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Verfasst: Mittwoch 10. Mai 2017, 18:53
von Adrian Telion
Wie üblich ging Adrian seinen täglichen Wachrundgang in Adoran ab. Heute verweilte er allerdings länger im Hafenviertel, denn sein zusätzlicher Auftrag lautete im Hafen nach den Separatisten zu ermitteln oder zumindest Informationen erhalten zu können.
Er ging sehr sorgfältig diese Aufgabe nach, es wurden ziemlich alle Leute befragt von Hafenmeister über Scheuermänner bis hin zu Fischern, Knechten und selbst Zivilisten, die häufiger dort sich aufhielten.
[img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/hafen66ji3fr7dyu.png[/img]
Der Gardist ging wohl immer wiederholend seine Fragen ab bei den einzelnen Leuten. Die hauptsächlichen Fragen wären wohl:
"Wisst Ihr welche Schiffe, insbesondere alumenische Schiffe nach Euren Eindrücken nach, im Zeitraum Alatner 259 bis Lenzing 260 am Hafen anlegten?"
"Habt Ihr Personen mit den Namen Burkhardt, Alfred, Maralia Kleent in den Häfen gesichtet, mitbekommen dass solche im Hafen aufgekreuzt sind oder meint dass sie zu den Beschreibungen hier passen?"
Die Personenbeschreibungen wurden natürlich mitgenommen und den Passanten nahegelegt wie diese möglich Aussehen werden.
Bei den anliegenden Schiffsbesatzungen, vor allem jene mit regelmäßigen Handelsverkehr, wird zusätzlich sich noch erkundigt, ob vereinzelt oder gar mehrere kreuzende Schiffe in lichtenthaler Gewässern aufgefallen seien, welches oder welche häufig ihren Ankerpunkt wechselten.
Der Gardist forderte nach Passagierlisten, Ladelisten, Unterlagen und mögliche Informationen, so man ihm diese nicht direkt Vorort liefern konnte, sollen sie unverzüglich zum nächst möglichen Zeitpunkt zum Regiment gestellt werden.
Natürlich hatte er nicht vergessen jeden Befragten seine Dankbarkeit zu erweisen, indem er ein Goldsäckchen ihnen in die Hand drückte, damit sie ihre Erinnerungen auch getreu erzählten oder auch seine Forderung nachgehen werden, die gewollten Papiere zum Regiment zu liefern.
Verfasst: Donnerstag 11. Mai 2017, 02:05
von Torjan Eichental
Aufgeweckt wurde er, der nicht richtig schlafen konnte, von Stimmen unten.
Zwei seiner Schülermäderln waren da.
Er überprüfte, was sie an Rüstungen hatten, was an Trankerl.
Die Ruhe ... diese Ruhe schmeckte ihm gar nicht.
Zu oft hatte er es schon erlebet, hier auf Gerimor und noch mehr in den 30 Jahren, die er im Krieg war.
Helisande hatte er auf eine Schwachstelle hingewiesen, doch als er sie - gemeinsam mit seinen beiden Schülerinnen überprüfte - war sie immer noch da.
Beim Sternenvoda! Fand der Haufen von Regiment keinen Schlosser???
Da sie im Hostpital nichts anderes vorfanden als Krüge, stellten sie sie überall auf, um vielleicht einen eventuellen Brand am Dach löschen zu können.
Aber Krüge? Würden die helfen, wenn das ganze Dach brennt?
Sicher nicht.
Miso meinte, sie würde versuchen, was besseres aufzutreiben. Wassertröge oder Wasserkübel.
Hoffentlich rechtzeitig.
Zu sehr lag es dem alten Zausel schon schwer im Magen, dass jene Türen immer noch unversperrt waren und dadurch das Hospital und auch die Stadtstube bedroht war.
"Wasser", murmelte er, während er doch noch entschlummern konnte, nach zwei harten Tagen. "Wasser!"
Verfasst: Donnerstag 11. Mai 2017, 14:23
von Misolia Melanis
Sie stand wieder auf ihrem Balkon, blickte in die eigentlich normale und doch trügerische
Stille des Bauernviertels. Der fahle rote Mond dehnte sich in der Brechung des halb vollen
Rotweinglases als sie durch selbiges mit ihrem noch einzig funktionierendem Auge blickte,
die letzten Tage im Kopfe revue passieren zu lassen.
Vier Tage waren vergangen seid sie das erste Mal bei einer Geburt assistieren durfte.
Zwei wundervolle kleine Geschöpfe, ein Mädchen und ein Junge – hineingeboren in eine
Welt voller Wunder und Schrecken.
Das Wunder der Geburt auf der einen Seite – auf der anderen der Schrecken mit anzusehen,
dass die frisch gebackene Mutter keine zwei Tage später in voller Regiments-Montur von einem
düsteren Ort namens Varuna ins sichere Hospital mit Schmerzen im Bauch überführt wurde.
Eine Stimme sei ihr und anderen in den Kopf gekrochen hies es.
Sie schwenkte ihr Glas und krauste ihre Nase. Sie war nun gut ein halbes Jahr auf dieser Insel
und fiel von einem Topf aus Abenteuern in den nächsten. In diesen sechs Mondläufen hörte sie
allerhand Geschichten und Erzählungen aus erster Hand über Varuna, Alatar, den Westen und
seine Einstellung zum Osten. Politik hier, Götter dort. Es wirkte trotz kleinerer Scharmützel,
von denen sie Wind bekam, recht ausgeglichen. Ein kalter Krieg, bislang.
Und auf einmal war da etwas neues. Eine Faust, schwebend über dieser politisch-religiösen Waage.
Eine Variable mit der Lichtenthal vermutlich nicht gerechnet hatte und das Regiment nach vielen
Patrouillen und Einsätzen am Ende dazu nötigte Orte aufzusuchen an denen sie vermutlicher weise
nichts verloren hatten. Ob diese Suche nach der Nadel im Heuhaufen letztlich noch schlafende Hunde weckte?
Was auch immer die nächsten Tage und Nächte noch bringen würden, die Zeit sich als normaler
Bürger über das wer, wie und was zu echauffieren war vorbei. Keine drei Stundenläufe war es her
seid sie mit Torjan und Sandrani die nahe am Hospitalen liegenden Eingänge zu den Burgmauern
erneut überprüft hatte, sie sich über Bestückungen von Trankbeuteln berieten und wie man sich im
Falle eines Angriffes zu verhalten habe. Wie man das Hospital vor Bränden schützen könnte.
Es waren ernste Gespräche in tiefster Nacht und der alte Mann schien in ihren Augen zurecht besorgt,
hatte er doch einen Teil seines Lebens auf dem Schlachtfeld verbracht. Er hatte recht vielleicht recht
als seine Worte wie ein schwerer Stein auf ihr Gemüt fielen, sie einfach nicht mehr schlafen ließen.
Es war ruhig geworden. Zu ruhig.
Verfasst: Donnerstag 11. Mai 2017, 23:17
von Zahrak Salberg
"Hey, lass mal die Kaluren besuchen gehen!" Denkste, Salberg.. Aus dem Plan wurde eine auferlegte Suche nach einem wild rum streunernden und teils flunkernden Menekaner-Mädchen und daraus wiederrum eine Schlacht um die Wolffenbrücker Brücke. In Echsenleder eine endlos geniale Idee. Aber zum Glück bot sich die Gelegenheit, die deutlich bessere Allianzrüstung anzulegen, während im Berg durch ihn die Situation nördlich des Kalurenreiches propagiert wurde. Baznuk sollte die Kunde bereits erreicht haben, als Zahrak wieder den Berg verlassen und sich erneut dem Regiment angeschlossen hatte. Vor allem der Sumpf war im Auge zu halten, hatte der Baron gesagt. Und er selbst hatte noch angefügt, dass kampfbereite und gewillte Kaluren, die zu entbehren waren, durchaus auch zur Brücke aufschließen konnten. Angesichts der geschätzten 70 Mann starken Gegnertruppe vielleicht nicht all zu unklug.
Die Thyren hatte es bereits gut erwischt. Einige Schwerstverletzte, Myekkar oder so schien tatsächlich am schlechtesten dran zu sein. Seine Clansbrüder hatten ihn noch zu Beginn der Nacht auf einem Schild ins Dorf reintragen müssen. Mochte Temora ihm den Tod ersparen!
Alumener wie wir, sagte Helisande zwischendurch in ihrer Rolle als Oberst. Leute mit ähnlichen Prinzipien und Werten. Hinter sich hörte Zahrak Hochwürden Hohenhain noch sagen, dass die Lichtenthaler Temora nicht für sich alleine gepachtet hätten. Natürlich nicht, aber sollte das bedeuten, dass die Faust im Namen Temoras kämpfte? Das wäre absurd! Doch leider war es nicht die Abscheu gegenüber so viel 'Verrat', die ihn seine Skrupel beim Erschießen der Gegner vergessen ließ. Es war auch nicht die von Rengard angesprochene Loyalität, beziehungsweise der Eifer, den sie sich bei Zahrak noch wünschte. Ein Blick zu Moira, Keylon und Adelena und ein Gedanke an den Rest der Familie, die sich nun um die Zwillinge kümmern müsste, ließ ihn auf der einen Seite wütend grollen, aber auf der anderen Seite auch Kraft schöpfen. Denn endlich stand er wirklich Seite an Seite mit ihnen da vorne und konnte was zum Schutz seiner Familie ausrichten.
Dennoch! Oberstes Gebot, auch für ihn, hieß in den nächsten Stunden: Keine Heldentaten, kein salbergtistischer Leichtsinn und keine persönlichen Präferenzen! Er war zivil da, aber es galt nicht nur die Salbergs und Kronwalden zu schützen, sondern ein ganzes Reich und diesen elenden Verrätern der Herrin und des Reiches die Leviten zu lehren. Sie sollten sich schämen, sich bei so einem Verhalten als loyal und ehrenhaft zu bezeichnen.
Kurz vor Mitternacht beugte Zahrak sich noch ein letztes Mal über seine beiden Kinder und gab ihnen jeweils einen liebevollen Kuss auf die Stirn, ehe er sich wieder aufrichtete. Aries hatte nun alles zu Hause, was sie brauchen könnte und würde, um die Zwei bestens zu versorgen. Nathelia war noch da, falls etwas Medizinisches sein sollte. Und für den Fall, dass Kronwalden Ziel dieser Fehden werden sollte, hatte er Aries genaustens erklärt, was und wen sie wohin mitzunehmen hatte. Es galt, die wehrlosen Familienmitglieder in Sicherheit zu wahren. Adoran würde ihr nächstes Ziel werden, ohne Umwege. Mit dem Gewissen, dass sich seine Cousine gewissenhaft der ungewohnten Aufgabe annehmen würde, verließ Zahrak wieder das Haus seiner Schwester, um zumindest im Sitzen noch ganz kurz auf dem Stuhl einzudösen, bevor er sich mit Moira wieder auf nach Wolffenbrück begeben würde, die Kameraden bei der Wache ablösen. Frisch ausgerüstet, würden sie nun der Dinge harren, die da kommen mochten oder auch nicht...
Verfasst: Donnerstag 11. Mai 2017, 23:55
von Johanna Hohenhain
- "Ich habe Blut an meinen Händen, ohne die Waffe einmal gezogen zu haben."
So hatte sie das Gespräch mit Lady Helisande eingeleitet. Die Priesterin gab ein Bild von Blässe und Entsetzen, ihr Stand die Unzufriedenheit und Auflösung in ihren bernsteinschimmernden Augen geschrieben. Sah ihre Gegenüber wirklich anders aus?
Zwischen den Pferden, zu Dutzend angebunden an Bäume und kräftige Äste, hatte sie sich mit dem Oberst des Lichtenthaler Regimentes zurückgezogen. Passivität, Sorgen, Unbeholfenheit, Desorientierung, Zweifel, innere Konflikte. Es gab so vieles, was neben Wut, neben Angst um die Anverwandten, neben Kampfeseifer an diesem Abend an die Oberfläche gekrochen war. Die Geweihte hatte sich entschieden nicht zur Waffe zu greifen. Sie hatte keine Gewalt wider die Gläubigen Temoras walten lassen und sich stattdessen darauf konzentriert jene zu heilen und zu umsorgen, mit Temoras Segen zu schützen, welche die Exekutive des Herzogtums stellten und gleichzeitig auch ihre Glaubensgemeinde. Es war erschreckend, wie der Abend mit Feuer in Schwingenstein begann und mit einer blutigen Schlacht endete. Beinahe wirkte es einfach sich als Armee gegen das Westreich zu stellen. Doch jetzt, wie es von einigen doch richtig erkannt wurde, stellten sich Soldaten des Königreichs gegen Soldaten des Königreichs, Gläube Temoras gegen Gläubige Temoras. Und einige glaubten, sie würden vorbehaltslos gewinnen. Es wurde von Schiffen berichtet, von gefestigten Lagern im Norden, von Kräften über fünfzig Mann - der Nachschub nicht inbegriffen. Aber aus den Reihen des Regimentes hieß es: "Temora steht auf unserer Seite! Qualität vor Quantität!" Aber Johanna erschlich die Erkenntnis, dass keine der beiden Seiten Temora für sich allein gepachtet hatte. Das, was da passierte, war kein Kampf für Temora, das war einer der Politik, der Adelskonflikte, der Weltlichkeit. Diese Schlacht konnte auch verloren werden. Aber der Anführer der Streitkräfte kannte diese Realität offenbar nicht und Johanna konnte nur mit den Worten des "Todeskommandos" auf den Lippen beobachten, wie die Soldaten aufgeheizt und im Marsch gegen den Norden geführt wurden. Sie wusste nicht, was dort passierte. Nein, Johanna war an der Brücke zurückgeblieben und hatte sich zusammen mit einer recht unerfahren wirkenden Heilerin der Thyren um einen verletzten aus ihrem Volk gekümmert - sei es nur mit wenigen Handgriffen und Worten des Rates. Sie hatte respektiert, dass die Thyren auf die Kräfte vertrauten, die sie anriefen. Es war keine Ablehnung von Temoras Wirken, nein, und das wurde vorbehaltslos akzeptiert. Ob der Thyre seine Verwundungen überleben würde, wusste die Geweihte nicht. Aber sie blieb, bis die rennende Masse an zurückweichenden Regimentlern wieder den Treffpunkt erreichte. Bruchstücke an Gesprächsfetzen erreichten sie, bis es Lyx war, der aus einer kurzen Kriegsgefangenschaft unbeschadet zu ihnen stoß. Sie wartete nicht lange um ihm bereits entgegen zu eilen und in den Schutz der Gruppe zu führen. Die Faust ließ ihn gehen, mit der Botschaft, ein solches Verhalten auch vom Regiment zu erwarten. Da setzten sie die Taktik ihres Flugblattes offensichtlich fort.
Und vielleicht würde sie schon bald greifen. Johanna spürte es... wenn die militärische Führung des Herzogtums weiter so agiert und entscheidet, wie bisher könnten vielleicht bald einige Loyalitäten im Inneren brechen. Und genauso hatte sie es in all ihrer Sorge formuliert...Trotzdem gab es keine Zweifel daran, dass sie so gut es ging die Gemeinde unterstützen und ihr Beistand leisten würde.
Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 03:13
von Arzgeda Tryant
Ein Auge, ein Bein, durchlöcherte Rüstungen und Blut soviel der Boden der Heilerhütte vertragen konnte.
Für einen schwachen Magen war dieser Anblick nichts.
Es war das Werk einer abtrünnigen Armee, selbst ernannten Glücksrittern die sich gegen die Obrigkeit auflehnen. Kerle die der Schamane von Anfang an zu hassen begann. Sie hatten das Rudel geschwächt, seine Brüder und Schwestern attackiert.
Erst als der Abend ins Land zog und die Nacht Einzug hielt, wurde das ehemalige Schwert unruhig und wollte unbedingt auf eigene Faust die Befestigung der Kerle und Weyber erkunden, die dem Rudel so zusetzen konnten.
Doch da war es bereits "schnell komm weg da", "hierher", "scht!", wie sollte sich ein Kerl der über zwei Meter groß war nun noch auf offenem Feld verstecken. Nicht einmal die Dunkelheit konnte ihn retten, so wurde die Flucht ergriffen. In einem Waldstück half der Thyre gerade noch einigen Adoranern in die Nacht zu fliehen, erwischt wurde er trotzdem mitsamt dem alten Torjan.
Einem direkten Kampf gegen mehr als ein halbes Dutzend Krieger konnte er nicht gewinnen und so war dem Geisterrufer von Beginn an klar, er würde mit ihnen gehen.
Doch anstatt in Gefangenschaft zu geraten, begann der Kerl von der abtrünnigen Armee mit Torjan und Arzgeda zu sprechen. Sehr viel offener als es der Thyre zu beginn vermutete. Auch wenn Arzgeda kein Vertreter seines Volkes war um solche Gespräche zu führen, war er doch dort um an Informationen zu gelangen.
Aye und die gab es reichlich!
Wo er in der Halle noch hörte, wie einzelne Claner den Kampf provozierten und die Hand herausforderten und ihren Preis dafür zahlten, konnte der Geisterrufer tatsächlich das Wort mit diesen Kerlen wechseln. Sie schienen schon beinahe der Thyrischen Gastfreundschaft zu entsprechen und erwiesen als zuvorkommend.
- Ein riesiger Zwiespalt tat sich in dem Thyren auf. Am liebsten hätte er den Feldwebel, einem wichtigen Kämpfer, den Kopf mit bloßen Händen vom Hals gerissen. Gerade als er daran dachte was das Beste für das Rudel sei. Da waren sie, die Bilder des Medizinkerls der sein Auge verlor, das Bild des Schwertes dessen Bein schwer verletzt wurde und ihn vermutlich noch einige Zeit an die Felle fesseln würde.
Auf der anderen Seite, bot sich die Chance Dinge zu erfahren und den Stimmen des Rudels Informationen zu beschaffen die so spärlich waren bislang. Trotz geknicktem Stolz, schrieb der Thyre noch in später Nacht ein Schreiben für die Obersten des Rudels und hinterließ die Nachricht in der Halle. Simpel übertragene Schriftzeichen auf Pergamente wurden von Wölfen zu den Hainhütern und der Schwesternschaft geschickt, vermutlich einfach nur, weil der Thyre kurz zuvor von ihnen Warnungen zu diesen Kerlen erhielt.
Nun würde die Zeit zeigen, welchen Einfluss diese Hand haben würde und ob es dem Volk der Thyren mehr als nur Verletzungen kosten wird.
Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 07:29
von Kaleya Auenbacher
Friedlich war der Schlaf des Eisdrachens. Und erholsam wie schon lange nicht mehr. Die Bauarbeiten für das Gildengelände kosteten sie mehr als sie sich vielleicht abverlangen konnte. Sie konnte nicht ahnen was ihr noch bevorstand.
Mit einem genüsslichen Gähnen trollte Kaleya aus dem Bett. Sie war am vorherigen Nachmittag in einen nahezu komatösen Schlaf gesunken und wachte mit dem Morgengrauen recht erholt auf. Zügig wurde eine Katzenwäsche hinter sich gebracht, dann sah sie im Kinderstübchen nach Anneen. Die Kleine döste ganz die Mutter ebenfalls noch vor sich hin und so begab sich Kaleya mit müdem Gewusel die Treppen hinauf zum Kaminzimmer und dem Wohnbereich. In der Küche angekommen wurde dann so allerhand Essen in sich hinein gestopft. Nebenbei ging der Eisblick wie an jedem Morgen aus dem Küchenfenster. Doch etwas war anders. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sich das ihr dargebotene Bild in ihren Geist vorgearbeitet hatte. Sie verschluckte sich beinahe an ihrem Löffel mit Apfelmus und wurde blasser um die Nase, als sie es sowieso schon war. Dann fiel ihr der Löffel aus der Hand und landete neben der Apfelmusschale auf der Küchenplatte.
An dem Gildenhaus standen Palisaden, die Armdick im Durchmesser waren und gute 2oo Fingerbreiten in deren Höhe. Scheinbar diente jemanden die Baustelle als kleine Festung. Als Kaleya einen herannahenden Schatten sah, duckte sie sich und luscherte etwas umständlich hinaus. Schwer bewaffnete Soldaten irrten dort umher und als sie die Rüstungen und die Farben der Wappenröcke sah, gab es keinen Zweifel mehr wer oder was hier Einzug in Junkersteyn gehalten hatte. Das Herz des Eisdrachens hämmerte wie wild und sofort ging sie in Gedanken die Häuser der Siedlung durch. Maire, Ashtar und ihren neuer Nachbar waren oft nicht im Haus, da sie meist unterwegs waren. Veilya war erst neu hier her gezogen und bisher hatte Kaleya sie noch nicht angetroffen. Enid war meistens mit den zahlreichen Arbeiten des Hofes beschäftigt, ebenso wie Jandariel. Zuletzt waren da noch Thea und Endres, die am südlichen Ende der Siedlung ihr Heim hatten. Ein leiser Fluch wurde unterdrückt und dann kroch Kaleya auf allen Vieren aus der Küche, damit man sie von Außen ja nicht zu sehen bekam. Der Apfelmus blieb verwaist in der Küche zurück.
Im Kaminzimmer erhob sich Kaleya wieder und trollte mit todernstem Gesicht auf ihre Lagertruhe zu. Man hatte Kaleya selten so freudlos gesehen, doch nun ging es offenbar um ihrer aller Leben. Und die Blonde war bereit dazu, um ihr Heim und die Siedlung zu verteidigen bis zum Schluss. Sie würden nicht sang- und klanglos untergehen. Kurz zuckte Kaleya als das herausgesuchte Bündel in ihren Händen gedämpft klirrte. Sie hasste das Geräusch des Krieges, das Rasseln der Ketten und das Aufeinanderschlagen von Klingen machte sie schier wahnsinnig. Doch nun hatte sie keine Wahl mehr und so legte sie die alte Kettenrüstung an, die ihr einst Tarek geschmiedet hatte. Mit Degen, Schild und Bogen bewaffnet stapfte sie zum Raum der Träume hinauf und brachte das Zeichen der Hüter des Nordlichts an ihrer Kettenrüstung an. Dann wuselte sie mit schwerem Kettenrasseln begleitet wieder hinunter und bezog Wache an der Tür.
Sie saßen in der Falle wie Mäuse. Doch das hier war ihr Zuhause und sie würden es nicht kampflos aufgeben. Junkersteyn war ein Ort der Ruhe und diese Störenfriede würden mit allen erdenklichen Mitteln vertrieben werden. Für die Freiheit und bei allem Stolz und aller Ehre für das Lichtenthaler Reich.
Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 14:37
von Lucien de Mareaux
„Wir haben alle unsere Entscheidung getroffen.“
„Wir werden alle Ortschaften einnehmen, ein Städtchen nach dem anderen.“
„Noch sind wir von dem Kräfteverhältnis gleichauf. Noch.“
Es war ein aufreibender Abend gewesen und bei der Heimkehr sah ich auch noch einmal nach der Stallung des Klosterdorfs. Auch hier war inzwischen wieder Ruhe eingekehrt. Mit ein wenig Sorge sah ich zum Strohdach hinauf. Es blieb nicht aus, dass das Ding eins der bestbrennbarsten Gebäude hier im Dorf war, also bat ich den Stallknecht das Stroh auf dem Dach möglichst feucht zu halten, ebenso die Holzwände wenigstens mit einer Lehmschicht erst einmal vollzuschmieren, die es schwerer machten, dass ihm die Hütte über dem Kopf wegbrannte, weil die Fäuste vielleicht erneut beschlossen ein Feuerchen zu legen.
Dass er das Heu vor der Stallung lagerte, daran konnte ich vermutlich wenig tun, wies ihn allerdings an, dies etwas weiter abseits zu tun für die nächste Zeit, nicht direkt bei der Stallung und auch nicht direkt in unmittelbarer Nähe der Häuser. Mochte die Wiese schwelen, das war egal.
Danach zog ich noch einmal quer durch das ganze Dorf und sah nach dem Rechten, bevor ich mein eigenes Heim betrat, müde, erschöpft und ausgelaugt. Mein verdammter Hintern tat mir weh von den scharfen Ritten hierher und dorthin, Meldungen weiterreichen in Windeseile. Zu guter Letzt war ich nach der ganzen abendlichen Katastrophe noch in den Sumpf geritten und war regelrecht erleichtert gerade die dort anzutreffen, von der ich wusste, dass sie ein Heim in Junkersteyn gefunden hatte. Ich wies sie darauf hin, dass sie es in der nächsten Zeit möglichst meiden sollte heimzukehren, was sich in oder auch um Junkersteyn tat, und bat darum die anderen zu informieren. Sie wollte dem nachkommen – eine Sorge weniger, eine kleine.
Ich hatte unser Heim inzwischen betreten, nachdem ich nochmal im Stall am Haus bei unseren Tieren nach dem Rechten gesehen hatte, und blieb in meinem eigenen aufgewühlten dezenten Gefühlschaos mitten in der Wohnstube stehen, eine ganze Weile lang, wobei der Blick ohne wirklichen Fokus auf den Kamin gerichtet war. Selbst mein Kopf, der bis hierher durchgängig gearbeitet hatte, wirkte schlagartig wie leergefegt. Nur die Emotionen wirbelten nach wie vor durcheinander, wie im schönsten Sturm.
Ich rang mit mir um meine Loyalität, inzwischen weit mehr als mir selbst geheuer war. Es war nicht so, dass ich derartiges gar nicht kannte. Das galt sowohl für die Loyalität, als auch für das Schwanken. Freunde konnten sich jederzeit auf mich verlassen, das war seit jeher so und daran ließ ich auch nicht rütteln.
Genauso war mir schon immer daran gelegen, einmal in mich gesetztes Vertrauen nicht zu enttäuschen, und es war hier die Frage, weit dieses Vertrauen wirklich ging. Vermutlich wäre ich nicht in dieser Bredouille, hätte der Kanzler mich nicht im Namen des Königs in dieses verflixte Gremium für den Hort gestopft. Denn allein nur deshalb fühlte ich mich schon im Ansatz zur Loyalität verpflichtet. Spann ich den Gedanken weiter, fragte ich mich allerdings, ob damit auch die Loyalität der derzeitigen Führung einherging. Einer Führung, die derzeit so zwiespältig war, wie ich mich fühlte.
Darin zeigte sich aber auch, warum ich gerade denen vertraute, die ich auch Freund nannte, trotz Adel oder mitführende Ämter und Titel. Von der anderen „Partei“ hörte ich nichts als Blutdurst, Säbelrasseln von einem Teil, was auf mich völlig gedankenlos und alles andere als temoragefällig auf mich wirkte, denn dieser Haltung fehlte jede Form des Mitgefühls für Getreuen, die ebenfalls unserem Glauben folgten und mitnichten abtrünnig im Glauben waren, während der zweite Teil sich darin übte das wortwörtliche Bajard zu mimen und gar keine Stellung zu beziehen, und dabei an einer Position hockte, die sich das nicht erlauben durfte und konnte. Etwas, was ich nicht zum ersten Mal bei ihr beobachtete und ich fragte mich inniglich, was Ador mit so einem so nicht vorhandenen Führungswillen wollte. Aber wer war ich schon, dass ich seiner Majestät Intentionen durchschaute, oder gar wusste, welche Hintergedanken er dazu hegte. Er hatte einen wesentlich weiteren Blick auf den ganzen Kuchen, und einzelne Personen in Lichtenthal waren da allenfalls ein Sahneklecks am Rande. Trotzdem waren es genau diese Einzelpersonen, die mich geradezu dahin trieben genau das zu tun, was mir auf Wald und Wiese gesagt wurde, auf dass es später ein zwei Biere zu trinken gab mit einem netten Anekdötchen in einer heimeligen Spelunke.
Dieser Mann hatte in meinen Augen mehr Eier, als …
Ich rieb mir die Augen und ging in die Küche, als ich mich dazu entschieden hatte, dass ich dringend einen Schnaps brauchte. Also zog ich mir eine Flasche vom guten Hutzelweib aus den Schrank, setzte mich mit einem Gläschen und der Flasche vor den Kamin und entkorkte die Flasche. Eigentlich, das wurde mir just in dem Moment bewusst, hätte ich das Glas auch stehen lassen können. Ich setzte direkt die Flasche an, und während der Schnaps die Kehle runterbrannte und mir die Tränen im ersten Moment in die Augen trieb, begann ich mir zu überlegen, wie ich weitermachen wollte.
Tugendhaft. War das, was die Menschen darunter verstanden auch das, was die Lichtbringerin darunter verstehen würde? Wie oft schon hatte ich erlebt, wie hier die Tugenden nur zu eigenem Gutdünken ausgelegt wurden. Also versuchte ich möglichst kritisch damit gerade ins Gericht zu gehen.
Das rechte Maß:
Wenn ich das alles recht verstand, war das rechte Maß ein gesunder Mittelweg. Nicht zu viel des Zorns, aber auch nicht zu viel der Güte, sondern eigentlich ein Weg, den der Menschenverstand einem schon von sich aus einbläute, wenn man bereit war darauf zu hören, und ebenso auf sein Herz, sein Bauchgefühl und alles, was das persönliche Individuum so ausmachte. Zumindest, wenn es einen gesunden Charakter besaß.
Ich hielt meinen für durchaus verdorben an vielen Stellen, was schon meine Vergangenheit mit sich brachte. Mein Kerbholz war nicht gerade kurz und erst recht nicht unversehrt. Und ich spürte meine Neigung wieder in alte Verhaltensweisen zurückfallen zu wollen, jetzt mehr denn je. Allerdings hatten sich einige Umstände in meinem Leben so gravierend geändert, dass dieser Tanz noch schneller am Strick enden könnte, als früher. Einen leisen Stich hinterließ das durchaus.
Die heilige Stärke:
Keine Ahnung, ob ich wirklich dazu im Stande war die Tugenden allesamt so zu verinnerlichen und ausgewogen zu halten, den Glauben zu wahren, der gerade erst in mir keimte und anfing zu wachsen.
Wie lange war ich Horteras Pfaden gefolgt? Tief im Herzen tat ich es noch immer und fügte dem einfach noch den Glauben die Lichtbringerin hinzu. Es war schwer beides überein zu bringen. Vielleicht hielten mich einige für fanatisch, weil ich es mit aller Macht versuchte.
Vielleicht tat dich das alles auch einfach aus den falschen Beweggründen heraus, der Beste, der mir dafür einfiel, war es, ein besserer Mensch zu werden – irgendwann. Es gab sicher genug, die mich dafür bereits hielten, aber in mir selbst musste diese Erkenntnis wohl noch reifen, ausreichend genug, dass ich es auch annehmen und glauben konnte.
Mitgefühl:
Das hatte ich, vielleicht zu viel an dieser Stelle. Ich konnte es sehr gut nachvollziehen, wie es sich anfühlte alles zu verlieren und sich am Boden der Gesellschaft wiederzufinden, oder auch benutzt zu werden von denen, die über einem standen, vorzugsweise für ihre Zwecke und ihre Interessensgebiete.
Natürlich war mir klar, warum ich auch dieses Säbelrasseln in meinem Rücken vernommen hatte. Niemand ließ sich sein Heim und sein Land einfach wegnehmen von irgendeinem fremden Regiment, das sich dazu entschieden hatte Lichtenthal zu seinem neuen Heim zu erklären. Ja, ich konnte auch verstehen, dass es drängte dagegen vorzugehen. Das stand für mich alles außer Frage. Ich wollte mein Heim und Herd auch sicher wissen, meine Familie, meine Freunde, sogar die, die mir ansonsten eher egal waren. Allerdings war die Wahl des Weges nicht das, was ich für gut befand. Sicher, hier konnte mir ein jeder Unwissen, Ahnungslosigkeit, den Nichtsoldaten unterstellen, hier konnte jeder sagen, ich war weder in solchen Dingen geschult, und was nicht noch alles für Argumente zu finden waren, warum ich angeblich keine Ahnung hatte: Aber was wussten diese Leute eigentlich über mich? Nichts von Belang. Nichts von dem, was ich mal gelernt hatte und nicht viel von mir als Person als solches. Meine Wahl wäre nach wie vor das Wort an erster Stelle, Scharmützel zum Trotz. Meine Wahl wäre, Gilles zu seinen Leuten zu lassen. Einer mehr oder weniger, was machte es noch aus? Gleiches mit gleichem. Sie hatten Lyx laufen lassen, ich ging sogar davon aus, dass sie den Leuten in Junkersteyn nichts antaten, solang die Leute sich entsprechend verhielten. Mitgefühl. Etwas, was sie durchaus bewiesen im Rahmen aller Möglichkeiten. Da war nicht mal Barbarbei im Spiel gewesen, zu keiner Zeit, und zu meiner Schande musste ich gestehen – selbiges hatte ich bei den unseren durchaus sehen können, stellenweise. Sicher nicht überall, aber stellenweise. Unfassbar. Und ich spürte die Waagschale kippen.
Tapferkeit:
War der laute Ruf nach Blut ein Akt der Tyrannei? Das Ignorieren der Vorschläge und das glatte Abbügeln selbiger waren vielleicht töricht, aber tyrannisch? Aber als Tapferkeit konnte ich das auch nicht verstehen. Es war eben einfach blind, vorschnell, zornig, und wer wusste nicht noch alles, und genauso weit von Tapferkeit entfernt, wie von Tyrannei.
Aber wo Machtgier und Gewalt andere in Not geraten ließen…
Ob das nun mit Machtgier zu tun hatte, mochte ich nicht beurteilen. Mit Gewalt hatte das Ganze so oder so zu tun, jede Menge sogar. Und sollten die Schutzbefohlenen nicht in erster Linie möglichst davor bewahrt werden, statt sie wie kleine Bauern in den möglichen Tod zu schicken?
Natürlich, es kam immer der Punkt, an dem nichts anderes mehr übrig blieb, aber war der schon erreicht? War er das wirklich?
Ich schätzte, das musste ich dringend herausfinden, allein schon für meinen eigenen inneren Frieden.
Gerechtigkeit:
Ich schätzte, jener folgte ich nach bestem Wissen und Gewissen, gerade just in diesem Augenblick schon, als ich abwog, bemüht sachlich, nicht nur vom Gefühl geleitet, ebenso aber auch emotional, und versuchte aus beidem einen bestmöglichen gemeinsamen Nenner zu formen, der mir sagte, wo ich selbst stand, wie ich damit umgehen wollte, wie es weitergehen sollte. Denn nur aus eigener Überzeugung heraus war das eigene Handeln echt und konnte auch tragen, andere mitreißen und vielleicht für ein besseres Wohl stehen am Ende.
Nein, mir war sehr wohl klar, dass ich mich nicht gegen die Obrigkeit stellen konnte. Zumindest nicht in der Form, dass es mir als Verrat ausgelegt wurde. Aber es gab ja auch andere Wege, nicht wahr?
Aber Gerechtigkeit war so eine Sache. Es war schließlich nicht zwingend das gerecht, was ich als solches empfand. Und ob ich für die wahre Gerechtigkeit genug Weisheit besaß? Nun ja… vermutlich eher nicht. Aber was blieb mir, als es zumindest zu versuchen?
Opferbereitschaft:
Hatte ich genug Mut, um womöglich ein so schweres Opfer zu bringen, dass es vielleicht das Leben beendete, das wir derzeit führten? Meine Familie und ich? Jedes Opfer, auf dass ich mich einließ, betraf nicht nur mich, sondern auch meine Frau und meine zwei Kinder, unter Umständen sogar meine Freunde.
Um mich selber machte ich mir dabei, wie immer, nicht mal im Ansatz Sorgen. Das lag mitunter daran, das hatte ich inzwischen begriffen, dass ich andere zum einen deutlich höher schätzte, als mich selbst, zum anderen aber auch daran, dass ich von klein an gelernt hatte, dass das Leben von jetzt auf gleich vorbei sein konnte. Es war also seit jeher für mich ein Umstand, der stets so präsent war, dass ich ihn inzwischen vollumfänglich akzeptiert hatte. Kostbarer als mein eigenes Leben waren eben die derer, die ich liebte. Für sie war ich bereit alles zu opfern, aber um nichts in der Welt wollte ich sie mit hineinreißen in den Abgrund.
Ehre:
Schwierig. Sehr schwierig. Ganovenehre – ja. Die wahre Ehre vor Temora? Loyalität gegenüber Familie und Freunden, ja. Vor der Obrigkeit generell? Weniger. Und… wenn ich dem Wanken nachgäbe, wäre das wirklich ehrlos an der Stelle? Immerhin hatte ich dort mehr ehrenhaftes Betragen erlebt, wie hier, rein emotional betrachtet. Allerdings hatten die es auch leichter gehabt, mich genau damit zu erreichen. Sehr schlau. Alle anderen um mich herum hatten genug Zeit gehabt, es sich in meinen Augen zu verscherzen oder es richtig gut zu machen. Viele von ihnen kannte ich gut genug, um sie für mich einsortieren zu können. Von den Fäusten kannte ich keinen wirklich, nur ein paar Eindrücke, aber die waren, ich musste es erneut eingestehen, stellenweise überwältigend. Das waren mitunter nüchtern betrachtete Tatsachen, die mich davor warnten allzu schnell darauf zu hören, denn auch dort gab es sicherlich Menschen, die ich genauso wenig leiden konnte, für schlecht hielt, für glitschig, oder was auch immer mir noch so an Negativem einfallen wollte.
Wie ehrenhaft war es Vorschläge anderer, geschulter Menschen, zu ignorieren oder ohne sie zu überdenken einfach fortzuwischen? Wie ehrenhaft war es nach Blutzoll zu gieren, ohne andere Wege in Betracht zu ziehen?
Wie viel von einem anderen Weg gingen die Fäuste? Ein paar, aber ob sie ihn damit auch konsequent gingen, das war vermutlich genauso Ansichtssache. Bislang, ja. Aber jetzt, da Blut floss, konnte man da dann noch davon sprechen? Konnte ich für mich das? Schwierig.
Geistigkeit:
Nein, ich hörte nicht auf nach der Wahrheit zu suchen. Ich wollte sie wissen, mit allen bitteren Nuancen darin. Ich wollte wissen, ich wollte vor allem verstehen, beim Dunkel!
Demut:
Das.. nun ja, das ist nur bedingt meines. Zwar war ich mir meiner Grenzen bewusst, aber ich überschritt sie auch schon mal all zu gerne, und noch viel lieber die anderer Leute.
Aber ich bemühte mich sehr mir vor Augen zu führen, dass mein Eindruck von dieser Welt nicht vollständig ist. Mein Überblick über diese Situation war es auch nicht. Bei weitem nicht. Aber ich wollte mich bemühen diesen Überblick zu komplettieren. Und das Wissen, was ich bereits darüber hatte, musste ich mit Vorsicht genießen und ebenso mit Umsicht verwenden. Bestimmt. Allerdings fragte ich mich auch, ob noch Zeit für Vorsicht war. Denn die Vorsicht und Umsicht hatte ich bis hierher walten lassen. Das Resultat daraus: Nichts, kein Fortschritt.
Ich hatte versucht meinen Freunden etwas an die Hand zu geben, etwas womit sie arbeiten konnten, einen anderen Weg angeboten, verbal war er sogar angenommen worden, in gewisser Hinsicht jedenfalls. Aber den Worten folgten keine Taten. Wochen waren seither vergangen und nichts war geschehen. Und ich kleiner Kreidekopf war einfach nicht in der Position um mehr zu erwirken. Das trieb mir die Wut und Enttäuschung in die Brust.
Musste ich mir hier vielleicht vorhalten nicht konsequent genug nachgetreten zu haben? Nicht energisch genug gewesen zu sein?
Oder war es hochmütig von mir zu glauben, dass es eine Möglichkeit hätte sein können? Ein gangbarer Weg? Nein, nein ich denke nicht. Es war eher eine Hoffnung gewesen. Und Hoffnung trug keinen Hochmut in sich. Ob der Weg letztlich eine Möglichkeit darstellte, würde ich letztlich ohnehin nie erfahren. Nicht mehr.
Ich fürchte allerdings, der Keim der Unzufriedenheit, der hatte in mir schon vor einiger Zeit Wurzeln geschlagen. Ja, ich wankte, zunehmend. Schwer zu sagen, ob mich die sich lockernden Bande noch lange hielten. Ich sollte dringend mit meiner Frau reden, ganz dringend. Blaues Kreuz oder nicht, das war hier die Frage.
Im Antlitz die Hoffnung.
In Händen das Schwert.
Im Herzen die Freundschaft.
Dem Dunkeln verwehrt.
Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 19:12
von Andreas Erlenthal
Gedanken eines Rekruten
Es waren einige der ersten Sonnenstrahlen an diesem Morgen, welche durch eines der Ostfenster seines Nachtquartiers schienen und den noch halb schlafenden Rekruten weckten. Mit in Falten gelegter Stirn und zusammen gepressten Lippen ertönte ein murren von ihm ehe der Kopf etwas angehoben wurde. Die Augen öffneten sich nur langsam und starten unmittelbar in Richtung Sonne, welche gemütlich das Himmelszelt erklomm. Die rechte Hand wurde schützend zwischen sich und Sonne geschoben ehe er einmal tief Luft holt und schließlich in einem lauten Gähner enden lässt. Dann fällt sein Kopf einfach wieder nach hinten in das bereits durch gelegene Kissen wobei sein Blick zur Seite Schweift.
Er war erst seid kurzem Rekrut gewesen doch in den letzten Tagen erfuhr er immer mehr darüber was es wirklich bedeutete. Für manch eine war der Schwur, welchen ein jeder Rekrut leistete, vielleicht nur Worte die man seinem Vorgesetzten nach sagte und sicher hätte Andreas in jüngeren Jahren eben genau so gedacht. Doch mehr und mehr verinnerlichte er diesen Schwur wobei sein Wunsch die Heimat, welche er für sich gefunden hatte, zu beschützen immer mehr Bedeutung gewann.
Es gab viele Opfer zu beklagen und ihm war an diesem Morgen, mehr als sonnst, klar geworden dass auch er in dieser Schlacht fallen könnte. Der Feind würde kein unterschied machen zwischen junger Rekrut und langjähriger Korporal, warum auch? Keiner würde dies tun. Dann hebt er einen Mundwinkel an und spinnt seine Gedanken weiter. Beinahe wäre schon die letzte Schlacht seine letzte gewesen, nur wenige Augenblicke waren von Nöten in den der junge Rekrut von einem feindlichen Schlag niedergestreckt worden wäre, hätte der Kronritter diesen nicht mit einer fast glanzvollen Parade abgewehrt. Doch in diesem Kampfgetümmel war es sicherlich nicht nur des Kronritter Verdienst dass Andreas einen weiteren Tag oder eine weitere Woche Leben darf. Viele Kameraden hielten an diesem Abend zusammen und gaben alle ihr bestes.
Ja, das Ende eines Soldaten war ungewiss und wird es auch immer bleiben.
Doch all dies hindert ihn nicht daran weiter zu Streiten, für dass was er Schwor zu verteidigen und für das Leben seiner Kameraden. So würde er auch diesen Abend wieder an die Front gehen und abermals sein bestes geben.
Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 20:21
von Reondar Kramen
*verwirrt ob der Aussage Luninaras wendet sich Reondar an diesem Abend vom Regiment sowie den Helfern ab um sich sein eigenes Bild jener Auführer zu machen ...*
"Ebenfalls Soldaten Alumenas ? ...
Nachfragen ist nicht ihre Sache? ...
das sind bedauerliche Ansichten, folgen sie nicht dem gleichen Weg?
So sie doch Teil der gleichen 'Macht' sind warum bekriegen sich Brüder? ...
Warum treffen Schwerter aus vielleicht des gleichen Schmiedes Hand aufeinander? ..."
*all dies sind Fragen die den Geist des Ahnenwächters zermürben und ihm einen nachdenklichen, wenn nicht sogar betrübten Gesichtsausdruck verleihen.*
"Ein jeder sollte sich fragen, warum er etwas tut ... und warum er seine Hand gegenüber einem der womöglich 'eigenen' Leute erhebt."
*so legte er Rüstung und Waffen ab ... das Geräusch berstenden Holtzes verklingt immer mehr, als er sich dem Lager der Faust ... Junkersteyn nähert und an die schwer bewaffnete Pforte heran trat.*
Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 21:00
von Baznuk Donnerfaust
Sorge trieb sich in den Blick des 130 Jährigen als er von der Einnahme Junkersteins hörte. Junkerstein, die Nördlichste Siedlung des Ihm hier bekannten Lichtenthaler Reiches, Thelor-zârs Ländereien. Nachdenklich blickte er auf die letzten Monate des politischen Treibens der beiden Groß Reiche Alumenas und Kaluriens. Nur selten was man sich mit der Adoraner Obrigkeit in der letzten Zeit einig, wenig gütige oder wohlwollende Worte wurde ausgetauscht. Er war wieder die fast schon traditionelle schlechte öffentliche Ausgangslage. Seis drum. Er verstand bisweilen immer noch nicht wer der Feind war, die sogenannte Faust. Doch ließen sie keinen Zweifel daran das sie der Feind sind. Die Befestigung Junkersteins war schon mal der erste festen Posten der feindlichen Truppen. Ein nicht haltbarer Zustand. Die Graik unter der Führung des Rhukum Thorim von den Hammergrunds würden sicher bald die ersten eigenen Informationen liefern können. Wie zu erwarten war der Hammergrund besonnen in dieser Situation. Möglichst unentdeckt sollte die Erkundung erfolgen und auf gar keinen Fall, zumindest für den Augenblick sollte ein Aufmarsch der Cirmias Legion Westwärts über den Sumpf erfolgen.
Bewusst wurde der Weg in Richtung Sumpf erst mal offen bleiben, damit im besten Falle die feindlichen Truppen die Junkerstein besetzt halten die Flucht vor den Regiments Truppen ergreifen und in diese Richtung fliehen. Es würden weitere Schäden an Siedlung und vor allem Menschen vorbeugen. Würden nun die Truppen des Berges diesen Weg abschneiden wären sie zum kämpfen gezwungen. Doch war Junkerstein nicht der beste Ort dafür, für den Augenblick. Leichter wäre es die fliehenden Truppen einfach durch die Sümpfe zu treiben und am Ende auf sie zu warten mit klirrenden Äxten die bedrohlich auf die schweren Schilde schlagen.
Das letzte Hilfsangebot lag nun auch schon einige Zeit zurück. Ungenutzt. Der Priester war sich sicher das Helisande-zâr bewusst versuchte es ohne Hilfe zu bewältigen. Ihre Truppen waren gut und das Reich stark. Doch entscheidend wird wohl einzig der aktuelle öffentliche politische Zustand beider Reiche sein, in der sie es sicher vermeiden will weitere Verwicklungen zu erzeugen. Verständlich. Doch die Situation hatte sich geändert. Von den plündernden Plänkler wie bisher die Annahme war wurde eine feste Formation die sich bereits mitten im Reich befand, zusätzlich zu der stetigen Bedrohung aus dem Westen. Eine weitere Tafel würde es sein, die das Hause Gipfelsturm in Berchgard aus dem heiligen Berg erhalten wird.
Des Vaters im Fels,
Dem Götterberg Nilzadan,
und seinem erschaffenen Volk den Khaz Aduir und allen freien Menschen zu Ehr.
Mit Cirmias Segen richtet der Berg seine Grüße an
dar Thelor-zâr von Berchgard.
Die Nachricht von der Besetzung Junkersteins löste große Sorge aus bei den unseren. Akh möchte dar kurz darüber informieren das unser Rhukum mit einigen Graiklern von Sumpf Seite aus auf Erkundung geht. Bisweilen sehen wir aus taktischen Gründe davon ab die Legion über den Sumpf auf Junkerstein marschieren zu lassen um nicht unnötig einen Kampf in Junkesterstein selbst zu provozieren. Sollen die verdammelixen Hunde die Flucht vor den Regiments Truppen über den Sumpf antreten und wir nehmen sie am Ende im Empfang.
Noch einmal möchte akh darauf hinweisen mein Freund, das trotz der offiziellen politischen Lage aus der Situation mit dem Rat Adoran der Berg immer noch zu den Menschen im Osten steht. Das der Berg immer noch zu dar steht Thelor-zâr. Der Berg wird vorbeugend noch ein paar notwendige Maßnahmen ergreifen unter der Führung von Rhukum Thorim um für viele Situationen bereit zu sein. Ohne Rücksprache mit dar und Helisande-zâr werden wir aber nor auf eurem Reichsboden unternehmen um nicht im schlimmsten Fall ein taktisches Manöver eurerseits zu stören. Dar kennt euren Feind in eurem Reich besser wie wir. Cirmias Volk steht bereit seinem gegebenen Wort taten folgen zu lassen Thelor-zâr.
Möge eurer Herrin Schwert lange scharf bleiben und Cirmias tobender Hammer ein Auge auf sie haben.

Meister der Bauhütte
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Verfasst: Freitag 12. Mai 2017, 22:07
von Amelie von Salberg
Als Amelie das Handelshaus betrat, fiel ihr als Erstes das kleine Zettelchen auf, das auf dem Tisch vor ihr lag und auf dem geschrieben stand dass Shyra und Thancred auf dem Weg zur Brücke waren.
Amelie wusste sogleich welche Brücke gemeint war und marschierte ebenso los um mitzuarbeiten.
Rasch erfasste sie was zu tun war und ohne viel zu fragen, krempelte sie die Ärmel hoch und half mit Holz zu hacken.
Die gehackten Stämme wurden zugespitzt und in die Erde gestampft. Relativ schnell waren die Palisaden gebaut.
Suchend sah sie sich nach Moira um..die frischgebackene Ehefrau und Mutter stand hier und hielt Wache.
Mit sorgenvoller Miene trat sie zu ihr hin und so standen sie lange Zeit, beobachteten die Umgebung und sprachen leise miteinander.
Moira hatte ihr ein Versprechen abgerungen, dass sie diese Nacht die Kleinen zu sich nehmen und auf sie Acht geben würde. Nun, Amelie liebte Kinder und so kam sie in den Genuss die beiden Salbergzwillinge zu verwöhnen.
So hat auch alles Böse sein Gutes.
Verfasst: Samstag 13. Mai 2017, 01:25
von Shyra Dynar
Der Abend verlief ruhig, sie wollten sich daran machen die Brücke in Wolfenbrück neu zu befestigen und wieder sicher für alle Besucher machen. Doch als sie gerüstet zur Brücke kam, sah sie schon von weitem das Regiment dort stehen, ebenfalls gerüstet. Langsam näherte sie sich und erkannte die Situation sofort. Als dann die Rede davon war, eine Palisade zu errichten, wurde nicht lange überlegt und die Axt, die Thancred zwischenzeitlich für alle besorgt hatte in die Hand genommen. Kurzerhand wurde starke Äste von den umliegenden Bäumen gehackt und auf einen Haufen geschafft, nahe der Brücke.
Als man genug zusammengetragen hatte, wurde erneut in die Hände gespuckt und die enden der Stämme spitz zugeschnitten. Einige machten sich mit schaufeln ans Werk, dann die zugespitzten Stämme in den Boden zu rammen, leicht angeschrägt gen Junkerssteyn.
Viele waren gekommen um das Reich und den König zu verteigen, jede Hand war hilfreich, ob es Bauer, Schreiner Schmied oder auch die Krieger und Magier waren, jeder legte Hand an.
Es war ihr Land und das galt es unter allen Umständen zu erhalten.
Verfasst: Samstag 13. Mai 2017, 02:39
von Torjan Eichental
Er hatte Helisande erzählt, was er wusste.
Und auch ein Bauernmäderl berichtete von einem ... äh ... najo ... Überfall auf ihren Hof. Doch schickte der Anführer des Trupps seine Leute weg und versicherte ihr, das sie ihren Hof weiter in aller Ruh bewirtschaften könne.
Er war froh, der Helisand erzählen zu können, was ihm in der letzten Nacht widerfahren war. Aber obwohl er sagte, dass alle in Junkerstein freien Zugang hätten, auch ihre Freund und Kunden empfangen könnten, wie ihm das der Alfred versichert hatte, gab das Regiment weiter die Order aus, dass niemand dorthin gehen solle.
Er, der alte Zausel, glaubte diesen Alfred. Nur zu gut hatte er all diese Angriffe und Aktionen, die die Faust gesetzt hatte, in seinen Gedanken analysiert und überdacht.
Es war ihm unverständlich, dass vom Regiment ausging, dass die Bauern und Handwerker dort entweder das Dorf verlassen sollten oder niemand nach dorthin Zugang hätte. Der Handel in Junkerstein war damit völlig blockiert.
Was aber die Faust ned wollte. Es sollte alles weitergehen, wie bisher, nur eben unter einer neuen Besatzungsmacht, die allen dort Lebenden wohl gesonnen war.
Oba, er war jo in den Augen der anderen nur a Trankerlmischer. Niemand von den Regimentlern, ned amal die Helisand, bedenkt nur im Geringsten, dass er 30 Jahr in einem Krieg war - vor seiner Zeit auf Gerimor.
Der alte Torjan und seine Schülermäderln kamen sich an jenem Abend eher wie Rasendekoration vor, dennoch erfuhren sie dies und das.
Sowohl dem Grünhaarmäderl als auch ihm selbst brannte es, mit jenen dort in Junkerstein wieder zu reden. Doch er hatte der Helisand zug'sagt, dass er nix weiter machen tät.
Es juckte ihn aber, zu überprüfen, ob es tatsächlich wahr wäre, dort bei die Höf ohne bedrängt zu werden, einkaufen zu können oder seinen guten alten Freund, den Ashtar, zu besuchen, wie es ihm in der letzten Nacht, als er von den Blaufäusten g'funden wurd, versichert wurde.
Der Alfred hatte ihm versichert, dass dies durchaus möglich sei. Und auch hatte er gesagt, dass ihm durchaus bewusst ist, dass das Regiment oder sonst wer, da Spion einschleusen könnten. Dennoch schien dem Alfred das ziemlich egal zu sein.
Seine Schülerin, das Grünhaarmäderl, war genau so wissbegierig wie er selbst. Doch hielt er sie zurück. An diesem Abend kehrten sie heim und forschten nicht weiter nach.
Vielleicht wäre ein späterer Zeitpunkt wichtiger, um das Risiko zu wagen.
Verfasst: Samstag 13. Mai 2017, 10:01
von Maire Riordan
Wie üblich, als die Tage länger wurden, war Maire lange unterwegs. Es gab Wild zu erlegen, fette Auerhähne liefen ihr über den Weg, Fasane und Wildenten hatten sich ordentlich heraus gefuttert und natürlich lockten die leckeren Schwammerl und feine Kräuter.
Völlig geschafft und nachdem sie auch noch im Sumpf gewesen war, natürlich auch dreckig bis hinter den Ohren, war das Erste, was sie tat, runter mit der Kleidung und ab in ihr kleines, heißes Becken. Was für ein Glück hatte sie doch gehabt, als beim Ausheben des Kellers eine heiße Quelle frei gelegt wurde. Denn, sie liebte es, sich darin zu waschen und vor allem ihre schmerzenden Muskeln zu entspannen.
Weitere Boote hatte sie nicht entdecken können, sie sah ja täglich nach, damit sie Maralynn informieren konnte, falls sich wieder diese"Trolle von Fäustlingen" ans Land wagen würden. Doch es blieb an der Nordküste ruhig .... zu ruhig? Man würde sehen.
So müde, wie sie war, hatte sie nach dem entspannenden Bad, alles duftete noch frisch nach Zitronen, sich einfach auf ihr Kuschelfell gelegt. während sie ihr Haar trocken bürstete, war sie, wie so oft, einfach dort eingeschlafen.
Doch, der nächste Morgen war ein Schock gewesen. Als sie die Kellertreppe hinauf stapfte, aus dem Fenster sah, wo sich ihre Hühner tummelten, rieb sie sich die Augen. "Das ist doch ein Albtraum, ich träume wohl noch", dachte sie, sprach es dann laut aus, während sie die Augen erneut weit öffnete.
War ihr Häuschen doch tatsächlich völlig zwischen Palisaden eingekeilt worden und dort liefen, ritten und sprachen lauter in diesem seltsamen Blau gekleideten Soldaten?!
Wie konnten sie diese so rasch erbauen? Rasch flitzte sie zu den anderen Fenstern. Wo sie noch kurz zuvor am Gildenhaus gearbeitet hatte, war diese Baustelle ebenfalls befestigt worden?! Nur gen Westen war noch alles frei. Sie atmete tief durch, überlegte und schnappte sich erst einmal zur Beruhigung ihrer Nerven ein Erdbeerkrapferl. Danach einen beruhigenden Tee und sie fühlte sich schon ein wenig besser.
Wieder huschte sie zur Vorderfront, zog die Vorhänge ein wenig beiseite und spähte zum Haus von Kaleya hinüber. Sie sah nichts, alles schien ruhig, waren sie geflüchtet? Sie hatten ja ein kleines Kind! Maire schluckte schwer, sie hoffte, dass niemand verletzt worden war. Sie brauchte mehr Informationen und zwar dringend.
Apropos Informationen ... sie konnte, nein dürfte nicht fliehen. Nein, das hier war eine Gelegenheit, die sich noch als sehr wichtig heraus stellen könnte. Schon seit längerem kontrollierte sie für Maralynn die Küste, beim Jagen und Sammeln, war sie da eh täglich unterwegs und konnte sofort Bescheid geben, falls sich der Trupp zeigen würde. Sie knirschte leise mit den Zähnen. Tja, das hatte sie ja gut hinbekommen, die sind gelandet und sie hatte im Keller geschlafen.
Na, diese Kutsche war nun abgefahren, aber, wenn sie hier blieb, anscheinend waren die Häuser, die sie sehen konnte, nicht beschädigt, auch ihr kleines Gartentor sah intakt aus, wollten sie wohl nichts von den Einwohnern. Wahrscheinlich waren sie eher Geiseln in den Augen der Besatzer oder irrte sie sich? Wenn sie ihren Willen nicht bekamen, würden sie dann drohen, die Einwohner des kleinen Dörfchens zu ermorden? Ihr Magen dopste, nein, nicht wegen sich selbst ... doch Kaleya, das kleine, süße Mädchen und ach ja ....
Sie musste herausfinden, wie die Soldaten reagieren würden, wenn sie aus dem Haus ging, sich eine Ausrede einfallen lassen, damit sie irgendwie zum Nachbarhaus gelangen konnte. Was würde sie dort vorfinden?!