, wie selbst mein ungeborenes Kind von diesem Hass überwältigt wurde und sich bewegte. Ich sah seinen völlig entsetzten Blick, ich hörte seine Frage. Ich sah, wie er zu mir eilte, als ich taumelte. Im nächsten Moment stürzte ich mich wie eine Furie auf ihn, schlug blind und wie von Sinnen auf ihn ein. Gassur fiel zurück auf die Stufen und ich auf ihn. „VERDERBEN ÜBER DICH.“, schrie ich ihm entgegen, der Hass tief in meiner Stimme vergraben. Er hielt schützend seine Hände vor das Gesicht, während ich ihn weiter malträtierte.
Hinter mir vernahm ich die Worte, dass ich mich beruhigen sollte. Ich wollte gerade versuchen, Gassurs Hände von seinem Gesicht wegzuzerren, als der Dschinn mich umlenkte. Der Fokus war auf Aalissay gelegt. Hasserfüllte, tiefschwarze Augen starrten die Natifah an. „Denk an dein Kind, du darfst dich neda so aufregen.“
Gassur stöhnte im Hintergrund, als er sich auf dem Boden hin und herwälzte und endlich von den Schlägen, von meinen Schlägen, befreit wurde. „Ein Kind von diesem Bastard ist eh nichts wert!“ und im nächsten Moment stürzte ich mich auf Aalissay, die jedoch schnell genug war und nach hinten auswich. Dennoch fiel sie zu Boden. Ich spürte, wie ich festgehalten wurde. Gassur hielt mich fest, während ich Aalissay entgegenspuckte, dass ich ihr die Augen auskratzen würde. Ich hörte die Stimme in meinem Kopf, dass keine Frau so wertvoll sei wie ich. Wie recht diese Stimme doch hatte. Ich versuchte mich mit Tritten und Schlägen nach Gassur zu befreien, doch er hielt meinen Versuchen stand und hielt mich fest. Ich sah, wie Aalissay versuchte aufzustehen. „Lauf weg, lauf einfach weg! Aber ich finde dich. Und wenn ich dich finde...“

Die Stimme in meinem Kopf ertönte wieder: „Tööööte ich sie.“

„Töte ich dich.“

Aalissay sah hilfesuchend zu Gassur, der wiederum schickte sie fort. Sie solle Hilfe holen. Was sie dann auch tat. Ich versuchte stattdessen, mich weiter zu befreien und ich spürte, wie seine Kraft schwächer wurde. Kurz bevor ich mich befreit hatte, ließ der Dschinn von mir ab. Ich spürte, wie ich kraftlos zu Boden sank. Ich hörte nur noch dieses Flüstern und wie es sich immer weiter entfernte. Was bei Eluive war los gewesen?

Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2013, 18:12
von Gassur Farees Ifrey
Die letzten Tage waren hart für ihn, er hatte Malaika tief enttäuscht und sein Versprechen gebrochen und sie allein gelassen, während sie ihn am meisten bei sich brauchte. Warum er dies tat konnte er im Nachhinein selbst nicht mehr sagen. Er wusste nur, dass er es sich niemals verzeihen könnte, wenn ihr oder dem Kind etwas zugestoßen wäre, während er nicht bei ihr war. Über dieses Thema stritten sie in letzter Zeit viel.

An dem Tag, an dem der Dschinn von ihnen Besitz einnahm, hatten sie sich gestritten wie noch nie zuvor. Malaika sprach über Dinge, die ihn bis ins Mark erschütterten und in ihm Zorn und Verzweiflung aufkeimen ließen. Sie waren in der Küche im Familienhaus, es war eine distanzierte und kühle Stimmung zwischen ihnen. Als ihm auf einmal diese Kälte überkam, er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten.

Das nächste voran er sich erinnerte, war dass er Malaika vor Schmerzen gekrümmt am Fuße der Stufen liegen sah. Er eilte sofort zu ihr, um nach ihr zusehen, sie antwortet aber zunächst nicht. Auf einmal stand sie auf, ihre Augen waren nahezu schwarz, und sie stürzte auf ihn zu. Völlig überrascht und selbst noch wackelig auf den Beinen, fiel er nach hinten. Er landete mit dem Rücken auf den Stufen, sie fiel auf ihn und schlug weiter wie eine Furie auf ihn ein. Er hatte alle Mühe um seine Hände schützend vor dem Gesicht zuhalten.

Sie lies aber plötzlich von ihm ab und konzentrierte sich auf Aalissay, die näher kam und sich einmischte. Malaika war völlig außer sich, sie beschimpfte Aalissay als diese sie beruhigen wollte. Nach einigen Worten versuchte Malaika auch über Aalissay herzufallen, diese reagierte aber schnell genug und konnte ausweichen wobei sie über die Kissen fiel. In der Zwischenzeit kam Gassur langsam wieder auf die Beine, als er sah dass Malaika versuchte Aalissay nachzusetzen. Beschloss er sie zu greifen und davon abzuhalten, allerdings war dies kein leichtes Vorhaben.Malaikas Kraft war um einiges größer als sonst. Sie brüllte Aalissay weiter Beleidigungen und Drohungen entgegen. Nach kurzer Zeit merkte Gassur, dass er Malaika nicht ewig festhalten könnte. So wies er Aalissay an Hilfe zuholen, egal wen, bloß Hilfe.

Kaum war sie davon geeilt, brach Malaika in seinen Armen zusammen, er hätte sie auch nicht mehr lange halten können. Als er sie vorsichtig zu Boden ließ, veränderten sich ihre Augen wieder, sie nahmen ihre gewohnte Farbe wieder an. Kurz darauf kam Faruk, eine junge Menekanerin und Aalissay zurück. Faruk untersuchte das Liedgefüge und konnte das Dasein des Dschinns spüren, kurz darauf kam Hazar dazu, sie wusste wohl am meisten über diesen Dschinn. Sie und Faruk erklärten ihnen alles über den Dschinn und seine Vorgehensweise. In diesem Moment suchte Malaika erstmals seit langer Zeit wieder die Nähe und Geborgenheit bei Gassur, sie zitterte am ganzen Körper. Anschließend untersuchte Hazar noch die beiden um eine Schädigung ausschließen zu können, sie hatten wohl noch einmal Glück gehabt. Der Dschinn sucht vorrangig Menekaner heim, die voller Zorn waren, meinte Hazar zu den Anwesenden. Das traf in der letzten Zeit sehr gut auf Malaika und Gassur zu.

Als er darüber nachdachte, was hätte alles geschehen können wurde ihm ganz anders. Er hätte Malaika und das Kind ernsthaft verletzen können, vielleicht auch noch Aalissay, die beiden Menekanerinnen waren mit ihm allein im Haus.

In ihm stieg wieder der blanke Zorn auf, denn er wusste genau wer dafür verantwortlich war. Seine Fidah hatte diesen finsteren Dschinn befreit, welcher nun in Menek'Ur sein Unwesen trieb. Wie lange würden die Dinge noch so glimpflich ablaufen? Er wollte im Moment nicht weiter darüber nachdenken, zu groß war die Angst, dass der Zorn in ihm den Dschinn abermals anlockt. Er entschied alle beteiligten außer Djamji aufzusuchen, bei ihr wäre sein Zorn und seine Wut zu groß, außerdem war er immer noch enttäuscht, dass es soweit gekommen war.

Nach alle dem gingen Malaika und Gassur wieder zu sich nach Haus. Sie sprachen sich aus, allerdings war es damit nicht getan. Als sie sich schlafen legen wollte, bezog er wieder Position im Vorraum, um sofort bei ihr zu sein sobald etwas passieren sollte. Er schaute eine Weile zu der Schlafzimmertür, vor einigen Momenten lang sie noch in seinen Armen, jetzt saß er wieder allein da. Er ließ den Blick zu Boden sinken, seufzte und legte sich auf das Fell. Er fragte sich, wie lange es nun so kühl und distanziert zwischen ihnen weitergehen sollte, für immer?
Auf einmal ging die Tür auf und er hörte ein leises und vorsichtiges "Ranim?". Er erhob sich sofort wieder und schaute zu ihr, sie sah ängstlich und verschreckt aus. Die Worte fielen ihr sichtlich schwer, sie fragte ob er nicht die Nacht bei ihr verbringen könnte. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, natürlich wollte er. Als er sich zu ihr ins Bett legte, sich zu ihr drehte und ihr beim schlafen zu sah, war er seitdem Streit zum erstmal wieder glücklich. Anschließend wachte er die ganze Nacht über seine Rani, wie er es vor Eluive versprochen hatte.

Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2013, 19:48
von Malaika Leyla Ifrey
Gedankenfetzen.
      • Things we lost to the flame
        Things we'll never see again
        All that we've amassed
        Sits before us, shattered into ash
        These are the things, the things we lost
        The things we lost in the fire fire fire
        These are the things, the things we lost
        The things we lost in the fire fire fire
        We sat and made a list
        Of all the things that we have
        Down the backs of table tops



Die unruhige Nacht hatte mir Kopfschmerzen bereitet. Kopfschmerzen, die ich nicht so einfach los wurde. Ich hatte kaum ein Auge zugemacht und wenn doch, dann erwachte ich sofort wieder, weil mich erschreckende Albträume in Panik versetzten. Der Dschinn war fort, zumindest vorerst. Aber er hatte einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Bei allen.

Ich öffnete meine Augen nicht, da ich genau wusste, dass Gassur neben mir kaum ein Auge zugemacht hatte. Viel zu sehr plagte ihn das schlechte Gewissen, dass er mich allein gelassen hatte. Aber Hazar hatte Recht, wir mussten all unseren Hass und unsere Wut verarbeiten, aufarbeiten und uns mit ihr auseinandersetzen.

Meine Wut galt kaum noch Gassur. Eigentlich tat er mir sogar leid. Ich wusste, wie es war von aufmüpfigen Natifahs umgeben zu sein. Vermutlich meinte Djamji alles nicht einmal böse, aber sie hatte es geschafft, jeglichen Unmut auf sich zu ziehen – auch meinen. Schon damals, als sie nur mit dem Feuer am Tisch gespielt hatte, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen und ich hatte für mich beschlossen, nicht alleine mit ihr in einem Raum zu bleiben.

Ihre Neugier hatte ein verheerendes Nachspiel: Der Dschinn war befreit. Er hatte Imraan belagert, Imraan wiederum hatte Zia angefallen und dann auch noch Hazar. Man konnte meinen, dass es mir bei Zia egal war, aber das war es nicht. Sie war immerhin nach wie vor meine Cousine. „Blut ist dicker als Wasser“; das hatte meine Mutter immer gesagt. Noch schlimmer traf es mich bei Hazar. Ich war mir sicher, dass Djamji in ihrer kindlichen Naivität und Dummheit gar nicht so recht verstand, was sie überhaupt angestellt hatte.

Am nächsten Morgen setzte ich mich im Keller an den Schreibtisch. Ich unternahm mehrere Versuche, um meine Gedanken so diplomatisch wie nur möglich auf Papier zu bringen:


    • Liebe Djamji,

      sich von Neugier leiten zu lassen ist etwas, was jede Natifah schon mitgemacht hat. Durch die Neugier allerdings andere Lebewesen in Gefahr zu bringen, das ist etwas anderes.

      Mit dem Töten der Kuh hast du zum ersten Mal bewiesen, dass du Grenzen überschreiten kannst. Grenzen, die dir als gute Natifah bewusst sein sollten. Ganz gleich, ob es ein Unfall war und du das nicht wolltest, es ist so geschehen. Das wäre aber noch etwas gewesen, was man dir verzeihen kann. Aber die Sache mit dem Dschinn...

      Ich hoffe, du bist dir im Klaren darüber, was du verursacht hast. Dein Bruder Gassur ist nicht nur enttäuscht, das kann ich dir sagen. Der Dschinn hat gestern von ihm Besitz ergriffen. Er hat mich in all seiner Wut und seinem Hass, die durch den Dschinn ausgelöst und verstärkt wurde, die Treppen in der Küche hinab gestoßen. Wie du weißt, bin ich schwanger – wir können von Glück reden, dass dem Kind nichts passiert ist. Die Schmerzen, die ich in meinem Bauch verspürt habe, ließen auf anderes schließen.

      Im Anschluss ist der Dschinn auf mich übergetreten, woraufhin ich meinen Ehemann niedergeschlagen habe und ihn wüst beschimpft habe. Zudem habe ich Aalissay gedroht, ich würde sie töten. Alles Dinge, die auf den Dschinn zurückzuführen sind. Einen Dschinn, der durch deine Neugier, deine Tollpatschigkeit und deine Unfähigkeit über die Lande streift. Bisher blieb unsere Familie verschont. Bisher.

      Du solltest deinem Bruder Gassur in nächster Zeit nicht unter die Augen treten. Du weißt, wie sauer er darüber war, dass du das Leben von Imraan und Zia gefährdet hast. Du hast dafür eine Ohrfeige bekommen. Nun hast du das Leben seines ungeborenen Kindes gefährdet – eine angemessene Reaktion darauf kannst du dir in deinen Gedanken ausmalen. Überdenke deine Taten, überdenke das, was du getan hast. Gassur ist Statthalter, stellvertretendes Oberhaupt der Familie. Eine tollpatschige, neugierige, problematische Natifah kann schnell dafür sorgen, dass ihm sein Ruf auf MenekUr vorauseilt. Mit deinem Verhalten schadest du nicht nur dir – sondern auch ihm. Sieh es als nett gemeinten Rat meinerseits.


      Malaika

Auch, wenn ich auf dem Schreiben einiges ausgebessert hatte, ich war zufrieden damit. Vermutlich hatte auch sie gerade ihre Bürde zu tragen, deswegen sah ich mich in der Pflicht, sie zumindest ein bisschen vorzuwarnen. Gassur verstand keinen Spaß mehr, soviel war klar. Durch den Sturz hätte unser gemeinsames Kind beinahe ums Leben kommen können, waren die letzten Tage eh nicht wirklich einfach für uns. Das Schreiben fand noch an diesem Tag den Weg unter dem Türschlitz zu Djamjis Zimmer hindurch. Auf dem Weg zurück konnte ich nur noch seufzen und den Kopf schütteln. Hoffentlich würde irgendwann wieder Ruhe einkehren. Ich nahm mir einen Moment für mich. Für mich und meinen Mustang, den ich mit sanften Bewegungen durch die umliegende Wüste ritt.
      • [img]http://media.tumblr.com/9e64d1c1822597f3dd65a5c6f9223d78/tumblr_inline_mttsixobNC1qc5c66.gif[/img]

Verfasst: Sonntag 20. Oktober 2013, 21:12
von Malaika Leyla Ifrey
      • Das ist Liebe, die Gestalt angenommen hat und in Erfüllung gegangen ist,
        das ist Glück, das den Atem nimmt,
        das sind Gefühle, die man nicht beschreiben kann,
        Zärtlichkeit, für die es keine Worte gibt.
        das ist Gewissheit, das Wertvollste dieser Erde in Händen zu halten,
        das ist eine kleine Hand, die zurückführt in die Welt, die wir längst vergessen haben.

Wie schnell war die Zeit doch vergangen. Gassur und ich waren nun schon beinahe ein Jahr verheiratet. Und zu all unserem Glück hatte Eluive uns sehr schnell ein weiteres Kind geschenkt. Ein Kind, welches in meinem Körper heranwuchs. Nicht nur einmal hatten wir um dieses Leben gebangt. Aber es war stark - es hatte den starken Willen von Mutter und Vater und war die gleiche Kämpfernatur wie die Beiden.

Ich wusste, was auf mich zukam, als ich in der Küche stand und bemerkte, wie die Fruchtblase geplatzt war. Ich stand inmitten des Fruchtwassers und konnte mich nicht mehr rühren. Ein paar Stunden zuvor hatte ich noch mit Keana über den Termin der Geburt gesprochen. Optimistisch hatte ich ihr den kommenden oder den darauffolgenden Wochenlauf genannt.

Und nun, zehn Minuten, nachdem die Blase geplatzt war, lag ich im Bett. Neben mir ein aufgelöster, nervöser Gassur, eine Schüssel mit warmem Wasser und Tücher. Viele Tücher. Gassur wurde mal ruhiger, mal panischer. Immer dann, wenn die Wehen abflachten wurde auch er ruhiger. Sobald sie wieder anfingen, war er kaum zu gebrauchen. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte die Türe öffnen und ihn über die Brüstung ins Wasser katapultieren, damit er wieder normal wurde. Natürlich war er gerade bei der Geburt seines Kindes dabei und da war wohl jeder Mann gleich, aber... er machte mich wahnsinnig.

Es vergingen Stunden bis tief in die Nacht, ehe ich mich erschöpft ins Laken sinken ließ. Ich hatte keine Kraft mehr, hatte ich doch all die Kraft dafür gebraucht, um unser Kind in diese Welt zu pressen. Von weitem hörte ich Gassur, im Delirium gab ich ihm weitere Anweisungen. Und dann hörte ich es: Das erste Schreien oder eher Quäken meines Kindes. Unseres Kindes. Und die Worte Gassurs: "Rani, wir haben einen Sohn."

Einen Sohn also. Einen Bruder für Jalilah. Ich hatte mich also auf meine Instinkte verlassen können. Mir war ziemlich bald klar gewesen: Das musste ein Junge sein. Nachdem Gassur ihn gesäubert hatte, legte er ihn mir in meine erschöpften Arme. Eingewickelt in einem dünnen, weißen Laken.

[img]http://p2.spin.de/user/full/38/86/ba9c5d1e-64414621.jpg[/img]

Ich hielt meinen Sohn in meinen Armen und sah zu ihm. Ich lächelte und ich weinte, ich weinte vor Erleichterung und vor Glück. Gassur setzte sich zu uns, nahm uns in den Arm. Das war also unser kleiner Wüstenprinz. Behutsam streichelte Gassur mir eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht. "Und wie soll er heißen?"

- "Lijam Mujaad Ifrey."

Ein wundervoller Name für ein solch wundervolles Geschöpf. Gassur lächelte, drückte mir einen Kuss auf mein Haar und zog mich, nein, uns, enger an sich. Ich hielt meinen Sohn in den Armen, wiegte ihn vor und zurück und sang ganz leise:
          • Ich lieb dich für immer,
            meine Liebe ist dein;
            solang wie ich lebe
            wirst du mein Kind sein.


Irgendwann schlief ich mit Lijam in den Armen ein. Ich bemerkte auch nicht, wie Gassur für einen Moment davon schlich, um ein Pergament für die Familie aufzusetzen, um sie darüber zu informieren, dass unser Sohn das Licht der Welt erblickt hatte.

[...]



[Kleine Anekdote und schöne Geschichte von Robert Munsch zum letzten Teil der Charstory]

Der Sohn wuchs heran. Er wurde größer und größer. Als er zwei Jahre alt war, rannte er durchs ganze Haus; er riss Bücher aus den Regalen, leerte den Kühlschrank oder spülte die Uhr seiner Mutter durchs Klo hinunter.
Dann seufzte seine Mutter manchmal: Der Junge macht mich noch wahnsinnig?

Aber nachts, wenn ihr Sohn endlich eingeschlafen war, ging die Mutter in sein Zimmer und trat auf Zehenspitzen an sein Bett. Wenn er tief und fest schlief, setzte sie sich zu ihm und dachte an die Zeit zurück, als sie ihr Baby in den Armen wiegte, vor und zurück und sang ganz leise:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein;
solang wie ich lebe
wirst du mein Kind sein.

Der Sohn wuchs heran. Er wurde größer und größer. Als er neun Jahre alt war, kam er nie zum Essen rein, wenn man ihn rief; nie wollte er sein Bad nehmen; und wenn die Oma zu Besuch kam, sagte er unanständige Dinge um sie zu ärgern. Manchmal hätte seine Mutter den Bengel am liebsten an den Zoo verkauft.

Aber nachts, wenn ihr Sohn endlich eingeschlafen war, ging die Mutter in sein Zimmer und trat auf Zehenspitzen an sein Bett. Wenn er tief und fest schlief, setzte sie sich zu ihm und dachte an die Zeit zurück, als sie ihr Baby in den Armen wiegte, vor und zurück und sang ganz leise:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein;
solang wie ich lebe
wirst du mein Kind sein.

Der Sohn wuchs heran. Er wurde größer und größer. Als er ein Teenager war, hatte er merkwürdige Freunde, ernährte sich ungesund und hörte laute Musik. Dann dachte seine Mutter manchmal, sie sei im Zoo!

Aber nachts, wenn ihr Sohn endlich eingeschlafen war, ging die Mutter in sein Zimmer und trat auf Zehenspitzen an sein Bett. Wenn er tief und fest schlief, setzte sie sich zu ihm und dachte an die Zeit zurück, als sie ihr Baby in den Armen wiegte, vor und zurück und sang ganz leise:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein;
solang wie ich lebe
wirst du mein Kind sein.

Der Sohn wuchs heran. Er wurde größer und größer. Als er erwachsen war, zog er zu Hause aus. Er wohnte jetzt am Ende der Stadt. Manchmal, nachts, wenn seine Mutter nicht schlafen konnte, lag sie im Bett dachte an die Zeit zurück, als sie ihr Baby in den Armen wiegte, vor und zurück und sang ganz leise:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein;
solang wie ich lebe
wirst du mein Kind sein.


Aber nicht nur der Sohn wurde älter, auch die Mutter wurde älter und älter und alt. Eines Tages rief sie ihren Sohn an und sagte: Du kommst besser vorbei; ich bin zu alt und zu gebrechlich, um das Haus zu verlassen. Der Sohn fuhr quer durch die Stadt zu seiner Mutter. Als er zur Tür herein trat, hörte er sie leise singen:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein...

Aber sie konnte nicht zu Ende singen, so gebrechlich war sie und schwach.
Da setzte sich der Sohn zu seiner Mutter ans Bett und nahm sie in die Arme. Er wiegte sie vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück, und sang ganz leise:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein;
solang wie ich lebe
wirst du meine Mutter sein.

Als der Sohn an diesem Abend nach Hause kam, blieb er lange auf der Treppe stehen. Dann trat er in das Zimmer, wo seine neugeborene Tochter schlief. Er trat auf Zehenspitzen an ihr Bett und nahm sie sanft in die Arme. Er wiegte das Baby vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück und sang ganz leise:

Ich lieb dich für immer,
meine Liebe ist dein;
solang wie ich lebe
wirst du mein Kind sein.

Verfasst: Sonntag 20. Oktober 2013, 22:46
von Gassur Farees Ifrey
Als der Abend begann dachte er noch, dass es ein ruhiger und gemütlicher Abend werden sollte. Er traf Malaika beim Familienhaus, sie redeten kurz und wollten zusammen zu Abendessen. Als sie in ihrem Haus waren schaute er ihr zu wie sie das Essen vorbereitete, er liebte es ihr bei solch banalen Dingen zuzusehen. Als sie feststellte, dass noch einige Zutaten fehlten, bot er sich sofort an diese zu holen.
Als er sich dem Haus wieder näherte, hörte er Malaika laut nach ihm rufen. Er rannte so schnell er konnte zu ihr, sie hielt sich den Bauch und schaute nach unten. Er bemerkte nicht sofort dass sich eine kleine Pfütze unter ihr gebildet hatte. Als er dies bemerkte kam sofort die Panik in ihm auf, obwohl er wusste, dass er ruhig auf sie einwirken müsse. Er hätte sie am liebsten die Treppe hoch getragen, doch zu seiner Überraschung schaffte sie das allein. Er ging ihr nach, kniete sich zu ihr an das Bett und hielt ihre Hand, sie trug ihm einige Dinge und er rannte sofort los.
Er war keine fünf Minuten weg, doch als er wieder zu ihr kam, meckerte sie sofort warum er solange gebracht habe. Die Geburt erlebte er als schwebte er über sich selbst. Er machte alles was sie ihm auftrug, dabei versuchte er immer ruhig zu bleiben, was ihm wohl nicht sehr gut gelang.
Auf einmal war das Kind da, er war überwältigt in diesem Moment. Malaika befahl ihm die Nabelschnur zu durchtrennen, als er damit fertig war, wusch er das Kind mit dem warmen Wasser welches er zuvor geholt hatte. Dabei untersuchte er das kleine Wesen, er zählte alle Finger und Zehen nach. Als er ihn fertig gewaschen hatte, hüllte er ihn in ein sauberes Tuch und legte ihn zu Malaika und legte sich selbst zu den beiden. Sie war mit ihren Kräften am Ende, aber sie war genauso glücklich wie er. Sie lagen noch eine Weile zu dritt dort, als er bemerkte dass Malaika eingeschlafen war, löste er vorsichtig seinen Arm von ihr und schlich nach unten, um eine Nachricht für die Familie zu verfassen.

Ein kleiner Zettel wird auf dem Tisch in der Küche hinterlegt. Dieser trägt eine eilige und dadurch nicht ganz leicht zu lesende Handschrift.
Salam Alaikum Cousinen und Cousins.
Ich darf euch voller Stolz mitteilen, dass Malaika heute Abend einen gesunden Sohn auf die Welt gebracht hat. Sein Name ist Lijam Mujaad,
Malaika und er sind wohl auf.
Wir danken Eluive für das Geschenk des Lebens.

Gassur

Als er die Nachricht im Familienhaus hinterlegt hatte, eilte er sofort wieder zurück zu Malaika und Lijam, dort angekommen legte er sich wieder zu den beiden. Er schaute sie noch eine ganze Weile an, wie friedlich beide waren.

Verfasst: Montag 4. November 2013, 15:08
von Gassur Farees Ifrey
Nachdem er die mit allem fertig war und es ruhig im Haus wurde, setzte er sich an den Küchentisch und verfiel in Gedanken an den gestrigen Abend.

Es war der erste Abend seitdem Lijam auf der Welt war, den sie allein verbracht hatten. Malaika begann ihn schon zu necken, bevor Beldan überhaupt angekommen war. Nach diesem Gespräch offenbarte sie Gassur, dass sie heute noch einen Termin in der Schneiderei hätte. In diesem Moment war er ziemlich niedergeschlagen, schließlich hatte er sich auf etwas Zweisamkeit gefreut. Als sie dann meinte, dass er doch mikommen könne, rannte er ihr sofort freudestrahlend nach.

Nach einigen Gesprächen über die letzte Zeit, kamen sie sich etwas näher. Doch konnte natürlich jederzeit jemand herein kommen, sie besinnten sich eines besseren, oder sie besinnte ihn eines besseren. Er hatte zuvor gesagt, dass er 1000 Dinge aufzählen könnte warum er sie liebte. Nun war der Moment da, in dem Malaika diese Gründe hören wollte.Für jeden Grund den sie lustig oder kitschig fand trank sie einen Schnaps, sie fand allem Anschein nach die meisten Gründe würdig um einen Schluck zu trinken. Nach einer Weile von Gründen und Schnäpsen, war Malaika sehr gut gelaunt.

Die beiden entschieden, dass es nun Zeit wäre das eigene Haus aufzusuchen. Es war eine der schönsten Nächte, die er jemals mit ihr erlebt hatte. Am nächsten Morgen fühlte er sich so lebenbig wie schon lange nicht mehr, oder gar wie noch nie zuvor in seinem Leben.

So saß er hier in ihrem Haus und wartete sehnsüchtig, dass sie nach Hause kam. Sie war in der letzten Zeit sehr beschäftigt, es standen immer wieder Reisende vor der Tür und wollten Kleider oder Teppiche erwerben. In ihm war seit der letzten Nacht ein Gefühl ausgebrochen, welches er nur schwer in Worte fassen konnte, dieses Gefühl machte alle intensiever, alles schöner. Er liebt sie abgöttisch, das war ihm klar und das sagte er ihr auch immer wieder. Genauso dass sie alles für ihn wäre und er nicht ohne Sie leben wollte.

Nach den ganzen Strapazen der Schwangerschaft und die dadruch verbundenen Streitigkeiten, schienen sie nun wieder dem Glück ein Stückchen näher zu sein. Er schwor sich mit allen Mitteln an diesem Zustand festzuhalten, egal was passierte, egal welche unbedachte Tat ihn hinreißen würde, er müsse widerstehen. Er wollte nun noch für sie da sein. Nichts weiter war sein Wunsch und diesen galt es in die Tat umzusetzen.

Verfasst: Dienstag 5. November 2013, 12:10
von Malaika Leyla Ifrey
Lijam war nun ein paar Tage alt. Natürlich hatte ich die Erfahrung als Mutter, aber so ein kleines, unbeholfenes Geschöpf war immer wieder eine neue Erfahrung. Durch das Stillen fand ich doch immer wieder Zeit für den Kleinen - ich musste, immerhin wollte ich mein eigen Fleisch und Blut, meinen geliebten Sohn, meine geliebten Kinder, nicht alleine lassen.

Natürlich kam die Zweisamkeit zwischen Gassur und mir zu kurz. Aber war das anders zu erwarten? Wir hatten Familie, Kinder. Wir waren nicht mehr dieses frisch-verliebte Paar wie am Anfang. Natürlich liebte ich ihn über alles, es hätte niemalsnicht einen besseren Mann für mich geben können. Aber alles veränderte sich. Wir veränderten uns. Jeden Tag wurde uns beiden noch mehr bewusst, dass uns unsere Kinder brauchten. Dass wir uns brauchten, dass die Familie uns brauchte. Und wenn ich dann einmal eine ruhige Minute hatte, hatte ich entweder Termine, Besuch oder wir führten diplomatische Gespräche. Aiwa, es war wirklich sehr, sehr selten geworden, dass wir nur noch für uns waren.

Aber das beruhigende war tatsächlich, dass jegliche Streitigkeiten, die Überempfindlichkeit in der Schwangerschaft, endlich wieder vorüber war. Abgesehen von meinen kleinen Fluchtiraden, als Imraan mich stehen ließ. Letztendlich hatte ich mich aber auch hier wieder beruhigt, nachdem ich bei Gassur meinen Dampf abgelassen hatte. Und so konnte ich mich in aller Ruhe wieder an meinen nächsten Auftrag machen - und der hatte es wahrlich in sich. So in sich, dass man mich die nächsten Tage kaum vor der Türe antreffen sollte.

Verfasst: Dienstag 5. November 2013, 16:32
von Gassur Farees Ifrey
In der letzten Nacht meinte es Lijam nicht gut mit seiner Familie, er schrie fast die ganze Zeit. Obwohl Malaika ihr bestes gab, wollte er sich nicht beruhigen lassen. Nach mehreren Stunden, als auch Jalilah endgültig wach war. Entschloss sich Malaika mit dem kleinen am Strand spazieren zu gehen. Nun herrschte Ruhe im Haus und Jalilah und Gassur schliefen wieder ein.

Er hatte Malaika nicht bemerkt, als diese sich irgendwann in den Morgenstunden wieder zu ihm ins Bett gelegt hatte. Er bemühte sich sie nicht zu wecken als er aufstand, und es schien ihm gelungen zu sein.
Sie hatte in der letzten Nacht die Strapazen auf sich genommen, ohne zu klagen. Er überlegte, wie er ihr dafür Dank zeigen könnte. Schließlich war sie wie selbstverständlich aufgestanden und hatte wahrscheinlich den Großteil der Nacht mit Lijam verbracht. Gassur sah das allerdings nicht als Selbstverständlichkeit an, trotzdem hatte er sich nicht einmal bedankt als sie mit Lijam aufbrach.

Nachdem er einige Früchte gegessen hatte machte er sich auf den Weg, um einiges zu besorgen. Schließlich wollte er ihr zeigen, dass er ihr unendlich dankbar ist. Sie war schließlich immer für ihn da und tat alles was in ihrer Macht stand, um das Leben der kleinen Familie so schön wie möglich zu machen. Nun war er an der Reihe ihr zu zeigen, wie sehr er sie schätzt. Seine ältere Fidah Shadia verriet ihm einst, dass jede Natifah es verdient kleine und größere Aufmerksamkeiten zu bekommen. Und sie hatte recht, Malaika war die Frau seines Lebens, also sollte er ihr das immer wieder zeigen.
Er besorgte eine schöne Schatulle, einen Strauß Blumen, einige Leckereien und fügte noch eine Überraschung hinzu. In der Schneiderei fand er noch eine schöne rote Schleife und band diese um die Schatulle. Dazu legte er noch einen Zettel mit der Aufschrift Für die liebe meines Lebens.
Er stellte die Schatulle samt Schleife und Zettel vor die Schlafzimmertür. Danach verließ er wieder das Haus und ging seiner Arbeit nach, allerdings weilten seine Gedanken nur bei ihr.

Verfasst: Freitag 15. November 2013, 11:23
von Malaika Leyla Ifrey
Ich war mit Jalilah tatsächlich verwöhnt gewesen. Sie war die Nächte ruhig, hatte mich immer schlafen lassen. Lijam hingegen war nachtaktiv. Er sehnte sich ständig nach der Nähe von mir oder Gassur, weswegen wir ihn abwechselnd umhertrugen. An durchschlafen war kaum zu denken.

Aber damit musste man rechnen, wenn man Mutter wurde und jedes weitere Mal, als Lijam zu schreien begann, stand ich auf. Verließ das Bett, nahm den kleinen Kerl mit mir und ging mit ihm nach oben. Nur, damit Gassur und Jalilah weiterschlafen konnten. Für mich war es selbstverständlich. Ich tat es gern.

Über die kleine Aufmerksamkeit von Gassur freute ich mich. Es war schön, wenn er zu schätzen wusste, was er an mir hatte. Mit einem Lächeln betrachtete ich die Blumen wie auch die Schatulle. Wir hatten alles richtig gemacht. Alles. Und dennoch überkamen mich in letzter Zeit oft Zweifel. War ich hier wirklich richtig? Natisha und Fahima waren spurlos verschwunden. Für die Yazirs war ich kein wirklich vollwertiges Familienmitglied und abgesehen von Khalida scherte sich auch kaum einer um mich. Nichts, was mich verwundert hätte, aber dennoch fehlten mir die vertrauten Stunden mit meiner Familie. Aaminah war seit Zafers verschwinden kaum noch anzutreffen. Sie stürzte sich in die Arbeit, was ich gut verstehen konnte. Haroun war auch kaum noch anzutreffen. Aalissay ging mir grundsätzlich aus dem Weg, so dass der Verdacht nahe lag, dass sie ein undefinierbares Problem mit mir hatte. Hazar...
... war zu beschäftigt mit ihrem eigenen Leben.

Es hatte sich viel verändert und nicht nur einmal hatte ich überlegt, ob ich Gassur meine Gedanken anvertrauen sollte. Die Gedanken, dieser Stadt den Rücken zu kehren. Aber war das der richtige Weg? Was würde ich tun, würde er mir sagen, er würde nicht mitgehen? Wollte ich wirklich gehen? Fragen über Fragen, auf die ich bis heute keine Antwort hatte.