Seite 5 von 5

Verfasst: Montag 18. Januar 2016, 15:19
von Helisande von Alsted
59. Eintrag

Mein erster Ball. Also nicht wirklich mein erster Ball aber irgendwie dann doch auf eine merkwürdige Art. Das Thema für diesen Maskenball wair Schwarz-Weiß und fast wäre ich in Uniform hingegangen. Die Uniform ist ein wackeres Schutzschild für die Tatsache keinen Begleiter oder keine Maskerade vorweisen zu können, zudem falle ich darin nicht den Herren zur Last, die sich verpflichten fühlen mich zum Tanz aufzufordern. Die Uniform ist ungemein praktisch. Bisher kam ich auf Bällen immer nur dann zum Tanzen wenn Seine Majestät dies Befahl und ich zufällig in passender Gewandung anwesend war.

Diesmal nicht.

Zu diesem Maskenball war ich eingeladen worden von einem Herren. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich ganz offiziell einen Begleiter, jemanden der mit mir hingehen wollte. Allein die Art wie ich eingeladen wurde zu dieser Veranstaltung war auf eine feine und zarte Art berührend und machte eine Ablehnung unmöglich. So ich denn überhaupt hätte ablehnen wollen. Aufgeregt wie ein junges Fohlen vor dem Frühjahr und dem ersten Weidegang hatte ich mich in die Absprachen und Anfertigungen der aufeinander abgestimmten Gewandung geworfen. Es war mir sogar recht Weiß zu tragen. Dabei ist mir meine Adelsfarbe für gewöhnlich schon bunt und aufregend genug. Durch die Kunst des Herrn Salberg verwandelte ich mich ein eine weiße und beinahe zarte Gestalt. Ich wirkte selbst mit der Maske ein wenig wie eine Debütantin vor ihrem ersten Ball. Wie prächtig im Kontrast dazu mein Begleiter wirkte im tiefen Schwarz des matten Leders, verwegen gar ein wenig.

Ganz im Gegensatz zu meinen Befrüchtungen ging auch nichts schief diesmal. Keiner von uns beiden rutschte auf dem Boden aus und musste zum Heiler, niemand plärrte auf dem Fest einen oder besser noch unser beider Namen, weil wieder irgendein Eklat geschlichtet werden musste. Ich glaube fast das ist auch der Umsicht von Wachtmeister und Gardist geschuldet, die inzwischen ein gutes Auge und eine deeskalierende Art erlernt haben. Oft entschärfen sie Situationen mit einer autoritäten Eleganz, die das Hinzuziehen eines Offziers oder Adligen überflüssig macht.

Es war klirrend kalt und auch die Sterne zeigten sich. Der Schneefall hatte nachgelassen und alles funkelte im Schein der Lichter und zahlreich aufgestellten Kohlebecken. Ich konnte mich kaum satt sehen an all den kontrastreichen Masken und doch kehrte mein Blick immer wieder zurück zu meinem verwegenen Begleiter. Wie oft habe ich beim Tanz nur zugesehen, weil der Damenüberschuss es bei solchen Veranstaltungen nun einmal nötig macht dass auch Damen am Rande stehen. Doch diesmal wurde ich aufgefordert, zweimal zwar nur weil wir noch den warmen Getränken und der leichten Konversation zusprachen. Zweimal nur, denn wäre noch Zeit für einen dritten Tanz gewesen...
'Den dritten Tanz tanzen wir bei der nächsten Gelegenheit'.

Einer ist Pflicht.
Zwei sind Freundschaft.
Drei sind Werbung.
Aber... das...
Irgendwie rauscht es mir in den Ohren und ich mag auch keinen Mocca trinken heute morgen. Hunger hab ich auch nicht.

Wie beschreibe ich es nur ohne dass ich in einigen Jahren, wenn ich dieses hier lese der Ansicht bin, dass mein jüngeres Ich ziemlich verklärt und naiv gewesen sein muss? Aber wie es es auch drehe und wende, es ist wie es ist. Bei jedem angedeuteten Handkuss am Ende des Tanzes, setzte erst mein Herz und dann mein Verstand um mindestens einen Takt aus. Das aufkeimende Kribbeln lies mich nicht gerade voller Eloquenz und Esprit meinen Teil der Konversation bestreiten.
Ich habe gestottert.
Temora wie kann mir das in meinem Alter noch passieren? Nach all den Jahren mittlerweile? Diese ritterlichen Gesten wirken so warm und anziehend auf mich, ich brauchte wahrlich kein Feuer oder das Zelt um Aufwärmen. Ich glaube fast das der Drache nicht so feuerfest ist wie behauptet wird. Ein Teil vom Drachentier brennt nun und es nicht nicht der Odem. Vielleicht wohnt diesem Winter ja doch ein eigener Zauber inne, vielleicht ist die Ankunft meiner Eltern noch kein Vorbote des Weltuntergangs. Mama hat mich mütterlich befragt und mir zugesichert, dass sie und Vater hinter mir stehen werden und ich einen Rückhalt in ihnen haben werde, jederzeit. Vermutlich weiß Papa zwar noch nichts davon, aber er wird sich hüten jemals etwas anderes zu behaupten.

Ich weiß dass ich bald meinen Dienst antreten muss. Aufnahmegespräche, Postbearbeitung, Abstlimmung mit den Reichinstitutionen und sicherlich hat Herr Obrest einiges an Aufträgen und Befehlen für mich. Ich weiß dass ich heute die Uniform tragen werde und mir das Lächeln an sich verkneifen muss genauso wie das flatternde Gefühl in meinem Bauch.

Dienst ist Dienst.
Drache ist Drache.
Aber Mädchen sein ist auch schön.

Verfasst: Montag 1. Februar 2016, 20:32
von Helisande von Alsted
60. Eintrag

Meine Hand fühlt sich ungewohnt schwer an. Nicht dass ich es nicht gewöhnt bin einen Ring zu tragen, immerhin trage ich schon eine Weile meinen Siegelring. Aber dieser Ring nun weist eine besondere Schwere auf. Eine Schwere, die ich gern bereit bin zu tragen und zu Ehren. Ich habe den gesamten Morgen diesen Ring betrachtet und habe darüber sogar meinen Mocca kalt werden lassen.
Tauben werden beringt, wenn sie einen Besitzer haben.
Gilt das auch für Drachen? Ich glaube schon.

Gestern nach dem Dienst fand ich eine Kiste in meinem Haus und darin einen Brief und Schlüssel. Die kryptische Botschaft schickte mich zu dem kleinen Wasserfall hinter meinem Hausberg.

Wie gut kennst du mich?
Dort wartete Janarey auf mich. Sie sollte sich für den Rest des Abends als meine Begleiterin und Prüferin entpuppen.

Es gab einst eine illustre Runde mit hoch, höher und Höchster Beteiligung, ein schicksalhafter Würfel tanzte auf dem Tisch. Ein Ritter lügt nicht und so war es sehr verzwickt um gewisse Dinge herumzumanövrieren. Die Garstigkeit in kleiner personalisierter Form stellte eine sehr verzwickte Frage als dem Kronritter das Würfelglück nicht hold war. Wie beschrieb er damals seine Ansicht über das Fräulein Helisande?

Diese Antwort kannte ich, ich kannte sie noch immer wörtlich:Sie ist wie ein Fingerhut. Von schöner Gestalt mit reizenden Blüten, doch bei falscher Behandlung kann sie giftig werden.

Ich erhielt für die Antwort einen Blumenstrauß aus Fingerhut und Efeu, sowie einen weiteren Brief, der mich zu unserem gemeinsamen Ort der Stille führte. Ein neues Rätsel wurde entfaltet.


Viele Talente beherrschen wir beide, doch eins geht uns völlig ab. Dein Vater betrachtet es als hohe Tugend. Doch würden wir uns darin üben, müssen wir uns vermutlich für einen Giftanschlag zur Rechenschaft ziehen lassen. Welche Kunst ist gemeint?


Bei der Umschreibung muss ich immer noch leicht grinsen. Die Antwort ist vollkommen klar: Kochen!
Die Reise sollte weitergehen. Das Geschenk diesmal von praktischer Natur und vor allen von wärmender. Ein paar herrliche Winterstiefel und ein weiterer Wegweiser. Diesmal sollten wir zum Eingang meines zweiten Heims, wie es scherzhaft heißt wandern. Die Orkkaverne. Dort am Eingang tropfte die nächste heitere Frage auf mein Haupt hernieder.


Dein Ritter Immer Treu durchlief einst selbst die Wege der Knappschaft. Welches Übel aus deiner Hand, wurde ihm zur Last gelegt, das einen farbenprächtigen Hintergrund hatte?

Oh das war damals ein gelungener Streich. Erst brüllte ein Kronritter "Fjalon", dann brüllte ein Knappe "Senheit" und am Ende hatte ich drei Wochen Stalldienst. Ich hatte damals bunte Bänder in die Mähne des Pferdes des Kronritters geflochten. Ich finde immer noch dass das sehr hübsch aussah!

Janarey machte sich gut als Prüferin und lies mich zwischendrin Blut und Wasser schwitzen, während ich bei all diesen Erinnerungen stets den Tränen nahe war. Vor allem weil ich nun als Gabe Ohrringe erhielt, die fein geformte Efeuranken darstellen. Der nächste Ort sollte der meines Ritterschlages sein und so wanderten wir auch dort hin. Den Blumenstrauß hatte ich eng an mich gedrückt, spiegelte er doch so liebevoll das wieder, was war und ist.
Der Palast lag still dort. Die Bediensteten nahmen wohl unser Kommen zur Kenntnis aber wir waren anscheinend angekündigt worden. Natürlich wartete auch hier eine Frage auf mich.


Ein Kleidungsstück so luftig leicht,
dem Gewand einiger Feen gleich,
sorgte stets bei uns für Heiterkeit
- und manch peinliche Gelegenheit.
Es wird zumeist des Nachts getragen,
nach welchem Stoff will ich hier fragen?


Wie herrlich trocken Janarey das vorgetragen hatte. Die Antwort war leicht und der Scherz darum würde mich wohl nun noch länger verfolgen. Das Nachthemd. Mit der richtigen Antwort erhielt ich nun die letzten Gaben aus den Händen meiner Begleitung. Gaben, die mir diesmal die Knie zittern ließen und schlagartig jeden Tropfen Spucke für irgendwelche klugen Worte nahm. Ein Überkleid aus thyrischer Hand, ich habe davon schon eins in meiner Farbe und trage es ungeheuer gern. Nun erhielt ich eines in seiner Farbe.
In seiner Farbe.
Der Brief hatte Schwierigkeiten sich lesen zu lassen, da meine Hände ganz ulkige Dinge taten und irgendwer hatte doch die Küchentür offen gelassen und Zwiebel geschnitten. Mindestens drei Sack! Verschwommen habe ich wahrgenommen, dass ich zum Irrgarten draußen kommen soll. Dort sollte ich die besondere Stelle wieder finden. Der Ort an dem alles irgendwie mit einem geteilten Umhang zu Gewissheiten wurde.

Ich habe keine Ahnung mehr wie oft ich mich verlaufen habe bis ich den Ort fand. Ich erinnere mich nicht mehr genau an den Ablauf. Aber der Kniefall, die Frage und meine Antwort, die erinnere ich bis ans Ende meiner Tage.
Auf die letzte Frage während jener Reise gab und gibt es nur eine Antwort.

Ja. Von Herzen. Ja, ich will.

Da ist dieser Ring an meiner Hand mit der heiteren Gravur, deren Bedeutung zur zwei Menschen erfassen können. Da ist nun kein Grund mehr mein Medaillon zu verstecken. Da ist nun das Blau, das ich tragen darf und werde. Eines ist aber immer noch mir vollkommen unklar.

Wie zum Adler nenne ich ihn denn nun?
Ich bleibe wohl bei Sir.

Verfasst: Donnerstag 18. Februar 2016, 14:28
von Helisande von Alsted
61. Eintrag

Man blinzelte eine Weile und mussterte mich eindringlich. Dann zeigten einige Gesichter Reaktionen der Irritation. Schließlich tat man es wohl zuweilen als neue Marotte von mir ab, andere waren schneller in ihrer Schlusfolgerung. Sein Blau ist wirklich zu bekannt. Die Freude und Glückwunsche kamen zum Teil von überraschenden Seiten und Personen auf mich zu. Es lässt mich wahrlich kurz innehalten wie viel Anteil doch an meinem Leben genommen wird.

Die Feier zur offiziellen Verkündung wird am nächsten Wochenende stattfinden. Assamaril, Janarey und Fräulein Dynar - diese drei Wahnsinnigen- haben das halbe Gebäude des Handelshauses in Berchgard dafür umgebaut. Unglaublich. Solche Mühen!
Dabei wollte ich doch nur eine kleine Feier um die nötige Bekanntmachung vorzunehmen und sogar die ist mir nicht mal so wichtig wie die Tatsache selbst. Klein wird wohl nix. Der Sir und ich wir haben einen Abend lang an der Gästeliste gefeilt, diskutiert und geschrieben. Eine Auswahl nur an Personen, einige sind Pflichteinladungen, andere tragen einen Teil unserer gemeinsamen Geschichte mit. Es wurde eine lange Gästeliste. Eine wirklich lange.

Wenn das nur die Verlobungsfeier ist, wird mir schon ganz flau wie groß die Hochzeit werden könnte. Besser gesagt werden wird.
Cabeza soll schön sein.
Wir könnten durchbrennen.
Was wir natürlich nicht können. Adel verpflichtet und in einem von Krieg beherrschten Herzogtum kann es gar nicht genug freudige und öffentlich begangene Anlässe geben. Also werden wir uns nach der Feier am Wochenende in die weitere Planung begeben. Mir ist allerdings danach vorher lieber das alatarische Reich zu besetzen.

Die Zeit steht nicht still, für keinen von uns. Ich merke es daran, dass mein Verstand unablässig arbetiet. Sicherlich gibt es diese freudige Wendung in meinem Leben; aber unsere Pflichten gehen weiter. Seine ebenso wie meine.
Der Geheimdienst Seiner Majestät wird im Moment von mir organisiert. Seitdem erhalten wir tatsächlich deutlich schneller und deutlich sinnvollere Informationen. Es geht quasi nichts über gute Kontakte und die Kaltschnäuzigkeit jene auch zu nutzen. Es ist nicht mal eine Last für mich, sondern etwas, was mir tatsächlich gefällt. Im Regiment sitze ich mit meinem Posten an einer Schnittstelle des Reiches. Einer Schnittstelle, die gar nicht genug brauchbare und korrekte Informationen haben kann. Herr Oberst war mir darin immer ein wunderbares Vorbild, dem ich nur zu gerne nacheifere.
"Wissen und Kontakte schaden nur dem, der nichts davon hat."
Somit sind wir nun bestens über die Umbrüche im alatarischen Reich informiert. Auch über den neuesten Geniestreich, den sich der gefallene Prinz dort hat einfallen lassen.

Für meinen letzten Geniestreich habe ich mir allerdings eine Rapusche vom Sir abholen dürfen. "Wozu hast du einen Leibwächter, wenn du ihn zu so was NICHT mitnimmst? Dekoration?!" Maulig muss ich eingestehen, dass er ja Recht hat. Bestimmte Besuche schicken sich für mich nicht mehr unbegleitet. Im Grunde schicken sie sich gar nicht für mich, aber an dem Tag an dem ich aufhöre an Grenzen zu gehen für das Reich, wird der Tag meines Todes sein.
Das Reich und seine Sichherheit stehen an oberster Stelle, erst danach kommt meine persönliche Lage. Daher auch mein Vortasten und meine Planungen. Ich werde abwarten müssen bis einige grundsätzliche Dinge geklärt sind. Bis zur Klärung heißt es weiter verhandeln und klug taktieren. Jedoch halte ich hier fest. Manchmal ist es gut selbst die Antwort auf Fragen zu sein. Oft ist es nützlich sich weit aus dem Fenster zu lehnen, die Aussicht ist meist eine umfassendere. Es ist gut ein Duell zu verlieren. Besser Gläubiger sein als Schuldner.

Nächster Punkt der Planungen: Gold requiereren.
Es gibt teure Anlässe zu finanzieren.


Verfasst: Mittwoch 9. März 2016, 15:01
von Helisande von Alsted
62. Eintrag

Der drohende Frühling mit seinem penetranten Vogelgezwitscher verströmt eine bequeme Beschwingtheit im Reich. So bequem als ob man schlicht alle Ereignisse des jüngst verschiedenen Jahres vergessen hätte. Dieses selige Vergessen scheint hier jeden zu treffen und ich komme mir langsam vor wie die wunderliche alte Tante, die gruselige Geschichten erzählt von Schlachten und Heereslagern. Das Leben findet immer einen Weg, es wird dies auch weiterhin tun. Die wärmende Sonne und das watteweiche Glück, in welches ich mich einhülle lässt mich einen Kassensturz machen.

Das Feuer im Kamin ist heruntergebrannt, die Kerze erleuchet die Seite, die ich schreibe. Mehr ist für mich fast nicht sichtbar in diesem stillen Raum. Aber ich kann gleichmäßige Atemzüge hören, obwohl ich sie noch eigentlich nachts gar nicht hören dürfte. Ich kann das Profil des Schläfers sehen und ich weiß, dass er die Nase im Schlaf wieder leicht einkraust. Alle Narben, die ihn auszeichnen liegen im Schatten verborgen, aber ich weiß dass sie da sind. So wie ich weiß, dass meine da sind.
Bilanz.
Ich bin Soldatin geworden und wurde zur Offizierin erhoben. Ein hoher Rang im Militär des Reiches wird von mir erfüllt. Meine Fähigkeiten im Kampf sind eher bescheiden, Mittelmaß. Aber brauchbar. Ich wurde zum Knappen erwählt und habe meinen Ritter begraben, doch da ist inzwischen keine offene Wunde mehr, nur noch eine blasse Narbe. Sir Fjalon kann in Frieden ruhen. Ich habe die Gnade meines Königs erfahren und bin auch in seine Ungnade gefallen. Bei allen Stürmen und Winden, er ist mein König und mein Treueschwur war ein heiliger Eid. Ich wurde zum Ritter geschlagen und habe große Heere in Schlachten geführt. Schwingenstein konnten wir jedesmal retten. Aber die Unschuld, die konnte ich nicht schützen. Weder meine, noch die der anderen.
Mein ambivalentes Verhältnis zur Kirche und zum Klerus allgemein scheint sich zu lösen. Es gibt für mich keinen Zweifel an Temora, ich weiß um Ihr sein. Ich weiß um Ihre Existenz und um Ihre Lehren. Ich verehre die Schwertmaid und folge Ihr ohne Bedinungen daran zu knüpfen. Ein beinahe kindliches Vertrauen in die Göttin ist in mir gewachsen. Vermutlich bin ich menschlich ungerecht zu den Geweihten gewesen zum Teil. Sie tragen Ihre Weihe, sie wahren und bewahren Wissen und Erkenntnisse, die mir verborgen sind. Das will ich ehren und es gelingt mir sogar. Es ist schwer zu tragen von einer Gottheit berührt zu sein und dem gerecht werden zu müssen.
Ich bin Ritter des Reiches, Offizier der Krone und für Temora so unbedeutend wie ein Blatt im Wind. Doch manchmal...

Ich diene dem Reich und damit auch Ihr.
In diesem Dienst habe ich mich mit einem meiner Helden überworfen und dennoch fanden wir uns wieder. Die Vertrauensfrage gestellt und beantwortet. Aber es ist erneut kein gutes Zeugnis für mich, dass so viel gegenseitiger Schmerz erst überstanden werden musste. Drachen haben Schuppen, sind aber nicht unverwundbar. Verwundete Drachen fressen auch Ritter und Wölfe.Und verschlucken sich daran.
Böse Zungen behaupten, ich hätte sogar beim Zähneputzen Hintergedanken.
Diese Bekenntnisse fallen mir nicht leicht und so Einiges wage ich mich immer noch nicht anzurühren und niederzufassen. Bis auf die eine Frage, die mich in meiner Aufmerksamkeit bindet.

War es das alles wert?

Die Antwort war wohl, dass mein Blick von diesem Blatt abglitt. Hinunter zum Profil des Schlafenden hinab. Zu den Narben, die im Schatten liegen. Zu den gemeinsamen Wünschen, die dort mit ihm schlafen und erträumt werden.
Die Antwort wird nun erhellt von dem warmen Licht der Kerze und sie lautet
Ja.
Jetzt und für immer. Ja.

Es wird Zeit zu heilen und achtsam voran zu gehen. Das Licht erhellt nur diese eine Seite, der Rest liegt noch im Dunkeln verborgen und ist noch ungeschrieben. Diese Seiten werde ich füllen, wenn ich wieder vorangehe. Ich freue mich von Herzen auf den Krach im Regiment, ich freue mich auf gelungene und misslungene Übungen, ich freue mich auf Gespräche und Diskussionen mit Herrn Auenbacher. Ich bin gespannt und aufgeregt wenn ich an die nächsten Gespräche mit den Diakonen der Kirche denke. Gnaden Demarkes ist eine angenehme Gesprächspartnerin, die unberührt von der Empfindlichkeit anderer ihren Standpunkt vertritt. Zudem ist sie immer noch schnell mit den Dolchen. Die Diakone Hohenhain und Antorius sind so unterschiedlich wie Menschen nur sein können. Eine Witwe mit ihrer überwundenen Trauer und der fürsorglichen Hand um andere daran zu führen und ein junger, temperamentvoller Kämpfer, der noch nicht viel von Liebe und Verlust versteht, dafür aber von Kampf und Hingabe.

Meine Bilanz scheint ausgewogen zu sein und ich fasse wie ich merke schon wieder Pläne und Vorhaben wie Distelwolle zu einem Bündel zusammen. Hoffentlich hält der Faden und lässt einen weichen Stoff weben.

Temora beschützt!

Verfasst: Mittwoch 6. April 2016, 20:08
von Helisande von Alsted
63. Eintrag

So oft habe ich nach der Feder gegriffen um die Eindrücke der letzten Wochen in Worte zu fassen. Auch wenn Worte oft nur eine Hülle von dem sind, was darunter liegt. Ich tu mich immer noch schwer mit Gefühlen und Freundschaften, das wird wohl auch so bleiben. Aber nun der Reihe nach.
Wir haben Melina Waldesruh endlich gefasst und gehängt. Dass sie mich bei ihrer Gefangennahme angeschossen hat, habe ich hervorragend am Sir vorbei verheilen lassen. Wehe irgendwer plaudert das aus.

Dann dieser Eklat mit den Thyren und Leetha. Eine ganz und gar merkwürdige Geschichte, die nur wenigen Beteiligten ein gutes Zeugnis ausstellte. Die Thyren fühlten sich durch Agitation schwer gekränkt. Aber Leetha übernimmt die Verantwortung und wird sich entschuldigen. Immerhin etwas. Doch die Gespräche, die ich mt den Thyren in alter Verbundenheit führen wollte verliefen merkwürdig und in mir wuchs das Gefühl eines drohenden Ungemachs. Leider, leider bestätigte sich dieses Ungemach wenig später.

Temora hilf und mögen die Ahnen den Sturmheulern mit wissenden Herzen beistehen. Denn ich bin es leid. LEID. Wie oft habe ich diese unleidige Diskussion nun führen dürfen? Viermal oder doch schon fünfmal? Es geht natürlich um das Rüstrecht.
Die Gesetze und Verbindlichkeiten unseres Reiches waren besprochen wurden mit Asleif, mit Skadi und Varr, mit Skjarlav, mit dem gesamten Rudel und mit Ulfrik nochmal extra. Jedesmal wurden mir bittere Vorwürfe gemacht, mein König diskreditiert und mein Reich mit Begriffen belegt, die ich nicht aufschreiben kann. Und nun wieder? Wieder von vorn?

Weil eine Rekrutin am Tor Thyren ohne Rüstrecht nicht in die Stadt lassen wollte. Weil wir jeden als Individuum betrachten und für ihn selbst das Recht anwendeten. Mir kommt die kalte Galle hoch, wenn ich daran denke wie leicht es für jeden Thyren ist in unseren Städten das Rüstrecht zu erhalten. Leichter als für jeden unserer Bürger, weil wie jedem Thyren mehr Ehre zutrauen als unseren eigenen Bürgern. Eben weil jeder der großen Heuler seinem Rudel keine Schande machen will und seine Ahnen stolz.

Wieder holt mich meine unzulängliche Menschlichkeit ein. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Diese Regelungen sind besprochen und wurden von beiden Seiten akzeptiert. Sollen sie nun den Mond anheulen und gegen den Wind kläffen. Meine Verbundenheit mit den stolzen Thyren, die ich eins kannte schwindet. Norwin hat wohl als einziger verstanden, was meine Geste zu bedeuten hatte. Das Schwert, dass ich mit Björn damals geschmiedet habe als meine Knappenaufgabe. Die Schwertscheide, die ich mit Bjirna damals geprägt und gefertigt habe. Die thyrischen Kleider, die ich so gerne trage. Mein Schwert wurde in Wulfgard geboren. Es wird dorthin zurückkehren. Wenn die Thyren den Bruch mit uns wollen, so brechen sie zu erst mit mir. Und es bricht mir das Herz. Norwin ist meine Freundschaft weiterhin gewiss. Aber er ist eine Clanshand, wenn die Schwerter meinen rasseln zu müssen, so muss er folgen.

Alles in allem hat Lichtenthal nie eine Forderung an die Thyren gestellt aber ich sehe mich nun wieder mit Forderungen konfrontiert. Da ich keine Befugnisse habe kann ich einfach gehen. Ich werde dem Rat empfehlen jemanden zu benennen, der dort diplomatisch tätig wird. Norwin wird mit seinem Thain sprechen und jener wird entscheiden. Wenn er so entscheiden wird, wie ich vermute, so war der letzte Abend mein letzter in Wulfgard. Ich warte noch den morgigen Tag ab, ob sie denn kommen oder auch die Geste der Ehrerbietung seitens eines Adligen des Reiches zwanghaft falsch verstehen wollen. Es soll Ehrungen geben für die Streiter Schwingensteins. Aber der Freiherr von Goldenfall hat wohl wie es diplomatischer Usus ist nur ein bis zwei Namen in den jeweiligen Briefkopf gesetzt, Namen, die er kennt. Laut Norwin haben die Thyren diese Einladung natürlich nicht verstanden und ihr möglichstes getan sie in den falschen Hals zu kriegen. Stolz kann eine gute Sache sein. Hochmut ist es nicht und die Grenze zwischen beidem ist sehr sehr dünn. Ich fürchte einige der Thyrenschwerter haben diese Grenze weit überschritten.

In all jener Trauer um das Brechen eines Freundschaftsbandes, welches ich nicht aufzuhalten vermag, mitten hinein trifft ein neuer Schlag. Herr Oberst von Nordwind ist als Oberst zurückgetreten. Sir Vaughain will das Reich verlassen um sich um Familienangelegenheiten zu kümmern. Er wird nur noch ein paar Tage da sein. Zum Abschied hat er Beförderungen vorgenommen und mir das Kommando übertragen.
Mir ist schlecht. Ich bin traurig. Ich habe Angst.
Ich habe Angst der Verantwortung nicht gerecht zu werden, obwohl ich im Grunde meines Herzens weiß, dass ich es kann. Seine Knappen lässt er zurück und ich werde sehen ob ich mich um wenigstens um einen von ihnen kümmern kann bis Seine Majestät entscheidet. Im Regiment ist niemand unersetzbar. Aber persönlich ist dieser Mann für mich nicht ersetzbar. Er ist einer meiner Helden.
Der letzte meiner Helden fängt mich gerade in seinen Armen auf und ich bin ihm dankbar dafür. Ich habe allerdings nun Angst ihn auch noch irgendwann zu verlieren und das bevor wir beide alt und grau sind. Doch ich darf nicht klammern oder erdrücken. Aber langsam werd ich anfangen zu mosern, dass er sich um einen Termin mit den Geweihten müht.

Ich bin nun Kommandeur des stehendes Heeres Lichtenthals. Vermutlich nur die Spitze des Eisberges. Aber wir schreiten voran. Immer.

Verfasst: Freitag 20. Mai 2016, 17:54
von Helisande von Alsted
64. Eintrag


Es gibt gute Nachrichten! Keine von reichsertschütternder Wirkung oder von kriegsentscheidender Größenordnung, aber für mich ganz persönlich gute Nachrichten. Die Burg wird dieses Jahr noch gebaut. Prinzipiell wird sie das zwar schon seit 5 Jahren so ungefähr, aber nun wird es ernster. Der Bauplatz wurde abgemessen und der Sir brütet über Bauplänen für das Hauptgebäude, Zeichnungen für Wehrgänge und muss Entscheidungen treffen. Die Entscheidung ob es zehn Kinderzimmer oder weniger geben wird, die habe ICH schon laut und deutlich getroffen. Der Mann ist beschäftigt und zählt die vermutlich nötige Barschaft und diskutiert mit sich selbst dass es ihn wahrscheinlich günstiger kommen wird für die Besucher gefüttertes Schuhwerk zu erstehen als Teppiche auszulegen.

Eine weitere gute Nachricht ist, dass das Regiment sich wohl daran gewöhnt hat, dass ich nun das Kommando inne habe. Es gab ein paar Reibungsverluste zwar und Austritte aus dem Dienst, doch sie trafen nicht unangekündigt ein. Ich habe sogar schon die ersten ernsten Dienstgespräche geführt mit Unteroffizieren und offenbar hat man meine Worte beherzigt. Hoffentlich war ich nicht zu streng. Oder. Doch.. hoffentlich war ich zu streng. Vögel fressen oder sie sterben.

Die nächste gute Nachricht ist, dass durch diese Schattenwesen und die Klosterwache ich wieder öfter das Vergnügen habe mit ihrer Hochgeboren von Nebelpass zu sprechen. Als ich Rekrutin war, war sie Oberstleutnant und so verschroben Magier auch bisweilen sind. ich mag diese Frau. Einfach so. Egal ob Schuhe oder nicht.

Herr Talan ist wieder anwesend und dass er bisher nachweislich noch keine meiner Untaten als Rekrutin und Gardistin und Koporal ausgeplaudert hat, werte ich auch als gute Nachricht.

Sir Friedolin ist ebenfalls heimgekehrt. Ob das eine gute Nachricht ist, wird die Zeit weisen. Ich unterhalte mich gern mit ihm, aber er ist schwierig. Nicht dass ich schwierige Menschen ablehne, ich bin selbst schwierig. Nur bin ich es mit Absicht und er ist schwierig schwierig.

Auch eher neutral bewerte ich im Moment die Obhut über Heinrik. Ich setze seine Ausbildung fort, bis Seine Majestät entscheidet welcher Ritter dauerhaft für ihn verantwortlich sein wird. Manchmal denke ich, es ist gut dass ich das übernommen habe und ihn einfach auf Trab halte mit Unterweisungen, Aufgaben und dem sanften Zwang sich auch von anderen unterweisen zu lassen. Wobei ich dabei auch schon eine Absage erhielt. Manche Animositäten werden offenbar liebevoll gepflegt und diesmal nicht mal von ihm. Ich will ihn einfach nicht zu sehr an mich gewöhnen. Wir dienen in einer Monarchie und haben darin zu gehorchen. Manchmal glaube ich allerdings auch, dass ich meine Sache gut mache. Aber wirklich nur manchmal. Ganz manchmal.
Es ist so schwer jemandem zu zeigen, dass ein Tellerrand eben nur ein Rand ist und man ohne Sorge darüber hinausblicken kann. Er ist deutlich älter als ich, was wohl auch das Verhärten innerer Sturkturen mit sich bringt. Die müssen langsam aufweichen und sich neu finden können. Der Umgang mit einander wird in Lichtenthal nun mal von der Etikette bestimmt. Sie ist der äußere Ausdruck des inneren Vertrauens im Reiche und des Respektes voreinander. Sie zu pflegen bedeutet nicht zu schleimen oder zu kriechen oder zu katzbuckeln. Es ist Anerkennung, die man damit zeigt. Ob jemand diese Anerkennung nun verdient hat oder nicht ist weniger wichtig, als die eigene Herausforderung Anerkennung zeigen zu können.
Immerhin konnte ich ihm schon vermitteln, dass er etikettengerecht höflich sein muss zu seinen Mitmenschen. Was noch fehlt und was richtig Arbeit sein wird, ist ihm zu vermitteln, dass er auch lieb zu seinen Mitmenschen sein muss. Ganz gleich ob sie es zu ihm sind oder nicht. Das ist eine innere Einstellung, die schlicht wachsen muss. Musste sie in mir auch. Dabei hoffe ich auf die Hilfe zweier Freiherrinnen und darauf, dass mein Moccavorrat ausreicht.

Eine auch für mich als gut empfundene Entwicklung ist die Tatsache, dass Regiment und Klosterwache zusammenarbeiten. Die angehenden Klosterwächter machen bei uns die Grundausbildung mit und erwerben die Leibwächterlizenz. Diakon Demarkes (ich stolpere immer noch über ihre neue Rolle) war sehr klar in ihren Wünschen und ist tatsächlich noch viel stringenter als ich. Das wird noch interessant werden.

Bevor mich die beschwingte Stimmung nun verlässt, weil mir wieder die nicht so schönen Dinge einfallen höre ich auf mit diesem Eintrag. Es darf hier auch Schönes stehen im Frühling.

Verfasst: Dienstag 5. Juli 2016, 21:17
von Helisande von Alsted
65. Eintrag


Ich vermisse ihn.
So nun hab ichs aufgeschrieben und nun hat das auch besser zu werden. Obwohl das Gefühl an sich auch schön ist auf ein merkwürdige Art. Eine Art zeitlich begrenzter Liebeskummer. An sich sollte ich an seiner Seite sein als seine künftige Frau und die Hochzeit seiner Tochter mir ihm erleben. Doch das Leben schreib seine eigenen Pläne während wir versuchen unsere zu verfolgen. Herr Oberst von Nordwind ist fort, Korporal Glenkell zur Schulung auf dem Festland, Korporal Janarey nicht mehr im Dienst und ich sitze da mit einem Korporal. Die Arbeit ist für zwei Korporäle schon eine sportliche Aufgabe, einer wird deren kaum Herr werden. Insbesondere wenn derjenige selbst dem Ende seines Knappenstatus entgegen sieht und sich dementsprechend auch ohne Uniform bewähren muss. Folglich bin ich gelieben. Habe dem Schiff nachgewunken und mich in heitere Gelassenheit gehüllt für den Sir. Das Knirschen als mein Herz sah wie das Schiff am Horizont entschwand hat er sicherlich nicht mehr gehört. Wir waren schon oft für längere Zeit getrennt. Ich kenne das im Grunde.

Im Grunde.

Trotzdem schlafe ich jede Nacht in einem seiner Hemden, trotzdem habe ich Tage an denen ich kaum einen Bissen herunter bekommen, trotzdem wirke ich wohl nachdenklich und traurig. Ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen, die Arbeit hilft. Abseits davon suche ich recht oft die Einsamkeit. Die Freundlichkeit der Diakonin Hohenhain hat mir tatsächlich geholfen. Auch sie war einmal die zweite Frau eines Witwers und kennt wohl die Gedanken, die mich umtreiben.

Ich kann mich nur schwerlich selbst als die künftige Schwiegermutter einer 15 Jährigen sehen. Allein der Altersabstand ist dafür nicht groß genug. Mit viel Glück könnte ich so etwas wie die verschrobene Tante sein, die sich mit Ratschlägen zurückhält und dafür selbst alle Flausen dieser Welt im Kopf hat. Dennoch ist sie ein Teil des Sirs. Sein bisher einziges Kind und ich wünsche Marie wirklich von Herzen alles Glück, welches sie erobern und festhalten kann.
Mir hingegen wäre es sehr recht, ich könnte bald mein eigenes Glück wieder festhalten. Solange muss das Hemd noch herhalten. Eine winzige Spur seines Geruches ist noch da, die halte ich nun fest.

Wie begründet man eine Entscheidung, für die man im Grunde keine vernünftige Begründung hat? Ich habe einen Oger am Leben gelassen und ihn in den Sumpf geleitet. Die Truppe hat sich vorbildlich geführt und das obwohl sie sicherlich nicht damit einverstanden war das Monstrum nicht zu töten. Turuk - so nannte er sich - war verletzt und nach Größe und Entzündungsgrad werden die Verletzungen ihn wahrscheinlich umbringen. Ich habe ein waidwundes Monster vom Gewicht fünf ausgewachsener Soldaten am Leben gelassen.

Kann ich verantworten, wenn er sich nicht dem Reich fernhält und Bürger verletzt oder tötet?

Ich werde es wohl müssen, wenn es so weit kommt.
Aber ich musste auch schon mitverantworten hochrangige Militärs des alatarischen Reiches auf freien Fuß zu setzen oder Letharen. Lebewesen, die ganz sicher Bürgern des Herzogtums geschadet haben oder schaden werden.
Der Oger konnte sich auf rudiementäre Art mit uns verständigen. Er hatte einen Namen und nach eigenen Angaben ein Weib und einen Clan. Ich wollte sehen wo genau dieser Clan ungefähr wohnt und auch verhindern, dass der Clan ihn suchen kommt. Vielleicht gehe ich alsbald noch einmal selbst dort auf Erkundung und schaue nach.

Heinrik hatte Recht mit seiner Kritik. Es war falsch Turuk nicht zu töten, ein verletztes Monstrum, eine Absurdität. Es war auch falsch ihn zu töten ohne nachzuforschen. Die Wahl zwischen Falsch und Falsch. Ich habe mein Falsch gewählt und muss nun damit leben.

Im Zuge dieser Oger-Angelegenheit hatte ich ein höchst unangenehmes Gespräch mit Fräulein Kahstein. Das junge Fräulein hatte sich zwischen das Regiment und den verletzten Oger geworfen, in vollkommener Fehlsicht für dessen Gefährlichkeit. Selbst nach mehrfacher Aufforderung von mir zeterte sie noch herum und war kaum zu bändigen. Wachtmeister Luninara drohte ihr irgendwann die gesiebte Luft des Regimentes an.

Im heutigen Gespräch verdrehte das Fräulein das dann zu einer Morddrohung - so lebensgefährlich ist unser Kerker nun auch nicht. Zudem unterbrach es mich fortlaufend quasi nach jedem halben Satz in meinen Ausführungen und fragte noch dreist ob etwas mit meinen Augen nicht stimme.
Ich fürchte meine Standpauke zum Thema Gesetze, Höflichkeit und Benimm hat gesessen. Der Rauswurf aus dem Gespräch auch. Ich kam mir tatsächlich vor als ob ich ein Kind dort sitzen hätte, das trotz haftfähiger Verfehlungen im Bereich des Gehorsams gegenüber Adel und Reistruppen noch frech grinste und vollkommen entspannt war. Ob das nun wirkliche Dummheit oder tatsächlich durch übergroße Ängste vorgespielt war, vermag ich nicht zu sagen. Bieten lasse ich mir solche Frechheiten jedenfalls nicht. Von niemandem.

Ich muss alsbald noch mit Keylon sprechen. Heinriks Gespräch bezüglich seiner persönlichen Entwicklung als Knappe habe ich schon hinter mir. Ich bin nicht damit zufrieden. Ich bezweifle, das er es jemals sein wird. Manchmal glaube ich doch wirklich noch, dass ich trotz aller Fährnisse meines Werdeganges, die im Herzen Unschuldigere von uns beiden bin.
Grausige Vorstellung.
Mein Ruf als berechnendes Biest und scharfer Drache muss wieder mehr gepflegt werden.

... und ich vermisse den Sir immer noch.
Doof.

Verfasst: Freitag 19. August 2016, 13:27
von Helisande von Alsted
66. Eintrag

Er war da und ist schon wieder fort. Die Hochzeitsvorbereitungen meiner künftigen Stieftochter pausierten, nun ist er zur Eheschließung erneut abgereist. Wieder halten mich meine Verpflichtungen in Lichtenthal. Dem Regiment wurde die Ehre zu Teil die Feierlichkeiten zum Krönungstag Seiner Majestät auszurichten. Ein wahrer Kraftakt von Fest, der mich eine Tatsache wieder lehrte:

"Kein noch so guter Plan übersteht den ersten Feindkontakt".

Wobei Feindkontakt in dieser Hinsicht ein hartes Wort ist, es war mehr eine Ansammlung aus Hochadligen, die uns ins Haus wehte und die natürlich bewacht und begleitet gehörte. Die Nachricht darüber erhielt ich natürlich ganz dezent als filigranes Schreiben kurz vor Beginn des Bankettes. Die Folge waren Schnappatmung und Wiederbelebung durch die Freiherrin von Talgrund mittels diskret herbeigeschafftem Schnaps. Nach dem erste Schrecken und dem hastigen Umwälzen der Einsatzpläne für die Feierlichkeiten erwies sich der Hochadel allerdings als ungemein umgänglich.

Der kleine Großherzog von Graifenhain und Eirensee, seine Frau Mutter Gräfin von Liliensee nebst Zofe der Komtess von Ruchin gaben sich die Ehre. Der junge Herr führte sich sehr wohlerzogen auf und genoss wohl dennoch die kleinen Ausflüge in den kindlichen Schalk mit denen er den Markt heimsuchte. Die Komtess erlebte wohl eine Zeit des Herzflatterns und Ihre Erlaucht strahlte eine mit Leichtigkeit zelebrierte Würde aus, die durchaus ihre Herzenswärme durchschimmern lies hier und dort. Etwas, was sich Seine Majestät nur schlecht öffentlich erlauben darf. Sehr schwer zu erklären, insbesondere den Thyren. Anndra ist wohl wirklich ein wenig geknickt ob der kühlen Reaktion auf ihren Gruß hin.

Ich springe wie ein Floh von Hund zu Hund gerade von Thema zu Thema merke ich. So will ich nochmals zurück springen.

Für uns alle reichlich überraschend wurde der Ritterschlag des Knappen Ernst van Eichgengrund auf den Tag des Bankettes gelegt und mit einer Messe eingeleitet. Ich weiß noch wie ich mich gefühlt habe und konnte es ihm gut nachempfinden. Seine Majestät bemühte sich in seiner strengen Art den gesamten Abend sehr um Sir Ernst, dessen Pate ich an diesem Tag sein durfte. Auch diese Eiche wird nicht unbeschnitten in den Himmel wachsen, ganz gleich wie sehr der Baum sich jenes wohl auch zu wünschen scheint. Ich schiebe es auf die Nachtwache und die Aufregung des Tages. Ernst ist ein guter Kerl, er wird seinen Weg finden.

Das Bankett war ein Erfolg. Heinrik und die Freiherrin von Talgrund habn wirklich gute Arbeit geleistet. Auch das in hurtiger Eile angelernte Personal aus den Reihen des Regimentes machte seinen Farben alle Ehre. Diskret, denzent und aufmerksam, ein gutes Zeugnis für die Ausbildung im Militär.
Das Turnier am folgenden Tag wurde durch eine hübsche Andracht und Segnung seitens der Geweihten eingeleitet. In Uniform muss ich zwar die akurate Dienstfresse pflegen, jedoch fühle ich wie sich jedesmal mein Herz öffnet, wenn ich an den Gottesdiensten der Geweihten teilnehmen darf. Von der Novizin bis zum dienstältesten Diakon leister jeder seinen Teil. Die Idee mit goldenen Laternen zum Turnierplatz zu ziehen war grandios.

Korporal Luninara hatte inzwischen sicherlich schon mehrfach die Nerven verloren, aber als gestandene Soldatin merkt man ihr so etwas niemals an. Das Turnier wurde sauber über die Bühne gebracht, der Axtwurf aufgrund der fesselnden Kämpfe jedoch auf den Markt am Folgetag verschoben. Alsted hatte die Wachmanschafft für den Hochadel im Blick und ich.. ja was tat ich eigentlich die gesamte Zeit?
Prächtig aussehen in Uniform!
Zumindest hoffe ich, dass es nach außen hin so gewirkt hat. Inzwischen scheint es tatsächlich zu reichen, wenn mein Blick länger auf irgendeiner Szene verweilt und irgendein Soldat reagiert schon. Selten benötige ich Handzeichen und so gut wie nie muss ich die Befehlskette in Gang setzen.
Bis auf den Moment in dem der Page Seiner Majestät, Partian von Nharam sein Name sich in den Kopf setzte für die hochadligen Damen ins Turnier einzutreten. Da Seine Majestät es erlaubte, konnte ich den Halbstarken schlecht brüskieren und abweisen, also erlaubte ich es. Ich erlaubte es und meldete mich direkt selbst in das Turnier mit der Anweisung, dass ich gegen den Pagen antrete und niemand sonst. Dann erfolgte ein wahrer Tanz auf Eierschalen, beoachten welche Rüstung und Waffe er wählte und gleiches wählen oder eines darunter. Gedankt sei Temora, dass ich durch die Ausbilung des Knappen und der Übungskämpfe mit den Knappen inzwischen weiß wie ich jemanden nicht umbringe im Kampf.

Umbringen ist leichter.

Der Junge verlor, aber nicht unglücklich. Eine kleine Lektion gab es kostenlos, denn ich setzte fast ausschließlich den Schild ein, bis auf den letzten Akt. Keine Verletzungen außer einem eventuell geprellten Steiß, ein bisschen männlicher Stolz und einer Komtess in weiblicher Ohnmacht.
So jung, war ich nie!

Der nächste Tag brachte einen stimmungsvollen Markt, einen Überraschungssieger beim Axtwurf und einen Ball mit guten Gesprächen mit sich. Arenvir erhielt Kronwalden als Lehen, eine gute Möglichkeit für ihn die Treppe noch höher zu fallen, solange er noch alle Zähne hat. Die Vogtin wurde zur Freiherrin von Thornwall ernannt durch seine Majestät in Persona als Herzog Lichtenthals. Ich glaube sie hat sich dieses Lehen aus lauter Bosheit gewünscht, damit sie Heinrik vom Haupttor Adorans wegbefehlen kann. Aus lauer Bosheit wird er dann genau einen Schritt hinter der Lehensgrenze stehen und weiter nach Bürgerbriefen fragen.
Der Ball in Rot und Gold war ein Traum. Ein Traum den zwei Gardisten in die Wirklichkeit gebracht haben. Van Daske und Malin hatten alles wunderbar und stimmig organisiert. Man tanzte, lachte und die Gespräche perlten von den Wänden wie die delikaten Weine aus der Erfrischungsecke. Ich habe natürlich nicht getanzt.

Es lag nicht daran, dass ich in Uniform da war, die hat einen Rock brauchbarer länge und erlaubt das Tanzen. Der Sir war nicht da und an diesem Abend fehlte er mir besonders. Ihre Erlaucht von Liliensee tat zwar ihr Möglichstes um mich abzulenken und schenkte mir einige wunderbare Momente im Zwiegespräch zwischen zwei Rittern mit mehr Aufgaben als den eigentlichen. Auch Ihr Sohn unterhielt sich mit mir und tanzte so tapfer mit der Freiherrin von Nebeplass, eine wunderbare Geste. Fräulein Odstedt schenkte mir einen sündhaft schönen Fächer... Dennoch fehlte mir an diesem Abend, als alles sein Ende fand, die Anspannung wich und es gelungen schien der Sir so unendlich.
Wenn er zurückkehrt wird er sehr stolz auf seinen Knappen sein. Keylon hat nämlich das Turnier gewonnen. Ich bin recht zufrieden mit ihm.
Mit Alsted bin ich auch zufrieden.
Gut, ich bin mehr als zufrieden mit ihm. Ich habe sogar etwas für ihn gekauft, wenn es wird nun bald anstrengender für ihn werden als mir lieb ist. Ich kriege das nämlich dann wieder postwendend zurück.

Was habe ich an diesen Tagen so geleistet?
Ich habe einen Knappen seiner Bestimmung zugeführt und versucht ihm die Aufregung zu nehmen. Auch für standesgemäße Kleidung habe ich Sorge getragen.
Ich habe mich an Gottesdiensten ehrlich und offenen Herzens erfreut.
Ich war bis auf die Schnappseskapade ein Vorbild für die Truppe. Ich glaube wirklich, dass sie voller Ruhe und Vertrauen sind, wenn sie mich nur sehen. Oder sie benehmen sich dann, weil sie Angst haben, ich fresse sie. Ergebnis ist gleich.
Ich habe einen Kampf gefochten und mit Würde gewonnen und alsbald zwei Königskindern das Wasser für eine kurze Zeit ein wenig flacher gemacht.
Ich habe offen eine hohe Dame bewundert.


Ach ja.
Ich wurde zum Oberst des Lichtenthaler Regimentes ernannt.

Noch 8 Tage. Wehe das Schiff hat Verspätung!

Verfasst: Samstag 10. September 2016, 18:17
von Helisande von Alsted
67. Eintrag

"Du bist nicht wie Sir Vaughain. Deine Stärke ist dein Vertrauen in andere. Deine Stärke ist, dass du Fähigkeiten bei anderen erkennst, förderst und einsetzt."

Tröstliche Worte für mich, denn ich zweifele mal wieder an mir. Wenn es jetzt nur eine Angelegenheit wäre, in der ich das Gefühl habe irgendwie nicht zu genügen, dann wäre das eben so. Aber es sind zwei. Zwei. Bei den Soldaten im Regiment haben sich randständige Vorfälle ereignet und Gehabe eingeschlichen, welches ich so nicht akzeptieren kann. Vermutlich liegt es nicht mal an mir, sie haben nun einen neuen Oberst und wollen halt wissen wie weit sie gehen können. Das wissen sie nun. Ich habe eine eindeutige Ansprache gehalten und dazu einen schriftlichen Befehl erlassen. Nun heißt es Vogel friss oder Suppe. Im Gegesatz zu Sir Vaughain habe ich nämlich deutlich weniger Hemmungen zu degradieren und zu suspendieren.

Die zweite Angelegenheit, ist keine Angelegenheit sondern eine Person. Genauer gesagt die Person meines Knappens. Ohne dass es ihm bewusst ist, ist er auf dem Weg zu seinem Ritterschlag schon ziemlich weit fort geschritten. Und doch erscheint mir jeder Fortschritt in seinen Kampffähigkeiten fast wie ein Rückschritt zu sein. Es ist sein Umgang mit anderen und vor allem mit mir, der langsam scheuert wie ein Steinchen in meinem Stiefel. Ich wurde sogar schon darauf angesprochen, dass er im Dienst mir gegenüber nicht adäquat im Verhalten ist. Herumgekruschel im Lager, wenn ich das Wort an ihn richte. Herumgelaufe vor dem Antritt kreuz und quer, weil das heilige Lager ja gepflegt sein will ... Ein schleichender Prozess, den ich dienstlich nun mit der Axt beendet habe. Meine Worte waren leise, aber deutlich. Nichts an Lagertägigkeiten ist wichtig genug um das Stören eines Antrittes damit zu begründen, von entschulidgen kann nicht mal im Ansatz die Rede sen. Im Gegensatz zu der mahnenden Stimme, die mir das mitteilte witter ich dahinter kein offensives Verhalten des Mannes. Es ist eher ein Webfehler, den es zu korrigieren gilt. Der innere Zwang alles buchstabengerecht, genau und vollkommen richtig zu machen.

Es gibt kein Richtig.
Es gab nie ein Richtig.
Es gibt nur ein Falsch mit dem man Leben kann.

Wenn schon nicht mit Einsicht, dann eben durch Gewöhnung und Gehorsam. Für den letzten unangemessnen Redebreitrag in meine Richtung gab es Strafdienst. Ich wünsche ihm es gibt kein nächstes Mal.
Man schrumpft nicht, wenn man das Haupt neigt
Man vergibt sich nichts, wenn man einfach mal nett zu jemandem ist, egal wie sehr derjenige es verdient oder nicht. Recht zu bekommen bedeutet nicht Recht zu haben. Die Ehre gebietet uns, was das Recht durchaus versagt.
All diese Dinge hoffte ich Heinrik zu zeigen und vorzuleben. Ich hoffte, nun hoffe ich nicht mehr. Die Zeit im Kloster, die wohl Anfang Goldblatt liegen könnte, wird ein Wendepunkt sein. Für ihn und auch für mich. Erkenne ich meinen eigenen Funken dann nicht, kann ich ihn nicht öffentlich als meinen Knappen anerkennen. So viel bin ich mir inzwischen selbst schuldig, ebenso wie dem Stand der Ersten Schwerter.

Nach dem Donnerwetter ist eine relative Ruhe eingekehrt im Dienst. Wobei ich diese Ruhe ja für einen Frieden von Varuna halte. Ich verzeichne Zu- und Abgänge unter den Rekruten und es beginnt schon, dass einige Namen verblassen in meiner Erinnerung. Der jetzige Jahrgang scheint jedoch ein recht guter wieder zu sein. Alle paar Monate erlebe ich eine Welle von Rekruten, die sich zu brauchbaren Soldaten entwickelt. Eine solche Welle täte gut. Neben dem Bau einer Burg, den ich nun begleite und mit Tatkraft unterstützen werde, bin ich durchaus langsam in Stimmung den Alataris irgendetwas ordentlich kaputt zu machen. Vorzugsweise einige Köpfe einschlagen. Nicht zu viele Pläne. Ich muss alle Fäden in einer Hand halten können.

Ich werde im Alatner heiraten. Diakon Antorius - der nun auch Rekrut ist!- wird den Sir und mich dabei begleiten. Ich nehme an es hat hinter den Kulissen des Klosters ein ordentliches Tauziehen gegeben wer uns denn betreuen darf. Immerhin heiratet nicht jedes Jahr ein Baron!
Wir werden einen Kelch zusammen herstellen und jeder sein Gelübde schreiben. Ich wollte damit schon anfangen, jedoch fällt mir nur Unsinn ein. Dabei ist Unsinn doch das Resort des Sirs.

  • Ich gelobe nie Nachthemden zu tragen.
    Ich gelobe dir auf Treu und Glauben nie zu kochen, auf dass wir beide gesund alt werden.
    Ich verspreche dir nur noch jeden zweiten Monat in Schwierigkeiten zu geraten, jeden ersten Monat bist du dran.


Kann man doch alles nicht in ein öffentliches Gelöbnis hinein nehmen. Der Sir würde es zwar verstehen, denn all diese Worte sind wir, doch... nein... es soll richtig getan sein. Es ist schwer in Worte zu fassen, dass er der bessere Teil von mir ist, dass ich ohne ihn niemals ich selbst bin und dass jeder Tag mit ihm der beste meines Lebens ist.
So ringe ich um Worte, wo ich nur Farben und Wärme habe und doch wird es mir sicherlich gelingen. Im Notfall halte ich es wie immer bei wichtigen Reden - durchimprovisieren!

  • So gelobe ich bis das der Tod mich nimmt...

    Immer?
    Immer
    !

Verfasst: Donnerstag 3. November 2016, 11:12
von Helisande von Alsted
68. Eintrag

Mein Herz wird schwer, wenn ich den letzten Eintrag lese, bevor ich diesen hier verfasse. Dort war ich voller Vorfreude auf meine Hochzeit und versuchte noch die Gedanken an mein Eheversprechen zu fassen. Leider zwingen die Umstände mich und den Sir dazu die Hochzeit zu verschieben. Nicht weil wir uns nicht mehr einig sind oder uns entfremdet haben, es ist eher der Grundtonus unserer Einigkeit verantwortlich dafür.
Wir können erst dann diesen Schritt in eine gemeinsame Zukunft tun, wenn jene Zukunft gesichert ist. Die Burg sollte unser Heim werden und nun ruht die Arbeit daran. Das durch viel Arbeit gefestigte Bündnis mit den Kaluren, dessen Angelpunkt Berchgard ist steht durch die Verkettung ungünstiger Umstände auf der Kippe. Nicht von Seiten der Kaluren aus, leider ist es möglich, dass wir zu Schritten gezwungen werden, die wir aus Gehorsam gehen werden müssen. Nicht mit dem Herzen.
Doch bis diese, sich in der Schwebe befindliche Lage endgültig klärt wird alles ruhen und unsere Zukunft eben wieder einmal warten müssen. Es ist nichts Schlimmes am Warten, wir sind es gewohnt. Am 23. Eisbruch 260 werden es dann drei Jahre Warten, Kämpfen, Scheitern, Aufstehen und Weiterkämpfen sein. Auch dieser Zustand kann zu einer Gewohnheit werden.
Ich hoffe der Sir schafft es zu Sophias Trauerfeier wieder in Lichtenthal zu sein, ich rechne aber damit, dass er am nächsten Morgen wieder nach Wellenberg zurückreist. Sir Miracell liegt vermutlich im Streben, zumindest war dies mein Eindruck als ich Wellenberg verlies und mein Herz dort hin schickte.

Aber es ist nicht sinnvoll das Ende vor einen Beginn zu stellen. Wo doch der Mitteilteil an sich betrachtet eine gewisse Spannung aufweist. Es war schlicht an der Zeit, dass ich meine künftige Stieftochter endlich persönlich kennenlernte. Also fasste ich mir ein Herz und fuhr hin. Schiffe machen mir längst nicht so viel aus, wie dem Sir und die Windverhältnisse im Moment ermöglichen eine schnelle, wenn auch nicht ganz seegangarme Überfahrt (hoffentlich kommt er lebend hin und zurück!).

Ich kam an und betrachtete neugierig den Ort, den ich nur aus lebhaften Erzählungen kannte. Ein guter Ort um dort zu leben, die Menschen wirkten gesund, gut genährt und fröhlich. Ein merkwürdiges Gefühl so weit weg vom Krieg zu sein plötzlich. Doch meine Gewohnheiten mindestens immer eine Waffe griffbereit zu wissen und nie die Türen eines Raumes aus den Augen zu lassen, die werde ich wohl nie ablegen.
Ich betrat die Halle und stand drei Personen gegenüber. Ein schon leicht gebeugter, weißhaariger Mann, ein noch sehr junger und sehr aufrechter Recke und eine kleine und sehr zierliche und sehr junge Frau. Der weißhaarige Mann wirkte um gut zwei Jahre älter als Eluive, verfügte aber noch über diesen scharfen Falkenblick, den ich schon einige Male bei verdienten und weise gewordenen Kämpfern wahrnehmen konnte. Der jüngere Mann hatte noch die glatte Haut eines Knaben, keine sichtbaren Narben. Aber eine gute Bemuskelung und Körperspannung, gerade ein bisschen viel Körperspannung vielleicht. Seine Augen wirkten milde und noch vom Hauch jener Unschuld umflort, die mich auch an meinem Sir immer wieder gebannt hatte. Die junge Frau erwies sich bei nähere Betrachtung beinahe noch als Mädchen. Haltung und Kleidung ließen sie älter wirken, was wohl durchaus Absicht war. Ihre Augen trafen mich unvorbereitet, Farbe und Blick so vertraut und so offen. Marie ist eine Schönheit, voller Grazie und Anmut. Nichts an ihr scheint das Bild zu stören.
Noch in Reisekleidung vollzog ich eine Verneigung und sprach meine Grüße aus, es gelang mir jeden mit dem richtigen Namen zu belegen. Die Herren erwiederten den Gruß freundlich, Sir Miracell herzlich, der junge Ehemann eher zurückhaltend. Marie wirkte wie erstarrt, dann machte sie kehrt und rannte davon. Wir drei Hinterbliebenen blickten ihr wie vom Troll geküsst ratlos nach, Sir Miracell fasste sich als erstes wieder.

"Ihr seid nicht ganz das, was wir erwartet haben, Milady."

Wie es von mir erwartet wurde bewahrte ich die Haltung und versuchte die unangenehme Situation für beide Männer erträglicher zu gestalten. Wusste Temora allein, was mein Sir hier über mich so erzählt hatte und welches Bild hier von mir vorherrschte. Ich bin, was ich bin und ich war nun da.
Nach einer Erfrischung und dem Bezug meiner Kammer, gesellte ich mich wieder in den Wohnraum zu der kleinen Familie. Auch der Knappe Sir Phillips war nun anwesend und beäugte mich neugierig. Natürlich sprach er direkt eine Aufforderung aus, ob ich einmal Zeit finden würde gegen ihn zu kämpfen. Sein Ritter seufzte nur. Ich seufzte mit, ich habe selbst ein eigenes Päcklein an meinem Knappen zu tragen, ich konnte ihn sehr gut verstehen. Der Knappe wurde zurecht gewiesen und durfte das Sattelzeug nochmals putzen. Arbeit adelt.
Marie lies sich nicht blicken und hatte wohl auch jedes Gespräch mit ihrem Gatten und ihrem Onkel verweigert. Also entschuldigte ich mich bei den Herren und ging zu ihr. Natürlich stand ich erstmal vor verschlossener Tür. Nachdem ich dreimal höflichst angeklopft und um Einlass ersucht hatte, griff ich zum bewährten Mittel der Wahlmöglichkeit zurück.

"Marie Elisabetha von Wellenberg. Tür auf oder neue Tür, entscheide dich."

Die Tür wurde geöffnet und ich fand ein in sich geschrumpftes Mädchen vor. Sie war so alt wie ich, als ich beschloss mein eigenes Leben zu leben und meine eigenen Entscheidungen zu treffen und zu verantworten. Noch bevor ich irgendetwas beitragen konnte, brach ein Ausruf aus ihr hervor, der mich bis ins Mark traf.
"Warum bist du so schön? Er hat nie gesagt, dass du so bist. Warum hast du eine warme Stimme? Er hat nie gesagt, dass du so einschüchternd bist!"
Haltung!
Es geht nichts über anerzogene Haltung, außer vielleicht Verletzlichkeit zu sehen und zu achten, auch wenn man die eigene gut verbirgt. Erstmal verfrachte ich uns beide auf den Boden an den Kamin und reichte dem entsetzten Kind ein Glas Wasser. Dann versuchte ich herauszufinden, was bei Krathors modrigen Flügeln mein Sir überhaupt über mich hier hinterlassen hatte.
"Er sagt, dass du eine Kämpferin bist. Du hast ein großes Herz und würdest dich stets für alle anderen zurück stellen. Teilweise so sehr, dass du dich selbst vergisst. Er meinte, diese dunkle Farbe, die du trägst wäre ganz furchtbar und er hofft, dass sie bald heller wird. Du bist stark, sehr stark und sein Halt, wenn die Welt schwankt. Du bestehst aus Pflicht, Haltung und... Mocca. Was ist Mocca überhaupt? Ach und du behauptest Efeu zu sein und kannst ausgezeichnet mit Pferden umgehen. Ich kann auch gut reiten. ...
und dann... dann kommst du... so groß... so helle Haut, so warm leuchtendes Haar mit diesen Augen. Du hälst den Kopf so stolz und unnahbar. Ich habe so lange gebraucht und üben müssen, bis ich mich halbwegs adlig halten konnte und bei dir wirkt es... als wäre das nichts... du bist schön und ich kann dagegen nicht bestehen... ich bin so klein..."


Nachdem die Flut hervorgebrochen war, machte ich wohl ein so herrlich dämliches Gesicht, dass sie in Lachen ausbrach. Die fein gezeichnete Nase Maries krauste sich ein und sie schnaufte ganz und gar undamenhaft.

"... und jetzt sitzt du mit mir in feinen Kleidern auf dem Boden am Feuer und ich komme mir so dumm vor."

Ich nickte erstmal nur, dann rückte ich näher an das doch temperamentvolle Wesen heran.
"Marie, er liebt dich. Du wirst immer sein Mädchen sein."
"Wird er deine Kinder auch weg schicken?"
"Wenn wir Kinder haben und ich im Kindbett oder in der Schlacht bleibe, dann weden sie an einem sicheren Ort aufgezogen werden. Was wäre Liebe wert, wenn es einfach wäre?"
"Du kannst singen oder?
"Aye."
"Sing mir etwas vor."


Also sang ich. Allerdings nicht lange allein. Das Wiegenlied, das älter war als die gesamte Menschheit kannte auch Marie. So saßen wir dort auf dem Boden vor dem Kamin und sangen. Sie die Sopranstimme und ich den Alt. Ich klemmte mir sämtliche Ermahnungen über Benehmen und Haltung, die man von einer Stiefmutter erwarten konnte. Ich gab auch den beiden Männern zu verstehen, dass dies überflüssig war. Marie wusste sehr gut, was richtig und falsch war, was von ihr erwartet wurde. Nach diesem Abend verlief der Besuch auch recht harmonisch. Es stellt sich heraus, dass sie nicht nur Thelors Augen hatte, sondern auch seinen Humor und seinen Blick für Absurdes. Das kratzbürstige Temperament, die Singstimme und die Grazie allerdings mussten von Anetta stammen.

Ich fühlte mich wohl dort und Sir Miracell fand in mir ein dankbares Opfer für seine Schachkünste. Leider musste er feststellen, dass ich schnell lernte und keine Anfängerin war. Erste Partie verloren, zweite Partie Remis, die dritte gewann ich. Was die beiden jungen Leute zu bödem Grinsen veranlasste und mich verunsicherte. Dennoch würde ich nicht absichtlich verlieren, er würde das sowieso merken und dann knurrig werden.

Eines Abends jedoch erschien Sir Miracell nicht zum Abendessen. Sein Leibdiener alarmierte uns und es wurde nach einem Heiler geschickt. Der alte Mann konnte seine linke Seite nicht mehr bewegen und nur noch unverständlich sprechen. Der Heiler konstatierte einen sogenannten 'Schlag' - was auch immer das ist. Er machte keinen Hehl daraus, dass dies in Sir Miracells gesegnetem Alter vermutlich der Anfang vom Ende wäre. Er habe zwar schon Wunder erlebt, aber man solle sich nicht auf Wunder verlassen.
Ich verabschiedete mich also früher, reiste heim und verfrachtete den Sir direkt aufs Schiff. Hier war nun er gefragt. Abschied nehmen zu dürfen war ein Geschenk. Ich hoffe, dass er noch rechtzeitig eintreffen würde um genau das zu tun.


Nun bin ich hier und mein Herz ist fort. Eine liebe Feundin meinte, mein Herz würde zu mir zurückkehren noch bevor der erste Schnee fällt. Ich würde es mir wünschen...
Aber wie sagt man so als Soldat.. "Wünsch dir was in die linke und scheiß dir in die rechte Hand, dann guck mal welche zu erst voll wird!".
Als Zitat kann ich so was schreiben!
Sonst nicht.

Ich möchte so gern eine Winterbraut sein. Ich hoffe auf Frieden und Einsicht, das Besinnen auf den gemeinsamen Feind und Schnee!

Verfasst: Donnerstag 29. Dezember 2016, 17:28
von Helisande von Alsted
69. Eintrag

Der Bau der Burg ruht immer noch und ebenso zögerlich dümpeln die Vorbereitungen der Hochzeit daher. Wenigstens haben wir nun den Kelch gegossen und Janarey bearbeitet ihn für uns fertig. Ich drücke mich noch davor die nötigen weiteren Schritte in Angriff zu nehmen. Abwarten und Ruhe bewahren, das ist im Moment die Devise. Es gibt jedoch etwas, was weniger ruht und vermutlich auch nie ruhen wird und das ist die Ambivalenz meines Knappens. Ich habe ihm offiziell den letzten Unterricht erteilt, der im Allgemeinen so vorgesehen ist. Was nicht bedeutet, dass ich ihm nichts mehr beibringen sollte, kann und werde.

Heinrik ist und bleib ein zweischneidiges Schwert. Sir Vaughain hat ihn zum Knappen genommen und mir dann vermacht. Ich habe mich über die Ehre gefreut einen Knappen ausbilden zu dürfen, das sicherlich. Aber alles was man im Leben tut, fällt auch wieder auf einen zurück. Da ich selbst als Knappe und Offizier ein ungeheuer unbequemes Geschöpf bin, zahlte das Schicksal mir dies wohl in Gestalt meines Herren Knappen heim.

Heinrik ist stur, schwer führbar, zu alt, stur, halsstarig, stur, loyal, diskussionsfreudig, direkt, stur, reichstreu und kämpferisch. Ich bin an Jahren jünger als er und im Herzen doch milder, vielleicht machen mich die nächsten Jahre aber auch noch bitter. Man weiß es ja nicht. Heinrik jedoch war bitter und spröde. Allerdings sehe ich durchaus sein Wachsen in der Schale des Raubeins, das lieber stundenlang in der Mine oder am Tor seinen Dienst verrichtet als sich mit Höflichkeit abzugeben. Es sind bei ihm wahrlich nicht die großen Dinge, die die Änderungen zeigen. Man kann das Aufbegehren im Inneren, das eigene Streben nach der ungeliebten Veränderung teilweise benahe fühlen. Es muss für ihn unendlich schmerzhaft sein mit heiß geliebten und hitzig vertretenen Ansichten doch zu brechen. Manchmal stehe ich auch kurz vor der Schnappatmung wenn er wiieder seine alstedtschen Momente hat. Dann lässt er mich mitten in Befehl oder Frage stehen, weil er sich entweder nicht angesprochen fühlt oder etwas anderes just in seinen Kopf schießt. Oder er fängt eine unleidige Diskussion über "Die Unterordnung der Frau in der Etikette .. blabla... blablabla" an. Wobei letztere Ansätze seltener geworden sind. Vermutlich er hat es langsam wirklich verstanden, was die Formen der Wertschätzung zwischen den Ständen und den Geschlechtern sind und warum sie festgelegt sind. Kann auch sein, dass ich das Gefecht einfach nur durch Ausdauer gewonnen habe. Sei es drum.

Heinrik zeigt die kleinen, diskreten und goldenen Fähigkeiten eines Ritters im Umgang mit anderen. Er geleitet Damen Heim oder zu Terminen und er tut es von sich aus. Er verneigt sich anständig und behält seine robuste Art unter Kontrolle. Sogar das Vorstellen und Versorgen mit Getränken und Bequemlichkeiten übernimmt er mit scheinbar mühelosem Selbstverständnis. Ich weiß nicht ob dies noch jemand außer mir bemerkt. Ich bemerke es. AUch im Dienst drängt er jeden armen Rekruten dazu sich im Benehmen zu schulen und ja keine Fehltritte zu begehen. Er bleibt aufrecht, auch wenn andere einknicken oder den Überblick verlieren. Er hat seinen Frieden mit der Kirche gemacht. Endlich.

Die größten Sünder werden wohl doch die eifrigsten Prediger.

Leider hatte die Predigt da ein Ende, wo ich an sich nochmals eine Bestätigung wollte. Fjalon durfte damals mich aus der Orkkaverne retten. Kein Bereich der Ausbildung, der mit tiefem Ernst ausgestattet ist. Eher ein Einlassen auf den tief romantischen Kern, den das ritterliche Verhalten in Wort, Tat und Führung doch mit sich bringt.
Da habe ich mir ein schönes Ei selbst gelegt.
Der Sir hatte sich eine Freiherrin mit deren Einverständnis geraubt und in eine finstere Höhle geschleppt. Mein Knappe hatte nochmal seine Kenntnisse in stumpfen Waffen aufgefrischt und sollte die holde Maid retten. Die daraus erwachsende Katastrophe hatte durchweg menekanisches Gewürz in sich. Nicht nur, dass er mir mit meinem frühen Tode drohte, als er die Freiherrin erblickte - Nein! Er schacherte auf das albernste mit dem 'Unhold', schlug Tauschgeschäfte vor und benahm sich unsäglich. Wobei mein Ritter sich kein Stück besser betrug!
Also rettete ich die Holde und entschuldigte mich bei ihr.
Die beiden Männer durften sich dann noch gegenseitig vor einem Rudel Letharen retten. Wobei ich ihnen im ersten Moment durchaus eine Tracht Prügel gegönnt hätte. "In Lichtenthal heiratet man den Drachen und verkauft die Jungfrau".


Ich war absolut auf Krawall gebürstet als der Sir dann knapp den Blauhäuten entronnen heim kehrte. Doch diesmal kam ich nicht ansatzweise zum Toben, denn er wischte meine scharfe Kritik mit einer Handbewegung weg.
"Erinnere dich an uns. Erinnere dich daran wie oft du gegangen bist um nicht durch Worte oder Taten zu zeigen, was zwischen uns ist."
Langsam dämmerte mir da so Einiges. Da waren Anzeichen gewesen, die ganze Zeit. Merkwürdige Zufälligkeiten, die ich konsequent unter "endlich lernt er Etikette" abgehandelt hatte. Trotzdem hatte ich keine Lust den Sir vom Haken zu lassen. Immerhin war er auf diese Groteske ganzheitlich mit eingestiegen.
"Sie dürfen es nicht zeigen. Genauso wenig wie wir es durften."
Meine Beharrlichkeit lies nach. Im Grunde war dieses vollkommene kastieren der ritterlichen Abschlussromanze der einzige Weg gewesen alle Gesichter, bis auf meines halbwegs zu wahren. Immerhin hatte ich ja die behämmerte Idee gehabt.

Allerdings stand meine Entscheidung nun fest. Heinrik war mein erster Knappe und er würde ebenso mein letzter sein. Ich habe nun seine Knappenakte Seine Majestät vorgelegt und erwarte im neuen Jahr die Entscheidung. Es wird keine Rolle mehr spielen wie viele Unterrichte wir noch nachholen oder vertiefen müssen und ob und wann überhaupt. In den tiefen seiner Seele ist Heinrik Alsted ein Ritter.
Stur.
Aufrecht.
Loyal.
Er wird zwar ebensowenig wie ich eine Vorlage für Minnegesänge und schmachtende Kleinmädchenphantasien sein. Aber er wird diesem Reich dienen bis in den Tod und das ohne sich dem Widerstand jemals zu beugen oder in alberne Standesdünkel zu verfallen. Ritter die das tun verschwinden nämlich ganz schnell von der Bildfläche. Sie demontieren sich gekonnt selbst.

So warte ich nun auf drei Dinge.
Burg
Hochzeit
Sir Heinrik

Warten und Beten. Das Los der Weiber überall.

Verfasst: Dienstag 10. Januar 2017, 21:03
von Helisande von Alsted
70. Eintrag


Nun war es passiert. Es hatte so richtig gerappelt zwischen dem Sir und mir. Leider nicht unter vier Augen sondern in der Vorstufe der Zündung in Gesellschaft der Candidata Tiefenbruch und des Herrn Hasenpfote. Es begann irgendwie ganz harmlos und wurde dann bissig. Gut zugegeben, ich wurde bissig. "Nenn mir einen Termin für die Hochzeit"
"17. Alatner."
Es war mit mir wirklich durchgegangen. Nicht, dass ich laut gezankt hätte oder geheult oder sonstigen weibischen Kram veranstaltet, das nun gewiss nicht. Ich fühlte wie mir die Hitze der Empörun ins Gesicht schlug und ich Abkühlung brauchte. Wie passend, dass es draußen so herrlich frostig war.
Der 17. Alatner war mir schwer genug gefallen. Der Tag hätte eigentlich unser Hochzeitstag sein sollen. Aber wie es in meinem Leben nun mal so ist, die Pläne halten nicht den ersten Feindkontakt. Thelor hatte mich an diesem Tag abgelenkt und dennoch hatte er sich in mich hinein gefressen.
Die Burg stand nicht, es war wichtig einen gemeinsamen Haushalt zu haben und immerhin mussten wir unseren Stand wahren.
Aber ER kam mir mit dieser blöden Antwort, als ich endlich einen Termin von ihm wissen wollte. Diesmal war mir wirklich die Haltung abhanden gekommen, Schande über mich. Meine einzige Rettung war meine Schatzkiste. Eine Truhe voll mit Erinnerungen, kleinen Geschenken und Briefen. Ich bewahre sie alle darin sorgsam auf und sie halten mich aufrecht.
Es gibt keinen Zweifel an der Liebe.
Es gibt keinen Zweifel an der Zusammengehörigkeit.
Es gibt keinen Zweifel an ihm.
Aber ich zweifel an der Zeit.


Diese Exkursion nach Varuna, die die beiden Diakone in der Begleitung des Regimentes unternahm hatte irgendetwas in mir losgelöst. Die Erkenntnis meiner eigenen Endlichkeit womöglich, oder schlicht diese Trostlosigkeit des verfallenen Ortes. Ich weiß es nicht.
Die Geweihten jedoch fanden eine Schriftrolle mit einem alten Gebet und noch etwas anderes wohl. Doch über den Fund der Diakonin Hohenhain war ich nicht im Bilde. Nur dass es anstrengend für alle gewesen war. Die beiden Diakone und ihre direkten Wächter - Wachtmeister Alsted und Salberg hatten einen Eingang zu einer Art Schrein oder versunkenem heiligen Ort gefunden und dort Dinge geborgen.

Ich hatte dafür gesorgt, dass die beiden Wachtmeister, die auch zufällig Knappen waren bei dieser Aufgabe die Diakone unterstützen würden. Ob dies für beide Seiten zufriedenstellend verlief, wage ich noch nicht zu beurteilen. Was ich jedoch beurteilen kann und will, das ist meine eigene Lage. Wir standen Wache vor dem Eingang der Höhle auf einem alten Platz und das bei schneidender Kälte. Seltsame Bilder schossen mir in den Kopf und prägten sich dort fest und unverrückbar ein.Ich sah den Regimentsplatz von Varuna, so wie er einst gewesen war. Die Gebäude, ich vermeinte fast Geräusche von Soldaten vernehmen zu können. Gleichsam fühlte ich mich dabei wie ein Geist. Wie ein Gespenst aus der verwunschenen Zukunft oder war es ein Atem der Vergangenheit?

Wie ich es gelernt hatte, versuchte sich diese Illusion zu brechen und es scheint mir in dem Moment gelungen. Doch spüre ich immer noch diese eisige Kälte in mir.Ich schlafe schlecht und träume wirr. Doch die Träume lassen sich von mir im Moment nicht fassen. Doch dies kann auch mit meiner persönlichen Lage zusammenhängen.

So ungern ich es zugebe: Ich wär langsam wirklich gern verheiratet.

Verfasst: Dienstag 21. März 2017, 16:28
von Helisande von Alsted
71. Eintrag

So komme ich auf der letzten Seite dieses Buches an. Dick und reich gefüllt mit meinen sehr persönlichen Erinnerungen und Ansichten ist es. Wenn ich die Seiten zurückblättere zu seinem Beginn hin, so finde ich einen Wildfang auf dem Weg zur Frau. Ich finde Träume, Hoffnungen, Enttäuschungen - aber auch klare Entschlossenenheit, Ehre und Treue. Ich finde dort mich. Die Helisande aus Marsbergen, die in Lichtethal ankam um Soldatin zu sein. Das Mädchen, dass sich über ein Kleid freute und doch reute nicht als Junge geboren zu sein.
Ich finde die Knappin mit tiefem Zorn und Wissen um Verlust und Härte im Herzen. Sturheit und das Verschieben jeder Grenze, die nur um einen Jota nachgiebig erscheint. In diesem Buch ist auch der Ritter gewachsen. Ich schreibe absichtlich 'der Ritter", ich konnte dieses Pochen auf Geschlechtskram eh noch nie ausstehen und wurde zu oft daran gemessen.
Kein Ritter voller Romantik oder Heldenmut. Ein Ritter und Offizier, der im Dienst zu folgender Erkenntnis gelangt ist:

  • Es gibt Zeiten in denen du nach bestem Wissen und Gewissen alles richtig machst. Du verlierst trotzdem.

Dieses unwillkommene Wissen anzunehmen und zu akzeptieren war das Schwerste bisher. Ich werde weiterhin Fehler und Tode zu verantworten haben. Ich werde siegen und scheitern. Beides mit Stolz, beides mit erhobenem Haupt und beides für das Reich. Nur aufgeben werde ich wohl nie...


Die Zeiten der Alpträume sind verstrichen. Gnaden Antorius hat uns auf seine eigene Art wieder gerettet und wurde von der Herrin zum Priester erwählt. Gleiches gilt für Hochwürden Hohenhain. So ambivalent unsere Annhäherung bisher auch war, auf lange Sicht betrachtet ist sie mir eine Stütze, Maßstab und ein Vorbild. Ich glaube das sollte ich ihr irgendwann auch sagen. Ich werde am 25. Lenzing 260 heiraten. Mein Kleid ist wundervoll und ich schwebe auf einer Wolke aus Dankbarkeit für die vielen rührigen Hände, die meinen Schleier zu meinem Schleier gemacht haben. Ich konnte kaum mitzählen wie viele Damen dort erschienen sind und wie viele sich noch entschulidgen ließen und in den Folgetagen noch sticken wollten. Sogar die Esra des Reiches der Sonne rückte mit einer Armee aus Blüten an um mich zu segnen und um mir zu raten.

  • So bin ich nun als Braut gesegnet und mit Rat versehen.
    Es ist an mir nun für meinen Gatten, mein Reich und mein Volk ein Segen und Rat selbst zu sein.


Diese Mahnung habe ich auch von Seiner Exzellenz, dem Hofkanzler Anselm von Eulenburg erfahren. Ich bat ihn um ein Gespräch bezüglich einiger verdeckter Operationen. Im Grunde war es mehr als überfällig, dass der Singvogelschwarm von der Kanzelei und Seiner Majestät erkannt und vermerkt wird. Diese Arbeit habe ich nämlich durchaus nicht ausschließlich zu meinem eigenen Vergnügen auf mich genommen. Obwohl zu einem großen Teil schon.
Der Standpunkt der Kanzelei ist klar, ebenso wie meiner. Und doch muss ich mich insgeheim in Dankbarkeit neigen. Seine Exzellenz ist im Recht mich zu mahnen meinen Schild von Flecken frei zu halten. Undenkbar wäre der Schaden an Ritterschaft und Reich, sollte seine Majestät sich gezwungen sehen mich öffentlich zu maßregeln. Diese Mahnung war väterlich und ich will sie so aufnehmen. Aus dem Alter der absichtlichen Auflehnung gegen Autoritäten bin ich mittlerweile einen Ritterschlag heraus. Somit werde ich nun genauer abwägen, was ich tue und wie ich es tue. Diskretion erscheint mit das Wort des Standes zu sein, den ich gewählt habe.
Auch wenn die Worte, die ich Seiner Exzellenz gegenüber fand, die Wahrheit waren und ich im Grunde eher versehentlich Knappe und Ritter wurde (hier würde mein Sir mir nun widersprechen und mein eigener Knappe auch!), so sehr bin ich nun Ritter. Es ist ein Teil meiner Selbst geworden und keiner, den ich noch missen will.

Ich habe gelernt zu vergeben.

Eine Lehre, die mein Knappe hoffentlih auch noch selbst erfährt. Vermutlich wie ich erst nach seinem Ritterschlag, der nach der Hochzeit terminiert wird. Ich habe ihn in die Nähe des Volkes gestoßen, denn dieses müssen wir schützen und nicht in Bestimmungen und Paragraphen aufgehen. Zudem habe ich ihn vermutlich zum Vater gemacht .... Das liest sich bei näherer Betrachtung ungeheuer falsch.
Fürs Protokoll - ich bin nicht schwanger!
Aber Heinrik wird Vater. Er adoptiert ein Mädchen von ungefähr 11 Jahren. Mein Stand wird ab der Hochzeit zu hoch sein um ein bürgerliches Kind aufzunehmen. Er schafft Tatsachen vor seinem Stand.

Thelor geht in den Hochzeitsvorbereitungen auf. Wenn ich seine Kleinlichkeit Arenvir von Kronwalden richtig verstanden habe, dann ist mein Verlobter morgen erstmal nicht geschäftsfähig. Die beteiligten Herren können sich allerdings auf Ärger einstellen, wenn er am Hochzeitstag nicht geschäftsfähig ist.
Heute und Morgen flüchte ich mich in den Dienst und ordne meine Dinge. Die beiden letzten Tage vor der Hochzeit verbringe ich im Kloster. Dort werde ich sicherlich Muße zum tieferen Nachdenken finden. Ich muss noch zwei Briefe schreiben, die ich schon lange aufschiebe.
Mariella von Dornwald und Vaughain von Nordwind gehören noch persönliche Zeilen gewidmet. Auch abwesende Helden sind und bleiben Helden.


Ich brauche noch Janarey für meinen Brautstrauß.
Das wird ein Spaß!