Verfasst: Donnerstag 4. Juli 2013, 13:22
Opfer bringen.
'Wo wollen wir hingehen?'
Weg. Weit weg. Von allem. Weg von hier. Mit dir, mit Jalilah. Lass uns weit weggehen. Lass uns all das hinter uns lassen. Hier sieht niemand mehr das in uns, was wir sind. Lass uns gehen. Lass uns einfach gehen, verschwinden. Nicht zurückblicken. Worte, die eine kleine, leise Stimme innerlich flüsterte, darum flehte. Nach Erlösung bettelte. Aber dann war da etwas, das sich Vernunft nannte.
Und die Vernunft ließ uns zur Oase gehen. Ich setzte mich ans Wasser, die Beine ließ ich über den Abgrund baumeln. Der Abgrund. Ich würde nicht weit fallen, würde ich mich einfach fallen lassen. Aber vielleicht konnte dieser Abgrund mir helfen? Ich atmete wieder durch. Nein, das, was mir helfen konnte, saß neben mir.
'Wie war dein Tag heute?'
Eine Frage, auf die es keine richtige Antwort gab. Wie war mein Tag gewesen? Ich wollte kämpfen, alles besser machen, aber ich hatte versagt. Wir waren bei Nazeeya, wir hatten noch acht Tage bis zu unserer Vermählung, ich sollte mich freuen. Aber stattdessen empfand ich tiefste Trauer und bittersten Schmerz. Er legte seinen Arm um mich, doch ich konnte mich nicht rühren. Ich konnte seine Nähe nicht annehmen. Ich konnte nicht...
'Ich muss dir etwas gestehen..'
Meine Worte waren leise. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Ich hatte ihm eigentlich einmal versprochen, nicht alleine zu Zafer zu gehen. Und doch hatte ich es getan. Es war ein Fehler gewesen. Ein dämlicher Fehler, dass ich glaubte, meine Worte könnten ihn in irgendeiner Weise berühren. Ihn zum Nachdenken bringen. Ich hatte Gassur alles erzählt. Von dem Brief, von der Antwort darauf, dass ich mit der Antwort nichts anzufangen wusste und Fragen über Fragen an Zafer richten wollte.
'Du warst bei ihm?'
Er betrachtete mich mit großen Augen und suchte mein Gesicht, meine Arme nach Spuren ab. Als er keine finden konnte, sah er erleichtert zu mir. Er konnte keine Verletzungen finden, denn diese waren nicht äußerlich. Das, was Zafer mit meinem Herz und mit meiner Seele, mit meinem letzten Rest an Stolz angestellt hatte, konnte er nicht sehen. Ich sprach weiter, erzählte Gassur jedes kleinste Detail. Ich hatte auch meine Worte nicht ausgespart, die ich, als ich innerlich resigniert hatte, an Zafer gesprochen habe.
'Nicht so schimm, Rani. Ich bin dir für deinen Versuch dankbar.'
Er nahm mich fester in den Arm. Aber ich fühlte immer noch nichts. Er war hier und ich fühlte nichts. Ich fühlte nicht den Halt, ich spürte nicht die Nähe. Ich fühlte einfach.. nichts. Nichts, außer dieser Betäubung. Ich würde ihn in acht Tagen heiraten und ich konnte mich nicht freuen. Ich konnte nicht.
'Er meinte, dass er sich langsam die Frage stellt, ob das Verhalten meiner Familie mir gegenüber nicht langsam doch begründet ist.'
Gassur schüttelte seinen Kopf, es konnte doch nicht sein Ernst sein, waren seine Worte. Ich wollte für die Beiden kämpfen. Für ihre Freundschaft. Ich wollte nicht mehr mit ansehen, wie alle Beteiligten darunter litten. Ich fühlte nichts mehr, als hätte man den Schalter von jetzt auf gleich umgelegt. Nur noch diesen unsagbaren Schmerz.
'Viel schlimmer kann es kaum werden.'
Konnte es wirklich nicht schlimmer werden? Was war das für eine Hochzeit, an der alle zum Schein feiern würden und sich niemand, außer uns, wirklich freuen würde? Was war das für eine Welt...
'Doch, kann es. Ich fürchte, ich werde dich nun zum ersten Mal enttäuschen.'
Ich erinnerte mich an meine Worte, die ich ihm noch ein paar Tage zuvor gesagt hatte. Dass ich niemals von ihm gehen würde, solange er sich nicht gegen mich stellte und er schwor mir, dass dies nie passieren würde. Er würde sich niemals, nie gegen mich stellen.
'Mich jetzt enttäuschen?'
Ich spürte seine Unsicherheit. Und ich sagte ihm, dass ich zu meinen Eltern fahren würde. Ich würde Jalilah holen. Auf seine Frage hin, wie lange ich bleiben würde, antwortete ich, dass ich zwei, drei.. vielleicht vier oder fünf Tage bleiben werde. Und ich entschuldigte mich dafür bei ihm. Und weil es mein Ranim war, erwiderte er darauf, dass mir nichts leid tun musste, immerhin musste ich meine Tochter ja holen. Aber es tat mir leid, da ich etwas tat, womit er nicht rechnete: Ich lief wieder weg.
'Ich dachte, du wolltest nur weglaufen, wenn ich mich gegen dich stelle.'
Ich sah seinen Blick, seinen enttäuschten Blick. Ich hatte es wieder einmal geschafft. Ich war eine Enttäuschung durch und durch. Anstatt zu feiern, anstatt fröhlich zu sein, dass uns in acht Tagen nichts mehr trennen konnte außer unser Tod, saß ich hier und wurde lethargisch, weil ich alles versaut hatte. Ich war eine Enttäuschung. Für alle. 'Aber du bist keine Enttäuschung.', er nahm mich wieder in seine Arme. Ich hatte ihm bisher nichts Gutes gebracht und egal, was ich versucht habe, es war bisher immer gescheitert. So sehr, dass Zafer mittlerweile sogar zu bereuen schien, uns zusammengebracht zu haben.
'Seine Worte waren bestimmt überhastet.'
Aber sie taten trotzdem weh. Und in der Hast? Aiwa, in der Hast sprach man oft das, was man wirklich dachte. Was das Herz in dem Moment fühlte. Ich musste ihn wieder enttäuschen, indem ich ihm sagte, dass ich meine Worte in dem Moment, als ich mit ihm sprach, auch so gemeint hatte. Genau so, wie ich sie gesagt habe. Nicht anders. Und hier hatten wir wieder das größte Beispiel dafür, dass es nichts anderes an mir gab als: Enttäuschung. Er hatte etwas Besseres verdient.
'Hör auf mit solchen Worten.'
Ich wusste keinen Weg mehr. Warum war auf einmal in mir alles so leer? Warum? Ich wollte mich freuen. Oder ich wollte weinen. Wegen allem. Befreiend weinen, aber es ging nicht. All das hatte nur Ärger gebracht. Er versuchte mich zu beruhigen. All das hatte hauptsächlich gute Gefühle in ihm geweckt, alles andere interessierte ihn nicht.
'Wenn ich ehrlich bin möchte ich nicht, dass du gehst. Mit wem soll ich sonst reden? Meine Zeit verbringen? Ich wäre eine leere Hülle für diese Zeit.'
Da waren diese Worte, die meinen Körper durchströmten und mir zeigten, dass es eben doch noch etwas zu fühlen gab. Er hatte den Knopf noch einmal betätigt und ich begann zu weinen. Ich begann nur noch hilflos zu weinen. Er zog mich zu sich und legte seinen anderen Arm auch noch um mich. 'Wir stehen das gemeinsam durch, hörst du? Ich kann dich davon nicht abhalten, aber ich werde dir beistehen, falls du bleibst.'; ich hielt mich an ihm fest. Ich kniff meine Augen zusammen und ich kämpfte. Ich kämpfte mit mir selbst. Ich stellte meine Bedürfnisse und Wünsche hinten an. Ich veränderte mich. Wegen ihm oder dank ihm. Ich spürte, dass sich irgendetwas in mir regte. Es taten sich ganz andere Möglichkeiten, ganz andere Sichtweisen auf als jemals zuvor. Er gab mich nicht auf. Ganz egal, was passierte. Er gab mich nicht auf. Ich küsste seinen Hals vorsichtig.
'Ich werde sie zu mir bringen lassen. Unserer Liebe wegen.'; er küsste mich vorsichtig auf meine Worte hin. Er war froh, dass ich meine Meinung geändert hatte. Und das tat ich aus einem Grund: Weil ich ihn tatsächlich unabdinglich liebte.
'Wir sehen uns morgen. Mach dir nicht zu viele Gedanken über Zafer.'
Er gab mich aus seiner Umarmung frei und wir gingen getrennte Wege. Zuhause angekommen schloss ich die Tür hinter mir und fand den Brief.
Ich las das Schreiben erneut. War es nun an mir über meinen Schatten zu springen? Zafer erwartete scheinbar, dass ich mich für meine gesprochenen Worte entschuldigen würde. Ich musste also meinen Stolz überwinden um alles retten zu können? Ich war wieder vollkommen leer. Gesprochene Worte hatten zu sehr verletzt. Ich dachte an Gassur. Ich sollte ihm zuliebe handeln. Aber konnte ich das? Konnte ich ihn wirklich so sehr lieben, dass ich den letzten Funken Stolz beiseite legen würde? Vielleicht würde ich alles irgendwie ändern können. Aber konnte ich das? Konnte ich das erste Mal in meinem Leben wirklich selbstlos sein? Ich spürte, dass ich mich veränderte. Dass ich mein stures Wesen langsam beiseite schob um Platz zu machen für etwas anderes: Etwas, was Gassur ans Tageslicht geholt hatte.
Aber war ich wirklich schon soweit? Wollte ich mich selbst wirklich loslassen? Konnte ich das? War es die Genugtuung für Zafer mich am morgigen Tage zu sehen? Wie konnte ich mich für Worte entschuldigen, die ich in dem Moment anhand der Umstände tatsächlich so fühlte? Ich würde in eine Zwickmühle geraten, denn eine Entschuldigung wäre eine Lüge.
Dennoch, ich war hier. Und ich vermisste Gassur. Ich wusste nicht, was Zafer nun ansatzweise zur Vernunft gebracht hatte. Aber irgendetwas schien es gewesen zu sein. Nun war es an mir, mich den Geistern meiner Vergangenheit zu stellen. Nicht nur dem Tod Rasins: Den Geistern meiner kompletten Vergangenheit.
- Ist es nicht bezeichnend, wenn du anfängst, dich für einen anderen Menschen aufzugeben?
Ist es nicht bezeichnend, wenn du all deine Prioritäten über Bord wirfst?
Ist es nicht bezeichnend, wenn du ihm zuliebe ein besserer Mensch werden willst?
Ist es nicht bezeichnend, wenn du Dinge tust, die du selbst nie von dir gedacht hättest?
Nichts ist bezeichnend. Es ist was es ist, sprach die Liebe.
- Ist es nicht bezeichnend, wenn du anfängst, dich für einen anderen Menschen aufzugeben?
'Wo wollen wir hingehen?'
Weg. Weit weg. Von allem. Weg von hier. Mit dir, mit Jalilah. Lass uns weit weggehen. Lass uns all das hinter uns lassen. Hier sieht niemand mehr das in uns, was wir sind. Lass uns gehen. Lass uns einfach gehen, verschwinden. Nicht zurückblicken. Worte, die eine kleine, leise Stimme innerlich flüsterte, darum flehte. Nach Erlösung bettelte. Aber dann war da etwas, das sich Vernunft nannte.
Und die Vernunft ließ uns zur Oase gehen. Ich setzte mich ans Wasser, die Beine ließ ich über den Abgrund baumeln. Der Abgrund. Ich würde nicht weit fallen, würde ich mich einfach fallen lassen. Aber vielleicht konnte dieser Abgrund mir helfen? Ich atmete wieder durch. Nein, das, was mir helfen konnte, saß neben mir.
'Wie war dein Tag heute?'
Eine Frage, auf die es keine richtige Antwort gab. Wie war mein Tag gewesen? Ich wollte kämpfen, alles besser machen, aber ich hatte versagt. Wir waren bei Nazeeya, wir hatten noch acht Tage bis zu unserer Vermählung, ich sollte mich freuen. Aber stattdessen empfand ich tiefste Trauer und bittersten Schmerz. Er legte seinen Arm um mich, doch ich konnte mich nicht rühren. Ich konnte seine Nähe nicht annehmen. Ich konnte nicht...
'Ich muss dir etwas gestehen..'
Meine Worte waren leise. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Ich hatte ihm eigentlich einmal versprochen, nicht alleine zu Zafer zu gehen. Und doch hatte ich es getan. Es war ein Fehler gewesen. Ein dämlicher Fehler, dass ich glaubte, meine Worte könnten ihn in irgendeiner Weise berühren. Ihn zum Nachdenken bringen. Ich hatte Gassur alles erzählt. Von dem Brief, von der Antwort darauf, dass ich mit der Antwort nichts anzufangen wusste und Fragen über Fragen an Zafer richten wollte.
'Du warst bei ihm?'
Er betrachtete mich mit großen Augen und suchte mein Gesicht, meine Arme nach Spuren ab. Als er keine finden konnte, sah er erleichtert zu mir. Er konnte keine Verletzungen finden, denn diese waren nicht äußerlich. Das, was Zafer mit meinem Herz und mit meiner Seele, mit meinem letzten Rest an Stolz angestellt hatte, konnte er nicht sehen. Ich sprach weiter, erzählte Gassur jedes kleinste Detail. Ich hatte auch meine Worte nicht ausgespart, die ich, als ich innerlich resigniert hatte, an Zafer gesprochen habe.
'Nicht so schimm, Rani. Ich bin dir für deinen Versuch dankbar.'
Er nahm mich fester in den Arm. Aber ich fühlte immer noch nichts. Er war hier und ich fühlte nichts. Ich fühlte nicht den Halt, ich spürte nicht die Nähe. Ich fühlte einfach.. nichts. Nichts, außer dieser Betäubung. Ich würde ihn in acht Tagen heiraten und ich konnte mich nicht freuen. Ich konnte nicht.
'Er meinte, dass er sich langsam die Frage stellt, ob das Verhalten meiner Familie mir gegenüber nicht langsam doch begründet ist.'
Gassur schüttelte seinen Kopf, es konnte doch nicht sein Ernst sein, waren seine Worte. Ich wollte für die Beiden kämpfen. Für ihre Freundschaft. Ich wollte nicht mehr mit ansehen, wie alle Beteiligten darunter litten. Ich fühlte nichts mehr, als hätte man den Schalter von jetzt auf gleich umgelegt. Nur noch diesen unsagbaren Schmerz.
'Viel schlimmer kann es kaum werden.'
Konnte es wirklich nicht schlimmer werden? Was war das für eine Hochzeit, an der alle zum Schein feiern würden und sich niemand, außer uns, wirklich freuen würde? Was war das für eine Welt...
'Doch, kann es. Ich fürchte, ich werde dich nun zum ersten Mal enttäuschen.'
Ich erinnerte mich an meine Worte, die ich ihm noch ein paar Tage zuvor gesagt hatte. Dass ich niemals von ihm gehen würde, solange er sich nicht gegen mich stellte und er schwor mir, dass dies nie passieren würde. Er würde sich niemals, nie gegen mich stellen.
'Mich jetzt enttäuschen?'
Ich spürte seine Unsicherheit. Und ich sagte ihm, dass ich zu meinen Eltern fahren würde. Ich würde Jalilah holen. Auf seine Frage hin, wie lange ich bleiben würde, antwortete ich, dass ich zwei, drei.. vielleicht vier oder fünf Tage bleiben werde. Und ich entschuldigte mich dafür bei ihm. Und weil es mein Ranim war, erwiderte er darauf, dass mir nichts leid tun musste, immerhin musste ich meine Tochter ja holen. Aber es tat mir leid, da ich etwas tat, womit er nicht rechnete: Ich lief wieder weg.
'Ich dachte, du wolltest nur weglaufen, wenn ich mich gegen dich stelle.'
Ich sah seinen Blick, seinen enttäuschten Blick. Ich hatte es wieder einmal geschafft. Ich war eine Enttäuschung durch und durch. Anstatt zu feiern, anstatt fröhlich zu sein, dass uns in acht Tagen nichts mehr trennen konnte außer unser Tod, saß ich hier und wurde lethargisch, weil ich alles versaut hatte. Ich war eine Enttäuschung. Für alle. 'Aber du bist keine Enttäuschung.', er nahm mich wieder in seine Arme. Ich hatte ihm bisher nichts Gutes gebracht und egal, was ich versucht habe, es war bisher immer gescheitert. So sehr, dass Zafer mittlerweile sogar zu bereuen schien, uns zusammengebracht zu haben.
'Seine Worte waren bestimmt überhastet.'
Aber sie taten trotzdem weh. Und in der Hast? Aiwa, in der Hast sprach man oft das, was man wirklich dachte. Was das Herz in dem Moment fühlte. Ich musste ihn wieder enttäuschen, indem ich ihm sagte, dass ich meine Worte in dem Moment, als ich mit ihm sprach, auch so gemeint hatte. Genau so, wie ich sie gesagt habe. Nicht anders. Und hier hatten wir wieder das größte Beispiel dafür, dass es nichts anderes an mir gab als: Enttäuschung. Er hatte etwas Besseres verdient.
'Hör auf mit solchen Worten.'
Ich wusste keinen Weg mehr. Warum war auf einmal in mir alles so leer? Warum? Ich wollte mich freuen. Oder ich wollte weinen. Wegen allem. Befreiend weinen, aber es ging nicht. All das hatte nur Ärger gebracht. Er versuchte mich zu beruhigen. All das hatte hauptsächlich gute Gefühle in ihm geweckt, alles andere interessierte ihn nicht.
'Wenn ich ehrlich bin möchte ich nicht, dass du gehst. Mit wem soll ich sonst reden? Meine Zeit verbringen? Ich wäre eine leere Hülle für diese Zeit.'
Da waren diese Worte, die meinen Körper durchströmten und mir zeigten, dass es eben doch noch etwas zu fühlen gab. Er hatte den Knopf noch einmal betätigt und ich begann zu weinen. Ich begann nur noch hilflos zu weinen. Er zog mich zu sich und legte seinen anderen Arm auch noch um mich. 'Wir stehen das gemeinsam durch, hörst du? Ich kann dich davon nicht abhalten, aber ich werde dir beistehen, falls du bleibst.'; ich hielt mich an ihm fest. Ich kniff meine Augen zusammen und ich kämpfte. Ich kämpfte mit mir selbst. Ich stellte meine Bedürfnisse und Wünsche hinten an. Ich veränderte mich. Wegen ihm oder dank ihm. Ich spürte, dass sich irgendetwas in mir regte. Es taten sich ganz andere Möglichkeiten, ganz andere Sichtweisen auf als jemals zuvor. Er gab mich nicht auf. Ganz egal, was passierte. Er gab mich nicht auf. Ich küsste seinen Hals vorsichtig.
'Ich werde sie zu mir bringen lassen. Unserer Liebe wegen.'; er küsste mich vorsichtig auf meine Worte hin. Er war froh, dass ich meine Meinung geändert hatte. Und das tat ich aus einem Grund: Weil ich ihn tatsächlich unabdinglich liebte.
'Wir sehen uns morgen. Mach dir nicht zu viele Gedanken über Zafer.'
Er gab mich aus seiner Umarmung frei und wir gingen getrennte Wege. Zuhause angekommen schloss ich die Tür hinter mir und fand den Brief.
- Salam Alaikum Malaika Leyla, Tochter der Yazir und bald Natifah des Hauses Ifrey,
mir ist bewusst, dass manche Worte im Zorn oder in der Verzweiflung schnell ausgesprochen werden, aber weitreichende Folgen nach sich ziehen können. Aus diesem Grunde bin ich bereit, darüber hinwegzusehen und eine Entschuldigung deinerseits zu akzeptieren, solltest du dies im Sinn haben. Suche mich am morgigen Tag auf und so Eluive will, werden wir die Schatten der Vergangenheit vertreiben können.
- Salam Alaikum Malaika Leyla, Tochter der Yazir und bald Natifah des Hauses Ifrey,
Ich las das Schreiben erneut. War es nun an mir über meinen Schatten zu springen? Zafer erwartete scheinbar, dass ich mich für meine gesprochenen Worte entschuldigen würde. Ich musste also meinen Stolz überwinden um alles retten zu können? Ich war wieder vollkommen leer. Gesprochene Worte hatten zu sehr verletzt. Ich dachte an Gassur. Ich sollte ihm zuliebe handeln. Aber konnte ich das? Konnte ich ihn wirklich so sehr lieben, dass ich den letzten Funken Stolz beiseite legen würde? Vielleicht würde ich alles irgendwie ändern können. Aber konnte ich das? Konnte ich das erste Mal in meinem Leben wirklich selbstlos sein? Ich spürte, dass ich mich veränderte. Dass ich mein stures Wesen langsam beiseite schob um Platz zu machen für etwas anderes: Etwas, was Gassur ans Tageslicht geholt hatte.
Aber war ich wirklich schon soweit? Wollte ich mich selbst wirklich loslassen? Konnte ich das? War es die Genugtuung für Zafer mich am morgigen Tage zu sehen? Wie konnte ich mich für Worte entschuldigen, die ich in dem Moment anhand der Umstände tatsächlich so fühlte? Ich würde in eine Zwickmühle geraten, denn eine Entschuldigung wäre eine Lüge.
Dennoch, ich war hier. Und ich vermisste Gassur. Ich wusste nicht, was Zafer nun ansatzweise zur Vernunft gebracht hatte. Aber irgendetwas schien es gewesen zu sein. Nun war es an mir, mich den Geistern meiner Vergangenheit zu stellen. Nicht nur dem Tod Rasins: Den Geistern meiner kompletten Vergangenheit.
- [img]http://25.media.tumblr.com/2d52551068abb0fcd112badc15cfbd69/tumblr_mp1lapPyf71sxb46ho4_500.gif[/img]