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Verfasst: Samstag 1. Juli 2006, 07:51
von Aalina Yazir
Aalina hatte keine Kraft mehr nachzudenken. Sie wollte gar nicht mehr nachdenken. Sie musste irgendwas anderes tun und wenn sie zum ersten Mal alleine jagen gehen würde. Das war ihr für den Moment egal. Sie war so aufgebracht und durcheinander, dass sie nur noch raus musste. Sie ging Richtung Hafen, dort schienen sich einige eingesammelt zu haben um auf Jagd zu gehen. Aalina folgte. Sie waren alle gemeinsam stundenlang unterwegs und es war das erste Mal das sie auf andere Gedanken kam. Und dennoch: Ihr fehlte etwas. Raakin - er war nicht dabei und genau dies verunsicherte sie. Was sollte sie tun wenn sie nach Hause kam? So oft hatte sie in den letzten Wochen überlegt, einfach für geraume Zeit zu verschwinden. Wer würde sie schon vermissen? Wer würde sie suchen? Saheeb mit Sicherheit nicht, womöglich würde er noch froh darüber sein, seine mißratene Schwester endlich loszuhaben. Nein, nicht wieder Gedanken an ihren Bruder verschwenden, das hatte sie in den letzten Stunden zu genüge. Raakin... Raakin würde sie sicherlich vermissen. Sicher würde er das. Schließlich wußte sie, dass er sie liebt. Und sie tat es bei ihm ebenso. Aber warum musste die Liebe so verdammt schwer sein? Eifersucht, Streit, Dinge die man falsch auffasst. Es gab so viel. Und man konnte so schnell enttäuscht sein. Während sie in der Hängematte in der Küche lag dachte sie nach über die vergangenen Tage. Die Konfrontation mit Saheeb, das Zusammentreffen mit der Elfe. Und da hatte sie es wieder: Eifersucht. Aalina war wirklich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig eifersüchtig. Sie war so schön und Raakin war so angetan von ihr, daß es Lina fast schon würgen ließ. Aber was sollte sie schon tun? Nichts. Sie würde ihren Mann nicht an Ketten legen. Wenn er eine andere Frau haben wolle, solle er sie sich nehmen. Doch wie sie sich entscheiden würde wusste sie. Und sie ließ sich mit Sicherheit einiges gefallen, doch Untreue oder Lügen waren das schlimmste für sie. Sie würde gehen. Das war ihr von vorne herein klar gewesen. Und dennoch war sie sich sicher, er würde es nicht tun. Schließlich liebte er sie. "Warum dann diese Zweifel, Mädchen?" Lina wusste es nicht. Schließlich war der Abend noch so schön verlaufen. Er war so aufmerksam, wenn es um seine Frau ging. Es verging keine Sekunde, in der er sich anscheinend nicht um sie sorgte. Und ihm entging nichts, aber auch gar nichts. Es schien ihr manchmal sogar fast so, als habe sie ihre Seele an ihn verkauft, als sie ihn geheiratet hatte. Ohne das sie irgendetwas sagte wusste er längst, dass irgendetwas mit ihr war. Gut, sie hatte sich den ganzen Tag ruhig verhalten. Aber war das ein Anzeichen, dass es ihr nicht gut ging? Aber er hatte Recht. Es ging ihr alles andere als gut. Auch, wenn er in ihrer Nähe war, wenn sie seine Nähe spüren und seinen Geruch aufnehmen konnte, es ging ihr schlecht. Es gab Dinge, die sie belasteten und bisher hatte es niemanden interessiert. Niemanden - außer ihren Liebsten. Er sah sie an. Oh verdammt, warum konnte sie ihm nie wiederstehen, wenn er sie ansah? Am liebsten wäre sie ihm einfach um den Hals gefallen und hätte ihm gesagt, dass absolut nichts ist. Aber er wusste es besser. Viel besser. So stand sie da, sah ihn an. "Um Himmels Willen, Aalina, was ist nur los? Geht es dir nicht gut? Du siehst krank aus!" Ihm entging wirklich, wirklich gar nichts. Warum also hatte sie diese Zweifel? Innerlich konnte sie nur den Kopf über sich selbst schütteln. "Komm her, komm zu mir.. mach mal deinen Mund auf!" Aalina gehorchte. "Ach du je, pfuiii, das ist ja alles total dick belegt! Komm, trink erst was!" Er hielt ihr einen der Krüge hin, die auf dem Tisch standen, ehe er sie in den Keller zog und ins Schlafzimmer schob. "Dahin gehörst du, ab ins Bett mit dir, ich mach dir Medizin!" Er kramte in der Truhe neben dem Bett und reichte ihr das Nachthemd. Schnell zog sie sich das Hemdchen über und warf sich aufs Bett, während Raakin längst nach oben gegangen war. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen sah sie ihm nach. Sie war froh ihn zu haben, sehr froh. Sie hatte das Gefühl als wäre er ihr letzter Halt, den sie noch hätte. Sie war so sehr in Gedanken, dass sie erst gar nicht bemerkte, dass er längst wieder vor ihr saß, auf dem Bett, und ihr zwei Tränke reichte. Sie nahm beide zu sich und hielt sie fest in der Hand. Es gab noch so viel, was sie ihm erzählen musste. So viel. Und es war fast zeitgleich als er fragte, was sie bedrückte. Aalina wusste nicht, ob sie sprechen sollte. Sie wusste genau, dass Raakin es nicht mochte, wenn ihr weh getan wurde und sie wusste auch, dass er alles daran setzen würde, dass dies aufhören würde. Aber sie konnte nicht anders. Sie schüttete ihm ihr Herz aus. Wie sie es hasste. Wie ein kleines, hilfloses Mädchen saß sie da und weinte und erzählte, was ihr passiert war. Diese Demütigung von ihrem eigenen Bruder.
"Im Scherz sagte ich vor Luciana, dass er doch eine seiner Schwestern loshabe.. obwohl ich im Nachhinein auch finde, dass es nicht in Ordnung ist einen 'hungerleidenden' Menekaner vorzugaukeln!" Die Worte ratterten und sprudelten nur aus ihr heraus. Raakin nickte und er verstand sie. "Das schlimmste war, als er mir meinen Mund verboten hat! Es war so eine Demütigung! Ich bin nunmal nicht mehr die kleine Schwester, die das tut, was er sagt. Ich bin immerhin eine Frau - mittlerweile!" Er sah sie an und streichelte ihr sanft über die Wange. "Mein armes, kleines Mädchen!" sprach er, fast schon mit ein wenig Wehmut im Blick. Sie sprachen noch eine Weile darüber, so meinte Raakin, dass Aalina mit Saheeb sprechen sollte. Doch sie weigerte sich mit Händen und Füßen. Raakin sah sie an. "Stell dich ihm wie sich eine vernünftige, erwachsene Frau sich ihm stellen würde, Aalina!" Sie schüttelte den Kopf. Zu tief saß der Schmerz, die Enttäuschung und die Wut. Und sie hatte das Gefühl, dass Raakin verstand. "Ich gehöre mittlerweile zu dir, zu deiner Familie. Ich liebe deine Familie über alles. Doch ist das Grund für meinen Bruder, durch den das selbe Blut fließt, mich dermaßen zu verstoßen?" Er schüttelte nur den Kopf. Aalina wusste, sie hatten das Thema nun zu genüge durchgekaut. Und es schien, als würde es ihr besser gehen. Als sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen, wenn aber doch der Fels noch dort saß. Immerhin hatte sie noch etwas, was ihr auf dem Herzen lag. Sie sah ihn an und versuchte nach seiner Hand zu greifen. Als sie diese ergriff, hielt sie diese fest in der ihren. "Da ist noch etwas...!" sprach sie leise und sie spürte, wie ihr Herzschlag zunahm. Sie wusste nun gar nicht, wie sie anfangen sollte geschweige denn wie er reagieren würde. Zögerlich begann sie zu sprechen. "Mir geht es... zur Zeit ja nicht ganz... so gut... wie du weisst...!" Er lächelte sie an und streichelte über ihre Hand. "Und.. ich glaube.. das hängt damit zusammen... also ich glaube... ich... ich vermute...!" Sie holte tief Luft. "Ich glaube ich bin schwanger!"
Sie sah ihn an, abwartend. Sie erforschte seine Gesichtszüge, versuchte jeden einzelnen seiner Züge zu analysieren. Er sah sie an. Er lächelte. Seine Augen schienen auf einmal so warm und gutherzig, noch mehr als sonst. "Das ist wunderbar... das ist.. wie wir es uns gewünscht haben!" Sie biss sich auf die Unterlippe, ehe sie ihn anlächelte, nein - anstrahlte. "Aber... aber noch wissen wir das gar nicht sicher!" Sprach sie weiter, fast schon hektisch und ein wenig euphorisch vor Freude. Er freute sich. Er freute sich darüber, dass sie eventuell schwanger sein könnte. "Du musst dich schonen, du wirst nicht mehr so viel arbeiten!" sprach er. "Und körperliche Anstrengung kommt nicht in Frage für dich!" Er war so süss. Sofort schien er sich um ihr Wohl zu kümmern. Und sie wusste genau in diesem Moment, warum sie sich in diesen Mann so sehr verliebt hatte. Warum sie gelernt hatte diesen Mann so sehr zu lieben. Er war für sie der wundervollste Mann, dem sie je begegnet war. "Ich bring das Gold schon nach Hause!" Sie lächelte ob seiner Worte und schüttelte nur den Kopf. "Nein, Liebster. Wenn es wirklich so ist, möchte ich ebenso arbeiten. Ich bin schließlich nicht krank, ich bin schwanger. Und ich möchte nicht, dass du das ganze Gold alleine erarbeitest!" Er lächelte sie an. "Du musst aber vorsichtig sein.. und langsam, Stück für Stück. Eile und Hektik könnte dir schaden. Und du gehst nur noch mit dem Bogen mit!" Wie sehr hatte sie es vermisst so umsorgt zu werden. Und warum konnte es solche Momente nicht öfters geben? Sie krabbelte über das Laken zu ihm und kuschelte sich an ihn. Stundenlang lagen sie so da und sprachen über alles mögliche. Und ja, sie war wirklich froh, dass sie ihn hatte. Und doch, irgendwas schien sie weiterhin zu belasten. Es war ziemlich spät, als Raakin sich ins Bett legte, Aalina zuhörte, wie sie erzählte und langsam einschlief. Sorgfältig deckte sie ihn noch zu und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, ehe sie sich neben ihn legte und ebenso zügig einschlummerte.
Am nächsten Morgen stand sie sehr bald auf. Doch nicht baldig genug, um ihren Liebsten noch wachküssen zu können. Mit Wehmut dachte sie an den vorherigen Abend. Und so raffte sie sich wohl nach einiger Zeit auf und ging die Treppen hinauf in das erste Geschoß. Sie konnte gar nicht so schnell schauen, wie sie vor der Tür stand - in ihrem Nachthemd, sich an der Wand hielt und sich übergab. Diese morgendliche Übelkeit machte sie halb wahnsinnig. Schnell ging sie wieder zurück ins Haus, ging in die Küche und frühstückte zuerst, ehe sie sich den restlichen Pflichten ihres Tages widmen musste. Immer wieder dachte sie an die vergangene Nacht, an die Worte ihres Liebsten und wie sehr er sich um sie gekümmert hatte. Sie vermisste ihn. Sie vermisste die Zeiten, in denen er sich wirklich richtig um sie gekümmert hatte. War es wirklich so, dass ein Mann irgendwo das "Interesse" verlor, sobald er die Frau sicher für sich hatte? Früher war alles so anders gewesen, er hatte sich so sehr gefreut, wenn er sie sah. Er hatte sich so um sich gekümmert. Und sie hatten sich jeden Tag gesehen und es war einfach... anders. Es war noch dieses Umwerben. Und jetzt? Jetzt war sie verheiratet, glücklich und konnte sich im Groben und Ganzen doch eigentlich gar nicht beschweren. Wo er jetzt wohl war? Wie ein Blitz schoss ihr die Elfe durch den Kopf. War er dort? Lina wusste nicht, was sie tun sollte. Zur Oase reiten und nachsehen? Das wäre albern. Oder hatte sie gar Angst davor? Angst vor was? Ihn mit der Elfe bei irgendetwas zu stören? "Lina sei nicht albern!" sprach sie zu sich selbst und hielt ihr Glas fest umklammert. "Er wäre schön blöd, seine Familie so zu zerstören!" Sie stellte das Glas auf den Tisch. Und sie sah es an. Und wenige Sekunden später landete es mit einem Klirren auf dem Boden.

Verfasst: Dienstag 4. Juli 2006, 18:34
von Hadiya Yazir
Stur, stolz und trotzig. Das trifft es wohl am allerbesten. Fröstelnd rollte sich Hadiya in der Hängematte zusammen und zog die Decke bis unter das Kinn. Nachts war es doch recht kühl, dort oben auf dem Dach. Aber lieber hätte sie sich die Zunge abgebissen, als zuzugeben, das sie nur deshalb nicht wollte, das Fadi im Keller für sie umbaute, weil sie sich im dem Dunkel dort unten fürchtete. Die Kerzenständer, die Kemail gebracht hatte, würden es auch nicht besser machen.

Ganz fest wickelte sie die Decke um sich und gegen die Kälte half auch der klare Sternenhimmel nicht viel, dessen Anblick sie sonst so sehr gerne mochte. Heute war sowieso ein fürchterlicher Tag und am liebsten hätte sie sich die nächste Zeit erst einmal verkrochen, so sehr schämte sie sich. Dabei hatte es so gut angefangen. Endlich hatte Fadi einmal Zeit und wollte sie mit nehmen auf die Jagd. Aber das allerschönste daran war, das Ismaael sie auch begleiten wollte. Alleine der Gedanke an ihn, zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht.

So stolz war sie gewesen, so siegesgewiss. Am Schluss blieb nur noch ein kleines Häuflein Elend übrig, das alles dafür gegeben hätte, im Erdboden versinken zu dürfen. Zumindest verstand sie jetzt sehr gut, wieso ihr Vater immer so ein Aufhebens darum machte, wenn sie darum gebeten hatte, mit ihm mit kommen zu dürfen. Auch Fadis verhaltene Begeisterung erschien ihr jetzt lange nicht mehr so ärgerlich, als sonst. Von Hadiyas Euphorie war nichts mehr übrig geblieben. Was musste nur Ismaael von ihr gedacht haben, als sie vor dem Dämon davon gelaufen ist. Wie ein kleines Kind war sie davon gerannt, hatte sich an eine Wand gekauert, die Augen zusammen gekniffen und die Arme über den Kopf gehalten. Dabei hatte, als sie noch klein war, dieses Prinzip ' wenn ich dich nicht sehen kann, siehst du mich auch nicht', ja auch noch nie funktioniert. Das hätte sie doch eigentlich wissen müssen.

Wie konnte sie auch nur so blauäugig sein? Das hatte nichts mit einer Jagd auf die grossen Schlangen der Wüste gemein. Hadiya zog die Nase kraus, und wieder sah sie diesen riesig grossen Dämon mit heftigen Flügelschlägen direkt auf sich zu kommen. Kleinlaut musste sie Zainas und Sahars Bedenken recht geben, wenigstens ein bisschen. Am liebsten hätte sie den Bogen, den Fadi ihr geschenkt hatte und auf den sie so stolz war, so gut verräumt, das sie ihn nie mehr wieder finden würde.

Das Allerschlimmste aber war, das sie sich danach auch noch mit Ismaael gestritten hatte. Ihr verletzer Stolz, ihre Sturheit waren wieder einmal schuld daran, das es einfach mit ihr durchging. Dabei wollte sie ihm doch so gerne zeigen, das auch er stolz auf sie sein kann. Nur war alles, das am Ende übrig blieb, das sie sich aufgeführt hatte, wie ein verängstigtes kleines Mädchen. Er wollte ihr einen Anteil der Beute geben, aber das hätte sie nie annehmen können, für diese, in ihren Augen so grosse Schmach, auch noch eine Bezahlung. Heftig schüttelte Hadiya den Kopf und wickelte die Decke noch fester um sich. Am liebsten hätte sie sich, wie schon so oft, für ihren Dickkopf geohrfeigt oder zumindest einmal kräftig geschüttelt.

In dieser Nacht fand Hadiya kaum Schlaf, auch wenn sie sich immer wieder Sahars und Kemails Worte ins Gedächtnis rief und es den beiden gelungen war, ihr doch wieder ein Lachen zu entlocken. Es änderte nichts daran, das sie in ihren eigenen Augen versagt und sich wieder einmal masslos überschätzt hatte.

Verfasst: Dienstag 4. Juli 2006, 22:58
von Ismaael Masari
Trotz allem hatte Ismaael weniger von Hadiya erwartet. Sie konnte mit dem Bogen besser umgehen, als viele andere Menekaner, sich Säbelschwinger nannten, oder angaben, sich doch verteidigen zu können. Traurige Bilanz, wenn man das überschaute. Er wusste aber prinzipiell auch gar nicht, ob er sich die überragenden Fähigkeiten nicht nur einbildete. Vielleicht war sie ja auch nur eine mittelmäßige Bogenschützin, eine mittelmäßige Schneiderin. Gerade lief er wohl eher mit der rosaroten Augenbinde herum und hielt sie einfach nur für etwas Besonderes.

Bei der Jagd versuchte er die ankommenden Untoten, noch bevor Hadiya sich in Gefahr begeben konnte, zu erledigen. Sein Säbel zerschlug Knochen, brach sie in kleinere Stückchen, die Bolzen bohrten sich in faulendes Fleisch in die Leiber der einstigen Ahnen der Menekaner. Der Fluch der Untoten lastete immernoch auf dem Land. Dennoch gab es viele Krieger, ob Wüstenjäger oder Säbelschwinger, die sich der ständigen Gefahr stellten und sich dort völlig verausgabten. Einige kamen von ihren Missionen nicht zurück, weil sie sich einfach überschätzten - tiefer hinein wollten, oder sich in Gegnermassen stürzten. Ismaael wollte nicht so endne, am wenigsten wollte er Hadiya mi hineinziehen. Es war auch gut für ihn zu wissen, dass Fadi dabei war, der sich ja auch ziemlich gut wehren konnte. Immerhin war er ein mächtiger Magus.

Als der Dämon kam, hielten sie sich natürlich auf Abstand. Imme wieder sah er dabei zu Hadiya, blickte ihr in das Gesicht, versuchte Angst und Sorge herauszulesen, wollte doch vor Fadis Angesicht nicht so weit gehen, auf Hadiya tröstend einzureden. Er wollte das einfach nur schnell hinter sich bringen - koste es noch so viel Kraft und Konzentration. Es tat ihm weh, sie irgendwann in der Ecke zusammengekauert zu sehen. Seine Sorge wurde größer, er glaubte zu sehen, dass sie sich verletzt hatte und abermals stieg ein Gefühl in ihm hoch, was ihn völlig niedermachte, ihn von seiner eigentlichen Aufgabe gänzlich ablenkte.

Als es vorbei war, trat er zusammen mit Hadiya in das Haus Fadis ein. Verwundert sah er sie an, als sie ihren Anteil am Jagdgold ablehnte. Sie schien zu glauben, dass sie sich das nicht verdient hatte. Wieder war es ihr Sturkopf, es machte ihn wütend - abermals spielte sie sich selbst herunter. Er verabschiedete sich kurzweilig - war doch irgendwo Kemail in der Nähe. Auf eine Diskussion hatte Ismaael sowieso von vornherein keine Lust gehabt. Er mochte sie, er mochte sie sogar sehr. Sie war sein Herz, aber er hatte seine Fehler und auch sie hatte ihre Fehler. Es war aber dennoch zu jung, als dass er einen grundlegenden Streit herausfordern wollte.

Er suchte sich einen Platz nahe der Stadtmauer, kroch in seinen Schlafsack und schob lästiges Getier hinfort. Eigentlich hatte er noch so viele Gedanken, noch solche Sorgen gehabt. Es war nun aber zu spät, der Tag war zu lang, sein Trainig zu ausgiebig - er schlief wie ein Murmeltier.

Verfasst: Dienstag 11. Juli 2006, 14:41
von Hadiya Yazir
Mit einem Krachen flog die Tür hinter ihr ins Schloss. Seufzend lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen und rutschte daran hinunter, bis sie auf dem Steinboden zu sitzen kam. Was hatte sie denn jetzt wieder verbochen? Was sollte das denn werden?

Der ganze Abend war seltsam verlaufen, so ganz anders als sonst. Hadiya begriff beim besten Willen nicht, was sie falsch gemacht haben sollte. "Ich hoffe, er hat dich gut _beschützt_?" Schon alleine an dem Tonfall hätte sie merken müssen, das etwas nicht stimmt. Aber nein, sie musste dem ganzen ja noch die Krone aufsetzen und plauderte mit grösster Selbstverständlichkeit weiter, als sei es das Normalste auf der Welt. Erzählte voller Freude und Stolz, das sie mit Kemail auf das Festland gefahren war, das sie den Auftrag ihres Bruders ausgeführt hatte. Ismaael wurde immer stiller, kurzangebundener und sein Ton härter, und auch seine Augen blickten längst nicht mehr so liebevoll zu ihr, wie sonst. Hadiya bemerkte von all dem nichts, es wäre ihr auch nie in den Sinn gekommen, das daran etwas Falsches wäre, mit einem Freund dorthin zu fahren. Kemail hatte ihr doch nur seine Hilfe angeboten und sie hatte diese dankbar angenommen.
Mit jedem ihrer Worte schien er sich mehr zurück zu ziehen, abweisender zu werden, seine Haltung reservierter. Aber Hadiya in ihrem Überschwang hatte keines dieser Zeichen auch nur im Ansatz erkannt. Unbekümmert und mit Begeisterung erzählte sie weiter. Erst ein doch sehr unwirsch klingendes "Kemail scheint dich ja sehr zu mögen, wenn er so viel Zeit mit dir verbringt!", brachte ihren Redefluss zum versiegen. So langsam begann sie zu begreifen, das gerade etwas völlig aus der Bahn lief, nur konnte sie nicht einordnen was. Auf ihre Frage, ob sie etwas Falsches gesagt habe, bekam Hadiya nur eine ausweichende Antwort. Kühl verabschiedete sich Ismaael von ihr, kein liebes Wort, nichts.

Hadiya zog die Beine eng an ihren Körper, schlang die Arme um ihre Knie und drückte diese fest an sich. So als könnte diese Haltung die Kälte, die Enttäuschung und auch den Schmerz vertreiben, die sich langsam in ihr breit machten. Was dachte Ismaael denn von ihr? Für was hielt er sie denn? Vertraute er ihr nicht? Mit einem Mal bekam auch seine Reaktion über die Muschelkette, die sie trug, eine völlig andere Bedeutung. Er hatte ihr nicht glauben wollen, als sie ihm erzählte, sie habe sie am Strand gefunden. Das hatte sie genau gefühlt, aber einfach beiseite geschoben, weil es ihr niemals in den Sinn gekommen wäre, umgekehrt so etwas zu denken. "Wo hast du die denn her?", hallte es in ihrem Kopf wider. Dachte er denn wirklich, sie würde von einem anderen Geschenke annehmen, sie würde ihm etwas vorspielen? Langsam wich die Enttäuschung und sie spürte Wut in sich aufsteigen. Hielt er sie denn für so leichtlebig und flatterhaft? Traute er ihr zu, das sie ihn belügen, ihm etwas vor machen würde? Zornig und ungehalten schlug sie mit der Hand auf die kalten Steinfliesen. Nie wäre ihr in den Sinn gekommen, ihn verletzen zu wollen. Das musste er doch wissen, das musste er doch spüren! Heftig schüttelte Hadiya den Kopf. Sie verstand ihn einfach nicht, sie hatte doch nichts Böses getan, geschweige denn gewollt. Wieso konnte oder wollte er das denn nicht sehen? Sie hatte doch nur ihre Freude, ihre Erlebnisse mit ihm teilen wollen. Das tat sie doch immer. Hin- und hergerissen zwischen Wut und immer wieder aufkeimender Verzweiflung, sass sie immer noch am Boden. Vielleicht war es doch auch ihre Schuld? Hätte sie mehr nachdenken sollen, ihre Worte bedachter wählen? Niedergeschlagen liess Hadiya ihre Schultern sinken.

Das war auch etwas, das sie mit Bravour konnte. Jeden nur erdenklichen Fettnapf treffen und war dieser noch so klein, zielsicher steuerte sie darauf zu und tappte wirklich immer hinein.

Verfasst: Mittwoch 12. Juli 2006, 19:45
von Charis Yazir
Wiedermal saß sie im Bazar im kleinen Schneiderstübchen, sie starrte umher, nahm immer wieder den Stoff und ihr Nähset zur Hand. Charis versuchte sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, doch gelang es ihr wohl nicht so recht.

"Hatte er mich vergessen? Dachte er gar nicht mehr an mich?!" ... viele Gedanken kreisten in ihrem Kopf umher. Lange hatte sie Saheeb nicht mehr gesehen. "Schade, sehr schade" leise seufzte sie auf dabei und widmete sich wieder, ganz ihrer Arbeit. Sie wollte ihm noch eine Freude machen, dachte sie sich insgeheim, und sie beginn fleissig zu nähen. Seine Maße müsste sie ungefähr noch im Kopf haben, schliesslich hatte sie sich ihn gut eingeprägt. Sie nähte ein ganzes Sortiment an Kleidern, zufrieden über ihrer Arbeit und endlich machte ihr jene auch wieder Spaß. Doch was, wenn es ihm überhaupt nicht gefiel? Nunja, auf einen Versuch kam es an. Sie packte die einzelnen Kleidungsstücke sorgfältig in eine kleine Tasche. Danach griff sie zur Feder und schrieb ein paar Zeilen dazu:

Salam Saheeb ...

ein kleines Geschenk meinerseits, ich hoffe Dir gefallen die Sachen.
Andererseits hoffe ich, dass jene auch passen.
Meine liebsten Grüsse


 Charis Yazir

Jenen kleinen Brief legte sie der Tasche bei, mit einem sachten Lächeln im Gesicht. So machte Charis sich auf den Weg, um jenes kleine Päckchen in Saheebs Briefkasten zu verstauen. Irgendwann wird er sicher zu Hause sein und es in seinem Briefkasten finden.

Noch eine Weile blieb sie vor seinem Haus stehen und starrte vor sich hin, ehe sie sich dann entschloss einen langen Spaziergang zu unternehmen, um nachzudenken.

Verfasst: Mittwoch 12. Juli 2006, 20:32
von Saheeb Masari
Wieder einmal kam er an diesem Tag spät nach Hause. Keinen Strich Arbeit hatte er heute getan, die Mine hatte er nicht einmal aus der Ferne gesehen und Picke und Hämmerchen lagen wie am Vorabend in einer kleinen Truhe, einsam und scheinbar verlassen.
Stattdessen war Saheeb stundenlang durch die Wüste gewandert, hatte im Sand gesessen und zugesehen, wie der Wind den Sand über die Dünen trug. Irgendwie war es beruhigend, zu wissen, dass die Welt hier noch in Ordnung war.

Und natürlich hatte er auch ständig Charis im Kopf. Eluive, wie lange war es her, dass er sie das letzte Mal gesehen hatte? Dass er das unendliche Glück hatte, ihre wundervolle und liebliche Stimme zu vernehmen? Dass ihr süßes und zierliches Gesichtchen seinen Blick erfreute und sein Herz zum pochen brachte? Zu lange, viel zu lange. Aber er musste doch Klarheit finden, für sich und seine Familie. Er durfte nicht jetzt, wo Aalina sich an ihm aufrieb und Zaina vor ihrer Verehelichung stand, an sich denken. Die Familie hatte für das Oberhaupt oberste Priorität.
Würde die kleine Charis das verstehen? Nein, vermutlich nicht. Zumindest verstand Saheeb selbst das nicht. Sein ganzes Inneres schrie fast nach ihr, zerrte zu dem kleinen Sandsteinhaus inmitten von Menek'Ur, in dem sie wohnte. Arbeiten war so nicht mehr möglich - die träge und stechende Hitze kam noch erschwerend dazu. Gedanken über Gedanken - langsam konnte Saheeb sich selbst nicht mehr ertragen. Die Zeit des Grübelns und Wartens hatte vorbei zu sein. Das eigene Glück und die menschliche Geschichte, beides wurde nicht durch Gedanken, sondern durch Taten entwickelt.

Umso entschlossener war Saheeb also, als er vor seiner Haustür stand und noch halb im Vorbeigehen bemerkte, dass irgend etwas nicht stimmte. Sein Briefkasten war sonst jeden Tag leer, denn es gab nichts, was man ihm hätte schicken oder schenken müssen. Doch diesmal stand der kleine Kasten etwas offen, als befinde sich ein größerer Packen darin.

"Da muss mir jemand aber viele Briefe geschrieben haben...", murmelte er leise. Denn von außen war noch nicht zu erkennen, was sich darin befand, und Briefe beziehungsweise Korrespondenzen waren das Naheliegenste. "Vielleicht brauchen ja die Elfen mal wieder etwas...?" Denkbar wäre es ja gewesen.

Stattdessen fand er beim Öffnen der kleinen goldenen Brief'kiste' eine lederne Tasche vor, scheinbar gefüllt mit einem weichen Inhalt, die doch so ausladend war, dass der Briefkasten sich nicht mehr hatte schließen lassen. Erst, als er die Tasche schon fast herausgeholt und geöffnet hatte, viel ihm der kleine Zettel auf. Schon nach den ersten Worten begann sein Herz schneller zu schlagen - eine Regung, die Saheeb mit einem vergnügten Lächeln wahrnahm. Sein Körper hatte sich nicht getäuscht, wie letztlich die Unterschrift bewies.

"Ob sie mir gefallen? Die Sachen? Was von ihr kommt, gefällt mir in jedem Fall... aber nachschaun sollte ich trotzdem... ach, ich kann ja auch reingehen..." Er schüttelte leicht den Kopf. Stand er doch tatäschlich mit zwei vollen Händen vor seinem Briefkasten und war so aufgeregt, dass er beinahe vergaß, dass er auch noch Tische in seinem Haus hatte.

Drinnen angekommen legte er ersteinmal den Zettel auf die kleine Regalkommode, die eine seiner Wände zierte. Ganz oben hin kam der Zettel natürlich, leicht gegen die Wand gelehnt, so dass er die wunderbaren Zeilen schon aus der Ferne lesen konnte. Dann widmete er sich der Tasche. Schon als er die ersten Kleider erblickte, strahlte er fast über beide Ohren. Wunderbare Sachen waren dabei, ein schöner Turban in Wüstenfarben, dazu zahlreiche Hosen und Hemden, Doublets und Umhänge. Alle Kleider waren wundervoll gearbeitet - zumindest empfand Saheeb das so. Sicherlich wären Aalinas Hosen an Qualität noch deutlich wertvoller gewesen, aber sie hätte schneidern können, was sie wollte, an den immateriellen Wert dieser Kleider kam sie nicht heran.

Dazu kam, dass die Kleider wirklich fast wie angegossen passten. Lediglich ein Hemd war ihm ein kleines bisschen zu weit, sah aber dennoch wundervoll aus. Und das, wo sie ihn doch so lange nicht mehr gesehen hatte? Ohne ihn abzumessen oder ähnliches? Oder hatte sie ihn etwa beobachtet?

Wenn nicht, so war sie ein Talent, und seine Schwester, ob sie nun noch mit ihm sprach oder nicht, konnte sich glücklich schätzen, einen solch talentierten und hochbegabten Lehrling an ihrer Seite zu wissen. Insgeheim jedoch wünschte er sich fast, Charis hätte ihn beobachtet, denn dann hätte sie sehen müssen, wie sehr er stets im Gedanken an sie war.

Nun blieb nur die Frage, wie sollte er ihr zeigen, wie wertvoll und kostbar er ihr Geschenk fand? Was vermochte er schon, was einer jungen und anspruchsvollen Dame gerecht werden würde? Salz konnte er ihr ja schlecht welches schenken, auch wenn es kostbar war. Im Salz war ein gewisser materieller Wert verbunden, den Saheeb in diesem Fall störend fand. Nein, es musste etwas anderes sein. Vielleicht konnte er ihr zeigen, was ihn noch ausmachte, als nur Salz, Gold und würdevolles Auftreten. Ein Masari hatte noch mehr zu bieten als Reichtum und schöne Phrasen. Aiwa, er würde ihr ein kleines, aber dennoch liebevolles Geschenk machen. Aber das würde Zeit - und vor allem Kreativität - brauchen. Mit einem Jauchzen stürzte Saheeb noch mitten in der Nacht auf den Bazar und verhinderte knapp, dass die Händerlin ihren Laden schließen konnte...

Verfasst: Mittwoch 12. Juli 2006, 22:56
von Saheeb Masari
Das kleine Buch in den Händen tragend schleppte er sich eilends wieder nach Hause. Aiwa, ein Masari konnte nicht nur im Berge der Erhabenen graben oder Eisen verarbeiten, ein Masari konnte sich auch der Kunst hingeben.

Mit ergebener Mühe, feinster Handschrift begann er so, die Liebesgeschichte einer jungen Menekanerin niederzuschreiben, die Lettern waren dabei verziert und verschnörkelt. Immer wieder malte er auch kleine Bilder dazu, die nicht besonders schön, aber sehr farbenreich waren. Und als es zum tragischen Ende kam, wurde er fast selbst so melancholisch, dass die Tränen ihm in die Augen stiegen.

Mitten in der Nacht trat er schließlich zu dem kleinen Haus, in dem Charis schlafen musste, und legte das Buch sorgfältig vor der Türe ab. Sie würde es finden, wenn sie wieder käme.

Verfasst: Samstag 15. Juli 2006, 20:28
von Ismaael Masari
Abermals waren die Füße einfach nur so unglaublich schwer. Trugen ihn gerade noch so zu seinem provisorischen Bett, wo er reinfallen konnte. Die Eifersucht trieb ihm immernoch eigenartige Gedanken in den Kopf. Er war unzufrieden mit sich selbst, aber Hadiya war ja auch nicht ganz unschuldig. Sie war ans Festland gegangen - das war schon der erste Punkt. Aber dann? Auch noch mit Kemail! Was sollte denn das? Hatte sie nicht ihren Ismaael, den sie immer wegen sowas fragen konnte? Kemail konnte sie nicht so beschützen, wie es Ismaael hätte tun können. Immerhin hätte er um sie gekämpft, wie eine Löwenmutter um ihre Jungen. Das konnte Kemail ganz sicher nicht!

Die enganliegende Knochenrüstung wurde aufgeschnürt, neben sich auf den Sandboden gelegt. Er atmete tief ein. Die Augen schloss er. Abdrücke der Rüstung waren auf seinem Oberkörper zu sehen. Seine Atmung war schwer.
Mit lautstarkem Seufzen beugte er den Körper durch, dann holten ihn wieder die Gedanken ein. Worüber machte er sich denn solche Gedanken? Musste er Hadiya nicht nur einfach glauben, wenn sie ihm etwas sagte? Das hätte er tatsächlich tun sollen. Er musste nur wieder glauben können.