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Verfasst: Sonntag 28. Juli 2013, 23:35
von Kadir Bashir
Klarheit

Als ich von meinem Termin zurück kam hörte ich wie die Wachen etwas murmelten. Es war nichts neues und an für sich hätte ich mir wohl auch keine Gedanken darüber gemacht, wäre nicht ihr Name gefallen. Aaminah... sogleich hielt ich die Zügel meines Pferdes, stieg aus dem Sattel und fragte sie was los sei.
Sie lächelten mich an und erzählten mir, dass Aaminah zurück gekehrt sei. Es war als fiel ein Stein von meinem Herzen. Sie war zurück, zurück in den Armen ihrer Familie. Es gab keinen Grund zur Sorge mehr. Hazar musste unendlich erleichtert sein...

Ich bedankte mich für die Information und nahm mein Pferd an den Zügeln. Langsam liefen wir gemeinsam zu meinem Haus. Ich hätte gerne einen Abstecher zu Hazar gemacht, nach ihr gesehen, sie einmal kurz in die Arme geschlossen um ihr zu sagen, siehst du ich hatte recht. Alles ist gut. Aber jener Abend gehörte ihrer Familie. Ich wusste das sie keinen Schritt von Aaminahs Seite weichen würde. Ich konnte nur ahnen wie die letzten Nächte für sie gewesen sein mussten .Eine hatte ich schließlich selbst mit erlebt. Eine in der ich dafür sorgen konnte, dass sie zumindest etwas Schlaf fand, doch was war mit den restlichen?

Wir hatten uns nur wenig gesehen... als ich heute zu ihr ging wollte ich sie direkt in die Arme nehmen, kaum das ich sie sehen würde. Doch nicht Hazar öffnete die Tür. Perplex sah ich sie an und nickte nur auf die Frage ob ich hinein kommen wollte. Erst im Hof stand plötzlich auch Hazar dabei. Nun waren wir nicht allein. Ich konnte ihr nicht einfach in die Arme fallen. Sie nicht einfach fest halten und sie an mich ziehen. Sehnsüchte zurück stecken, wie so oft...

2 Wochen war es her seit ich Zafer geschrieben hatte. 2 Wochen ohne Antwort. 2 Wochen die er fort war, ohne das jemand genaueres wusste. Wann würde er zurück kehren? Wiederholte sich das Spiel, wie bei Pazia damals? Ich versuchte jenen Gedanken schnell bei Seite zu schieben aber es war schwer. Gerade in dieser Zeit war es schwer... sie war mir, ihr Herz war mir und doch mussten wir uns immer und überall zurück halten. Etwas zog das Herz in meiner Brust zusammen. War es so verwerflich die Frau die man liebte einfach in den Armen halten zu wollen? Jetzt, in dieser Zeit, in der Aaminah einfach so verschwunden war und mir bewusst wurde, wie schnell so etwas gehen kann wurden mir viele andere Dinge bewusst.

Hazars Worte rissen mich aus den Gedanken. Sie machte sich auf ins Labor um noch einige Tränke fertig zu machen. Ich war das erste mal wieder hier in dem Heilerzimmer, seit Rashid Zafer den Finger hier abgetrennt hatte. Ein seltsames Gefühl. Auch wenn alles wieder sauber war, nichts daran erinnerte, so waren die Erinnerungen in meinem Kopf noch sehr real und auch wenn er sich inzwischen für die Worte entschuldigt hatte, hallten die Worte wieder in meinem Kopf "du wirst sie neimals bekommen"...

Damals machten mir die Worte Angst... alles war in der Schwebe, nichts war sicher. Ich wusste nicht das sie längst Gefühle für mich hegte und sie sich nur nicht eingestanden hatte. Heute hier und jetzt fragte ich mich, ob er deswegen fort war. Er hatte keine Nachricht hinterlassen. Ging er um dem unweigerlichen aus dem Wege zu gehen? Es in die Länge zu ziehen? Mein Gedanken spielten mal wieder verrückt, nichts neues mehr und inzwischen gewöhnte ich mich an diesen Zustand. Es erleichterte mir, mich von diesen Gedanken nicht zu sehr runter ziehen zu lassen. Es lag an der Situation, an den Ereignissen der letzten Tage und an der Sehnsucht die immer größer wurde.

Malaika gesellte sich in der Küche zu uns, wirklich anwesend schien sie nicht zu sein. Ob wirklich alles in Ordnung mit ihr war? War es nur die Sorge? ich wollte nicht weiter nachfragen und Hazar damit in Bedrängnis bringen. Als sie uns jedoch allein lies und Hazar ihren Kopf sachte an mich legte konnte ich nicht anders. Ich musste meinen Arm um sie legen, sie dadurch sachte an mich ziehen. Ich wollte ihre Nähe spüren, ich wollte sie in den Armen halten. Wissen das sie hier ist, hier bei mir. Das ich mir um sie keine Sorgen machen musste. Ich fragte mich oft was ich getan hätte, wäre sie an Aaminahs Stelle gewesen aber ich musste den GEdanken verwerfen, ich wäre verrückt geworden vor Sorge. Ich hätte alle Mittel und Wege genutzt um sie zu finden. Sie war die Frau die ich liebe... mein letztes Hemd würde ich lassen.

"ich sollte mich von Malaika und Aaminah nicht so verrückt machen lassen". Da war es wieder, dieses Thema das sie schon einige male scheinbar angeschnitten und doch wieder verworfen hatte. Auch diesmal färbten sich ihre Wangen rot aber ich lies nicht nach. Ich fragte was sie damit meinte. Wie die beiden sie verrückt machen konnten? Was sich dahinter verbarg... es rief ein schmunzeln hervor und doch konnte ich ihre Angst verstehen. Wie hatte Zafer sie genannt "eine unberührte Blüte der Ifrey" sie machte sich schon jetzt Sorgen darüber wie es werden würde. was hatten ihr die beiden nur erzählt? Letzendlich wissen, konnte es nur Malaika und doch musste jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Ich selbst hatte oft darüber nach gedacht. Mir war durchaus bewusst welch Verantwortung ich in meinen Händen hielt. Noch war Zeit, noch waren wir noch nicht einmal einander versprochen. Wenn sie über die Ängste nach dachte, dachte sie auch über den Rest nach? Verband sie all das nur mit ihrer Angst? Unser Gespräch wurde durch Schritte unterbrochen. Sofort löste ich meinen Arm von ihr. Ob Zahra etwas gesehen hatte? Es fing an mir egal zu werden aber das durfte es nicht. Es durfte mir nicht gleichgültig sein ob uns jemand sah oder nicht. Noch durften wir nicht gesehen werden. Noch mussten wir vorsichtig sein. Auch wenn es mich langsam nervte, Geduld... Geduld... Geduld... immer wieder versuchte ich mich mit jenen Worten in die Realität zurück zu holen.

Hazar musste noch einmal kurz weg, Zahra war kurze Zeit später auch verschwunden. Die Unterredung mit Sabeena hatte zur Folge, dass ich von einem fettnapf in den nächsten trat. Als die Frage Pazia mal wieder im Raum stand gab ein Wort das andere und schon befand ich mich in einer Situation aus der ich nicht mehr einfach so heraus kommen würde. Sie wollte wissen was los war, ich erklärte es ihr. Sie wollte wissen ob es schon eine neue gäbe. Schon war gut... Hazar gab es schon zu jener Zeit als Pazia noch meine Verlobte gewesen war. Ich beschloss das jedoch zu verschweigen und ihr nur den Namen preis zu geben. Erstaunlicher weise freute sie sich, wie die meisten denen wir es bisher erzählen mussten, erzählt haben.

"du hast ja doch Geschmack" sagte sie mit einem Schmunzeln. Ich wusste das ich GEschmack hatte, ich wusste das Hazar die richtige Wahl hatte. Noch nie, seit jene Gefühle aufkamen habe ich an den Gefühlen zu ihr gezweifelt. Daran ob es richtig war. Daran ob ich der richtige für sie bin... an diesen Dingen ja, aber nie daran ob es richtig war sie zu lieben .Es war die beste entscheidung die ich je getroffen hatte. Nun eigentlich war es nicht meine Entscheidung gewesen. Eluive entschied, Eluive schickte sie mir und ihr Lächeln war es, die mir den VErstand raubte und noch heute raubt.

Bei Eluive, wie war es möglich jemanden so sehr zu lieben? Gedankenverloren schritt ich umher, als Sabeena und ich uns verabschiedet hatten. Ich vermisste Hazar, ich vermisste sie in jeder Sekunde in der sie nicht bei mir war. Dennoch durfte ich meine Wünsche nicht über die ihren stellen. ich hatte ihr immer versprochen ihr Zeit zu lassen. Ich wusste das auch sie der Zustand sehr mitnahm, dass auch sie hoffte das Zafer bald zurück kehren würde. Haroun... nein. Ich verwarf den Gedanken gleich wieder. Er hatte meinetwegen zurück gesteckt, ich konnte nicht so gefühlskalt sein und einfach zu ihm gehen um den Preis für Hazar zu verhandeln. Es wäre falsch, es würde ihn noch mehr verletzten als er eh schon verletzt war.

Nach dem Gespräch mit Imraan war mir klar. Sie war das beste was mir passieren konnte. Sie verkomplizierte mein Leben nicht, wie Imraan es nannte, sie verschönerte es. Ja, es war zur zeit wirklich schwer aber ich wusste worauf ich warte. Ich wusste was sie wert war. Wenn ich ihr für einen Tag etwas geben könnte, wären es meine Augen. Meine Augen, damit sie sich mit ihnen sehen konnte. Damit ihr bewusst wurde was sie für mich war, was sie mir bedeutet und wieso ich überhaupt all das durchstand. Rani... ihr Blick als ich sie das erste mal so genannt hatte. So oft hatte ich das Wort herunter geschluckt. So oft gedacht es sei der falsche Moment. Unsicher, ob sie bereit war solch ein Wort über meine Lippen kommen zu hören.

An jenem Tag war es mir gleich gewesen und sie lächelte. Sie war es, sie war meine Rani, meine zukünftige Frau und durch all die Gespräche am heutigen Tag und die Tatsache, dass Aaminah wieder zurück war wurde mir eines nur noch bewusster. Das ich keinen Tag mehr ohne sie sein möchte. Keine Nacht ohne sie einschlafen, kein morgen die Augen aufschlagen ohne das sie das erste war was ich sah. Ich wollte das sie meine Frau wurde. Sie war das auf das ich mein Leben lang gewartet hatte. Wie Schuppen fielen mir die Ereignisse meines Lebens von den Lidern. Alles ergab erst jetzt einen Sinn. Es war von anfang an so bestimmt gewesen...

Ich schrieb ihr hastig einige Worte auf einen einfachen Zettel, den ich mit einem kleinen Stein auf ihren Balkon befrachtete. Sie würde ihn am morgen sicher finden, oder am mittag... gleich wann, hauptsache sie fand ihn.

Du hast mir gefehlt... du fehlst mir in jeder Sekunde.
Du bist mein hier, mein jetzt und meine Bestimmung...

Kaum wieder zurück in meinem Haus lies ich mich in meine Kissen fallen. Seit sie hier gemeinsam mit mir gelegen hatte fiel mir das einschlafen wahrlich leichter und heute war ich mir sicher, Eluive würde sie mir in meinem Träumen schicken

Verfasst: Montag 29. Juli 2013, 17:46
von Hazar Sevinc Bashir
Erleichterung


Es tat mir unendlich leid, dass ich Kadir unten hatte sitzen lassen, aber ich konnte nicht mehr.
Ich beruhigte mich in seiner Nähe, sein Arm war eine stütze, ein Halt für mich geworden, gerade in den letzten Tagen.
Ich musste noch etwas erledigen und brauchte frische Luft.

Als ich wieder kam, war das Haus leer.

Ich stand mit Marek und Arji in der Kaserne.
Nur keinen Stillstand, kein zu viel grübeln.
Ich sollte meine erste Lektion in Sachen Wehrhaftigkeit von Marek bekommen.
Kaserne… Übungsplatz.
Es dauerte nur einige Schläge lang, da traf Marek mich mit seinem Holzschwert an der Seite, das es mir einige Momente den Atem raubte.
Das würde einen blauen Fleck geben, ganz sicher.
Aber als Arji hinzukam, war ich froh, entlassen zu sein, und nur noch bei den beiden zu stehen, mir alles an zu sehen und mich hier und da um einige kleinere Blessuren zu kümmern.
Völlig konzentriert auf den Kampf der beiden Säbler, bemerkte ich die anhetzende Zahra zuerst nicht.
Erst als sie sich völlig außer Atem auf die Absperrung stütze und rief: „Aaminah ist da…“, ruckte mein Blick zur Seite und ich ließ den Verband fallen um auf meine Cousine zu zu stürmen.
Hastig erzählte sie nur das sie wieder zu Hause sei und wir machten uns sofort auf den Weg zurück zum Familienhaus. Meine Schritte waren schon nicht mehr eilig, ich rannte einen guten Teil des Weges.
Oben in der Bibliothek, wo Aaminah saß, angekommen, lies ich mich auf die Knie fallen neben ihr und legte meine Arme um sie.
Sie war zu Hause, endlich wieder da, und weitestgehend unverletzt.
Nach und nach erzählte sie leise, was ihr passiert war, in ihren Augen sammelten sich Tränen, rannen irgendwann das Gesicht herunter.
Als sie ihre Verhüllung löste und sich ein Bluterguss im Gesicht zeigte, musste ich an mich halten. Meine freie Hand, die nicht um sie lag, ballte sich, Tränen stiegen mir in die Augen. Einerseits vor Wut und andererseits vor Erleichterung das es nur ein Fleck war.
Wenn ich diesen Kerl erwischen würde….
Oh, bei Eluive, einmal diesen Kerl sehen….
Ich musste meine Wut kontrollieren, zum einen, um nicht unkontrolliert irgendwas zu tun, zum anderen um Aaminah nicht weiter zu beunruhigen.

Zahra brachte ihr etwas zu essen und zu trinken, aber wie ich fast erwartet hatte, hatte sie keinen Hunger.
Als wir alleine waren erzählte sie von noch mehr Erlebnissen, die wieder meine Wut hochkochen ließen.
Entehrt, gedemütigt…
Meine arme Cousine.
Es tat mir so unendlich leid.
Kurz erzählte ich ihr, warum Althan hatte Grüße ausrichten lassen, was geschehen war, während sie in diesem Keller fest saß.
Sie war erschrocken, sie wollte keinem so viele Umstände machen.
Typisch Aaminah.
Wir hatten uns alle gesorgt, und sie hatte ein schlechtes Gewissen weil sie dachte, wir seien Böse.
Aber das genaue Gegenteil war der Fall.
Wir waren nicht böse, wir waren unendlich glücklich, dass sie wieder da war.

Ich wollte sie nicht alleine lassen. Nicht nachdem was sie erlebt hat, und sie wollte auch nicht alleine sein.
So brachte ich sie in ihr Zimmer, und wir legten uns ins Bett.
Wir waren beide müde und erschöpft.
Ich wollte über ihren Schlaf wachen, anfangs strich ich ihr über die Haare, legte ihr die Hand an die Schulter, aber irgendwann war ich zu müde.
Meine letzten Gedanken galten Kadir.
Eigentlich wollte ich ihm alles sofort erzählen, ihm in die Arme fallen, ihm sagen, dass er recht gehabt hatte.
Ihm danken, dass er für mich da war, und für meine Familie.
Aber ich konnte nicht.
Morgen…
Morgen musste ich zu ihm…


Endlich war die Zeit des Wartens, des Ausharrens und der Zweifel und Sorgen vorbei.
Wir hatten die letzten Tage nicht viel voneinander gehabt, und wenn, dann musste er mich aufmuntern oder ablenken.
Jetzt konnte ich wieder ganz entspannt sein.

In gewisser vorfreudiger Erwartung schlief ich irgendwann ein.
Morgen würde ich ihn besuchen gehen und dann wäre alles wieder gut.



Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 06:40
von Hazar Sevinc Bashir
Ich hatte meine Robe noch gewaschen, den Stab in eine Ecke des Zimmers gestellt, die Rüstung zusammengelegt und war dann noch schnell ins Badehaus gehuscht, um den Schmutz der Jagd von meinem Körper zu waschen.
Als ich zurück in mein Zimmer kehrte, überwog die Müdigkeit.
Ich legte mich ins Bett, und ließ den Tag nochmal Revue passieren.
Eigentlich sogar die ganzen letzten Tage.

Der Markt bei der KuS war schön gewesen, auch wenn immer viel Gedrängel auf solchen Märkten herrschte, mochte ich es.
Es war immer eine schöne Gelegenheit, neue Menschen kennen zu lernen, wie in diesem Falle Helmine.
Das Gespräch war interessant gewesen, wenngleich sie leider erst sehr spät angekommen war.
Als Kadir und ich nach Hause kamen, tauschten wir aus, was wir jeweils für den anderen erstanden hatten, obgleich ich mir etwas noch in der Hinterhand gehalten hatte, um ihn einfach mal so zu überraschen.
Ehe ich ging, erklärte er mir noch, das er Ende der Woche ein Gespräch mit Haroun haben würde wegen mir.
Ende der Woche.
Das waren nur noch 2 Tage.
Mein Herz hatte wie wild angefangen zu pochen.
Ich wusste, das Zafer wenig begeistert sein würde, und konnte eine Reaktion von Haroun überhaupt nicht einschätzen.

Jetzt würde es ernst werden.
Was würde sich Haroun ausdenken?
Ich wollte gerne dabei sein, ob mir das gestattet werden würde?

Ich zweifelte keinesfalls an meiner Entscheidung, ich wollte diesen Schritt gehen, und ich war mir sicher, das es der Richtige war.
Ich kramte den Zettel hervor, den ich auf meinem Balkon gefunden hatte, und von dem ganz klar war, wer der Verfasser war, auch wenn eine Unterschrift fehlte.
Sein hier und jetzt, seine Bestimmung....
Mein verrückter Bashir.

Er hatte es nicht sein lassen können, Marek auf den Striemen auf meiner Seite anzusprechen. Dabei hatte ich doch ganz detailiert erklärt, das es meine eigene Schuld gewesen war.
Marek kam eigentlich nur Kadirs Wunsch nach, und wollte mir die Verteidigung mit Kryss und Schild beibringen.
Nach zwei Tagen gemeinsamen Übens war ich sogar soweit, nicht mehr nur hektisch das Schild hin und her zu wedeln, sondern den Schlag meines gegenübers wahr zu nehmen und zumindest das Schild in die ungefähre Richtung zu halten.
Die ersten Schläge, die ich ab bekam hatten wahnsinnig weh getan, und der auf meine Seite hatte mir für einige Momente den Atem geraubt. Aber es wurde besser.
Irgendwann würde ich hoffentlich zumindest gut genug sein, um mich im Kampffall im Erstfall, zu retten.

Ich hatte Kadir heute nicht gesehen, ich war mit Lethalon unterwegs gewesen, der Elf, mit dem ich im Moment recht viel zu tun hatte.
Ich mochte ihn, auch wenn er eine ganz andere Kultur hatte als ich.
als er mir damals seine art des Liedwebens gezeigt hatte, war mir flau im Magen und Haroun hatte alles mit Argusaugen beobachtet, und war jederzeit bereit gewesen, mich zu retten und ein zu greifen.
Aber Lethalon hatte meine bitte, mich nicht zu berühren, akzeptiert, auch wenn es für ihn sichtlich seltsam war.
Die Elfen hatten eben eine andere Sicht als wir.
Aber seitdem und seit der Schlacht um Grenzwarth, trafen wir uns öfter, zur Jagd, zum Austausch...

In einem hatte Kadir völlig recht.
Das Gefühl, den anderen zu vermissen war Allgegenwärtig. Auch ich war nicht gefeit davor.
Meine letzten Gedanken des Tages galten meinem Kadir, ehe ich dann doch einschlief.

Verfasst: Donnerstag 8. August 2013, 12:36
von Kadir Bashir
Gewissheit

noch immer kam mir alles so unwirklich vor, wie ein Traum. Wenn es wirklich einer sein sollte, so möchte ich bitte nicht mehr aufwachen. Die letzten Tage waren Nervenaufreibend gewesen. Hazar nur wenig gesehen, Sinans Worte bezüglich Nazeeya, ihr plötzliches Auftauchen in einem unpassenden Moment, die Fragen zum Brautgespräch.

Wie würde Haroun reagieren? Was würde er tun? Was sagen? Akzeptierte er es? Würde er sein Wort halten? Ich versuchte vor Hazar nicht all so unsicher zu wirken, sie quälten sicher ähnliche Gedanken und jene wollte ich nicht noch unterstützen. Stark sein. Für die Frau die man liebt musste man eben Opfer bringen.

Nun war es vorbei.. das Gespräch lag hinter uns und ich lebte noch. Haroun war freundlich, höflich wie immer und lies seine Gefühle weitgehend außer Acht. "unsere kostbartse Blüte..." aiwa das war sie. ich wusste das sie es war. Ich sagte ihr immer und das schon von Anfang an, wie kostbar sie war. Nun hörte sie es von ihrer eigenen Familie. Wie es sich angefühlt haben muss? Ich sollte sie fragen. Nach dem Gespräch blieb nicht mehr so viel Zeit. Es war spät und die kleine brauchte ihren Schlaf. Viel zu oft hielt ich sie davon ab. Wie würde das erst werden wenn wir verheiratet waren?

Ihre Worte, die ihre Gründe für die Hochzeit da legen sollten waren so schön... Wir waren einander versprochen. Ich hatte den Segen des Hauses Ifrey und nach der Brautpreisübergabe würden wir uns Eluives Segen holen. Vom gestrigen Tage an mussten wir uns nicht mehr verstecken. Nun konnte jeder wissen was wir zusammen gehörten. Sie müssen nicht mehr Tuscheln und Tratschen...

Kadir und Hazar Bashir... die Worte gingen mir immer wieder durch den Kopf. Ich war so unbeschreiblich glücklich, ich bin es noch immer und dieses Glück würde niemals nach lassen.

Genug Zeit vergeudet, ich muss mich auf machen um den Brautpreis zusammen zu tragen. Einiges hatte ich schon, einiges erwies sich wahrlich als schwierig. Ich bin Schmied, Salzsucher, kein Jäger aber ich würde alle Mittel und Wege in Bewegung setzen um diesen schnellstmöglich überreichen zu können. Sollten wir ein Fest mit unseren Familien feiern? Auch das sollte ich Hazar fragen aber nicht jetzt, jetzt musste ich nach Bajard, in der Hoffnung das ein guter Tag für Diamant war

Verfasst: Freitag 9. August 2013, 09:07
von Hazar Sevinc Bashir
Glücklich sein

Alle Nervosität war mit einem Schlag abgefallen.
Haroun hatte der Bitte nachgegeben und einen Preis festgelegt.
Ein stolzer Preis, aber für Kadirs durchaus bezahlbar. Umgerechnet müssten das anerthalb Millionen Goldstücke sein.

Hauptsache die beiden Männer waren sich einig.
Jetzt gab es kein zurück mehr, nicht das ich es gewollt hätte, aber jetzt könnte ich es nicht mehr.

Ich konnte es kaum fassen.
Ich hatte zwar zwischendurch spüren können, das mein cousin sich zusammenreissen musste, aber ich war ihm unendlich dankbar, das er so gehandelt hatte.
Er hätte die Macht gehabt, uns alle Träume und Wünsche und Hoffnungen zu zerstören. Aber er hatte es nicht getan, hatte wahre grösse gezeigt und mich gehen lassen.
Und doch hallten seine Worte in meinem Kopf nach:
"Solltest du ihr etwas antun, werde ich Sie zurück fördern, egal ob es der Wille der Göttin ist"
Und ich wusste, wie gläubig er war, und wie oft er betete, fastete und sein ganzes Leben auf die Lehren Eluives ausrichtete.

Jetzt bald würde ein neues Leben beginnen.
Mein Glück war kaum in Worte zu fassen.
Mein Ranim.
Kadir und Hazar Bashir...

Verfasst: Dienstag 13. August 2013, 06:40
von Hazar Sevinc Bashir
Der Basar war vorbei.
Es war besser gelaufen, als ich gedacht hatte. Ich selbst hatte, ausser die Taverne nichts von dem Treiben mitbekommen. Schade auf der einen Seite, besser wahrscheinlich, denn so konnte ich mein Erspartes nicht ausgeben. Wenngleich mich der Bücherstand des Nachtvolkes natürlich interessiert hatte.
Ich hätte bestimmt meine ganzen Sonnenscheiben dort gelassen.
Ich musste ganz dringend eine Liste anfertigen, welche Bücher ich schon besass.
Und nichtsdestotrotz verließ ich die Taverne mit zwei neuen Büchern und einem wunderschönen, bestickten Fächer.
Erst brachte Kadir mir ein Buch, welches für den Basar geschrieben wurde, und dann kamen Helisande und Ernst mit einem Buch über Elementares Wissen von Lilian van Valerian.
Hieß die gute jetzt nicht anders?
War da nicht irgendwas mit Nebel....?
Ich musste Ernst oder Helisande beim nächsten mal fragen.

Wie zu erwarten, hatten Kadir und ich uns auf dem Basar kaum gesehen, aber er kam immer wieder kurz vorbei um nach dem rechten zu sehen.
Ich war froh, das ich ihm meine drei Jagdgefährten vorstellen konnte, so das er zumindest wusste, von wem ich redete.
Und Einladungen für weitere Treffen abseits der Höhlen hatte ich auch ausgesprochen.
Zumal Lethalon vielleicht Leder für Kadir hatte, das ihm noch fehlte.
Alles ging seine Wege.

Wenn ich heute daran denke, dass ich früher total eingeschüchtert gewesen war, wenn es darum ging mit den Grünländern zu sprechen, und den Vergleich zu Heute ziehe, muss ich unweigerlich schmunzeln.
Shaymaa hatte Recht behalen. Sie hatte mir immer gesagt, das ich mich noch über das wundern würde, was mir an Veränderung wiederfährt.
Wie Kinder es tun, wenn die Eltern sagen das der Herd heiss ist und es diesen nicht anfassen soll, hatte ich vieles einfach abgetan.
Man möchte nicht immer auf das hören, was andere einem sagen.
Und doch hatte Shaymaa in diesem Punkt durchaus Recht behalten.
Ich hatte mich stark verändert.
Und jetzt, da Djamji zur Hadri aufgestiegen war, und ein ganz kleiner Teil des Wissens, das sie nun in sich trug, mein Unterricht war, wurde mir jedwede Veränderung nur zu bewusst.
Wie sehr ich mich manchmal geärgert hatte, wenn ich den Eindruck hatte, das alle meine Wore gegen eine undurchdringliche Wand prallten, die Djamji um sich herum aufbaute, wenn es nicht ihre Wunschthemen waren.
Wollte oder konnte sie nicht verstehen wie wichtig es war, nicht nur magisches Wissen zu sammeln sondern gleichsam weltliches und das Verständnis für die Götter?
Wie war ich gewesen?
Definitiv nicht so...
Aber auch ich hatte als Tranam mich mehr für Feuerbälle, Beschwörungen und alles mögliche andere interessiert, und so lange gebohrt und lieb drein geschaut, bis Yamaal sich erweichen lies und begann zu erklähren.
Nur selten hatte ich gar keine Antwort bekomen.
Und heute war es nicht anders. Meine Neugier ist noch immer ungebrochen, und ich versuche, alles zu erfahren und zu verstehen. Aber auf andere Art und Weise als meine Cousine.
Vielleicht würde sie ruhiger werden. Vielleicht würde ihr der neue Stand als Hadri helfen, den schmalen Grad zu gehen, den man beschritt, als Natifah.
Viel Arbeit war auf mich zu gekommen und noch mehr Arbeit würde auf Djamji warten.

Für heute Abend war soweit alles vorbereitet.
Ich freue mich auf das Gespräch mit Yora. Endlich hatten meine Bemühungen geholfen.
Das Konzil schien hingegen ein schlafender Drache zu sein.
Mächtig aber nicht weckbar.
Wie oft hatte ich den verschiedenen Mitgliedern des Konzils gesagt, das ich an einem Austausch interessiert war und hatte das gleiche von der gegenseite zu hören bekommen, aber nie war etwas passiert.
Die Arcana schien da anders zu sein.
Jala hatte Kontakte zu ihnen aufgebaut. Das war gut, vielleicht konnte ich mich da einmal umsehen, durch neue Kontakte, neue sichtweisen auf mein Forschungsthema erlangen.

Alles das lag noch vor mir.
Von meiner bevorstehenden Hochzeit, den Sorgen um Zafer, das Leben in zwei Familienhäusern und meinen Aufgaben als Natifah mal ganz abgesehen.

Verfasst: Mittwoch 21. August 2013, 07:53
von Kadir Bashir
Unruhe

Sieben Tage waren nun vergangen und noch immer waren die Nächte kurz und wenig erholsam. Tagsüber hatte ich genug zu tun und konnte mich ablenken aber sobald die Nacht herein brach und ich in meinem Bett lag kreisten meine Gedanken. Radeeh hatte mir diesen jungen Burschen geschickt. Er wollte reden… Marek hatte dies auch vorgeschlagen und wahrscheinlich war es wirklich das beste aber ich konnte Radeeh nicht finden.

Das einzige Mal das ich ihn seither sah war zur Ankunft von Nahlah und da waren sie auf dem Weg zu den Yazir.
Unweigerlich musste ich an das Treffen im Haus denken, an die Worte die fielen, an Yasmeen. Die Enttäuschung über jenen Abend lag noch immer schwer auf mir. Würde sich das je wieder legen? Würde es immer einen bitteren Beigeschmack behalten?

Manchmal wünschte ich mir die Zeit mit der Karawane zurück. Wie viel leichter schien mir das Leben damals? Alles war so unbeschwert… Natürlich gab es auch dort seine Probleme, Überfälle, lange, trockene Strecken die scheinbar nicht enden wollten aber im Großen und Ganzen gab es nur mich allein um den ich mir Gedanken machen musste. Nun gab es meine Familie, mein Fadrim, die Ausbildung von Nahlah, meine zukünftige Frau. Ich hatte ihnen gegenüber große Verantwortung und ich war froh Hazar an meiner Seite zu haben die mir stets das Gefühl gab, ich könnte alles schaffen wenn ich nur daran glaube.

Wie sehr sie sich verändert hatte… sie wuchs und wuchs und es war schön ihr dabei zu zusehen. Wie eine Blume die ihre Blätter der Sonne langsam entgegen streckte. Es wurde Zeit, Zeit das sie merkte was ich ihr immer versucht hatte zu sagen. Zeit das ihr andere die gleichen Dinge sagten wie ich. Sie wurde selbstsicherer, selbstbewusster, ihre anfängliche Schüchternheit fiel nach und nach. Ich war unsagbar stolz auf sie und gleichzeitig macht sich die Sorge breit, dass sie sich doch mit all dem übernehmen würde. Sie hatte versprochen die Bremse zu ziehen wenn es zu fiel wurde und ich vertraute ihr und spätestens nach der Hochzeit konnte ich all das auch etwas besser im Blick haben als jetzt.

Hochzeit… wie schnell es nun ging. Das Drachenleder zu besorgen hatte sich wirklich als schwerwiegendes Problem dargestellt. Umso erleichterter war ich als sich Lethalon meldete. Es ist schön das in solchen Zeiten immer Verlass auf Freunde und Verbündete Völker war und sein Preis war mehr als fair. Kaum das ich Haroun geschrieben hatte, dass ich alles beisammen habe stand er einen Tag später vor meiner Tür. Ich schnappte das beladene Packlame und ging mit ihm zum Haus der Ifrey. Es fühlte sich wie ein Traum an, hatte ich bei Pazia doch so lange warten müssen. Sorgfältig hatte ich alles auf dem Boden ausgelegt. Harouns Blick war freundlich und anerkennend „Du hast dein Versprechen gehalten und ich werde meines halten“… damit war es offiziell, Hazar und ich würden bald heiraten. Dass er mich mein Freund nannte und mir anbot immer zu ihm zu kommen wenn mich etwas belasten würde bedeutete mir sehr viel. Es zeigte das er mir nicht übel nahm das ich ihm die Blüte weg nahm, die er selbst gerne an seiner Seite gewusst hätte. Gerade in dieser schweren Zeit fiel mir damit ein Stein von meiner Brust. Hazars Blick als ich ihr sagte, der Preis sei übergeben…

Nun mussten wir nur einen Termin finden. Der Termin dürfte wohl nicht das schwere daran sein, wohl eher ihr Kleid. Ich würde sie die nächsten Wochen wohl nur wenig zu Gesicht bekommen weil Aaminah und Malaika sie rund um die Uhr beschlagnahmen werden. Wenn sie doch nur schon hier neben mir liegen könnte. Nicht mehr lange, die größten Steine waren aus dem Weg geräumt und tief in meinem Herzen trug ich sie stets bei mir. Sie ist es schließlich die mir die Kraft verleiht jeden Morgen aufzustehen und mit gehobenen Haupt über all die Dinge zu stehen, die so schwer auf meiner Schulter lasten. Ich vertraute auf Eluive… sie schickte mir Hazar, sie würde mir auch beistehen all das zu überstehen.

Verfasst: Montag 26. August 2013, 19:30
von Kadir Bashir
Verantwortung


Ich weiß nicht wie oft ich in der letzten Nacht in den Keller bin um nach ihr zu sehen. Ob sie schläft. Ob sie noch atmet. Ob es ein Traum ist. Kein Traum... Gebettet in ihrer neuen Decke, neben ihrem Teddy den sie mit gebracht hat und den beiden die sie gestern auf dem Markt gewonnen hatte, hatte sie sich in die Kissen eingemummelt. Eine kleine schützende Höhle gebaut. Wie sie sich fühlen musste? Sie war hier völlig fremd. Ich war ihr fremd. 5 Jahre waren vergangen, 5 Jahre in denen Melih und ich es nicht geschafft hatten ein Treffen zu organisieren um seine kleine Tochter, meine Nichte, zu sehen.

Wie stolz musste er auf sie gewesen sein? Sie ist so bezaubernd, so bildschön. Diese Augen... mein Herz schmerzt und zieht sich zusammen wenn ich in ihre Augen sehe. Sie hat seine Augen, in ihr lebt er weiter. Wieso Eluive? Erst unsere Eltern und nun mein Fadrim und seine Frau, die Eltern dieses kleinen Geschöpfs, dieser kleinen Blüte die wahrscheinlich noch gar nicht verstand was passiert war. Ob sie wusste das sie für immer hier bleiben würde? Ob sie hier glücklich werden könnte? Und Hazar, was war mit Hazar? Wir hatten noch keine Möglichkeit gehabt in Ruhe darüber zu sprechen. Ja, sie sagt es gibt nichts zu entschuldigen und sicher bleibt sie bei mir aber was ging in ihr vor? Wie fühlte sie sich damit? Sie hatte sich all das doch sicher anders vorgestellt.

Nahlah sagte, bei ihr gab es das nicht... die Blüten durften nicht bei den Männern schlafen aber ich war doch nun für sie verantwortlich. ICh war ihr Onkel, ihr Vater, ihr eigen Fleisch und Blut. Sie wollte lieber hier sein, hier bei mir, ich kann sie neda rüber schicken. Der Schlafsaal der Blüten war schön aber er war so groß, sie so klein... sie würde sich hilflos fühlen. Nein... Hazar würde bald hier einziehen und ich schlief 2 Etagen über ihr. Sie ist 5 Jahre alt... sollen die Leute reden was sie wollen, ich werde dieses kleine Geschenk Eluives nicht alleine lassen.

Sharifs Worte hallten mir zu oft durch den Kopf. Bei ihr würde ich diese <fehler nicht machen. Ich werde für sie da sein, immer, zu jeder zeit und wann immer sie mich braucht.

Ich musste ihr Zimmer fertig machen aber noch immer erschien alles so unwirklich. Als würde ich aufwachen und das alles sei ein böser Traum gewesen. Der Schmerz über den Verlust.. ich muss es Suraya noch sagen... doch wie? Wie soll ich es Sharif sagen? Dieser kleine Wirbelwind linderte jeglichen Schmerz und gleichzeitig rief sie ihn hervor, denn was würde ich dafür geben sie in den Armen meines Fadrims zu sehen. Wie sie die Arme um ihn schloss und diese unendliche Liebe spürbar in der Luft hing. Ein Bild das ich nie zu sehen bekommen werde. So wie er nie zu sehen bekommen wird, wie sie zu einer wunderschönen Natifah heran wachsen würde. Doch im Tempel, bei Eluive habe ich geschworen, dass ich auf sie aufpassen werde und sie beschützen werde als sei sie meine eigene kleine Tochter.

Ein Blick zur Seite... dort lag er, der Brief der von jetzt auf gleich mein ganzes Leben verändert hatte.


Salam Kadir,

ich wünschte ich könnte dir heute aus einem erfreulichen Grunde schreiben. Viel lieber hätte ich den Weg auf mich genommen um dich, deinen Fadrim, Suraya und auch Marek zu besuchen und euch persönlich zu sagen was passiert ist. Du weißt ich bin alt, die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen und so ist die Reise zurück in die Stadt für mich erschwerlich.

Mit diesen Zeilen schicke ich dir das größte und wertvollste Geschenk von Melih. Du wirst dich sicher fragen wieso. Oh Kadir... gerade so kurz vor deiner Hochzeit tut es mir leid dir das sagen zu müssen. Melih hatte sich so gefreut. Sie wollten dich überraschen und zur Feier anreisen aber Eluive hatte andere Pläne mit ihm und seiner Frau. Ich bin ihr so dankbar, dass sie die kleine Tamina verschont hatte, weil ihre Neugier sie aus dem Haus getrieben hat. Es gab ein Feuer... Die Flammen waren so groß, so schnell, wir hatten keine Chance ihnen zu helfen. Er ist bei eurem Radeh, eurer Mara und Eluive... möge Eluive ihrer Seelen gnädig sein.

Kadir! Es war Melihs innigster Wunsch, dass wenn ihm jemals etwas passieren sollte, seine kleine Tochter bei dir aufwächst. Ich bin zu alt, ich kann mich nicht um sie kümmern aber du Kadir, du und deine zukünftige Blüte, ihr könnnt das. Ich bin mir sicher das du sie ganz schnell in dein Herz schließen wirst, sie ist so bezaubernd und ich trenne mich so ungern von ihr. Aber sie braucht eine richtige Familie und neda nur eine alte ticktack Oma.

Hudad gib gut auf diesen kleinen Schatz auf. Und vielleicht kommt ihr mich aiwa mal besuchen? Ich würde mich so sehr freuen auch deine Frau kennenlernen zu dürfen, du hast so schön in deinen Briefen von ihr geschrieben. Deine Eltern wären so stolz auf dich, hudad vergiß das nie!

In Liebe deine Oma

Ayasha



Ich konnte nicht anders als ihn immer und immer wieder lesen. Ob Suraya mich überhaupt sehen will? Ob man mich zu ihr vor lassen würde? Ich kann ihr das neda mit einem Brief sagen. Ich musste es versuchen und ich würde erst dann aufgeben, wenn man mich zu ihr gelassen und sie mir zu gehört hatte. Hier ging es neda um mich oder sie, hier ging es um Melih und um ihre kleine Nichte. Sie selbst sollte wissen wie die kleine sich nun fühlt.

Ob ich noch mal nach ihr sehen sollte?

Verfasst: Samstag 14. September 2013, 19:53
von Kadir Bashir
Gefühle

Es gibt sie in den verschiedensten Ausführungen und Stärken. In mir wohnen so viele Gefühle von denen ich zum einen nie gedacht hätte das es sie gibt und schon gar nicht in dieser Intensität.

Enttäuschung, unsagbare Liebe, Trauer, Schmerz, Angst, Freude, Freundschaft...

um nur ein paar von Ihnen zu nennen. Die Hochzeitsvorbereitungen sind in vollem Gange und bieten mir dennoch viel zu viel Zeit mich mit meinen Gefühlen auseinander zu setzen. Ob das Eheversprechen das ich gerade schrieb daran schuld war? Doch wie schreibt man so etwas ohne in die Tiefe seiner Seele zu blicken? Und dort, in den tiefen Abgründen meiner Seele sind nicht nur die Gefühle verborgen die man gerne hervor holt. Dort sind auch jene eingesperrt, denen man nicht jeden Tag begegnen mag. Weg geschlossen um nicht an den ständigen Schmerz erinnert zu werden der so greifbar nah ist.

Nach dem Treffen mit Suraya hatte ich diesen schmerzvollen Verlust gerade erst weg gesteckt und wusste, er würde nicht lange verborgen bleiben. Tamina würde ihre Tante kennenlernen wollen und ich müsste langsam damit anfangen mich damit auseinander zu setzen. Wir werden immer wieder berührungspunkte haben und es konnte nicht sein, dass ich danach Tage brauchen würde um mich von diesen zu erholen. Ihre Worte hallten immer und immer wieder in meinem Kopf "weißt du was mich tröstet? Das man ein Herz nur einmal brechen kann".
Ich wollte nie ihr Herz brechen. Ich wollte sie nie verlieren. Ich wollte sie hier an meiner Seite, in meinen Armen halten. Sie trösten, sie lieben, sie an meinem Leben teil haben lassen. Eluive, wie sehr ich sie vermisse... ihr Geruch, die Art wie die Stirn sich kräuselt, ihre kleine bezaubernde Nase, ihre Stimme... So lange ich sie nicht sah, so lange wurde ich nicht daran erinnert was mir so sehr fehlt. Jetzt war sie präsent und gerade im Zuge der Hochzeit wünschte ich mir nichts mehr als sie daran teilhaben zu lassen. Diesen Kampf hatte ich verloren aber verdrängen war nicht der richtige Weg.

Als ich gestern Tamina ihr neues Zimmer zeigte blühte mein Herz auf. Wie sie umher lief, ihre großen Kulleraugen alles betrachteten und in Augenschein nahmen. Sie war so glücklich über dieses Zimmer und wollte mich in ihre Arme schließen. Ich ging auf die Knie, damit ihre kleinen Arme mich umschliessen und ich sie in die Arme nehmen konnte. Ihr kleiner Körper begann zu zittern und sie schluchzte. So viel Freude ihr ihr neues Zimmer auch bereitet, soviel Schmerz rief es hervor, erinnerte es sie doch auch daran was sie vermisste und was ihr auf so schmerzliche Weise genommen wurde. Hatte ich selbst den Tod meines Fadrims noch nicht selbst verdaut, wie sollte diese kleine Seele jemals darüber hinweg kommen?

Ich wusste ich würde alles für diese Blüte tun, alles. Sie war ein so kostbarer Schatz die für all das was um sie herum geschah nichts konnte. Sie sollte Zeit mit Suraya verbringen und auch mit Sharif wenn er zurück war. Sie sollte so unbeschwert wie nur möglich aufwachsen. Ich weiß das ich nicht ihr Vater bin aber schon jetzt liebe ich sie als wäre sie mein eigenes Kind. Das Gefühl wenn sie ihre Arme um mich legt... wenn sie ihre Arme zu mir hoch streckt und getragen werden will. Unbeschreiblich. Ich wusste immer das ich eines Tages eigene Kinder haben möchte. Das es toll sein muss Radeh zu sein. Doch erst durch Tamina wurde mir bewusst wie stark dieses Gefühl ist. Ich hatte mir nie ausgemalt, wie intensiv all das sein würde. Welche Gefühle damit verbunden waren. Ich verstand die Menschen nicht, die ihre Kinder irgendwo aussetzen, sie alleine liesen. Wie kann man nur? Eluive, wie kann man so kostbare kleine Schätze alleine lassen? Sie sind ein Geschenk für unsere Welt, sie sind was wir aus ihnen machen, sie sind unsere Zukunft.

Hazar... wie sehr ich sie vermisste. Das Liebe auf gleiche weise so schmerzen konnte, noch etwas das ich mir nie ausgemalt hätte. Ihre Arbeit, ihre Studien, die Familie und die Vorbereitungen für den Markt und unsere Hochzeit frasen einfach zu viel Zeit. Ich lies sie ziehen, wusste ich wie wichtig es ihr war alles zu bewältigen und es immer und jedem Recht zu machen und doch sehnte ich mich so sehr nach dem Duft ihrer Haare, nach ihrem Lachen und ihrer Nähe.
Trost in dieser Situation spendet mir die Tatsache das es nur noch 8 Tage sind bis sie endlich meine Frau wird...

Gleich wie viel Zeit unsere Arbeit in Anspruch nahm, wir würden im selben Haus leben und wenn ich nachts aufwachte, würde ich sie neben mir atmen hören, so dass ich ruhig wieder einschlafen konnte. Die Albträume würden weniger werden, die Zeit schöner, unsere kleine Familie. Die Hoffnung, dass sich alles legen würde blieb und daran hielt ich fest. Es würden andere Zeiten kommen, in denen wir gemeinsam Zeit verbringen konnten, in denen ich sie einfach nur in meinen Armen halten durfte um die Zeit mit ihr zu genießen. Selbst die Stille war leichter zu ertragen wenn sie da war. Sie hatte mein Sein verändert, mich verändert.


Etwa 1 Jahr ist es her seit ich zurück kam und wenn ich betrachtete was in dieser Zeit alles geschah ist es wirklich enorm. Nebst all diesen Dingen die mein Leben so verändert hatten war ich für eines wirklich dankbar. Ich hatte einen echten und wahren Freund gefunden. Jemanden auf den ich immer zählen konnte und ich hoffte zu tiefst, dass er wusste, dass es umgekehrt genau so war. Das er sich mit Hazar so gut verstand erfreute mich sehr. Es wäre eine Qual gewesen, wenn dem nicht so wäre. Beide sind ein so wichtiger Teil meines Lebens das ich auf keinen von ihnen verzichten wollte oder könnte. Es tat gut mit ihm zu reden. Er war anders, anders als andere, anders als viele die ich vor ihm kannte und die sich Freunde nannten. Ich war Eluive dankbar, dass sie Imraan in mein Leben gebracht hatte. Ich musste mir etwas einfallen lassen das wurde mir gerade bewusst. Ich sollte einen Weg finden um ihm klar zu machen was er in meinem Leben bedeutet und viel mehr noch, ihm verständlich zu machen das er immer auf mich zählen konnte.

Doch jetzt, jetzt musste ich das Versprechen weiter schreiben, 8 Tage... 8 Tage die schneller vorbei gehen würden als mir lieb war, im Anbetracht auf die Zeit die mir blieb um meine Gefühle nieder zu schreiben und viel zu langsam in Anbetracht auf die Sehnsucht in meinem Herzen.

Verfasst: Dienstag 17. September 2013, 17:08
von Kadir Bashir
Mit einem Schmunzeln auf den Lippen saß Kadir an seinem Schreibtisch im Basar und setzte einige Zeilen auf. Sein Bote wartete bereits um das gesiegelte Schreiben zum Viertel der Ifrey zu bringen. Er hatte den Auftrag dieses nur Hazar persönlich zu übergeben.

Sollte sie die das Siegel brechen und das Pergament entrollen würden folgende Zeilen zum Vorschein kommen.


Salam Hazar, Blüte der Ifrey,

so es eure kostbare Zeit übrig lässt würde ich euch gerne im Lauf dieser Woche zu einer ruhigen Stunde treffen. Mir ist bewusst das gerade im Moment viel zu tun ist, doch seit euch sicher, dass es wichtig und lohnenswert zugleich ist.

So ihr einem Treffen zustimmt, gebt meinem Boten bescheid, wann es euch am ehesten passen würde.

Wasser und Schatten

Kadir, Sohn der Bashir

Verfasst: Mittwoch 18. September 2013, 06:33
von Hazar Sevinc Bashir
Ich saß an meinem Labortisch, als es klingelte.
Verschiedene Flüssigkeiten brodelten auf mehreren Brennern vor sich hin, der Tisch war zwar ordentlich aber voll gestellt.
Wie man es erwarten konnte wenn jemand im Alchemielabor sitzt.
Der schrille Grob der Glocke riss mich aus meinen Gedanken.
"Aaminah?......Za..." Ich hielt inne. Zahra wohnte nicht mehr hier.
"Sabeena? Malaika?"
Keine Reaktion.
Ein leises schnaufen entfuhr mir.
Dann musste ich halt selbst gehen.

Ich drehte die Brenner herunter, warf mein Kopftuch über mein Haupt, und stapfte gen Türe.
"Salam Alaikum", grüsste ich den Boten, der sein Haupt höflich neigte um mir im Anschluss den Brief zu überreichen.
Ich runzelte die Stirn.
Von Kadir? Ein Brief?
Ohweh.

Ich brach das Siegel und ließ meinen Blick über den Inhalt wandern.
Erst ein, dann ein zweites Mal.
Ein leises seufzten entfuhr mir, was den Boten dazu brachte, mich tragende an zu sehen.
Ich bat ihn herein, möchte ihm einen Mocca und bat um ein wenig Gedluld, während ich mich schon auf den Weg in mein Zimmer machte, nur um eine antwort zu verfassen.


Salam Alaikum Kadir, Sohn der Bashir

Gerne treffe ich mich am heutigen Nachmittag mit euch.
Auch wenn, so ihr wisst, meine Aufgaben derzeit Vielfältig sind, möchte ich unter keinen Umständen, das ihr euch meiner Aufmerksamkeit beraubt fühlt.

Ich werde heute Nachmittag zu Hause sein, so es euch beliebt, könnt ihr mich gerne im Ifreyvirtel abholen kommen und, wie es euch bald dauerhaft zusteht, über meine Zeit verfügen.

Inshallah
Hazar Sevinc, Blüte des Hauses Ifrey

Ich brachte den Brief, mit unserem Siegel verschlossen, zum Boten, gab ihm diesen sowie ein kleines Bündel frisch gebackener Kokoskeckse.
So machte sich der Mann wieder auf den Weg, zum Bashirvirtel.

Irgendwas heckte mein zukünftiger Mann aus.
Das war für mich klar. So gut kannte ich ihn schon.
Aber er tat recht daran, ich versank in Arbeit, Sorge und noch mehr Arbeit.
Ich sollte mich voll und ganz auf meine Hochzeit vorbereiten, mich von meiner Liebe und meinem Glück leiten lassen.
Aber alles das war überschattet. Der Dschinn, Djamji, Imraan, der Shanun, die Akademie...
Für Kadir und Tamina war weniger Zeit als es ihnen beiden zu stand.
Und es schmerzte.
Kadir hatte schon länger weniger Aufmerksamkeit bekommen, als ich es eigendlich wollte.
Nicht nur wegen seinen und meinen Pflichten, sondern auch, weil wir uns dann auch um Tamina kümmerten.
Ich hatte die kleine Blüte in mein Herz geschlossen, ich wollte auch nicht, das es anders war als jetzt, und doch war es zwischendurch ein kleines Versteckspiel für Kadir und mich.
Und manchmal brachte er mich mit kleinen Gesten so sehr um den Verstand....
Frecher Bashir.

Deutlich besser gelaunt, schlenderte ich in das Labor zurück.
Alles musste ich jetzt neu machen, um zu dokumentieren, und die volle Kontrolle zu behalten.
Aber gut, dann sollte es so sein.
Ich zog das Kopftuch wieder vom Kopf und machte mich summend an die Arbeit.

Verfasst: Mittwoch 25. Dezember 2013, 18:40
von Kadir Bashir
Die Fahrt nach Hause zog sich. Das Wetter war nicht auf unserer Seite und es war lange her, dass ich ein Schiff betreten hatte. Ich verhielt mich ruhig und zog mich in meine Kabine zurück. Mein Magen musste sich an all das erst wieder gewöhnen. Erstaunlich wie schnell man all das vergißt war es doch gar nicht so lange her, dass unser Hafen in Schutt und Asche lag.

Nun wo er wieder aufgebaut worden war, machte es das Reisen eigentlich viel angenehmer. Die Zeit verging schneller als mit den Karawanen und ich musste nicht mehr so lange von meiner Familie fort sein.

Meine Familie... wie das klang... es war noch immer ungwohnt, noch immer so erstaunlich welchen Weg Eluive für mich geebnet hatte.
Ich hatte die Frau meiner Wünsche an meiner Seite. Eine Frau die bezaubender nicht sein konnte. Liebevoll, respektvoll, zuvorkommend... sie hatte alles was man von einer guten Natifah erwarten konnte und noch dazu war sie bildschön. Hazar... Sobald ich an sie dachte legte sich ein Lächeln auf meine Züge. Ich war so froh das ich sie gefunden hatte, so froh das sie die richtige Wahl getroffen und meine Frau geworden war.

Nun lebten wir gemeinsam, mit Tamina in unserem Haus. Tamina... der kleine Wirbelwind... ich hatte viel zu wenig Zeit für sie. Welch Glück das sie mit Hazar eine gute Ersatzmutter an ihrer Seite hatte und auch sonst die Familie uns zu jeder Zeit beistand. Dennoch musste sich all das ändern. Ich wollte wieder mehr für meine Familie da sein. Nur Eluive selbst wusste wann sie uns unser eigenes Kind auf den Weg schicken würde und ich wollte keinesfalls, dass mein Kind, Tamina oder Hazar nur von Angestellten und anderen Familienmitgliedern umgeben war.
Sie waren alles was ich noch hatte und viel kostbarer als jede Aufgabe die man mir stellen konnte.

Natürlich, ich war Handelsminister und es erfüllt mich mit Stolz, dass unser erhabener Emir mir diesen Posten anvertraut hat. Niemals würde ich etwas tun das Schande über unser Volk bringen würde aber all das andere... ich musste einfach kürzer treten. Es ging uns gut, wir konnten gut leben und ich meinen Blüten doch alles bieten was sie sich wünschten. Doch was war all dies wert wenn ich nicht da war? Wenn ich Tamina Abends, vor dem Schlafen, keinen Kuss geben konnte, sie nicht zudecken oder ihrem Lachen lauschen durfte. Wenn ich nicht neben meiner Frau einschlafen und wieder aufwachen konnte und sie nur im vorbei gehen kurz sehen durfe?

Mir fehlte die unbeschwerte Zeit... ihr Lachen... ihre leuchtenden Augen. Wie gerne würde ich mit ihr nach den Sternen schauen und träumen... Gab es einen besseren Zeitpunkt Vorsätze in die Tat umzusetzen als den Jahreswechsel? Wohl kaum... Mit Aaminah als meine Assistentin im Basar war mir schon sehr geholfen. Sie würde mir einiges an Arbeit abnehmen können und ich hoffte, dass SHarifs Karawane wirklich bald zurückkehren würde. Auch er, als mein Fadrim, könnte mir gut unter die Arme greifen.

Die nächste Zeit würde meiner Familie gehören. Ich würde Termine wahrnehmen und mich ansonsten etwas zurück halten. Tamina brauchte mich, meine Frau brauchte mich und ich brauchte sie...

Als das Schiff im Hafen von Menek'ur anlegte war ich einer der ersten die von Bord gingen. Ich wollte nach Hause, ich wollte zu meiner Familie...

Verfasst: Mittwoch 25. Dezember 2013, 20:05
von Hazar Sevinc Bashir
Was ist aller Reichtum wert, wenn man alleine ist?

Tamina war ein Wirbelwind, keine Frage.
Sie brachte alle um sich herum dazu, egal wie es sonst aussah, zu lächeln.
Sie hatte ein ansteckendes Lachen, trotz ihrer jungen Jahre war sie bereits eine Persönlichkeit, der ich durchaus noch einen großen Weg voraus sagte.
Aber sie konnte auch ruhig sein, wenn sie wusste, das es nötig war.
Die letzten Tage waren ruhig.
Sehr ruhig.
Ich vergrub mich, wenn ich mich keinen Pflichten widmen musste, in meine Arbeit.
Haushalt, Familie, Tiere... waschen, kochen, putzen, Stall ausmisten, Tiere füttern.
Nahlah war eine wundervolle Hilfe, und eine noch viel wundervollere Natifah. Still und ruhig, doch auch humorvoll und liebevoll.
Ich war froh, dass sie im Familienhaus wohnte, so blieb nicht sonderlich viel Arbeit im Haus an mir hängen.
Nazeeya und ich kümmerten uns vorwiegend um unsere kleinen Häuser, und halfen im großen Haus, wo es nur ging.
Wir waren ein mittlerweile recht gut eingespielt.

Abends, wenn Tamina im Bett war, oder wenn sie draußen spielen war, ging ich in die Akademie, die Bibliothek oder in mein Labor, Arbeit war genug da.
Mehr als genug.

Mein Ranim musste auf Reisen gehen, mein Halt und mein Herz waren mit ihm gegangen.
Ich habe noch nie jemanden so vermisst (außer meiner Schwester die Eluive zu sich geholt hatte), wie ihn.
Das Bett war viel zu groß für mich alleine und oft genug erwischte ich mich, wenn ich aus krummer Schräglage auf dem Wohnzimmerteppich aufwachte.
Immer hoffte ich, dass Tamina mich nicht so gesehen hatte.
Ich wusste das sie spürte, dass er mir fehlte, ihr fehlte er ebenso.
Aber ich wollte es ihr nicht so in dieser Deutlichkeit zeigen.
Kadir würde bald wieder da sein... bald....

Uns war beiden von Anfang an klar gewesen, dass es Zeiten wie diese geben würde.
Er als Handelsminister und ich als Mudir...
Aiwa, es blieb nicht immer Zeit, wie wir sie früher verbracht hatten. Was nichts daran änderte, dass ich jeden einzelnen Moment auskostete.
Und doch war es eine schwere Zeit. Allerdings nichts, was nicht zu überstehen war.

Eluive würde ihn schon bald zu mir zurück schicken.
Sicher und Gesund!

Sternschnuppen

Verfasst: Mittwoch 29. Januar 2014, 14:38
von Tamina Bashir
Das kleine Mädchen lag wach auf ihren Kissen, in ihrem kleinen Bett und betrachtete den Himmel aus Stoffsternen. Sie mochte nicht mehr aufstehen.
Dort draußen, hinter dem rosa Vorhang erwarteten sie ohnehin nur Erwachsene, die sie bestraften. Das kleine, dumme Kind ist an allem schuld. Meistens wusste sie nicht mal, woran sie schuld war. Es erklärte keiner. Dazu muss man erzählen, dass die wenigsten Leute aus ihrer Familie sich die Mühe machten, ihr überhaupt etwas zu erklären.
Nun sollte sie sich entschuldigen, weil sie nach Kakao gefragt hatte. Der neue Mann in der Familie hatte sofort mit ihr geschimpft. Nach Kakao zu fragen war dann wohl sehr schlimm.

Diesen Mann, diesen Soldaten konnte sie nicht ausstehen. Wirklich nicht. Er guckte sie nur streng an, meckerte und glaubte er könnte ihr alles vorschreiben. Sie kannten sich erst seit wenigen Tagen aber er wusste natürlich alles. Er hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, ein paar Sätze mit dem Kind zu wechseln. Aber er wusste alles. Dummes, kleines Kind.
Wenn man klein ist, geben die Erwachsenen einem immer die Schuld. Weil man sich nicht gegen sie wehren kann.

Das allerschlimmste waren die Lügen. Das taten sie alle und sogar noch gern. Erzählten ihr Geschichten und Dinge, die dem Mädchen schreckliche Angst machten. Sie fanden es lustig und angeblich war alles nur zu ihrem Schutz.
Aber bei all den Lügen, wie sollte sie da noch etwas glauben? Ihr Onkel hatte ihr Lügen erzählt, hatte kein einziges seiner Versprechen gehalten und behandelte sie nun so, als wäre sie eine Last. Er redete nicht mehr mit ihr. Er brachte sie nicht mehr zu Bett. Er umarmte sie nicht mehr. Er hörte nicht mehr zu. Als sie ihm erzählt hatte, dass sie wegfahren wollte, hatte er auch nur gelogen. Dabei hatte sie sich etwas von ihm gewünscht. So sehr gewünscht.
Kleines, dummes Kind, an allem schuld. Etwas anderes sagten die Erwachsenen nicht mehr.

Nun begann sie langsam, an der Geschichte mit den Sternschnuppen zu zweifeln. Das könnte genauso eine Lüge gewesen sein, wie alles andere. Die Erwachsenen logen lieber, als zu erklären. Wie sollte sie jemals etwas verstehen?
Das Kind hatte die letzten Nächte auf dem Balkon geschlafen, nicht das es jemand bemerkt hätte. Trotzdem hatte sie keine Sternschnuppe entdeckt.
Das dumme daran war, das Sternschnuppen nur nachts kamen. Nachts aber war sie fast immer müde und wollte schlafen. Sie hatte sich einfach auf den Balkon gelegt und gewartet. Vergebens.

Jetzt lag sie wieder im Bett. Sie mochte nicht mehr aufstehen. Nach dem Streit lauerten draußen nur schimpfende Erwachsene. Ihr Kopf und ihr Bauch taten so schrecklich weh. Außerdem war es kalt. Viel zu kalt.

Ihre Tante hatte sie in den Arm genommen und getröstet. Sie konnte kaum beschreiben, wie gut sich so etwas anfühlte und wie selten ihr das noch passierte.
Doch ihre Tante hatte auch kein Vertrauen in sie. Sie ging ihren Unterricht machen, ohne das Mädchen. Wieder war sie den ganzen Abend allein gewesen und wieder hatte sie nur geweint. Man gab ihr nicht mal die Chance, es zu versuchen. Vielleicht verstand sie doch irgendwas? Keine Chance. Zu klein, zu dumm.
Sie würde niemals lesen und schreiben lernen. Allein klappte das einfach nicht. Dann würde sie wohl für immer dumm bleiben.

Selbst das war dem Kind nun egal. Sie mochte nicht mehr aufstehen, sie mochte nicht mehr essen und sie mochte nicht mehr trinken. Eigentlich mochte sie gar nichts mehr machen.
Ihr Hals tat weh und ihr Kopf und auch ihr Bauch. Alles tat ihr nun weh. Sie verstand nicht, was mit ihr passierte.
So ist das nun mal wenn man klein ist und wenn man dumm ist und wenn man allein ist.

Verfasst: Mittwoch 29. Januar 2014, 17:40
von Hasim Bashir
Während Aqila zu Bett gegangen war, lag Hasim noch wach. Es gab gute und schlechte Tage, das hatte er nur zu oft erfahren in seinen 27 Lebensjahren. Vor einem Wochenlauf war er angekommen, und so bestand auch dieser aus solchen...


Ein paar Tage zuvor

"Haben wir eigentlich keinen Kakao mehr?", fragte die junge Familienprinzessin. Die Erwachsenen waren jedoch mitten in einer Unterhaltung, so das es nach kurzer Zeit erneut zu einer Festestellung kam.
"Ich habe keinen Kakao gefunden", war die junge Mädchenstimme wieder zu hören.
Hasim blickt zu der jungen Wüstenblume hin. Erst seit ein paar Tagen war er hier und doch war es schwierig mit Tamina.
Kennen gelernt hatte er sie mitten in der Nacht, kurz bevor der neue Tag anbrach, auf der Suche nach dem Kalifen. Allein hatte sie sich aus dem Haus geschlichen, zu einer Zeit in der eine brave kleine Natifah längst im Land der Träume hätte sein sollen.

"Aiwa, das mag sein, nicht immer gibt es Kakao oder anderes im Leben, wenn man es haben möchte, komm her und frag Hazar freundlich ob sie dir welchen macht", brummte die tiefe basslastige Stimme des kräftigen Menekaners.
Kaum war der Satz ausgesprochen erklärte die Rani von seinem Vetter, dass sie beizeiten neuen machen würde. Genauso wollte jene dem kleinen Wirbelwind gleich einen Kakao machen, doch da war es schon zu spät. Auf dem Absatz machte Tamina kehrt und stapfte in die Küche zurück, gefolgt von einem kräftigen Knall als die Tür zurück in die Angel geworfen wurde.

Es war nicht gerecht gegenüber Hazar. Eine kurze freundliche Frage ob sie ihr Kakao machen würde hätte bestimmt gereicht. Das war es auch das der Säbler dem Mädchen erklären wollte, als er in die Knie ging um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. Sie dann auch mit dem Zeigefinger zu sich winkte. Nicht um die Hand zu erheben oder sie auszuschimpfen, sondern um es ihr zu erklären, auf Augenhöhe, ebenbürtig in diesem Augenblick.

Tamina drehte ihm den Rücken zu und die Worte die folgten liesen ihn jeden Willen zur Erklärung hinfort wehen: "Wenn du mich anfasst, hau ich dich, ich will nicht mit dir reden Hasim, ich hasse dich"
Der hoch gewachsene und kräftige Bashirsäbler kannte die Erzählung, dass sie nach einem Sohn aus dem Haus Omar getreten hatte. Seine Aufmerksamkeit hatte er ihr verwehrt. Würde das nun immer so bleiben mit ihr?

Es war einfach schwierig mit Tamina, aber nie würde er die Hand erheben!


Ich hasse dich...

Worte die auch er einmal benutzt hatte. Ein einziges Mal. Nie wieder hatte er sie seitdem ausgesprochen oder gewagt zu denken, denn jene Worte konnten schrecklichere Worte mit sich ziehen. Etwas, das er niemanden wünschte.

"Von heute an, bist du kein Teil dieser Familie mehr für einen Wochenlauf, sollte ich dich vorher hier sehen verdoppelt sich die Zeit", schallte die grollende tiefe Stimme seines Vaters in seinem Kopf wieder. Harte sieben Tage waren es, in denen er auf sich allein gestellt war. Ein Knabe der gerade zum Manne heran wuchs, ohne die Geborgenheit der Familie. Das weinende Gesicht seiner Schwester baute sich vor seinem inneren Auge auf, welche nicht akzeptieren wollte das ihr Bruder fort geschickt wurde.
Nein!
Nicht diese Erinnerung wollte er in sich wach rufen. Dies war schon lange vorbei und prägte ihn. Seit seiner Rückkehr hatte er es nie wieder gewagt seinem Vater zu widersprechen. Trotz allem hatte es etwas gutes. Er lernte seine Familie demütig zu schätzen und dankte Eluive dafür das es sie gab. Nie wieder wollte er ohne sie sein oder allein, und er würde sein bestes und möglichstes dafür tun, dass es auch so bleiben würde.


Familie

Die Familie musste zusammen halten, und dazu gehörte auch die Erziehung der Kinder. Erst viel später erfuhr er, dass es nicht nur die Lehre gab die er aus dieser Strafe ziehen sollte. So wie eine Münze zwei Seiten hat, gab es auch hier eine andere. Hasim war bereits ein junger kräftiger Mann geworden der geschickt mit dem Säbel umgehen konnte, als es seine Mutter war die ihm einen Einblick schenkte.
"Manchmal bereitet die Nähe eines geliebten Menschen Schmerz, auch wenn dein Vater es nicht zeigen konnte, aber du hast ihm damit Schmerz zugefügt", drang die sanfte Stimme seiner Mutter durch sein Gedankenwirrwarr.

Ob es ebenso Schmerz war den er empfand? Er konnte oder wollte es nicht deuten während er tief seufzend herumdrehte und eine bequemere Liegeposition suchte.
Irgendwann würde Tamina wissen, dass er ihr nichts schlechtes wünschte. Der Krieger war nur besorgt, denn würde sie dieses Verhalten als erwachsene Natifah beibehalten, wäre das nichts gutes. Weder für sie, noch für die Familie. Niemals sollte sie eine Strafe erfahren, wie er sie auferlegt bekam.

So war es ein einziger letzter Gedanke, bevor er schlussendlich einschlief: "Eine Natifah macht einem wirr im Kopf, egal wie alt sie ist.."