Verfasst: Donnerstag 20. August 2020, 15:56
Als die Sonne sich langsam senkt und nur noch die Dächer der Stadt mit ihrem Schein streift, wirft so manches Fenster die Strahlen funkelnd an die nächste Hauswand, jedoch nicht das Fenster von Lester. Nachdenklich steht der junge Magier am Fenster und stützt sich mit den Händen am Fensterbrett ab, der Blick wandert über die Dächer Adorans in den Westen, wo sich zwischen all den Baumkronen irgendwo der Eingang zu den Erdhöhlen verbirgt. Das blonde Haar wirft sich im warmen Abendwind in das Gesicht, welches sonst eher Faltenfrei wird, jedoch nun eine nachdenkliche Furche ziert.
Lester hat den Ort schon einige Male alleine erkundet und wusste durchaus, welche Gefahren dort unten lauern können. Die gesamte Höhle wirkt karg, doch ist sie voller Leben. Selten kommt man dazu, an einer Stelle zu verharren und sie weiter zu untersuchen. Diesmal würde es anders sein. Diesmal würde er nicht nur die alte Bibliothek nach Steintafeln oder Schriftstücken durchforsten, sondern auch von den drei Erzgruben Kristallproben für Leandra und die Forschung im Hospital beschaffen - selbst wenn die Höhlen nicht mehr als das hergeben würden, wäre die Expedition damit schon erfolgreich, wenn damit dem Beseitigen der Kristalle Vorschub geleistet werden konnte. Der Plan war nicht besonders kompliziert, auch wenn er das gezielte Beseitigen aller gefährlichen oder feindseligen Lebensformen beinhaltete.
Der Trupp aus Freiwilligen, der sich am vergangenen Tage versammelt hatte, war größer als Erwartet. Auch die Erinnerung daran, wie viele tapfere Streiter sich in den Reihen versammelten, lässt seine Mundwinkel am Abend sich zu einem sanften hoffnungsvollen Lächeln heben. Selbst die Ritterschaft war anwesend, so dass die Erfahrung von Sir Heinrik von Talgrund ohne weiteres dass kompensieren konnte, was Lester an militärischer Taktik fehlte. Was in der Ferne lag, hätten Moira und Dirinthar mit Leichtigkeit niederstrecken können - dessen war Lester sich durchaus sicher. Und mit Hluthar, Nathelia und Emilia wären auch die meisten Viecher im Nahkampf gut in Schach zu halten. Doch die Sicherheit, die er aus diesen Gedanken zog wurde umwoben mit der Dunkelheit der Höhlen, in die sie hinabstiegen, wo sich alles bewegte und die Ruhe nichts weiter war, als einer Atempause dieses einzigen Organismus bestehend aus gefährlichen Kreaturen. Für ihn war es, als würden sie langsam den Schlund einer Bestie hinabsteigen - doch sich das anmerken zu lassen stand außer Frage. Er war Verantwortlich für das Ganze.
Die Ruinen selbst waren ein Labyrinth aus verworrenen Gängen, vermutlich lag hier einst eine große Stadt, von der nicht mehr als die Grundmauern übrig geblieben sind - in einem vergleichbar schlechten Zustand war auch die alte Bibliothek. Staub, Dreck, Schimmel.
Es war alles so vermodert, dass man die Bücher nicht mal zum anfeuern eines Kamins hätte nutzen können.
Die Schürfgruben zeigen hingegen ein anderes Bild: in ihnen blühte der Stein immer noch auf. Große volle Kristalle erhellten die Grube. Das ausgerechnet die Hochedle von Salberg sich eine Hacke mitbrachte um diese zu ernten konnte Lester immer noch kaum glauben. Doch die Mühe zahlte sich aus. Zusammen mit Amelie, Innes und Moira erntete er eine beachtliche Menge Splitter - die Hacken schlugen immer wieder in den Kristall und brachen Stücke hinaus. Jedoch kroch zu dem Knacken der wilden Kristalle bald ein anderes, knackendes Geräusch. Hin und her, auf und nieder durch die Dunkelheit hinweg sah man rote Kristallwesen sich um die Gruppe tummeln, immer wieder wagten sie sich aus ihre Deckung um zu beobachten. Doch brach kein Tumult aus. Wenn auch alarmiert, zog die Gruppe kontrolliert weiter zur nächsten Schürfgrube - das Knistern und Knacken der Bestien folgte ihnen, doch zeigten sie immer eine gewisse Scheu, hielten Abstand von der Expedition. Die Expedition war eingekreist und nur der Weg in den Westen war offen. Erst als die Gruppe dann in die Wasserhöhle trat, verschwanden auch die Kristallbestien und waren dann nicht wieder zu finden.
Zweifelsohne, sie waren dort unten nicht grundlos. Und sie waren auch kein unkontrollierter Haufen - dafür handelten sie zu koordiniert.
Auch ihren Ursprung auszumachen, indem Shara sie mit Magie ködert, zeigte nicht die erhoffte Wirkung. Die Erinnerung an den Versuch, welcher die beiden Liedwirker auf die Knie zwang, ist bei Lester noch verschwommen. Ein Fuchs, soll geholfen haben. Ein Knall.
Die Müdigkeit. Feliciana, die ihn hält, vor dem Sog schützt. Schlaf. Aber niemand war verletzt. Niemand ist zurückgeblieben. Ein Erfolg?
Was auch immer es war - sie werden in die Höhlen zurückkehren müssen um zu sehen, was Phanodain getan hat, um zu helfen. Lester seufzte und senkte den Blick vom Horizont, nachdem er den vergangenen Tag rekapitulierte. Die Welt haben sie nicht verändert, aber vielleicht geholfen.
Adoran war ruhig wie an jedem Abend. Eine Frau fegte mit einem Reisigbesen ihre Treppen.
Sommerwarmer Abendwind zog durch die Straßen.
Der Bäcker legte die Holzklappen des Ofens zum Wässern in den Fluss. Morgen früh würde es wieder nach Brot riechen.
Ein schöner Gedanke.

Lester hat den Ort schon einige Male alleine erkundet und wusste durchaus, welche Gefahren dort unten lauern können. Die gesamte Höhle wirkt karg, doch ist sie voller Leben. Selten kommt man dazu, an einer Stelle zu verharren und sie weiter zu untersuchen. Diesmal würde es anders sein. Diesmal würde er nicht nur die alte Bibliothek nach Steintafeln oder Schriftstücken durchforsten, sondern auch von den drei Erzgruben Kristallproben für Leandra und die Forschung im Hospital beschaffen - selbst wenn die Höhlen nicht mehr als das hergeben würden, wäre die Expedition damit schon erfolgreich, wenn damit dem Beseitigen der Kristalle Vorschub geleistet werden konnte. Der Plan war nicht besonders kompliziert, auch wenn er das gezielte Beseitigen aller gefährlichen oder feindseligen Lebensformen beinhaltete.
Der Trupp aus Freiwilligen, der sich am vergangenen Tage versammelt hatte, war größer als Erwartet. Auch die Erinnerung daran, wie viele tapfere Streiter sich in den Reihen versammelten, lässt seine Mundwinkel am Abend sich zu einem sanften hoffnungsvollen Lächeln heben. Selbst die Ritterschaft war anwesend, so dass die Erfahrung von Sir Heinrik von Talgrund ohne weiteres dass kompensieren konnte, was Lester an militärischer Taktik fehlte. Was in der Ferne lag, hätten Moira und Dirinthar mit Leichtigkeit niederstrecken können - dessen war Lester sich durchaus sicher. Und mit Hluthar, Nathelia und Emilia wären auch die meisten Viecher im Nahkampf gut in Schach zu halten. Doch die Sicherheit, die er aus diesen Gedanken zog wurde umwoben mit der Dunkelheit der Höhlen, in die sie hinabstiegen, wo sich alles bewegte und die Ruhe nichts weiter war, als einer Atempause dieses einzigen Organismus bestehend aus gefährlichen Kreaturen. Für ihn war es, als würden sie langsam den Schlund einer Bestie hinabsteigen - doch sich das anmerken zu lassen stand außer Frage. Er war Verantwortlich für das Ganze.
Die Ruinen selbst waren ein Labyrinth aus verworrenen Gängen, vermutlich lag hier einst eine große Stadt, von der nicht mehr als die Grundmauern übrig geblieben sind - in einem vergleichbar schlechten Zustand war auch die alte Bibliothek. Staub, Dreck, Schimmel.
Es war alles so vermodert, dass man die Bücher nicht mal zum anfeuern eines Kamins hätte nutzen können.
Die Schürfgruben zeigen hingegen ein anderes Bild: in ihnen blühte der Stein immer noch auf. Große volle Kristalle erhellten die Grube. Das ausgerechnet die Hochedle von Salberg sich eine Hacke mitbrachte um diese zu ernten konnte Lester immer noch kaum glauben. Doch die Mühe zahlte sich aus. Zusammen mit Amelie, Innes und Moira erntete er eine beachtliche Menge Splitter - die Hacken schlugen immer wieder in den Kristall und brachen Stücke hinaus. Jedoch kroch zu dem Knacken der wilden Kristalle bald ein anderes, knackendes Geräusch. Hin und her, auf und nieder durch die Dunkelheit hinweg sah man rote Kristallwesen sich um die Gruppe tummeln, immer wieder wagten sie sich aus ihre Deckung um zu beobachten. Doch brach kein Tumult aus. Wenn auch alarmiert, zog die Gruppe kontrolliert weiter zur nächsten Schürfgrube - das Knistern und Knacken der Bestien folgte ihnen, doch zeigten sie immer eine gewisse Scheu, hielten Abstand von der Expedition. Die Expedition war eingekreist und nur der Weg in den Westen war offen. Erst als die Gruppe dann in die Wasserhöhle trat, verschwanden auch die Kristallbestien und waren dann nicht wieder zu finden.
Zweifelsohne, sie waren dort unten nicht grundlos. Und sie waren auch kein unkontrollierter Haufen - dafür handelten sie zu koordiniert.
Auch ihren Ursprung auszumachen, indem Shara sie mit Magie ködert, zeigte nicht die erhoffte Wirkung. Die Erinnerung an den Versuch, welcher die beiden Liedwirker auf die Knie zwang, ist bei Lester noch verschwommen. Ein Fuchs, soll geholfen haben. Ein Knall.
Die Müdigkeit. Feliciana, die ihn hält, vor dem Sog schützt. Schlaf. Aber niemand war verletzt. Niemand ist zurückgeblieben. Ein Erfolg?
Was auch immer es war - sie werden in die Höhlen zurückkehren müssen um zu sehen, was Phanodain getan hat, um zu helfen. Lester seufzte und senkte den Blick vom Horizont, nachdem er den vergangenen Tag rekapitulierte. Die Welt haben sie nicht verändert, aber vielleicht geholfen.
Adoran war ruhig wie an jedem Abend. Eine Frau fegte mit einem Reisigbesen ihre Treppen.
Sommerwarmer Abendwind zog durch die Straßen.
Der Bäcker legte die Holzklappen des Ofens zum Wässern in den Fluss. Morgen früh würde es wieder nach Brot riechen.
Ein schöner Gedanke.



