Verfasst: Dienstag 18. Juni 2013, 13:09
Vernunft. Verwirrung. Verzweiflung.
Verdammung.
Ich sah ihm entgegen. Er verbarg etwas vor mir, das zeigte allein die Haltung seines Gesichts. Er war komplett verhüllt, die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Was bei allem in der Welt war passiert? Er wich mir aus, meinem Blick, meinen Fragen. Als ich ihn bat, mich anzusehen, wendete er sich mir zu, allerdings mit gesenktem Haupt, was die Kapuze tief in sein Gesicht sinken ließ und ein tiefer Schatten sich darüber legte. Ich schob meine Hände zwischen Kapuze und Gesicht. Und was ich sah, schockierte mich zunehmend. Er hatte mit Zafer über alles geredet. Über... alles. Und das hatte er als Belohnung darauf kassiert. Ich fühlte mich hilflos und so schuldig. Immerhin war ich geblieben, ich war in seinem Arm eingeschlafen, weil es sich gut angefühlt hatte. Ich sah zu Gassur, ich wollte zu Zafer. Es musste gerecht sein. Wenn er Gassur ein blaues Auge verpassen konnte, dann sollte ich mindestens das Gleiche erfahren. Als ich zurück rutschen wollte, hielt er mich fest. Er wollte nicht, dass ich Zafer aufsuchte. Er wollte nicht, dass Zafer mir irgendetwas tat. „Falls ich dich mit einem Veilchen oder sonst etwas sehen muss, werde ich ihm dies mehrfach zurückzahlen.“, ich musste ihm versprechen, Zafer in den nächsten Tagen nicht alleine zu sehen. Nicht ohne ihn.
Was auch immer er mir sagte, wie sehr er mich auch besänftigen wollte: mein Gewissen plagte mich. Wäre ich nicht, wäre es nie soweit gekommen. Ich sah ihm wieder entgegen. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie ich mich fühlte. „Wärst du nicht würde ich immer noch ohne Sinn durch das Land ziehen.“ - aber welchen Sinn konnte ich haben, wenn ich ihn nur zu Unsinn trieb? Und ihm dadurch Schmerz und Leid zufügte? Er beteuerte, dass er durch seine Fragerei alles noch viel schlimmer gemacht hatte. Fragen, die er nicht hätte fragen dürfen. Fragen, die ihm im derzeitigen Zustand nicht einmal in den Sinn hätte kommen dürfen. Fragen, die uns betrafen. Er wollte nicht mehr sagen, aber in der Hinsicht kannte er mich einfach noch viel zu schlecht. Ich sagte ihm, dass ich ihm gerade mein unverhülltes Gesicht anvertraute. Ich sagte ihm, dass er mich früher oder später heiraten würde. Er erwiderte daraufhin, dass er genau das mehr denn je wolle. Und er wiederholte die Frage, die er Zafer stellte. Wie es wäre, wenn wir uns küssen würden, war eine der vielen Fragen. Ich war nicht wirklich überrascht davon. Ich war bereits verheiratet gewesen, ich wusste, was eine Ehe bedeutete. Dennoch erkundigte ich mich nach der Antwort Zafers. „Wie soll ich es sagen... sieh in mein Gesicht.“ - Das sollte also die Antwort darauf gewesen sein. Ich schüttelte den Kopf. Nein, ein Kuss fühlte sich so viel schöner an als ein blaues Auge. Ich sah ihm wieder entgegen und mein schlechtes Gewissen holte mich erneut ein. Es war so unbeschreiblich, was diese Situation in mir auslöste. Er tat mir so leid, so furchtbar leid und ich hasste mich dafür. Für all das, was ich ihm antat. Nicht nur diese merkwürdige Situation zwischen uns, nein. Er musste wegen mir auch noch all das einstecken. Und das nur... weil ich egoistisch war. Ich war so hilflos, wie ich dort saß und nichts tun konnte. Ich wollte ihn umarmen, aber ich wollte ihm nicht noch mehr Ärger bereiten. Als ich ihm dies sagte, legte er seine Arme um mich. Und ich meine um ihn. Ich fühlte mich in diesem Moment wieder geborgen. Und all die Verzweiflung ließ für diesen Moment von mir ab. Und ich wusste wieder einmal mehr, warum ich ihm vertrauen konnte. Warum er hier war. „Ich muss dir auch noch etwas gestehen. Und es wird dich nicht freuen.“, sprach ich leise und ich wusste, wenn ich ihm davon erzählen würde, dass ich alleine hinter der Gebirgskette war, er würde toben. Aber stattdessen wurde er vollkommen emotionslos. „Warum? Bist du deines Lebens satt? - Ich bin es nicht.“
Ich wusste nicht, wie ich mit dieser Reaktion umgehen sollte. Es tat mir so unendlich leid, ihn enttäuscht zu haben, ich wich erschrocken zurück. Ich wollte ihn nicht verärgern, ich war mir nur immer noch nicht so recht darüber im Klaren, dass es wieder jemand gab, der auf mich achtete. Dem ich wichtig war. Er sah mich wieder an und ich spürte, dass ihm sein schroffer Ton gleich wieder Leid tat. „Ich bitte dich nur zur Vorsiht. Was soll ich ohne dich denn tun?“ Ich zählte ihm auf diese Frage hin auf, dass er auch ohne mich weiterhin für seine Familie da sein würde. Und für die Stadt. Es würde ihm ohne mich aber nicht mehr gelingen. Er hatte mich, wie hatte er es ausgedrückt?, zu schätzen gelernt. Würde er es jemals schaffen mich zu lieben? Ich wollte ihn genau das fragen, aber... ich konnte nicht. Ich konnte einfach nicht.
„Wie soll es nun weitergehen?“
Wenn ich das wüsste. Alles, was ich in der Hinsicht sagen würde, wäre falsch. Ich antwortete ihm auf seine Frage ganz professionell: Er würde mit Zafer zu Saman gehen und hoffen müssen, dass er einen erträglichen Preis für mich nennen würde. Dann würden wir, wenn alles gut ging, feiern können. Er würde den Brautpreis sammeln, wir würden uns weiter kennenlernen. Weiter Zeit miteinander verbringen. Irgendwann würden wir dann noch zu Nazeeya gehen müssen wegen der Zeremonie. Und bis dahin hätten wir Zeit aneinander und miteinander zu wachsen, uns aneinander zu gewöhnen. Das war das, was ihm jeder gesagt hätte, wie es weitergehen sollte. „aber wenn du mich direkt fragst, wie ich mir wünsche, dass es weitergehen soll...“
Ich sprach weiter und weiter. Ich war so verwirrt von alledem. Von ihm, von mir, von uns. Von der Situation und wie sie sich entwickelt hatte. Umso weiter ich sprach, desto mehr spürte ich diese Zerrissenheit meiner Gedanken und meiner Gefühle. Ich spürte diesen inneren Kampf von Herz und Verstand. Ich spürte, wie er seine Hände an meine Wangen legte und ich musste meine Augen schließen. Aus Verzweiflung, aus Angst, aus alldem, was sich Verwirrung nannte. Wie konnte es sein, dass er all das in mir auslöste? Wie nur? Wie hatte er es nur geschafft, meine Welt so durcheinander zu bringen? Auf diese... positive Art und Weise. Ich spürte, dass er sich mir näherte. Und niemand, wirklich niemand auf ganz MenekUr, hatte sich in dem Moment auch nur im Ansatz vorstellen können, was in mir vorging. Das Blut raste nur noch durch meine Adern und benebelte meine Sinne. Das Herz in meiner Brust begann zu rasen, der Puls schnellte in Windeseile empor. Und was sich durch meinen letzten Schritt so schön angefühlt hatte, zerstörte im Nachhinein so viel. Ich bemerkte, wie er zurück zuckte. Dann jedoch spürte ich das sanfte Streicheln meiner Wange. Und dieser kurze, intensive Moment endete abrupt. Das rasende Blut in meinen Adern beruhigte sich immer noch nicht. Er sprang auf und ich bemerkte erst jetzt, was passiert war. Und dabei wollte ich ihn nicht noch einmal in eine solche Situation bringen. Er hielt sich krampfartig am Regal, ich fürchtete schon, er würde es umreißen, weil seine Knie irgendwann nachgeben würden. Vorsichtig streckte ich die Hand nach ihm aus. Im Stehen würde die Situation nun auch nicht besser werden. Gassur entschuldigte sich eintausend Mal bei mir. Aber ich wusste nicht, wofür. Den letzten Schritt war ich gegangen. Doch das wollte er nicht einsehen. Wie immer nahm er all die Schuld auf sich. Ich resignierte innerlich. Er würde mich auch weiterhin beschützen und lieber alles auf sich nehmen. Bedauerlich, dass er da die Rechnung nicht mit mir gemacht hatte. Denn ich wollte nicht, dass ihm noch einmal so etwas zustoßen würde. Ich sagte ihm, wenn er all das vor Zafer wieder auf sich nehmen würde, ich würde hingehen und ihm bei allem, was mir lieb war, schwören, dass es dieses Mal definitiv mein Verschulden war. Meines allein. „Nein, ein paar Schläge oder sonst etwas ist erträglich. Aber dir sollte er nichts tun. Du bist das Beste für mich. Aber ich würde nun gerne gehen, ansonsten werden wir morgen wahrscheinlich beide ausgepeitscht.“
Ich wollte ihn nicht verlieren. Ich hatte gerade begonnen, all das zuzulassen, wogegen ich so sehr kämpfte. Ich fing an, in ihm weitaus mehr zu sehen als nur einen Freund. Ich fing an... Gefühle für ihn zu entwickeln. Nein, ich fing nicht damit an. Ich steckte mittendrin. Er durfte dieses Mal unter keinen Umständen mit Zafer reden. Unter keinen. Er durfte ihm nicht wieder etwas tun. Das würde ich nicht noch einmal aushalten. Ich brachte ihn zur Tür und wir umarmten uns. Dann ging er. Und ich war allein mit all meiner eigenen Wut, der Verwirrung, den brennenden Lippen und dem rasenden Blut in meinen Adern.
Verdammung.
- Die Hände liegen still vor meinem Gesicht und verbergen meine Züge.
Züge, die zerrissen und voller Reue durch die dunkle Nacht blicken –
wären da nicht die Hände.
Zitternd nehme ich die Hände in Richtung meiner Wangen und bette sie dort.
Meine Wangen glühen. Und nicht nur die. Meine Lippen brennen.
Dieser zuckersüße Geschmack des Verbotenen liebkoste sich mit tiefer Verzweiflung.
Und Verwirrung. Ich weiß gar nicht, wohin zuerst mit all meinen Gedanken.
Ich zerbreche innerlich.
- Die Hände liegen still vor meinem Gesicht und verbergen meine Züge.
Ich sah ihm entgegen. Er verbarg etwas vor mir, das zeigte allein die Haltung seines Gesichts. Er war komplett verhüllt, die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Was bei allem in der Welt war passiert? Er wich mir aus, meinem Blick, meinen Fragen. Als ich ihn bat, mich anzusehen, wendete er sich mir zu, allerdings mit gesenktem Haupt, was die Kapuze tief in sein Gesicht sinken ließ und ein tiefer Schatten sich darüber legte. Ich schob meine Hände zwischen Kapuze und Gesicht. Und was ich sah, schockierte mich zunehmend. Er hatte mit Zafer über alles geredet. Über... alles. Und das hatte er als Belohnung darauf kassiert. Ich fühlte mich hilflos und so schuldig. Immerhin war ich geblieben, ich war in seinem Arm eingeschlafen, weil es sich gut angefühlt hatte. Ich sah zu Gassur, ich wollte zu Zafer. Es musste gerecht sein. Wenn er Gassur ein blaues Auge verpassen konnte, dann sollte ich mindestens das Gleiche erfahren. Als ich zurück rutschen wollte, hielt er mich fest. Er wollte nicht, dass ich Zafer aufsuchte. Er wollte nicht, dass Zafer mir irgendetwas tat. „Falls ich dich mit einem Veilchen oder sonst etwas sehen muss, werde ich ihm dies mehrfach zurückzahlen.“, ich musste ihm versprechen, Zafer in den nächsten Tagen nicht alleine zu sehen. Nicht ohne ihn.
Was auch immer er mir sagte, wie sehr er mich auch besänftigen wollte: mein Gewissen plagte mich. Wäre ich nicht, wäre es nie soweit gekommen. Ich sah ihm wieder entgegen. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie ich mich fühlte. „Wärst du nicht würde ich immer noch ohne Sinn durch das Land ziehen.“ - aber welchen Sinn konnte ich haben, wenn ich ihn nur zu Unsinn trieb? Und ihm dadurch Schmerz und Leid zufügte? Er beteuerte, dass er durch seine Fragerei alles noch viel schlimmer gemacht hatte. Fragen, die er nicht hätte fragen dürfen. Fragen, die ihm im derzeitigen Zustand nicht einmal in den Sinn hätte kommen dürfen. Fragen, die uns betrafen. Er wollte nicht mehr sagen, aber in der Hinsicht kannte er mich einfach noch viel zu schlecht. Ich sagte ihm, dass ich ihm gerade mein unverhülltes Gesicht anvertraute. Ich sagte ihm, dass er mich früher oder später heiraten würde. Er erwiderte daraufhin, dass er genau das mehr denn je wolle. Und er wiederholte die Frage, die er Zafer stellte. Wie es wäre, wenn wir uns küssen würden, war eine der vielen Fragen. Ich war nicht wirklich überrascht davon. Ich war bereits verheiratet gewesen, ich wusste, was eine Ehe bedeutete. Dennoch erkundigte ich mich nach der Antwort Zafers. „Wie soll ich es sagen... sieh in mein Gesicht.“ - Das sollte also die Antwort darauf gewesen sein. Ich schüttelte den Kopf. Nein, ein Kuss fühlte sich so viel schöner an als ein blaues Auge. Ich sah ihm wieder entgegen und mein schlechtes Gewissen holte mich erneut ein. Es war so unbeschreiblich, was diese Situation in mir auslöste. Er tat mir so leid, so furchtbar leid und ich hasste mich dafür. Für all das, was ich ihm antat. Nicht nur diese merkwürdige Situation zwischen uns, nein. Er musste wegen mir auch noch all das einstecken. Und das nur... weil ich egoistisch war. Ich war so hilflos, wie ich dort saß und nichts tun konnte. Ich wollte ihn umarmen, aber ich wollte ihm nicht noch mehr Ärger bereiten. Als ich ihm dies sagte, legte er seine Arme um mich. Und ich meine um ihn. Ich fühlte mich in diesem Moment wieder geborgen. Und all die Verzweiflung ließ für diesen Moment von mir ab. Und ich wusste wieder einmal mehr, warum ich ihm vertrauen konnte. Warum er hier war. „Ich muss dir auch noch etwas gestehen. Und es wird dich nicht freuen.“, sprach ich leise und ich wusste, wenn ich ihm davon erzählen würde, dass ich alleine hinter der Gebirgskette war, er würde toben. Aber stattdessen wurde er vollkommen emotionslos. „Warum? Bist du deines Lebens satt? - Ich bin es nicht.“
Ich wusste nicht, wie ich mit dieser Reaktion umgehen sollte. Es tat mir so unendlich leid, ihn enttäuscht zu haben, ich wich erschrocken zurück. Ich wollte ihn nicht verärgern, ich war mir nur immer noch nicht so recht darüber im Klaren, dass es wieder jemand gab, der auf mich achtete. Dem ich wichtig war. Er sah mich wieder an und ich spürte, dass ihm sein schroffer Ton gleich wieder Leid tat. „Ich bitte dich nur zur Vorsiht. Was soll ich ohne dich denn tun?“ Ich zählte ihm auf diese Frage hin auf, dass er auch ohne mich weiterhin für seine Familie da sein würde. Und für die Stadt. Es würde ihm ohne mich aber nicht mehr gelingen. Er hatte mich, wie hatte er es ausgedrückt?, zu schätzen gelernt. Würde er es jemals schaffen mich zu lieben? Ich wollte ihn genau das fragen, aber... ich konnte nicht. Ich konnte einfach nicht.
„Wie soll es nun weitergehen?“
Wenn ich das wüsste. Alles, was ich in der Hinsicht sagen würde, wäre falsch. Ich antwortete ihm auf seine Frage ganz professionell: Er würde mit Zafer zu Saman gehen und hoffen müssen, dass er einen erträglichen Preis für mich nennen würde. Dann würden wir, wenn alles gut ging, feiern können. Er würde den Brautpreis sammeln, wir würden uns weiter kennenlernen. Weiter Zeit miteinander verbringen. Irgendwann würden wir dann noch zu Nazeeya gehen müssen wegen der Zeremonie. Und bis dahin hätten wir Zeit aneinander und miteinander zu wachsen, uns aneinander zu gewöhnen. Das war das, was ihm jeder gesagt hätte, wie es weitergehen sollte. „aber wenn du mich direkt fragst, wie ich mir wünsche, dass es weitergehen soll...“
Ich sprach weiter und weiter. Ich war so verwirrt von alledem. Von ihm, von mir, von uns. Von der Situation und wie sie sich entwickelt hatte. Umso weiter ich sprach, desto mehr spürte ich diese Zerrissenheit meiner Gedanken und meiner Gefühle. Ich spürte diesen inneren Kampf von Herz und Verstand. Ich spürte, wie er seine Hände an meine Wangen legte und ich musste meine Augen schließen. Aus Verzweiflung, aus Angst, aus alldem, was sich Verwirrung nannte. Wie konnte es sein, dass er all das in mir auslöste? Wie nur? Wie hatte er es nur geschafft, meine Welt so durcheinander zu bringen? Auf diese... positive Art und Weise. Ich spürte, dass er sich mir näherte. Und niemand, wirklich niemand auf ganz MenekUr, hatte sich in dem Moment auch nur im Ansatz vorstellen können, was in mir vorging. Das Blut raste nur noch durch meine Adern und benebelte meine Sinne. Das Herz in meiner Brust begann zu rasen, der Puls schnellte in Windeseile empor. Und was sich durch meinen letzten Schritt so schön angefühlt hatte, zerstörte im Nachhinein so viel. Ich bemerkte, wie er zurück zuckte. Dann jedoch spürte ich das sanfte Streicheln meiner Wange. Und dieser kurze, intensive Moment endete abrupt. Das rasende Blut in meinen Adern beruhigte sich immer noch nicht. Er sprang auf und ich bemerkte erst jetzt, was passiert war. Und dabei wollte ich ihn nicht noch einmal in eine solche Situation bringen. Er hielt sich krampfartig am Regal, ich fürchtete schon, er würde es umreißen, weil seine Knie irgendwann nachgeben würden. Vorsichtig streckte ich die Hand nach ihm aus. Im Stehen würde die Situation nun auch nicht besser werden. Gassur entschuldigte sich eintausend Mal bei mir. Aber ich wusste nicht, wofür. Den letzten Schritt war ich gegangen. Doch das wollte er nicht einsehen. Wie immer nahm er all die Schuld auf sich. Ich resignierte innerlich. Er würde mich auch weiterhin beschützen und lieber alles auf sich nehmen. Bedauerlich, dass er da die Rechnung nicht mit mir gemacht hatte. Denn ich wollte nicht, dass ihm noch einmal so etwas zustoßen würde. Ich sagte ihm, wenn er all das vor Zafer wieder auf sich nehmen würde, ich würde hingehen und ihm bei allem, was mir lieb war, schwören, dass es dieses Mal definitiv mein Verschulden war. Meines allein. „Nein, ein paar Schläge oder sonst etwas ist erträglich. Aber dir sollte er nichts tun. Du bist das Beste für mich. Aber ich würde nun gerne gehen, ansonsten werden wir morgen wahrscheinlich beide ausgepeitscht.“
Ich wollte ihn nicht verlieren. Ich hatte gerade begonnen, all das zuzulassen, wogegen ich so sehr kämpfte. Ich fing an, in ihm weitaus mehr zu sehen als nur einen Freund. Ich fing an... Gefühle für ihn zu entwickeln. Nein, ich fing nicht damit an. Ich steckte mittendrin. Er durfte dieses Mal unter keinen Umständen mit Zafer reden. Unter keinen. Er durfte ihm nicht wieder etwas tun. Das würde ich nicht noch einmal aushalten. Ich brachte ihn zur Tür und wir umarmten uns. Dann ging er. Und ich war allein mit all meiner eigenen Wut, der Verwirrung, den brennenden Lippen und dem rasenden Blut in meinen Adern.