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Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 16:06
von Yannah Asif
Sie hatte versucht zu schlafen, doch sie konnte nicht. Sie hatte den Brief gefunden, als sie sich zu ihm ins Bett legte. Sie laß ihn. Was in ihrem Kopf umherging, als sie ihn las, wusste sie nicht. Sie konnte es nicht beschreiben. So viele Fragen waren es, die sie bedrückten. Fragen, auf die sie womöglich nie oder erst nach langer Zeit Antwort finden würde. Sie setzte sich an den Rand des Bettes. Warum konnte sie es nicht ertragen neben ihm zu liegen? Sie bildete sich schon ein, einen anderen Geruch an ihm zu erkennen. Sie hatte ihm verziehen, zumindest hatte ihr Geist und ihre Vernunft und die Liebe in ihrem Herzen zu diesem plädiert. Doch innerlich war irgendetwas, was es ihr schwer machen wollte. Irgendetwas in ihr wollte ihn kontrollieren. Würde sie ihm jemals wieder vertrauen können? Das war eine der Fragen, die sie wohl auf Dauer erst beantworten kann. Sie hoffte für ihn, dass ihm klar war, dass das nun alles nicht so einfach war. Das würde sie sicher nicht schnell vergessen, was er ihr angetan hatte. Wie er ihr weh getan hatte. Und sie hoffte für ihn, dass er sich bemühte. Nicht sie war es, die einen Fehler beging. Er war es. Sie kroch abermals aus dem Bett, nahm ein Pergament zur Hand und setzte sich an den Tisch. Im Kerzenschein schrieb sie ebenfalls einen Brief an ihn.

"Liebster,

ich schreibe den Brief, weil mir die Worte fehlen. Ich war die ganze Nacht wach, ich bekomme kein Auge zu, ich wache über dich, weil ich Angst habe, dass du dich aus dem Bett schleichst und wieder zu einer anderen Frau in die Laken steigst. Du wirst an meine Vernunft plädieren, mir sagen, dass ich dir einfach vertrauen soll. Aber meinst du, ich kann dir einfach so wieder vertrauen? Als ob nichts gewesen wäre? Selbst wenn ich es wollte, ich könnte nicht. Zu viel ist geschehen. Die Schicksalsschläge in der letzten Zeit zehren sehr an meinen Nerven.

Was ich mir für die nächste Zeit wünsche, dürfte dir klar sein. Ich sehnte mich heute sehr nach deiner Nähe und dennoch konnte ich sie mir nicht nehmen. Mir wird momentan schlecht dabei, so leid es mir tut, mir wird schlecht. Ich hatte überlegt, ob ich meine Sachen packe und erstmal für eine Weile fortgehe, doch dann würde ich davonlaufen. Und ich bin oft genug in meinem Leben einfach weggelaufen, wenn es nicht weiterging. Falls du mich gestern Nacht gesucht haben solltest, ich war in der Taverne. Ich hatte sehr viel nachgedacht und ich musste einfach unter Gesellschaft gehen, sonst hätte ich womöglich zuhause alles noch kurz und klein geschlagen. Ich werde dich auch jetzt nicht wecken, ich möchte das du ausgeruht bist. Womöglich brauchst auch du deinen Schlaf sehr. Ich werde später noch einmal nach dir sehen, dich dann vielleicht wecken. Aber nun treibt mich mein Tatendrang zur Arbeit.

Wir sehen uns später.

Yannah
"

Sorgfältig legte sie ihn auf die Seite, auf der sie normalerweise schlief. Sie streichte das Laken glatt. Wenn er den Brief genau ansah, würde er im Hintergrund eine fein gezeichnete Rose erkennen, mit einem langen Stiel mit sehr vielen Dornen daran. Sie war verwelkt. Eine einzelne Rose nur. Und sie würde genau wissen, würde er sehen, was sie gezeichnet hatte, würde er wissen, dass sie für den Moment innerlich gestorben war. Er würde wissen, was er angerichtet hatte.

Verfasst: Donnerstag 9. März 2006, 04:28
von Aalina Yazir
Sie saß bei Raakin im Turm. Wieder einmal alleine, ohne ihn. Sie trug Fleisch, Blut, Leder und Wolle nach Hause, welches sie auf ihrer Jagd erbeutet hatte. In den letzten Tagen hatten sich die Ereignisse abermals überschlagen. War sie doch an dem einen Tag mit Tenaya im Kontorkeller, trat hinein. Sah Sayid Ifrey und Tenaya Yazir, begrüßte beide mit einem "Salam" und neigte ihr Haupt gen Tenaya. Sayid verließ den Raum, ehe er ein paar Minuten später wieder eintrat und Aalina trocken einen Befehl erteilen wollte. Aalina sah ihn an, sie stand weit weg von ihm, konnte demnach weder ein Siegel auf seinem Turban noch seine Robe erkennen, welche er eh nicht trug. Er wollte ihr also Befehlen? Und das auch noch in einem Ton, in dem es nicht sehr löblich war mit einer Frau zu sprechen? Aalina erklärte ihm, dass er sich wohl gedulden müsse, denn sie würde zuerst die Rüstung für Tenaya fertig machen wollen. Sayid meinte daraufhin wohl zu ihr, dass dies wohl gestattet wäre. Es wäre gestattet? Aalina dachte, sie hörte nicht richtig. Ob es von ihm gestattet wäre oder nicht war ihr egal und das teilte sie ihm auch mit. In ihren Augen war er immer noch der Verräter. Und auch dies teilte sie ihm mit. Erst dann erfuhr Aalina davon, dass Sayid auf Wunsch des Emirs bei ihr war. Aalina kochte innerlich. Das hatte Sayid sich ja wieder schön hingedreht. Aalina wusste nicht, dass er vom Emir geschickt wurde, immerhin hatte er nichts erwähnt, außer das er sie provozierte mit seiner forschen Art. Und dann warf Sayid Ifrey - jener aus dem gefallenen Hause der Ifrey und Verräter seines ehemaligen Herrschers - auch noch vor, dass sie - Aalina Masari, Emirgetreue in guten wie in schlechten Zeiten und Verlobte des Großwesiren Menek'Urs - doch tatsächlich gegen das Wort des Emirs spach? Aalina wetterte schnell dagegen, doch Sayid schien sich nicht aufhalten zu lassen und Minuten später fand Aalina sich vor Aasim wieder - dem Emir Menek'Urs. Er forderte sie auf zu sprechen und Aalina sprach. Sie erzählte ihm alles, wie es in ihr vorging. Wie sie sich fühlte, wie sie die Situation gesehen hatte, wie sie ablief. Und doch sollte sie bestraft werden? Selbst wenn die Bestrafung harmlos und gering war, fand Aalina es unfair, dass sie unschuldig bestraft wurde. Warum war Raakin nicht da, wenn man ihn einmal brauchte? Aalina sollte also Sayid aufsuchen und mit ihm sprechen, doch war es Aalinas Wunsch, Raakin als Begleitung mitzunehmen. Dies gestattete der Erhabene wohl, ehe sie abtrat.

Das Gespräch mit Sayid vollzog sich am nächsten Tag. Aalina hatte nicht die Geduld auf Raakin zu warten, also ging sie alleine. Vielleicht war das auch besser so. Lange hatten sich Sayid und Aalina unterhalten, sie erklärte ihm alles aus ihrer Sicht, er aus seiner. Aalina war mißtrauisch; und das nicht ohne Grund. Und das zeigte sie ihm auch. Und auch, wenn Sayid ein wenig enttäuscht darüber war, dass Aalina so hart zu ihm war, sie konnte und wollte momentan nicht anders. Die Zeit würde zeigen, ob Sayid Ifrey sich als Menekaner beweisen würde oder nicht. Und auf diese müsse er sich nun eben gedulden.

Abends zog Aalina dann ihre Rüstung über, nahm ihr Pferd und ihr Lama und fuhr mit ihnen aufs Festland um für Raakin abermals Blut zu erjagen. Ihre Ausbeute war gut, die Jagd sehr erfolgreich, bis sie auf einmal von einem Zwerg aufgehalten wurde. Er sprach sie an, Aalina hatte nicht die große Lust sich nun mit ihm auseinandersetzen zu müssen. Doch er sprach sie etwas unforsch von der Seite an. Warum hatte eigentlich immer sie das Glück, genau solchen mitten in der Nacht zu begegnen? Dieser Erdwühler wollte sie vom Land verweisen, meinte, ihre Brüder hätten das Volk der Zwerge beleidigt. Dies allein ließ ein Schmunzeln auf ihre Lippen legen und sie entgegnete ihm, dass es wohl Ansichtssache wäre, wer hier wen beleidigt hätte. Doch er verharrte darauf, sie vom Festland verweisen zu wollen, und Lina erklärte ihm, dass er dieses Land nicht beherrschen würde und somit keinerlei Anrecht darauf hätte, sie von diesem Ort zu veweisen und ja, auch dieser müffende Zwerg versuchte Aalina oder eher ihr Volk zu beleidigen. Von wegen die Arroganz der Menekaner würde noch mehr stinken als der Hintern eines Ogers im Alten Tunnel. Und das aus dem Munde eines Zwerges, der in seinem eigenen Schweiss und Biergestank badet. Dcoh Aalina schwieg. Sie würde sich nicht nachsagen lassen, dass sie die Zwerge beleidigt hätte. Stattdessen sprach sie zu ihm, dass sich hier wohl die Wege trennen würden, zog ihre Zügel herum und ritt davon. Aus einiger Entfernung hörte sie ihn sagen, dass er doch überlege, ob er sie festnehmen lassen würde. Doch Aalina ritt den Weg entlang, sie hatte keine Lust mehr auf irgendwelche Ereignisse an diesem Tag, sie wollte nur noch nach Hause und schlafen.

Verfasst: Montag 1. Mai 2006, 20:39
von Aalina Yazir
Eine wahre Liebe, Hochzeiten und Sorgen

Die Wochen schlichen dahin, Aalina kümmerte sich um alles, was man ihr sagte. Das Datum ihrer Hochzeit mit Raakin war gefestigt, alles schien so zu laufen, wie sie es sich niemals hätte erträumen können. Die Tage schritten voran, Aalina kümmerte sich um Speisen und Getränke, auch die Einladungen hatte sie rechtzeitig verteilt. Wer kommen würde? Sie musste sich wohl überraschen lassen.
Aalina wusste nicht, was für sie schlimmer war: Die Aufregung vor der Hochzeit oder ihre Angst vor der Veränderung. Sie war jung, sehr jung. Um einiges jünger als manch andere verheirateten Frauen. Sie musste irgend etwas tun. Irgendwas. Sie musste mit irgendjemandem reden. Hastig sah sie sich um. Raakin war nicht zuhause. Schnell packte sie ihre Sachen, zog sich an, ging aus dem Haus und rannte Richtung Stadt. Fadi. Fadi musste ihr helfen. Er würde weiterwissen. Er würde sie beruhigen. Aalina bekam langsam aber sicher Selbstzweifel. War sie wirklich die Frau, die Raakin heiraten wollte? Hatte sie ihn wirklich verdient? Das Gespräch mit Fadi dauerte lang. Er war sorgsam, versuchte sie zu beruhigen und er hatte es auch geschafft. Aalina schien ruhiger, sie vertraute seinen Worten. Fadi kannte Raakin seit seiner Geburt. Also schritt Aalina wieder nach Hause. Nach Hause? Ab morgen war es wirklich offiziell ihr zuhause. Die Nacht war herangebrochen und sie stand auf dem Turm. Oben. Blickte herab auf das Meer, hörte dem Rauschen des Meeres zu. Sie zupfte an ihrem Kleid herum. Immer wieder sah sie zu der Truhe, die auf dem Tisch stand. Dort befand sich ihr Kleid, welches sie am morgigen Tag tragen würde. Es war schön, aus reiner Seide. Luciana hatte sich wirklich große Mühe gegeben, das Kleid zu schneidern. Es passte wie angegossen. Aalina setzte sich auf die Kissen, die sich auf der Plattform befanden und wirbelte ihre Haare um ihren Zeigefinger. Sie war nervös. Sehr nervös. Und doch, sie musste sich zum schlafen zwingen. Sonst würde sie am Tag ihrer Hochzeit womöglich noch aussehen, als hätte sie fünf Jahre mehr auf dem Rücken. Sie schlich sich leise in ihr Bett.

Der Morgen kam. Mit dem Morgen dieses flaue Gefühl im Magen. Sie konnte gar nicht schauen wie schnell die Zeit verging. Gerade eben war sie noch aufgestanden, als sie schon bei Zaina stand. Eine viertel Stunde vor ihrer Trauung stand sie in ihrem Kleid und dem Schleier und dem Turban bei Zaina. Sie war so nervös. Unglaublich. Zaina versuchte sie zu beruhigen, steckte ihr noch eine wunderschöne Cala in die Haare, welche sie offen unter dem Turban trug. Und sie wartete vor Zainas Haus auf Saheeb. Er sollte sie zu Raakin führen. Hastig und nervös ging sie die Wege der Stadt auf und ab. Eben waren noch zwei der Anguren da gewesen, scheinbar wollten sie Salz kaufen. Warum eigentlich immer an Feierlichkeiten? Aalina war nervös, wäre ihr nicht so viel daran gelegen glücklich bei ihrer Hochzeit zu erscheinen hätte sie wahrscheinlich noch einen ziemlichen Anfall von Zynismus bekommen, als einer der beiden Anguren irgend etwas murmelte von "Jetzt sind wir soweit gefahren und bekommen kein Salz!" und das auch noch in diesem meckerndem Tonfall. Man hatte ihnen doch deutlich erklärt, das heute eine Hochzeit vonstatten ging. Aber denen schien eh alles egal zu sein. Aber ihr war es heute gleich. Nicht heute, nicht an ihrer Hochzeit.

Saheeb kam. Er führte sie zu Raakin. Aalina stand neben sich. Es war, als würde sie gar nicht mitkriegen, was um sie geschehen war. Raakin führte sie zum Altar, der Erhabene traute die Beiden und die Feierlichkeiten waren auch angenehm. Ebenso wie der erste Tanz, den Raakin und Aalina gemeinsam tanzten. Abgesehen davon, dass er ihr zuerst auf die Füße getreten war. Nach dem Tanz verließ sie mit Raakin den Platz. Ab nach Hause. Ihre Füße taten vom Stehen weh und sie war froh, wenn sie nun endlich aus dem Kleid herauskonnte. Ein Tag, den sie so schnell nicht vergessen würde. So schnell? Nein. Niemals.

[...]

Es vergingen Wochen. Aalina war immer wieder hin- und hergerissen zwischen den Dingen, die sie tat. Sie ging so gerne mit Raakin mit zum Jagen, sie kümmerte sich gerne um den Haushalt, sie kochte gerne für ihn und sie war einfach glücklich ihn an seiner Seite zu haben. Und doch schien es, als würde langsam der Alltag einkehren. Manchmal, wenn sie auf einem der Kissen im obersten Stockwerk des Turmes saß und abermals dem Treiben des Meeres lauschte und das Essen für den nächsten Tag vorbereitete schienen sie die Erinnerungen zu verfolgen. Schöne, wie auch schlechte Erinnerungen. Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Brüstung des Turmes, ihre Haare fielen in wilden Locken über ihren Oberkörper hinab, versammelten sich zu einem Kneuel in ihrem Schoß. Sie lächelte, als sie daran dachte, wie die Beiden sich kennenlernten. Es zauberte ihr wahrlich ein Schmunzeln auf die Lippen. Damals, sie wollte doch gar keinen Mann haben, als ihre Schwestern noch gestichelt hatten und Aalina einfach alles abstritt. Nein, sie - Aalina Masari - würde doch nicht auf so etwas wie Gefühle hören. Man hatte ja gesehen, was daraus passiert ist. Sie schmunzelte weiter, ehe sich ihr Blick veränderte. Er wurde leer. Auf einmal wurde er so fürchterlich kalt. Es waren die Erinnerungen, als sie bei Raakin im Keller saß, ihr gegenüber Aasim, welchem sie alles erzählte, was sie wusste. Der Verrat am Hause der Omar durch eine seiner Verlobten. Und Raakin? Für ihn war ebenso nicht einfach. Immerhin war sie seine Cousine. Verrat in seiner Familie? Sie sah ihn noch heute vor sich, wie traurig und betrübt er war. Er hatte die Schuld immer bei sich selbst gesucht. Aalina litt. Sie konnte Raakin nie traurig sehen. Und ab da ging alles so schnell. Und als alles wieder gut wurde folgte der Tod von Said. Said Omar, ein Menekaner, den Aalina immer bewundert hatte. Sie war froh ihn gekannt zu haben. Und mit seinem Ende begann der Anfang des neuen Emirs - Aasim. Er würde aus dem Volk das machen, was Said Omar in seinem Volk hatte sehen wollen. Aasim war gutmütig, doch wusste er ebenso, wo die Grenzen waren. Sie schätzte ihn, sie hatte ihn auch damals als Großwesir schon geschätzt. Sie schwor ihre Treue, trat in den Dienst der persönlichen Schneiderin Aasims. Sie verehrte den neuen Emir ebenso, wie sie Said Omar verehrte.
Aalina blickte auf ihre Hände. Sie waren wund vom Schälen der Früchte. Langsam legte sie das Messer auf die Seite. Die Säure der Zitrusfrüchte brannte auf den Wunden. Sie ging die Stufen hinab und sie spürte die Unruhen, die durch Gerimor zogen. Von Leanne hatte sie noch erfahren, das Krieg herrschte. Und am darauffolgenden Tag zogen ein paar der Menekaner los, um mit in dem Krieg zu schreiten. Mitunter Raakin und Fadi. Aalina hatte Angst. Große Angst. Sie bangte. Und sie konnte nicht mitziehen. Sie war momentan zu geschwächt. Und sie wartete, bis Raakin zurückkam. Und er kam. Doch seine Nachrichten waren nicht die Besten. Aalina schluckte. Fadi? In Gefangenschaft bei den Zwergen? Dieses Volk. Sie war verwirrt. Sehr verwirrt. Und so verwirrt sollte sie auch noch mit vor den Emir treten. Sie widersprach nicht, sondern machte sich einfach mit auf den Weg. Und sie war trotzdem froh, Raakin und auch den Emir unversehrt zu sehen. Man wusste ja nie, was den anderen so einfiel. Und Aalina hoffte einfach weiter. Sie hoffte, dass irgendwann alles wieder gut werden würde. So, wie es einmal war.