Es dämmerte als das Schiff im Hafen anlegte. Bald würde die Sonne aufgehen. Die Männer hatten ihr eindeutige Anweisungen gegeben. Sie trug eine Perücke, war kaum wieder erkennbar und sie hatten gedroht jeden umzubringen, sollte sie um Hilfe rufen. Ihr war klar daß sie brutal und skrupellos genug waren um ihre Drohung auch wahr zu machen. Sie durfte niemanden in Gefahr bringen, aber irgendwie mußte es ihr gelingen auf sich aufmerksam zu machen. Die Gelegenheit bot sich als sie am Hafenausgang auf die Wachen dort trafen und ihre Entführer befragt wurden. Woher sie kamen, wo hin sie wolllten. Die Wachen waren gründlich eingewiesen worden und kamen ihren Aufgaben sorgfältig nach. Sie durfte zwar nicht direkt auf sich aufmerksam machen, aber vieleicht indirekt..
Neben ihr stand ein ein großer Strauch der über und über mit kleinen weißen Früchten bedeckt war. Eine Schneebeere, Lili erinnerte sich wie sie als Kinder mit den Füßen auf diese Früchte getreten hatten und jeder den anderen versuchte zu überbieten in dem er seine Beere noch lauter zerplatzen ließ. Rasch sammelte sie etliche Beeren ein und brachte ihren Siegelring an den nun kahlen Ästen an. Sicher würde das Glitzern spätestens wenn die Sonne aufging jemandem auffallen. Ihr Siegelring trug das Wappen von Drachenfels und ihre Initialen Verschlungene Buchstaben über denen ein Drache thronte.
Jeder auf der Insel würde wissen daß der Ring ihr gehörte und ihn hoffentlich zum Schloß bringen. Als es weiterging ließ sie unauffällig alle paar Meter eine der Beeren fallen, wobei sie die Abstände nach und nach vergrößerte, da sie nicht wußte wie weit die Entführer noch mit ihr wollten. Die Männer strebten in Richtung des Bergpasses. Immer noch war ihr vollkommen klar warum man sie entführt und hier her gebracht hat, doch sie hatte irgendwie so eine Ahnung daß man sie nach Düsterbruch bringen wollte. Und so tat sie alles um ihren Weg zu verzögern, täusche Erschöpfung vor und stolperte mehrfach. Bis die Männer sich einverstanden erklärten in einer Hütte eine Rast einzulegen.. Die Früchte hatte sie fast schon alle verbraucht und so konnte sie nur hoffen daß ihr Ring rasch gefunden wurde und jemand die richtigen Schlüsse gezogen hatte..
Kersti war an diesem Tag irgendwie völlig abgelenkt und in gedanken. Als nachmittags langsam immer mehr Menschen zum Feuer kamen entschloss sie sich in den Wald zu gehen und Kräuter zu sammeln. Sie schlenderte eher mehr durch den Wald als das sie überhaupt etwas sammelte und kam erst spät in der Nacht zurück zum Lager. Sie hatte völlig die Zeit vergessen so sehr war sie in ihren Gedanken abgelenkt. Das Gespräch mit Ivor am Vormittag hatte ihr auch nicht grade geholfen. Eher andersherum. Als sie wieder am Lager ankam waren alle fest am schlafen... ein einziges Chaos und überall lagen Flaschen und Menschen verstreut im Lager. Sogar das Küchenzelt war nicht verschon geblieben. Dankbar für diese ablenkung fing sie sogleich damit an das gröbste aufzuräumen. So wurden Krüge und Gläser zusammen geräumt, Torjan und die ein oder andere Wache die nichtmehr ansprechbar waren wurden zu den Schlafzelten geschliffen und in Betten gelegt und sie kratzte sogar erbrochenes zusammen um es aufs feuer zu kippen so das es nicht im Lager herumlag. Dann wartete Kersti am Feuer. Irgendwann würde schon jemand wach werden der nüchtern genug wäre um ihr zu erklären was das alles zu bedeuten hat.
Die Kämpfe um die letzten Steine hatten nicht abgenommen, aber immer noch setzte er sich durch, wenn er was haben wollte.
Das hatte er schon immer!
Und dieser Stein hier.. würde seiner sein. Gerade als er die Beißer in den Stein schlagen wollte, bemerkte er, wie der Boden in leichte Erschütterung geriet. Er hielt inne und dann vernahm er es auch schon... Nicht etwa ein einstürzendes Gebäude..
Nein.
Die Zweibeiner. Würden sie es denn nie lernen?!?
Würden sie nie aufgeben?!?
Das hier war Sein!!
Er stürzte sich mit der letzten Masse seiner verbliebenen Brüder in einer großen Welle gegen die Eindringlinge.
Aber dieses Mal.. hatte das Glück ihn verlassen, schon eines der ersten Schwerter, durchdrang seinen Panzer und bereitete ihn ein schnelles Ende, das Letzte was er sah... war dieser verdammt verführerische Stein, den er gerade noch vertilgen wollte. Fast.. ...fast war er 'sein'......
… unter den ersten Strahlen der Sonne...
Sie spielte mit einem kleinen Steinchen zwischen ihren Fingern.
Sie hatte es gewagt!
Tatsächlich hatte sie das Lager verlassen, sie musste es mit eigenen Augen sehen!
Sie hatte kaum erwarten können bis die Sonne sich endlich entschieden hatte, die Nacht und ihre Warterei zu beenden.
Und da sah sie es.. Es war das Schönste, was sie seit langem sehen durfte..
Überall lagen Reste von Steinen, kleine, Große, Trümmerteile, Ziegel und dazwischen hatten sich einzelne Blüten hervor gewagt.
Nirgendwo krabbelte es. Kein Nagen war zu hören, keine Erschütterungen, keine Steinschläge.
Am gestrigen Abend hatte sie noch gebangt, es waren unheimlich viele.
Schulter an Schulter waren sie los gezogen, die Adoraner, gemeinsam mit ihren Verbündeten, den Elfen, den Thyren und auch den Zwergen. Bis unter die Zähne bewaffnet, zu allem bereit.
Sie hatten den Abend damit verbracht, das Feuer am Leben zu halten und sich nicht einmal einen Blick in Richtung Adoran gestattet und dann … war das Wunder geschehen.
Die ersten kehrten völlig verschmiert von der Schlacht, aber dennoch mit Gesichtern voller Hoffnung und Glück zurück.
Bangend hatte sie den Berichten gelauscht und auch als sie es das zehnte Mal vernahm konnte sie es kaum glauben.
Sie hatten gegen eine riesige Welle der Viecher gekämpft und am Ende, hatten sie es mit ihr zu tun.
'Sie', wie sie noch mehrmals am Abend genannt wurde, war wohl so etwas wie ihre Königin, der Kampf muss anstrengend gewesen sein und schier unglaubliches von allen abverlangt haben.
Und doch.. hatten sie es am Ende geschafft!
Ein ganz besonderer Stein soll in ihrem Inneren geborgen worden sein, etwas, dass zuvor noch nie das Licht des Tages erblickt hat.
Unbekannt – Besonders.
Lange, hatte sie im Hintergrund geweilt, den Berichten gelauscht, das Leuchten in den Augen gesehen.
Auch eine Ansprache gab es nach dem Kampf, über den Wiederaufbau, das Aufräumen ..
Selbst der König hatte sich noch im Lager blicken lassen und dann war das Met geflossen.. Met in allen Mengen.
Sie selbst hatte sich einen kleinen Schluck gegönnt, aber viel zu aufgeregt war sie schließlich um wirklich was runter zu bekommen. Der König, hätte sie die Hand ausgestreckt, hätte sie ihn vielleicht berührt?
Es war vorbei ! Endlich vorbei? Wirklich?
Als der Morgen dämmerte, hatte sie nichts mehr gehalten, selbst ihre Schicht hatte die sonst so pflichtbewusste kleine Bankdame völlig vergessen.
Gerannt war sie, so schnell sie ihre Beine hatten tragen wollen und dann... war sie stehen geblieben.
Alle Gebäude... lagen im Schutt, nur wenige vereinzelte hatte sie noch im Bauernviertel stehen sehen .. und als sie sich gen Brücke wagte, sah sie schnell das nur ein einzelnes Gebäude stand gehalten hatte.
Die Kirche.
Ein Steinchen vom Boden aufnehmend, um wirklich sicher zu sein, dass sie nicht träumte, hatte sie dort hinüber geschaut. Sie war sich ganz sicher.. Sie hatte noch nie etwas schöneres gesehen als diese Kirche.. das Zeichen der Hoffnung für Adoran, im ersten Licht der warmen Sonnenstrahlen. Sie war sich wirklich sicher.. sie war nach Wochen endlich wieder.. glücklich.
Mit dem Gefühl aus diesem Glück heraus, alles alleine Aufräumen zu können, begann sie dann auch schon die ersten Steine zur Seite zu schaffen.. tatsächlich blieb sie dabei nicht lange alleine.
Denn wenn sie eines gelernt hatten, dann war es eine ganz neue Art des Zusammenhaltes.
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Samstag 7. Juni 2014, 20:38, insgesamt 1-mal geändert.
Erneut ziehen Herolde der Stadt Adoran aus durch das gesamte Herzogtum und verkünden vom Sieg der Truppen aus Bürgern des Herzogtums, dem Regiment, wie seiner Verbündeten, den Völkern der Thyren, Elfen und Kaluren über die Käferplage in Adoran, in den Ortschaften werden Aushänge angebracht, dann ziehen die Herolde weiter.
Volk von Lichtenthal
Bürger Adoran's
Mit großer Freude darf verkündet werden, dass die Käferplage in Adoran beseitigt werden konnte. Der Quell dieses Übels wurde von unseren Truppen, den Kämpfern der Thyren, Elfen und Kaluren, mutigen Bürgern, dem Regiment des Herzogtums und einigen Außenstehenden besiegt. Als Beweis über jenen Sieg wurde die Brutmutter enthauptet und zur rechten Zeit zur schau gestellt.
Heute wollen wir dankbar sein über diesen Sieg und stolz auf die tapferen Recken die Ihre Pflicht getan haben und jene die uns freundschaftlich die Hand gereicht haben in so düsterer Stunde.
Nur wenige Gebäude konnten gerettet werden und viele haben Ihr Heim und alles was darin noch zu finden war verloren. Nie zuvor musste sich Adoran einer solchen Gefahr behaupten, nie zuvor waren so viele Schäden und Verluste zu beklagen.
Heute mögen die Gebäude nur mehr Schutt sein, doch genau dies ist der Tag an dem wir beginnen werden unser Adoran wieder aufzurichten, denn obwohl jedes Gebäude im Westen den Käfern zum Opfer gefallen sein mag, ist die absolut unversehrte Kirche ein Leuchtfeuer des Wiederaufbaus.
Jeder Adoraner ist hiermit aufgefordert sein bestes zu tun um die Stadt schon bald in seinem neuen Glanz erstrahlen zu lassen, was uns mit der angebotenen Hilfe von all jenen die uns schon im Kampf gegen die Käfer beigestanden haben, gelingen wird!
Er mochte das Feldlager. So viele Leute kamen hier zusammen, die sonst wohl niemals einander getroffen hätten.
Sie tauschten sich aus, staunten über die Andersartigkeit der Völker - ja, sogar der alte Zausel selbst gewann neue Erkenntnisse.
Er blickte an sich herab. Seine Robe war immer noch zerfetzt von den Bissen der Käfer und ihre sterblichen Überreste hatten sich in dem Stoff verhakt. Da ein kleines Bein, dort ein Kiefer. Und noch immer hatte er keine Zeit gefunden, diese Robe zu wechseln, gegen eine saubere. Aber so war es eben in einem Feldlager. Da war nicht an jeder Ecke Waschwasser bereit ... bislang hatte er sogar gar keines gefunden in diesem Lager.
Löcher in der Gewandung und Schmutz gehörten zu einem solchen Lager eben dazu, das war dem alten Feldscher wohl bekannt. Auch der Adel verdreckte langsam und glich sich dem einfachen Volk an in Ermangelung des gewohnten Komforts.
So bröckelte auch die Etikette, was Torjan als recht wohlwollend empfand. Ja, in so einem Feldlager glichen sich die Leute, egal welchen Standes, nach und nach an ... das wusste er nur zu gut. Hatte er doch wohl 30 Jahre seines Lebens in solchen Feldlagern verbracht unter noch weitaus übleren Umständen.
Hatte er jede Nacht, in der es in Adoran gerumpelt und gekracht hatte, gut und tief geschlafen, wälzte er sich nun in seinem Feldbett hin und her.
Die Ruhe!
Diese Ruhe!
Sie war unheimlich.
Nach so vielen Tagen der Geräusche, knabbern und krachen trieb ihn diese Ruhe in die Schlaflosigkeit.
Unruhig wälzte er sich in seinem Feldbett in und her, während alle um ihm herum friedlich schliefen und schnarchten.
Er sehnte sich nach seinem Lehnstuhl, seinem Nachtkästchen, auf dem ein menschlicher Totenschädel seinen Platz gefunden hatte - ein Geschenk von einem lieben Mäderl -, und seiner wohlig warmen Decke, mit der er sich jede Nacht zugedeckt hatte. Aber dazu brauchte es einen Platz, wo all das wieder aufgestellt werden konnte.
Ein neues Haus, erbaut auf gutem Fundament. Obwohl in jener Nacht sein Schlaf nicht wirklich tief war, träumte er kurz von diesem Haus. Groß war es, einen Garten hatte es dabei, in dem sogar so viel Platz war, um ein paar Hühner dort zu halten, die unter schattenspendenden Obstbäumen in der Erde nach Würmern scharrten. Sein bequemer Lehnstuhl stand im Obergeschoß, nahe der Kammern seiner Schüler sowie der Ecke, wo sie die Tränke ansetzten. Er träumte von Wänden, ähnlich der Farbe des seltsamen Steins, den er gefunden hatte, die mit Ornamenten verziert waren, die in schlichter Einfachheit die hellen Wände zierten. Und von einer Stadt - Adoran - die schöner war, als je zuvor.
An und für sich wollten sie nur eine kurze Rast einlegen und dann weiter, doch sie schaffte es überzeugend völlige Erschöpfung zu heucheln und so wurde beschlossen die Nacht hier zu bleiben.. Natürlich würde einer der Männer abwechselnd Wache halten. Sie sollte also lieber erst gar nicht an Flucht denken, drohte man ihr.
Während der Nacht geschah was sie sich erhofft hatte. Jemand hatte tatsächlich kurz darauf den Ring gefunden, ihn zum Schloß gebracht. Von dort aus brach sofort ein Trupp Soldaten angeführt von ihren Brüdern auf. Allerdings war es ein kleines Mädchen daß die Beerenspur zufällig entdeckte. Man folgte ihr und umstellte in der Nacht die Hütte. Die Wache war recht nachlässig, ahnte nichts böses und wurde rasch ausgeschaltet. Dann wurde die Hütte betreten, der zweite Entführer der friedlich schlummerte ebenfalls außer Gefecht gesetzt. Unblutig ging ihre Entführung zu Ende und man brachte sie zum Schloß. Dort wurde über das weitere Vorgehen beraten. Lili hatte den Gesprächen der Männer entnehmen können daß dieser angebliche Baron von Düsterbruch hinter dem ganzen steckte. Dieser hatte sich anscheinend wieder ohne daß es bemerkt wurde in Düsterbruch nieder gelassen und plante erneut die Macht über Drachenfels zu erlangen.
Bereits am nächsten Tag brach ein recht großer Trupp aus Soldaten nach Düsterbruch auf. Lili wollte sie und ihre Brüder natürlich begleiten, doch dies ließ man nicht zu.
So setzte sie sich erst ein mal an ihren Schreibtisch und schrieb viele Briefe. Sicherlich fragten sich viele auf Gerimor was mit ihr passiert war und sie wollte sie nicht länger als nötig im ungewissen lassen. Die Briefe brachte sie anschließend selbst zum Hafen zum Kapitän der "Freiheit" den sie anwies die Briefe zustellen zu lassen. Da sie nicht ahnte was inzwischen mit Adoran geschehen war und die Käferplage für sie zwar lästig war, sie aber nicht ermessen konnte was für Dimensionen dies inzwischen angenommen hatte, beorderte sie das Schiff nach Adoran. Dem einzigen Hafen Lichtenthals..
...war schon früh am Lager zu vernehmen.
Sie hatte sich ihren schönsten Hut gepackt!
Nicht, dass er nicht schon bessere Tage gesehen hatte, aber sie hatte ihn mit einem kleinen Gänseblümchen aus der Wiese aufgefrischt und war nun gänzlich zufrieden, vor allem auch bereit.
Bereit diesen Tag anzugehen!
Bewaffnet mit ihrem Hut, einem kleinen Körbchen aus dem Küchenzelt, machte sie sich dann auf gen Adoran, oder das was davon übrig geblieben war.
Am Bauernviertel blieb sie dann stehen und zog die Luft ein.
Meine Güte war hier noch viel zu tun!
Am gestrigen Tage, sah es gar nicht soviel aus! Und nun, war es .. unglaublich, sie müsste, oh sie würde einfach..
Sie schmunzelte vergnügt, stellte ihr kleines Körbchen am Boden ab und wirbelte herum, den nächsten Gardisten auf die Schulter tippend und etwas verschwörerisch flüsternd.
Dann rannte sie auch schon wieder gen Lager.
Wenige Augenblicke später kehrte eine kleine Gruppe zurück, inmitten ein Blümchen geschmückter Strohhut.
Leises Summen erfüllte die Luft, während der bunte Haufen aus Handwerkern, Bankdame und auch Gardisten begann im Bauernviertel die Steine zur Seite zu schaffen und den Weg für Neues frei zu machen.
Doch trotz ihrer Arbeit, wirkte es eine Weile als würde sich rein gar nichts verändern..
Zu Groß waren die Massen an zurückgebliebenen Gestein.
Hier und da ließ Jemand den Blick schweifen und schließlich beim gebotenen Anblick die Schultern hängen.
Bis ein kleiner Strohhut samt Körbchen hinüber wuselte, ein Lächeln auf den Lippen und mit fröhlicher Stimme verkündete: 'Du darfst niemals das Ganze betrachten! Immer nur zurück sehen, was du schon geschafft hast und so.. wirkt es gar nicht mehr so viel!' Mit einer Leckerei versehen wurde dann auch weiter gearbeitet, und auch der kleine Strohhut packte wo er konnte mit an.
Als es zu dämmern begann, war eine sehr müde und deutlich mitgenommene Truppe wieder zurück auf dem Weg zum Lager. Ausschließlich zufriedene Gesichter kehrten hungrig am Platz ein, zu Letzt ein kleiner Strohhut, mit leerem Körbchen und der fröhlichen Verkündung: 'Der Anfang ist getan!'
Und wiedereinmal ziehen Herolde aus, diesmal eilen sie auch nach Nilzadan, zum Nebelwald und nach Wulfgard um dort ihre Nachricht zu verkünden.
Bürger des Herzogtums
Völker des östlichen Germior's
Ab dem heutigen Tage, beginnen die Aufräumarbeiten in Adoran.
Soweit es uns möglich sein wird, werden wir am Lager bei Adoran die nötigen Werkzeuge verteilen.
Große nicht mehr gebrauchte Schuttstücke werden zerteilt und in die Gruben und Löcher geschüttet. Alles was wir für den Wiederaufbau noch nutzen können ist zusammen zu tragen auf das die Häuser Adoran's schon bald wieder weit in den Himmel empor ragen.
So sind wir uns sicher, dass mit vereinten Kräften, dieses von uns so hoch gesetzte Ziel bald erreicht wird, besonders bedankt seien die Helfer fremder Völker die uns bei diesem Unterfangen, ihre Hilfe angeboten haben.
Die Schlacht um Adoran war lang und beschwert, viele Verluste wurden beklagt und noch mehr Verwundete kamen Tag Täglich vom Kampf gegen die nicht Enden wollende Käfermaßen in die Zeltlager an. Doch schafften die tapferen Streiter, unter denen sich auch Sophia wissen durfte, jene Käfer Stück für Stück zurück zu drängen um in einem unerbittlichen Kampf, Seite an Seite mit den Thyren, den Elfen und sogar mit den Kaluren, gegenüber der Mutter dieser Käfer zu stehen.
Die Käfermutter war besiegt, übergebliebene Käfer suchten die Flucht oder wurden noch erschlagen. Adoran war von der Plage befreit doch wurde es in Schutt und Asche gelegt. Lediglich die Kirche stand noch, die von Temora selbst beschützt wurde und somit für viele ein Lichtblick in diesen dunklen Tagen wurde.
Sophia fand darin während einer ergreifenden Rede der Diakonin in einem Gebet, trotz der vorher herrschenden Schlaft, Ruhe und Geborgenheit.
Nun galt es Adoran von dem Schutt und Geröll zu befreien um es dann neu aufbauen zu können.
Viele Bürger machten sich schon in der Frühen Stunden mit Karren und Packpferden auf den Weg um mit Schaufel und Picke an die Arbeit zu gehen.
Auch Sophia scheute sich nicht ihr Schwert gegen eine Schaufel auszutauschen um an der Seite mit den anderen Bürgern die Massen an Trümmern zu entsorgen.
Sie würde unermüdlich Arbeiten wollen ohne eine Pause zu machen.
Sie würde unermüdlich Arbeiten noch weit über den Sonnenuntergang hinaus.
Sie würde unermüdlich Arbeiten bis ihre Arme vor Erschöpfung nachlassen.
Und auch dann würde sie am Nächsten Tag wieder die Schaufel oder Picke in die Hand nehmen um weiter zu machen.
Die Käfer wurden besiegt. Das Regiment und seine Verbündeten haben die Brutmutter erschlagen. Die Misere Adoran hatte ein Ende gefunden. Doch seine eigenen ging weiter.
Saphira, seine geliebte Verlobte, hatte ihn verlassen. Die Gründe waren zu zahlreich, doch ihm war eines klar. Sie würde nicht zurück kommen, und er wollte nicht, dass sie zurück kommt. Er wollte sie vergessen, sein leben ohne sie fortsetzen, ihr so gut es geht aus dem Weg gehen, was schwierig ist wenn beide der selben Gemeinschaft angehören und den selben Freundeskreis haben.
Ablenkung musste her. Arbeit! Nichts lenkte ihn so gut ab wie seine Arbeit. Und er hatte noch einiges zu tun. Neue Aufträge, den kronischen Diamantmangel beseitigen und sich ein neues Zuhause suchen. Der Kessel war sein Zuhause, dort war seine Familie, auch wenn nur sein Bruder zur Blutsverwandschaft gehörte, der Rest war immer wie eine Familie für ihn gewesen. Und auch jetzt bewies Tarya wieder wieso sie die Kesselmama war, ist. Natürlich merkte sie, dass Samuel eine mehr als griesgrämige Laune hatte, was nicht wirklich schwer war, so wie er da rum grummelte, und natürlich redete sie mit ihm darüber. Sie wollte ihn nicht verlieren, wollte nicht, dass er den Kessel verlässt oder gar ganz aus Gerimor verschwindet. Samuel nahm sich ihre Worte zu Herzen, wie er es immer bei ihr tat.
Die Arbeit in der Mine tat gut, doch das war nicht genug. Einige Schmiedearbeiten folgten, ein spontaner Grillabend bei seinem Bruder, dem Saftschinken, und seiner Geliebten, dem Eisdrachen. Natürlich war es nicht leicht dieses junge Glück zu sehen. Dennoch freute er sich für seinen Bruder. Doch auch das Grillen werte nicht ewig.
Zurück nach Adoran, Samuel hörte etwas von Trümmerbeseitigung. Die ideale Ablenkung für ihn. Und er würde Adoran auch noch einen gefallen tun, ehrenamtlich natürlich. Er schnappte sich eine Picke und sein Packpferd und machte sich auf den Weg zu den Trümmerhaufen. Einige Handwerker, Regimentler und Arbeiter waren schon fleißig dabei die Trümmer weg zu räumen, ihre Pferde zu beladen und das Land zu ebnen. So tat es dann auch Samuel. Er suchte sich eine passende Stelle und begannt damit die Trümmer zurecht zu hacken und sein Pferd damit zu beladen. Die Arbeit war etwas anders als das Schürfen, aber durchaus ähnlich. Und für einen kräftigen Schmied im besten Alter ist es nun wirklich kein Problem ein paar Stunden Trümmer zu beseitigen. Und tatsächtlich half es. Keinen einzigen gedanken verschwendete er an Sie.
Die Trümmer türmten sich langsam auf und er kam schleppender, aber dennoch stetig vorran, bis seine Picke auf eine Wand stieß. Die Wand eines Hauses. Eines zerfallenen Hauses. Dennoch war es eindeutig als solches zu erkennen. So verfallen wie es war und so angefressen hätte es niemanden genutzt. Ergo: abreißen. Er schlug kräftig mit seiner Picke auf die steinerne, bröckelnde Wand ein, welche schon nach kurzem nachgab. Es war ein leichtes das haus einzureißen, wenn auch nicht ganz ungefärlich. Teile des Daches waren noch da und fielen runter als er sich an der Wand zu schaffen machte. Glücklicherweise verfehlten sie ihn um einige Schritte. Er arbeitete sich ohne groß über irgendetwas nachzudenken einfach weiter und weiter und weiter und weiter.
Ein Grummeln ließ ihn stocken. Der Blick wanderte zum himmel. Ein Gewitter? Dann müsste er eine Pause machen. Der Himmel war aber zur Gänze Wolkenfrei. Das Grummeln kam nicht von Oben, es kam von Unten. Aus seiner Magengegend, er hatte schlicht Hunger. Erst jetzt merkte er, wie viel Zeit vergangen war seit er mit der Arbeit anfing. Er packte noch einige Steine auf sein Packpferd und machte sich dann auf den Weg zum Kessel. Er musste etwas essen.
"Opi, überanstreng dich nicht!", riefen sie ihm zu, als er sich an machte mitzuhelfen, den Schutt zu beseitigen.
Ihn verwunderten diese Zurufe - wussten sie noch immer nicht, wie sich der alte Alchemist mit seinen Tränken helfen konnte?
So machte er sich daran, bei den Aufräumungsarbeiten zu helfen, dankbar für jede Unterstützung mit Speis und Trank.
Spät des Nachts legte er seine Knochen in eines der Feldbetten. Ja, nun, wo die hilfreichen Tränke nachließen, spürte er sie, die alten Knochen. Todmüde schlief er aber in der Gewissheit ein, dass all jene, die da zusammengeholfen hatten, enorm viel geschafft hatten.
Traumlos überstand er die Nacht, gespannt darauf, was der nächste Tag ihm bringen würde.
Immer wieder schlugen Hämmer und Hacken auf die massiven Steine ein, die im Schutt begraben waren und spielten dabei ihre ganz eigene Musik.
Eine Musik des Aufbruchs, des Neuanfangs, hier wo etwas zu Grunde ging, jedoch nicht seine Seele verlor, wurde Platz geschaffen für neues, was die Arbeit beschwingt und dennoch mit einem gewissen Quäntchen an Traurigkeit über den Verlust voran schreiten lies. Ebenso erging es Ihr als sich die Gruppe immer weiter an ihr einstiges Zuhause heran schlug, schon von weitem hätte man es gesehen, das nichts mehr dort war wo es hin gehörte.
Alles an diesem palastartigem Gebäude war in sich zusammen gestürzt. Dort wo einst Pläne geschmiedet wurden, wo geweint aber was die meisten nicht wussten, auch sehr viel gelacht wurde, alles war mit dem Blick auf den Schutt weg wie eine zerplatzte Seifenblase.
Zuhause, das Dach über dem Kopf, die Menschen die darin leben und irgendwie war sie froh, dass es ihr nicht besser erging als jedem anderen Bürger der Stadt, es wäre zu viel Glück für einen Menschen und sie konnte noch besser verstehen, was ein jeder einzelne fühlte.
So ging es weiter Schlag auf Schlag, beeindruckt von Torjans Ausdauer, der arbeitete wie ein Stier und ungebändigt durch den Stein wühlte und Aniviels Feingefühl für das was man noch erhalten konnte, was wichtig war, was ist schon eine Stadt ohne Blumen. Heute waren es nur zwei dir ihr besonders ins Auge gefallen waren.
Trotz der vielen Arbeit ließen sich sogar Gespräche führen und es war immer wieder interessant zu sehen, dass eigentlich kaum einer wusste, was ein Edler eigentlich war. Es war spannend zu forschen, welche Bedeutung man dem Wort zukommen lies, so waren Synonyme aufgetaucht wie, "achtenswert", "aufopferungsvoll" und "redlich". Zum Edlen wurde jener Bürger gemacht, der sich besonders verdient gemacht hatte.
Alle die in diesen Tagen auch nur einen Stein in die Hand nahmen und fort bewegten, alle waren sie Edle.
Als er an jenem Abend, kurz nach Mitternacht, in eines der freien Feldbetten glitt, betrachtete er seine Hände im fahlen Schein der einzigen Laterne im Zelt. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte er zwar Schwielen, aber keine Blasen an den Händen.
Wohl weil er Unmengen von stärkenden und heilenden Tränken zu sich nahm während der schweren Arbeit. Es war ein neues Selbstexperiment. Noch nie zuvor hatte er so lange so viele seiner Tränke zu sich genommen. Doch bislang blieb Magenweh oder Darmirritation aus, was ihn sehr beruhigte.
Viele hatten an jenem Tag geholfen, sogar die Fellleut waren gekommen.
Manche der Helfer gingen schwer an ihre Grenzen, der eine oder andere überschritt sie sogar ... so wie Jarin. Erschöpft wie er war, hatte er gearbeitet, in der prallen Sonne. Sein Magen hatte rebelliert, weil er versehentlich eine Wurst gegessen hatte. Nicht die Wurst selbst war an seiner Magenverstimmung schuld, sondern eher der Umstand, dass er für gewöhnlich kein Fleisch aß.
Kelsi und sogar Nyome kümmerten sich um das leibliche Wohl der Arbeiter. Leetha sorgte für Nachschub an Piecken. Andere wiederum brachten die noch brauchbaren Steine weg.
Es schien alles gut zu funktionieren. Lediglich dieser eine, riesige, sich geradezu böswillig gegen seinen Abtransport wehrende Steinhaufen zehrte sogar an seinem sonst so unerschütterlichen Optimismus.
Aufräumen
Ein Wort, welches viel Arbeit und dennoch auch eine Art Befreiung beinhaltete. Stein um Stein, Balken um Balken und die Relikte zerplatzter Träume wurden fort geschafft. Müssige Hände tun der dunklen Dämonen Werk, somit rührte sich jede Hand um das Werk des Lichtes zu tun. Niemand schonte sich, soweit die Rosthaarige das überblicken konnte. Jeder packte an und tat nach seinen Kräften was möglich war. Die geübten Handwerker wirkten weniger erschöpft und auch ging bei ihnen alles flüssiger voran. Zudem mussten sie entscheiden was noch zu verwenden war und darauf achten, dass die tückischen Löcher ordentlich verfüllt würden.
Sie selbst merkte immer wieder das Ziehen im rechten Bein. Diese Verfluchte Käfermutter hatte ihr ein kleines Andenken verpasst. Eine tiefe Quetschung und Prellung in dem großen Muskel verlief die üblichen Farbstadien von Dunkellila über Blau bis Grüngelb. Die Soldatin hatte selbst Schuld an ihrem Leiden, ungeachtet jeder Vernunft hatte sie sich dem Vieh entgegengeworfen und war darunter gefangen worden. Der Vorteil der Lage war gewesen, dass sie so von unten die empfindlicheren Organe des Biestes hatte treffen können. Der Nachteil war die Tatsache, das das Tier auf sie gekracht war als es starb.
So hat eben jedes Dach sein Ach.
Auf die Frage warum sie sich so verbissen in die Schlacht geworfen hatte, fand sie eine einfache und doch beständige Antwort:
Weil ich Soldatin Lichtenthals bin und jenes Wesen die bedroht und heimaltos macht, die mir anvertraut sind.
Die mir anvertraut sind...
Wie tief dieses Gefühl für Verantwortung ging, wurde ihr erst klar nachdem sie den Rekruten Salberg angeschlagen im Heilerzelt gesehen hatte. Er war ihr anvertraut als Rekrut. Er hatte sich ihr anvertraut als junger, hitzköpfiger Mann, der einen Wegweiser suchte.
Immer wieder glitt der gewittergraue Blick über die Arbeiter auf dem Stadtgrund. Stein um Stein. Eine Befreiung. Die Abendsonne hüllte eine Erkenntnis ein, als sie alle abzogen, da das Licht zu schlecht zum Arbeiten wurde.
Es war Horror. Zwischen ihren Wachdiensten und den Aufräumarbeiten hatte sie genau 6 Stundenläufe Zeit, die sie eigentlich für den erholenden Schlaf nutzen sollte und womit verbrachte sie diese? Über Samuel und ihr Verhalten ihm gegenüber nachdenken! Dankeschön! Jede Nacht war es das Selbe und jede Nacht entschied sie nach dem ersten Stundenlauf erneut zu den Ruinen zu gehen und mitten in der Nacht, wenn niemand mehr da war außer genauso wahnsinnigen wie sie es war, Schutt wegzuräumen und brauchbare Steine ins Lager zu schleppen.
Sie wusste genau und spürte es auch in den immer häufiger auftretenden Momenten der Erkenntnis, dass ihr Körper und langsam auch ihr Verstand streikten. Es war definitiv zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit für einen Körper und irgendwann würde ihr Sturkopf den Kampf gegen die natürlichen Reflexe verlieren. Stellte sich nur die Frage, wann. Fragte jemand nach, ob sie nicht eine Pause machen wollte, meinte sie im Angesicht eines einzigen Trümmerhaufens: "Nur noch die Ecke!" und hackte weiter. Einmal hatte ihr Körper schon nachgegeben, aber überbrückungsweise halfen ihr ein Teigröllchen mit Marmelade und ein Schluck Wasser. In diesem Moment war ihr erst bewusst gewurden, dass sie auch das Essen und Trinken oft vergessen hatte.
Mit zunehmender Zeit fragte sie sich immer mehr, ob es der Wunsch nach Ablenkung oder der Wunsch nach einem schnellen Ende war, der sie antrieb. Ein schnelles Ende vor allem auch für das Leiden der Adoraner. Sie selber konnte sich eigentlich glücklich schätzen, dort nicht zu wohnen, aber sie wohnte im Moment ja eh nirgendwo. So war es auch lange Jahre zuvor gewesen, also konnte sie beim besten Willen den Verlust der Menschen nicht vollständig nachvollziehen, sich nur vorstellen, aber auch von ihrem Herz hing ein Stück an diesem Trümmerhaufen und sie würde sich genauso freuen, wenn es irgendwann wieder zu einer prächtigen Stadt geworden ist. Schließlich war sie Regimentlerin und hatte hier ihr Leben als Kämpferin gestartet. Der alte Kessel hatte hier seinen Sitz gehabt und so ziemlich alle nennenswerten Erfahrungen, die sie je gesammelt hatte, hatten hier ihre Auslöser gehabt. Es war einfach nur Horror, aber ihr Sturkopf stand ihr nicht nur im Weg, denn er ließ sie auch närrisch ans Ende glauben und sie dadurch weiter machen. Weiter hacken...