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Verfasst: Mittwoch 11. November 2009, 00:30
von Darna von Hohenfels
Der Morgen fing ja gut an. Sie wusste, was Adrian zu schaffen machte und machte sich bereit, gleich nach dem Morgengebet die Küche aufzusuchen und möglichst unauffällig dafür Sorge zu tragen, daß man ihm nicht arglos auch noch Essen mit Apfelanteilen aufnötigte und beleidigt war, wenn er sie unerwartet heftig ablehnte. Äpfel gänzlich aus seinem Umfeld zu verbannen, gerade jetzt zur Erntedankzeit, war so gut wie unmöglich, darüber war sie sich im Klaren. Und es gab eine Grenze, ab wann Adrian dann der Grund wäre, warum wiederum seine Umgebung zu leiden hätte... nein. Ein bißchen musste er sich schon zusammenreißen. So war sie dankbar, daß Viola von ihm übernommen wurde und sie einen guten Grund hatte, dieser Szenerie fern zu bleiben. Der kurze Blickwechsel reichte, um zu verdeutlichen, daß von Versöhnlichkeit zwischen ihr und Vio weiterhin nicht wirklich die Rede sein konnte. "Gossenfurie", schoß es ihr zum wiederholten Mal verächtlich und verärgert durch den Kopf. Ob Adrian Vio erklären konnte, was sie wirklich an dem Ganzen nachhaltig aufregte? Es ärgerte Darna schon, daß es einer Erklärung überhaupt bedürfte. Sie schob die Gedanken beiseite. Das Letzte, was sie hier im Haus wollte, war, die familiären Streitigkeiten und dicke Luft hier mit her zu schleppen. Von früher war ihr der Eindruck zurück geblieben, daß es nicht immer alles friedlich war - aber wenn es mal gewittert hatte, war es danach auch gut gewesen. Man hatte die Auflagen befolgt, und nie hatte es etwas gegeben, dessen Sinn man nicht wenigstens später begriffen hätte. Bei sich selber hatte sie mehrfach den Eindruck, sie konnte predigen, reden und schelten, soviel sie wollte... früher oder später stand sie vor einer Wand, und selbst wenn sie von dieser Stückchen einriß, baute sie sich wieder auf.
Schluß jetzt! Nochmal schob sie dieses Paket beiseite und suchte sich auf anderes zu konzentrieren.

Die Wurzeln
Auf dem Weg zum kleinen Hausaltar hielt sie vorne in der Diele inne. Sie hatte gestern bei der Ankunft gar nicht so sehr darauf geachtet, aber sie waren noch immer da: Das etwas wuchtig gerahmte Bild ihres Großvaters Leonbrand und seine aufgestellte Ritterrüstung. Sie sah das Bild an. Es hatte immernoch den gleichen Effekt: nach wenigen Lidschlägen zog sich ein Schauer von Ehrfurcht über Schultern und Rücken und das Kinn hob sich in Stolz und dem Willen, im Angesicht dieses Mahnmals ihrer Familienehre würdig zu sein. "Irgendwann soll da meine Rüstung hin." Eine Absicht, die sie fast so lange hatte, wie sie sich erinnern konnte. Verbunden damit war auch seit geraumer Zeit das Bewusstsein, daß dies erst nach ihrem Tod der Fall sein würde. Es tat gut, Vaters Bild nicht hier zu sehen, gleichzeitig fragte sie sich, ob von ihm eines existierte - bestimmt. Als sie sich umsah, stellte sie fest, daß etwas fehlte und eine gewisse Sorge beschlich sie, ob er weg gekommen war.
In einem der Flure dann Erleichterung: nein, hier stand er jetzt also; der hüfthohe sitzende Holzlöwe mit... sie stutzte. Dann musste sie lächeln. Nach wie vor hielt der Löwe unter einer Pranke ein unterarmlanges Wappenschild. Früher war es länger blank gewesen, bis ihr Vater sich nach seinem eigenen Ritterschlag entschlossen hatte, als Zeichen der Verbundenheit das Wappen von Schwertbergen darauf malen zu lassen. Nun hatte es dem Wappen der Freiherrschaft Elbenau Platz machen müssen. Darna sah den Flur längs und entdeckte mehrere Bilder: Ihr Vater, Siglinde, selbst eines von Veltin als erwachsenem Mann mit seinen Ritterinsignien war vertreten. In einem größeren Rahmen war ein Pergament sorgsam eingefasst, auf das der Stammbaum der Familie aufgemalt war. Darna trat näher, studierte es. Dieses Werk war ihr ebenso neu. Selbst Dinge, die sie selber nur eher flüchtig kannte, wie die Großeltern ihrer Mutter, waren darauf verzeichnet. Der eigentlich namhafte Teil ihrer Familie war eher klein und ein wenig musste sie über den Gedanken schmunzeln, daß hier der Eindruck einer großen, weit verzweigten Sippschaft erweckt wurde. Jedoch: Es waren Tatsachen, und die Bürger auch als Bürger kenntlich. Winzige Wappen waren bei den Rittern verzeichnet. Sie entdeckte unten ihren eigenen Namen. Ihr Wappen daneben. Durch einen leichten Unterschied in den Färbungen der Tinte ließ sich erkennen, daß Adrians Name nachträglich hinzugefügt wurde. Ein wenig auffälliger gestaltet, Zeichen von Anerkennung und Stolz. Das Pergament musste nach ihrer Adelung, aber vor ihrer Heirat gefertigt worden sein. Wieder einmal wurde ihr bewusst, wie und warum "alter Adel" die Familie von Elbenau als Emporkömmlinge betrachten musste. Mit nachdenklicher Mimik richtete sie sich wieder auf und sah erneut die Gemälde an. Ihres fehlte, und sie bedauerte, mit Estrella entsprechende Fertigungen zwar begonnen, aber nicht hartnäckig genug weiter verfolgt zu haben. Die Frage, ob sie noch rechtzeitig für all solches Sorge tragen würde, begleitete sie endlich zum Hausschrein.

Schrein, Altar... naja, fast jede Bezeichnung drohte hier übertrieben zu wirken, aber es war eben der Platz im Haus, den man nicht minder liebevoll wie alles der Herrin Temora gewidmet hatte: Auf einem Tisch ein penibel weißes Tuch mit von ihrer Mutter gefertigten Stickereien, die aus den Symbolen von Ankh, Adler und Schwert die Zier bildeten. Eine schmale Vase mit blauen Blumen aus Stoff, auf denen kein Stäubchen geduldet wurde und die zu passender Jahreszeit durch echte ersetzt wurden. Links schräg neben der Vase lag in feines Lammleder eingeschlagen ein schmaler Buchband, in dem der gesamte Kodex der Tugenden enthalten war. Dahinter die Statue aus fast weißem Steingut, die Temora darstellen sollte: Ein Frau mit Brünne und rockartigen wehenden Stoffbahnen - wie genau das Kleidungsstück beschaffen war, ließ sich kaum deuten, da die Figur einen bis zu ihrer Hüfte hochragenden Drachenschild mittig vor sich gestellt hielt, die linke Hand am oberen Rand. Stundenlang hatte Darna früher vor dieser Figur gehockt und gerätselt, ob das wirklich ein richtiger Rock war und sie deswegen weiter ihr Kleid tragen musste. Sie hatte sich nicht getraut, die Statue anzufassen und zu verschieben und sich fast den Hals verrenkt, um einen Blick auf die Rückseite zu erhaschen. Ein Rand aus Adlerfedern säumte die Arme der Figur, als wären die Arme fast Flügel, und die rechte Hand streckte schräg vor sich das Schwert in die Höhe. Auch die Haarpracht faszinierte dadurch, daß sie wie eine lose Haarmähne aussah, aber an der Oberfläche Gefieder zeigte. Fast wie ein Helm, aber auch wallend und schön.
Darna entrang sich ein leiser, andächtiger Seufzer, als sie dieses weitere Objekt ihrer kindlichen Bewunderung betrachtete. Sie wollte gerade ansetzen, niederzuknien, als sie innehielt - ihr Instinkt wies auf die Anwesenheit einer weiteren Person hin, welche sich auch bemüht gedämpft und unaufdringlich zu erkennen gab, noch bevor sie sich umdrehte:

Großer Bruder, kleine Schwester
"Darna? Darf ich an deinem Gebet teilhaben?" Lächelnd drehte sie den Kopf und sah ihren Bruder in der üblich ordentlich geschneiderten Kleidung, die ihm inzwischen wie ihrem Vater etwas edelmännisches verlieh, mit ein bißchen militärischer Steifheit. "Himmel, er sieht gut aus."
Es war ihr inzwischen fast selbstverständlich, daß ihr mit einem gewissen Respekt begegnet wurde, gleichzeitig war es gänzlich seltsam, daß ihr älterer Bruder sie in dieser Weise etwas fragte. Als stünde sie vorne. "Ich stehe vorne", machte sie sich selber nachdrücklich die Fakten klar. "Ich bin Paladin, es geht um's Gebet." Es konnte nicht lange dauern, doch für einen Moment verselbstständigten ihre Gedanken sich schon wieder:
"In was hab ich ihn eigentlich nicht überflügelt?
Ob er eifersüchtig ist?"
Nein. Diese Frage konnte sie sich sofort selbst beantworten. Vielleicht unsicher gegenüber dieser Person, zu der sie sich entwickelt hatte und die er nicht mehr kannte, aber da ging es ihr genauso. Nichts an ihm deutete auf Neid hin. "Der Panther hat hier keinen Platz. Es geht auch ohne. Das ist die wahre Größe unserer Familie. Und ich bewunder ihn immer noch. Großer Bruder..."
"Du tust mir einen großen Gefallen damit", erwiderte sie und fragte sich, wie lange ihr diese Milde und Ehrlichkeit in der eigenen Stimme gefehlt hatte oder nicht so aufgefallen war. Sie fühlte sich wohl. Nach einem stummen bedächtigen Nicken beider beugten sie vor der kleinen Statue stellvertretend für die Göttin das Knie, schweigend besann sich Darna auf die Quelle des gerade vorherrschenden warmen Gefühls. "Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit knie ich nieder, um zu bitten um alles, was gut ist." Sie ließ wie gewohnt eine kurze Stille und vernahm, wie Veltin mit einem Atemzug Pause die Worte wiederholte. Es war nicht die Form eines Gebetes, wie sie hier gepflegt wurden, sondern sie hatte dieses Gebet einst während ihrer Knappschaft auf Felsenstein gelernt, doch ihr Bruder wiederholte ohne Zögern, im Einklang, vertrauend und andächtig. Sie waren eins, immernoch, wieder, und sie hatte Mühe, Tränen der Rührung zurückzuhalten. So klang ihre Stimme noch etwas tiefer, als sie fortfuhr - ob er es merkte? Sie holte Luft nach dem zweiten Vers, nach seiner Wiederholung, sie sah auf die Statue, doch glitt der Blick wesentlich weiter weg. "Für diese Menschen würde ich sterben. Hier bin ich Schild, kein sperrendes Ding. Daß ich das sein darf, dank ich dir."
Dem Hier und Jetzt ein Stück entrückt sprach sie mit traumwandlerischer Sicherheit weiter und griff zu dem Schwert, das da war und auch nicht. "Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit entbiete ich mein Schwert, um zu streiten für alles, was recht ist."

Veltin richtete seinen Blick auf den Ursprung, als es vor dem Altartisch etwas heller wurde. Was dort geschah, sah er in dieser Form zum ersten Mal in seinem Leben - Paladinen war er bereits begegnet, doch das Erscheinen eines Teiles ihrer wundersamen Rüstung... aus dem Nichts, ganz wie es tatsächlich das Gerede der Leute erzählte... das sah er hier wahrhaftig und so ganz wollte es ihm noch nicht in den Schädel, daß es irgendwo immernoch bloß seine kleine Schwester war, die dies war und sowas vollbrachte. "Ob Vater das je gesehen hat?", fragte er sich. Sein Blick fuhr über den mit silbriger dünner Kette umwickelten Griff, über die Adlerschwingen, die die Parierstangen bildeten und blieb auf der milchig hell schimmernden Klinge ruhen. Sie wirkte unendlich glatt, nur gewann er für einen Moment den flüchtigen Eindruck, als würden hauchdünne Linien Bilder auf der metallenen Fläche formen. Oben am Heft eine Menschengruppe, ein Bild der Familie... und er spürte mehr, als er erkennen konnte, daß auch er dabei zu sehen war. "Wir sind ein Teil von dem." Mit einem trägen Blinzeln war es vorbei, das Bild verschwunden, und er hörte sich selber, wie er erneut die Gebetsverse seiner Schwester wiederholte. Kurz fürchtete er, daß er nicht mal wusste, was er da sagte, aber er wusste es. Für alles, was recht war, ja.
Der Rest des Gebetes zog an ihm vorbei, auch wenn er hinter jedem Wort, das Darna sprach, mit ganzem Herzen stehen konnte - er hatte nichts anderes erwartet und schon seit Tagen dem entgegen gefiebert, sie so zu erleben. Die Gläubigkeit eines Paladins zu erfahren. Beide senkten sie den Kopf, bevor sie sich erhoben. Die stille Übereinkunft ließ sie dem Ort noch einen Moment Respekt zollen und sich still und bedächtig zur nächsten Flurecke begeben, ehe er wieder zu Worten fand. Worte, die ihm ebenso bereits seit Tagen auf der Zunge brannten und ihn sowohl unsicher dreinschauen wie auch spitzbübisch schmunzeln ließen. Durfte er hoffen?

Geschwisterstreit
"Ich hatte mich darauf gefreut, mit dir endlich einmal die Klingen zum Test kreuzen zu können. Allerdings weiß ich nun nicht, ob sowas einer Paladina auch erlaubt ist? Darfst du das Schwert nur zum Kampf ziehen?"
Darna nickte leicht und drohte damit fast seine Befürchtung zu bestätigen, doch konnte sie lediglich den Gedanken, der ihn bewegte, gut nachvollziehen. "Ich vermag es wohl nicht und würde niemals in meiner Rüstung und mit diesem Schwert zu einem Freundschaftsstreit antreten, aber mit passender Ausrüstung bin ich dabei." Sie lachte etwas und grinste dann selber: "Ich fürchtete schon, du würdest dich nicht trauen, zu fragen und ich müsste es."
"Ich glaube nur, deine Sachen von damals, die hier noch liegen, werden dir dafür nicht passen." Er legte den Kopf schief und erlaubte sich ein Necken: "Oder nur knapp..."
Knapp passen?! Als sie Elbenau verließ, war sie acht! Sie boxte freundschaftlich nach ihm und lachend gingen sie Sachen suchen. Zum Glück scheute sie sich in keiner Weise, Männersachen zu tragen und die flexibel verstellbaren Riemen erleichterten die Sache. Stumpf geschiffene Metallschwerter zum Üben sowie Schilde waren ohnehin genug vorhanden.

Vom Innenhof der Gutsgebäude klang Waffenlärm, der nach und nach die Bewohner anlockte. Waffengänge war man gewöhnt, auch wenn es länger keine gegeben hatte, aber daß dort Darna und Veltin miteinander stritten, machte wie ein Lauffeuer auf dem Gut die Runde. Selbst Siglinde ließ die Stickarbeit erst sinken und eilte schließlich nach unten, als sie ihre Kinder dabei ausmachte. Allerich stand schräg neben einer der beiden Säulen vor der Haustür und beobachtete das Ganze mit einer Miene überwachenden Ernstes wie auch väterlichem Stolz und einer Spur Wißbegier. Mit seinem Sohn hatte er sich früher schon gemessen, doch bei Darna wäre es ihm nie in den Sinn gekommen. Daß sie sich gut gelaunt an Veltin maß, bot die Gelegenheit der Beobachtung.
Auf eine der Halbtüren zu den Pferdeboxen gelehnt stand Hinrich und erweckte wie schon am Abend zuvor den Eindruck eines stummen aber aufmerksamen Beobachters aus der dritten Reihe. Obwohl sie in Kindertagen befreundet gewesen waren, hatte sie ihn noch nicht mal direkt begrüßt oder scheinbar nach ihm gefragt. Vermutlich hatte sie ihn vergessen. Oder über all den Trubel noch nicht daran gedacht, was er nicht einmal verübeln könnte. Er würde sich auch nicht aufdrängen - da vorne tauchte gerade ihr Mann, des Königs Onkel auf... und wer war er schon? Ein Kuchen klauender Stallbursche. Und sie, Darna, die kleine Ritterin, das Mädchen, das mit dem Schwert umgehen konnte... sich an die alte Bewunderung erinnernd, grub sich ein feinsinniges Schmunzeln in seine Mimik, das die Bewohner des Rittergutes schon lange an ihm kannten.
Der Kampf verlangte Hinrich Respekt ab - nach ersten testenden Schlagabtauschen wurden die Schwünge härter, für den Halblaien vollständig ausgeführt und laut krachten ein weiteres Mal die Schwerter aufeinander. Die Kämpfenden wirkten gelassen, doch konzentriert und ganz bei der Sache. Oh ja, das war ein schöner Anblick, der Herrin würdig. Als Darnas Waffe in einer Finte knapp vor Veltin durch die Luft sauste und nach einer Wende wieder mit stählernem Klang von seinem Schwert gestoppt wurde, der Rittersmann die Mühe das erste Mal mit einem hörbaren Keuchen quittierte, da ging ein Raunen durch die Zuschauer. Siglindes Miene wurde besorgt. Allerich blieb scheinbar gelassen.
Darna genoß den Kampf in vollen Zügen, auch wenn es allmählich anstrengend wurde. Veltin hatte mehrere Versuche darin investiert, sie zu entwaffnen und auf diese Weise zu gewinnen, und bei einem Quentchen weniger Kenntnis wäre es ihm gelungen. Gerade "rächte" sie sich dafür und setzte ihn unter Druck, wie sie Adrian unter Druck setzte, wenn er seine Scherze mit ihr zu treiben versuchte. "Wag es nicht, mit mir zu spielen." Sie spürte, wie ein Teil von ihr wieder drohte, sich in den Kampf zu verbeißen, und sie setzte die alte Übung dagegen, die Lockerheit zu bewahren, indem sie betete - nicht mehr laut, wie früher, bei Aradan... es hätte alleine diesem freundschaftlichen Wettstreit etwas zu rituelles, ernstes in den Augen der anderen gegeben... aber im Stillen nahm sie dem Kampf damit die tödliche Schärfe.
In einem Anflug von Wehmut hallten ihr Aradans ehemalige Worte durch die Gedanken und ein weiteres Mal empfand sie Dank dafür, daß er ihr überhaupt die Möglichkeit verschafft hatte, so heute hier mit dieser Gelassenheit kämpfen zu können; im Stillen widmete sie ihrem früheren Lehrer diese Augenblicke.
"Es war… eine sehr schöne Erfahrung, mit Eurem reinen Geist zu streiten, Knappin.“
"Danke, Sir."

Verfasst: Mittwoch 11. November 2009, 16:41
von Darna von Hohenfels
Violas Erkundung
Über die hügeligen Acker- und Wildwiesenflächen hinweg gab es wenig Waldgebiete. Ein Bereich, wo die Bäume dichter standen, war merklich eine Erkundung nicht wert. Diesen größeren Knick hätte man nicht mal Wäldchen nennen können. Ein Waldgebiet gab es aber, das sogar so wirkte, als würde es nicht täglich dazu genutzt, den täglichen Kleinbedarf an Holz für die Dorfbewohner zu stillen. Und wenn, dann nur am Rand. Forstwirtschaftlich gepflegt wurde es offensichtlich auch nicht. Es war fast überraschend und unheimlich, wie schnell nach dem Randbereich dichter Moosbewuchs zunahm, alte Bäume umgestürzt von neuem Dickicht überwuchert wurden und die regenschwangere Luft würziger nach Waldmeister, Taubnessel und dutzenden Waldkräutern und verfaulendem Laub roch.
Es wäre idyllisch geblieben... wäre inmitten dieses scheinbar urtümlichen Fleckens nicht die Ruine einer Holzhütte gewesen, deren blanker Anblick einem schon leicht Schauder über die Haut jagte. Das musste hier so schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten so stehen. Es wirkte zugewuchert und vermittelte doch den Eindruck, als traue sich die Natur nicht, das Haus gänzlich wieder für sich einzunehmen. Die Tür musste eingetreten worden sein, die moosbewachsenen Reste hingen noch nach innen in den Angeln. Jeder Fußdruck Violas blieb deutlich sichtbar im Untergrund zurück, füllte sich mit ein wenig Wasser und hielt gleichzeitig vor Augen, daß hier sonst keinerlei Spuren waren. Nicht mal Reh oder Wildschwein hatten sich mindestens seit Tagen her getraut, und erst recht kein Mensch.
Flechten hingen vom Dach wie ein ausgefranstes tropfendes Trauertuch. Die dunklen Fensteröffnungen klafften wie Zahnlücken im Holz. Die Wände waren teils beschädigt, schon seit langem - irgendwer hatte diese Hütte einreißen wollen, es aus irgend welchen Gründen aber nicht beendet.

Drinnen - so Viola sich an eine weitere Erkundung traute - bot sich ein ähnliches Bild bei der Einrichtung. Es roch ein wenig muffig, jedoch mehr durch die Waldluft, als durch vergammelndes Inventar. Ein schmales Bett, dessen einst mit Laub gestopfte Matratze längst anderen Lebewesen als Heimstatt diente. Eine alte Feuerstelle, das Eisengestell, das zum Kochen gedient hatte, war durch den Raum geworfen und lag verbogen in einer Ecke. An den Balken oben hingen Reste von Schnüren, an denen Kräuter aufgehängt worden waren, auch hier war zu erkennen, daß jemand versucht hatte, solche von dort herunterzureißen. Zwei der Schnüre waren inzwischen sogar schon dafür verwendet worden, zwei Vogelnestern als Aufhängung zu dienen. Erstaunlich wenige Spinnweben gab es hier - sicher, sie waren vorhanden, aber sie behinderten nirgendwo ein Vorwärtskommen, sondern hielten sich freundlicherweise stilvoll in schwer erreichbaren Ecken. Auch ein verlassenes Wespennest hing hier drin.
So verlockend es schien, es hatte sich offenbar niemand getraut, diesen Ort in irgend einer Weise weiter zu nutzen, und sei es nur durch Kinder zum Versteck spielen. So weit lag dieser Platz gar nicht von Elbenau entfernt, daß er nicht bekannt sein konnte. Bestimmt rankten sich irgendwelche Schauergeschichten um die Stätte... das fiel leicht. Es lag eine seltsame Stimmung in der Luft, auch wenn sie nicht bedrohlich wirkte. Wollte man der hölzernen Ruine überhaupt irgend eine Art von Intention unterstellen...
so schien sie zu warten.

Verfasst: Donnerstag 12. November 2009, 07:29
von Adrian von Hohenfels
Nachdenklich hatte er auf die sich schließende Tür geblickt und verweilte noch einen Augenblick in der Bibliothek. Es war besprochen, für ihn aus der Welt geschafft und doch ahnte er, dass es deshalb für Darna noch lang nicht der Fall sein würde. Dennoch, er hatte Viola gestattet, sich frei zu bewegen, Darna hierin das Mitspracherecht gar vorenthaltend und das in jenem Haus, dass so viel deutlicher ihr Daheim bedeutete als das seine. In einer ruhigen Minute würde er mit Darna hierüber sprechen. Man konnte gewiss davon ausgehen, dass es diese hier geben würde, selbst in Anwesenheit Luca's, Viola's und Cyrion's. Wenigstens bereitete Hudgarr keine sorgenvollen Gedanken, er war sein übliches selbst. Stets ein wenig zu zügeln hier und da aber so von Loyalität überquellend, dass er gewiss nicht zu einem Problem werden würde.

Viola selbst schien das größte Problem derzeit darzustellen, insbesondere in Verbindung mit Darna. Zwei starke Frauen, und das waren sie beide zweifellos, die mit ihren Ansichten derart kollidierten, konnten ganze Festungen zum Einsturz bringen, wenn man sie liess. Sollte er sich Sorgen machen, dass er Viola gar ein wenig verstand? Der Fakt, der in Verbindung mit ihrer bemühten Entschuldigung zur Revidierung ihres Hausarrestes führte. Wenn ihm etwas hieran mit Sorge erfüllte, dann dass es jener Teil in ihm war, der durch seine Gefangenschaft in Rahal so eindeutige Stärkung gefunden hatte. Möglicherweise war er daher bemüht besondere Strenge mit ihr zu halten, in Einklang mit Darna's Ansichten.

Gedankenversunken hatte er die Bibliothek verlassen und war einfach durch die Gänge geschlendert, hier und da ein höfliches Lächeln einer Bediensteten auffangend, sah er sich einfach ein wenig um. Es war das Heim, dass er erwartet hatte. Ein recht schlichter und doch alles aussagender Gedanke. Es war wohl eher Zufall, dass Darna und er sich hierbei nicht über den Weg liefen, doch letztlich landete auch er an jenem Altar, an welchem Darna ihr Morgengebet gesprochen hatte. Möglicherweise konnte es zu Bedienstetengerede verkommen, dass er hierbei sehr wohl gesichtet wurde, wie er sich angemessen vor jenem Altar verneigte und gewiss auch kurz verharrte, jedoch ebenso eindeutig kein Gebet sprach, der Herr Onkel des Königs, Gatte einer Paladin der Temora, seltsame Dinge über die zu tuscheln es vielleicht Wert war. Er vollzog keinen Gedanken hieran.

Das Waffenklirren zog schließlich eindeutig seine Aufmerksamkeit auf sich. Sollte es zu Schwierigkeiten gekommen sein? Er gesellte sich zu den Schaulustigen und konnte sich eines Schmunzelns nicht erwehren. Wenn man dies als Schwierigkeit bezeichnen wollte, dann war es gewiss eines für Darna's Bruder, wenngleich er ein unbestreitbar fähiger Kämpfer war, er würde gewiss schnell erkennen, dass man Darna besser niemals unterschätzte. Adrian liess den Blick etwas über die Zuschauenden schweifen und so blieb eben dieser Blick etwas länger auf dem Stallmeister hängen. Etwas an dessen Blick zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Die Art wie er auf Darna blickte. Für einen Augenblick war er geneigt, jenen Mann einfach in ein Gespräch zu verwickeln, herauszufinden in welcher Weise die beiden möglicherweise mal zueinander gestanden hatten. Nein es war keine Eifersucht in diesem Gedanken, schlichte Neugier. Er unterliess es. Zum einen, aus dem Gedanken heraus, dass er dem Hause Elbenau keinen fähigen Stallmeister schuldig sein wollte, indem er dem guten Mann einen Herzschlag versetzte, da ihn der Onkel des Königs ansprach. Zum anderen zog Luca, der soeben neben ihm aufgetaucht war, seine Aufmerksamkeit auf sich. Ebenso der Gedanke an eine Tatsache, ein Versprechen, dass er einmal gegeben und bis heute nicht einmal eingelöst hatte.

"Sieh dir den Kampf genau an Luca, studiere die Bewegungen, Finten und Hiebe. Zwei sehr fähige Kämpfer, du kannst auch durch Beobachtungen viel lernen. Wenn der Kampf vorüber ist, schau ob du uns Trainingsausrüstungen beschaffen kannst. Ich denke wir haben hier genug Ruhe, uns mit deiner Ausbildung zu befassen." Er zweifelte nicht einen Moment, dass Luca sehr schnell derlei besorgt haben würde. Vermutlich würde er fünf Minuten nach dem Kampf freudestrahlend mit entsprechenden Ausrüstungen vor ihm stehen.

Verfasst: Donnerstag 12. November 2009, 16:19
von Hudgarr Stolzenfels
Hudgarr hörte unter seinem Baum schlummernd das Klirren der Schwerter.
Er sauste so schnell er konnte zum Anwesen und bog mit gezogenem Schwert und Schild in den Händen um eine Ecke, als er die vielen Schaulustigen samt Darna und ihrem Bruder sah.
Schnaufend hielt er inne und scheidete sein Schwert, stützte sich dann auf sein Schild und schaute dem Übungskampf zu. Es dauerte einige Zeit bis er sich wieder aufrichten konnte, da er die gut 300 meter von seinem Baum aus in voller Rüstung gerannt war, nur den Helm hatte er nicht aufgehabt.
Er schulterte das Schild und ging zu Adrian, schaute ihn vorwurfsvoll an und fragte ihn ob solche sachen nicht vorher den Leibwächtern bekanntgegeben werden könne, da sich diese sonst sorgen würden.

Verfasst: Donnerstag 12. November 2009, 16:59
von Adrian von Hohenfels
War er noch überrascht beim Anblick Hudgarr's, musste er auf dessen Bemerkung hin auflachen. Soviel zu seinen Gedankengängen, er müsse sich nicht um Hudgarr sorgen. Kurz war er versucht unter weiterem Gelächter nach einem Heiler zu rufen, sein Leibwächter ersticke, aus Fürsorge und Bemühen zur Errettung der edlen Dame. Er verkniff es sich. Dass sein Humor bei Darna's Eltern nicht immer so ankam wie er gemeint war, das war bereits ein Teil seiner Erfahrung. Ihren Bruder vermochte er noch nicht einzuschätzen, und man musste es sich nicht mit der gesamten Familie verscherzen.

Mit einem deutlichen Schmunzeln klopfte er Hudgarr auf die Schulter und bemerkte leise, mit einem deutlich neckischen Unterton: "Du hast Mylady's Prüfung bestanden. Weitere Einwände über ihre neuesten Weckmethoden erläutere am besten direkt mit ihr."

Verfasst: Donnerstag 12. November 2009, 19:28
von Viola Ser´Rhal
Als sie die Hütte betreten hatte, war es beinahe so, als ob irgendwo in ihrem Kopf ein Schalter umgelegt wurde und sie sich gut fünf Jahre zurückversetzt sah. Damals hatte sie in einem Waldstück kurz hinter der Reichsgrenze eine ähnliche Hütte gefunden, sie war verrottet, verlassen und heruntergekommen und Viola hatte aus der Bruchbude ein Heim geschaffen … ein Heim dass sie zwei Jahre später niederbrennen musste, damit die Hütte niemals in die Fänge Rahals fallen konnte. Und nun war da diese Hütte, die so ähnlich wirkte und doch … anders war. Viola konnte das Gefühl nicht genau bestimmen, aber irgendetwas gefiel ihr ganz und gar nicht, es war, als ob sie jemand oder etwas beobachtete und sie gleichzeitig spüren lassen wollte, dass sie hier nicht erwünscht war. Der Drang sich in dem verrotteten Haus selbst länger umzusehen, wurde immer mehr im Keim erstickt und so war sie letztendlich froh, als sie die Türe hinter ihr schloss und wieder ins Freie hinaus treten konnte. Doch so unheimlich dieser Ort auch war, Violas Neugier war geweckt, es musste einfach Leute geben, die ihr etwas über das Haus sagen konnten und so machte sie sich nicht auf den Weg zurück, sondern direkt ins Dorf.

Stunden später hatte Viola alles erfahren, was sie wissen musste, auch wenn die Qualität des Erfahrenen durchaus variierte; so hatten vor allem die jüngeren im Dorf ihr gesagt, dass es ein verwunschener Ort sei und dort eine böse alte Hexe leben würde, welche einen fressen würde … natürlich. Von den älteren Bewohnern hatte sie nur gehört, dass etwas mit dem Ort nicht zu stimmen schien. Erst als eine ältere Frau (Viola hätte sie eher als bereits tot eingeordnet) von dem Gespräch Wind bekommen hatte, schien alles in eine etwas konkretere Richtung zu gehen. Eine Hexe hätte dort früher gelebt, welche nun tot und verbrannt sei und selbst heute würde ihre dunkle Präsenz noch in dem Haus vorhanden sein. Ganz interessant war dann jedoch noch der Zusatz, das all dies vor über 20 Jahren stattgefunden haben soll und dass ein Kind die Hexe entlarvt haben soll … niemand Geringeres als „die Freiherrin selbst“, Darna, und damit ging Viola auch langsam ein Licht auf. Sie hatte bereits früher davon gehört, die Geschichte wie Darna das Leben einer sogenannten „Hexe“ auf dem Gewissen hatte und diese sie verfluchte … was einer der Gründe gewesen sein sollte, weswegen sie zu einem Eisblock in Sachen Gefühlen mutiert war. Viola wusste nie so wirklich, wie viel davon sie wirklich glauben sollte, denn Hexen gab es nicht. Es gab Magier, ja, und die waren schlimm genug, aber Hexen waren die Kreationen von Ammenmärchen und Lügereien gepaart mit Panikmache … und Viola hatte früher immer öfters den Gedanken gehabt, dass Darnas „Fluch“ vielleicht nur entstanden war, weil sie sich so etwas als Kind eingeredet hatte, aber jetzt wo sie in der Hütte selbst gewesen war, war sie sich längst nicht mehr so sicher. Vielleicht war diese „Hexe“ ja eine Arkoritherin gewesen, oder eine Rabensfrau? Es warf auf jedenfalls ein neues Licht auf die Hütte und ließ Viola auch nachdenklich werden, in einer Art und Weise die ihr im ersten Moment gar nicht so gefiel, die sie weicher werden ließ in manchen Gedanken.

Ein tiefer Seufzer später hatte sie sich bei der alten Dame bedankt und hatte sich wieder auf den Weg zurück gemacht; es würde vielleicht bald an der Zeit sein, eine gewisse Sturheit aufzugeben ….. oder wenigstens schwächeln zu lassen.

Verfasst: Donnerstag 12. November 2009, 20:50
von Cyrion Sha´Ar
Zu den Beobachtern des Kampfes gesellte sich auch Cyrion und schaute recht neugierig über die Köpfe der anderen hinweg. Der meisten andern. Ein paar waren auch seiner Grösse, aber es kam nicht häufig vor. Der einzige, der ihn noch überragte, war der Vogel auf seiner Schulter und der hatte unfaire Hilfe; seine eigenen Gestalt. Interessiert blickte er den Kämpfenden zu, sah Unterschiede, sah Ähnlichkeiten. Fliessende Bewegungen, klingende Schwerter. Interessierte Beobachter um ihn herum, die leise vor sich hinmurmelten, Kommentare von sich gaben. Er hörte mit einem Ohr hin, bemerkte es auch, als jemand ihn ansah und erschrocken japste ob des Raben. Hörte die Kommentare dazu und war sich bewusst, wie sich die Leute vor ihm etwas zurück zogen. Dinge, die er hinnahm, ohne die Miene zu verziehen. Er war es gewohnt. Ungewöhnliche Augenfarbe, hohe Statur, ungewöhnlich langes schwarzes Haar. Die Insignien seiner Familie... Und dann natürlich der Rabe. Das er heute blaugraue Kleidung trug war egal. Der Mann, der ein Rabendiener sein musste... oder etwas ähnliches. Bestimmt nichts gutes. Wie konnte er ein Leibwächter sein? Und der Rabe erst! Er war so gross, grösser als alle anderen, die man gesehen hatte. Aye... Ein Kolkrabe, Handgezogen. Natürlich war 'sie' gross. Und der riesige Schnabel! Aye. Es war ein Kolkrabe auch bekannt als Edelrabe. Dinge, die ihm träge, mehr gefühlt als gedacht, durch den Kopf gingen, während er ruhig, die Arme verschränkt, über den Platz blickte, den Blick auch mal schweifen liess.
Er hielt ausschau. Nach wem oder was wusste er nicht. Bewegungen, die bei ihm die Alarmglocken läuten liessen. Gesichtsausdrücke. Gegenstände, die hier nichts zu suchen hatten... Er wusste nicht, ob die Familie oder insbesondere Darna Feinde hatte im Umkreis. Oder auch bei benachbarten Edelleuten und Adligen. Ein Zwist mit einer anderen Familie... Spione, die in Erfahrung gebracht hatten, das Darna zurück war... Was ein Schlag gegen die Familie, wenn ihr Stolz ermordet werden würde.
Unwahrscheinlich. Denn dieser Stolz war mit der Königsfamilie verheiratet. Aber wenn man sich sicher war, das man damit davon kommen konnte?
Er hatte sowas schon gesehen. Neid, Hass, Gier... verletzter Stolz... Rachsucht. Und schon wurde die Tochter des Hauses, die Braut des Mannes, mit dessen Familie man eine Allianz einzugehen wünschte, am Tag ihrer Hochzeit ermordet. Zu dumm für den Auftraggeber, das man den Mörder erkannt hatte und man ihm hatte folgen können auf seiner Flucht.
War dort gewesen, hatte es gesehen und Narben wie Andenken mitgebracht. Es würde nicht wieder passieren. Und dies hier... Die Beobachter, die aufgeregt zuguckten - vermutlich laut Beifall geben würden, sobald der Kampf vorbei war. Die Aufmerksamkeit aller auf den Kämpfenden. Die Rüstung beschützte sie beide, aber sie würden sie sicher abnehmen, sobald der Kampf vorbei war. Und dann war es laut, sie schutzlos... Und er der Leibwächter eigentlich an der falschen Stelle. Er musste näher an die Beiden heran.
Wieder schweifte sein Blick, auf der Suche nach einem Weg durch die Menge, die sich inzwischen angesammelt hatte. Sein Blick erfasste Adrian... Und Hudgarr, der neben ihm stand und keuchte. Er richtete sich gerade auf, bewegte die Schultern und blickte etwas missmutig drein. Ein Lächeln zeigte sich auf seinen Zügen, als er die Rüstung sah. Aye er war schneller hier gewsen, als Cyrion. Aber Cyrion war auch weiter weg gewesen, kam von einem weiteren Spaziergang zurück.
Leichthin blickte er auf seinen Raben. Sollte er...? Die Gelegenheit war günstig. Er könnte es so darstellen, das der Rabe vielleicht einfach zu Adrian wollte und Hudgarr als Zwischenlandeplatz nutzte - ihn hatte der Vogel ja nun auch kennengelernt. Ein Mundwinkel kräuselte sich hoch, dann der Zweite. Aye... Zeit für Hudgarr, sich an eine Rabendame zu gewöhnen und dieses lästige dumme Getue um den Vogel abzulegen. Leise raunte er dem Vogel zu, zu Hudgarr zu fliegen und deutete mit einem ausgestreckten Arm zu den beiden Männern herüber. Stumm hüpfte der Vogel in die Luft, die Schwingen ausbreitend und flog mit schweren dumpf klingenden Schlägen über die Köpfe einiger überraschter Leute hinweg gen den Beiden, worauf hin Cyr seinen Arm sofort wieder sinken liess. Die Miene wieder nichts sagend, bewegte er sich um die Leute herum, manche von ihnen dem Vogel nun nachsehend, gen Adrian, um näher zu Darna zu sein. Er würde sehen, wie dem älteren Mann dies schmecken würde. Wenn er nach ihr schlagen würde, konnte die gute immer noch wegfliegen... oder zu Adrian hüpfen. Ein Schmunzeln zeigte sich auf seinen Zügen. Das würde interessant werden.

Verfasst: Donnerstag 12. November 2009, 23:44
von Ira Lisarias
Hausarrest! Und das von Leah. Wegen Kleinigkeiten. Murrend hockte sie vor Einohr der sie mit großen Augen ansah. Wieder erhob sie eine Wurst aus der Tasche und der Hund hechelte begeistert. Würde sie so weiter machen, er würde Luca nie wieder ansehen. Eine gerechte Strafe, das er sich nicht mal meldete, oder Viola sagte sie solle etwas schreiben. Trotzig murrte die Junge Frau, kraulte dem Hund über Kopf und Hals, starrte gelangweilt aus dem Fenster und reichte dem schmatzenden Einohr noch eine Wurst.

Verfasst: Freitag 13. November 2009, 00:15
von Darna von Hohenfels
Der Kampf wurde anstrengend, aber sie genoß es; ließ immer mehr los, je länger er dauerte und je mehr sie vertrauen lernte, daß ihr Bruder jegliche Ausbildung genossen und verinnerlicht hatte, die einem guten Kämpfer anzuempfehlen war. Sie konnte sich entspannen, hinterhältige Attacken brauchte sie nicht fürchten, jede Unachtsamkeit jedoch würde sie ganz klar den Sieg kosten, das stand fest. Das hier war kein Spiel. Nein... besser gesagt: keine Spielerei.
Sie genoß es. Und man musste es ihr stellenweise anmerken, denn für einen Moment, als sie sich wieder ins Gesicht sahen, musste Veltin lächeln und empfand offenbar ähnlich. Sie grinsten einander herzlich an und legten noch einen Zahn zu, mussten gar dabei lachen, als sie sich in einer Attackeserie über den Platz jagten, erst Darna Veltin, dann er sie, und sich die Zuschauer anspannten, als es für sie geradewegs rückwärts auf die Pferdetränke zuging - nein, Darna rammte einen Schritt vor der sicherlich amüsanten Katastrophe die Hacke in den Boden und zwang Veltin, von der Seite zuzuschlagen, so daß sie seitlich ausbrechen konnte. Kurz belauerten sie einander neu, die Waffen schwiegen, und man hörte Darnas Stimme: "Du solltest dir das schadenfrohe Grinsen verkneifen, Bruder Sir... es warnt." Veltin lachte nur herzlich und sie stimmte mit ein. Weiter ging's.

Ein leichtes Stechen in der Seite, aber sie gedachte nicht daran, aufzuhören. Ihr Blick fiel auf die Halskette, die unter seiner Rüstung kurz hochwippend erkennbar wurde und wusste, er trug sein Ritteramulett - wie nicht anders zu erwarten. Inzwischen schnaufte er ganz schön... soweit man trainierten Leuten, die auch bei Hochleistung ihren Atem zu kontrollieren wussten, Schnaufen unterstellen konnte. "Er kann weitere Kraft aufbringen", kalkulierte ein Teil ihrer Gedanken nüchtern. Etwas, was in einem Kampf den entscheidenden Vorteil bringen konnte, den Sieg. "Kann ich auch... und dann bin ich ihm über. Deutlich über." Ihre Miene war unwillkürlich ernster geworden, während sie wieder einen Schlag von ihm blockte und instinktiv die nächste Lücke suchte. "Nein, musst du nicht. Wirst du nicht. Und wird er nicht. Er wird sie nicht einsetzen. Das ließe an seiner Ehre zweifeln. Und ich brauch es nicht. Ich brauch nicht gewinnen, herrje... Ich hab ihn in genug Dingen übertrumpft, ich brauch ihn nicht auch noch auf offenem Platz in den Boden stampfen..."
Sie führte die nächsten Hiebe, die Gedanken lenkten sie ab und es kam wenige Momente eine gewisse Unsicherheit in ihrer beider Bewegungsabfolgen, dann setzte sie wieder mit klarerer Struktur nach. "Nein, mach ruhig, Bruderherz, aber einfach gewinnen lass ich dich auch nicht..." Weiteres Durchatmen. Die Bewegungen locker, schwungvoll. "Herrin, ich genieße es. Ich danke dir für diesen Tag. Im Lichte deiner Gerechtigkeit..."

Ein dunkler Schatten flog über sie hinweg, und was immer es war, durch die umstehende Menge ging ein aufgeschreckter Ruf. Irgendwas war los.
Ein paar Leute hatten Cyrions Raben bisher schon registriert, und die seltsamsten Deutungen machten ihre Runde... denn daß er auch der Leibwächter des gräflichen Paares war, war nicht minder bekannt, und es passte nur schwer zusammen. Daß man die beiden kaum darauf würde hinweisen müssen, daß ihr Leibwächter einen Vogel hatte, der als Unglückstier und Symbol des Totendämons galt, war schnell allen bewusst. Aber wie passte es dann? Hatte die Paladin selbst einen Rabendiener bekehrt, dem sie nun traute? Das war eine Möglichkeit. Für manche war Kra'thor auch so fern genug, daß ein Rabe in ihren Augen fast ein Vogel war wie jeder andere auch. Ein zahmes Tier also, na gut. Andere deuteten mit ihrem Halbwissen, daß die Herrin Temora ja den Dämon unterworfen hatte und vielleicht gäbe es also... äh, "gute" Rabendiener? Darüber wurde schon eher gestritten.
Manche hatten den Raben bislang auch schlicht nicht gesehen und erschraken nun einfach über den Tiefflug des recht großen Tieres, das man nicht hatte kommen sehen. So gab es eine Geräuschkulisse aus überraschten Lauten unterschiedlicher Intention.

Darna behielt Veltin im Auge, denn sie konnte sich nicht blindlings darauf verlassen, daß er genauso den Schlag abbrechen würde wie sie. Er dachte jedoch ganz ähnlich und so entstand eine unwillkürliche Pause. Drohte Gefahr? Darna lauschte, weniger nach dem Vogel, nachdem sie nun doch kurz schielte, als mehr nach diesem unbewussten Kribbeln im Nacken, das sich in Momenten der Bedrohung meist einstellte...
"...um meine Augen zu öffnen für alles, was wahr ist." Der Rabe war keine Gefahr. Aber etwas war in ihrem Rücken. Etwas drängte sich in ihre Wahrnehmung. "...Mitgefühl und Opferbereitschaft geschehen werden und mir zuteil werden..."
Ein Schmerz jagte sich in ihren Rücken. Es war so unwirklich, wie es auch weh tat. Sie wusste irgendwie, daß es hier nicht um sie ging, trotzdem sackte sie mit empfindend nach vorne auf ein Knie wie tödlich getroffen. "...denn Temora, meine Herrin ist bei mir."
Nein. Nicht auch noch Rabeya. Es klang so tröstlich und warm, so wie sie Aradans Tod erlebte, Viviannes, eine Gewissheit, die sie so fürchterlich gut kannte... Für einige Momente merkte sie nicht, was um sie herum alles geschah und welchen Eindruck es erweckte:
Eben hatten sie und Veltin noch gelöst miteinander gekämpft, als plötzlich ein Rabe dicht über die beiden Kämpfenden hinweg flog, und sie hatten inne gehalten, schienen abgelenkt, als dann auf einmal Darna kreidebleich werdend wie nach einem tödlichen Dolchstoß in den Rücken nach vorne auf die Knie gesackt war, nahezu lautlos etwas murmelnd, und nun mit glasigem Blick und teils zittrigen Gliedern da hockte...

Verfasst: Freitag 13. November 2009, 06:32
von Adrian von Hohenfels
Gäbe es einen Einblick in die Gedankenwelt der Raben, oder eher eines sehr bestimmten Rabenweibchens, es könnte in diesem Augenblick derlei gestaltet sein:

"Die Richtung... gut, wie der Futtergeber möchte... großes Zweibein.. harte Oberfläche... großes Zweibein.. Glanzkopf, Glanzkopf.. will zu Glanzkopf... Glaanzkopf."

Adrian sah den Schatten noch kommen, seufzte innerlich auf, ahnend dass es ihn treffen würde. Konnte Cyrion seinen Raben nicht einmal unter Kontrolle halten?

Schon im nächsten Augenblick fielen zwei Begebenheiten zusammen. Darna ging in die Knie und natürlich war seine erste Reaktion sofort zu ihr zu wollen. Dann landete dieser elendige Rabe auf seinem Kopf und allen jenen die in Unkenntnis um diesen Raben standen, was hier wohl jeder ausser Cyrion sein durfte, musste denken er wurde im selben Augenblick, da Darna etwas zugestossen war, einen Angriff auf ihn starten, zauselte das Federvieh doch fröhlich in seinem Haar herum.

"CYRION! Ruf diesen Vogel zurück!" Er suchte selbst das Tier noch zu verscheuchen, nicht wirklich auf Hudggar's Reaktionen achtend. Er konnte wohl ahnen dass dieser sehr angriffslustig reagieren könnte, er vertraute einfach darauf, dass Hudgarr nicht aus Intention diesen Vogel loszuwerden ein Schwert in seines Herrn Schädel schlug... erleichtert nahm er noch wahr, dass der Vogel von ihm abliess. Ohne darauf zu achten, wo er verblieb, eilte er zu Darna, besorgt neben ihr knieend. Er war in diesem Augenblick nicht der einzige. Natürlich hatten ihre Eltern und ihr Bruder ebenso reagiert. Sie schien unverletzt. Zumindestens er vermochte wohl zu erahnen, dass es einen höheren Grund haben musste.. "Was ist geschehen?" Seine Worte klangen ruhig, Beruhigung zu schaffen suchend, wo um ihn herum Aufregung herrschte, während er bemüht war Darna Halt zu geben.

Verfasst: Freitag 13. November 2009, 06:49
von Hudgarr Stolzenfels
In dem Moment als Darna in die Hocke ging, was nicht zum Kampfgeschehen passte war Hudgarr auch schon auf dem Weg zu ihr.
Den Raben hatte er wahrgenommen aber nicht als Bedrohung, etwas anderes schien sie zu bedrohen, aber Hudgarr wuste nicht was. Er wollte nur so schnell wie möglich zwischen Darna und die Gefahr kommen.
Er hatte kaum mitbekommen das der dumme Vogel auf Adrian nisten wollte, doch war er froh als Adrian hinter ihm bei Darna kniete, während Hudgarr ihren freien Rücken deckte.

Verfasst: Freitag 13. November 2009, 16:31
von Vallas Amarth
Schweigend mit einer Münze in der Hand, die immer wieder über die Finger rollte blickte er durch die bunten Fenster seiner Kapitäns Käjüte auf das Hafenbecken La Cabezas. Wie verlockend war die Gewissheit das Graf und Gräfin durch das Gewässer schrecklicher Piraten mussten. Welch ein Einfaches wäre es gewesen mit Hilfe der dämoischen Sirenen einen Angriff auf den Konvoi zu starten. Bei Sturm und schlechter Sicht mit drei der Enterschiffe die drei Schiffe anzugreifen. Freiheit, Demut und Gezeiten welch lächerliche Namen für drei stolze Schiffe des Grafens.

Sein Blick fiel auf die Pergamente die er aus Drachenfels und Elbenau erhalten hatte. Das Netzwerk auf Spionen die der Bruderschaft der Küste die Treue geschworen hatten funktionierte Tadellos. Wenn man sich auf etwas verlassen konnte war es die Bedürftigkeit und Armut jeder vom Adel geführten Bevölkerung. Es gab immer mal jemanden der für ein paar Münzlinge Haus und Hof verriet.

Vorteil kam es Vallas über die Lippen. Wo liegt mein Vorteil? Viele Scenarien gingen ihm durch den Kopf aber die grundlegende Situation war die gleiche. Er hatte es seinem Onkel versprochen, er hatte seinen Einfluss als Herr der Insel gebraucht um die Bukaniere um die Gewässer Elbenaus und Drachenfels zurückzupfeifen. Sei es durch Bestechung, Furcht oder Gefälligkeit hatte er jeden Schaden von den Schiffen abgewandt. Welche selbstgerecht und mit voller amtlichen Fahnen behangen durch die Gewässer stolzierten. Gott wie er das blut in seinen Adern hasste der Fluch seiner Familie zwang ihn jedoch Wort zu halten. Niemals würde ein Amrth einen anderen Amarth verraten oder gar richten. Und neben Hudgarr war Luzcillas Schwester Darna an Bord. Auch wenn sie nicht das gleiche Blut teilten so war sie doch offiziell von Luu in die Familie aufgenommen worden. Somit war der Sohn der Grafenfamilie zum Teil dem Schutz der Amarths sich gewiss.

Vallas griff zum Federkiel sein Entschluss war gefast. Sobald der Konvoi ablegte und gen Heimat ausfuhr würde man sie gewähren lassen jedoch und das war ihm sehr wichtig sollten sie von dem gönnerhaften Verhalten erfahren. Es soll durch einen niederen Unhold eine Notiz für Graf und Gräfin bereitliegen. Folgendes soll zu lesen sein.

Werter Adrian und Darna,

auf Wunsch eures Leibwächters habe ich mir die Freiheit genommen
eure Reise so angenehm wie möglich zu gestallten. Das heisst keine
Angriffe von Freibeutern oder anderen zur seefahrenden Schurken.
Anbei liegen zwei seltene Dublonen eine für Cousine Darna eine für
ihren liebenswürdigen Sohn. Solltet ihr auf der Rückfahrt die Flagge
meines Volkes sehen so seid euch gewiss das ihr unter unserem
Schutz den Hafen Adorans ohne Probleme ereichen werdet.


gez

Vallas Amarth

So nun durfte El Diabolo nichts von dieser Intrige erfahren. Vallas freute ich dahin weiter über die Pergamente der fernen Reiche. Früher oder später bringen wir dich zu Fall Adrian. Die Münze die auf dne Fingern von Vallas lag drehte sich durch die luft udn wurde jäh aufgefangen. Kopf .... Welch überraschende Wendung lacht Vallas.

Verfasst: Samstag 14. November 2009, 14:54
von Darna von Hohenfels
Mehreres auf dem Platz geriet nachvollziehbarerweise in Bewegung: Veltin, der direkt vor Darna stand, hatte als erstes nach einem Blitzmoment des Sicherns sein Schwert zügig griffbereit neben sich abgelegt, um seine Schwester besorgt an den Oberarmen zu packen. "Darna? Bist du verletzt?" Sie schien ihn nicht zu hören. Rasche kontrollierende Blicke ließen nirgendwo austretendes Blut erkennen. Er zog mit den Zähnen den Handschuh ab und legte die Hand an ihre Wange und den erreichbaren Ansatz ihrer Stirn. Warm, verschwitzt, aber nach dem Kampf kein Wunder. Sie schien auf die Berührungen endlich etwas zu reagieren... "Bist du verletzt?"
Im dämmrigen Zustand registrierte ein Fitzel ihrer Gedanken, daß das wenigstens eine klare Frage war, und so hörte Veltin ein vermurmeltes "Nein", was zwar die Verwirrung nur verstärkte, aber ihn dazu brachte, seine Aufmerksamkeit halbwegs von ihr zu lösen und die Umgebung zu sichern, indem er sein Schwert wieder aufnahm und sich umblickend aufrichtete. Adrian und Hudgarr waren eingetroffen - auch zwei weitere Leute des Hauses, denen er jedoch mit einer ruhigen Geste gebot, etwas zurückzubleiben. Keiner der beiden konnte heilen, das waren bloß Sorge und Neugier.

Adrian hatte im ersten Moment niemand gegen die in seine Haare verliebte Rabendame helfen können. Hudgarr war just schon unterwegs, und aus Höflichkeit und Respekt hatte Adrian nahezu immer eine gewisse Zone von anderthalb Armlängen an Freiraum um sich, dessen Radius nur jemand durchbrach, wenn er dort auch konkret was zu suchen hatte. Allerich war rasch da, vermochte aber auch nicht mehr zu tun, als den Vogel mit Armgefuchtel weiter zu verscheuchen. Murelay erhob sich mit Geflatter wieder in die Luft nach diesem ungnädigen Willkommen und wollte sich auf dem Dachfirst vorne am Haupthaus niederlassen. Diese Ruhe war ihr kaum vergönnt: "Verschwindest du wohl, du böser Vogel!", ließ sich eine matronenhafte Frauenstimme vernehmen und ein engagierter Kochlöffel flog überraschend zielgenau, verfehlte Murelay nur knapp und rutschte scheppernd die Dachschindeln herunter. Fast hätte das herabfallende Küchengerät dort auch noch eine der Mägde, Lena, getroffen, die erschrocken aufquietschte.

Allerich behielt die Ruhe. So sehr er auch besorgt war, daß sich um Darna gleich nur eine Traube bilden würde, war abzusehen, und von der Treppe hatte er den besten Überblick über den Hof. Was immer mit diesem Raben war, er mochte ein Problem darstellen. Oder eine andere Schwierigkeit auftauchen. "Lucas, hol den Bogen!", rief er halblaut besonnen einem der Knechte zu, der ihn öfters bei der Jagd begleitete und erfahrungsgemäß hier am besten damit umgehen konnte.
Wäre Siglinde jünger gewesen, nichts hätte sie wohl von ihrer Tochter gerade fern halten können, doch besonnen und um Sicherheit besorgt blieb auch sie gerade nahe beim Haus und zog sich den kleinen siebenjährigen Clewin heran - er sollte in ihrer Nähe bleiben und auf Geheiß in den Ort laufen und nach den Heilkundigen suchen, sobald die Hausherrin die Notwendigkeit dazu sähe. Ursel, die Besitzerin des Kochlöffels, verschwand daraufhin ins Haus und schleppte die sonst sicher nur störende Lena mit, um Wasser aufzusetzen; rechtzeitig heißes Wasser zu haben, war nie falsch, und wenn es danach bloß für beruhigenden Tee gebraucht wurde. Außerdem war es drinnen hoffentlich sicherer...

Als Cyrion weiter auf dem Weg zu Darna war, bekam er plötzlich doch einen direkten "Gegner": der Stallmeister kam von leicht links und versuchte mit aller fehlenden kämpferischen Ausbildung, sich auf Cyrion zu werfen und ihn umzureißen, bevor er zu Darna käme. Hinrich hatte ihn weit mehr als andere als Gefahr seiner Freundin eingestuft, und ihn schien sonst niemand aufzuhalten.
Veltin, der diese Szene gerade wunderbar vor sich im Blick hatte und sich Cyrion bloß bewaffnet in den Weg hatte stellen wollen, rang dieser Moment einen Gesichtsausdruck deutlicher Verblüffung ab. Bei den Ställen hielt der alte Jakob Hinrichs Knecht Rudger zurück, als der helfend auch hinterherspurten wollte: "Lass das Junge, sonst passiert dir auch noch was!"

Inmitten dieses mehr oder minder chaotischen Hühnerhaufens hätte sich Darna gerade wie zuhause fühlen können, aber sie bekam nicht viel mit. Adrian: "Was ist geschehen?" Die Frage war schon komplizierter. "Rabeya...", erwiderte sie recht leise und etwas lahm, eine sinnierende Pause schloß sich an, bis ein bedauerndes: "Sie ist tot" folgte.

Verfasst: Samstag 14. November 2009, 20:26
von Hudgarr Stolzenfels
Hudgarr dachte zuerst, Darna sei von einer Art Magie angegriffen worden und versuchte sich zwischen sie und den Verursacher zu stellen; wobei er vermutete, dass dieser irgendwo hinter Darna stehen müsse. Er suchte die Umgebung mit den Augen ab, sich so hinter Darna stellend, dass ihr Rücken geschützt war. Adrian und ihre Familie würden sie nun bestimmt genug betüddeln, so dass er sich mehr um den Angreifer kümmern konnte, wo auch immer der war. Aber so sehr er sich auch bemühte, jemanden oder etwas auszumachen, er sah nichts und fühlte auch nichts ungewöhnliches. Angestrengt versuchte er, etwas zu hören, doch da war nichts außer dem Geschnatter der Umstehenden, dann ließen Darnas Worte ihn aufhorchen: „Rabeya“. Momente später, die wie Stunden verstrichen: „sie ist tot“!
Diese Worte waren wie ein Hammerschlag in Hudgarr`s Kopf: „Rabeya? Wer war Rabeya , in unser Gruppe ist keine Rabeya.“ Weder konnte es um Darnas Kind gehen, noch hätte Viola einen zweiten Namen. „Cyrions Vogel heißt auch nicht so, oder?“ Er schaute auf zum Raben, und auch der war noch sehr lebendig. Erleichtert grübelte er weiter. Keiner von Darna`s Familie war ihm als Rabeya vorgestellt worden, aber er kannte den Namen, die Person. Woher nur? Plötzlich stürmte das Bild von Flo in seine Gedanken, wie sie in der Kirche von Varuna aufgebahrt in einem Sarg liegt, und neben ihm und seiner Tochter Fleur steht eine Frau, eine Priesterin, die ihm beigestanden hatte in der schwersten Stunde seines Lebens: Rabeya.
Hudgarr richtete sich auf und stellte sich so hin, dass er als Sichtschutz diente. Erleichterung darüber, dass Darna nichts passiert war und Trauer über den Tod Rabeyas machten sich gleichzeitig in ihm breit, die Sorge was zu Hause nur los war, wie es seiner Tochter gehe, ob sie wohl auf ist? All das stürmte nun auf ihn ein

Verfasst: Samstag 14. November 2009, 20:54
von Cyrion Sha´Ar
Das versteckte Schmunzeln auf seinen Zügen verstarb eines schnellen Todes, als der Vogel über Darna hinwegflog und diese schlichtweg zusammenbrach. Ein Erschrecken, das wie ein Stein in seinem Magen einschlug und dumpfe Kälte mit sich führte. Ein laues Gefühl, welches sich mit akutem Erbleichen auf seinen Zügen deutlich machte. Er hatte doch eben noch gedacht...
Die eingefrorene Gestalt Cyrions sog scharf die Luft ein und bewegte sich Leute rücksichtslos beiseite schiebend nach vorne. Sein Blick, der auf Darna fixiert war, ruckte allerdings irritiert zur Seite, als er Adrians Stimme über den Platz donnern hörte. Der Anblick liess ihn doch für einen Moment innehalten - Adrian kämpfte mit dem Raben, der im Stiele ihres Sohne Ranecken auf seiner Hoheit Kopf gelandet war.
Nicht wichtig...
Er schritt weiter forsch aus, sah, wie der Rabe sich nach einem verblüfften 'Kroak!' wieder durch die Lüfte schwang und aus seinem Sichtfeld nach oben verschwand. Hudgarr und Adrian erreichten Darna vor ihm und auch andere bewegten sich auf die Gefallene zu, während andere, wie ihm schweifende Blicke sagten, sich zurück zogen - vor ihm. Ein bedrückendes Gefühl ermächtigter sich seiner, schwer und düster. Scharf zog er die Luft ein, als er Bestätigung in den plötzlichen Ausruf einer Magd mit darauffolgenden 'Klong' und dem gekränktem 'Korrr' eines gewissen Unglücksvogels fand. Schwere dumpfe Schläge, als der Vogel Momentan durch die Luft flatterte und erneut auf dem Dachfirst landete. Ein Blick zu der Magd, die sich wohl im Hausinnerem sicherer fühlte, kaum das sein Blick äusserst kühl und verbissen in ihre Richtung huschte.
Wieder ging sein Blick nach vorne zu Darna, doch sah er aus dem Augenwinkel von der Seite jemanden auf ihn zu laufen! Seine Fusspitze berührte gerade den Boden, als seine Reflexe einsetzten und er sich knapp zurück katapultierte, aus dem Weg des Mannes heraus, der ihn schlichtweg zu rammen versuchte. Aus dem Schritt gebracht stolperte der Mann an ihm grob vorbei, während ein kollektives Einatmen ringsum Cyrion hörbar wurde, begleitet von einigen erstaunten Japsern ob des Ausweichens im letztem Moment.
Cyrs bleiche Mine legte sich wieder auf Darna - und auf die Schwertspitze, die sich ihm entgegen reckte. Sein Blick wanderte sich verengend und alles andere als freundlich von der Schwertspitze hoch zu dem Schwerthalter.
"Das... ist nicht notwendig." Gab er noch gut vernehmlich, aber leise wieder, während er starr anblickte.
"Das werden wir sehen..." Gab sein Gegenüber ruhig, aber angespannt wieder. An ihm würde er ohne weiteres nicht vorbei kommen. Und wenn er seinen Weg zu Darna erzwingen wollte, würde der ganze Hof sich gegen ihn stellen und Murelay vermutlich erschossen werden. Er konnte ihr nicht mal ein Zeichen zum abhauen geben, weil sie darin wohl Mutter weiss was sehen würden. Ihm war schmerzlich bewusst, wie dies hier aussah. Der Rabe flog über Darna, seine Herrin hinweg und diese brach zusammen. Und dann 'attackierte' er noch seine Hoheit, ihren Mann, den Onkel des Königs.
Und der Herr dieses Vogels... nun, wie der Herr, so das Geschehr. Aberglaube gegen Vernunft... die Vernunft verlor dabei zu oft. Er würde abwarten müssen, etwas, das ihm nicht leicht viel - sein Blut summte ihm in den Ohren.
Leise ausatment und sich zur Entspannung zwingend, liess er den Blick schweifen. Wenn er ihr nicht aufhelfen konnte, vermochte er es vielleicht, den Angreifer zu finden.