Episode 42 - Wir lagen vor Schwingenstein und...
Verfasst: Freitag 25. Juli 2014, 11:32
Episode 42 - Wir lagen vor Schwingenstein und...
Cirmiasum 257
Auf La Cabeza und in Markweih, Südgerimor
War ich vor kurzem noch erschüttert und ernüchtert über den verlotterten Zustand der Mannschaft an Bord der Toro, die kaum, dass ich eine Weile ans Bett gefesselt war, ein chaotischer Haufen geworden, sah das Bild an Land anders aus.
Genauer gesagt hatte es sich im Zuge des neuerlichen Pakts mit Rahal ergeben, dass wir nun schon seit deutlich über einer Woche mit den Pantherdienern und ihren spitzohrigen Schoßhunden vor Schwingenstein lagen. Ein kleiner Ort im äußersten Südwesten des alumenischen Reiches, in Markweih, ein kleiner Ort zwar, aber ein ideologisch wertvoller für die Anhänger der temorischen Hure. Nicht, dass mich das vor allem interessiert hätte, insbesondere hoffte ich doch auf Beute.
Nur aus Nächstenliebe hatten wir schließlich das Bündnis mit Rahal nicht geschlossen, wir brauchten die Landratten an sich ja nicht. Aber es war besser, sich einen Feind näher zu halten, als den anderen. Und im Moment waren die Rahalis sogar eine Art von 'Freunden'. Ein gemeinsamer Feind verband uns, und ein Vertrag.
Was immer die Landratten auch von meinen Jungs halten mochten, sie hielten sich an Abmachungen, welche die Pereras schlossen. Zumindest, solange es sich lohnte. Und momentan tat es das in vollsten Zügen!
Mein einstiger Stellvertreter im Gouverneurssessel, Sebastiano, hatte mich in der Zeit meines Siechens als Gouverneur abgelöst. Ich trauerte dem Posten nicht allzu sehr nach, beinhaltete er doch neben dem Papierkram, den ich an Bord zu bewältigen hatte, noch - mehr davon.
Als Stellvertreter der Perera-Familie hatte ich indes natürlich trotzdem ein Auge auf den Jungen, wenn er seine Sache einmal nicht mehr gut machte, musste er schließlich ausgetauscht werden. Der Alte wollte immer schon Effizienz, egal, was sein lütter Sohnemann Felipe sagte - am Ende war Rauls Wort das letzte. Und ich sein Wille.
So viel Negatives ich auch seit meiner Rückkehr in den aktiven Dienst als Pereras 1. Offizier gesehen und gehört hatte: seit wir im Feld Seite an Seite mit den Rahalis standen, machte der Junge wieder eine gute Statur. Sebastiano gefiel mir hier; er war 1. Kanonier an Bord, vielleicht lag es daran, dass er sich bei der Landkriegsführung heimisch fühlte. Mir war sie als eingefleischter Seemann zugegeben trotz so mancher Plünderungen, Brandschatzungen und Schatzsuchen am Ende der 30er immer noch ein wenig fremd, fühlte sich nicht ganz richtig an.
Doch dafür hatte ich ja den Sebastiano! Führen hieß auch, zu delegieren, die eigenen Leute machen zu lassen, wenn sie wussten, was sie taten. Also hielt ich mich, seit wir vor Schwingenstein lagen, größtenteils im Hintergrund und erfreute mich an meiner Mannschaft.
Denn die 'Kinners' enttäuschten mich, im Gegensatz zur [url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=537451#537451]letzten Erfahrung an Bord[/url], an Land keineswegs. Sie machten mich regelrecht stolz!
Während die rahalische Armee und Ritterschaft im Verlauf der Belagerung Schwingensteins erste Zersetzungserscheinungen erkennen ließ, bleiben die Männer und Frauen La Cabezas, das Pack Pereras, meine Mannschaft eines - nämlich geeint, stark, diszipliniert. Der alte Bartos, mein Zweiter, konnte sogar den Ruhm des ersten vergossenen Feindbluts der Kampagne für sich beanspruchen – ein ausgefuchster Hund, das war er!
Wer hätte gedacht, dass so ein kleiner Landkrieg mit Aussicht auf reiche Beute an Plündergut aus der Meute an zahlreichen jungen Neuzugängen und den wenigen verbliebenen alten Hasen schnell eine zusammengeschweißte Mannschaft werden ließ? Ich hoffte inständig, dass sie an Bord, wenn wir erst nach Vollendung der Belagerung in See stachen, ebenso eifrig, diszipliniert und einig waren. Nicht, dass sie dann noch eine Wahl hätten...
Jedenfalls war es eine Wonne, zu sehen, wie die Cabezianer das Bild eines zuverlässigen, disziplinierten Verbandes abgaben, was wir (zu meinem Leidwesen) mit den Letharen teilten, während die übrigen Verbündeten einem unorganisierten Ameisenhaufen gleichkamen.
Einer der Befehlshaber der Rahalischen Truppen, Ritter Dazen Wolfseiche, wusste um unseren Wert. Er und viele andere Landratten würden künftig sicher nicht mehr verächtlich auf meine Leute herabblicken, wie es einige Rahalis in der Vergangenheit so gerne getan hatten. Nun wussten sie vielleicht endlich, dass es sie waren, die uns brauchten - nicht umgekehrt. Ein Umstand, den ich in naher bis mittelfristiger Zukunft ausnutzen wollte.
Sei's darum. Wir hatten einen gemeinsamen Feind, und die Zersetzungserscheinungen der Rahalischen Armee waren keineswegs in unserem Interesse, bedeuteten sie doch die Schwächung der eigenen Streitkraft - kurzzeitig waren sogar die Letharen abgezogen! So war es beruhigend zu sehen, dass sowohl die Blauhäute wiederkehrten - ich glaube nicht, dass ich das jemals denken würde, aber ich war tatsächlich dankbar, diese dreckigenverfluchtenhinterlistigenniederenundgemeinensklavendespanthers wiederzusehen - als auch die in Fehde liegende Ritterschaft ihren Zwist zügig beilegte.
Mochten sie sich meinetwegen nach erfolgreichem Abschluss der Kampagne an die Gurgeln gehen, für den Moment sollten sie sich gefälligst am Riemen reißen - sonst würde ich doch mal aus dem Hintergrund treten und ihnen ordentlich übers Maul fahren!
Das würde vielleicht sogar meine Frau gutheißen. Jacky war nach langer Absenz wieder aufgetaucht. Betröppelt und von Gelbfieber ausgezehrt traf ich sie letztens im cabezianischen Gouverneurs- und Bankgebäude an, als ich etwas Nachschub für das Pack auftreiben wollte. Wir dachten beide zuerst, wir sähen Geister - waren wir beide doch vom schlimmsten ausgegangen. Jedoch muss gegen Sylvas erst noch ein Mittel erfunden werden - wir sind wie Unkraut, ay!
Stunden später fanden wir uns nach einer warmen und innigen Wiedervereinigung in der gemeinsamen Hängematte des cabezianischen Teils im Heerlager wieder. Jacky mochte zwar noch weniger ein Freund der Landkriegsführung sein als ich und hatte schwer an meinem Verlust des rechten Beins zu knabbern. Doch das war alles einerlei, schließlich hatten wir uns wieder.
Mit der Familie plündern und brandschatzen war weitaus erfüllender, als ohne sie!
Cirmiasum 257
Auf La Cabeza und in Markweih, Südgerimor
War ich vor kurzem noch erschüttert und ernüchtert über den verlotterten Zustand der Mannschaft an Bord der Toro, die kaum, dass ich eine Weile ans Bett gefesselt war, ein chaotischer Haufen geworden, sah das Bild an Land anders aus.
Genauer gesagt hatte es sich im Zuge des neuerlichen Pakts mit Rahal ergeben, dass wir nun schon seit deutlich über einer Woche mit den Pantherdienern und ihren spitzohrigen Schoßhunden vor Schwingenstein lagen. Ein kleiner Ort im äußersten Südwesten des alumenischen Reiches, in Markweih, ein kleiner Ort zwar, aber ein ideologisch wertvoller für die Anhänger der temorischen Hure. Nicht, dass mich das vor allem interessiert hätte, insbesondere hoffte ich doch auf Beute.
Nur aus Nächstenliebe hatten wir schließlich das Bündnis mit Rahal nicht geschlossen, wir brauchten die Landratten an sich ja nicht. Aber es war besser, sich einen Feind näher zu halten, als den anderen. Und im Moment waren die Rahalis sogar eine Art von 'Freunden'. Ein gemeinsamer Feind verband uns, und ein Vertrag.
Was immer die Landratten auch von meinen Jungs halten mochten, sie hielten sich an Abmachungen, welche die Pereras schlossen. Zumindest, solange es sich lohnte. Und momentan tat es das in vollsten Zügen!
Mein einstiger Stellvertreter im Gouverneurssessel, Sebastiano, hatte mich in der Zeit meines Siechens als Gouverneur abgelöst. Ich trauerte dem Posten nicht allzu sehr nach, beinhaltete er doch neben dem Papierkram, den ich an Bord zu bewältigen hatte, noch - mehr davon.
Als Stellvertreter der Perera-Familie hatte ich indes natürlich trotzdem ein Auge auf den Jungen, wenn er seine Sache einmal nicht mehr gut machte, musste er schließlich ausgetauscht werden. Der Alte wollte immer schon Effizienz, egal, was sein lütter Sohnemann Felipe sagte - am Ende war Rauls Wort das letzte. Und ich sein Wille.
So viel Negatives ich auch seit meiner Rückkehr in den aktiven Dienst als Pereras 1. Offizier gesehen und gehört hatte: seit wir im Feld Seite an Seite mit den Rahalis standen, machte der Junge wieder eine gute Statur. Sebastiano gefiel mir hier; er war 1. Kanonier an Bord, vielleicht lag es daran, dass er sich bei der Landkriegsführung heimisch fühlte. Mir war sie als eingefleischter Seemann zugegeben trotz so mancher Plünderungen, Brandschatzungen und Schatzsuchen am Ende der 30er immer noch ein wenig fremd, fühlte sich nicht ganz richtig an.
Doch dafür hatte ich ja den Sebastiano! Führen hieß auch, zu delegieren, die eigenen Leute machen zu lassen, wenn sie wussten, was sie taten. Also hielt ich mich, seit wir vor Schwingenstein lagen, größtenteils im Hintergrund und erfreute mich an meiner Mannschaft.
Denn die 'Kinners' enttäuschten mich, im Gegensatz zur [url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=537451#537451]letzten Erfahrung an Bord[/url], an Land keineswegs. Sie machten mich regelrecht stolz!
Während die rahalische Armee und Ritterschaft im Verlauf der Belagerung Schwingensteins erste Zersetzungserscheinungen erkennen ließ, bleiben die Männer und Frauen La Cabezas, das Pack Pereras, meine Mannschaft eines - nämlich geeint, stark, diszipliniert. Der alte Bartos, mein Zweiter, konnte sogar den Ruhm des ersten vergossenen Feindbluts der Kampagne für sich beanspruchen – ein ausgefuchster Hund, das war er!
Wer hätte gedacht, dass so ein kleiner Landkrieg mit Aussicht auf reiche Beute an Plündergut aus der Meute an zahlreichen jungen Neuzugängen und den wenigen verbliebenen alten Hasen schnell eine zusammengeschweißte Mannschaft werden ließ? Ich hoffte inständig, dass sie an Bord, wenn wir erst nach Vollendung der Belagerung in See stachen, ebenso eifrig, diszipliniert und einig waren. Nicht, dass sie dann noch eine Wahl hätten...
Jedenfalls war es eine Wonne, zu sehen, wie die Cabezianer das Bild eines zuverlässigen, disziplinierten Verbandes abgaben, was wir (zu meinem Leidwesen) mit den Letharen teilten, während die übrigen Verbündeten einem unorganisierten Ameisenhaufen gleichkamen.
Einer der Befehlshaber der Rahalischen Truppen, Ritter Dazen Wolfseiche, wusste um unseren Wert. Er und viele andere Landratten würden künftig sicher nicht mehr verächtlich auf meine Leute herabblicken, wie es einige Rahalis in der Vergangenheit so gerne getan hatten. Nun wussten sie vielleicht endlich, dass es sie waren, die uns brauchten - nicht umgekehrt. Ein Umstand, den ich in naher bis mittelfristiger Zukunft ausnutzen wollte.
Sei's darum. Wir hatten einen gemeinsamen Feind, und die Zersetzungserscheinungen der Rahalischen Armee waren keineswegs in unserem Interesse, bedeuteten sie doch die Schwächung der eigenen Streitkraft - kurzzeitig waren sogar die Letharen abgezogen! So war es beruhigend zu sehen, dass sowohl die Blauhäute wiederkehrten - ich glaube nicht, dass ich das jemals denken würde, aber ich war tatsächlich dankbar, diese dreckigenverfluchtenhinterlistigenniederenundgemeinensklavendespanthers wiederzusehen - als auch die in Fehde liegende Ritterschaft ihren Zwist zügig beilegte.
Mochten sie sich meinetwegen nach erfolgreichem Abschluss der Kampagne an die Gurgeln gehen, für den Moment sollten sie sich gefälligst am Riemen reißen - sonst würde ich doch mal aus dem Hintergrund treten und ihnen ordentlich übers Maul fahren!
Das würde vielleicht sogar meine Frau gutheißen. Jacky war nach langer Absenz wieder aufgetaucht. Betröppelt und von Gelbfieber ausgezehrt traf ich sie letztens im cabezianischen Gouverneurs- und Bankgebäude an, als ich etwas Nachschub für das Pack auftreiben wollte. Wir dachten beide zuerst, wir sähen Geister - waren wir beide doch vom schlimmsten ausgegangen. Jedoch muss gegen Sylvas erst noch ein Mittel erfunden werden - wir sind wie Unkraut, ay!
Stunden später fanden wir uns nach einer warmen und innigen Wiedervereinigung in der gemeinsamen Hängematte des cabezianischen Teils im Heerlager wieder. Jacky mochte zwar noch weniger ein Freund der Landkriegsführung sein als ich und hatte schwer an meinem Verlust des rechten Beins zu knabbern. Doch das war alles einerlei, schließlich hatten wir uns wieder.
Mit der Familie plündern und brandschatzen war weitaus erfüllender, als ohne sie!