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Zuckerbrot und Peitsche

Verfasst: Samstag 18. Juni 2011, 18:58
von Niowe Adela Aireth
17. Schwalbenkunft 254

Ich bin nach dem Vorfall mit meinem Sire zu folgendem Entschluss gekommen:
1. Nie mehr das rote Kleid anziehen, weil das scheint ihn im höchsten Maße aufzubringen, wie ein rotes Tuch bei einem Stier. Wobei den gegenteiligen Effekt scheint es bei anderen Herren zu haben, die es sichtlich mit Bewunderung betrachten.

2. Ich sollte alles offen sagen, meinte mein Sire. Wenn ich es tue, dann setzt es was, wenn ich es nicht tue, ist er empört und mein ich hätte kein Vertrauen. Also.....hm. Am besten ich sage weiterhin die Wahrheit unter dem Aspekt von Punkt 1, und warte ab was da kommt.
Den Tiegel mit der guten kühlenden Salbe habe ich ja für derartige Notfälle noch. Männer wie mein Sire sind schon sehr kompliziert. Ich frage mich woran das liegen mag? Am Alter? Wobei Micheil war älter als er, sah zwar wesentlich jünger aus, was wohl in unseren Genen zu liegen scheint. Verwirrend ist es dennoch. Vielleicht liegt es daran, dass mein Sire einfach eben völlig anders ist, und man sich eigentlich nicht den Kopf darüber zerbrechen sollte. Jedenfalls habe ich mir das nun vorgenommen und noch etwas anderes:
3. Keinem Menschen ins Gesicht zu schlagen! Das ist mein Weg und zu dem stehe ich.
4. Ich achte weiterhin meinen Sire, denn so übel ist er gar nicht, außerdem ist er mein Vormund und ehrlich gesagt ist er weiterhin noch einer der edelsten und aufrichtigsten Ritter, trotz seiner Vorlieben Frauen zu schlagen.
Zum Glück und dafür danke ich Temora ist durch diese Tat meine Liebe abgeklungen. Vielleicht war es auch nur Schwärmerei oder doch Liebe? Ich weiß es nicht, denn so richtig kann ich gar nicht sagen, was genau Liebe ist. Herzklopfen in seiner Gegenwart hatte ich jedenfalls nie, was eigentlich eines der Zeichen dafür ist, sollte man den alten Büchern trauen. Aber vielleicht ist hierbei auch jeder anders? Nun gleichgültig was immer es auch war, etwas anderes ist an dessen Stelle getreten.
Freundschaft, die wird ihm treu bleiben, sein Leben lang, auch dass ich die Aufgabe habe über ihn zu wachen. Dieses Gefühl hat sich noch verstärkt! Mit dieser Gewissheit bin ich sehr glücklich und mit dem Umstand, dass ich meinen Sire mir als Mann an meiner Seite nicht mehr vorstellen kann und will.
Sicher, Niowe Adela? Nunja, was ist schon sicher?
Sicher ist, dass Schwellung der Wange abgeklungen ist, die Röte weg und mein Sire ist sonderbarer Weise heute wie gewandelt. Nach der Peitsche kommt das Zuckerbrot, wie sich die Worte des Volksmundes doch bewahrheiten. Er hat sogar Blumen gekauft. Ich war sprachlos! Warum er das tat, kann ich nicht nachvollziehen, schließlich hat er ja beide Blumenstöcke in den Fluss befördert, und es schien ihm noch richtig Freude zu bereiten. Ich spreche das Wort, was ich in dem Augenblick gedacht hatte nicht aus, nein ich irgnoriere es und streiche es für immer aus meinen Gedanken.
Was mich bei weitem noch mehr verblüfft, er hat mir sogar eine riesige Schale in der eine Blume schwimmt, geschenkt gestern. Ich habe mich bedankt, aber geheuer ist es mir nicht. Ich bin nun sehr vorsichtig geworden, was ihn betrifft. Sogar als er mir den Vorschlag machte, auf meiner Insel eine Truhe mit Gegenständen, die meiner Familie etwas bedeuten haben, mit mir zusammen zu vergraben. Ich weiß nicht, ob ich dieses Angebot annehmen soll. Sie liebten mich und ich sie und es ist einfach meine Aufgabe einzig und alleine das zu tun und zwar ohne Hilfe. Außerdem bedeutet mir meine Insel als Zufluchtsort sehr viel und wer möchte da schon seinen Sire, der zugleich Vormund ist, zu so einem Ort einladen?
Keiner!
Weil genau darum geht es doch, man kann sich dort zurückziehen und einfach nur so sein, wie man ist. Und ich bin da alleine, meistens jedenfalls.
Natürlich ist mein Sire der Meinung in seiner Residenz kann ich mich geben, so wie ich bin.
Kann ich nicht!
Das hatten wir ja bereits. Also bleibt mir nur meine Insel und die wird mein Sire, so sehr ich ihn auch schätze nicht betreten. Das habe ich nun entschieden und es geht mir vorzüglich dabei! Nur wie bringe ich ihm das nun bei, ohne dass er wieder seine Beherrschung verliert? Ich bin ja nun wirklich froh, dass wenigstens einer in der Residenz, und zwar ich, die Knappin, ruhig und beherrscht bin! Wenigstens ich behalte die Kontenance hier, das ist ja schließlich auch meine Aufgabe, nebst anderen.

Gedanken über Männer

Verfasst: Dienstag 21. Juni 2011, 20:42
von Niowe Adela Aireth
21. Schwalbenkunft 254

In letzter Zeit kann ich mich vor Männer, die ihre Bewunderung für mich ausdrücken kaum erwehren.
Es ist mir unbegreiflich, denn eigentlich bin ich so wie immer. Mag sein dass diese gebündelte Aufmerksamkeit vielleicht an den Kleidern liegt, die meine weiblichen Rundungen hervorheben. Ich habe mir schon ein enges Mieder schneidern lassen, welches jene für meinen Geschmack zu füllig gerate Oberweite platt drückt. Nur mit der Luft hapert es dabei in letzter Zeit, ab und an wird mir richtig schwindelig. Aber das stehe ich durch. Man gewöhnt sich an alles und unter dem dünnen Lederhemd, welches ich unter meinem Kettenhemd trage, ist es recht praktisch. Bei den maßgeschneiderten Kleidern, die perfekt und wie eine zweite Haut meinem zierlichen Körper angepasst wurden und dem weniger zierlichen obenrum, da geht das leider nicht. Damit muss ich leben.
Ich frage mich nun ernsthaft ob das an dem Fleisch liegt, welches ich täglich essen muss? Nur sonderbar erscheint mir dabei, dass davon ein gewisser Körperteil betroffen wird, der Rest an mir ist wie immer, durchtrainiert aber zierlich eben. Leider kann ich diesbezüglich keinen fragen. Aber ich komme damit mit zurecht und mein Mieder habe ich ja auch noch. Versucht habe ich es jedenfalls auch schon unter den Kleidern zu tragen, aber es sieht einfach grässlich und geschmacklos aus.
Nun ja Vorzüge bringt es ja jedenfalls bei der Männerwelt. Wobei auf diese Vorzüge könnte ich gerne verzichten, denn ich liebe keinen dieser Verehrer. Ja sie sind unterhaltsam, interessant, aber mehr nicht. Mit meinem hauchdünner Schal verberge ich sorgfältig mein Dekolleté und hoffe dass keiner der Blicke dorthin wandert, weil dann würde ich so richtig in Rage geraten. Aber bisher lief alles bestens und dem Anstand angemessen, mein Schal erfüllt seinen Zweck.
Gestern wollte mein Sire und ich den Tanz üben, aber wie immer wurden wir unterbrochen. Was ich gut fand, denn mit ihm zusammen den engen Tanz zu üben, wäre mir sehr peinlich gewesen. Also liebe ich ihn doch noch immer? Nein, vergiss es, denn erstens schlägt er Damen, zweitens darf es nicht sein und drittens ist er dein Vormund und viertens mag ich mein rotes Kleid, welches ihn reizt und fünftens, der Sire hat eine Dame gefunden.
Endlich!
Ich hoffe nur und Temora erhöre meine Gebete, dass sie der Edlen nicht ähnelt oder den weiblichen Familienmitgliedern meines Sires. Schön, und ja das meine ich ehrlich, wäre es, wenn sie der Gräfin von Dornwald gleichen würde. Vornehm, jung und wunderschön mit vortrefflichen Manieren und einem genauso gutem Geschmack, so müsste sie eben sein. Dann wäre es perfekt. Aber ich befürchte bei meinem Sire das Schlimmste.
Gestern war mein Sire richtig sonderbar. Ein Zeichen dafür, dass er sichtlich in eine Dame verliebt ist.
Diese Art von Verwirrtheit und den eigenartigen Fragen, die da gestellt werden, seitens der Männer, kenne ich von Micheil. Offensichtlich sind in diesem Punkt alle Männer gleich.
Wir werden sehen was uns allen noch blühen wird in naher Zukunft, wenn mein Sire völlig dann durchdreht. Ein Verhalten, dass bei Männern üblich zu sein scheint, wenn sie einen gewissen Grad an Liebe erreicht haben. Sie sind dann wie kopflose Hühner und laufen im Kreis herum. Im Notfall habe ich noch meine Insel als Rückzugsgebiet, das beruhigt mich unglaublich.

Ein Schwert

Verfasst: Mittwoch 22. Juni 2011, 13:57
von Thelor von Reensdorf
Seit Tagen saß der Ritter nun schon oben in seinem Arbeitsbereich, in jeder freien Minute, über Büchern aus den Bibliotheken des Landes. Schmiedewerke aus Avoch von den silbernen Seen, möglichst bebildert.
Bald hatte er so manch eine Abbildung gefunden, doch welches würde sie mögen. Das Schwert eines Ritters war immer etwas Besonderes und bei ihr sollte die alte Tradition aufleben, so war der Wunsch des Herzogs und nun waren endlich die Kiste mit dem Herzoglichen Siegel geliefert worden.
Außerdem Wollte er seiner Knappin eine Freude machen, verdient hatte sie es, auch wenn sie in den letzten Tagen aufmüpfiger zu werden schien. Das Schwert sollte sie an zu Hause erinnern, an alles wofür ihre Familie gekämpft hatte und für das nun auch sie weiter Kämpfen würde.
Als sich Thelor also nun entscheiden konnte welches es werden solle, konnte er es in Auftrag geben.
Doch noch war die Frage gegeben wer solle es Schmieden. Lange Schob der Ritter dies nun schon vor sich her als er beim erneuern des Segens auf seinem Schwert die kleinen Initialen bemerkte.
Natürlich, wo hatte er nur seinen Kopf.
Bald wurde das Material und eine Abbildung sowie ein Kurzer Text auf die Reise zur Kronstadt gesendet, denn das fertige Schwert hätte dort ohnehin seine erste Weihe empfangen und immerhin waren dort die fähigsten Schmiede des Reiches am Werk.
Jene Schmiede aus der auch ihr Rüstwerk stammen wird.
Nach einigen Tagen der Reise traf dann die Kiste mit Brief, Abbildung, Material, und Weißem runden Kieselstein in der Hauptstadt ein.
Als die Schmiede dort die Kiste öffnen entdeckten sie folgendes Schreiben.





10.Schwalbenkunft. 254
Herzogtum Lichtenthal, Grafschaft Meereswacht.

Ehre dem Reich und die besten Grüße unter den Schwingen der Herrin geleitet entsende ich der Meisterschmiede des Reiches.

Ich trete mit einem Bittgesuch an euch, werte Meister heran. Meine mir anvertraute Knappin steht in kürze vor ihrem Ritterschlag und so wurde es in meine Hände gelegt, ihr Ritterschwert anfertigen zu lassen. Da sie eine starke Bindung an ihre Heimat und ihre Familie verspürt, würde ich jenes Werk in der Art der Beigefügten Bilder erwünschen, so dies in der Möglichkeit eurer fähigen Schmiedemeister steht.
Das durch seine Herzogliche Hoheit Konrad C.D. vom Greifenhain gestellte Material liegt ebenfalls bei.

In Erwartung einer Hoffentlich positiven Antwort verbleibe ich

Sir  Thelor von Reensdorf

Kronritter unter Ador dem Ersten, Mitglied des Grafenrats zu Lichtenthal



Mehr als ein Woche ging ins Land und kein Antwortschreiben kam.
Der Ritter war schon kurz davor sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen als kein Brief sondern eine Größere Kiste Gebracht wurde.
Als der Deckel der Kiste entfernt wurde, entwich dem Ritter ein Glückliches Lächeln. Die Kiste barg ein Schwert, der Griff war Vergoldet. Die Parierstange schlicht und doch Strahlte in ihrer Mitte, dem Waffenkreuz, ein aus Gold eingefasster weißer Kiesel.
Die Klingenform, die sich beim Entblößen aus der Schwertscheide Zeigte war Grade, Eben, Scharf und glänzte in einem tödlichen, kalten Stahl.
Die Waffe glich genau der Abbildung und mit einem guten Gefühl wurde die Kiste Verschlossen und mit der Aufschrift Niowe Adela Aireth an die Residenz des Herzogs in Adoran gebracht.

[img]http://janka-agentur.de/bilder/Schwert%2001.jpg[/img]

Wenn das Herz einer Knappin bricht

Verfasst: Mittwoch 22. Juni 2011, 23:01
von Niowe Adela Aireth
22. Schwalbenkunft 254

Geschieht das nicht laut. Keiner vernimmt es. Die Welt geht nicht unter, auch wenn ich das in diesem Augenblick denke.
Wenn es mir nicht so weh täte, wäre es wunderschön, denn mein Sire ist verliebt in diese neue Frau.
Noch weiß er es nicht offensichtlich, aber er führt sich auf wie ein Jüngling der keine Ahnung hat. Dabei sollte er es als Witwer und Vater einer Tochter eigentlich wissen. Ich freue mich für ihn und helfe ihm sogar die Blumen für die Dame auszuwählen. Gut, dass er eine Dame gefunden hat, die sein Herz erwärmt. Gut, dass er nun jemanden an seiner Seite hat, die die Erziehung seiner Tochter übernehmen und überwachen wird.
Wenn das Herz dir je einmal aus Liebe brachen sollte Adela, was ich nie hoffe, vergiss nie deine Pflichten und Aufgaben und deine Liebe zu Temora, das ist das wichtigste in deinem Leben. Das andere geht vorbei.
Wie könnte ich das je vergessen Micheil,
denke ich als mir seine Worte einfallen. Jetzt wo ich am Ende meiner Knappen Ausbildung stehe und mein ganzes Streben nur darauf gerichtet ist dem Reich und Temora, meiner Herrin, mit dem Schwert zu dienen, weiß ich genau meinen Weg. Es wird kein leichter, denn heute beim Üben des Tanzes, habe ich mein Herz abermals gefühlt. Ich liebe ihn. Da gibt es keinen Zweifel nun und schon gar keinen Zweifel, dass ich nach Ende meiner Ausbildung sein Haus, mein Heim verlassen muss.
Seine zukünftige Frau wird dort zu leben. Sie werden nun eine Familie sein und die Tochter meines Sires bekommt endlich eine Mutter, die sich um sie gewissenhaft kümmern wird. Ich bin dann überflüssig in der Residenz meines Sires. Das ist mir schmerzlich bewusst. Ich muss nun bald Vorkehrungen in diese Richtung treffen. Die Frage bleibt nur offen, wo ich wohnen werde. Adoran will ich ungern verlassen, denn mein Herz gehört der Perle des Reichs. Ich war vom ersten Tag an, als ich hier ankam dieser Stadt und den Menschen, die hier leben verbunden. Soll ich eine eigene Residenz aufbauen? Ich weiß es nicht. Dazu sollte ich Menschen, denen ich vertraue und die bereit sind meinen Weg mit mir zu gehen, finden. Vielleicht kann ich in einem geeigneten Augenblick seine herzogliche Hoheit um Rat fragen oder meinen Freund Raindri. Dabei fällt mir das Geschenk für seine herzogliche Hoheit ein, welches ich mit Mühe und äußerster Sorgfalt vorbereitet habe. Ich muss es nur noch dem Herzog überreichen, sollte er wieder in Adoran sein. Ich bin gespannt, was er dazu sagen wird. Eigentlich kann ich es mir bereits vorstellen, mal sehen, ob seine Reaktion mit meiner Vorstellung übereinstimmt. Ich bin dessen gewiss!
So gewiss, wie ich meinen Sire wohl kaum mit dem belasten kann, der ist mit seinen Gedanken woanders. Gut so für ihn, traurig für mich, aber es macht mich auch stark.
Micheil hat mich gewarnt zu lieben. Recht hatte er! Es wird keine Liebe mehr geben, nur Politik und Schlachten und noch einiges, was ich vorhabe. Darauf sollte ich mein Augenmerk legen. Nichts anderes ist von Bedeutung mehr. Nichts mehr wird mich von diesem Weg abbringen, schon gar nicht Liebe. Ich bin glücklich, dass mir heute die Augen geöffnet wurden, die einzige wahre Liebe zu einem Mann ist zerbrochen. Ich war so naiv, dachte ich könnte mich dem Rat meines Bruders widersetzen. Nun bin ich es nicht mehr und bitte ihn in meinen Gedanken um Verzeihung, dass ich so töricht war, seine Ratschläge zu missachten. Aber mein Herz hat darauf nicht gehört, ist seinen eigenen Weg gegangen.
Mir bleibt aber noch so vieles an Liebe, das tröstet ein wenig.
Die Liebe zu meiner Familie, die ewig bestehen wird, wie die zu meinem Sire, die ich vergessen muss nun und werde, das habe ich heute beschlossen. Es wird sicherlich schwer sein, aber ich habe schon einiges Schreckliche und Schmerzhafte durchgestanden. Das schaffe ich auch noch. Ich habe meine Freunde, die mich lieben und ich sie, ich habe die tiefe Liebe die ich für meine Herrin, Temora empfinde und die Liebe zu den Menschen und der Natur, nicht zu vergessen, meinen See und meine Insel. Es tut gut das zu fühlen, auch wenn ein Teil meines Herzens nun gebrochen ist.
Das passiert nie wieder, Niowe Adela, hauche ich leise während ich den süßen Duft der Blüten, die in meinem Zimmer stehen, einatme. Nie wieder lasse ich dies zu, Micheil, versprochen Bruder. Verzeih, dass ich auf deine Worte nicht gehört habe. Aber es war auch gut diese Erfahrung zu machen. Ich bin jung aber nun reifer geworden. Meine zukünftigen Aufgaben und die Ausbildung werden mich in Anspruch nehmen und mich fordern. Darauf kommt es nun an und das macht mich glücklich, wie so vieles in meinem Leben. Ich werde bis zur Erschöpfung das erfüllen, was man mein Sire von als Knappe noch erwartet. Ich habe bereits eine Liste mit den Aufgaben niedergeschrieben, damit ich ja nichts vergesse. Im Morgengrauen werde ich wie gewohnt aufstehen und bis in die Nacht hinein jeden einzelnen Posten der Liste erfüllen.
Die Pflicht geht vor und eine zukünftige Ritterin weint nicht, schon gar nicht wenn ihr Herz bricht!

Ein Abend voller Überraschungen

Verfasst: Freitag 24. Juni 2011, 03:16
von Niowe Adela Aireth
24. Schwalbenkunft 254

Wie immer habe ich meine kleine Schatulle mit einer mühevoll gebundenen Schleife bei mir als ich durch Adoran wanderte. Vielleicht erblicke ich heute seine herzogliche Hoheit, denn diese Schatulle verbirgt sein Geschenk. Es ist nur für ihn gedacht, keiner weiß Bescheid, nur er. Und ich freue mich schon so sehr darauf, seinen Blick zu sehen, wenn er sie öffnet und den Inhalt betrachtet. Heute war es endlich soweit und ich kam aus dem Strahlen nicht mehr heraus, als ich mich vor ihm einen tiefen anmutigen Knicks machte und dabei das Geschenk überreichte.

Ich bekomme selten Geschenke, meinte er. Was mich ein wenig verwundert hat. Wieso eigentlich? Verstehen kann ich es ehrlich gesagt nicht, ich liebe es Geschenke zu machen und besonders in diesem Falle. Aufmerksam habe ich ihn beobachtet und gestrahlt als er geschmunzelt hat, nachdem er die Schleife entfernt hat und den Deckel öffnete.

Brot und Spiele! So was freut einen Mann immer sehr!, meinte er und hat dann den kleinen Zettel noch gelesen. Ich war überglücklich als er sich dann bedankt hat. Es ist einfach wunderbar jemanden eine Freude zu bereiten, die dazu noch überrascht und mit der man nie gerechnet hat. Das alleine war die Mühe schon wert, die ich mir in der Wahl der Gegenstände gemacht habe, die ja auch ein Hinweis auf unser Spiel sein sollten.
Es ist dir gelungen, dachte ich überglücklich. Nachdem wir den Gewinn für seine Herzogliche Hoheit und für mich festgesetzt hatten, also eigentlich tat dies der Herzog, trafen wir uns am Teich und das Spiel ging los. Wie ich gewonnen habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Dieser eine Wurf des Herzogs war einfach unglaublich und dennoch ich habe gewonnen. Vor Scham darüber wäre ich beinahe in den Boden versunken, ehrlich gesagt habe ich erhofft, dass der Herzog gewinnt. Tat er nicht, was er auch wohlwollend bestätigt hat. Noch lange bin ich da am Teich gestanden, starr vor Aufregung und sehr sehr verwundert. Ich habe, und das wage ich nicht auszusprechen, ein Stück Land in seinem Herzogtum gewonnen. Irgendwie kam mir alles unwirklich vor. Erstens dass ich gewonnen habe und dann noch gegen der Herzog und dann noch ein Stück Land mit prächtigem Weingut, das einst einem Freund des Herzogs gehört hatte, der verstorben ist.
Ich habe ihm versprochen einen guten Nachfolger zu finden, und da er einen Faible für junge hübsche Frauen hatte, wird er als Geist vor Begeisterung in die Hände klatschen, meinte seine herzogliche Hoheit. Bei der Vorstellung musste ich lachen.
Ich habe noch versprochen, die Kisten bestens Weines von dem Gut dem Herzog zukommen zu lassen. Das mindeste was ich tun kann, dachte ich bei dieser Großzügigkeit.
Das Beste für Euch herzogliche Hoheit!, das habe ich ausgesprochen und auch ehrlich so gemeint.
Darum bin ich auch froh, dass Ihr mir Treue schwört! Das Beste für mich!, meint er und zwinkerte mir dabei sogar zu. In meiner Aufregung habe ich nicht sogleich darauf reagiert. Nur dass der Herzog diese Weinsendung mit Wohlwollen sichtlich aufgenommen hat und meinte sein Sekretär wird mir bald die Urkunde bestellen. Sprachlos habe ich ihm dann nachgesehen nach meiner tiefen Verneigung und dem unpassenden Erröten meiner Wangen, was immer in den ungeeignetsten Augenblicken geschieht. Ich weiß nur nicht, wie ich all das meinem Sire erklären sollte.

1. seine Knappin spielt
2. und das mit seiner herzoglichen Hoheit des Nächtens
3. Sie gewinnt und zwar gleich ein Stück Land im Herzogtum

Ich glaube mir wird übel. Der Sire reißt mir den Kopf ab, dessen bin ich mir nun sicher. Schnell bin ich dann in die Residenz gelaufen und wollte mich dort für den Rest des Abends verstecken, als es klopfte. Ich war richtig froh darüber Herrn Bernau zu sehen. Seine mir gegenüber immer höfliche und unbekümmerte Art lenken ab. Das Gespräch war sehr interessant. Erneut klopfte es und Erlaucht von Dornwald stand mit einem wunderbaren kleinen Welpen in dem Armen vor mir. Leider hat mein Sire den Vorgelkäfig in seinem Schlafzimmer gestellt und die Tür versperrt, sodass ich diese wunderbare Lerche der Gräfin nicht überreichen konnte. Aber das werde ich noch nachholen. Dieser kleine Welpe jedenfalls gehört nun mir. Mit Sorgfalt habe ich den besten Wein meines Sires der Gräfin serviert. Noch lange haben wir zu dritt geplaudert, dann musste sich Herr Bernau leider verabschieden. Schade eigentlich. Aber Erlaucht von Dornwald blieb und wir sprachen über so vieles. Persönliches was ich nie zuvor jemandem anvertraut habe. Sie ist eine wunderbare edle Dame, und ich bin überglücklich, dass sie mir ihre Hilfe angeboten hat, sollte ich sie je benötigen. Ich bin Ihr sehr dankbar dafür und ja auch überglücklich, denn mir ist bewusst, dass ich noch sehr jung bin und jede gebotene Hand, die mir ehrlich, wie jene der Gräfin gereicht wird, ergreifen werde. Sie ist eine Frau wie ich und Frauen sehen Dinge einfach anders als Männer oftmals.
Nachdem Erlaucht von Dornwald sich dann verabschiedet hat, wurde mir so richtig bewusst, was ich heute so alles erhalten habe.
Ein Stück Land, ein Lob seiner herzoglichen Hoheit, einen kleinen Welpen und ehrliche Worte einer Gräfin, die mir zugestehen, sich an sie zu wenden, sollte ich einmal Hilfe benötigen.

Die Frage, die noch offen bleibt, ist jene, wie bei Temora erzähle ich das alles meinem Sire? Vielleicht warte ich einfach ab, und warte was passiert. Den kleinen Welpen habe ich zu Amra in ihr Körbchen gelegt, die sich sichtlich darüber gefreut hat. Den richtigen Namen für ihn, werde ich noch erwählen und Erlaucht von Dornwald Bescheid geben. Das hat noch ein wenig Zeit, vor allem jetzt. Ich bin totmüde!

Ein nächtliches Gespräch mit meinem Sire und Vorbereitungen

Verfasst: Samstag 25. Juni 2011, 18:38
von Niowe Adela Aireth
24. Schwalbenkunft 254

Nächtens als ich von der Einladung zu einem Becher Wasser von meinem Begleiter zu dem Fest zurück kam, wartete bereits mein Sire.
Ein guter Augenblick, um ihm so einiges ehrlich und offen Kund zu tun, dachte ich, aber wie genau ich das tun sollte, war mir noch schleierhaft.
Verwundert hat mich, dass er für mich, die Knappin, eine Tasse Tee geholt hat. Erstaunlich! Die Worte meines Bruders scheinen sich doch zu bewahrheiten. Mein Sire macht mir sogar Komplimente. Verwirrend ein wenig. Vielleicht schmeichelt er nur wie bei anderen Damen, was ja üblich ist in den Kreisen. Also habe ich ihn darauf angesprochen, dass er einer Knappin nicht schmeicheln müsste.
Das eben war ein Kompliment, Niowe Adela.Unwillkürlich musste ich an die Worte Micheils denken, während ich meinem Sire eines meiner Lächeln, ob des Kompliments, schenkte.
In einem Kleid, Adela, siehst du umwerfend aus. Nicht nur, dass es deine zierliche Figur und deine weiblichen Rundungen betont, die keiner je vermuten würde, du wirkst darin unwiderstehlich, mein kleiner Stern. Ich habe in seinen Augen damals so viel Liebe, Achtung und auch Bewunderung gesehen.
Jedes Mal nun wenn ich meine Kleider trage, denke ich daran, und ich bin überzeugt, dass er sich mit seiner herzoglichen Hoheit blendend verstanden hätte. Er war ein ganz besonderer Mensch gewesen, mein Bruder, und ich hatte die Gnade seine Liebe fühlen zu dürfen und er die meine. Eine Liebe, die uns über seinen Tod hinaus verbindet und mich glücklich macht.

Dem scheint wirklich so zu sein, wenn sogar mein Sire, der sich selber als alter Mann bezeichnet, mir Komplimente macht. Erstaunt war ich dann wirklich, er hat Tee für mich zubereitet und sogar Erdbeeren in einer Schale mir gereicht, und mich gesiezt. Als nun reicht es, was ist mit meinen Sire los?
Wieso Sire seid Ihr so förmlich zu mir und siezt mich, ich bin Eure Knappin?
Irgendwann muss ich mich wohl daran gewöhnen, Niowe Adela, dann bist du Ritterin und vom Stand her Adel.
Das ist mir bewusst, dachte ich, aber Unsinn wenn mein Sire und Vormund zugleich mich siezt nun. Und ich werde es mir im privaten Rahmen, auch als Ritterin verbieten, dass er mich siezt. Wir haben bei weitem mehr Höhen und Tiefen zusammen erlebt, als je ein anderer. Er kennt mich genau und ich ihn, auch wenn ich das mit keinem Wort ihm je sagen werde. Vielleicht später einmal. Mal sehen. Die Wahrheit wird er jedenfalls immer aus meinem Mund zu hören bekommen, höflich aber ohne Schmeichelei. So wie jetzt wohl.
Raus mit der Wahrheit, Niowe Adela, dachte ich mir. Und ich tat es.

Ihr werdet wohl in Rage geraten Sire, wenn ich Euch nun etwas erzähle, und mir wird es peinlich sein, Euch dazu gebracht zu haben. Dann legte ich los. Die Worte sprudelten nur so aus meinem Mund. Ich habe ihm alles erzählt. Von dem Spiel und meinem Gewinn, denn nicht ich festgesetzt hatte. Und mein Sire hat vor Vergnügen gelacht, besonders bei der Schilderung, was genau der Herzog und ich gespielt hatten. Es macht mich immer wieder glücklich, dass er so oft in meiner Gegenwart lacht. Es gibt doch eigentlich nichts Schöneres auf der Welt jenen, den man liebt, zum Lachen zu bringen. Das habe ich nicht ausgesprochen, nur gedacht. Denn keiner hat je aus meinem Mund darüber erfahren, nur Temora in einem stillen Gebet. Sie kennt mein Herz, sie kennt mich, besser als mein Sire. Langsam beginne ich mich meinem Freund Raindri zu öffnen. Freundschaft muss wachsen, das Vertrauen ist bei uns beiden da. Vielleicht werde ich mich einmal ihm anvertrauen. Sicherlich sogar, er ist wie ein Bruder für mich geworden.
Jedenfalls hat mein Sire wunderbar gelacht, als ich erzählt hatte von dem Spiel, und unter Lachen noch gemeint, wenn du häufiger mit ihm spielst, Niowe Adela, dann müssen wir dich mit Herzogin anreden und den Herzog mit Knappen. Du meine Güte! Als er das lachend ausgesprochen hatte, wurde mir richtig übel.
Ich wollte ihm doch kein Land wegnehmen Sire! Das müsst ihr mir glauben, ich wollte nur ein Glas Erdbeerwein! Es war ein Spiel!
Du meine Güte, Niowe. Das ist amüsierend. Dem Herzog tut das nicht weh, außerdem ist es weiter sein Land, weil du ihm dienst oder?

Ja stimmt, so gesehen hat mein Sire völlig recht und ich bin glücklich darüber und habe kein schlechtes Gewissen dabei. Strahlend habe ich dann meinen Sire dankbar für jene Worte angesehen. Jetzt erst bin ich auch richtig glücklich und zufrieden. Ich bin nun Gutsbesitzerin mit dem besten Wein des Reichs. Und damit das so bleibt, werde ich mich in Zukunft damit auseinandersetzen, drauf achten und die Menschen in dem Landstück behüten, damit es ihnen auch in schlechten Zeiten gut geht. Einen Plan habe ich schon, er muss nur noch ausgearbeitet werden. Der alte Freund meines Herzogs da oben soll sich nicht nur über die äußerlichen Vorzüge seiner Nachfolgerin freuen, sondern auch darüber, dass sie trotz ihrer Jugend bemüht ist sein Stück Land zu bewahren, auf dass es erblühe und gedeihe und die Menschen darin glücklich sind.
Im Laufe des Abends habe ich dann auch noch offen darüber gesprochen, dass ich nach Beendigung meiner Ausbildung mir eine neue Unterkunft wohl suchen muss. Mit so einer Reaktion meines Sires habe ich nie gerechnet. Mit Händen und Füssen schien er sich dagegen zu wehren. Auch an meiner Vermutung, dass er um diese Dame werben wolle, schien nicht wirklich etwas dran zu sein, sollte eine Frau einem Mann in solchen Angelegenheiten glauben wollen. Ich tue es, denn mein Sire war immer ehrlich zu mir und ich zu ihm.
Es tut Euch gut Sire ohne meine Anwesenheit Euer Leben zu genießen.
Na und wer hält mich dann auf Trab, Niowe? Ich werde vor Langweile umkommen!

Ich habe es wirklich versucht, argumentiert ruhig und natürlich höflich. Aber mein Sire gab nicht nach, er wolle bauen und ich würde meine eigenen Räumlichkeiten dann erhalten. So wie ich es immer erträumt habe. In seiner Näher zu sein und über ihn zu wachen und ihn mit meiner Liebe daran zu erinnern dass er lebt und lacht. Ja ich habe zugestimmt und freue mich darauf nun. Einen Garten sollen wir bekommen, worüber nicht nur Amra und mein kleiner Welpe überglücklich sein werden auch ich, denn ich darf ihn sogar gestalten, das hat mir mein Sire versichert. Und es wird ein prachtvoller Garten werden, wo mein Sire sich wohl fühlen wird und ich sowieso. Ein Anwesen, einen Garten und ich werde immer in der Nähe meines Sires sein, so wie ich es einst erträumt hatte. Ich bin überglücklich!

Für das Fest am morgigen Tag habe ich das schönste Kleid erwählt. Ein hauchzarter Stoff, der bei jedem Schritt mit schwingt. In mein nachtschwarzes langes Haar werde ich passend zu der Farbe des Kleids schillernde, silbrig glänzende winzige Perlen einflechten, die funkelnd wie weit entfernte Sterne am Nachthimmel dort wirken werden. Ein Geschenk meines Sires. Ich habe diese winzigen Perlen zu diesem Haarschmuck verarbeiten lassen, der nach den Wünschen meines Bruders einst nur für mich angefertigt wurde. Genau so wie ich ihn damals auf Festen getragen habe, wird er nun mein Haar schmücken, und bei jeder Bewegung meines Hauptes zart im Haar funkeln. Einfach und doch in seiner Schlichtheit auffallend und edel, er wird die Schönheit von Adelas Wesen dezent unterstreichen, aber nicht überladen und billig wirken. Zum ersten Male fühle ich mich wie Adela damals an der Seite ihres Bruders voller Begeisterung, der stolz an ihrer Seite verweilte und darauf achtete, dass keiner ihr zu nahe kam. Meine Begeisterung für das Fest wächst nun. Mal sehen was meine Begleitung dazu meint.

Das Fest

Verfasst: Montag 27. Juni 2011, 22:55
von Niowe Adela Aireth
27. Schwalbenkunft 254

Voller Ungeduld habe ich gebadet und meine Haare gewaschen, dann die zarte unaufdringliche Essenz der weißen Rose hinter meine Ohren getupft und auf mein Brustbein. So umhüllte mich ein zarter Duft, der nicht aufdringlich war. Dann habe ich in mein trockenes Haar den Perlenschmuck eingeflochten. Eine etwas komplizierte Sache, aber mein Bruder und ich haben das oft geübt. Schnell noch mein Kleid in dem zarten Stoff übergeworfen und auf meinen Begleiter, Herrn Bernau, zu dem Fest gewartet. Er kam pünktlich nicht zu früh und keine Minute zu spät, und was mich sehr erfreut hat, er hat doch tatsächlich seine Kleidung auf die meine perfekt abgestimmt. So wie es sein sollte.
Dann geleitete er mich, in dem er mir den Arm reichte, zu dem Fest. Vor Aufregung habe ich den ganzen Tag keinen einzigen Bissen essen können.
Wir kamen an und mit blieb der Atem vor Staunen weg. Unzählige Kerzen in einem lieblichen Farbenspiel schwammen am Ufer im Meer. Prachtvolle Stände der Händler mit geschmackvollen Muschelgebinden schmückten den Strand. Überall waren bunte Matten um kleine Feuerstellen drapiert worden. Wundervolle Muscheln in allen Farben zierten den Sand. Es sah umwerfend aus.
Nachdem Herr Bernau und ich die Gastgeberin, Ihre Erlaucht von Dornwald und dann den Grafen angemessen begrüßt haben, folgten wir der Einladung der Gräfin und kosteten eines der Limettengetränke von Frau Beauchamp. Noch nie habe ich etwas derartig köstliches getrunken. Es war bei weitem besser als der Erdbeerwein muss ich gestehen und vor allem schmackhafter und fruchtiger. Ich habe an diesem Abend noch zwei dieser Getränke zu mir genommen, oder mehr? Ich erinnere mich noch an dieses Sternenfieber, das den Körper in Aufwallung brachte und die Augen wie Sterne glänzen lies, dann war da noch und keinen Bissen gegessen. Wie hätte ich das auch können? So vieles lenkte mich ab, brachte mich in Staunen. Ich habe mir insgeheim vorgemerkt, wenn du mal ein Fest gibst, hole den Rat von Frau Beauchamp ein, was Getränke und Essen betrifft. Sie hat einfach ein Gefühl dafür.
Heimlich habe ich dann Erlaucht von Argantas und Erlaucht von Dornwald beim Tanzen beobachte. Wundervolles Paar kann ich nur sagen. Jede Bewegung, jeder Schritt war abgestimmt, und sah einfach nur schön aus. Wie gesagt an Erlaucht von Dornwald kommt so manche Dame von Stand bei weitem nicht heran. Sie ist einfach umwerfend, geschmackvoll, umsichtig und sehr redegewandt und wunderschön.
Die Darbietungen des Nachtvolks, von Fräulein Mica und Karawyn und der restlichen Truppe haben mich begeistert. So viel Elan, so viel Begeisterung und dazu noch der wunderbarer Gesang. Einfach unglaublich war es und ich konnte nicht aufhören zu applaudieren. Später habe ich dann heimlich noch so einiges in die Spendentruhe für die Künstler geworfen. Sie haben es mehr als verdient. Alle. So viel Mühe und Liebe bei dem, was sie alle geboten haben, muss man lange suchen.
Der Herzog kam auch, war prächtig wie immer und ja ich verehre ihn, vielleicht aus dem Grund, weil wir uns vielleicht ähnlicher sind, als ich zu denken wage. Aber das würde ich nicht einmal mir zugestehen, also denke ich am besten nicht mehr darüber nach. Seine Tochter, das muss sie sein, auch wenn ich sie persönlich nicht kenne, habe ich von Ferne gesehen. Eine wunderschöne Frau an seiner Seite. Wäre Vater auch so stolz gewesen, wäre er hier gewesen und ich an seiner Seite? Ich weiß es nicht, und dennoch hoffe ich es. Vielleicht wäre er es doch gewesen, so wie der Herzog auf seine Tochter, das konnte ich deutlich erkennen.
Spät noch habe ich Erlaucht ihre Lerche im Käfig gebracht. Wie glücklich waren beide wohl und mir wurde warm ums Herz. Der wunderbare Vogel hat sogleich bei dem Anblick der Gräfin zu singen begonnen. Ich bin überglücklich und die Gräfin, die wohl genauso erschöpft war wie ich, freute sich.
Ein wunderbarer Abschluss einen herrlichen Tages. Ich habe mich nochmals für die Einladung zu dem Fest herzlich bedankt bei Erlaucht.
Danach habe ich noch in aller Ruhe den Abend auf meinem Balkon ausklingen lassen.
Während ich einen Schluck von dem Limettenwirbel zu mir nehme und über den Fluss und den Sternen abwechselnd am Balkon blicke, resümiere ich. Ich hatte ein prachtvolles Strandfest erlebt, eine Einladung von Herrn Thanced zu einem Mocca mit der Dame seiner Herzens erhalten, eine Einladung zu einem Wettlauf mit meinem Korporal, was mir Spaß machen wird, denn meine täglichen Runden um den See im Morgengrauen drehe ich noch immer. Dann noch überreichte man mir ein wundervolles Skarabäusarmband als Geschenk. Angeblich bedeutet ein Skarabäus Mut, Weisheit und Stärke bei den Menekanern, so erzählte mir Herr Kilian, der es mir überreicht hat. Dabei hat er mich ein wenig sonderbar angesehen, was wohl an der Meerluft gelegen haben muss. Nicht jeder verträgt sie, vermute ich einmal.
Der Barde Amaris hat spät am Abend noch ein Lied nur für mich gesungen und ständig auf mich gedeutet. Das Lied habe ich ehrlich gesagt nicht so recht verstanden, wieso gerade ich ein Adler der hoch fliegt sein sollte? In meinen Augen ist das nur Temora. Egal. Dann noch eine Einladung zu einem Tanz von Herrn Bernau, das werden wir unbedingt nachholen, darauf bestehe ich, denn ich liebe es zu tanzen, wundervolle Komplimente und die Schuhe mit dem Absatz tun nun ein wenig weh. Ich bin den ganzen Abend fast nur gestanden, kaum gesessen und gegessen habe ich nichts, was man an meinem Kleid sogleich bemerkt. Aber ich werde dies Morgen nachholen, davon bin ich überzeugt, denn heute bin ich einfach erschöpft.

Raben

Verfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 12:24
von Niowe Adela Aireth
28. Schwalbenkunft 254

Sie sind wieder da. Überall wie jedes Mal wenn Unheil über das Land herein bricht. Unzählige sind es. Ich kenne jeden Winkel der Wälder um Adoran genau. Täglich durchstreife ich sie. Verjage Räuber, die unschuldige wehrlose Bürger überfallen und prüfe die Landstriche des Reichs. Es ist mir zur Gewohnheit geworden im Dienst des Regiments und auch neben den Pflichten als Knappin tue ich es.
Viel zu lange hatten wir Ruhe eine trügerische und nun versammeln sie sich wieder. Ich habe einst meinen Sire auf jenes hingewiesen, damals als die Meerwesen das Land überfielen. Er hat es wohl vergessen, oder für unwichtig erachtet. Er hält nicht viel von meinem Bauchgefühl. Er scheint überhaupt nicht viel von meinen Gefühlen zu halten, befürchte ich. Damit meine ich nicht meine Liebe zu ihm, von der er keine Ahnung hat, sondern meine Achtung und den Respekt. Seit dem Schlag ins Gesicht habe ich mich verändert. Ich spreche nicht darüber mehr, seit der Unterredung, die mein Sire und ich hatten, denn er scheint nicht zu begreifen, was er mir damit angetan hatte.
Ich habe in meiner Aufgabe als Ritter meiner Knappin eine Lektion zu erteilen gehabt, meinte er.
Natürlich gebührt es einem Ritter seinen Knappen zu bestrafen, aber es gebührt ihm nicht, ihn zu demütigen. Das begreift mein Sire nicht, genauso wenig wie, dass er genau mit dieser Handlung dies bei mir getan hat. Ich habe versucht es ihm zu erklären, aber es ist sinnlos. Er will nicht begreifen, dass ich Strafen akzeptiere und ja für gerecht empfinde, aber was ich niemals akzeptieren werde, egal bei wem, ist einen Menschen auf diese Art zu demütigen. Ihm seine Würde, die ihm als Mensch unter Temoras Schwingen zusteht, zu nehmen. Und genau das tut man, wenn man einem Menschen in das Gesicht schlägt. Ich habe nun an Selbstachtung gewonnen. Das steht jedem Menschen zu. Nie wieder wird mich jemand ins Gesicht schlagen, auch mein Sire nicht. Er kann mich so es ihm Freude bereitet zur Strafe halb tot prügeln auch ertränken, aber er wird mir nie mehr meine Selbstachtung nehmen.
Ach ja ich weiß nun mit Sicherheit, wer mich beschützt. Ich habe die Worte aus seinem Mund vernommen und ich werde mit Dankbarkeit und aufrechter Verehrung darüber schweigen. Meinem Sire gegenüber werde ich kein Wort verlauten lassen. Ich werde mich überhaupt nun noch mehr bemühen, seinen Anforderungen gerecht zu werden. Höflich und ja mit ein wenig Zurückhaltung nun. Die Schmuckschatulle werde ich zurück geben. Sie steht mir nicht zu als Knappin. Mein schönster Schmuck wird meine Selbstachtung und die Achtung von anderen sein, die ich als Mensch stolz und unbeirrbar zeigen werde.
Den Haarschmuck, den ich aus den Perlen für das Fest habe fertigen lassen, behalte ich, denn er ist jenes, was mich mit meinem Bruder verbindet, immer dann wenn ich ihn trage.

Während ich diese Rabenscharen beobachte abermals mit diesem Bauchgefühl, dass da etwas nicht stimmt, denke ich über jenes, was ich dem Korporal mitgeteilt habe. Raben fliegen nach Adoran und wandeln sich zu Rabendiener auch in Berchgard gab es einen Vorfall. Ich werde nicht zulassen, dass sie Eric und all den anderen Menschen etwas antun. Die Schützen unter den Gardisten wurden auf Befehl des Obersts angewiesen jeden Raben in Adoran zu erschießen. Gestern habe ich meine Runde des Nachts gedreht. Kein Rabe in Adoran! Sie sind dem Befehl nachgekommen. Aber hier sind unzählige nun. Verteilt in den Wäldern finde ich sie immer wieder. Sie rotten sich zusammen. Warum? Ich weiß es nicht. Aber eines ist mir bewusst, ich muss Raindri darauf hinweisen, denn es geht um die Sicherheit Erics. Ihm darf nicht jenes zustoßen, was ich damals als Rekrutin, als ich schwer verletzt wurde, bei all den unschuldigen Menschen nicht verhindern konnte. Heute, sieht es anders aus. Ich trainiere bis zur Erschöpfung, um jenes, was damals geschah so es in meiner Macht steht, zu verhindern.
Ich muss unbedingt Raindri sprechen, murmle ich während meine Augen den Raben folgen. Sie beobachten mich und ich sie noch eine Weile, dann wende ich mein mächtiges Streitross und reite zurück gen Adoran.

Ein gebrochener Schwur

Verfasst: Donnerstag 30. Juni 2011, 01:52
von Niowe Adela Aireth
30. Schwalbenkunft 254

Ich habe mich dagegen gewehrt gegen Verbündete mein Schwert zu erheben, ja ich habe sogar den Oberst gebeten mich einfach in den Kerker zu werfen, weil ja so habe ich es Temora einst geschworen mein Schwert nicht gegen den Freund sondern nur gegen den Feind zu richten. Und dann tat ich es doch, weil der Befehl an das Regiment ging und ich Teil dessen bin.
Während ich hier in Raindris Hängematte sitze und meinen Tränen freien Lauf lasse, schäme ich mich.
Ich schäme mich, weil ich nicht weiß, wie ich das der Herrin erklären soll. Ich bin besudelt, das war kein Kampf, weder ehrenvoll noch diente er Truppen zu vereinen. Es war sinnlos und beschämend. Der gute Raindri konnte meinen Tränen wohl kaum Einhalt gebieten und sein Hemd wies bald die ersten feuchten Flecken auf. Was mir in diesem Zustand der Verzweiflung egal war. Ehrlich gesagt habe ich es kaum zur Kenntnis genommen.
Ich weiß nicht wie ich damit leben kann. Ich habe meinen Schwur gegenüber Temora gebrochen und ich kann es mir nicht verzeihen. Dieses Bewusstsein bringt mich zum Schluchzen. Raindri denkt zwar wie ich, es tröste mich ein wenig, aber die Tatsache dass ich, Temora betrogen habe, denn so sehe ich es, erfüllt mich mit Trauer, die kaum beschreibbar ist. Mein Schwur war mir heilig.
Das war kein Training, denn ein Training ist fair, gleiche Waffen, gleiche Rüstung, auf Kampftechnik und Geschick kommt es an. Das dort auf dem Truppenübungsplatz war erbärmlich und genauso fühle ich mich.
Man stärkt den Mut der Truppen, aber man hetzt sie nicht aufeinander los, wie…
erneut verstumme ich während sich erneut tief traurig meine Augen mit Tränen füllen.
Weiterhin weine ich an Raindris Schulter gedrückt und er redet mir gut zu, versucht mich zu beruhigen, abzulenken, was ihm leider nicht gelingt. Ich würde es ja gerne ihm zu liebe tun, aber ich vermag es nicht. Aber er lässt nicht locker. Er erzählt mir Geschichten und während ich ihm zuhöre, versiegt für einen kurzen Augenblick der Lauf meiner Tränen.
Temoras Gnade gilt auch für dich, Niowe, meinte er leise. Bist du sicher Raindri?, denke ich. Ich gab ihr den Schwur, er war und ist mir ernst. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir vergeben wird. Ja, es war ein Befehl, dennoch es war unmenschlich seine Kameraden, die im Krieg an deiner Seite stehen, niederschlagen zu müssen. Es war unrecht! Dazu stehe ich.
Zum Glück kam dann Ira und hat Fragen gestellt, als sie meine rotgeweinten Augen bemerkt hat. Ich habe erneut zu weinen anfangen, während Raindri ihr die Situation erklärt hat.
Sie hat bemerkt, dass das, worüber ich mich schon seit Ewigkeiten aufrege, zutrifft, meinte er zu ihr. Mehr hat Raidri nicht gesagt, sondern sich zurück gehalten. Ira hat es wohl verstanden.
Klingt nach Metall mit wenig Hirn, meint sie nur. Und wäre mir nicht so elendig zumute gewesen hätte ich gelacht, stattdessen nur geschluchzt.
So unrecht hat sie nicht. So traurig das nun klingen mag.
Ich weiß nicht wie ich damit leben soll, Raindri.
Du wirst es müssen und auch tun, Niowe. Es war ein Befehl und du hast ihn befolgt. Manchmal kommt man in die Situation, wo man egal was man tut, seinen eigenen Grundsätzen widerspricht und sich entscheiden muss.

Ja, das ist mir klar, nur ob mir Temora diesen Frevel vergeben wird, weiß ich nicht, und es macht mich unglücklich.
Der klägliche Versuch der guten Ira mir Milch zur Beruhigung zu reichen, scheiterte. Ich vertrage keine Milch, mir wird sterbensübel davon und ich muss mich wie bei Bier übergeben. Dann kam sie mit einem Krug Wein und Wasser herbei. Rasch habe ich mir einen Krug geschnappt und in der Annahme es wäre Wasser einfach runter geschüttet, denn mein Magen war mehr als leer. Ich habe seit dem gestrigen Tag nichts gegessen und das macht sich nun bemerkbar. Das Wasser schmeckte ein wenig sonderbar, aber mir ging es ein wenig besser. Klar denken konnte ich nun nicht mehr, und Ira schwankte ein wenig vor mir.
Vielleicht liegt es an dem leichten Schwanken der Hängematte, dachte ich. Danach servierte sie einen Whiskey. Ich habe mir gleich die ganze Flasche geschnappt und nach und nach geleert. Während Ira und ich noch ein wenig über guten Whiskey unsere Erfahrungen ausgetauscht haben, schwieg Raindri, wohl erstaunt darüber, dass zwei Frauen sich in seiner Gegenwart über den Geschmack eines hochprozentigen Getränks schwärmerisch und mit Begeisterung unterhalten haben. An seinem Blick habe ich gesehen, dass ihm das nicht sehr oft untergekommen ist.
Ich habe dann das einzige Schimpfwort, das ich kenne, woher sage ich nicht, vor mir gegeben.
Echsenscheisse.
Raindri ist dabei tiefer in die Hängematte gerutscht und ich unwillkürlich ihm nach, sonderbarer Weise habe ich nun völlig die Koordination meines Körpers verloren. Er tat einfach was er wollte und ich lag halb über Raindri abgestützt mit meinem Kopf an seiner Schulter. Und es störte mich ganz und gar nicht, ehrlich gesagt, habe ich es kaum zur Kenntnis genommen. Es tat nur gut da zu liegen, während mich mit einem Arm fest gehalten hat, und ich wusste, da ist ein Freund, der hält dich fest, der lässt dich niemals fallen und ich ihn auch nicht. Ich habe dann nachdem meine Flasche fast schon geleert war, meinen Becher gehoben und mich sehr bemüht das noch klar auszusprechen.
Auf die Schwüre!
Auf all die Schwüre, ja Niowe
! Dabei hat mein Becher das Gleichgewicht verloren und der Inhalt meines kostbaren Whiskeys landete auf Raindris Hemd. Schade darum dachte ich noch, während Raindri auf sein nassen Hemd blickte.
Da war noch etwas drinnen, Raindri.
Ja, war…..nun ist es auf meiner Brust!
Das war nur dein Hemd, Raindri!
Glaubst du etwas, Niowe, dass unter dem Hemd keine Brust ist
? Hm ich kann ehrlich gesagt darüber nicht mehr klar nachdenken und meine nur, dass ich mir darüber bisher keine Gedanken gemacht habe. Was immer ich damit meinte, ich weiß es nicht.
Ja….nur nun ist es auf meiner Brust……du kannst von Glück reden… Mehr sagte er nicht und ich konnte dem auch nicht mehr folgen, denn ich war beschäftigt damit den Rest aus meiner Flasche sicher in meinen Becher zu bringen und dann jenen ohne Vergeudung rasch zu leeren.
Ich wollte dann noch etwas anmerken, aber irgendwie wurde mir schwarz vor den Augen und ich bin ….keine Ahnung wohin gefallen.

Ich glaube Ira, dass das Fluchen heute nicht ihr einziger erster Versuch war, das habe ich noch durch diese dunkel Wand vernommen.
Irgendwie habe ich dann noch gespürt, wie jemand mich hochgehoben hat und ich das Gefühl hatte ich schwebe. Sicherheitshalber habe ich die Flasche und den Becher festgehalten. Es soll ja keiner wagen, das mir entreißen. Ich bin dann von oben sanft auf etwas weiches gefallen und irgendetwas hat man mir ausgezogen. Rasch habe ich die Flasche an meine Brust mit beiden Händen gedrückt und dabei den Becher verloren. Mehr weiß ich nicht mehr, außer dass Micheil mir über das Haar gestrichen hat, so wie immer, wenn ich schlafe.
Micheil, habe ich noch gemurmelt dann war alles rundum weg. So ähnlich wie damals der Schlag auf meinem Kopf von meinem Sire.
Irgendwann in der Nacht habe ich mich in dem Kamin, der da nahe war übergeben, wohl aus dem Mangel meiner Beweglichkeit und meines fehlenden Orientierungssinnes heraus. Dabei fiel mir kurz ein, dass ich keine Ahnung habe, wo genau ich nun bin, was mich sonderbarer Weise überhaupt nicht beunruhig hat. Ich hoffe nur der Hausherr oder die Hausdame wissen wer ich bin. Die Flasche habe ich in Sicherheit gebracht und sie fest an mich gedrückt, während ich zusammen gerollt abermals eingeschlafen bin.

Der Herzog und ich

Verfasst: Freitag 1. Juli 2011, 02:00
von Niowe Adela Aireth
1. Cirmiasum 254

Mit viel Mühe bin ich von meiner Schlafstelle auf gekrochen. Du meine Güte wie mein Kopf pocht, als hätten sich sämtliche Gehirnwindungen gegen mich verschworen. Übel war mir auch noch und gegessen habe ich nun seit vorgestern nichts mehr. Mein Sire würde wieder meckern, aber das kann ich heute gar nicht gebrauchen. Also besser ja nicht in die Residenz reiten, sondern zu Hunfrid, der ist ja so einen Brummschädel von seinen Gästen gewohnt, von mir zwar nicht, na ja zum Glück muss ich ihm nichts erklären, sondern einfach nur meinen Tee in aller Stille trinken und mich ja nicht viel bewegen.
Das habe ich auch dann getan. Ira gesagt ich nehme noch ein Bad, was fällig war, und dann komme ich zurück und esse mal was. Das war der Plan. Es kam aber alles anders.
Ich habe mein Streitross beim Stalljungen abgegeben, und ich muss sagen, ich habe noch nie so einen vorwurfsvollen Blick von einem Ross gesehen als ich noch kurz seinen Hals tätschelte, und es mich anblickte und dann demonstrativ weg sah. Gut ich rieche wie ein Whiskey fass nach einer guten Lagerung, aber seit wann stört das ein Streitross? Vielleicht war es auch nur Einbildung! Jedenfalls habe ich dann dem Stalljungen, der mich auch sonderbar dabei angesehen hat, die Zügel übergeben.
Ich war richtig froh, es so halbwegs schwankend in die Taverne geschafft habe. Da saß der Herzog. Völlig zerdrückt fühlte ich mich und ja es tat verdammt weh, als ich mich vor dem Herzog tief verneigt habe, wie es ihm gebührt und versucht habe einen freundlichen Gruß auszusprechen. Mein Kopf rebellierte gegen jede Bewegung mit heftigen Schmerzen. So unauffällig wie nur möglich in dem Zustand habe ich sogleich dann bei Hunfrid eine Kanne mit Tee bestellt und ein eiskaltes, feuchtes Tuch, das er mir sogleich gegeben hat.
Ich nahm das Tuch samt Kanne und Tasse und steuerte rasch einen Tisch an wo ich es gen Stirn drückte.
Oh ja, das tat gut.
Temora steh mir bei, habe ich leise gemurmelt als mein Magen einige Umdrehungen machte, als der Duft des Kräutertees in meine Nase stieg. Die fremde Dame, die nach mir in die Taverne eingetreten war, hat sie rasch wieder verlassen. Sonderbar, dachte ich, denn ich war mir keiner Schuld bewusst. Gegrüßt habe ich sie ja auch.
Aus dem Augenwinkel habe ich dann gesehen wie der Herzog seine Brille abgenommen hat und aufgestanden ist.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen Ihr gehört ins Bett, Fräulein Aireth. So unrecht hatte damit seine herzogliche Hoheit eigentlich nicht. Ich habe mich ein wenig zittrig nun erhoben und gemeint
Da muss ich durch herzogliche Hoheit!
Also Knappin, Ihr seht aus wie Krathor in Weiberform
. Der Vergleich war gut, denn so fühlte ich mich auch.
Ich habe auch wie Krathor getrunken, herzogliche Hoheit und nichts gegessen. So raus ist die Wahrheit und ich hatte kein Problem das zu gestehen, denn die Schmerzen im Kopf und der sich drehende Magen waren Strafe genug.
Ich bin zwar nicht Euer Vater und nicht Euer Sire, aber ihr sollt wissen, dass Ihr mit allem zu mir kommen könnt.
Das weiß ich herzogliche Hoheit, der Sire hat andere Sorgen, oder sagen wir es eher er lebt auf.
Auf seine alten Tage, was er ja immer betont mein Sire, habe ich dabei verzichtet, wäre nicht gerade höflich gewesen, auch wenn der Herzog bei weitem jünger wirkt in seinem Verständnis und seinem Umgang wie mein Sire. Ich denke die Dame in seinem Leben tut meinem Sire nur gut. Sie ist auch bei weitem älter als ich und somit passend für meinen Sire. Außerdem wird sie wohl, das denke ich wirklich, eine gute Stiefmutter für die Tochter meines Sires sein. Genau das was Marie Elisabeth braucht.
Auch mit einem Auge ist das nicht zu übersehen, Knappin, aber lenkt nicht ab! Tja ich habe es versucht, wie immer und kläglich versagt. Ich sollte in Zukunft das bei dem Herzog lassen, der durchschaut mich!
Ich habe ihm dann erzählt, dass ich einen Eid gebrochen, und meinen Kummer darüber in Wein und Whiskey, in genau dieser Reihenfolge, ertränkt habe.
Die Mischung war nicht gut und der Whiskey auch nicht, habe ich dann noch angefügt, als wäre das eine gerechtfertigte Erklärung.
Ich will nicht wissen, welchen Eid Ihr gebrochen habt, Knappin, aber einen Eid zu brechen ist nicht immer schlecht. So mancher Eid muss gebrochen werden!
Ich könnte ihn nun dafür umarmen, wie schafft er nur der Herzog mich immer zum strahlen zu bringen. Wobei das mit dem Strahlen ging nicht äußerlich, die Schmerzen waren noch immer da, aber innerlich tat ich es und ich hätte ihn dafür umarmen können. Was ich natürlich nicht getan habe. Erstens umarmt man keinen Herzog und zweitens wäre das in meinem Zustand nicht gerade ratsam gewesen, so zittrig wie ich mich auf den Beinen fühlte.
Damit muss ich leben, herzogliche Hoheit und um Gnade bitten!, meinte ich dann. Gleich morgen, wenn es mir besser geht, dachte ich dabei tue ich es vor Temoras Altar.
Um Gnade zu bitten und sie gewähren zu können, ist eine unserer Tugenden, Fräulein Aireth. Eine der elementarsten Tugenden, die uns von den dunklen Schergen unterscheidet. Denn nur ein reines Gewissen kann Scham empfinden und nach Gnade suchen. Daher…müsst Ihr Euren Frieden finden bei der der Person von der Ihr ihn bekommen könnt! Die Goldene wird Euch zuhören und Euch vergeben!
Ich hoffe Temora kann mir verzeihen…..ich hoffe es,
habe ich leise laut gedacht und es auch so gemeint, und fühlte mich erneut dabei traurig.
Ihr werdet es erfahren, Knappin!, meinte der Herzog und für diese, mir überaus wohl tuenden Worte hätte ich ihn vor Freude erneut umarmen können. Tat ich natürlich abermals nicht!
Aber Ihr dürft nicht Euer Versagen sehen, Knappin, denn jedes Versagen zeigt uns unser Schwäche auf, und erinnert uns daran, eben nicht perfekt zu sein.
Ich bin nicht perfekt, herzogliche Hoheit, sonst hätte ich zwei Flaschen von dem hochprozentigen vertragen.
Was in aller Welt hat mich nun geritten, das zu sagen? Zum Glück hat der Herzog geschmunzelt und gemeint: „ Na an schlechten Tagen, vertrage ich auch keine zwei.“
Nein?
Jetzt bin ich erstaunt! Das hätte ich nun nicht vermutet, wir sind uns wirklich ähnlicher als so mancher denken würde.
Selten…..aber es kommt vor! Dann habe ich zum ersten Mal an diesem Tag gelächelt und war richtig froh, die Schmerzen waren nun einerlei.
Ich bin eben auch nicht perfekt, Fräulein Aireth!, meint er dann. Aber wenn ich ehrlich bin…..ich bin auch sehr glücklich damit. Wie ich auch! Nur das Kopfweh stört dabei sehr, aber sonst stehe ich zu dem, was ich bin. Nicht perfekt, aber glücklich, wie seine herzogliche Hoheit eben.
Dann sind wir noch überein gekommen, dass ich den Wein mag, er nicht, dafür mag ich das Bier nicht und uns beiden wird bei dem Geruch dabei übel. Aber es hat einen Vorteil! Wir werden uns niemals die Getränke neiden ….bis auf guten Whiskey, da habe ich nun doch meine Befürchtungen.
Danke für die aufmunternden Worte, herzogliche Hoheit! Es tut gut, wenn Menschen einander helfen, habe ich noch ehrlich leise gesagt.
Und wenn man die Person, der man hilft auch noch mag, dann ist die Hilfe für den Helfenden erfüllend, Fräulein Aireth. Und jetzt tut mir einen Gefallen und macht euch auf den Weg heim! Dort esst Ihr einmal etwas und nehmt ein heißes Bad und dann ab ins Bett mit Euch! Und keine Widerrede das war ein herzoglicher Befehl! Wie gut er mich kennt, schon lag mir etwas auf den Lippen und war sogleich dahin. Wie könnte ich ihm das nur abschlagen? Niemals!
Das tue ich gewiss herzogliche Hoheit!, sagte ich und habe mich nach einer angemessenen tiefen Verneigung verabschiedet und bin langsam heim Richtung Residenz meines Sires gegangen. Dort habe ich gegessen, viel zu hastig und es sogleich abermals von mir gegeben. Das heiße Bad danach genommen und das tat richtig gut, auch gegen die Kopfschmerzen und die Übelkeit. Ich entspannte mich und wäre da beinahe eingeschlafen vor Erschöpfung nun. Zum Glück tat ich es nicht, weil dann mein Sire noch eine Wasserleiche in seinem Bade vorgefunden hätte. Eine Alkoholleiche reicht eigentlich, dachte ich mir während ich meinen Körper mit dem Badetuch getrocknet habe und das nasse Haar nur vorsichtig abgetupft, damit die nun ein wenig schwindenden Kopfschmerzen ja nicht erneut heftig zurück kehren. Dann habe ich mich in mein Bett gekuschelt, der Welpe wie immer in meinem Arm und Amra wie immer über meinen Füssen, so sind wir alle drei zufrieden eingeschlafen.

Der letzte Tanz

Verfasst: Sonntag 3. Juli 2011, 15:30
von Niowe Adela Aireth
2. Cirmiasum 254

Die schönsten Augenblicke meines Lebens waren, wenn Micheil mir seine Hand reichte und wir tanzten. Alles rundum verblasste ich sah nur seine Augen, die das Gefühl meiner widerspiegelten, silbern bläulich wie das Mondlicht, Glück für diesen einen Augenblick, der nur uns beiden gehörte.
Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr, wie Sterne funkelten die Flocken in deinem Haar. Das Lied des Barden Amaris, das er mir damals in der Taverne vorgesungen hatte. Es passte alles und in Tränen aufgelöst musste ich davon eilen. Jener Abend war es wohl, der meinen Bruder inspiriert hatte, für mich diesen speziellen Haarschmuck fertigen zu lassen, den ich zu dem Fest der Gräfin getragen habe, Micheil zu Ehren. Winzige Perlen, die in mein Haar eingeflochten, wie kleine Sterne darin funkelten. Erneut musste ich Lächeln während ich mein Kleid überstreifte und das Mieder schloss. Heute werde ich zum ersten Male wieder tanzen, so wie damals mit Micheil, diesmal mit einem anderen Herrn. Der Tanz mit dem Sire zählte nicht, er war nur Übung gewesen und mit keiner Leidenschaft verbunden. Ja ich liebe es zu tanzen und heute war es soweit. Eine Überraschung für Herrn Bernau und auch für mich. Mein erster Tanz und der letzte für eine Woche, denn mein Sire schickt mich in die Wildnis, um dort Prüfungen zu bestehen. Eine Woche lang. Heute will ich aber nicht daran denken, ich möchte mich mit diesem Tanz von Herrn Bernau verabschieden.
Endlich klopfte es an der Tür und mein Herz begann kräftiger zu schlagen. Das muss wohl an dem Mieder des Kleids liegen, ich habe es schon wieder zu eng verschnürt, dachte ich während ich zu Tür eilte. Nach den üblichen Begrüßungen reichte er mir gewohnt seinen Arm und geleitete mich zu dem Ort meiner Wahl.
Der Strand. Zuvor machten wir noch einen kleinen Abstecher zu dem Bankgebäude, wo er ein Geschenk für mich abholen wollte. Dann habe ich ihn von meiner Überraschung berichtet und er war begeistert.
Am Strand inmitten von Fackeln, die ich vorbereitet habe, und die wir in den Sand steckten und entzündeten, tanzten wir einen der alten höfischen Tänze barfuß im Sand. Wie ein Zauber umhüllte uns der Gesang des Meeres und das Licht der Fackeln, ober uns funkelten die Sterne vor Freude darüber, so kam es mir vor, sogar der Mond beobachtet neugierig unser Tun.
Ein letzter Tanz bevor ich für eine Woche lang weg bin. Mein letzter Tanz wie damals mit Micheil, als er mich fort schickte, um zu leben. Nur diesmal ist es nicht Micheil, sondern Herrn Bernau. Während ich ihn umrunde, er zart meine Hand hält und ich in seinem Blick Begeisterung sehe, die gleiche wie ich fühle bei dem Tanz, sehe ich diesmal nicht Micheil. Nein, es ist Herr Bernau, der mich ansieht. Er hat auch nicht silberblaue Augen wie Micheil und ich, und auch kein nachtschwarzes Haar. Dennoch funkelt das Licht der Fackeln in seinem Haar und spiegelt sich in seinen Augen, die mich sonderbar ansehen. So sonderbar, dass ich meinen Blick von ihnen nicht lösen kann und wie gebannt in das warme Strahlen seiner Augen blicke. Am Ende des Tanzes versinke ich in einen Knicks und reiche ihm die Hand für den abschließenden Handkuss. Nur diesmal blickt er mich dabei an und ich muss lächeln. Es ist ein wohltuender Blick, voller Wärme und zugleich einem Gefühl des Staunens. Während wir uns zum ersten Mal so richtig ansehen, vergessen wir beide darauf unser Hand zu lösen. Noch immer hält er die meine in seiner behutsam. Ein zartes Herantasten an etwas was uns beiden fremd ist.
Wer bist du? Und wieso siehst du mich auf so seltsame Weise an, die mich unsicher macht?, frage ich mich und werde unter diesem Blick verlegen. Was sonst nie der Fall ist. Und ich gestatte ihm mich beim Vornamen zu nennen, was ich nun bei ihm auch darf. Alexander. Ein starker Name.
Bist du auch so stark wie Micheil? So sanft und liebevoll wie er es war? So gefesselt von der Schönheit des Leben wie ich?, so viele Fragen stürmen auf mich zu in diesem Augenblick, wo wir beide uns wie gebannt nur ansehen und das Schweigen dann lösen, nicht aber die Hand, was uns beiden später erst aufgefallen ist. Alexander hat mir dann das Geschenk überreicht. Ein Buch! Ich war sprachlos und überglücklich in diesem Augenblick. Ich hatte nur einmal, eher beiläufig ihm gegenüber erwähnt, dass die schönsten Geschenke für mich Gedichtbände sind. Er hatte das damals verstanden und war sichtlich genauso begeistert Gedichte zu lesen wie ich. Wie sonderbar ich hätte das bei Herrn Bernau, bei unserem ersten Treffen in der Greifenrunde nie vermutet. Glücklich habe ich das Buch an mich gedrückt mit beiden Händen und dabei bemerkt, dass die Wärme seiner Hand nun nicht mehr an meiner fühlbar war. Ein Gedichtband war es, und ich habe mich herzlich bedankt, meine silberblauen Augen müssen wohl dabei gestrahlt haben, denn er hat sich sichtlich gefreut, dass sein Geschenk so gut bei mir ankam. Er hat ein gutes Lächeln, dachte ich mir. Aufrichtig ist es und voller Wärme. Wie Micheil es hatte.
Alexander begleitete mich noch nach Hause. Wie immer lasse ich mich von ihm, meine Hand kaum fühlbar auf seinem Arm gelegt, führen. Es fühlt sich gut an, denke ich. Dann verabschieden wir uns. Bevor ich zu Raindri aufbreche um mich von meinem Freund und der liebgewonnenen Ira, die äußerlich so hart äußerlich wie eine Nussschale, aber so weich und menschlich in ihrem Herzen ist, sehe ich noch nach den Blumen in meinem Zimmer. Meinen Sire wird der Schlag treffen bei dieser Pracht an Gestrüpp, wie er es nennt, aber diese Wortwahl in letzter Zeit in meiner Gegenwart vermeidet. Ich hoffe nur er achtet darauf während ich diese eine Woche meinen Pflichten als Knappin nachkomme, um die Aufgaben zu bewältigen, die er mir in einem Buch niederschreiben wird. Während ich die Farbenpracht meiner Blumen, deren Duft das Zimmer erfüllt, betrachte, fallen mir die Worte ein, die ich meinem Ritter am Tag zuvor gesagt habe.
Es gibt Zeiten Sire, da muss sich eine Knappin von ihrem Ritter lösen, um ihren Weg zu gehen, das ist nicht böse gemeint, es gehört einfach dazu Sire. Das formt einen Menschen und so kann er aufrecht bestehen.
Du hast dich bemerkenswert gewandelt in letzter Zeit, Niowe Adela.
Ja, Sire,
habe ich schlicht geantwortet.
Ja sehr sogar, Niowe Adela.
Zu dieser Wandlung, die ja immer schon in mir verdrängt bestanden hat, Adela war schon immer so. Ich habe sie nur damals zurückgelassen mit meinem abgeschnittenen Haar, welches nun auch wieder lange über meine Schulter reicht. Jetzt ist sie in mir zurück gekehrt und ich bin glücklich darüber und ja, ich stehe zu ihr, zu mir, so wie ich bin und ich fühle in meinem Herzen, dass Micheil und Gilian und ja auch Vater glücklich darüber sind.
Ich habe mich noch dann nachdem ich meine Blumen sicher und wohlbehalten der Obhut meiner Hündin Arma und meinem kleinen Welpen überlassen habe, auf den Weg zu Raindri gemacht.
Wie typisch von ihm. Beinahe hätte ich gelacht, wüsste ich nicht, dass er sich um mich sorgt. Was er nie so zugeben würde.
Was wurde mit dem Sire vereinbart? Wo kann ich dich suchen? Seine typischen Fragen, die ich bereits erwartet habe. Da ich es nicht weiß, wohin mein Weg mich führt, konnte ich sie nicht beantworten.
Oh je, dann wünsche ich dir viel Erfolg Niowe, und dass du die Gefahren überstehst…weiß der Sire wo ich dich finden kann, wenn du nicht wieder zurück kommst?
Ich denke ja, er will mir die Aufgaben in ein Buch schreiben, also sollte er es wissen,
antworte ich mit einem innerlichen Schmunzeln ob seiner Fürsorge.
Du, Niowe, ich weiß nicht…..ich mag es nicht, wenn jemand, egal wer, außer meiner Reichweite ist, und ich nicht weiß, wo er steckt, dabei hat er geseufzt. Er tat mir in diesem Augenblick leid, aber ich konnte ihm nicht helfen, ich wusste ja auch nicht wohin mein Weg mich führen wird.
Also habe ich mich rasch verabschiedet und ihn gebeten Ira meine besten Grüße auszurichten. Ich hoffe, er vergisst es nicht.
Morgen werde ich noch ein Buch für den Sire schreiben, mit dem Tag versehen, an dem ich aufbreche und mir einigen Anmerkungen, die meine Blumen betreffen und meine beiden Hunde, deren Wohl mir am Herzen liegt. Dann werde ich zu einem Gebet noch in die Kirche gehen und Temoras Gnade erflehen.

Es kommt immer anders als man denkt

Verfasst: Montag 4. Juli 2011, 20:52
von Niowe Adela Aireth
3. Cirmiasum 254

Ich wollte nach dieser Schlacht abreisen, um meine Aufgaben in der Wildnis zu bewältigen, die mein Sire mir stellt. Ich kam nicht mehr dazu, weder mein Streitross zu beladen mit all dem was ich vorbereitet hatte, noch das Buch an mich zu nehmen, in dem die Aufgaben stehen sollten, noch mich von meinen Hunden zu verabschieden oder einen Zettel mit Erinnerungen für den Sire zu schreiben. Blumen gießen lassen bitte, Hunde füttern lassen bitte und das täglich und bitte streicheln lassen. Tiere brauchen Liebe und Wärme, darüber denkt mein Sire nicht nach. Aber ich bin mir sicher das Hauspersonal hätte darauf geachtet, wenn er ihnen den Befehl gibt.
Zu dem kam es leider nicht. Wie sehr hatte ich mich darauf gefreut, eine Woche alleine in die Wildnis zu gehen. Ganz alleine! Kein Sire, der dem Heiler vor mir befiehlt, er solle meine Wünsche missachten, und das tun was ein Heiler tut, wenn nötig. Dabei habe ich Kilian nach der Operation einen herzerweichenden Blick noch zugeworfen. Reden konnte ich ja kaum, weil dieser Trank mich in Ohnmacht versetzt hat und ich immer noch nach dem Aufwachen benebelt war.
Ich behalte sie hier und entscheide, dann Morgen, aber sie hat so einen starken Willen, meint Kilian
Und ja einen riesen großen Dickkopf und vor allem einen Selbstzerstörungssinn, meinte mein Sire.
Dickkopf stimmt, aber Selbstzerstörungssinn nicht. Ich liebe das Leben mehr als mein Sire. Ich freue mich täglich über all das Schöne, was Temora uns schenkt, und bin glücklich darüber. Mein Sire hat keine Ahnung von mir, was mich auch nicht verwundert eigentlich. Wie sollte er? Alles was ich liebe und woran ich mich erfreue, ist ihm suspekt. Von Blumen angefangen. Er ist Vater nicht unähnlich, denke ich nun sehr oft. Und herzlos, das habe ich ihm einmal gesagt, wie Vater es war. Vielleicht hat er kurz darüber nachgedacht, aber mehr wohl nicht. Er hat nicht begriffen, was ich ihm eigentlich damit sagen wollte. Ich wollte ihm einen Anstoß geben, sein Leben ein wenig zu ändern, zu leben und sich daran zu freuen. Es ist mir wohl kaum gelungen. Ich hoffe nur, dass die Dame in seinem Leben, etwas an seinem Zustand verändert. Ich hoffe es und ich werde darum zu Temora beten, aber dann erst, wenn ich sie um Gnade gebeten habe. Zu viel auf einmal wäre wohl nicht gut.
Vielleicht wird man so wie mein Sire und mein Vater, wenn man das Liebste auf der Welt verliert, seine Frau. Ich habe es auch verloren, aber ich bin nicht herzlos. Menschen, die Natur und deren Lebewesen berühren mich. Das ist die Liebe, die Temoras mir in ihrer Gnade gezeigt hat, und sie ist Teil meines Lebens geworden. Ich kann wieder offen auf Menschen zugehen und mit ihnen lachen oder weinen und vor allem Freude empfinden. Es tut gut das zu können. Das Schlimmste habe ich überstanden und auch wenn mich der Verlust meiner Familie geprägt hat, es hat mich nicht zerstört. Ich weiß nun mit Sicherheit, dass ich meinen Sire liebe, aber auf eine andere Art, als ich dachte. Wie Vater eher. Ich werde zu ihm stehen und da sein, sollte er mich brauchen, aber eines ist gewiss, ich gehe meinen Weg, der anders ist als seiner. Ich bin trotz meiner Jugend gereift, ich habe bei weitem mehr, als so mancher überstanden und bin dadurch noch stärker geworden.
Ich habe schon die Freiheit gerochen. Eine Woche lang unterwegs zu sein. Endlich frei atmen. Das Todeshaus beklemmt mich, auch wenn ich es mit den Blumen und Kerzen und Laternen ein wenig verändert habe. Seine dahin geschiedene, geliebte Frau ist immer da. Ich bin in letzter Zeit bin ich viel unterwegs, damit ich dem entrinne, mich davon befreie und atmen kann. Ich verstehe meinen Sire und doch auch nicht. Wenn ich es schaffen kann mich von den Erinnerungen zu lösen, was sehr schwer war, das gebe ich ja zu, wieso schafft das mein Sire nicht? Er ist wesentlich älter als sich, sollte also auch besser damit umgehen können, denke ich. Er trägt noch immer den Ehering und ich den alten Ankh, ein Erbstück meiner Familie, verborgen unter meinem Gewand. Für mich ist es das einzige, was mir von ihnen blieb. Für ihn wohl kaum, die Residenz ist wie eine Erinnerungsstätte an seine verstorbene Gemahlin. Überall stehen Gegenstände von ihr, die man nicht verrücken darf und schon gar nicht berühren. Es ist schwer so zu leben, und ich will es nicht mehr. Ich verkrieche mich, wenn ich in der Residenz verweile in meinem Zimmer und bin da glücklich. Überall habe ich Blumen hingestellt und meine beiden Hunde sind um mich. Meine Büchersammlung mit Gedichten habe ich aufgestellt und lese viel.
Jetzt liege ich da, und lausche den beiden, meinem Sire und dem Heiler Kilian. Ich kann mich kaum bewegen, und fast nicht sprechen, aber ich lebe, das war mir von Anfang an klar, denn ich will leben! Ich will in die Wildnis und ich will noch so viel erleben. Meine erste Liebe, den ersten Kuss und noch tausende Komplimente und viele Tänze und viele Schlachten noch und den Blick des Herzogs sehen, wenn er auf mich stolz ist. Vielleicht auch mit ihm einen sehr guten Whiskey mal trinken. Bier nicht! Das steht fest! Vielleicht das eine oder andere Spiel ohne Einsatz mal mit ihm wagen, rein aus Freude nur.
Ich möchte einmal bei einem Turnier dabei sein und ich möchte den zukünftigen jungen König sehen. Ich würde gerne den Hochedlen von Schwarzburg kennen lernen und von ihm einiges erfahren. So vieles möchte ich noch tun, ich bin jung und die Welt steht mir offen. Momentan hindern mich nur der Verband daran und dieser Zustand. Aber ich bin gewiss, morgen oder spätestens übermorgen knie ich vor dem Altar Temoras und spreche mein Gebet bevor ich aufbreche.

Verfasst: Dienstag 5. Juli 2011, 23:03
von Niowe Adela Aireth
5. Cirmiasum 254

Ich habe noch meine Briefe geschrieben und verteilt. Den für Eric bin ich mir sicher wird Ira noch lesen, wie gewohnt den Briefkasten aufbrechen. Daher habe ich auch für sie einige Zeilen da eingefügt und mit der Bitte versehen Raindri für mich zu umarmen. Ich komme wieder! Ich bin ja nur eine Woche weg auf Abenteuer. So sehe ich es.
Die infamen Worte der Hochedlen gestern, habe ich verdrängt. Adel sollte eigentlich Manieren haben. Seine Worte haben mich zutiefst verletzt in meiner Reinheit und Unschuld, die ich mir bewahrt habe, so wie mein Bruder Micheil es wünschte. Wie ich dem Herrn Hochedlen kund tat, als Knappin ist es mir nicht gestattet ihn zu fordern, als Ritterin hätte ich es sogleich getan. Er hat sich zwar entschuldigt, was ich in dem Augenblick nicht angenommen habe. Es war keine ehrliche Entschuldigung.

Es steht Euch zu Euch zu entschuldigen Hochedler, aber mir steht es auch zu dies nicht zu akzeptieren!

Damit war die Angelegenheit für mich erledigt. Ich werde darüber nachdenken und werde dann vor der dem Schrein der Herrin dies entscheiden aus freiem Willen, nicht weil man es einfach tut einem Hochedlen gegenüber. Ich werde auch mit dem Herzog darüber noch sprechen, vertraulich natürlich. Ich kann ja mit allem zu ihm kommen, und seine Meinung in dieser Angelegenheit würde mich sehr interessieren.
Selbstachtung ist das wichtigste im Leben, ohne diese kann man andere nicht achten, das Leben nicht achten. Ich hoffe, der Hochedle hat es begriffen, auch wenn ich es nicht glaube. Einen Brief habe ich für meinen Sire hinter lassen und einen noch für Herrn Bernau mit einem Gedicht, welches ich noch in der Nacht abgeschrieben habe. Es ist wunderschön, so empfinde ich es ist. Ich hoffe es gefällt ihm auch. Meinem Sire habe ich so einiges aufgeschrieben, und, auch wenn es mir nicht zusteht als Knappin, ihm den Rat zu geben über sich und sein Leben nachzudenken, dafür stelle ich ihm meine Insel im See zur Verfügung. Sie bedeutet mir so viel, so viel Zeit habe ich dort verbracht und nachgedacht , Gedichte gelesen, mit anderen diskutiert, ab und an geweint, aber auch viel gelacht und war jedesmal glücklich da. Ich schätze meinen Sire so ein, dass er meinen Rat ignorieren wird. Hoffen tue ich es nicht, er würde so einiges an sich und über sein Leben auf meiner Insel erkennen.
Den Herzog sah ich zum Glück noch vor der Abreise! Ich hätte mir nicht vorstellen können, ohne ihn noch einmal zu erblicken, abzureisen. Sehr viel verbindet uns, so sonderbar das auch klingen mag. Er ist mir Freund und Berater geworden und ich werde ihm nichts verheimlichen. Ich verehre ihn und ich liebe ihn wie ich einst meine Familie geliebt habe. Es tut gut ihm einst als Ritterin dienen zu dürfen. Mein sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Wo es den besten Whiskey gibt, habe ich auch meinen Herzog noch fragen können, und ich werde auf meiner Reise für uns beide genügend Flaschen von dem besten mitnehmen. Davon weiß er noch nichts. Ich bin überzeugt, dass es eine Überraschung dann wird und er sich freut.
Meinem Sire habe ich diesbezüglich nur Andeutungen gemacht, bin aber auf seinen erstaunten Blick nicht weiter eingegangen.
Ich lehne auf Deck an der Reling des Schiffs und betrachte das Meer, und die Delphine, die uns begleiten. Bald bin ich dort, wo meine Reise durch das Land beginnt. Eine Woche voller Abenteuer, so sehe ich es. Mein Sire wohl eher als Prüfungen einer Knappi

Insel Zirkus

Verfasst: Donnerstag 7. Juli 2011, 20:20
von Niowe Adela Aireth
7. Cirmiasum 254

Den dritten Tag bin ich nun hier in Lameriast auf dieser riesigen Insel. Langsam finde ich mich zurecht, weiß woher ich trockenes Holz von abgestorbenen Ästen finde. Ich habe mir sogar ein kleines geheimes Lager anleget. Wie wild Äste dahin geschleppt und
gestapelt. Mein Lager ist am See natürlich welcher in das Meer mit winzigen Wasserfällen führt. Ich bin richtig glücklich diesen Platz gefunden zu haben. Die Reihenfolge der aufgaben habe ich bestimmt, der Sire hat diesbezüglich nichts erwähnt. Das Beste hebe ich mir für den Schluss auf. Temoras Schreine. Viel habe ich schon erledigt und ja die Anmerkung meines Sires war typisch. Nicht im Suppentopf von den Wilden landen. Bin ich fast. Danke Sire! Es tut gut wenn ein Ritter sich so um seine Knappin sorgt, dass er sie in ein Heer von Wilden schickt, die Menschen fressen und bei meinem Anblick entzückt waren. Wohl weniger, ob der Tatsache meines Aussehens, als junges frisches Menschenfleisch frei Haus geliefert zu bekommen.
Ich habe mein bestes getan, reden konnte ich mit ihnen wenig, also bekam die Vorhut einige Schwerthiebe übergezogen, was sie eigentlich zur Vernunft hätte bringen sollen. Mitnichten. Im nu waren dreißig oder mehr noch da. Die Nachricht, dass da ne sehr junge leckere Frau im Dschungel war, hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet.
Da komme ich nicht durch, dachte ich mir. Nur in Lederkleidung, die schlicht und unbeschlagen war.
Zu viele, das geht nicht. Außerdem waren deren Schützinnen sehr gut. Einem Pfeilhagel konnte ich gerade so noch ausweichen. Jedenfalls habe ich nun die doppelte Anzahl an Pfeilen bei mir, als bei meiner Abreise. Ich habe sie heimlich in der Nacht nach meiner Flucht noch aufgesammelt. Sonderbar eigentlich aber das liegt wohl in meiner Natur. Sicher ist sicher und was man hat, das hat man, vielleicht kann ich sie noch gut gebrauchen.
Nur dieser eigenartigen Medizinfrau ist es zu verdanken, dass ich da heil raus kam aus dem Dschungel. Wobei heil ist ein wenig übertrieben, Fieber habe ich noch, aber damit kann ich umgehen, ich habe ja von ihr diese eigenartige Mischung an Kräutern erhalten. Wieso sie mir nicht gleich einen Hieb mit ihrem schweren Holzstock über den Kopf gezogen hat, als ich in höchster Not ober der nun angewachsenen Horde an Wilden, die mich verfolgt, in ihre mit Stroh bedeckte Hütte gesprungen bin, ist mir
unklar. Vielleicht wollte sie das leckere Essen, mich, für sich behalten. Jedenfalls scheinen die Wilden vor ihr Respekt zu haben, denn sie gehorchten sofort und suchten das Dorf nach mir ab, ohne in die Hütte der Medizinfrau zu blicken. Sie hat behutsam meine Wunden gereinigt, einen Pfeil aus meinem Bein gezogen und verbunden. Dann musste ich eine ekelhafte Brühe trinken. Vielleicht eine Würze für mich als Mahl dann, die man schluckt und das Fleisch wird dadurch geschmackvoller. Ich habe jedenfalls kein Wort verstanden, sie mich auch nicht. Getrunken habe ich das Zeug und es ging mir besser dabei. Ich bin sogleich eingeschlafen und in tiefster Nacht aufgewacht. Sie war nicht in der Hütte.
Also machte ich mich auf zu fliehen.
Im Schatten der Hütten legte ich im Dorf Ruhepausen ein, beobachtet die unzähligen Wachen und bemerkte den Häuptling am Lagerfeuer zusammen mit meiner Medizinfrau. Die beiden schienen sich recht laut zu unterhalten und gar nicht freundlich waren die Blicke, die sie sich dabei zuwarfen. Mehr brauchte ich nicht zu sehen und schlich mich aus dem Dorf. Rannte im Schutz der Bäume durch den Dschungel, stolperte dabei über die eine oder andere Wurzel, was in der Stille einen entsetzlichen Lärm verursachte. Rasch bin ich dann auf einen der Bäume geklettert und habe das Pochen dabei in meinem Bein ignoriert. Gerade rechtzeitig, denn schon sah ich die Fackeln, die näher kamen.
Sie suchen mich, das war sogleich mein Gedanke. Wie lange ich da oben saß und die Lichter der Fackeln beobachte, die im Dickicht des Dschungels einmal näher, dann in weiter Ferne tanzten, war mir unklar. Und wenn ich da oben Tage sitze, ich bewege mich erst, wenn die Gruppen der Suchenden sich zurückgezogen hatten. Was auch nach Stunden geschah, das merkte ich an meiner verkrampften Haltung da oben, auch das Bein tat nun weh. Ich sollte es ausstrecken und ruhen und nochmals diese Kräuter drauf legen und das Gebräu trinken. Zum Glück habe ich das alles bei mir. Temora möge es mir verzeihen, dass ich nicht danach gefragt, sondern es einfach eingesteckt habe. Aber was tut man nicht alles um jemanden die Mahlzeit zu versauen und abzuhauen. Nun liege ich in meinem Versteck eingerollt in meine Decke und sammle mich für die Aufgaben, die ich morgen durchführen will.
Die Medizin wirkt und ich schlafe ein. Endlich wieder frei und was wichtiger ist, ich bin nicht im Magen dieser Wilden gelandet.

Fieber

Verfasst: Freitag 8. Juli 2011, 21:21
von Niowe Adela Aireth
8. Cirmiasum 254

Ich habe diese Nacht sonderbare Träume. Wobei jetzt wo ich wach bin, angebunden mit einem Seil an einem Baum, damit ich ja nicht ertrinke, und bade, bin ich mir unsicher. Ist es ein Traum? Oder eine Warnung? Oder nur das Fieber? Das mit dem Seil der um meine Mitte gebunden wurde und dann an dem Baum fest, war eine prächtige Idee. So, sollte der Teich tief sein, kann ich mich an dem Seil aus dem Wasser ziehen. Das Bad tut gut und mit ist nicht mehr so elendig heiß.
Meine Beinwunde brennt wie höllisch dabei aber sie sieht gut aus. Scheint zu heilen, dank dieser Medizinfrau von gestern. Ich werde nach dem Bad erneut von diesem Rum etwas darüber schütten, dass desinfiziert sicherlich, dann noch die restlichen Kräuter darauf und mit Streifen von einem Leinentuch fest verbinden.
Aber dieser Traum geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Meint Sire hat mich geschlagen, dann an den Baum und mich den Wilden überlassen. So in etwas war er mein Traum. Jetzt wach und frisch gebadet weiß ich nicht so recht etwas damit anzufangen. Ist das eine Warnung? Oder war alleine das Fieber an diesem absurden Traum schuld? Oder beides? Oder will mein Sire mich los werden? Als mein Vormund könnte er mein Vermögen einstreichen und mein Testament einfach vernichten. Das würde er doch nicht tun oder? Nein, würde er nicht!
Ich vermisse meinen Herzog. Das erste was ich tun werde, wenn ich zurück bin, ich werde ihn aufsuchen und von all meinen Erlebnissen erzählen. Zurück zu meinem Traum im Fieber. Was ist nun wahr, was nicht? Ehrlich gesagt ich will nicht mehr darüber nachdenken, ich vertraue einfach meinem Sire, wie gewohnt, werde aber meine Augen offen halten, mehr als sonst. Ich will ja nicht meine Beschützer unnötig in Anspruch nehmen.
Das Fieber steigt wieder und hinke ein wenig. Der Weg zu diesem Strand ist weit aber ich mache keine Pause. Das schaffe ich schon. Am Strand angekommen trinke ich unendlich viel Wasser aus meinem Wasserschlauch, den ich vorsorglich am See nachgefüllt habe. Mir ist schon wieder wahnsinnig heiß, meine Stirn glüht, das Fieber ist gestiegen. Um mich ein wenig abzukühlen binde ich mir ein feuchtes Tuch um die Stirn und trinke noch ein wenig von diesem Zeug von der Wilden.
Auf zur nächsten Aufgabe, dachte ich. Es kam aber anders.

Mitten da am Strand stand Herr Amadas.
Ihr seht aus, als könnt Ihr ein wenig Erholung gebrauchen, meinte er nachdem er mich eingehend betrachtet hat. Ja, das klingt verlockend und Durst habe ich schon wieder. Während er unzählige kalte Wasserkrüge besorgte in der Taverne am Strand, schüttete ich erneut Wasser auf mein Tuch und presse es gegen die Stirn. Das Kühle tat gut! Während ich mehrere Becher von dem Wasser in einem Zug leere, werde ich aufmerksam von Herrn Amadas beobachtet. Er ist zwar ernst wie immer, aber sein Blick sonderbar.
Ihr habt wunderschöne Augen! Das brauche ich genau jetzt, wo ich mich wie ein ausgewrungener Lappen fühle! Männer sind sonderbar. Egal, wie man sich gerade fühlt sie machen Komplimente und sind dann
ein wenig eingeschnappt, wenn man darauf nicht reagiert. Ich habe derzeit anderes im Kopf, Herr Amadas, wollte ich schon sagen, aber bei dem Blick konnte ich es einfach nicht. Also habe ich weitere drei Becher Wasser noch getrunken, in der Hoffnung mir wird kühler und Herr Amadas vergisst die Worte von vorhin. Das tat er aber nicht, leider.
Mitten im Disput, wo ich höflich versucht habe ihm zu erklären, dass sein Kompliment ankam, man es freudig aufgenommen hat, aber derzeit keine Gedanken daran verschwendet, und er Thesen aufstellte über meine Person, die verwirrende waren, das Fieber war wohl schuld daran, kam Hilfe. Ein junger Mann sprang über den niederen Zaun, was mich an meine Sprünge über Stufen erinnert hat. Das ist schon Elends lange her, denke ich dabei, und seufze. So vieles liegt nun zwischen diesen Stufensprüngen und dem jetzt hier. Der Sprung hätte mich aber gereizt, wäre da nicht mein Bein gewesen.
Nach einigen Worten der Begrüßung begann Herr Amadas erneut einen Disput über die Unsinnigkeit dieses Sprungs. Nein war es nicht, es geschah aus reiner Freude an der Bewegung. Ich hätte wohl besser meinen Mund gehalten, denn nun diskutierten wird über Freude und Sprünge, die man eher nicht machen sollte, weil man könnte ja fallen, so Herr Amadas. Und wenn?
Man fällt und steht auf, wie im Leben!, habe ich erwidert. Der Neuankömmling war eher ratlos bei all den Worten. Ich kann ihn verstehen! Der Mann ist dann gegangen. Herr Amadas blieb und überhäufte mich mit Komplimenten, wie klug ich wäre, wie schön und was für philosophische Gedanken ich hätte, das alles zusammen hat ihn sichtlich beeindruckt. Mich weniger. Erstens wurde ich von Vater nicht so erzogen, mich von dem niemals beeindrucken zu lassen. Vielleicht hätte ich ab und an gerne mal ein Lob vernommen, aber es sollte wohl nicht sein. Meine Sturheit hat dann darüber weggesehen, akzeptiert, dass Lob und dieser Firlefanz wie Komplimente nicht wichtig sind für mich. Während andere Damen unter Komplimenten zerfließen, bedanke ich mich höflich dafür, und das war es. Wobei ich immer auch überlege, was genau will diese Person von dir? Schmeicheln? Das kann ich besser! Dich in Sicherheit wiegen mit schönen Worten? Das kann man vergessen! Mich von etwas Wichtigem ablenken? Das kann man auch vergessen, ich bin nicht leicht abzulenken und wenn dann nur wenn ich alleine bin, das gönne ich mir dann bewusst.
Ehrlich gesagt, bin ich heilfroh, dass Raindri nicht so ist. Er sagt mir, was Sache ist charmant und manchmal uncharmant aber nie grob und es ist die Wahrheit! Das schätze ich an ihm über alles. Er muss sich nicht verstellen und ich auch nicht. Ein echter Freund, der zu mir steht und ich zu ihm. Daran wird keiner etwas ändern können. Ähnlich ist mein Herzog, bei ihm weiß ich genau, wie er es meint und das erkenne ich an seinem Blick, und er kennt mich inzwischen wohl auch sehr gut. Jegliche Gefühlsregung scheint er zu erkennen. Das Gute dabei ist, es stört mich nicht bei ihm. Er ist fast wie ein Vater für mich. So einen hätte ich mir gewünscht, aber ich darf mich nicht beklagen, mein Vater war so, ohne jegliche Gefühlsschwankungen, und sehr hart zu sich und zu uns allen ohne Ausnahme. Dennoch liebe ich ihn und denke mit Ehrfurcht an ihn und all das was er mir auf den Weg mitgeben hat. Erschöpft habe ich das Gespräch mit Herrn Amadas beendet.
Zu spät für die nächste Aufgabe, die mache ich morgen. Dann geht die Reise weiter.