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Verfasst: Donnerstag 4. Juli 2013, 13:22
von Malaika Leyla Ifrey
Opfer bringen.

    • Ist es nicht bezeichnend, wenn du anfängst, dich für einen anderen Menschen aufzugeben?
      Ist es nicht bezeichnend, wenn du all deine Prioritäten über Bord wirfst?
      Ist es nicht bezeichnend, wenn du ihm zuliebe ein besserer Mensch werden willst?
      Ist es nicht bezeichnend, wenn du Dinge tust, die du selbst nie von dir gedacht hättest?
      Nichts ist bezeichnend. Es ist was es ist, sprach die Liebe.

'Wo wollen wir hingehen?'
Weg. Weit weg. Von allem. Weg von hier. Mit dir, mit Jalilah. Lass uns weit weggehen. Lass uns all das hinter uns lassen. Hier sieht niemand mehr das in uns, was wir sind. Lass uns gehen. Lass uns einfach gehen, verschwinden. Nicht zurückblicken. Worte, die eine kleine, leise Stimme innerlich flüsterte, darum flehte. Nach Erlösung bettelte. Aber dann war da etwas, das sich Vernunft nannte.

Und die Vernunft ließ uns zur Oase gehen. Ich setzte mich ans Wasser, die Beine ließ ich über den Abgrund baumeln. Der Abgrund. Ich würde nicht weit fallen, würde ich mich einfach fallen lassen. Aber vielleicht konnte dieser Abgrund mir helfen? Ich atmete wieder durch. Nein, das, was mir helfen konnte, saß neben mir.

'Wie war dein Tag heute?'
Eine Frage, auf die es keine richtige Antwort gab. Wie war mein Tag gewesen? Ich wollte kämpfen, alles besser machen, aber ich hatte versagt. Wir waren bei Nazeeya, wir hatten noch acht Tage bis zu unserer Vermählung, ich sollte mich freuen. Aber stattdessen empfand ich tiefste Trauer und bittersten Schmerz. Er legte seinen Arm um mich, doch ich konnte mich nicht rühren. Ich konnte seine Nähe nicht annehmen. Ich konnte nicht...

'Ich muss dir etwas gestehen..'
Meine Worte waren leise. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Ich hatte ihm eigentlich einmal versprochen, nicht alleine zu Zafer zu gehen. Und doch hatte ich es getan. Es war ein Fehler gewesen. Ein dämlicher Fehler, dass ich glaubte, meine Worte könnten ihn in irgendeiner Weise berühren. Ihn zum Nachdenken bringen. Ich hatte Gassur alles erzählt. Von dem Brief, von der Antwort darauf, dass ich mit der Antwort nichts anzufangen wusste und Fragen über Fragen an Zafer richten wollte.

'Du warst bei ihm?'
Er betrachtete mich mit großen Augen und suchte mein Gesicht, meine Arme nach Spuren ab. Als er keine finden konnte, sah er erleichtert zu mir. Er konnte keine Verletzungen finden, denn diese waren nicht äußerlich. Das, was Zafer mit meinem Herz und mit meiner Seele, mit meinem letzten Rest an Stolz angestellt hatte, konnte er nicht sehen. Ich sprach weiter, erzählte Gassur jedes kleinste Detail. Ich hatte auch meine Worte nicht ausgespart, die ich, als ich innerlich resigniert hatte, an Zafer gesprochen habe.

'Nicht so schimm, Rani. Ich bin dir für deinen Versuch dankbar.'
Er nahm mich fester in den Arm. Aber ich fühlte immer noch nichts. Er war hier und ich fühlte nichts. Ich fühlte nicht den Halt, ich spürte nicht die Nähe. Ich fühlte einfach.. nichts. Nichts, außer dieser Betäubung. Ich würde ihn in acht Tagen heiraten und ich konnte mich nicht freuen. Ich konnte nicht.

'Er meinte, dass er sich langsam die Frage stellt, ob das Verhalten meiner Familie mir gegenüber nicht langsam doch begründet ist.'
Gassur schüttelte seinen Kopf, es konnte doch nicht sein Ernst sein, waren seine Worte. Ich wollte für die Beiden kämpfen. Für ihre Freundschaft. Ich wollte nicht mehr mit ansehen, wie alle Beteiligten darunter litten. Ich fühlte nichts mehr, als hätte man den Schalter von jetzt auf gleich umgelegt. Nur noch diesen unsagbaren Schmerz.

'Viel schlimmer kann es kaum werden.'
Konnte es wirklich nicht schlimmer werden? Was war das für eine Hochzeit, an der alle zum Schein feiern würden und sich niemand, außer uns, wirklich freuen würde? Was war das für eine Welt...

'Doch, kann es. Ich fürchte, ich werde dich nun zum ersten Mal enttäuschen.'
Ich erinnerte mich an meine Worte, die ich ihm noch ein paar Tage zuvor gesagt hatte. Dass ich niemals von ihm gehen würde, solange er sich nicht gegen mich stellte und er schwor mir, dass dies nie passieren würde. Er würde sich niemals, nie gegen mich stellen.

'Mich jetzt enttäuschen?'
Ich spürte seine Unsicherheit. Und ich sagte ihm, dass ich zu meinen Eltern fahren würde. Ich würde Jalilah holen. Auf seine Frage hin, wie lange ich bleiben würde, antwortete ich, dass ich zwei, drei.. vielleicht vier oder fünf Tage bleiben werde. Und ich entschuldigte mich dafür bei ihm. Und weil es mein Ranim war, erwiderte er darauf, dass mir nichts leid tun musste, immerhin musste ich meine Tochter ja holen. Aber es tat mir leid, da ich etwas tat, womit er nicht rechnete: Ich lief wieder weg.

'Ich dachte, du wolltest nur weglaufen, wenn ich mich gegen dich stelle.'
Ich sah seinen Blick, seinen enttäuschten Blick. Ich hatte es wieder einmal geschafft. Ich war eine Enttäuschung durch und durch. Anstatt zu feiern, anstatt fröhlich zu sein, dass uns in acht Tagen nichts mehr trennen konnte außer unser Tod, saß ich hier und wurde lethargisch, weil ich alles versaut hatte. Ich war eine Enttäuschung. Für alle. 'Aber du bist keine Enttäuschung.', er nahm mich wieder in seine Arme. Ich hatte ihm bisher nichts Gutes gebracht und egal, was ich versucht habe, es war bisher immer gescheitert. So sehr, dass Zafer mittlerweile sogar zu bereuen schien, uns zusammengebracht zu haben.

'Seine Worte waren bestimmt überhastet.'
Aber sie taten trotzdem weh. Und in der Hast? Aiwa, in der Hast sprach man oft das, was man wirklich dachte. Was das Herz in dem Moment fühlte. Ich musste ihn wieder enttäuschen, indem ich ihm sagte, dass ich meine Worte in dem Moment, als ich mit ihm sprach, auch so gemeint hatte. Genau so, wie ich sie gesagt habe. Nicht anders. Und hier hatten wir wieder das größte Beispiel dafür, dass es nichts anderes an mir gab als: Enttäuschung. Er hatte etwas Besseres verdient.

'Hör auf mit solchen Worten.'
Ich wusste keinen Weg mehr. Warum war auf einmal in mir alles so leer? Warum? Ich wollte mich freuen. Oder ich wollte weinen. Wegen allem. Befreiend weinen, aber es ging nicht. All das hatte nur Ärger gebracht. Er versuchte mich zu beruhigen. All das hatte hauptsächlich gute Gefühle in ihm geweckt, alles andere interessierte ihn nicht.

'Wenn ich ehrlich bin möchte ich nicht, dass du gehst. Mit wem soll ich sonst reden? Meine Zeit verbringen? Ich wäre eine leere Hülle für diese Zeit.'
Da waren diese Worte, die meinen Körper durchströmten und mir zeigten, dass es eben doch noch etwas zu fühlen gab. Er hatte den Knopf noch einmal betätigt und ich begann zu weinen. Ich begann nur noch hilflos zu weinen. Er zog mich zu sich und legte seinen anderen Arm auch noch um mich. 'Wir stehen das gemeinsam durch, hörst du? Ich kann dich davon nicht abhalten, aber ich werde dir beistehen, falls du bleibst.'; ich hielt mich an ihm fest. Ich kniff meine Augen zusammen und ich kämpfte. Ich kämpfte mit mir selbst. Ich stellte meine Bedürfnisse und Wünsche hinten an. Ich veränderte mich. Wegen ihm oder dank ihm. Ich spürte, dass sich irgendetwas in mir regte. Es taten sich ganz andere Möglichkeiten, ganz andere Sichtweisen auf als jemals zuvor. Er gab mich nicht auf. Ganz egal, was passierte. Er gab mich nicht auf. Ich küsste seinen Hals vorsichtig.

'Ich werde sie zu mir bringen lassen. Unserer Liebe wegen.'; er küsste mich vorsichtig auf meine Worte hin. Er war froh, dass ich meine Meinung geändert hatte. Und das tat ich aus einem Grund: Weil ich ihn tatsächlich unabdinglich liebte.

'Wir sehen uns morgen. Mach dir nicht zu viele Gedanken über Zafer.'
Er gab mich aus seiner Umarmung frei und wir gingen getrennte Wege. Zuhause angekommen schloss ich die Tür hinter mir und fand den Brief.
    • Salam Alaikum Malaika Leyla, Tochter der Yazir und bald Natifah des Hauses Ifrey,

      mir ist bewusst, dass manche Worte im Zorn oder in der Verzweiflung schnell ausgesprochen werden, aber weitreichende Folgen nach sich ziehen können. Aus diesem Grunde bin ich bereit, darüber hinwegzusehen und eine Entschuldigung deinerseits zu akzeptieren, solltest du dies im Sinn haben. Suche mich am morgigen Tag auf und so Eluive will, werden wir die Schatten der Vergangenheit vertreiben können.
Ich las die Worte immer und immer wieder. All die gesprochenen Worte wiederholten sich und blieben in meinen Gedanken. Ich fühlte mich hin- und hergerissen. Ich spürte den Drang einfach zu gehen und gleichsam das Gefühl, bei meinem Ranim zu bleiben. Und dieses Gefühl schien so viel stärker zu sein.

Ich las das Schreiben erneut. War es nun an mir über meinen Schatten zu springen? Zafer erwartete scheinbar, dass ich mich für meine gesprochenen Worte entschuldigen würde. Ich musste also meinen Stolz überwinden um alles retten zu können? Ich war wieder vollkommen leer. Gesprochene Worte hatten zu sehr verletzt. Ich dachte an Gassur. Ich sollte ihm zuliebe handeln. Aber konnte ich das? Konnte ich ihn wirklich so sehr lieben, dass ich den letzten Funken Stolz beiseite legen würde? Vielleicht würde ich alles irgendwie ändern können. Aber konnte ich das? Konnte ich das erste Mal in meinem Leben wirklich selbstlos sein? Ich spürte, dass ich mich veränderte. Dass ich mein stures Wesen langsam beiseite schob um Platz zu machen für etwas anderes: Etwas, was Gassur ans Tageslicht geholt hatte.

Aber war ich wirklich schon soweit? Wollte ich mich selbst wirklich loslassen? Konnte ich das? War es die Genugtuung für Zafer mich am morgigen Tage zu sehen? Wie konnte ich mich für Worte entschuldigen, die ich in dem Moment anhand der Umstände tatsächlich so fühlte? Ich würde in eine Zwickmühle geraten, denn eine Entschuldigung wäre eine Lüge.

Dennoch, ich war hier. Und ich vermisste Gassur. Ich wusste nicht, was Zafer nun ansatzweise zur Vernunft gebracht hatte. Aber irgendetwas schien es gewesen zu sein. Nun war es an mir, mich den Geistern meiner Vergangenheit zu stellen. Nicht nur dem Tod Rasins: Den Geistern meiner kompletten Vergangenheit.
    • [img]http://25.media.tumblr.com/2d52551068abb0fcd112badc15cfbd69/tumblr_mp1lapPyf71sxb46ho4_500.gif[/img]
Ich hatte eine Hand, die mir gereicht wurde. Und diese hatte ich angenommen. Und wenn ich mich nur im Ansatz als dankbar erweisen konnte, dann würde ich über meinen Schatten springen. Ich würde schlafen, der nächste Morgen würde mir die Absolution eröffnen. Oder auch nicht.

Verfasst: Freitag 5. Juli 2013, 00:09
von Malaika Leyla Ifrey
Stellung beziehen.


Es war nur ein Wunsch gewesen. Ein kleiner Wunsch. Aber selbst das war zu viel. Er ging zu seinem Schreibtisch und setzte sich in seinen Stuhl. Er wusste ganz genau, wie wichtig mir das war. Er wusste es.

Ich zog die Tür hinter mir zu. Ich hatte nicht mehr viele Worte. Ja, ich vermutete, das war unsere erste kleine Unstimmigkeit. Ich hoffte, er würde sich über den Tag verteilt darüber klar werden, dass es nur ein kleiner Wunsch war, der doch so viel Bedeutung hatte. Und wenn er es nicht selber tun wollte, dann sollte er mir die Absolution dafür erteilen. Ich würde es in meinem Namen tun.

Aber nichts. Den ganzen Tag über kam nichts. Ich hatte mich verabschiedet mit „Bis morgen“. Ein klarer Hinweis darauf, in der Welt der Frauen, dass es morgen zu spät war. Aber so, wie ich ihn einschätzte, würde er es nicht verstehen.

Waren das nun die ersten Zweifel? Obwohl das Gespräch mit Zafer so gut gelaufen war? Nein, Malaika. Du reagierst nun nicht so, wie immer. Du musst lernen, deinen Egoismus zu zügeln.

Und da war es wieder: Diese Hilflosigkeit. Dieser Drang. Dieser Zorn und diese.. Wut. Du musst dich den Schatten der Vergangenheit stellen, Malaika. Allen.
Ich warf blind etwas durch den Raum. Ich... sah zu dem Rucksack. Er stand so verführerisch dort. Es war, als würde er zu mir sprechen. Ich ging auf ihn zu. Mein Versuch zu widerstehen scheiterte. Ich zog mich um, zog mir etwas an. Schnappte mir den Rucksack, sattelte das Pferd. Und ritt durch die kalte, dunkle Wüstennacht. Mit nichts weiter als einem Rucksack und dem unsagbaren Gefühl der Enttäuschung.

Verfasst: Freitag 5. Juli 2013, 00:55
von Gassur Farees Ifrey
Nachdem er mit Hazar und Haroun lange gesprochen hatte, es tat ihm gut wieder mit seiner Familie zu reden. Beschloss er Malaika aufzusuchen, schließlich hatten sie am Nachmittag ihren ersten Streit. Als er in ihr Haus kam und freundlich "Salam Alaikum Rani" sagte, niemand antwortete, er suchte das ganze Haus ab. Sie war nirgends zu finden. Keine Nachricht, nichts. Er setzte sich an denn Tisch, er konnte nicht verstehen, warum sie nur gegangen sein könnte, ist sie überhaupt gegangen? Er wusste es nicht, woher auch. In ihm kamen die Zweifel auf, hatte er bei ihrer Bitte falsch reagiert. War es nicht immer an ihm gewesen sie aufzufangen, hatte er versagt. Noch vor der Hochzeit, was für einen Mann würde er abgeben, wenn seine Rani schon vor der Hochzeit davon läuft. Er nahm sich eine der Flaschen und leerte diese. Aber dies brachte nur noch schlimmere Gedanken, was wäre wenn ihr in der Wüste etwas zugestoßen wäre. Dies könnte er sich niemals verzeihen. Alles nur, weil er ihr diesen einen Wunsch nicht nicht erfüllte, war es ihm das wirklich wert. Er saß da ihm wurde kalt und heiß zugleich, solche Gefühle hatte er noch nie zuvor gespürt. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Nach einigen Stunden beschloss er zu gehen, er konnte nicht allein in ihrem Haus bleiben und so schlich er am Meer entlang nach Hause.

Verfasst: Freitag 5. Juli 2013, 10:04
von Malaika Leyla Ifrey
Zuflucht.

    • Wo auch immer du Enttäuschung spürst,
      es gibt immer einen Ort,
      an dem du dich fallen lassen kannst.

Es waren Stunden gewesen auf dem Rücken von Alya. Sie war eine gute Stute. Ich hatte sie hervorragend ausgebildet. Ich wollte den Wind spüren, die Freiheit. Meine Gedanken verdrängen. Und all die Enttäuschung von mir fernhalten.

Sieben Tage, Malaika. Stell dich den Geistern der Vergangenheit.
Neda. Ich konnte nicht. Noch nicht jetzt und schon gar nicht alleine. Ich war nicht perfekt, auch wenn ich perfekt sein wollte. Ich sattelte Alya ab, gab sie in der Karawansei ab und ging den Rest zu Fuß.

Ich war alleine hier. An diesem Ort, an dem wir uns so oft heimlich getroffen hatten. Was hatten wir nicht alles riskiert? Ich war erschöpft und müde, war es leid, meine Augen aufzuhalten und dennoch konnte ich sie nicht schließen. Irgendetwas in mir ließ mich nicht schlafen. Er würde böse mit mir sein, er würde enttäuscht sein. Er würde sich keine Sorgen machen, er würde einfach nur enttäuscht sein. Und dann, dann konnte ich ihm wieder sagen, dass ich eine Enttäuschung war. Ich hatte mich von meinem Gefühl leiten lassen.

Von einem Gefühl, welches ich unterbinden wollte. Ich wollte anders sein. Wem wollte ich etwas beweisen? Ihm? Mir? Allen anderen? - Allen voran wohl mir. Mir selbst wollte ich beweisen, dass ich erwachsen sein konnte. Vernünftig, reif. Wie schön war es, wenn man selber merkte, dass man damit scheiterte.

Ich ließ mich zurück in den Sand fallen und sah in die Sterne hinauf. Irgendwann würden mir sicher die Augen zufallen und ich würde ein wenig Schlaf finden. Einundzwanzig, zweiundzwanzig. Meine Gedanken wollten mir keine Ruhe lassen. Siebenhundertelf. Siebenhundertzwölf. Ich gab es auf.

Ich wurde erst wieder wach, als ich die Hand auf meiner Schulter spürte und ein leises „Rani?“ vernahm. 'Was machst du hier draußen?'
Ich brauchte einen Moment, um wach zu werden. Was machte ich hier wohl? Schlafen und allein sein. 'Ich hatte mir schon die schlimmsten Sorgen gemacht'. Ich hatte mich langsam aufgesetzt. Er hatte mich zuhause gesucht, doch dort war ich nicht auffindbar. Offensichtlich, wenn ich doch hier war.

Und natürlich hatte er heute Nachmittag nichts verstanden. Aber ich durfte ihm nicht böse sein, all das war neu für ihn. 'Ich hatte nicht vor, dich im Stich zu lassen. Ehrlich gesagt habe ich auch nicht das Gefühl, dich im Stich gelassen zu haben. Aber falls doch, tut es mir leid.'

'Es war nur eine kleine Bitte, Ranim. Du wusstest ganz genau, wie viel mir das bedeutet'.
Da war es wieder. Dieses kleine, sture Etwas. Aber ich konnte nicht anders. Nicht in diesem Fall. 'Was erwartest du? Hättest du es einfach hinter meinem Rücken gemacht.'; hinter seinem Rücken? Das konnte nicht sein ernst sein, er konnte doch nicht von mir verlangen, ihn bewusst zu hintergehen? Ich wollte keine Geheimnisse vor ihm haben. Ich wollte ihn nicht hintergehen. Er war mein Ranim. Er war das, was mir wichtig war. Ich konnte ihn doch nicht belügen.

'Was erwartest du von mir?'; im Grunde wusste ich es selbst nicht. Ich hatte vielleicht erwartet, dass er mir in dem Fall sein Gehör geschenkt hätte. Sich meine Beweggründe dafür angehört hätte, obwohl es offensichtlich war. Meine Gefühle dazu anhörte, die er vielleicht in der Form gar nicht kannte. Ich wollte nach Hause, bevor ich noch irgendetwas Unüberlegtes sprach. Und ich wollte mich nicht wegen.. so etwas mit ihm streiten.

'Ist es schon soweit, dass wir nicht mehr offen miteinander reden?'
Offen. Nun sollte ich also offen reden? Was würde das bringen? Sollte ich ihm sagen, dass ich von ihm erwartete, dass er hinter mir stehen würde? Dass er nicht zulassen dürfte, dass unser Tag für mich zu einem Tag werden würde, den ich hassen würde? Dass er Sorge dafür tragen musste, dass ich den Tag genießen konnte und alle Vorkehrungen dafür treffen musste? Dass ich ihm mein Herz komplett ausschütten würde, ihm all die Verletzungen aus der Vergangenheit aufzeigen würde, nur, damit er erschüttert wäre darüber? Dass ich gehofft hatte, dass er mich heute Mittag einfach in den Arm nehmen würde. 'Ich wusste nicht, dass es so schlimm ist. Ich werde deinem Wunsch nachkommen.'

Er nahm mich in den Arm. 'Ich wusste wirklich nicht, dass es so schlimm für dich ist.'; aiwa, das wusste er nicht. Aber anstatt mir zuzuhören hatte er gleich nein gesagt. 'Auch ich habe Fehler.'

Da der Tag anstrengend war, unterbrachten wir unser Gespräch. Es war besser, schlafen zu gehen. So hatten wir beide Zeit, über die gesprochenen Worte nachzudenken. 'Vielleicht wäre es besser, wenn wir bei dir schlafen würden. Nicht, dass du morgen doch noch weg bist.'; ich seufzte. Er wollte die Kontrolle darüber haben, aber wer wäre er gewesen, wenn er nicht Sorge dafür tragen wollte, dass ich bei ihm blieb. Wir gingen... nach Hause.

'Ich hatte vorhin wirklich für einen Moment Angst dich zu verlieren.'

Verfasst: Montag 8. Juli 2013, 17:15
von Malaika Leyla Ifrey
Sternschnuppenmomente.

    • Um einen guten Liebesbrief zu schreiben,
      musst du anfangen, ohne zu wissen, was du sagen willst,
      und endigen, ohne zu wissen, was du gesagt hast.
    • (Jean-Jacques Rousseau)


Man sagt, der Schlaf ist etwas, an dem die Seele ins Gesicht getragen wird. Beobachte einen Schlafenden und du siehst, wie er wirklich ist. Man sagt, einem Schlafenden wohnen keinerlei böse Geister mehr bei. Man sieht ihn, wie er ist. Ich wollte ihn nur einen Augenblick ansehen, aber ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm nehmen. So wunderschön. So ruhig. So ausgeglichen und fernab jeglicher Sorge. Seine Gesichtszüge waren weich, entspannt. Frei von all den Sorgen, die ihn trotz des Glücks belasteten. Ich war froh, wenn all das Negative hinter uns geblieben war. Und wir endlich gemeinsam voran blicken konnten.


Dieses flaue Gefühl in meiner Magengegend wollte und wollte nicht aufhören. Du kennst das doch, Malaika. Du weißt doch genau, wie es sich anfühlt, zu heiraten. Nein, das betäubende Gefühl war dennoch da. Diese Unsicherheit, ob alles so funktionieren würde, wie ich mir das vorgestellt hatte. Wie wir uns das vorgestellt hatten. Oh Eluive, ich wollte gar nicht daran denken, wie es ihm nun gehen würde. Für ihn war das alles neu. Was für ein Gefühl war das eigentlich für einen Mann? Waren es genauso wirre und dennoch schöne Gedanken wie bei uns? Natürlich war da dieses allumfassende Zeichen der Liebe, diese Endgültigkeit. Dieses „Wir gehören zusammen und keiner kann uns mehr trennen“. Aber diese Endgültigkeit konnte einem auch den Hals zuschnüren. Ein Leben lang eins. Gab es etwas Schöneres? Hatten Männer also auch irgendwie Angst vor diesem Tag, an dem sie sich ewig binden würden? Oder waren sie mehr von ihrem Stolz gepackt, eine Natifah als ihr Eigen zu wissen?


    • Hand in Hand gehen,
      ohne den eigenen Weg zu verlieren,
      einander annehmen, ohne sich selber aufzugeben,
      in einem Meer aus Herzensnähe baden, ohne darin zu versinken.
    • (Jochen Mariss)
    • [img]http://25.media.tumblr.com/f0f02894563c7a8da5f9116b777ec3ab/tumblr_mowef03pky1srb89ao1_500.jpg[/img]
Über was man sich nicht alles Gedanken machen musste. Da waren die Ringe. Wenn alles klappte, dann würden wir wirklich einzigartige Ringe zu unserer Hochzeit bekommen. Einzigartig wie unsere ganze Geschichte. Ich musste mir Gedanken machen über Jalilah. Entweder würde ich sie bei Aaminah lassen oder Hazar bitten, auf sie zu achten während der Zeremonie. Jemand anderem wollte ich sie nur ungern anvertrauen. Die Zeremonie. Die Bräuche. Bei Eluive, wie sollte ich das alles in so kurzer Zeit auf die Reihe bekommen? Ich wusste nicht, ob Gassur bereits mit Ghadir gesprochen hatte wegen des Bandes der Ehe. Die Schuhe für die Ehe standen bereit. Das Gelübde. Ich seufzte. Natürlich hatte ich mir Gedanken zu dem Gelübde gemacht. Aber es war schwer. Es war sehr schwer, die passenden Worte zu finden. Ich würde mit allem, was ich sagen würde, eh wieder Getuschel auslösen. 'Von wegen trauernde Witwe...'
Aber konnte es mir nicht bald egal sein? Was sie sprachen? Das konnte es.


Als ich ihm die kleine Schatulle übergeben hatte, strahlten seine Augen. Ebenso wie die meinen. Ich war so glücklich, dass alles so wunderbar geklappt hatte. Es war wundervoll. Auch freute ich mich darüber, dass er so überwältigt war von dem Zelt, in dem die Feier stattfinden sollte. Er war für einen Moment wirklich sprachlos. 'Dank dir wird dieser Tag perfekt.'
Aber nicht nur dank mir. Dank uns, dank uns würde dieser Tag so werden, wie er werden sollte: Einzigartig und perfekt. Warum auch immer, ich hatte so sehr den Drang danach, ihn perfekt zu machen.

    • An dich denken mit den Augen. Dein Gesicht sehen.
      An dich denken mit den Ohren. Deine Stimme hören.
      An dich denken mit der Nase. Deinen Duft riechen.
      An dich denken mit dem Mund. Deinen Kuss schmecken.
      An dich denken auf der Haut. Deine Hände fühlen.
      Zu dir denken mit allen Sinnen. Bei dir sein.
    • (Rosalva Godim)
    • [img]http://25.media.tumblr.com/a78c84a8a9e9412f689c188547289a7e/tumblr_mpkmw92xbj1syvbyyo1_500.jpg[/img]

Verfasst: Freitag 12. Juli 2013, 10:47
von Malaika Leyla Ifrey
Ein großer Tag.


    • Einen Menschen lieben,
      heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden.


      (Albert Camus)

Ich öffnete meine Augen kurz. Dann schloss ich sie wieder. Ich blinzelte. Einmal, zweimal, dreimal. Mein Blick zur Seite verriet mir: Es war kein Traum. Es war absolute Wirklichkeit. Ich spürte den Arm, der um mich gelegt war. Es war unter gar keinen Umständen ein Traum. Malaika Leyla Ifrey. Ich gehörte zu ihm. Endgültig. Diese Tatsache allein zauberte mir ein glückliches Lächeln auf meine Züge.


Viele Stunden vorher.


Was am Morgen des Tages unserer Hochzeit so einfach gewesen war, wurde über den Tag verteilt zu einer riesigen Qual. Umso näher der Abend rückte, desto aufgeregter wurde ich. Es fühlte sich an, als würden meine Beine nachgeben, meine Knie zittern und mein Herz explodieren. Es fiel mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen und es musste noch so viel erledigt werden. Kurz vor der Hochzeit führte mich mein Weg noch ins Ifreyviertel. Ich wollte ihn mit einem meiner Anliegen für die Hochzeit behelligen. Immerhin sollte es ein wundervoller Tag werden und nicht von irgendwelchen Eskapaden vernichtet werden. Ich bat ihn also, meine liebreizende Cousine Zia nicht in den Tempel zu lassen. Sie hatte mir gegenüber einfach die falschen Worte verloren. Und Gassur gegenüber auch. In meinen Blick legte sich sichtliche Erleichterung, als er mir versprach, dafür zu sorgen, dass niemand diesen Tag zerstören würde. Hazar hatte mich noch gefragt, ob ich etwas essen wollte. Aber ich brachte nichts runter. Mir war heiß und kalt und mein Magen fühlte sich an, als würde er jederzeit explodieren, wenn ich ihn mit Essen vollstopfen würde. Hazar übergab mir im Anschluss noch einen Schlüssel für das Familienhaus. 'Du bist bald eine Ifrey.'; aiwa, mir wurde diese Tatsache genau in diesem Moment bewusst. Ich würde eine Natifah des Hauses Ifrey werden. Und das in weniger als einer Stunde.



Zehn Minuten vorher.


'Bist du sehr aufgeregt?'
Ich hatte, um mich ein wenig an die Tradition zu halten, vor dem Familienhaus der Yazir auf ihn gewartet. Normalerweise hätte mich meine Familie übergeben müssen. Aber so war es für alle Beteiligten besser. Als er auf mich zukam schlug mein Herz noch wilder und höher. Natürlich war ich aufgeregt. Ich fühlte mich, als würde der Sand unter meinen Füßen pulsieren und ich war froh, als ich auf dem Pferd saß und für den Moment nicht mehr stehen musste. Beruhigend war, dass es ihm nicht anders ging. Als ich das Geplärre von Zia hörte, seufzte ich innerlich ein wenig. Glücklicherweise musste ich mich nicht länger damit beschäftigen, da wir zum Tempel aufbrachen.

Vor dem Tempel kamen wir zum Stehen. Der gute Achim hatte gut zu schnaufen, nachdem er den Bergpass zum Tempel erklommen hatte. Ich ließ mich vom Pferd in Gassurs Arme gleiten. Oh Eluive, wie nervös ich war. Auf einmal fühlte sich die Luft in MenekUr noch viel heißer an als eh schon. Wir wuschen uns die Füße, als Jumanah zu dem Treiben hinzukam. Ich begrüßte sie kurz, dann gingen wir, nachdem wir uns die Füße getrocknet hatten, zum Tempel empor. Er war schon reichlich gefüllt. Haroun nickte uns zu, als wir den Tempel betraten. Langsame Schritte führten uns beide zu Nazeeya. Ich hatte das alles schon einmal erlebt, aber ich war dennoch so aufgeregt. Die Zeremonie begann und ich hatte keinen Zweifel, dass auch diese Segnung wahrhaftig ein Traum werden würde.

'Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen, dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten, dich erst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen, dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen, dich informieren, ohne dich zu belehren, dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen, dir meine Gefühle mitteilen, ohne dich dafür verantwortlich zu machen, dir helfen, ohne dich zu beleidigen, zu dir kommen, ohne mich aufzudrängen, mich von dir verabschieden, ohne Wesentliches versäumt zu haben, mich um dich kümmern, ohne dich verändern zu wollen, mich an dir freuen... so wie du bist.'
Ich konnte niemanden beschreiben, wie sehr diese Worte in meinem Bauch kribbelten. Wie sehr sie mich ausfüllten und wie sehr sie alles in mir zum Strahlen brachten. Ich hatte mit Vielem gerechnet. Nur nicht mit diesen Worten. Er war so behutsam und so zuvorkommend, dennoch so willensstark und bestimmend. Eine Mischung, die mich halb wahnsinnig machte. Im positiven Sinne. Ich musste mich zusammenreißen und einige der angesammelten Tränen in den Augenwinkeln weg blinzeln, immerhin musste ich mein Versprechen, meine Worte, nun an ihn richten. Ich war nervös. Eluive, war ich nervös.

'In den dunkelsten Momenten deines Lebens fühlst du dich allein. Niemand ist da, der dir eine Hand reichen kann, die genug Halt und Stärke verspricht, um dich aus dieser Dunkelheit zu befreien. Du hoffst nicht mehr darauf, dass jemand kommt und diese Mauer durchbricht. Dir wieder zeigt, wie wundervoll jeder Tag werden kann. Dir das Gefühl gibt, gebraucht zu werden.' Ich musste für einen Moment kurz schlucken und den Kloß in meinem Hals vertreiben, der sich schon jetzt gebildet hatte. Dann setzte ich meine Worte fort. 'Als ich deine Hand in der Dunkelheit erblickte, zögerte ich. Und dennoch – ich gab sie dir. Behutsam und vorsichtig ließ ich mich von dir Stück für Stück aus dem Dunkeln ziehen – zurück ins Licht. Tag für Tag kam wieder ein Stückchen von mir in meine Seele und in mein Herz zurück. Dank dir hatte ich wieder Hoffnung. Und Zuversicht. Denn wer zuversichtlich ist, dem wachsen Flügel. Ich habe gemeinsam mit dir meine Flügel ausgebreitet, um über unser geliebtes Land zu fliegen, nur um das Schöne wieder erkennen und sehen zu können. Ich habe an deiner Seite gelernt, wieder Träume zu haben und diese zu verwirklichen. In all der schweren Zeit bist du nie von meiner Seite gewichen. Du hast mich nie allein gelassen, ich konnte mich immer und immer wieder auf dich verlassen. Auch, wenn zwischen uns eine Wand des Feuers stand, du bist hindurch gegangen, hast mich behutsam in deine schützenden Arme genommen und durch die Wand des Feuers und Widerstands getragen. Du allein warst bereit, alles für mich und mein Glück zu tun, alles dafür in Kauf zu nehmen. Mit der schützenden und stützenden Hinterhand deiner Familie. Und auf einmal erschien mir der Horizont nicht mehr dunkel, sondern bespickt mit kleinen, leuchtenden Sternen. Es gab in meinem Leben wieder mehr als den Sonnenauf- und Untergang. Es gab dich. Uns. Und deine Familie. Du allein hast mich angenommen als das, was ich bin. Du hast in mir das gesehen, was mir selbst verborgen war. Du hast mir gezeigt, dass ich tief in mir immer noch das bin, was ich immer war. Was anfangs so unwirklich war, wurde mit jedem Blick in deine Augen, in deine Seele und in dein Herz zu etwas Großartigem. Deine Hände haben mich stark gemacht, deine Fürsorge hat mich behütet, deine Worte haben mir Mut und Glauben geschenkt. Und deine Liebe hat mein Herz berührt. Uns wurden viele Steine in den Weg gelegt, dennoch haben wir es geschafft, diesen Weg zu gehen. Mit ihrer Hilfe, mit ihrer Weisheit. Und mit ihrer Güte. Ohne die Allmutter sind wir atemlos und leer. Sie führte unsere Wege zusammen, sie hat dich mir geschenkt. Nun sind wir hier eins vor ihr. Dass wir uns achten, dass wir uns treu sind, dass wir uns immer beistehen, dass wir uns vergeben, dass wir uns umeinander sorgen, dass wir füreinander da sind, dass wir auf sie vertrauen und uns bei ihr geborgen fühlen, dass wir einander vertrauen und uns miteinander geborgen fühlen. Dies alles und noch viel mehr geschieht wie von selbst in diesem Wunder namens Liebe. So soll es bleiben, solange wir beide leben. Ich danke ihr für den Rest meines Lebens, dass sie dich geschickt hat. Als helfende Hand, als engsten Vertrauten, als Zuversicht.'

Im Anschluss an den Segen durfte er mich küssen. Vor allen. Ein Gefühl, welches so unwirklich war und sich auch noch unwirklich anfühlte, als er meinen Schleier lüftete und mich wirklich küsste. Ich hatte gehofft, dieser Moment würde nie vergehen, aber ich wusste auch, dass ich mich wieder von ihm lösen musste.
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Ein bisschen später.


Nachdem die Zeremonie vorüber waren, empfingen wir alle Gäste am Zelt. Es waren doch einige gekommen und Naischa hatte nicht zuviel versprochen. Sie hatten tatsächlich beinahe den ganzen Hof mit dabei. Letztendlich waren wir dann stolze Besitzer eines Mustangs, einer Kuh, einem Schaf und einem Huhn. Eine irrwitzige Idee, über die ich mich sehr freute. Auch die anderen Geschenke waren überwältigend. Jedes Geschenk hatte eine gute Idee und einen interessanten Aspekt. Ich war wirklich, wirklich überwältigt. Und so gingen die Feierlichkeiten weiter. Ich war glücklich, so viele Anwesende zu sehen. Natürlich keinen meiner Familie, aber anders war es für mich nicht zu erwarten. Ich war allen Anwesenden so unendlich dankbar. Allen voran natürlich Aaminah, die sich so liebevoll um meine Tochter gekümmert hatte und an Hazar, die mich mit ihrer herzlichen Umarmung so überwältigte. Und auch allen anderen, die diese Hochzeit zu etwas Unglaublichem gemacht hatten.



Viel, viel später.


Ich öffnete die Tür und ging mit ihm hinein in das Haus. Irgendwie fiel sämtliche Last von meinen Schultern, als ich die Tür hinter mir zugemacht hatte. Natürlich war die Zeremonie schön gewesen, auch die Feier war wunderschön. Aber es war an der Zeit gewesen, nach Hause zu gehen. Ich atmete erleichtert aus. Da waren wir nun. Verheiratet. Ich musste wieder etwas schmunzeln.
    • Gassur Farees Ifrey: [menek] Ein ganz schön anstrengender Tag, aiwa?
      Malaika Leyla Ifrey: [menek] Hat sich aber gelohnt, finde ich.
      Gassur Farees Ifrey: [menek] Das hat es, ohne Frage. ich könnte mir nicht besseres vorstellen.
      Malaika Leyla Ifrey: [menek] Wenn du das in ein paar Jahren auch noch sagst, haben wir alles richtig gemacht.
      Gassur Farees Ifrey: [menek] Ich denke schon, warum sollte es anders sein?
      Malaika Leyla Ifrey: [menek] Weiss ich nicht.
      Gassur Farees Ifrey: [menek] Hast du Bedenken, weil es bei uns alles so schnell ging?
      Malaika Leyla Ifrey: [menek] Klang es heute so, als hätte ich Bedenken?
      Gassur Farees Ifrey: [menek] Neda, nicht mal im Ansatz. bei deinem Gelübde blieben keine fragen offen.
Es ließ tatsächlich keine Fragen offen. Ich hatte ihm mit meinem Gelübde alles gesagt, was ich ihm in den letzten Wochen am liebsten täglich gesagt hätte. Er war der Grund, warum ich noch hier war. Warum ich wieder existierte und nicht als leblose Hülle umher wanderte. Er war der Grund, warum auf einmal alles andere so unwichtig war. Ich ging zu ihm und legte meine Arme um seinen Nacken, er seine an meine Hüften. 'Endlich können wir das ohne über die Schulter sehen zu müssen.'; Ja, damit hatte er vollkommen recht. Und das Schönste an allem war, ich konnte ihn endlich mit reinem Gewissen küssen. Kein schlechtes Gewissen mehr, keine Gewissensbisse. Wir konnten einfach frei sein und uns frei bewegen. Wir konnten Mann und Frau sein. Ich wusste gar nicht, was in mir nicht kribbelte. Dieses Gefühl war so wundervoll.
    • [img]http://24.media.tumblr.com/dc4162b4ed75544089170f95d701c573/tumblr_mpk7jhfF2Z1sq9bgoo1_500.gif[/img]


Der nächste Morgen.


Ich öffnete meine Augen kurz. Dann schloss ich sie wieder. Ich blinzelte. Einmal, zweimal, dreimal. Mein Blick zur Seite verriet mir: Es war kein Traum. Es war absolute Wirklichkeit. Ich spürte den Arm, der um mich gelegt war. Es war unter gar keinen Umständen ein Traum. Malaika Leyla Ifrey. Ich gehörte zu ihm. Endgültig. Diese Tatsache allein zauberte mir ein glückliches Lächeln auf meine Züge. Wir hatten es geschafft. Wir waren verheiratet und alles hatte seine Richtigkeit gehabt. Wenn ich etwas gelernt hatte in der ganzen Zeit, dann darüber, dass es wichtig war, auf das Herz zu hören. Ich war froh, dass ich alles zugelassen hatte. Auch, wenn meine „Familie“ mich nicht verstehen konnte und wollte. Ich sah zu ihm, wie er neben mir lag und schlief. Es würde eine großartige Zeit folgen. Mit ihm. Mit Jalilah. Und mit weiteren schönen Eventualitäten und wunderbaren Momenten. Ein tiefes Durchatmen erfolgte: Ich war glücklich. Ja, das war ich.


    • Richtig verheiratet ist der Mann erst dann,
      wenn er jedes Wort versteht,
      das seine Frau nicht gesagt hat.


      (Alfred Hitchcock)

Verfasst: Samstag 13. Juli 2013, 00:45
von Malaika Leyla Ifrey
Regenbogenwolken.

    • Die Frau ist ein Mensch, bevor man sie liebt,
      manchmal auch nachher;
      sobald man sie liebt, ist sie ein Wunder.


      (Max Frisch)
        • [img]http://fc06.deviantart.net/fs26/i/2008/192/a/4/Love_is_in_the_air_by_MiniMonkey.jpg[/img]
Wunder passieren.
Man weiß nicht immer, wann oder wie. Aber sie passieren. Meist in leisen, unbedachten Momenten, in denen keiner daran denkt, dass gerade einfach ein Wunder ums Eck biegen könnte. Ja, Wunder passieren.


Was ist das Wertvollste, was dir ein Mensch schenken kann? Seine Liebe? Sein Herz? Sein Vertrauen? Ich hatte ein wenig Zeit für mich an diesem Nachmittag. Ich sah auf den Ring an meinem Finger. “Liebe ist, wenn die Wirklichkeit den Traum übertrifft.“ Ich drehte ihn ein wenig hin und her. Er schimmerte im einfallenden Sonnenlicht immer wieder.


Das Wertvollste, was dir ein Mensch schenken kann, ist der Blick in seine Seele. Meine Finger glitten über den weichen Stoff, ich sammelte die Kleidungsstücke auf und faltete sie sauber zusammen. Aaminah hatte sich so Mühe gegeben mit meinem Sari. Ich würde ihn in Ehren halten. Der Morgen nach einer Hochzeit war der schönste Morgen, den es im Leben einer Natifah geben konnte. Auf einmal war alles so klar und doch so impulsiv. Ich dachte an ihn. Gassur. Wie er heute morgen noch neben mir gelegen hatte und geschlafen hatte. Seine Zügen waren so rein, so aufrichtig. Nicht nur im Schlaf. Er hatte den ganzen Tag über dieses Funkeln in den Augen gehabt. Er war wirklich glücklich. Ein leises Seufzen verließ meine Lippen.


Das Wertvollste, was dir ein Mensch geben kann, ist eine starke, haltende Hand. Eine feste Umarmung, die dich erschaudern und beben lässt. Ich erinnerte mich an unsere erste Umarmung. An all die Gefühle, die über mich hereinbrachen. An meine Ängste, meine Sorgen. Ich hatte immer wieder Angst, dass mich meine Vergangenheit einholen würde. Dass ich mich niemals wirklich so öffnen konnte, dass er glücklich werden würde. Aber jede Umarmung durchströmte meinen Körper noch ein wenig mehr mit dieser unbeschreiblichen Wärme. Mit dieser allumfassenden Zuneigung, die er für mich empfand. Ob er von Anfang an daran geglaubt hatte, dass wir uns so sehr lieben konnten? Als alles noch ein Gefallen war, um mich aus meiner Familie zu holen?
    • [img]http://25.media.tumblr.com/tumblr_mcjxv6F8Mm1rs64too1_500.gif[/img]

Wie auch immer es war: So, wie es jetzt war, war es gut. Mehr als gut. Ich erinnerte mich an seinen Wunsch, dass er erleben wollte, wie Jalilah ihren ersten Schritt macht. Es war einer seiner Herzenswünsche. Ich seufzte wieder leise und wurde sentimental. Ein weiterer, wundervoller Nebeneffekt einer frisch verheirateten Frau: Übermäßige Emotionalität. Auf einmal fühlte sich alles so viel intensiver an, jedes gesprochene Wort wiederholte sich in Gedanken und löste Gänsehaut aus. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich irgendetwas anders gemacht hätte; ich würde verneinen. Ich hätte nichts anders gemacht. Ich wäre an dem Abend wieder zu Aaminah geflohen, hätte mich wieder von Zafer hereinbitten lassen und ich hätte mir wieder gewünscht, dass er einfach so vor mir stand. Ich lächelte liebevoll. Nein, ich hatte nichts falsch gemacht. In all der Zeit hatte ich mich auf das verlassen, worauf man sich verlassen sollte: Auf mein Herz.


Ich hatte versucht, gegen mein Herz anzukämpfen. Die Vernunft walten zu lassen. Ich hatte mich dazu ermahnt, mich nicht weiter auf das einzulassen, was sich in mir entwickelte. Aber jeder Augenblick, in dem er sich weiter um mich bemühte, brachte mich zum schmelzen. Erreichte mein Herz und schaltete meinen Verstand aus. Er rückte immer weiter in den Hintergrund und ich ließ das immer schneller werdende Pochen zu. Er war da, immer und überall. Er ließ sich nicht davon abhalten, mich kennenzulernen. Mich... lieben zu lernen. Er verzauberte mich allein damit, dass er so war, wie er eben war. Herzensgut, liebevoll.
Vernunft. Wer brauchte die schon? Der Verstand konnte einem nicht sagen, was das Herz sich ersehnte. Was das Herz berührt, das sagt es uns. Wir müssen nur darauf hören und das Geheimnis wird uns offenbart.
    • [img]http://25.media.tumblr.com/81024159e5a3f33828761fa4e615bc47/tumblr_mizyw98xbc1s75rqpo1_500.gif[/img]
    • Für die, die es gut mit uns meinen,
      fällt es uns leichter, unser Bestes zu geben.



Wovor hat ein Mensch am meisten Angst, wenn er liebt?
Dass ihm das genommen wird, was er so sehr in sein Herz geschlossen hat. Ich kannte das Gefühl und ich hatte jedes Mal irgendwie die Angst, dass er irgendwann nicht wieder zu mir zurückkommen würde. Ich war geprägt. Ich wollte nicht wieder jemanden verlieren, den ich liebte. Ich wollte ihn bei mir behalten. Für immer und ewig. Ich wollte seine Natifah sein, solange wir beide lebten. Und ich hoffte so sehr, dass dieser Moment nicht nur ein viel zu kurzer Augenblick war. Ich wollte ihn genießen können, ich wollte Zeit mit ihm verbringen. Ich wollte noch mehr über ihn herausfinden. Ich wollte ihm Nachkommen schenken. Ich wollte unsere eigene, kleine Familie sein. Er, Jalilah, ich. Und doch, ich musste lernen, zu vertrauen. Nicht ihm, sondern dem Schicksal. Ich musste lernen, loszulassen. Damit er immer wieder zu mir zurückkehren konnte. Ich konnte ihn nicht einsperren, um ihn vor all dem Übel zu bewahren, welches es auf der Welt gab. Ich musste lernen, damit umzugehen, dass er in Kriege und Schlachten zog und als stolzer Krieger zurückkehrte. Ich musste auch lernen, damit umzugehen, dass er Verletzungen davontragen konnte. Aber ich wollte nicht mehr lernen, wie es sich anfühlen würde, ohne ihn zu sein. Es würde mich zerbrechen. Denn er war das, was ich über alles liebte. Und ich war so glücklich darüber, dass ich heute Nacht einfach wieder zu Bett gehen konnte, unter die Decke krabbeln konnte und in seinen Armen einschlafen konnte.

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Verfasst: Montag 15. Juli 2013, 11:48
von Malaika Leyla Ifrey
Widerlichkeiten.


    • » Wer sich selbst glücklich machen kann,
      dem glückt das auch mit anderen. «



Es gibt Momente, die sind für Andere nicht offensichtlich. Man spürt es, man fühlt es, man merkt: Irgendetwas ist anders. Irgendwas verändert sich. Man fühlt, irgendetwas ist nicht so, wie es sonst ist. Man spricht von einem warmen Gefühl, welches den Körper durchströmt. Mal intensiver, mal ganz, ganz sanft. Und das Einzige, was dann bleibt, ist dieser Glanz in deinen Augen.



    • Ich atme dich ein. Und nie wieder aus.
      Schließ dich in mein Herz, lass dich nicht mehr raus.
      Ich trage dich bei mir, in meiner Brust.
      Hätt alle Wege verändert, hätt ich sie vorher gewusst.



Nachdem ich mich endlich aufgerafft hatte, um aufzustehen (es war aber auch zu schön, in seinen Armen liegen zu bleiben), räumte ich ein wenig auf, bereitete das Essen für Jalilah vor und holte das Monster dann aus dem Bett. Ich war froh, dass sie mittlerweile die Nächte gut durchschlief und auch sonst alles gut lief. Sie war ein wahrer Schatz. Unmittelbar nach dem Essen gingen wir zum Strand. Ich setzte mich mit Jalilah so an den Strand, dass das Wasser bei einer aufkommenden Welle immer wieder ihre Füße kitzelte, was meine kleine Prinzessin zum Lachen brachte. Wir sammelten Eimer voll mit Muscheln und suchten die Schönste davon heraus.

    • [img]http://24.media.tumblr.com/ff1fe916e5f6d0826afce183e2696419/tumblr_mjgfogryF41s856yio1_500.jpg[/img]

'Sollen wir die Gassur mitbringen?'; ihr Lachen deutete ich als ein ja. Jalilah nahm die Muschel erst selbst in ihre Hände und untersuchte sie, dann gab sie sie wieder in meine Hände und ich steckte sie in meine Tasche. 'Schau, ich steck sie in meine Tasche und dann können wir sie Radeh mit nach Hause bringen.'
Für einen Moment stockte ich. Meine Stirn trugen ein paar nachdenkliche Falten. Für mich war es so selbstverständlich, dass sie nun seine Tochter war. Ich biss mir auf die Unterlippe. Wir hatten bisher nicht mehr weiter darüber gesprochen. Wie er wohl reagieren würde, wenn eines ihrer ersten Worte 'Mara' oder 'Radeh' waren? Ich wusste es nicht. Ich konnte es wirklich nicht einschätzen, ob es nicht doch unangenehm war. Wenn es selbst in mir für einen Moment ein merkwürdiges Gefühl auslöste. Das fröhliche Glucksen Jalilahs löste mich wieder aus den Gedanken. Ich gab ihr einen Kuss auf ihre dunklen Locken und lächelte versonnen. Es würde alles in Ordnung kommen. Sie waren nun einmal eine kleine Familie. Und wenn dann erst einmal sein eigener Nachwuchs unterwegs war und er die Schwangerschaft und auch die Geburt miterleben konnte, dann konnte er diese Bindung zu einem Kind auch noch ein Stück weiter nachvollziehen.

Nachdem ich Jalilah dann wieder nach Hause gebracht hatte und sie schlafen gelegt hatte, schnappte ich mir meine Angel und ging wieder zum Strand. Ich brauchte dies zur Zeit sehr oft, denn hier konnte ich zur Ruhe kommen. Nicht, dass Gassur nicht ein wundervoller Ruhepol war. Aber hier und da musste eine Frau auch allein sein mit all ihren Gedanken. Irgendwann hörte ich die Stimme von Zahra hinter mir, die mich aus meinen Gedanken riss. Ich sah über die Schulter und lächelte ihr zu. Es war eine schwierige Situation für mich. Sie hatte sich aus irgendeinem Grund heraus vollkommen zurückgezogen, was mich auch vorsichtiger werden ließ. Ich konnte nicht mehr allzu unbeschwert mit ihr umgehen, weswegen mir diese Situation mit all ihren Verletzungen auch irgendwie zuviel war. Ich warf die Angel wieder aus. Sie entschuldigte sich für ihre Abwesenheit an der Hochzeit und ich erwiderte, dass es schon in Ordnung war. Genau genommen hatte ich eh kaum noch im Kopf, wer wirklich dort war und wer nicht. So ein Tag ist so aufregend, dass man so schnell so vieles wieder ausblendet. Als ich das nächste Mal zurückblickte, war sie wieder weg.


Wieder zuhause angekommen kümmerte ich mich um den Abwasch und räumte die restlichen Kleider weg, die ich gewaschen hatte. Nachdem mein Mann (oh, ich liebte genau das; zu sagen: „Mein Mann“.) nur mit einer Hose bekleidet die Stufen hinaufkam, musste ich für einen Moment meine Arbeit unterbrechen. Die Ablenkung war doch zu verlockend, die sich mir bot. Er fragte, ob wir etwas zu essen zuhause hatten, worauf ich ihn darauf hinwies, dass er verheiratet war: Er würde nun immer etwas zu Essen zuhause vorfinden – immerhin war er mit mir verheiratet. Nicht mit Khalida oder Zia, die nicht kochen konnten. 'Aiwa, das stimmt wohl. Aber erstmal etwas anderes.'; er kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und küsste mich. Wie ich diese Momente liebte, wenn er einfach auf mich zuging und mich küsste. Einfach so ohne jede Vorwarnung. 'Wir sollten es nun auskosten, dass wir dies dürfen. Es könnte im Moment kaum besser sein, wie ich finde. Wir sind nun endlich verheiratet, Zafer scheint sich auch beruhigt zu haben.'; aiwa, es schien wirklich alles besser zu werden.
    • [img]http://25.media.tumblr.com/7f5e91e0f7ccbba768c52b29034b8fcb/tumblr_mmyvynHDhe1rz2cbjo8_1280.gif[/img]
Ich musste wieder grinsen und begann dann mit dem Kochen, nachdem er sich vollständig angezogen hatte. Ich bereitete die Fischsuppe zu, brat das Skorpionfleisch für das Salta an und würzte alles, um dem ganzen einen schönen Geschmack zu geben. Nach dem Essen überreichte ich ihm die Muschel, die Jalilah und ich gefunden hatten. Er freute sich darüber, das war das Wichtigste.

Nachdem wir gegessen hatten, musste ich noch einiges erledigen, er wiederum musste in sein Büro. Wie gerne wäre ich mitgegangen und... 'Malaika, reiß dich doch zusammen.'; meine innere Stimme war so präsent wie nie zu vor und schimpfte mit mir. Ich gluckste leise und machte mich fertig. Nur wenige Stunden später war ich wieder zuhause und wartete auf meinen Mann. Ich hatte heute so das Bedürfnis danach, jagen zu gehen, dass ich mir gleich meine Rüstung anzog und ihm gar keine andere Wahl ließ, als mit mir jagen zu gehen. Als wir gerade zur Jagd aufbrechen wollten, liefen wir Hazar, Aaminah und Kadir über den Weg. Alle schienen recht aufgeregt zu sein und es stellte sich auch recht schnell heraus warum. Zahra schien wohl trotz ihrer Verletzungen in Adoran gewesen zu sein. Unverantwortlich in meinen Augen, aber Zahra war alt genug, um zu wissen, was sie tat. Wenn sie solche Verletzungen und die damit verbundenen Schmerzen vertrug, dann musste sie sich im Familienhaus ja auch nicht mehr ausruhen. Aaminah erzählte weiter, dass es nicht nur darum ging, sondern auch darum, dass Zahra von Khalida begleitet wurde und Khalida versprochen hatte, Zahra zurück zum Familienhaus zu bringen. Dort war sie natürlich nicht und mittlerweile war schon eine etwas längere Zeit vergangen. 'Deswegen musst du uns mit zu den Yazir begleiten.'; waren die Worte von Hazar. Gassur drehte sich zu mir und flüsterte mir leise etwas ins Ohr, woraufhin ich nur kurz auflachen musste. Das war so typisch Gassur. Aber wir gingen und packten auch noch Haroun ein, der gerade auf seinem Pferd angeritten kam. Bei den Yazir öffnete zunächst keiner, nachdem ich, dezent wie ich war, Sturm geklingelt hatte. Nach einem weiteren Klingeln hatte es Suraya dann doch mal geschafft, die Tore zu öffnen. Ich hatte für einen Augenblick schon überlegt, ob ich meinen Schlüssel nutzen sollte. Aber ich hatte ihn nicht einmal dabei, er war in irgendeiner Kiste verschollen. Suraya erzählte irgendwas davon, dass niemand da war. Ich wusste noch nicht einmal, ob ich ihr glauben wollte. Und meine Vermutung bestätigte sich, als sie nach dem Gespräch panisch zurück rannte ins Haus. Was sollte man von einer Ehrlosen auch erwarten.

Wir brachen also wieder auf, der eine Teil nach Hause. Gassur, Haroun und ich endlich zur Jagd. Ich musste ehrlich sagen, es tat gut, endlich einmal wieder jagen zu gehen. Ich brauchte das nicht oft, aber hier und da war es einfach ein Ausgleich zu all dem schneidern, weswegen ich den Abend sehr genießen konnte. Zumindest solange, wie wir Marek mit seiner Begleitung begegneten und ein Lethar unseren Weg kreuzte. Man spürte die Anspannung der Menekaner deutlich. Und auch die Feindschaft gegenüber dieser Wesen. Ich selbst hatte anfangs ein wenig Mühe, mein Pferd ruhig zu halten. Allein die Präsenz dieses Wesens beunruhigte mein Pferd. Allem Anschein nach hatte dieses Wesen allerdings keine Ahnung, wer oder was wir waren. Ich hatte Mühe, all den Gesprächen zu lauschen, war ich ständig damit beschäftigt, auf mein Pferd zu achten und die Hand griffbereit am Bogen zu haben. Man wusste ja nie.
Als der Lethar dann noch begann, Maden aus seinem Ärmel fallen zu lassen, wurde mir übel. Ich hasste so kleines Krabbelgetier und Maden erst recht. Als er sich eine davon unter die Maske schob wurde mir richtig schlecht. Ich hatte Mühe, meinen Mageninhalt zurückzuhalten. Ich versuchte mich mit über irgendwelche aufgebauten Hindernisse hüpfenden Skarabäen gedanklich abzulenken. Das Knacken der Maden, als diese vom Lethar zerbissen wurden, schnürten meine Kehle wieder zu. Vielleicht hätte ich umdrehen und mich im Wald übergeben sollen, dann wäre diese Übelkeit wenigstens weg gewesen. Aber neda, ich musste tapfer bleiben. Und ich blieb tapfer, bis wir zuhause waren. Dort führte uns der Weg schnell nach Hause. Und dort schnell in das weiche, warme Bett.

Verfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 14:41
von Gassur Farees Ifrey
Der erste Streit.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist. Dennoch überraschte es ihn, zumal er sie eigentlich nur falsch verstanden hatte und danach kamen ihm einige unschöne Gedanken.

Es war eine Bekundungen ihre Liebe zu ihm, vielleicht umständlich ausgedrückt, aber trotzdem eine nicht geahnte Tatsache. Warum hatte er so reagiert, das fragte sich sicherlich nicht nur er. Warum ließ er die Enttäuschung an ihr aus, zumal es keine Enttäuschung gab. In diesem Moment wollte er weg, allein sein, sich einige Gedanken machen.

So verschlug es ihn in die Taverne, wie so oft wenn es Probleme gab. Nach einiger Zeit hörte er ein Pferd wiehern, danach ein Kind weinen. Es konnte nur sie sein, wollte sie diesmal doch fliehen? Er brauchte eine Weile ehe er sich zum aufstehen durchringen konnte. Was sollte er ihr sagen? Er war noch nicht lange hier und hatte noch nicht weiter über die Situation nachgedacht. Nachdem er mit ihr gesprochen hatte, hatte er das Gefühl, dass nun alles noch schlimmer sei und er sie ein paar Tage nicht finden würde. Also gab es keinen Grund mehr sich in der Taverne zurückzuhalten.

Er leerte ein Glas nachdem anderen, als er sich neue bestellen wollte sah er Faaith. Sie schien auch bei jeglichen Problemen in die Taverne zu fliehen. Sie redeten eine Weile und tranken dabei einige Gläser, sie erzählten sich ihre Probleme nicht, keiner der beiden hatte scheinbar Lust über die Dinge weiter nachzudenken. Irgendwann bemerkte er, dass er genug getrunken hatte und verabschiedete sich knapp von ihr.

Sein Weg führte ihn direkt nach Hause, er dachte, dass er ein leeres Haus vorfinden würde. Doch sie saß zusammengekauert am Tisch. Er war froh sie zu sehen, auch wenn er sich nicht in der Lage fühlte ihr großen Trost zu spenden oder die Situation verbessern zu können. Er setzte sich zu ihr, sie redeten noch sehr lange und die Lage schien sich zu entspannen. Aber ihm gingen immer noch tausend Gedanken durch den Kopf, würde er wirklich der Vater von Jalilah sein? Würde er sie glücklicher machen, als sie es mit Rasin war? War er ihre zweite Wahl oder vielleicht sogar die große Liebe? Er wusste auf diese Fragen keine Antwort, zumindest noch nicht. Und alles nur, weil er sie falsch verstanden hatte, diese ganzen Fragen nur weil er ihr unachtsam zuhörte, all dieser Streit nur wegen ihm.

Verfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 16:58
von Malaika Leyla Ifrey
„Wenn ich nur wüsste...“

    • Über Entschlusskraft und Schöpfung gibt es eine grundlegende Wahrheit.
      Die Unkenntnis davon zerstört unzählige Ideen und großartige Pläne und
      das ist es, dass in dem Moment, da jemand sich endgültig verpflichtet,
      dann auch die göttliche Vorsehung Einzug hält. Alle möglichen Dinge
      ereignen sich, um diesem zu helfen, Dinge, die sich sonst nie ereignet hätten.
      Ein ganzer Strom von Ereignissen ergibt sich aus der Entscheidung. Sie
      ruft für jenen, der die Entscheidung getroffen hat, alle möglichen
      Vorkommnisse und Zusammenkünfte und stoffliche Hilfe hervor, von der
      kein Mensch sich hätte träumen lassen, dass sie auf diese Weise eintreffen
      würden. Was immer Du tun kannst, oder wovon Du träumst, Du könntest
      es tun: beginne damit. Kühnheit trägt Genius, Macht und Zauber in sich.
      Beginne es jetzt.

      (Johann Wolfgang von Goethe)



Was meine wahren Worte zerstört hatten, konnte ich für den Moment kaum glauben. Ich hätte von Anfang an wissen müssen, dass er nicht verstanden hatte, was ich gesagt hatte. Normalerweise hatte ich mir eine andere Reaktion darauf erhofft. Ein glückliches Lächeln, dass ich ihm mein Herz damit ausgeschüttet hatte. Dass ich an diesem Punkt angekommen war, an dem ich sagen konnte: Alles war so perfekt. Aber nein. Er war verunsichert. Er wurde ruhiger. Und irgendetwas stimmte nicht. Wir sprachen aneinander vorbei.


Ich konnte mit dem Gefühl nicht umgehen, wenn irgendetwas Negatives zwischen uns stand und egal, wie sehr wir uns vermutlich beide irgendwie bemühten: Es änderte nichts an der Tatsache, dass dadurch alles schlimmer wurde. Und dabei wollte ich ihm nur sagen, dass er alles für mich war, nachdem er mir gesagt hatte, dass ich das Beste war, was ihm passiert war. Ich fluchte innerlich über meine Dummheit, dass ich zugelassen hatte, dass meine Gefühlsdusselei wieder alles zerstörte. Als er ging, eine Reaktion, die ich nicht nachvollziehen konnte, schlug er die Türe hinter sich zu und fluchte. Und das nur, weil ich zurückgezogen hatte, als er meine Wange küssen wollte. In dem Moment brach meine Welt zusammen. Ich hatte doch außer ihm niemanden mehr, abgesehen von Jalilah. Wo sollte ich denn hin, wenn er nicht mehr war? In mir zog sich alles zusammen und mir wurde schlecht. Ich spürte, dass mich wieder diese Panik überkam und diese innere Angst, etwas Wichtiges in meinem Leben zu verlieren. Ich nahm Jalilah aus ihrem Bett. Ich musste weg. Einfach nur weg.


Ich ritt zur Bank, packte alles wichtige aus meinem Bankfach und stopfte es in die Taschen des Sattels. Jalilah quengelte und schrie. Ich sprach schärfer zu ihr und hörte erst dann die Stimme hinter mir. Er fragte mich, was ich vorhabe. War das nicht offensichtlich? Ich sah ihn nicht an. Mir liefen die Tränen eh schon über die Wangen, ich konnte nicht auch noch seine Enttäuschung über mich ertragen. Nicht schon wieder. 'Es sieht so aus als wolltest du flüchten', ich nickte auf seine Worte hin. Ja, ich wollte flüchten. Weit weg von hier. Ich hatte meine Mauer fallengelassen und ich wurde verletzt. Ich wollte diesen Schmerz nicht mehr spüren. Ich wollte nur glücklich sein mit ihm, aber im Moment fühlte es sich an, als würde dieses Glück zerbrochen sein. Ich spürte seine Hand auf meiner Schulter. Er sprach mir zu, dass das doch nicht nötig war. Es war ein Missverständnis, er hatte mich falsch verstanden. Er verstand nicht, dass es mir nicht mehr nur darum ging. Er war gegangen, hatte mich zuhause mit meinen Tränen allein gelassen. Er verstand nicht, dass es das war, was mich zusätzlich beschäftigte. Er erwartete von mir, dass ich nicht mehr davonlaufen würde. Dass ich bei ihm blieb. Aber selber ließ er mich auch allein. Wir sprachen weiter und er sagte mir, er habe einfach Zweifel bekommen, ob er bei mir nicht immer zweite Wahl sein würde. Zweite Wahl... Diese Worte hinterließen einen bitteren Nachgeschmack auf meiner Zunge. Machte er mich nun doch für meine Vergangenheit verantwortlich? Konnte er doch nicht so gut damit umgehen, wie ich immer dachte? Was erwartete er? Ich war mir sicher. Aber wie konnte ich ihm diese Sicherheit geben? Er würde mit mir alt werden. Er würde Jalilah dabei zusehen können, wie sie zu laufen beginnt, wie sie zu sprechen beginnt. Er würde ihr erstes Wort hören. Jalilah würde mit ihm aufwachsen und sie würde ihn als ihren Vater ansehen. Und genau das sagte ich ihm auch. Ich wusste, dass er sich darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht hatte. Aber er tat es jetzt. Nachdem er dann nicht mit nach Hause kommen wollte, fiel jeder Funken Hoffnung wieder in mir zusammen. Vielleicht war es tatsächlich besser, wenn ich gehen würde.


Natürlich war das nicht so einfach. Auch, wenn das Herz in dem Moment so zerrissen war und irgendwas in mir danach drängte, einfach zu gehen war da ein viel größerer Teil, der mir sagte, dass ich bleiben musste. Dieser Teil nannte sich immer noch aufrichtige Liebe. Ich hatte gerade das Stadttor passiert, da wendete ich und ritt wieder nach Hause. Ich würde warten. Ich stand eine Weile vor der Tür und atmete schwer durch. Es fiel mir schwer, die Türe aufzusperren. Das Zuhause konnte so zur emotionalen Falle werden, wenn der Streit so tief saß. Dennoch öffnete ich die Türe und schloss sie hinter mir wieder. Jalilah brachte ich wieder ins Bett, beruhigte sie ein wenig und dann ging ich wieder hinauf. Es erdrückte mich auf einmal alles, was mich hier umgab. Und ich ließ meinen Tränen freien Lauf. Was hatte ich mit all dem nur angerichtet?

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Ich hörte, dass er zurückgekommen war, noch bevor die Türe aufging. Ich hob meinen Kopf von den Knien meiner angezogenen Beinen an, nicht allzu weit, aber ein Stück. Meine Locken hingen mir ins Gesicht. Er torkelte ins Haus und man roch schon von Weitem, dass er seinen Kummer in Alkohol ertränkt hatte. Er war überrascht, mich hier zu sehen. Und doch auch froh darüber und setzte sich zu mir. Ich blinzelte die Tränen aus meinen Augen und sah zu ihm. Ich musste grauenvoll aussehen mit meinen zugequollenen Augen, er erschrak auch, als er mich so sah. Dennoch legte er seinen Arm um mich. 'Es tut mir leid.'; ich verstand nicht, ihm musste nichts leid tun. Es war alles meine Schuld gewesen. Aber er bestand darauf, dass es ihm leid tat, dass er gegangen war und nicht mit nach Hause gekommen war. Nur einmal mehr wurde mir bewusst, dass wir uns vielleicht doch ähnlicher waren, als wir dachten. Weder er noch ich waren perfekt und damit mussten wir uns vielleicht abfinden. Wir mussten lernen, dass wir voreinander nicht weglaufen durften. Er sprach weiter, dass er auf sich sauer war, nicht auf mich, weil ich ihm mein Herz geöffnet hatte und er anfing zu zweifeln. Ich hätte es einfach für mich behalten sollen, dann wären wir nicht in diese Situation geraten. Er sagte, er hatte Angst. Angst davor, ohne mich zu sein, mich verloren zu haben. Ich nahm seine Hand und bettete sie auf mein rasendes Herz. Und ich erklärte ihm, dass das heute seine Spuren hier hinterlassen hatte. Es war alles so kompliziert. Und das, obwohl meine Worte auch das waren, was er sich immer erhofft und erträumt hatte.


Nach einer Weile gingen wir schlafen. Ich betrachtete ihn noch eine Weile, er war ziemlich zügig eingeschlafen. Er wusste nicht, was er mir bedeutete. Er war von Zweifeln, vielleicht auch von Selbstzweifeln zerfressen. Aber wie sollte ich ihm zeigen, was er mir wirklich bedeutete? Wie sollte ich ihm mein Herz ausschütten, wenn ich Angst haben musste, die falschen Worte zu verlieren und wieder einen Streit zu riskieren? Die Gedanken in meinem Kopf kreisten und zerfraßen mich. Und dennoch, irgendwann schlief ich ein.


    • Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?

      Vincent van Gogh



Am nächsten Morgen schlich ich mich aus dem Bett. Ich wollte zum Strand, denn dort konnte ich nachdenken. Im Anschluss ging ich noch ein wenig in das Familienhaus, um ein wenig zu kochen. Ich musste mich ablenken und auch das Gespräch im Anschluss mit Haroun tat mir gut. Er hatte mir ein wenig Hoffnung zurückgegeben. Zuhause angekommen setzte ich mich an den Tisch und nahm ein Pergament zu mir. Ich schloss die Augen, machte mir ein paar Gedanken und begann dann zu schreiben.
    • [img]http://writing.barnard.edu/sites/default/files/styles/inline_large/public/images/inline/writing.jpg[/img]


  • Ranim,

    ich möchte dir ein paar Worte schreiben. Ich spüre, dass du dir Gedanken machst, die nicht nötig sind. Ich weiß, dass du, obwohl du es vielleicht nicht willst, daran zweifelst, dass du für mich alles sein kannst, was ich immer für mich haben wollte. Ich weiß, dass es dich doch beschäftigt, dass es vor dir jemanden in meinem Leben gab. Das haben deine Zweifel nur zu deutlich untermauert. Die Worte 'zweite Wahl' haben Spuren hinterlassen bei mir. Und sie haben mich zum Nachdenken gebracht. Wie zeigt sich, ob jemand nur die zweite Wahl ist?

    Als ich unsere Hochzeit vorbereitet habe, war ich glücklich. Einfach nur glücklich, dass alles endlich gut werden wird. Wir hatten uns, ich konnte deine Hand nun so oft halten, wie ich wollte. Ich wollte, dass dieser Tag für uns beide wundervoll wird. Weil er uns beiden so viel versprochen und gegeben hat. Ich habe für mein Gelübde nicht lange gebraucht. Ich habe auf mein Herz gehört und habe es geschrieben. Alles, was ich gesagt habe, meinte ich auch so. Ich weiß auch nicht, wie ich dir wirklich zeigen soll, was ich für dich empfinde. Wie dankbar ich dir bin für alles, was du für mich getan hast. Aber ich kann dir schreiben, dass meine ganze Vergangenheit im Vergleich zu dir ganz klein in den Hintergrund gerückt ist. Manchmal wünschte ich mir, wir hätten uns viel früher kennengelernt. Denn ich denke, dann hätte ich dir von Anfang an beweisen können, dass du meine erste Wahl bist. Dass du der Mann bist, auf den ich mein ganzes Leben lang gewartet habe. Ich kann meine Vergangenheit nicht ändern, ich werde sie auch nicht ändern und ich werde mich auch immer wieder daran mit einem Lächeln erinnern. Wir werden uns beide immer wieder daran erinnern müssen, wenn wir Jalilah ansehen. Wenn wir ihr zusehen, wie sie wächst, wie sie gedeiht, wie aus ihr eine wundervolle Natifah wird. Aber sie wird in dir das sehen, was ich gesagt habe: Du wirst ihr Vater sein. Sie wird dich so lieben, wie dich dein eigenes Kind lieben wird.

    Ich weiß nicht, wie ich dir beschreiben soll, was du mir bedeutest. Ich hoffe einfach nur, dass du irgendwann nicht mehr zweifelst. Denn dazu hast du keinen Grund. Ich liebe dich.

    Malaika



Ich faltete das Pergament zusammen und legte es neben ihn auf das Bett. Sobald er wach werden würde, würde er es sehen. Ich konnte nur hoffen, dass alles wieder gut werden würde. Auch, wenn es hieß, dass ich meine Verletzung und meine Kränkung hinten anstellen musste. Mir war unser gemeinsames Glück wichtiger als mein verletzter Stolz.

Verfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 12:03
von Malaika Leyla Ifrey
Wenn man die Augen schließt und ganz fest an etwas glaubt, dann passiert es auch. Dinge verändern sich. Vielleicht nicht äußerlich, aber man spürt selbst am allerbesten, dass etwas mit einem geschieht. Manchmal machen wir schlechte Zeiten durch, aber dann kommt etwas, was einen für all das schlechte entlohnt. Man öffnet die Augen und auf einmal ist alles anders. Man spürt es, man fühlt es. Aber man sieht es nicht. Noch nicht.

    • [img]http://25.media.tumblr.com/6b6c4e864393f518eb76f70980fb1ccc/tumblr_mmydooNzwT1rz2cbjo4_400.gif[/img]
'Ich brauche wirklich niemanden zu meinem Glück, außer dich.'

Ich schlug meine Augen auf. Ich hatte diese Nacht so unglaublich gut geschlafen, aber mir blieb auch gar nichts anderes übrig nach diesem wundervollen Abend. Ich lag noch eine Weile hier und ließ meinen Gedanken freien Lauf. War dieses Glück nun tatsächlich vollkommen? In all seiner Beschaffenheit? Ich atmete tief ein. Es war ein befreites Atmen, keine schwere Last ruhte noch auf meinem Herzen. Ich fühlte mich hier, neben ihm, einfach zuhause. Und geborgen.

Wieder verließ ein leises Seufzen meine Lippen. Es war gut mit ihm über meine Vermutung zu sprechen. Im Grunde war es nicht einmal eine Vermutung, ich war mir ziemlich sicher, dass es so war. Ziemlich sicher. Die wirkliche Gewissheit würde ich in ein paar Tagen haben. Aber ich wusste, ich spürte, irgendetwas war anders. Er übte sich bei der Nachricht in Zurückhaltung, aber ich sah ihm an, dass er sich freute. Seine Umarmung sprach Bände. Es war tatsächlich so unglaublich. Vielleicht wurden wir einfach für unsere Willensstärke belohnt, für unseren Kampfgeist. Ich musste wieder lächeln. Es war ein so großartiges Gefühl mit diesem Kribbeln und diesem Ziehen unter dem Herzen aufzuwachen.

Und Schuld an allem war eigentlich Kadir gewesen. Er hatte mich mit seiner Frage so überrumpelt, ob sich bei uns schon etwas verändert hatte. Ich konnte am Tisch noch nichts sagen. Nichts von meiner Hoffnung, nichts von meiner Vermutung, nichts von meinem unbewussten Wissen, dass sich tatsächlich etwas verändert hatte. Es musste noch niemand wissen, es reichte, wenn ich mit diesem Wissen in meinem Herzen jeden Tag wieder wach wurde. Solange, bis wir sicher sein konnten, dass es wirklich so war. Und mir mein Kopf und mein Gefühl nicht vielleicht doch einen Streich spielten, weil ich es mir so sehr für uns wünschte.

Ich erinnerte mich an seinen Satz. Einen Satz, den er mir gesagt hatte, nachdem er meine Hand sanft geküsst hatte. Er wusste ganz genau, wie er mich um den Finger wickeln konnte. Aber das war auch wirklich das Schöne daran. Er wusste es. Und er nutzte es. Ich schloss die Augen wieder und schmiegte mich in seine Arme. Ein paar Stunden blieben mir noch, dann war ich nicht mehr nur Ehefrau sondern auch wieder Mama. Aber bis dahin würde ich den Moment der „Ehefrau“ einfach nur stillschweigend genießen.

Verfasst: Samstag 20. Juli 2013, 14:13
von Malaika Leyla Ifrey
Gedankenspiele.

    • Und unser Himmel steht still,
      plötzlich ist Liebe ein Gefühl.
      Ich hab mich doch ganz schön erschrocken,
      mein Herz ist wieder aufgebrochen.
      Und unser Himmel steht still,
      ich glaub, ich brauch uns mehr, als ich das will.
      Liebe lässt sich nicht begreifen,
      hier und da setzt sie ein Zeichen.
      Und unser Himmel steht still.
    • (Ewig – Unser Himmel)


Ich erinnerte mich an den Schwur, den ich mir nach der Geburt von Jalilah gegeben hatte. Nie wieder würde ich diese Schmerzen ertragen und ein weiteres Kind zur Welt bringen. Aber jetzt? Jetzt war die Idee und das Gefühl so viel näher, diese ganzen Strapazen doch wieder durchzumachen. Ich seufzte. Jeder Tag, der weiter voranschritt, offenbarte mir mehr und mehr. Mara hatte immer gesagt, nach ihrer ersten Schwangerschaft hatte sie bei allen weiteren sofort gewusst, was los war. Und sie konnte sich immer darauf verlassen. Spätestens dann, als die ihr liebsten Gerüche so unerträglich wurden, dass sie sie kaum aushielt.


Ich hatte Gassur bereits damit vertraut gemacht, dass auch er in die Rolle des Vaters schlüpfen musste. Er hatte Recht damit, dass er noch nie dabei war, als ich Jalilah ins Bett gebracht hatte. Aber das würde sich ziemlich bald ändern. Er musste lernen, wie es war, ein kleines Kind zu haben. Das bedeutete, sie wollte ihren Vater sehen, ihn an ihrem Bett wissen, Geschichten von ihm hören, einen Gute-Nacht-Kuss von ihm haben. Er musste lernen, dieses fremde Gefühl abzulegen. Sie gehörte zu mir und er hatte sich auf uns eingelassen. Auf mich als seine Frau und auf sie als meine und auch als seine Tochter. Ich war mir sicher, dass es ihm leichter fallen würde, wenn sein eigenes Kind erst einmal auf der Welt war. Aber bis dahin würde er sich durchaus auch schon mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass nun auch er Verpflichtungen gegenüber einem Kind hatte. Natürlich war ich immer noch die Natifah und seine Ehefrau, wodurch ich ihm all die lästigen Pflichten vom Hals hielt. Kochen, putzen, Wäsche waschen – das waren alles meine Aufgaben. Ich störte mich nicht daran und ich konnte auch die Natifahs nicht verstehen, die sich sträubten, den Haushalt zu machen. Kochen war etwas, was jede Natifah können musste. Worauf eine Natifah stolz sein konnte. Was war nur mit all den Natifahs los? Ich dachte es mir wieder, als Djamji sich vor dem Kochen gedrückt hatte, obwohl Haroun es ausdrücklich angeordnet hatte. Sie war jung, das war richtig. Aber war ich in ihrem Alter auch so? Nein, ich konnte mich daran nicht erinnern. Ich war früher schon recht neugierig, wenn Mara gekocht hatte. Aber ich hatte mit Natisha den direkten Vergleich. Als Säbelschwingerin hatte sie kein Interesse an solchen Dingen. Ich seufzte etwas.


Mein liebster Ehemann hatte sein „Das-mache-ich;-das-machst-du!“-Revier selbstverständlich gleich abgesteckt. Er hatte sich mit allem zufrieden gegeben, nur wickeln wollte er sich nicht einmal zeigen lassen. Er meinte, für Notfälle habe er Aaminah und Hazar, die das übernehmen konnten. Bei seiner Schwester würde er hier wohl auch eher auf Granit beißen und ich war mir ehrlich gesagt auch noch nicht so sicher, ob ich meine Kinder bei ihr lassen würde. Sie war einfach noch viel zu jung. Da waren mir Aaminah und Hazar lieber, obwohl Aaminah nicht viel älter war als Djamji war sie eine Natifah. Und keine Kampfbiene. Wie auch immer: Das Wickeln würde wohl immer an mir hängenbleiben. Und falls ich mal nicht konnte, würde Aaminah einspringen müssen.


Nachdem ich den halben Tag damit verbracht hatte, irgendwie ein bisschen übersichtliche Ordnung in die Vorratskiste zu bringen, traf ich auf Hazar. Irgendwie wirkte sie niedergeschlagen, vielleicht auch, weil sie nach Zafer suchte. Ich hatte ihn selbst schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Genau genommen war er seit der Hochzeit einfach verschwunden. Kaum auffindbar. Derzeit war es allerdings auch wirklich leer im Haus. Sharie war kaum da, Zaynah hatte sich auch nicht mehr sehen lassen. Shantir und Arij waren auch verschwunden. Es wurde Zeit, dass sich das Haus wieder mit ein wenig Leben füllte. Ich wusste nicht, ob ich es ihr sagen sollte. Immerhin konnte ich mir wirklich noch nicht zu einhundert Prozent sicher sein. Ich konnte nur immer noch vermuten, wie es um mich stand. Ich seufzte innerlich, dann sprang ich über meinen Schatten. Erst recht, als Hazar gefragt hatte, ob ich etwas wissen würde, was sie nicht wusste. 'Ich verrate es dir, wenn du es keinem weitersagst.'; und ich erzählte ihr, dass ich vermutete, dass wir bald zu viert waren. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen freute sie sich, erst recht, als sie mich in den Arm nahm und drückte. Immerhin sah ich sie wieder fröhlich und das war es mir wert gewesen. Sie vertraute mir ebenso an, dass sie ihr Herz an Kadir verschenkt hatte. Es war in meinen Augen nur eine Frage der Zeit gewesen, spätestens als sie an unserer Hochzeit gemeinsam das Geschenk an uns überreichten, war mir persönlich bereits Vieles klar. Aber ich freute mich für sie. Hofften wir, dass ihre Cousins diese freudige Nachricht auch so gut wegsteckten.


Zuhause angekommen machte ich mit dem weiter, womit ich aufgehört hatte. Aufräumen, putzen, Wäsche waschen und zusammenlegen. Ich hatte in diesem Augenblick wieder Zeit, um über die letzten Tage und Wochen nachzudenken. Ich erinnerte mich daran, wie ich unter dem Baldachin auf dem Dach lag, noch bevor der große Sturm kam und MenekUr zerstörte. Ich hatte gehofft, dass irgendwann entweder der Retter auf dem weißen Pferd kam und mich aus den aufkeimenden Flammen befreien würde. Oder dass ich jemanden kennenlernte, in den ich mich auf den ersten Blick verliebte. Oder dass um die Liebe gekämpft wurde. Eine Liebe, die aus zwei verhassten Familien entsprang. Ich faltete den Kaftan zusammen und legte ihn fein säuberlich auf die restlichen. Das mit der Liebe auf den ersten Blick hatte ich bei Rasin gehabt. Irgendwas hatte er an sich gehabt, was mich fasziniert hatte. Sie waren beide so unterschiedlich. Ich seufzte kurz leise. Beide anderen Szenarien hatte ich bei Gassur. Er war der Retter gewesen. Der gute, alte Achim war zwar nicht weiß und Gassur kam auch nicht auf ihm zu mir geritten, aber dennoch war er der Retter. Und wir mussten um unsere Liebe kämpfen. Selbst das mit den verhassten Familien traf weitgehendst zu. Was wäre wohl passiert, wenn Rasin nicht gestorben wäre? Hätte ich Gassur dann genauso kennengelernt? Oder wäre alles ganz anders gelaufen? Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, denn mir wurde allein bei dem Gedanken an alle Eventualitäten schlecht. Vor allem wurde mir schlecht, wenn ich daran dachte, Gassur nicht an meiner Seite zu wissen. War das die Antwort auf all die Fragen, die ich mir gerade stellte? War er die Antwort auf alles? Der Schlüssel zu meinem Glück? Natürlich war er der Schlüssel zu meinem Glück. Das Lustige an allem war, dass ich seine Bedenken sogar nachvollziehen konnte. Ich wusste noch, wie es mir ging, als Yamaal mir von Rashi erzählt hatte. Da war ich hingegen weit entfernt davon, soviel für ihn zu empfinden wie ich es nun für Gassur tat. Dennoch war es ein unangenehmes Gefühl jemanden gern zu haben und zu wissen, sein Herz wird immer irgendwie an jemand Anderem hängen. Und natürlich, ein gewisser Teil meines Herzens hing nach wie vor an Rasin. Aber der größere Teil hatte längst losgelassen und liebte. Liebte einen Mann, der so unbeschreiblich war und mich so glücklich machte wie nie zuvor jemand in meinem Leben.
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Im nächsten Moment wurde ich von Jalilah aus den Gedanken gerissen. Ich ging zu ihr, nahm sie aus dem Bett und trug sie mit nach oben. Sie war schon so groß geworden. Mittlerweile brabbelte sie schon so viel vor sich hin, wenn auch wirklich nichts Verständliches. Es würde nicht mehr lange dauern, da würde sie das erste Wort aussprechen. Und mit dem Laufen beginnen. Es war so wundervoll, diesen kleinen Geschöpfen beim Wachsen zuzusehen. Ich machte ihr Früchtequark, sie liebte Früchtequark aus Erdbeeren. Und dann setzten wir uns an den Tisch. Sie schaffte es mittlerweile schon fast ganz alleine, aufrecht zu sitzen. Ich saß zwar immer hinter ihr, falls sie doch wieder umkippen würde, aber sie machte all das schon ziemlich gut. Nachdem sie aufgegessen hatte, beschäftigte ich mich mit ihr. Spielte mit ihr, ging mit ihr wieder an den Strand. Und erklärte ihr, dass sie bald ein kleines Brüderchen oder Schwesterchen bekommen würde.

Ich konnte die Zeit mit ihr genießen. Ich war gerne Mama, es erfüllte einen mit Stolz, das eigene Fleisch und Blut groß werden zu sehen. Sie hatte schon jetzt meine Gesichtszüge, was mich sehr stolz machte. Aus ihr würde einmal eine wundervolle Natifah werden. Blieb nur zu hoffen, dass sie meinen Weg einschlagen würde. Oder einen Weg, der nicht allzu gefährlich war. Gassur war bei mir schon nicht begeistert, wenn ich zu Pfeil und Bogen griff. Wie sollte das dann erst einmal bei seiner Tochter sein? Ich konnte mir die Diskussionen am Tisch jetzt schon vorstellen. Und wenn ich ehrlich war, war es mir ganz recht, dass Gassur in diesem Fall eine gewisse Strenge an den Tag legte.
    • [img]http://25.media.tumblr.com/5384245c473e185050fcba11ee62bc4a/tumblr_mq6wfgF5hw1rbfy7zo1_500.jpg[/img]

    • Schenk mir den Augenblick dir was zu sagen,
      vielleicht hast du's ja geahnt,
      vielleicht aber auch nicht,
      ich will dich was fragen.
      Ich nehm' all meinen Mut zusammen,
      mein Herz in die Hand,
      damit ich es wage.
      Willst du bei mir bleiben?
      Von jetzt an bis zum Schluss?
      Willst du mein Zuhause sein,
      in diesem großen Zirkus?
      Willst du bei mir bleiben?
      Auf dieser weiten Reise,
      bis der letzte Vorhang fällt – für uns beide?


    • (Klee – Willst du bei mir bleiben?)



Zuhause angekommen war es langsam an der Zeit für die Kleine, das Bett wieder aufzusuchen. Da Gassur kurzzeitig das Haus verlassen hatte, um etwas zu erledigen, war ich in dem Fall auch wieder allein. Aber wir würden sicherlich noch einen Tag finden, an dem wir sie gemeinsam ins Bett bringen würden. Ich legte sie ins Bett, erzählte ihr eine der vielen Gute-Nacht-Geschichten und ging, als sie schlief, wieder hinauf. Ich liebte die Abende, an denen ich meinen Mann für mich alleine hatte. Und ein solcher Abend sollte es auch wieder werden. Rückblickend konnte ich tatsächlich immer wieder mit vollster Überzeugung sagen, dass er das Beste war, was mir passiert war.

Verfasst: Mittwoch 24. Juli 2013, 17:38
von Malaika Leyla Ifrey
Respekt.

    • Die Menschen hören auf, uns zu interessieren,
      wenn wir einmal ihre Grenzen erkannt haben.
      Es gibt nur eine Sünde: Begrenztheit.
    • (Ralph Waldo Emerson, Von der Schönheit des Guten)

Man sollte sich dankbar zeigen für das, was man im Leben bekommen hatte. Meine Dankbarkeit Gassur gegenüber war grenzenlos und ich hatte bis heute noch keinen blassen Schimmer, wie genau ich mich für alles bedanken sollte. Also waren es kleine Momente und Aufmerksamkeiten, die ihm immer wieder zeigten, wie dankbar ich ihm war.

Zuletzt führte meine Idee mich dazu, für uns zu kochen. Ich gab mir Mühe, wie immer, und ich suchte zum Essen das passende Getränk heraus: Einen feinen, süßen Dattelwein. Natürlich nicht für mich, ich musste abstinent leben – auch wenn mir das, nicht wie meiner Cousine Zia, nichts ausmachte. Ich wusste in etwa, wann er wieder hier sein würde und bereitete alles vor. Ich nahm Kerzen mit, stellte den Wein ab wie auch die Gläser. Und das Essen. Ich zündete die Kerzen an. Ja, ich wollte hier sein. Denn hier hatte ich zum ersten Mal wirklich bemerkt, dass er mir mehr bedeutete. Und das war schön. Warum dann also nicht hier einmal wieder unsere Zeit verbringen?

Wir hatten an dem Abend viele Themen. Unter anderem auch das Kochen und dass sich Djamji mal wieder geziert hatte und ich nicht verstehen konnte, warum man sich so dagegen verschloss, eine Natifah zu sein. Als Natifah musste man nun mal irgendwann kochen lernen, waschen lernen, einen Haushalt übernehmen, heiraten, Kinder kriegen. So war ich erzogen worden, bei mir hatten meine Eltern noch ein Stück mehr darauf geachtet als bei Natisha. Gassur war felsenfest der Meinung, dass aber doch jede Natifah ein Kind haben wollte – früher oder später. Ich erinnerte ihn dann an Zia, die sich noch nie für Jalilah interessiert hatte und der einzige Blick ein recht oberflächlicher Blick war. Sie würde garantiert keine Kinder bekommen und auch nicht schwanger sein wollen, denn dafür müsste sie ihre Sucht, ihren krankhaften Alkoholkonsum, deutlich eindämmen. Kurz erinnerte ich mich an Khalida. Was auch immer mit ihr passiert war, sie hatte sich verändert. Das zeigte das Gespräch, welches sie gesucht hatte. Gut, genau genommen hatten wir nicht viel gesprochen; wir hatten uns schlichtweg umarmt. Ich war des Redens müde, sie sollten alle ihre eigene Meinung haben, ich würde es eh besser wissen als jeder andere. Dennoch: Ich wusste diesen Schritt von ihr zu schätzen und vielleicht hatte ich irgendwann auch meine Cousine wieder zurück. Vermisst hatte ich sie, immer und immer wieder. Was mir hingegen bei Zia deutlich erspart blieb. Während Khalida und ich keinerlei Worte benötigten und uns einfach in den Arm nahmen und uns die Zeit als Versprechen gaben, dass diese irgendwann alles weitere aufzeigen würde, würden Milliarden Worte nicht reichen, um das zwischen Zia und mir wieder gerade zu biegen. Ich hatte keinerlei Interesse daran, dazu hatte sie viel zu ekelhafte Worte in den Mund genommen und war mir persönlich ein wenig zu respektlos. Man konnte sich nur mehr herausnehmen gegenüber Anderen, wenn man sich das erlauben konnte und bei Eluive, das konnte sie nun wirklich nicht. Irgendwie bemitleidete ich sie auch ein wenig. Sie wusste nicht, was es bedeutete, geliebt zu werden. Und auch, wenn sie mir immer wieder vorwarf, wie schäbig mein Verhalten war, dass ich mein Herz so schnell wieder öffnen konnte: Im Grunde beruhigte es mich, dass es nur der tiefsitzende, vor sich hinsiechende und triefende Neid war. Ich wusste auch, dass ich in ihren Augen diejenige war, die Schande über die Familie brachte. Aber im Grunde war es nicht minder sie, die die Familie immer wieder in Verruf brachte. Durch ihre Art und Weise, durch ihre Arroganz, durch ihre Respektlosigkeit. Aber was kümmerte es mich? Sie war für mich kein Teil der Familie mehr. Und sie würde es auch nie wieder werden. Ich sah also wieder zu meinem geliebten Ehemann und wir wechselten ziemlich bald das Thema.

Nachdem er einen Großteil gegessen hatte setzte ich mich ein Stück hinter ihm und lockerte seine Rückenmuskeln durch eine wohltuende Massage. Er sollte wieder einmal merken, was er an mir hatte und das tat er auch. Anfangs dauerte es eine Weile, bis er sich gehen lassen konnte, aber mit weiteren Griffen und Kniffen wurde er lockerer und seufzte zufrieden. Und natürlich stellte er wieder einmal fest, was für eine tolle Frau er da an seiner Seite hatte. Es erfüllte mich mit Stolz, denn immerhin wollte ich genau das immer sein: Eine gute Natifah und Ehefrau, die ihrem Mann nur das Beste gönnte und alles dafür tat, dass es ihm gut ging. Als „Belohnung“ gab er mir einen Kuss auf die Stirn. Und egal, was jeder sagte: Ein Kuss auf die Stirn war so viel emotionaler und mehr wert, als ein Kuss auf die Lippen. Ich spürte dieses Kribbeln, wie es durch meinen Körper zog. Es war da, vorherrschend. Und es war ein schönes Gefühl.
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Nachdem wir zuhause angekommen waren, blieb ich noch ein wenig wach. Ich lag neben meinem Mann, der erschöpft neben mir lag und seine Haut mit einem schimmernden Film bedeckt war. Ich genoss es jedes Mal, ihn so zu sehen. Nicht, dass er eh schon zum dahinschmelzen war, aber das hier gab mir den Rest. Ich schmunzelte vor mich hin, drehte mich zur Seite und schmiegte mich an ihn. Und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Hier war mein Zuhause, hier war ich glücklich. Auch, wenn meine Familie immer gegen die Ifrey gestänkert hatten, ich fand nichts negatives an ihnen. Sie waren herzlich, offen, nahmen einen jeden als das an, was er war. Niemand wurde vorverurteilt, niemandem wurde wochenlang das Leben zur Hölle gemacht. Es war schön. Es war einfach schön, sich hier wohlzufühlen, neue Cousins und Cousinen an der Seite zu wissen und auch beinahe so etwas wie eine Schwester. Die Verbundenheit von Aaminah und mir war das, was mich neben Gassur weitermachen ließ. Ich war so froh, sie zu haben. Vermutlich, weil wir aus dem gleichen Holz geschnitzt waren. Aber auch Hazar, ich liebte ihre herzliche Art und Weise. Sie war so anders als viele anderen. Und Haroun, der mich liebevoll mit „Salam Cousine“ begrüßte, wenn er mich sah. Ja, sie waren alle auf die eine oder andere Art besonders. Ach, wie schön war es doch, von der Liebe umgeben zu sein und sie nicht missen zu müssen. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief ich dann ein.

    • Nur wenn der Geist das Oberflächliche und das Verborgene versteht,
      kann er über seine eigene Begrenztheit hinausgelangen
      und jene Glückseligkeit entdecken, die nicht an die Zeit gebunden ist.
    • (Krishnamurti, Vollkommene Freiheit )

Verfasst: Samstag 3. August 2013, 22:29
von Malaika Leyla Ifrey
Alltägliches.

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Manchmal gibt es Momente, an denen du die Augen schließt und dir bewusst wird, dass du lebst. Dass du jetzt erst richtig lebst und dass alles, was dich umgibt, dein Leben ist. Dein Herz schlägt im sanften Rhythmus und zeigt dir, dass alles in bester Ordnung ist. Du lebst, du liebst. Und du hast alles, was du dir jemals erträumt hast.

Zu wissen, dass wir viel Zeit für uns haben, ist das Schönste, was mir passieren kann. Nachdem meine Blutung ausgeblieben war und somit sicher war, dass ich schwanger war, war alles noch viel schöner. Intensiver. Wundervoller. Wir konnten es bald nicht mehr leugnen, bald würde mein Bauch wachsen, ein weiteres Leben heranwachsen. Jalilah würde ein Geschwisterchen bekommen, Gassur würde lernen, was es bedeutete, Elterngefühle zu bekommen. Diesen Stolz, der durch den Körper strömt und all das Glück. Die Endorphine, die freigesetzt wurden. Das war einzigartig. Aber wundervoll. Es würde noch eine Weile dauern, aber der Tag würde kommen.

Manchmal fragt man sich, ob es nicht langweilig wird, wenn man die Tage miteinander verbringt. Aber ganz im Gegenteil zu vielen Ehen wurde mir bisher mit meinem Mann nie langweilig. Wie oft führten wir uns auf wie frisch verliebte Halbwüchsige. Gut, wir waren im Grunde frisch verliebt. Und frisch verheiratet. Nicht selten musste ich lachen, weil wir in manchen Augenblicken einfach so ausgelassen und allumfassend glücklich waren. Einmal kamen wir beispielsweise in den vergangenen Tagen auf die Idee, nachts zum Strand zu gehen, um zu baden. Das wäre keinerlei Problem gewesen und auch nichts seltsames, wäre nicht mein Mann auf die tolle Idee gekommen, mich über die Schulter zu werfen, um mich ins Wasser zu befördern. Den nächsten Tag verbrachten wir ebenfalls an der Ruine am Strand, erinnerten uns an die Zeiten, als wir uns hier noch heimlich trafen.
    • [img]http://24.media.tumblr.com/1a78ceac814d76745cbaf2fa92836b37/tumblr_mqjrioQF801sqe207o1_500.gif[/img]
Es war einfach nur verrückt. Verrückt, wie sehr seine alleinige Präsenz mein Herz zum schlagen brachte, wie sehr seine alleinige Präsenz meine Adern kochen ließ. Mit diesem Mann an meiner Seite konnte nichts mehr schiefgehen. Er würde für mich durchs Feuer gehen. Und ich für ihn. Und er hatte es geschafft, dass ich anders sein wollte. Besser.

Aber was bedeutete besser? Wollte ich meine Arbeit besser machen? Mein Leben besser ordnen? Wollte ich besser auf meine Wortwahl achten? Nein, das allein war es nicht. Ich wollte alles irgendwie besser machen. Ich wollte ein besserer Mensch für ihn werden. Und das schloss irgendwie alles mit ein. Ich schlief jeden Abend erschöpft in seinen Armen ein und wachte mit einem Lächeln auf den Lippen und im Herzen wieder auf. Es war wirklich besser. Alles. Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen.

Es hätte fast nichts mehr geben können, was mich noch glücklicher gemacht hätte. Ich hatte ihm versprochen, ihm in unseren freien Tagen ein wenig den Umgang mit Kindern zu erleichtern. Er hatte Glück, dass er lernen konnte. Jalilah musste an diesen Tagen als Versuchsobjekt herhalten. Wäre sie sein eigen Fleisch und Blut gewesen, hätte er sich vermutlich leichter getan. Ich hatte ihm gezeigt, wie er sie tragen konnte, wie er sie beruhigen konnte. Was und wie er sie mittlerweile füttern konnte. Sie war schon so groß, meine kleine Prinzessin. Die Zeit verging so schnell. Ich setzte sie in seine Arme, setzte mich daneben und las ihr eine Geschichte vor, während Gassur sich darum kümmerte, dass sie brav sitzen blieb. Immer wieder griff sie nach seinen Händen, führte sie zusammen, so dass er klatschen musste, dann zog sie seine Hände wieder auseinander und legte ihre Hand in seine. Ihre kleine Hand sah so verloren aus in der seinen. Dennoch musste ich lächeln. Ich sah, wie auch er langsam auftaute. Ich konnte mir vorstellen, dass es wirklich schwer für ihn war. Aber er machte das wirklich gut, auch, wenn er immer wieder versichernd zu mir sah. Sie griff nach seinen Fingern, tastete sie ab, sah immer wieder zu ihm und strahlte ihm entgegen. Und ich? Ich wurde sentimental und wehmütig. Das Kleine in meinem Bauch tat alles dafür, dass mein Hormonhaushalt vollkommen ins Wanken geriet. Ich schüttelte ihr Bett auf, während sie noch mit Gassur auf dem Boden saß und sie gemeinsam spielten. Dann nahm er sie hoch, ging mit ihr zum Bett und legte sie hinein. Wir gaben ihr noch einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn und verbuchten den Abend als erfolgreich. Ich wusste nicht, ob es ihm nun leichter gefallen war und es ihm wieder ein Stück geholfen hatte, sie als sein Kind zu akzeptieren.

Der nächste Tag war für mich beinahe noch unglaublicher. Wir teilten uns den Morgen auf. Ich bereitete das Frühstück vor, er holte Jalilah aus dem Bett und beschäftigte sie noch kurz. Ich war gerade dabei, die Milch warm zu machen, als Gassur wild nach mir rief. Ich zog die Milch von der Feuerstelle und rannte die Treppen in ihr Zimmer hinab. War etwas passiert? Als ich zur Tür reinkam stand sie da. Sie stand auf beiden Beinen und grinste bis über beide Ohren. Meine kleine Prinzessin stand auf beiden Beinen. Gassur saß einen Meter von ihr weg und hielt seine Arme rechts und links neben ihr auf Höhe ihrer Achseln, um sie zu fangen, falls sie fallen würde. Jalilah streckte ihre Arme aus und gluckste, dann setzte sie ihren Fuß voran und ging mit einem „Dada“ auf ihn zu. Der erste Schritt. Sie hatte ihren ersten Schritt gesetzt und war in seine Arme gelaufen. Ich lächelte und blinzelte, um die Freudentränen zu verbergen. Für mich hätte es nicht perfekter sein können. Ich setzte mich zu den Beiden, schmiegte mich an ihn, als er seinen Arm um mich legte. Es war perfekt. Es war alles so perfekt.

Und es würde alles noch viel perfekter werden.

Verfasst: Donnerstag 8. August 2013, 15:35
von Malaika Leyla Ifrey
Es war zum Mäuse melken.

Egal, was ich aus meiner letzten Schwangerschaft mitgenommen und gelernt hatte – diese Schwangerschaft war anders. Sie war intensiver und sie war problematischer. Ich fühlte mich nur selten wirklich gut und ich hatte auch gar keine große Lust, das Haus zu verlassen.

Natürlich war es einigermaßen erträglich, wenn ich doch einmal unterwegs war. Aber es fiel mir schwer. Ich spürte die aufkeimende Übelkeit und ich spürte, wie es mir die Luft förmlich abschnürte. Ein Zustand, der gut und gerne die ersten drei Monate anhalten würde.

Sinan kennenzulernen war für mich sehr erfrischend. Er war nett und charmant, das musste man ihm lassen. Die Natifah an seiner Seite konnte sich einmal ähnlich glücklich schätzen wie ich mit meinem Ehemann. Seine versteckten Komplimente machten mich für einen Moment verlegen, aber er wusste, dass ich verheiratet war und ich ließ auch keinen Augenblick aus, um zu zeigen oder zu sagen, wie glücklich ich mit Gassur war.

Und das war ich wirklich. Er war perfekt. Alles, was wir beide anzufassen schienen, sollte zu emotionalem Gold werden. Aus der Gefälligkeitsehe wurde eine Ehe aus Liebe, aufrichtiger Liebe. Aus unserer gemeinsamen Liebe entstand eine weitere Frucht: Unser ungeborenes Kind. Was also sollte ich mehr wollen?

Ich war so dankbar, dass uns das Schicksal so gut mitspielen wollte. Wäre da nicht diese verfluchte Übelkeit. Ich fühlte mich schwermütig, ständig war ich zuhause. Ich ließ mich kaum noch auf der Straße oder im Familienhaus sehen. Ich hielt es einfach nicht allzu lange aus und ich wollte noch nicht jeden darüber informieren, dass ich wieder schwanger war.

Und natürlich hatte ich alles versucht, was mir meine Mutter schon bei der ersten Schwangerschaft immer wieder als Ratschlag mitgegeben hatte. Aber es wollte nichts helfen. Gassur war in letzter Zeit auch immer wieder einmal weg, weil er wichtige Termine hatte. Und bei den wenigsten konnte ich – oder wollte ich – ihn begleiten.

Die Zeremonie von Suraya hatte ich mir beispielsweise erspart. Mir war nicht ganz klar, weswegen man solch ein Theater machen musste. Sie hatte ihrem Oberhaupt gegenüber keinen Respekt gezollt – ganz gleich, ob Bruder oder nicht. Er war das Familienoberhaupt und seine Anweisungen mussten befolgt werden, ob es ihr passte oder nicht. Als Natifah, noch dazu als Schneiderin, in den Krieg zu ziehen stieß bei mir so oder so auf Unverständnis. Ich war gerne hübsch, meine makellose Haut und meine Schönheit war mitunter das Wichtigste für mich. Narben von einem Kampf davonzutragen, das war nicht das, was ich mir unter Schönheit vorstellte. Nein, für mich kam es nicht in Frage. Und für meinen Mann sowieso nicht. Vor meiner Schwangerschaft war ich ein paar Mal mit ihm in den Höhlen, um ein bisschen Abwechslung in mein Leben zu bringen. Aber ich war niemals mit im Krieg. Ich hätte es nicht verantworten können, wäre mir etwas passiert und dadurch vielleicht auch Gassur, weil er auf mich geachtet hätte. Er hätte nicht zugelassen, dass mir etwas geschieht. Ich war nun nicht wirklich traurig darüber, dass es mir gerade an dem Abend nicht gut ging. Vielleicht hätte ich die Zeremonie auch überlebt, aber ich war glücklicher in meinem Bett bleiben zu können. Zumal Jalilah an diesem Abend auch meine vollste Aufmerksamkeit genoss.

Manchmal fragte ich mich schon, wie das mit zwei Kindern funktionieren würde. Gut, ich liebte Kinder, ich hatte keinerlei Problem damit, wenn viele um mich herumwuselten. Aber ich hatte Angst davor, dass Jali vielleicht eifersüchtig war. Oder das Gassur sein eigenes Kind meiner, nein, unserer Tochter vielleicht vorziehen würde. Das wäre ja eine vollkommen normale Sache, aber ich wünschte mir so sehr, dass es anders sein würde. Aber das würde vermutlich die Zeit zeigen. Dann war die Angst da, dass Jalilah zuviel Yazirblut in sich hatte. Eigentlich war sie eine reine Yazir und sie würde auch das gleiche Temperament haben wie ich – wie alle Yazirfrauen. Ich hoffte nur, dass sie mehr nach mir kam und Verantwortungsbewusstsein und ein Verständnis für Traditionen hatte. Gut, ich hatte mich auch nicht immer an alle Traditionen gehalten, manche Dinge waren einfach zu verlockend. Aber ich hoffte einfach, sie würde niemals einen Säbel in die Hand nehmen und auf ihre Unversehrtheit achten. Gassur wäre dahingehend vermutlich auch beruhigter.

Mein Ehemann. Ich seufzte kurz. Mutter hatte mich gefragt in einem ihrer letzten Briefe, ob ich tatsächlich glücklich war. Was sollte ich ihr sagen? Wenn ich ehrlich war, dachte ich kaum noch an meine Vergangenheit zurück. Natürlich gab es Tage, an denen ich traurig war und an meinen Verlust dachte. Aber ich war glücklich. Und ich war Eluive auch irgendwie sehr dankbar, dass sie meinen Weg so geführt und geplant hat. Trotz dem Unverständnis vieler. Was also sollte ich meiner Mutter sagen? Ich beschränkte mich erst einmal darauf, ihr mitzuteilen, dass es mir gut ging und ich glücklich war. Aber ich kam nicht umhin, ihr ebenso mitzuteilen, WIE glücklich ich war und was mein Mann alles für mich in Kauf genommen hatte, um mich glücklich zu machen. All die Probleme hatten uns nur noch mehr zusammengeschweißt. Ich erzählte ihr auch davon, dass ich oft da saß und mich fragte, was wohl passiert wäre, hätte ich Gassur kennengelernt, als Rasin noch lebte. Ich kannte mich, normalerweise hätte ich kein Auge für einen anderen Mann gehabt. Aber wie hätte ich es verantworten können, solch einen wundervollen Mann an mir vorbeiziehen zu lassen? Er war tatsächlich das Beste, was mir je passieren konnte. Dieser Tatsache wurde ich mir immer sicherer, je weiter unser gemeinsames Leben voranschritt. Er machte mich glücklich, wahnsinnig und – ach, dafür fand man keine Worte. Dank ihm war ich gerne Natifah. Es gab kaum etwas Schöneres für mich, als seine Frau zu sein. Die Frau seines Kindes, seine Liebe. Ich kümmerte mich um seine Kleider, ich räumte auf, ich kochte für ihn. All das gehörte dazu, gehörte in mein Leben – und ich liebte es. Und wenn es nach mir ginge: Ich würde ihm noch eine weitere halbe Milliarde Kinder schenken. Einfach nur, weil ich glücklich mit ihm war.