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Verfasst: Montag 16. März 2015, 14:51
von Helisande von Alsted
Ohne Eintragsnummer und auch ohne scheinbaren inneren Zusammenhalt finden sich einige Zeilen in das Tagebuch eingetragen. Keine Tinte, nur Kohlestift.


Wille?
Unhaltbar
Unentrinnbar
Unerreichbar

Stille

Fern

Stern
Ein Stern
Ein Stern leuchtet
Ein Stern leuchtet hell
Ein Stern leuchtet hell schimmernd
Ein Stern leuchtet hell schimmernd unerreichbar...
Ein Drache bewacht einen Stern auf einem Gipfel stürmend.
Ein Drache bewacht einen Stern auf einem Gipfel.
Ein Drache bewacht einen Stern
Ein Drache bewacht
Ein Drache
Drache


Fern

Stille
Unerreichbar.
Unentrinnbar
Unhaltbar

Stern



Wille?
Wille



Verfasst: Montag 13. April 2015, 16:32
von Helisande von Alsted
45. Eintrag

Der Morgen ist herangebrochen und nur schwerlich konnte ich mich losreißen, aber ich musste. Der Pflicht gehorchen, so wie an jedem Morgen, sich in den Dienst begeben und die Aufgaben erfüllen. Dennoch diesen Morgen wollte ich nicht, ich wollte nicht diesen sicheren Hafen verlassen. Weiter die Gewissheit hören, dass alles gut ist, dass alles gewonnen ist und nichts verloren.

Sterne verglühen.

Insbesondere Sterne, die hell und strahelnd über alle Gipfel des Herzogtums leuchten und beinahe um ein Haar wäre es passiert. Beinahe hätte ich ihn verloren. Die Orks haben durch irgendein finsteres Ritual eine Offensive gegen uns und die Bevölkerung des Herzugtums und dessen Nachbarn gewagt. Sie waren kraftvoll, mächtig und in großer Zahl. Ganz gegen die landläufige Einschätzung gingen sie planvoll vor und verzeichneten respektable Teilerfolge.

Wir schlugen zurück, räucherten ihren Hort aus und tief in einer Höhle wurde der Anführer der ruchlosen Bande aufgespürt und vernichtet. Den Schwertern der vereinigten Streiter musste er sich geschlagen geben. Doch die Höhle, ihr Zugang stürzte ein. Mit jedem Stein der fiel wurde ein Teil meiner Hoffnung mehr begraben, mit jedem hörbaren Poltern fühlte ich mich schwächer und verlorener. Pure Panik wallte in mir auf, kroch nach oben und schnürte mir meine Kehle zu.

Nein.

Nur dieses eine Wort hallte durch meinen brennenden Geist. Verweigerung, Verneinung, Verzweiflung. Es durfte nicht enden, nicht so, nicht jetzt. Nie. Ich konnte mein Sternenlicht nicht auf diese Art verlieren, nicht ohne mit ihm zu verglühen. Doch ich bin Offizierin, ich kann mich nicht gehen lassen, ich darf nicht verzweifeln. Ich muss agieren, organisieren und gehorchen, sowie Gehorsam provozieren.

Stein um Stein.
Balken.

Meine Muskeln schmerzen, mein Schildarm ist nicht in Ordnung, ich kann es fühlen und es wird vermutlich nötig sein einen Heiler zu Rate zu ziehen. Zu viele Gegner, ich habe Deckung gegeben und mit dem Schild die Orken geschoben, ihre Heimtücke gedeckelt.

Stein um Stein.

Wir haben sie retten können. Jeden von ihnen. Den Kaluren, die Thyren, die Elfen und das Licht kehrte zu mir zurück. Nicht unversehrt, niemand von denen die in jener Höhle waren blieb von dem Ereignnis unbeeinträchtigt. Aber sie leben, sie leben alle. Die Pflicht ist getan, die Schlacht geschlagen und wir haben uns als Soldaten erneut bewährt. Besonnen und diszipliniert im Dienste des Reiches und der Bevölkerung.

Nachdem getan war, was getan sein musste, wurde ich zu einem Meer aus Tränen. Gleichsam wuschen sie die Angst hinweg, wie sie auch Dankbarkeit und Hoffnung trugen. Die Tränen sind mir immer noch nah, das Licht des Sterns auch.

Gerettet.
Lebend.

Dienst.

Verfasst: Montag 4. Mai 2015, 14:40
von Helisande von Alsted
46. Eintrag

Eine Schlacht gemeinsam mit Thyren zu bestreiten hat Vorteile und Nachteile. Zu den unbestreitbaren Vorteilen gehört, dass sie ausgezeichnete Kämpfer sind. Reine Kraftbündel rasen mit ihren riesigen Schwertern durch die Leiber der Feinde und schlagen wahre Schneisen. Zudem wird jeder Sieg mit Met und vor allem viel Essen gefeiert. Da ich gerne esse, viel esse und an sich immer hungrig bin, kommt mir das sehr gelegen. Mittlerweile fragen insbesondere die Thyrenkerle kaum noch ob ich was essen will. Ich bekomme einfach so etwas in die Hand gedrückt.
Nicht verschweigen kann ich jedoch die Nachteile! Man bekomme seltsame Spitznamen verpasst. Gut im Grunde bekomme nur ich die verpasst, aber wenn Skadi mich noch einmal Maunzedrache nennt, dann bügel ich ihm seinen Kilt, während er ihn trägt. Zudem haben Thyren ein eigenwilliges Verständnis für gesellschaftliche Zwänge.

Keines!

Zwei der Thyren haben nun den festen Plan erarbeitet ein Brett an seine Majestät zu schicken. Sie wollen mal mit meinem Thain reden, damit ich heiraten kann. Den passenden Mann dafür haben sie auch gefunden und festgelegt. Das Hindernis namens Standesunterschied werden sie natürlich ausräumen, damit es: "Starke Welpen für Lichtenthal gibt!"
Skol!

Seit je her war es mir schon immer ein besonderes Entzücken rein und ausschließlich auf meine potentielle Gebärfähigkeit für gesunde Kinder reduziert zu werden.

Thyren!

Abseits der Thyren sorgen auch noch einige Rekruten in kulturschaffender Gemeinschaftsarbeit mit speziellen Gardisten dafür meine Lebenszeit vorzeitig zu verkürzen. Da wird mein Dienstmocca an gefangene Letharen verfüttert, das Antreten erinnert an die Phase im Tanzunterricht in der sich jeder noch vorm Auffordern drücken will und die Widerworte erklingen teilweise mehrsilbig.
Wenigstens lief die Ersatzbeschaffung des Moccas ohne diplomatischen Zwischenfall ab, auch wenn die Esra des Reiches der Sonne den beiden Einfaltspinseln kein Lama verkaufen wollte. Zumindest kein echtes. Dafür hat der Rekrut die Datteln offensichtlich persönlich gepflückt und sie einzeln in den Korb gelegt.
Ich trau ihm auch zu, dass er jede angeleckt hat.

Meine Knappenausbildung bei Lady Sidra verläuft in ruhigen Bahnen. Wir haben uns beide mit unserm Schicksal abgefunden und sind bestrebt es dem jeweiligen andern so leicht wie möglich zu machen. Das bedeutet für mich, dass ich vorläufig leider keine Besuche auf Cabeza mehr machen kann. Dabei würde ein Treffen mit Sebatiano mal wieder anstehen. Nicht dass er mich vergisst. Aber ich bin eine brave Knappin.
Mehr oder weniger.

Balator ist zurück.

Zumindest in Lichtenthal und im Regiment. Meine Gefühle diesbezüglich sind ambivalenter Natur. Ich höre förmlich schon wie Luninara aus der Geschichte auch noch Kapital schlägt.

"Wie Ihr wart mit dem Drachen verlobt?!"
"Ich bin in ein Kloster eingetreten."
"Stimmt da kommen Drachen nicht rein um einen zu fressen, kluge Entscheidung."

Ich habe festgestellt, dass die Stelle in mir nicht mehr wund ist. Die Zeit mit dem Feuerkopf war eine gute. Aber sie war. Was hätte sein können ist ein zugebundener Sack Sand, den niemand mehr öffnen wird. Balator ist zurück - ja. Aber es gibt kein Wir mehr.
Ich bin Offizierin und Knappin und er wird seinen Weg für sich selbst finden müssen. Ein gemeinsamer war uns nicht bestimmt. Auf meinem Weg werde ich an die Seite eines anderen gehören, egal wie verschlungen, steinig und steil jener noch werden wird. Ich schreite voran und das nicht allein. In dieser stillen Gewissheit finde ich die Ruhe und die Kraft für die Aufgaben, die vor mir liegen.

Ich bin mir sicher.

Verfasst: Montag 11. Mai 2015, 14:07
von Helisande von Alsted
47. Eintrag

Lady Sidra ist eine überaus verschlagene und hinterhältige Person! Sie hat mich richtig reingelegt während der letzten Unterweisung. Diplomatie ist ein schrecklich trockenes und dennoch wichtiges Thema, mit dem ich mich entgegen meinem erklärten Willen ständig befassen darf. Allein schon als Offizierin muss ich stets die diplomatischen Fallstricke im Kontakt mit anderen im Auge behalten. Insbesondere dann, wenn es um den Kontakt mit anderen Völkern geht.
Bedauerlicherweise verfüge ich dabei generell über die Feinfühligkeit eines Plattenhandschuhs, sowie das dezente Auftreten eines betrunkenen Piratens. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich ein Freund klarer Linien und absoluter Wahrung der eigenen Interessen bin. Wer zu oft über seinen Schatten springt, der wirft irgendwann keinen mehr.
Während Lady Sidra und ich einige aktuelle diplomatische Verwicklungen analysierten geriet die in der Bibliothek am Nebelpass anwesende Vogtin mit einem augenscheinlichen Menekaner in ein hitziges Wortgefecht. Ich blendete jenes aus, da für gewöhnlich die Vogtin sich sehr gut zu verwahren weis. Doch drohte die Lage zu eskalieren und Lady Sidra schickte mich zur Schadensbegrenzung hin.

Mich!

Vermutlich hängt sie nicht sehr am Wohlergehen eines aufsässigen Menekaners, das war tatsächlich mein erste Reaktion. Jedoch konnte ich auch nicht der Votin komplett in die Parade fahren.
Gut... gekonnt hätte ich schon, aber ich stelle den Adel nicht vor dritten blos. Loyalität ist manchmal eine Bürde. Mit Herzklopfen bis zum Hals und der antrainierten äußeren Ruhe, die der Dienst mir oft abverlangt, mischte ich mich freundlich aber bestimmt ins Gespräch ein. Lenkte die Gedanken auf Abwege, bezog meine persönlichen Beziehungen nach Menekur und zu Seiner Majestät mit ein und versuchte durch sanfte Formulierungsänderung der gegenseitigen Vorwürfe die Eskalation zu verhindern. Während des anscheinend freundlichen Geplauders verstrickte sich der Menekaner allerdings in Ungereimtheiten und Widersprüche. Irgendwann war ihm nicht mehr klar zu welcher Familie er nun gehörte. Das fiehl mir leider erst auf als die Burg befriedet war und die beiden Kontrahenten sich friedlich trennten. Der Mann verschwand ziemlich zügig. Merkwürdig zügig.

Doch erst nach dem Lady Sidra mich breit angrinste und lobte, da ging mir der Seifensieder auf. Sie hatte mir eine Scharade vorführen lassen um meine Reaktionen authentisch verfolgen zu könnten. An sich sollte ich ihr dafür ein bisschen gram sein, ich kann es aber nicht. Ich bin einfach zu froh über die Tatsache, dass es kein echter Streitfall war.
Wirkliche Kriege führen wir genug.

(Ich könnte wetten der saubere Menekaner war Ecclesia. Warte nur ab... warte du nur...)

Insgesamt scheint Milady mit mir zufrieden zu sein, auch wenn ich sperrig bin wie ein sehr trockenes Dielenbrett. Es sind die Umstände, die mich zu der gemacht haben, die ich nun bin. Zum Teil ist es sicherlich auch meinem Starrsinn geschuldet. Ich beuge mich nur ungern und bin stringent und direkt. Daher hege ich die vage Hoffnung, dass Seine Majestät mich nicht zwingend in diplomatische Missionen ausschickt. Sicherlich würde ich gehorchen und mein Bestes geben, doch Erfolge würden andere mit leichterer Hand erzielen.

Auch in den Kampfübungen zu Pferde habe ich mich trotz meiner Unerfahrenheit in diesen Dingen behaupten können. Mocca ist ein augezeichneter Partner und hat mich mehr als einmal davor bewahrt sang und klanglos zu Boden zu segeln. Es war ungemein anstrengend und dennoch konnte ich mir einige Kniffe von der Ritterin abgucken. Seitdem muss eine Strohpuppe herhalten, die auf der braven Gerda festgeschnallt ist. Die Wiese hinter dem Bunten Kessel sieht daher auch in meinen dienstfreien Zeiten aus als hätte irgendwer eine Scheune ausgefegt. Das Stroh ist schon bis in den Garten geweht, irgendwann wird Tarek mich lynchen. Der Erfolg stellt sich allerdings ein, ich schaffe es inzwischen deutlich geschmeidiger die Bewegungen im Schwung der Schritte des Pferdes zu vollziehen und die Trefferzonen anzuvisieren. Die seitlichen Bewegungen gelingen inzwischen auch in die Tiefe nach rechts hinab. Ich habe ein gutes Pferd, das macht viel wett.

Über die Dinge im Dienst werde ich erst berichten wenn einige Vorgänge ihr Ende gefunden haben. Ich bin mir noch nicht sicher welches das sein wird.

Verfasst: Freitag 15. Mai 2015, 18:42
von Helisande von Alsted
48. Eintrag

Voneinander lernen, miteinander kämpfen, füreinander einstehen.

Zentrale Worte, die Herz und Kern des Regimentes bilden. Den wahren Inhalt jener heheren Worte konnte ich nun wieder ganz lebendig fühlen. Er weht wie eine warme menekanische Brise durch die Kommandatur und kondensierte in meinem Büro dort.
Die Kommandatur lief mal wieder über vor Besuchern, die alle ein für sich wichtiges Anliegen hatten. Die Wachmannschaft befand sich auch im Haus. Ich trabte in eiligem Tempo in mein Büro um einen Teil der Gespräche zu übernehmen. Kaum hatte ich die Tür geöffnet schlug mir der Duft des oben bereits erwähnten entgegen.

Und ich blickte in gefühlvolle braune Augen aus denen die gesamte Treue sprach, zu der ein lebendes Wesen in vollster Arglosigkeit fähig war. Der Fleisch gewordene Sanftmut näherte sich mir und wollte mit einem freundlchen Brummen Kontakt zu mir aufnehmen. Bis ins Mark erschüttert von diesem Bild, dass sich mir bot und dem Geruch, der sich wie ein Mantel um mich legte, hob ich an und brüllte mein ganzes Glück hinaus.

Alsted.
Er hatte es wirklich getan und wenn ich es richtig witterte, trug Luninara einen wesentlichen Anteil dazu bei. Genauso wie der Rest der rotgoldenen Bande, der direkt vor meiner Tür in Gekicher ausbrach.

Ein Lama.
Sie hatten mir wahrhaftig ein Lama ins Büro verfrachtet. Zugegeben ich hatte bei der Moccamission in einem Nebensatz fallen lassen, dass sie meinetwegen auch ein Lama kaufen könnten, jedoch baute ich da noch auf den gesunden Menschenverstand. Im Grunde baute ich immer noch auf jenen und war mir sehr sicher, dass der Übeltäter genau wusste was er getan hatte. Er mochte sich beim folgenden Anschiss noch so sehr bemühen sein Gesicht unter Kontrolle zu halten, ich konnte es sehen!
Jawohl!
Er würde mein Büro schrubben und jegliche Rest von Lama aus dem Teppich und der Luft tilgen. Nun war mein Augenmerk endgültig auf ihn gefallen und ich würde mir noch spannende Aufgaben für ihn einfallen lassen. Die Gardistin Luninara schuldete mir nun etwas und ich war niemand, der ein langmütiger Gläubiger war. Ich würde eintreiben.


Wie ich sie für ihren Frevel bezahlen lassen würde dämmerte mir als ich über meinen letzten Unterricht im unbewaffneten Kampf nachsann. Bisher hatte ich noch kein Überlebenstraining absolviert oder hatte größeres Wild als Hasen erlegt. Dem galt es Abhilfe zu schaffen. Aber als erstes würde ich um diese Lektion einen der Wolfsheuler der Thyren bitten. Ulfrik oder Skjarlav wären genau die Richtigen für diese Aufgabe. Von wem könnte ich besser lernen im Wald zu überleben und Hochwild zu jagen?
Sollte keiner von beiden den Langmut haben mich vorlautes Städerweib zu unterweisen, würde ich bei Luninara die Daumenschrauben ansetzen. Ich weiß noch sehr gut was sie einst war und vergessen haben wird sie davon sicherlich nichts.

Zurück zum Lama. Die Menekaner verkaufen solche Tiere normalerweise nicht. Ich habe keine Ahnung wie Alsted und Luninara es geschafft haben eines zu erhalten. Aber ihre Beharrlichkeit und ihr Verhandlungsgeschick sind Punkte, die ich mir notiert habe.
Mir gehört nun ein Kleinkamel und ein Lama habe ich auch.

Verfasst: Samstag 30. Mai 2015, 16:23
von Helisande von Alsted
49. Eintrag

Ich sollte das Überleben im Wald lernen, für den Fall dass ich einmal verloren gehen würde. Ein Unterichtsinhalt für Knappen, den ich aber sowieso zu bewältigen gedachte. Den gesamten Winter über hatte ich es nicht geschafft mit dem Thyren Ulfrik diesen Plan in die Tat umzusetzen. Doch nun hatte ich Skjarlav überredet. Er machte zwar deutlich, dass ich als 'Städderweyb' in jedem Fall im Wald verrecken würde, aber er würde mir wenigstens zeigen dass ich dafür ein paar Tage brauchen würde.
In Lederrüstung mit einem wärmenden Umhang, einem Beutel mit Salz, Feuersteinen und einem Dolch trat ich an zu meinem Verhängnis. Skjarlav hatte noch die beiden anderen Wolfsheuler Admor und Lytingr überredet mit zukommen. So zogen wir dahin.

Ich wurde beinahe im Moor ertränkt zu Demonstrationszwecken. Denn dort darf man nicht strampeln, wenn man versinkt, sondern ich sollte krabbeln. Durchnässt und halbtot wurde ich angetrieben Feuerholz zu sammeln. Schutz suchen, einen Lagerplatz mit Deckung an dem man Feuermachen konnte und der leicht zu verteidigen war. Beim Feuermachen bin ich beinahe am Rauch erstickt, aber ich habe es geschafft aus Zunder, Ästchen und Feuersteinen eine Flamme zu erschaffen.

Aus einem Ast und einer frischen Sehne musste ich mir unter Anweisung einen Bogen bauen. Jeder gelang mir krumm und schief und taugte so gar icht den aufgespürten Hirsche zu erlegen. Wir hatten uns gegen den Wind dem Tier genähert und ich war nah genug dran um ihn mit dem Krummholzbogen zu Fall zu bringen und ihn dann mit dem Dolch zu erlegen.

Rohe Leber schmeckt eigenartig, macht aber satt.
Nur gesalzenes Wildfleisch ist nur für Thyren eine Delikatesse.

Die Nacht verbrachte ich verdreckt, mit Blut beschmiert und in den Morgenstunden leicht fröstelnd. Heimfinden musste ich allein, aber ich schaffte es. Denn Moos wächst an der Nordseite von Bäumen.

Nun hatte ich dennoch blutende und klebende Finger, denn Lady Sidra beauftrage mich Pfeile herzustellen um mit ihr alsbald auch noch einmal in den Wald zu ziehen. Die Schäfte hatte ich aus Spaltholz hergestellt, es war mir einfach zu arg die richtigen Äste mühsam zu suchen. Folglich hatte ich Birkenstämme gespalten, die Stücke gehobelt, noch mehr gehobelt und dann geschliffen. Die Federn anzukleben und zu wickeln war eine ungeheuer fummelige angelegenheit. Es war wie es war, einige standen im falschen Winkel ab. Dabei habe ich so oft Luninara und Fabian dabei zugesehen, das geht noch eigentlich ganz leicht!

Ich hab glaub ich krumme Finger.

Ein wahres Prachtweib, kann nicht kochen, nicht nähen und auch keine hübschen Pfeile herstellen. Der Balkon am Haus sieht aus als ob ich da in kruden Ritualen Hühner geopfert hätte, nur dass das Blut von mir stammt. Bei den Spitzen hab ich geschummelt, die hab ich mir von Tarek machen lassen und dann nur noch eingesetzt und umwickelt, damits hält.
Meine Finger brennen von dem Knochenleim, gut dass ich heute abend eh Handschuhe trage. Dann sieht wenigstens keiner die undamenhaft zerschlissenen Finger der Oberstleutnant.

Verflixt. Geschenke!

Verfasst: Donnerstag 18. Juni 2015, 16:03
von Helisande von Alsted
50. Eintrag

Es ist manchmal faszinierend zu sehen und zu hören, was andere in mir sehen. Bizarr wie sich deren Bild von mir von dem meinen über mich unterscheidet. Erst neulich hatten wir eine recht gemütliche Plauschrunde in der mir Sophia einges einzureden versuchte. Janarey und Herr Salberg tuten in das gleiche Horn, dessen Klang ist mir jedoch zu harmonisch. Ich gebe jedoch zu, dass die gewählten Worte mir schmeicheln und mich gleichsam verlegen machen. Offenbar kann ich mit der schroffen Art Sir Vaughains viel besser umgehen. Seine Worte kann ich glauben, vielleicht weil sie den meinen so ähnlich sind. Ich bin gern die Pest und die Seuche für alle, der Stein im Stiefel, die die schrecklich unbequem ist.

Somit bleiben alle wachsam und Wachsamkeit ist das, was das Reich nunmal braucht. Ich selbst bin nicht sonderlich schnell darin Schlüsse zu ziehen, doch langsam ergibt das Blau einen Sinn. Wobei ich nach einigen widersprüchlichen Gefühlen bei einem bleibe. Ich freue mich offen und ehrlich. Es gibt einiges von dem Ernst nichts erfahren wird, denn ich denke er lebt besser damit es nicht zu wissen. Womit er gut leben wird ist, dass Sir Vaughain nun sein Ritter ist. Das wird spannend sein zu beobachten.

Lady Sidra hat mich schon einige Tage nicht mehr einbestellt. Ich werde wohl selbst mal bei ihr vorsprechen. Vielleicht hat sie ja noch eine Aufgabe für mich und wenn ich mich nicht irre muss ich noch eine Strafarbeit erledigen. Ich vermeine das Sir von Gipfelsturm mir vor einiger Zeit aufgedrückt hat eine Ausarbeitung über die Duellkunde für das Regiment zu verfassen.
Was hab ich Lust wieder eine Ausarbeitung zu schreiben....
Es hilft nichts, sobald diese Sache mit der Leiche im Lehrhospital geklärt ist und ich nicht mehr so gereizt bin, werde ich mich dran setzen. Die Termine übeschlagen sich und überholen sich zum Teil selbst. Morgen gebe ich öffentlichen Tanzunterricht, damit auf dem Maskenball auch getanzt wird und nicht wieder das Volk herumsteht und sich in Ausreden ergeht. Mein Kostüm muss ich auch noch abholen und anpassen lassen. Ich freue mich schon sehr darauf.

Ach wie ich Bälle liebe!

Ich sollte langsam wirklich einen Brief an meine Eltern schreiben. Vielleicht leben sie beide noch. Vielleicht vergeben sie mir...

Verfasst: Sonntag 5. Juli 2015, 16:39
von Helisande von Alsted
51. Eintrag

"Er wäre sicher stolz auf dich."
"Wenigstens einer."


Das muss unendlich jammervoll geklungen haben. Wieder einmal wie das Kind, dass ich ewig zurückgewiesen fühlt. Anforderungen, die ich glaubte erfüllt zu haben und doch der ewige Nachhall der Unzufriedenheit. Nicht bei mir selbst, diesmal nicht.


"Ich bin es auch. Du hast dich nie bezwingen lassen, egal was kam. Du hast nie weder offen noch verdeckt meine Hilfe erbeten. Du stehst auf, wenn du fällst, egal wie oft, egal wie hart. Du stehst und du stehst mit geradem Rücken, ungebeugt."


Ich hatte definitiv jammervoll geklungen. Aber ich hatte einige Ohrfeigen zu verarbeiten, die mir Seine Majestät verabreicht hatte. Es offenbahrte sich wieder das, was ich bereits geahnt hatte. Will man glatt durchkommen, dann muss man brav, angepasst und artig sein. Dann muss man immer alles gut finden, was höher Gestellte tun und nur niemals eine eigene unpopuläre Meinung haben und vertreten.
Kurze Lehre... sei nicht wie ich.

Bist du wie ich, dann wirst du umhergereicht und nicht ein Lob ergeht an dich, das nicht eine verdeckte Kritik erhält. Bist du wie ich, dann lerne dringend schön zu tun und angepasst zu sein. Meine Ausbildung soll chaotisch gewesen sein und ich zu halsstarrig und direkt, wenig gelehrig. Dafür werde ich nun ins Kloster geschickt am 25. Cirmiasum. Ebenso wie Sophia.
Warum?
Ich habe keine Ahnung.
Sir von Gipfelsturm meinte es könnte die Schwertleite sein, die Nacht im Gebet und in tiefer Meditation. Die Nacht in der Knappen in einen engeren Kontakt mit Temora treten sollen und sich über ihren weiteren Weg klar werden. Eine Tradition der Ritterschaft.
In Kontakt mit Temora treten.
Am Ar... m!
Ich bete, ich bete täglich. Nie im Kloster, meist in der Kapelle im Regiment oder an dem Schrein des Mitgefühls. Vor Temora habe ich keine Geheimnisse oder Vorbehalte, sie kann in mir lesen. Nur bezweifel ich dass sie es tut. Ich bin keine Erwählte, ich bin nur eine Glaubende. Ich bin Soldatin und keine Geweihte. Sofern die Herrin mich zur Kenntnis nimmt, dann mit Blick auf meine Nützlichkeit für ihre Ideale einzutreten. Ich kann kämpfen.
Ich will nicht in das Kloster. Ich vertraue und folge Temora und ich werde mich nie wieder der Güte ihrer Priester ausliefern. Das klingt hart und ich weiß es. Ich beneide die Geweihten auch nicht. Die Berührung durch eine Gottheit geht nie ohne Schaden von statten. Man ist nicht derselbe wie zuvor, auch wenn man immer noch seine eigenen Lasten trägt und am Anspruch der Perfektion zum Scheitern verdammt ist.
Ich bin nicht perfekt und ich maße es mir auch nicht an es sein zu wollen. Auch wenn mir ein Mangel an Demut vorgeworfen wurde, der Vorwurf ist haltlos. Gleich ob Könige oder Ritter jenen vorbringen. Er ist haltlos. Ich weiß nur, dass ich gehorchen werde, weil ich einen Befehl erhielt. Eine Nacht im Kloster. Ich habe schon eisige Nächte auf Wachschicht im Freien überstanden. Ich habe vor Hitze dampfende Nächte auf Belagerung überstanden, ich habe im Nieselregen Ausbildungen absolviert. Es wird nicht schlimmer sein als dies.
Bei dem Gespräch mit Seiner Majestät freute ich mich sehr ihn einmal wiedersehen zu dürfen. Es gab eine Zeit, da habe ich ihn als klugen und umsichtigen Mann kennen gelernt. Meine Loyalität und Gehorsam gehören ihm und dem Reich. Doch die Worte saßen tief, der Vergleich mit Sophia ebenso. Manche Gläser müssen wohl zerspringen, damit das Klirren erklingen kann. Ich habe diese Worte nicht verdient und dennoch erhalten.

Aufstehen, egal wie hart man fällt.
Durchalten, egal wie sehr man kalt gestellt wird.
Weitergehen.

Genüge ich mir selbst, dann genüge ich wenigstens einem.
"Fjalon wäre stolz auf dich."
Ich weiß.
Weil er als einer der Ersten erkannt hat wie fest ich stehe.
Und das man mir besser nicht im Weg steht. Es wird wieder Zeit ihm einen Brief zu schreiben, diesmal ein Brief des Schwertes.

Verfasst: Sonntag 2. August 2015, 12:25
von Helisande von Alsted
52. Eintrag

Ich habe mir einen Trost gestohlen. Ansonsten hülle ich mich in Schweigen und bitte um nichts, aber diesen kleinen Zipfel Trost benötige ich um überhaupt jeden Tag nun erneut aufzustehen und einen Fuß vor den anderen zu setzen. Sicherlich könnte ich darum bitten gehalten zu werden, aber ich will es nicht. Diesmal nicht. Nicht für ein Vergehen, dass ich mir selbst zum Vorwurf mache und machen muss.

Ich habe dem Befehl des Königs nicht gehorcht, sicherlich den Umständen geschuldet. Aber gibt es nicht immer eine Begrüdung für das was wir tun? Es gibt immer Gründe aber in diesem Fall keine Entschuldigung. Ich habe nicht gehorcht. Damit habe Schaden angerichtet, den ich nun zu tragen habe. Offenbar schwebt deswegen die Wolke des Unglücks über mir.
Ich habe einen Mann getötet. Auch wenn er Pirat war, so war er nicht ganz bei sich und dieser Kampf war von Grund herauf unnötig. Dennoch hat er ihn begonnen und ich ihn beendet. Ich rieche immer noch sein Blut an mir und fühle wie es an mir klebt, egal wie oft ich mich wasche. Nicht einmal wirklichen Hunger verspüre ich und esse nur aus Pflichtbewusstsein. Ich bin eine Streiterin, eine Soldatin des Reiches und in Zeiten wie diesen wird mein Schwert gebraucht.

Ein hinterhältiger Mord erschüttert mich. Saphira ist tot, ein Akorither scheint sie getötet zu haben, wenn man den Indizien glauben schenken darf. Ich bin darüber entsetzt. Es trift mich bis ins Mark jemanden aus unserer Mitte gerissen zu sehen. Soldaten sterben in Schlachten, wir fechten die Kämpfe für das Reich aus. Aber in unserem Heim ermordet zu werden? Kein Ende für einen Soldaten. Auch wenn ich Saphira nie nahe stand oder sie mir, so benötgit nun doch Janarey das kleine Quäntchen an Kraft, welches mir noch verblieben ist. Sie kann es haben, wir stehen das durch. Gemeinsam, miteinander, füreinander.

Die Berichte über diese obskure neue Rasse, die auch bei mir eintreffen sind beunruhigend. Alatar soll eine Tochter haben und das obwohl er selbst kein Leben erschaffen kann. Jene Tochter soll dann ein ganzes Volk erschaffen haben. Es beunruhigt mich zutiefst, dass wir uns nun offenbar einer erneuten Bedrohung gegenüber sehen. Wenn ich die Informationen richtig einschätze, sind sich die anderen Völker noch unsicher was sie tun sollen. Diese Ra... Ra, die mit den Hörnern behaupten sie würden Handel mit den Elfen, den Kaluren und den Thyren treiben und seien Verbündete der Letharen. Irgendwie beißen sich diese Aussagen gegenseitig ins Bein. Ich werde mich entscheiden, wie ich zunächst damit umgehe bis der Rat sich entschieden hat. Ich tendiere zur Vorsicht und zum Schutz des Reiches.

Mein Trost hüllt mich ein, auch wenn er mir viel zu groß ist. Ich kuschel mich hinein und versuche mich in Träume zu flüchten. Auch wenn meine Gedanken sich überschlagen und der Schlaf mich flieht. Ich habe bisher jeden Sturm überstanden, ich werde auch dies überstehen. Geduld ist zwar keine Tugend, aber dennoch verfüge ich darüber. Ich werde warten und weiterarbeiten bis ich Antworten erhalte.
Temora beschützt!
Temora beschütze auch mich.

Verfasst: Sonntag 23. August 2015, 14:43
von Helisande von Alsted
53. Eintrag

Dieses Buch hier füllt sich mit Erinnerungen, Eindrücken und dem was für mich die Wahrheit einer Situation darstellt. Natürlich nur meiner Wahrheit, einer Sicht der Dinge, die nicht zwingend mit der eines anderen Menschen übereinstimmen muss. Einiges lass ich hier nieder, anderes behalte ich für mich und berge es tief in mir. Warum vermag ich nicht genau zu sagen. Vielleicht habe ich Angst, dass die Niederschrift das Ende in sich birgt oder es dadurch von mit entromantisiert wird. Wie es scheint, so bin ich hoffnungslos romantisch. Oder eher hoffnungsvoll?

Hoffnungsvoll.

Denn ich sitze hier eingehüllt in meinen tragbaren Trost, lasse meinen Kaffee kalt werden und suche noch die rechten Worte um niederzulassen was mich gerade bewegt. Ich fühle mich wie ein Fass, dem der Spund ausgeschlagen wurde und dessen Inhalt langsam ausläuft. Das rohe Skelett, gehalten von starren Ringen bleibt stehen und zeigt sich der Welt nahezu unberührt. Das bin ich im Moment. Ich finde die passenden Worte ohne zu wissen woher sie kommen.

Talianna ist tot.

Waldesruh, das Weib, das schon tausendmal hätte sterben sollen hat sie in einem Kampf niedergestreckt. Ich hoffe Talianna hat ihr mindestens eine bleibende Erinnerung verpasst. Oder noch besser, sie möge elend am Wundbrand verrecken.

Talianna ist tot.

Mein Korporal der ersten Stunde. Meine Kameradin, meine Freundin, meine Moccaschwester. Ihr verbeulter Blechbecher aus dem Regiment steht vor mir mit Kaffee darin. Ich habe sicherlich taudend Mal gesehen wie sie ihn befüllt und geleert hat. Ich war dabei als sie ihn in Schwingenstein wutentbrannt an die Palisade geschmettert hat - ohne Kaffee darin. Ich war dabei als wir den Becher und den Moccavorrat vor den Käfern gerettet haben.

Korporal Talianna van Hainklang ist tot. Ehrenhaft im Kampf gefallen für Krone, Reich und Glauben. Und ich fühle mich leer.
Leer ohne es zeigen oder offen zugeben zu dürfen. Der Freiherr hat es verstanden und die richtigen Worte und den richtigen Wein für die Situation gefunden. Das ist das Faszinierende an ihm, er ist immer im rechten Moment der Vater, den ich gerade brauche ohne dass er wirklich mein Vater ist. Es ist beruhigend ihn in der Nähe zu wissen. Ebenso ist es mit dem kalten Kaffe im verbeulten Blechbecher vor mir, beruhigend zu sehen, dass ich offenbar nach außen hin sehr sicher stehe. Es scheint so als hätte Sir Fjalon in gewissen Dingen Recht gehabt.

Talianna ist tot, sie starb wie es einer Soldatin zukommt. Ich werde ihrer gedenken bei jedem Mocca und jedem Kaffee. Doch ich trage nun keine Bürden mehr. Ich trage Würden. Gerade nur als Hülle, gehalten von Pflicht und Notwendigkeiten. Aber es ist da, ich bin gewachsen.

Und ich soll den Thyren auf deren Wunsch hin einiges über das lichtenthaler Gastrecht und die Regeln für Benehmen erklären. Das wird vermutlich in einer halben bis mittleren Katastrophe enden. Oder in einem Metgelage. Dennoch und trotz aller Trauer, irgendwie freue ich mich auch darauf. Ich werde auf die Knickskunde verzichten und nur auf die wesentlichen Dinge eingehen. Völkerverständigung und Vermeidung von Missverständnissen.

Na dann. Hossa.

Verfasst: Donnerstag 8. Oktober 2015, 14:39
von Helisande von Alsted
54. Eintrag

Ich habe einen Brief geschrieben. Diesmal keinen an einen toten Ritter, sondern an meine Mutter. Dabei weiß ich nicht mal ob sie noch lebt, ob Vater noch lebt und ob alle meine Brüder überhaupt das Erwachsenenalter erreicht haben. Ich habe einen Brief geschrrieben an meine Mutter, in der Hoffnung dass dort auf dem Rittergut alles gut ist. Die Sommer sind oft heiß, aber nie drückend, da die Winde der Küste ständig für Luftströmung sorgen. Dafür sind die Winter dort oft schneidend kalt, wenn auch wenig schneereich. Ich habe einen Brief geschrieben an meine Vergangenheit, weil ich einen Schritt voran in meine Zukunft getan habe.

Es scheint immer noch so unwirklich und manchmal brauche ich beim Aufwachen Zeit um mich zu entsinnen, dass ich doch wirklich den Ritterschlag erhielt. Das Schwert, das nun eines meiner Standessymbole ist, liegt gut in meiner Hand und auch die anderen Abzeichen lassen sich tragen. Jedoch stelle ich Tag um Tag mehr fest, dass die größte Veränderung nur die Ergänzung meines Namens ist. Ich bin immer noch ich und mir selbst darin genug. Ungewohnt erscheint noch die Anrede und auch das Verhalten einiger Personen mir gegenüber hat sich gewandelt. Wobei ich doch bemerken muss, dass die korrekte Anrede eines Ritters für die meisten offenbar derartig unwichtig ist, dass sie es auch nach der dritten, sanften Korrektur noch immer nicht hinbekommen. Es scheint für mich nur eine Frage der Zeit zu sein, wann mir der durch den Regimentsdienst solide gedickte Geduldsfaden erneut reißt. Nur war er letztens nicht gerissen als ich falsch tituliert wurde, sondern man hat sich höher vergriffen.
Sicherlich schimpft man mich hinter meinem Rücken einen Kleingeist, doch das stört mich nicht. Ich verstehe sogar, dass einige denken wie 15jährige, unreife Gören mit dem erhabenen Horizont einer knieenden Ameise. Was an Anreden so wichtig ist? Warum nicht auf die gesamte Etikette und Höflichkeit verzichten?
Was rege ich mich überhaupt so auf?
Schlicht weil die einfachen Umgangsformen, die prinzipielle Höfichkeit und die Achtsamkeit sich einzuprägen was das Gegenüber ist und darstellt, ein Grund sind warum wir miteinander als Gesellschaft leben können. Die Haltung in der Etikette und im Gebaren ist der äußere Ausdruck einer inneren Geisteshaltung. Jene Haltung sollte von Achtung, Respekt und den Tugenden geprägt und geführt sein. Schlicht weil wir Menschen mehr sind als Tiere, die den Schwächsten aus ihrer Mitte beißen. Weil wir einander brauchen und das Gefühl gebraucht und geachtet zu werden, gleich wie hoch oder niedrig wir stehen.

Ich gehöre zum Adel und bin bemüht als dessen Teil zu agieren und zu repräsentieren. Auch wenn ich nur Ritter bin und meine eigentliche Aufgabe es ist ehrenvoll im Kampf für das Reich Alumenas zu stehen und zu fallen, so ist es mir doch ein Bedürfnis, die Bürger des Reiches zusammen zu bringen. Nur was man kennt, kann man achten. Nur was man achtet, will man schützen. Das Reich muss zusammenstehen. Gleich ob Bauer oder Edler, ungesehen ob Magd oder Schneidermeister, ob Adel oder Bürgertum. Wir sind das, was gegen alle Feinde gemeinsam steht. Schutz und Trutz gegen den Westen. Halt und Fürsorge in Zeiten der Not.
Auch wenn es mir bisweilen den letzten Nerv raubt, ich werde nicht aufhören weiter mit dem Namen, der nun neu ist, mit der Haltung, die Gewohnheit ist Verbindungen zu schaffen. Zum Wohl des Reiches und aller darin.

Über all meinen Verpflichtungen und dem Dienst war ich jedoch wenig Achtsam gegenüber denen, die mir anvertraut sind. Janarey hat eine ungeahnte Tortur hinter sich in den Händen von Rabendienern und Akorithern. Sie wohnt nun bei mir und muss heilen. Aber ihre Kammeraden waren da und werden es weiterhin sein. Ganz Lichtenthal arbeitet daran sie zurück ins offene Leben zu bringen. Temora beschützt!
Es ist gut, dass sie bei mir wohnt, denn so habe ich ein wenig Ablenkung von den Zeiten in denen mich die Sehnsucht umtreiben wird. Der wichtigste Teil von mir begibt sich auf die jährliche Reise und ich misse ihn bereits jetzt. Auch meine Reise zu den Familien der Gefallenen steht alsbald an. Hoffentlich kommt Janarey bis dahin allein zu recht.

Genug der schweren Worte, ich lasse Taten folgen.
Und den Tanztee kann ich der Edle in die Haare schmieren. Über das beharrliche Votieren der männlichen Bürgerschaft nicht tanzen zu können, es nicht lernen zu wollen, es im Kreuz zu haben, gaaaanz dringend zum Dienst zu müssen - bin ich erbost. Und ich bin es nach Wochen immer noch.
Man wird sehen, was man davon hat.
Ich habe genug Körbe da, die kann ich reichlich verteilen!

Verfasst: Freitag 16. Oktober 2015, 20:52
von Helisande von Alsted
55. Eintrag

Meine Sachen sind gepackt, ich muss morgen nur noch aufsatteln und losreiten. Wie jedes Jahr im Herbst werde ich die Familien und Angehörige der gefallenen Kameraden des letzten Jahres besuchen. Diesmal fällt es mir besonders schwer, denn zu den Gefallenen gehört auch meine Moccaschwester. Talianna fehlt mir sehr und ich hüte ihren zerbeulten Becher als wäre er ein kostbares Stück Porzellan. Es ist oft so das Stücke an denen Erinnerungen hängen mir kostbarer sind als jedes noch so feine Handgewerke.
Ich freue mich darauf die Großmutter Saphiras wieder zu sehen. Die alte Dame ist eine respektable Frau und ich würde gern erfahren wie es ihr seit der Beisetzung ergangen ist. Für sie haben ich nicht nur die Auslöse für das gefallene Kind dabei, sondern auch einen besonderen Schnaps aus dem Kessel. Wärmt die alten Glieder auf.

Ganz wohl ist mir allerdings nicht dabei Janarey in dieser sensiblen Phase ihrer Genesung allein zu lassen. Einen Rückschlag hatten wir ja bereits schon durch diese Phiole der Magistra aus Rahal. Aber sie wird ihre Pflicht ebenso tun wie ich es tue. Ich habe angeregt sie mit Schreibarbeit und Dienstorganisation zu betrauen. Auch kann sie Aufnahmegespräche führen, dafür braucht man ja nicht zu laufen. Fas Fräulein Assamaril wird sich sicherlich gut um sie kümmern und sie im Auge behalten. Auch sind ja noch ihre Kameraden da. Sie haben ihr ein Holzschild geschenkt, graviert mit allen Namen. Ich habe bisher nicht nachgesehen ob da auch mein Name mit verewigt wurde. So sehr ich auch bemüht bin mich als Soldatin Lichtenthals zu empfinden und zu geben, so sehr weiß ich auch, dass ich als Offizierin nicht mehr zur Mannschaft gehöre. Bei solchen kameradschaftlichen Aktionen stehe ich inzwischen immer öfter beobachtend daneben. Und es ist gut so.

Berchgard hat nun ein neues Tor, welches aus Mithril gegossen und geschmiedet ist. Wie ich die Kaluren kenne wird das Tor vermutlich länger halten als die gesamte Mauer. Aber das soll die Leistung des Fräulein Leethas nicht schmälern. Sie hat das alte Tor umgebaut, so dass es nun den Aufgang zur Miene verschließbar macht. Ein immenser taktischer Vorteil, sollte Berchgard einmal geschliffen werden. Die Oberstadt und der Stollen würden so gut gehalten und gesichert werden können. In Abwesenheit des Lehnsherren der Stadt war es um so wichtiger, dass die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Temperamenten gut koordiniert wurde. Es stellte sich im Verlauf der Arbeiten heraus, dass die konträsten Temperamentslagen allerdings die beiden Lichtenthaler Planer inne hatten. Famose Eskalationen. Leider siegte doch die Vernunft in Gestalt des Gardisten Alsted, was jedes Orakel an sich dazu bringen müsste das Ende der bekannten Welt zu prophezeien.
Er macht sich.
Das macht mir Angst.
Obwohl, eigentlich nicht. Es ist tatsächlich eher erholsam, dass auch dieser Soldat seinen Weg zu finden scheint.

Für die Zeit meiner Abwesenheit fürchte ich, dass es auf magischer Basis ein wenig knistern wird. Allerdings habe ich zu der Penetranz mit der die Magier aller Fakultäten meinen, sie könnten tun und lassen was ihnen beliebt meine eigene Meinung. Jene wird tatsächlich vom Herrn Oberst geteilt. Wer aufrichtig und reichstreu ist, der kann sich in seiner wahren Gestalt zeigen und muss nicht als Regenwurm oder Springfloh den Soldaten auf den Pelz rücken. Die Befehle dazu sind klar. Keine unziemliche Hatz auf Kleingetier, außer es verhält sich eindeutig krank und daher auffällig. Wobei der Herr Oberst darauf besteht, dass Raben direkt und ohne viel Federlesen abgeschossen werden. Eine Meinung, die ich teile.

Wenn ich wieder daheim bin, wird sich hoffentlich alles wieder in seinem normalen Gang befinden. Ich würde es mir wünschen. Auch wünsche ich mir zu meiner eigenen Heimkehr noch eine weitere. Trotz Janareys Gesellschaft wird mir die Zeit lang und mein Drachenherz ist doch nicht so hart und kalt, wie die Soldaten gern kolportieren.
Es ist nicht kalt. Ganz und gar nicht.

Verfasst: Montag 26. Oktober 2015, 18:02
von Helisande von Alsted
56. Eintrag

Daheim.
Wie heißt es so schön? Am Ende ist der beste Weg, derjenige der einen Heim führt. Ich komme nicht umhin die Wahrheit in diesen Worten zu finden. Auch wenn in Lichtenthal stetig der Krieg gegen das alatarische Reich mal heißer und mal lauer schwelt, auch wenn die eigenen Magier ihre wundersamen Anwandlungen haben und die Soldaten noch immer in der sommerlichen Langeweile verharren, es ist meine Heimat. Ich werde erkannt wenn ich irgendwo entlang reite und freundlich gegrüßt. Ich werde nach meinem Befinden befragt und erhalte einen Mocca einfach so, wenn ich irgendwo einkehre. Hier kenne ich die meisten Menschen und es macht den Eindruck als würde jeder mich und mein Wappen kennen.

Doch ich will hier nun niederlegen wie meine Reise verlief, dabei sei zu erst der angenehme Besuch der unangenehmen Pflicht geschildert. Die Familie Nojah war genauso wie es Saphira vermuten lies. Eine in sich liebevolle Familie, die zwischen Freiheit lassen und sich in banger Sorge verzehren um jedes seiner Mitglieder bemühte. Saphiras Großmutter nahm mich auf als sei ich eines der Kinder. Sie erinnerte sich offenbar an mich noch von der Trauerfeier. Für ihr Alter wirkte sie immer noch frisch und tatkräftig, pragmatisch in ihrer Art. Das Leben beginnt und endet, wie bestimmen wir nicht. Ihre Trauer war noch da wie eine fein vernarbte Wunde, die noch rot im Licht schimmert. Doch sie wurde schon gemildert durch das Erinnern und Teilen. Saphira mochte nicht die größte Heldin Lichtenthals gewesen sein, nicht die beste Kämpferin und auch niemand der alle Blicke eines Raumes auf sich zog. Doch war sie eine junge Frau voller Tatkraft, die ihren Weg gefunden und beschritten hatte. Eine Soldatin, die ihre Kameraden mitgesprägt hat. Sie hatte gelernt und gelehrt. Sie war ein Teil des Miteinanders, einer der nun wie ein vom Frost gebrochenes Loch in einer Kirschlorbeerhecke wieder mühsam zusammen wachsen musste. Miranda bewirtete mich mit Milch und Keksen.
Milch und Kekse.
Wie ein braves Töchterlein verzehrte ich beides und beging den Fehler die Kekse zu loben. Als ich schied packte sie mir genug ein um damit alle Letharen vor Ekel sterben zu lassen. Dennoch denke ich, dass mein Besuch der Familie geholfen hat. Ein Zeichen des Erinnerns und der vollständige Sold des Restjahres würde den Winter sicher erleichtern.

Hainklangs waren da ein ganz anderer Menschenschlag. Von Natur aus herber, verschlossener, wenn auch nicht unfreundlich. Bis auf einen. Taliannas Geschwister wirkten in den kurzen Gesprächen traurig und hingen offenbar sehr an der Schwester. Sie war eine Tante, was ich bisher gar nicht wusste. Vermutlich würde das nächste Mädchen den Namen Talianna tragen, einfach weil ihre Schwester gut Lust hatte den Patriarchen der Familie deftig zu ärgern. Ihre Mutter wirkte bedrückt und um Fassung bemüht. Das der Korporal so ähnliche Gesicht konnte auf die gleiche Art versteinern, wenn sie etwas zurückhielt oder glaubte zurückhalten zu müssen. Die Hände dieser Frau waren Zeugen, dass ihr Leben nicht leicht war und es wohl auch bis zu seinem Ende nicht werden würde. Ich gab ihr das Gold, den Angehörigensold. Ich gab ihn ihr ohne ein Wort darüber zu verlieren.

Und dann brach ich ihrem Mann die Nase.

Kaum zu glauben, dass dieser grobschlächtige und gemeine Mensch der Vater der zwar strengen aber gerechten und atlethischen Talianna gewesen sein sollte. Temora sei meine Zeugin, dass ich ihm jede Schmähung gegen meine Person vergab. Die Behauptungen ich sei einem Bordell entsprungen und so zum Militär gekommen, das Keifen dass ich nur einen richtigen Kerl brauchen würde... aber als er sich auf unsägliche und von mir nicht wiedergebbare Art über seine Tochter, meine Moccaschwester äußerte, da...
Der von ihm auf mich angesetzte Dorfbüttel warf einen Blick auf mein eigenes Wappen auf meinem Schild am Sattel, dann einen auf meine Rangabzeichen. Es erfolgte ein Salut und er zog gewaltig Leine.
Taliannas Mutter sicherte ich noch zu, dass sie jederzeit bei mir ein Heim finden würde, falls das nötig wäre. Dann ritt ich meiner Wege. So sehr der alte Hainklang auch ein Schandfleck für die Gattung Vater war, um so mehr fragt ich mich ob meiner genauso über mich dachte und sprach.

Sollte er nur.
Ich habe meine Heimat. Nun bin ich wieder dort.

Genauso wie der Fischefütterer auch wieder heimgekehrt ist. Die junge Dame hat ihn stolz gemacht und ich hoffe wirklich, dass ich sie eines Tages kennen lernen darf. Mit allen Würden und Rechten darin.

Verfasst: Donnerstag 17. Dezember 2015, 20:25
von Helisande von Alsted
57. Eintrag

Ein seltsames Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Der Winter ist mit aller Macht über uns hereingebrochen und das nicht mal zu einem unwillkommenen Zeitpunkt. Zumindest mir nicht unwillkommen. Das alatarische Reich hat erneut angegriffen und wir waren erneut die Verteidiger. Wieder lagerten wir in, vor und an Schwingenstein. Auch diesmal konnten wir die Ortschaft und das Kloster verteidigen. Jedoch sei dem Feind zuerkannt, dass er planvoller und zielgerichteter vorging als im letzten Jahr. Es gelang ihnen die Festung des Ordens der Temora zu schleifen.
Die Streiter Schwingensteins leisteten der militärischen Spitze des westlichen Übels erbitterten Widerstand. Wieder vereinigten sich die verschiedensten Völkler und Gruppierungen unter einem Ziel. Thyren, Menekaner, Kaluren, Elfen, Lichtenthaler Büger, Adel, Soldaten, Geweihte und Magier, sogar Druiden stritten vehement gegen das was seine scharfen Klauen gen Osten ausstreckte. Ich muss gestehen, dass ich neue Bekanntschaften schloss und alte auffrischte. Kontakte, die ich nun weiter zu pflegen gedenke. Das Lager war ein Schmelztigel unterschiedlichster Temperamente und Ansichten und ebenso anspruchsvoll gestaltete sich seine Organisation und Führung.

Dahingehend werde ich einigen Menschen noch lange dankbar sein. Die unerschütterliche Diakonin, die ebensogut mit Dolchen wie mit Worten trifft, der stetig präsente und tatkräftige Akoluth. Die Heiler, die vor lauter Nähten und Verbänden am Ende nicht mehr wussten wem sie was zusammen genäht hatten. Die Völker mit ihren Ratschlägen und unterschiedlichen Vorlieben bei der Getränke auswahl. Der Lagerist, der wenn er muss auch eine nackte cabezianische Tänzerin auf einem Lama durch feindliche Linien schmuggelt und auch noch mitten in der Nacht irgendwo einen Schneider ohne Schlafbedürfnis findet. Die Wachtmeisterin mit dem stets gespannten Bogen und dem Feingefühl Bürger bis zur Umgänglichkeit zu Besänftigen. Stetig anwesend wie ein Element und doch zum Eingreifen verurteilt ein Druide, der in seinen vielen Worten zu kaschieren versucht, was er sich erwünscht.
Die Soldaten.
Schmerzlich nun bewusst musste die Schultern, die am meisten auszuhalten hatte für die Kämpfe zusammengeschraubt und mit Metall fixiert werden. Das muss nun heilen, bis sie wieder die Stärke erreicht, die ich so sehnlichst brauchte und immer brauchen werde.

Wir haben gut gefochten.
Wir haben verteidigt, was uns anvertraut wurde.
Winter.

In den dunklen Stunden dieses scheidenden Jahres habe ich nun Zeit viel nachzudenken und auch in passende Worte zu kleiden. Der Orden der Temora wurde bis auf seine Wurzeln beschliffen. Ein schmerzhafter Eingriff für jene glaubenden Mitglieder. Sie wirken auf mich wie Säuglinge, die solange in einem sicheren Hort, wie im Schoß einer Mutter geborgen waren. Nun wurden sie in eine kalte und viel zu helle Welt hineingeboren, die ihnen so fremd ist. Fremd aus eigenem Entschluss, denn der Orden pflegte sein Enklavendasein mit voller Inbrunst und Hingabe. Nun stehen sie mitten in der Welt ohne den Schutz der Mauern, in die sie sich selbst eingeschlossen haben.
Eine Welt, die freundlich ihnen gegenüber ist und ihnen die Hände reicht. Wie zuvor auch schon. Nur durch Mauern gelangen Hände nicht. Durch Mauern dringen Worte nicht. Durch Mauern dringt nicht mal wirklich das Licht.
Nun wurden die Mauern geschliffen und der Winter taucht die gesamte Welt in ein strahlendes, blendendes Weiß. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie jenes gleißende Licht der Menschlichkeit annehmen. Bis auf Weiteres werde ich auf jeden von ihnen zugehen und meine Hände geöffnet halten.
Doch ergießt wieder einer der weißen Krähen einen monologartigen Wortschwall ohne Inhalt in meiner Gegenwart über die Welt in dem die gelebten Tugenden bis zur Unkenntlichkeit in Geschwafel entstellt werden, dann möge Temora mir Geduld schenken. Oder irgendjemand schnell viel Mocca herbeischaffen.

Meine Dissonanzen mit dem Kloster haben sich gelegt. Die kleine Gemeinschaft dort ist gewachsen und voller facettenreicher Perönlichkeiten inzwischen. Ich bin gespannt welche Stempel sie der Verehrung Temoras noch so aufzudrücken wissen. Da des hier niemand außer mir liest, kann ich hier ehrlich sein. Es erfüllt mich mit Freude, dass die Geweihten so aufblühen. Sogar Aurea wirkt um einige Lasten leichter und beschwingter. Auch wenn die Zeiten schwer sind, wenn Pflichten sich auf viele Schultern verteilen, kann jeder Einzelne mehr tragen.

Alsbald werde ich wieder mehr schreiben, doch nun zum Abschluss für heute noch einige Erkenntnisse, die mir auch dieser Winter schenkt.

Liebe ist, wenn man am Morgen einen Mocca am Bett findet obwohl der andere das Gebräu für den Auswurf Krathors hält.
Liebe ist ein Blick über den Lärm einer Schlacht und alles wird still.
Liebe ist das Bedürfnis zu lächeln, weil der andere lacht.
Liebe ist eine Ohrfeige, die an größere Verpflichtungen gemahnt.
Liebe ist ein helles Blau.
Liebe ist ...

Verfasst: Samstag 16. Januar 2016, 16:53
von Helisande von Alsted
58. Eintrag

Ich schwanke heute zwischen Mordlust, eisiger Ignoranz und noch mehr Mordlust hin und her. Allerdings schwanke ich nur innerlich, das Äußere ist die freundliche Ausgeglichenheit in Person. In diesem Zwiespalt werde ich noch eine Weile verharren müssen. Vielleicht lässt mein Unmut auch einfach nach und ich kann die heitere Seite des Streiches würdigen. Vielleicht räche ich mich auch grausam. Vieleicht... ja viellleicht greife ich auch zu den Waffen einer Frau, ich stelle eh fest dass ich sie viel zu selten benutze. Wenn ich sie mal benutze plärrt Alsted immer es sei 'gruselig'.

Ich bin ziemlich pikiert weil man weder meine Entscheidungen noch mein Haus respektiert hat. Es macht mir wenig aus ständig und zu passenden und unpassenden Gelegenheiten darauf hingewiesen zu werden, dass ich das Kochen erlernen sollte. Für gewöhnlich verneine ich dies ganz entschieden oder ignoriere es ganzheitlich. Wenn ich den Weg der weiblichen Tugenden mit Nähen, Kochen, Kinderhüten gewollt hätte als mein obestes Lebensziel, dann wäre ich nun nicht hier, sondern in Marsbergen seit zehn Jahren verheiratet.
Ich wollte diesen Weg damals nicht, ich will ihn jetzt nicht.
Alles was ich sein kann, bin ich bereits: Offizier und Soldat. Natürlich wünsche ich mir eine Familie und eine offene Basis für den einen Mann an meiner Seite. Aber so konservativ meine Einstellung auch oft ist, in diesem Fall wird sich das Leben meinen Regeln zu beugen haben.
Es war daher tatsächlich ein ziemlicher Angriff auf mich, mein Heim und meine Unabhängigkeit 5000 Fischstücke und 50 ganze Fische in meinem Haus zu verteilen. Die beiden Übeltäter haben nicht mal genug Geschmack bewiesen die anrüchige Fracht in einem Fass mitten in meinen Wohnraum zu stellen. Nein. Sie verteilten das ekelhafte Zeug flächendeckend.
Auf jedem Schritt Boden - Fisch.
Auf jeder Ablagefläche - Fisch.
Auf jedem Tränkefass - Fisch.
In jedem Regal - Fisch.
In jeder Truhe - Fisch-
Zwischen allen Vorräten - Fisch.
Temora sei gedankt, dass Winter ist. Es war trotz der kalten Temperaturen schon schleimig und geruchsbildend genug. Ich habe ewig und von Würgereiz geschüttelt gebraucht um alles einzusammeln und mein Heim mit Seifenlauge abzuschrubben. Die Vorräte kann ich samt und sonders wegwerfen.
Mich ekelts.
Ein paar Kleidungsstücke und Pflegeuntensilien habe ich zusammen gerafft und das Heim des größten Übeltäters beschlagnahmt. Ich glaub inzwischen tuts ihm leid. Aber ich will nicht dass er bei mir putzt oder irgendwas anfasst. Ich will im Haus keinen von den beiden haben. Erst wenn ich es oft genug geputzt habe und neue Vorräte, erst wenn es wieder mein Haus ist darf da irgendwer rein.
Ich mag keinen Fisch mehr.

Nun heißt es nochmal alles abschrubben vor dem Dienst und dann bald neue Vorräte bestellen. Bis alles erledigt ist werde ich hier wo ich bin den Wohnraum besetzt halten. Auch wenn ich es sicherlich nicht schaffen werde lange gram zu sein, ein bisschen Strafe gehört dazu. Als erstes werde ich glaube ich alle seine Kleidungsstücke nicht mehr nach Farben, sondern nach Form sortieren.
Einfach so.
Nein, tu ich nicht.
Ich bin mir irgendwie zu schaden für Rache. Nur mein Herr Leibwächter darf bei Gelegenheit mal ein paar wohlgesetzte Worte zum Thema 'Loyalität' formulieren. Auch wenn der Plan mich zu ärgern schon vor seinem Dienstantritt bei mir stammt. Nobel sich so für ihn in die Bresche zu schmeißen vom edlen Herren. Mir egal. Alle zwei Jahre darf ich ungereicht sein. So.

Vielleicht.
Ich geh erstmal Putzen und dann Baden.