Irgendwann wird Cyrion vielleicht ein gefaltetes Pergament auffallen, dass auf seinem Tisch unter einer Schüssel liegt.
Wenn er es entfaltet, wird er folgendes lesen können:
"Mein lieber Cyrion,
du bist nun ausser Gefahr, dein Kopf denkt klar und nur noch das Fieber muss gänzlichst verschwinden.
Darum nutze nun deine zurückgewonnene Kraft und pflege Leah gesund. Oben im Topf ist noch genug Suppe, du musst sie nur aufwärmen, obwohl es das nicht geniessbarer macht, ich weiß.
Desweiteren habe ich deinen Vorratsschrank gefüllt, einiges deiner Kleidung und die Decken versucht zu waschen und die Tür gänzlichst repariert.
Du hast geschlafen, darum wollte ich dich nicht wecken und ja, ich wäre noch geblieben. Leahs Schwester erhielt von mir einen Schrieb, dass Sie hier sei und krank ist. Sie wird sicherlich bald aufkreuzen, ein Grund mehr, zu gehen. Desweiteren solltet ihr beiden euch Zeit nehmen...eine Reise für Leah wäre zu anstrengend...nutzt die Gelegenheit...sprecht euch aus...und schmeisst Leahs Schwester raus, wenn es sein muss. Seht es als einen wink eurer ach so geschätzten Götter, dass Sie euch mit eurer Krankheit in diesem Turm einsperren und mit dem Schneesturm jegliche Möglichkeit der Flucht hindern...oder seht es wie ich, dass ihr beiden einfach nur Trottel seit.
Für Leah liegen Kleidung in deinem obersten Regal. Ich habe Sie noch geholt, sie sollte ihr passen.
So genest euch beide gut und lernt, euch zu vertrauen, euch zuzuhören und erkennt entlich, wer ihr seit und was ihr am anderen schätzt. Macht kompromisse, das gilt für dich, wie auch für Leah.
P.S.: Ich denke, du kennst mich zu gut, als das du weißt, dass ich nicht wegen Lapaien oder gar einer fanatischen Schwester fliehen würde...du hast recht.
Dunkle Wolken ziehen auf mein Bruder...doch es ist nicht das, was ich als Gefahr bezeichnen würde...ich kann es nicht erklären...nicht verstehen...etwas gutes...und etwas schlechtes...ich spüre etwas...doch iich weiß nicht was und das macht mir sorge.
Vielleicht kann ich mehr herausfinden...vieleicht ist es auch nur ein Trugschluß....ich weiß es nicht."
Kaum war der Brief gelesen, fing Lira auch schon an durch ihr Haus zu wirbeln, Sachen zusammenpackend, hier und da Decken raus zu suchen, extra Kleidung wurde in einem Bündel verpackt, nachdenklich einen Blick aus dem Fenster werfend. Es schneit schon wieder, aber da konnte der Schnee bis über die Hausdächer liegen, sie würde ihre Schwester nicht im Stich lassen und schon mal gar nicht bei diesen... Als sie fertig war mit packen viel ihr auf das sie kein Einziges Medizinchen im Haus hatte, blos Bandagen die hier aber wohl wenig nutzen haben mochten, genauso wenig wie die Heiltränke. Was tun? Es war schon spät und ihre einzigste Chance war das Handwerkshaus, Meister Thancred war öfter Nachts noch da, zumindest hatte sie ihn schon oft getroffen. Eilig machte sie sich auf den Weg hinab zum Handwerkshaus und tatsächlich Meister Thancred war noch da, zwar keine Schneiderin um entsprechen neue Winterkleidung zu fertigen, aber es war noch genug auf Lager. Es dauerte eine Weile bis entsprechene Sachen gefunden waren, keine Röcke, den die möchte Leah nicht aber dennoch schön warme Kleidung und letztlich noch ein Mittel gegen das Fieber und die Erkältung, als kleine Strafe bestand Lira darauf das es möglichst schaurig schmeckt. Ob sie das sich von Savea abgekuckt hatte? Als Thancred erfuhr das es sich bei der kränkelnden Schwester um Leah handelte, legte er noch ein weiteres Packet mit Essen dazu und einen Trank, der die letzte Lösung sein sollte, falls gar nichts anschlagen würde. Überaus dankbar drückte sie dem alten Meisterschmied noch einen kleinen Kuss auf die Wange eh sie sich bewaffnet mit all den Krankheitsmitteln den Decken und Bergeweise Essen auf den Weg machte, Cyrion's Anwesen war weit weg und es würde nicht immer auf der Straße weiter gehen, so kämpfe sich Lira mit Pferd und Packet durch den Schnee, es würde sie nichts davon abhalten ihre arme kleine Schwester vor diesem Trottel zu retten. Angekommen am Anwesen, war niemand weit und breit zu sehen, so entsattelte Lira ihr Pferd, zog ihm eine wärmende Decke über und nahm das Packet an sich, gen Turm marschierend straffte sie nochmal den Schwertgurt und trat schließlich ein. Schon unten roch sie es, diesen typischen Geruch stehender Luft, von Krankheit und Schweiß durchzogen. Die Nase rümpfend trat sie die Treppe hinauf, schon dort konnte sie ihn hören, wie immer hielt er sie für irgendwen anderes, ein amüsantes Spiel das sie da mit Cyrion treiben konnte diesmal war sie weder Khazkal noch Malachai sondern irgendeine Frau die ihr nichts sagte. Einen Moment trieb es ihr ein vergnügtes Grinsen in die Züge, voller Vorfreude auf das dumme Gesicht das Cyrion gleich machen würde, sprach sie noch vor dem Erreichen der letzten Stufe ... „Halt die Klappe, Trottel“ mit diesen Worten erreichte sie das höher gelegene Stockwerk und ihr Blick traf einen Cyrion, dem endlich mal die Worte im Halse stecken blieben. Ein wahrlich befriedigendes Gefühl, so warf sie ihm einen Blick zu der ihn hätte ohne weiteres töten können, wären Blicke dazu gemacht.
Immer wieder Cyrion Blicke zuwerfend die nur all zu gut unter beweis stellten wie viel sie für ihn übrig hatte, machte sie sich daran sich um Leah zu kümmern, die Fantasierend vor sich her redete, ihre Stirn glühte heiß und die kühlen Stirntücher waren schon auf Zimmer wärme, Leah's Sachen waren klitsch nass. So machte sich Lira erst einmal daran ihre Schwester zu verpflegen immer wieder von Cyrion unterbrochen und kurz davor ihm das Schwert über zu ziehen griff sie ab und an zum Kissen. Es als Schwertersatz zu verwenden war leider nicht so effektiv, aber wenigstens ließ es ihre Wut zumindest verrauchen, als schließlich Leah endlich weites gehend versorgt war, neue Decke neue Schlafsachen und ein frischer Umschlag für die Stirn war auch schon besorgt, wachte sie erstmal klar auf, ein wenig verwirrt noch aber klar. Ihr so schon einmal eine warme Milch, mit Honig und einem recht bitteren Erkältungsmedizinnachgeschmack fertig machend, die sie im Anschluss auch brav austrank, zwar mit einem Gesicht verziehen, aber so war es auch gedacht... Schließlich nach vielem hin und her Zanken, schliefen alle drei, zunächst Leah dann Cyrion und schließlich nach einer längeren Weile auch Lira, die immer mal wieder der schon schlafenden Leah den Umschlag auf der Stirn wendete und wechselte.
Fieber... Das erste mal, wie er sah, das ein Geist, eben noch klar, der Verwirrung anheim fiel. Hitze stieg in ihr auf. Ihre Wangen röteten sich sichtlich. Götter, wie sehr er doch diesen Kampf für sie kämpfen wollte - diese flehenden Worte, dieses Feuer, diese Hitze in ihr doch zu löschen... Das einzige, was er tun konnte, war, ihr Wasser zu trinken zu geben. Dies und mit einem feuchten Tuch ihre Arme, ihren Hals und ihr Gesicht abreiben. Das feuchte Tuch auf ihrer Stirn kühl halten und ihr leise Worte zu murmeln. Leah... sie war wieder von einem Fieberschub übermannt worden - und das, nachdem sie beide endlich Frieden geschlossen hatten - während Lira schlief.
Wieder lag sein Blick auf Leah. Sie betete leise, Worte an ihre Göttin gerichtet, doch bat sie nicht um Hilfe, es klang mehr wie ein Treueschwur, die Worte in ihrer Bedeutung trotz der fieberbrüchigen Stimme klar und und rein. Worte, die ihn bedauern liessen, das er nicht ein einziges Gebet an die Mutter kannte, hatte ihn seine Frauen zwar das Wissen um sie gelehrt, aber nicht ein ein einziges Gebet. Ihre Stimme brach ab, Schweiss brach ihr aus, und Beklemmung erfasst ihn. Wenn das Fieber stieg... Ob die Medizin gewirkt hatte? Sie hatte sie nur eine Kurze Zeit in sich behalten können. Eine halbe Stunde etwa, nachdem Liliana von Drachenfels gegangen war, war Leah übel geworden und sie hatte sich übergeben. Die Medizin, die ihr hatte helfen sollen, wieder ausgespuckt. Die Medizin von Selina, in welche Leah ihre Schwester gesehen hatte - diese hatte sie behalten. Die Medizin von Lira ebenfalls. Die erste Medizin, die tatsächlich direkt von Heilerhand kam - diese vertrug sie nicht? Er konnte es sich nicht erklären. Er würde Liliana fragen müssen. Doch bis dahin...
Sie stöhnte leise unter der quälenden Hitze. Konnte er denn gar nichts tun, ausser ihre Hand halten, wie er es gerade tat und sie mit einem feuchten Tuch kühlen? Sein Blick huschte zu Lira hinüber, die schlief. Sie wecken und um Hilfe bitten? Nein, sie würde wieder nur ihm die Schuld geben. Ihm vorwerfen, er könne gar nichts alleine zustande bringen! Und er dürfte dann sicher nicht mehr ihre Hand halten, selbst wenn Leah danach offensichtlich suchte. >Mutter.. bitte beschütze sie... bitte beschütze sie... bitte...< Worte, die ihm durch den Kopf flogen, eine Bitte um Hilfe, die immer dringlicher wurde, je mehr ihre Haut sich rötete, je mehr ihr Atem zu einem Keuchen wurde, bis sie ihren Weg über seine Lippen fanden, die selbst spröde vom Husten waren; die Stimme kaum mehr als ein kratziges Fiepsen der Heiserkeit.
"Mutter, beschütze, diese meine Rose... Lass sie nicht welken, lass sie blühen... Denn ohne sie ist diese Welt fade und grau..."
Leah liess ihren Kopf erschöpft zur Seite sacken, in seine Richtung. Hörte sie ihm zu...? Leise sprach er weiter, während er einmal mehr das Tuch über ihre Wangen führte, tupfend den Schweiss entfernte und einen dünnen kühlenden Film aus Feuchtigkeit hinterlassend.
"Lass sie blühen und gedeien...Auf das sie weiterhin diese Welt mit ihrem Liebreiz beschenken kann..."
Leise seufzte sie. Hatte sie die Worte noch verstehen können? Oder war ihr Geist schon zu weit entfernt, in irgendwelchen Träumen gefangen? Doch öffnete sie die Lippen und sprach dann, fast lautlos.
"Ich las einmal von einem Wasserwesen... Wie schön kühl muss es da nun sein..." Sein Blick lag einen Moment forschend auf ihr. Sie träumte von Wasser? Oder war sie doch noch bei ihm? Doch wurde diese Frage beantwortet, als sie weiter sprach.
"Sie hatte sich in einen Wanderer verliebt..."
"Aye..." Es war gut, wenn sie seine Stimme hörte. Sein Lächeln sah, so sie die Augen öffnen sollte. Er lauschte auf weitere Worte, während er wieder das Tuch, einem Rituale gleich, sanft über ihren Arm gleiten liess. Das Tuch war warm geworden, so das er es erneut in das Wasser tauchte, es auswrang und sein Ritual wieder aufnahm.
Ihr schien wohl zu tun, was er tat. Leise erklang wieder ihre Stimme, etwas gelöster, verträumt gar.
"Was...wenn du nur ein Zauberwesen bist?"
Sein Blick huschte zu ihr herüber, das Lächeln die Überraschung preisgebend, das sie sich Gedanken um Zauberwesen machte. Erinnerte sie sich nicht nur an die Geschichte sondern auch an ihre Gespräche über Feenwesen?
"Ob Zauberwesen oder nicht - die Liebe ist etwas sehr echtes... Liebe bringt Glück und Leid... Und mein Glück ist, das ich mit dir sprechen darf... Mein Leid ist, das ich dieses Fieber, gegen das du kämpfst, nicht auf mich nehmen kann, auf das ich an deiner Stelle kämpfe..."
Während er sprach, drehte sie ihren Kopf zur anderen Seite, so das er das Tuch sanft über ihren Halsmuskel und das Schlüsselbein führen konnte. So heiss ihre Haut. Wenn dieses Fieber doch nur nachliesse.
"Verrat mir, was du wirklich bist...Ein Faun? Ein Irrlicht...Ein Wandler..?"
Wieder zeigte sich jenes verhaltene Lächeln und mit warmen Worten ging er auf ihre Frage ein.
"Ein Mensch... Der irgendwann in der langen Reihe seiner Ahnen vielleicht ursprünglich ein Rabe war.. So sagt es die Legende. Und wenn ich von einem Raben abstamme... So habe ich das grosse Glück, fliegen zu dürfen, gerne eingetauscht, ein Mensch zu sein. Denn nur so durfte ich dich letztlich kennen lernen..."
Sie atmete leise aus, so leise, das er nicht sagen konnte, ob es ein Hauchen oder ein Keuchen war, bevor sie wisperte: "Und so sprach das Wesen aus Magie... Gern will ich alles vergessen, woher ich kam und wer ich bin... Nur um dem Wesen nahe zu sein, deren Herz mich bewegt..."
Wie schön diese Worte gewählt waren. Das Fieber hatte sie erfasst, aber ihr Geist war nicht schwach. Mit einem zarten Lächeln beugte er sich vor und küsste sanft ihre Braue, was sie dazu bewegte, zitternd einzuatmen.
"Aye, meine Liebe... aye..."
Wieder murmelte sie leise, liess den Kopf wieder in seine Richtung pendeln, auf das er erneut ihre andere Halsseite kühlte..
"Liebt sie dich...Traumwesen? Ist es dir...das wert? Die...Sterblichkeit?" Ein leises Seufzen. Langsam wurde ihr Atem wieder ruhiger. Entspannte sie sich? War dies ein Spiel der Worte... Oder endschwand ihr Geist langsam in einem Traum? Er konnte es nicht sagen. Doch wollte er sie bei sich behalten, und so er es nicht vermochte, sie in angenehme Träume führen mit Worten, die von Herzen kamen.
"Als Mensch will ich dich lieben... dich pflegen... und ein Lächeln auf deine Lippen zaubern..." Wieder führte er das Tuch über ihren Arm bis zu ihren Finger, die er sanft abrieb, dabei diese mit seinen streifend. "Aye... Was nützt mir die Unsterblichkeit... wenn ich sie nicht mit meiner Liebe verbringen darf..? Unendlich allein... Trauern um die eine Person bis in die Unendlichkeit... Dann lieber doch ein Leben mit meiner Liebe, selbst wenn es gezählte Jahre währt. Solange es gut währt, will ich nicht klagen und betrauern, was ich aufgebe."
Wieder atmet sie ein, tief nun, hatte doch Liliana ihr etwas gegeben, was sie leichter atmen lies. Ihre Stimme wurde leiser, langsam schläfrig. Ja, sie dämmerte ihm weg, doch waren es Gedanken voll süsser Wehmut, welche sie begleiten würden. Dafür wollte er doch noch sorgen.
"Dann sei gestraft...mit dem Vergessen. Mit der Endlichkeit und jedem menschlichen Gefühl...Du wirst Hunger leiden, Kälte spüren und Leid empfinden. Du wirst erfahren, wie es ist, Schmerzen zu empfinden und sich einsam zu fühlen. Sei, der du sein willst. Schwach und ohne Kräfte...ohne uns."
Weich lag sein Blick auf ihr, während das Tuch seiner Wege ging. Dann sah sie sich in ihrem Traum nun als einer 'seines' Volkes - der Zauberwesen, wie sie es nannte. Er beugte sich vor und raunte leise, während er erneut ihre Wange genetzte.
"Und mit ihrem Lächeln, ihrer Berührung, ihren Sorgen, ihren Tränen. Ihrer Lippen Kuss... Dem Lächeln am Morgen und am Abend.. Unserer Kinder Lächeln. Und unserer Kindeskinder..."
Sie rollte sich leicht etwas zusammen während seiner Worte. Ruhe hatte sie erfasst, das Husten nachgelassen. das Fieber, so glaube er, langsam wieder sinkend, ob seines Tuns. Wieder huschte ein kleines Lächeln über seine Züge, doch verblieb es, verblasste nicht so flüchtig wie ein Sonnenstrahl, der durch die Wolken brach.
"Und wenn wir Alt und Grau sind, der Abendsonne des Lebens entgegen sehen, werden wir gemeinsam gehen, für immer vereint... So sei es - dies Schicksal nehme ich gerne an."
Sanft fuhren seine Finger über ihre Wange, zärtlich über die Linie ihres Kiefers gleitent. Aye - diese Worte, gesprochen mit der Wirkung zu beruhigen, kamen ihm vom Herzen. Ob Wohl oder Leid, er wollte dies Leben mit ihr teilen. Ein warmes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus, als ein kleines Lächeln sich in ihre Mundwinkel einnistete. So krank und doch lächelte sie ob seiner Berührung und seiner Worte. Wieder raunte er ihr leise Worte zu. Worte die nicht wirklich an sie gerichtet waren, sondern dem warmen Gefühl in seiner Brust entsprangen. Ein Versprechen, vor langer Zeit geboren, doch erst jetzt fanden diese Worte über seine Lippen.
"Für immer vereint... Nie wieder allein... Bis zum letztem Atemzug... und darüber hinaus. So sei es..."
Wieder dieses versteckte Lächeln von ihrer Seite, während sie sachte, nur ein Andeuten dessen, nickte. Dann bewegten sich ihre Lippen und er hörte, dem Säuseln einer Brise gleich "So sei es..."
Er schluckte schwer, tief bewegt. Dies hier... obwohl sie so krank war... obwohl ihr Geist sich langsam in die Traumwelt verflüchtigte, hatte doch etwas von einem Pakt an sich. Etwas, das einem das Gefühl gab, das etwas von Wichtigkeit stattgefunden hatte.
Einmal mehr beugte er sich herab, bis er ihr Ohr erreichte und raunte dann leise, die Stimme belegt.
"In Liebe vereint..."
Aufseufzend richtete er sich wieder auf, lehnte sich erneut an den Bettpfosten und liess weiterhin das Tuch über ihre Arme und ihr Gesicht gleiten. Erst als er den Eindruck hatte, das ihre Haut nicht länger glühte, als sein Arm schon langsam schmerzte ob des ewig gleichen Bewegungsablaufs, liess er dann das Tuch auf den Eimerrand fallen, seinen Kopf auf die Matratze hinter sich sinken.
Er lauschte ihrem Atem einen langen Moment. Dieser hatte einen ruhigen Rhythmus und ihr Körper, auch ihre Hand in seiner, war entspannt.
Ein letztes Mal tauschte er das feuchte Tuch auf ihrer Stirn gegen ein Neues aus, strich ihr einige Strähnen aus dem Gesicht, dann liess zog er mit der freien Hand die Felldecke enger um sich. Etwas vom Bettpfosten wegrutschend, liess er seinen Kopf erneut auf die Matratze zurück sinken und schloss die Augen. Bald darauf wurden auch seine Atemzüge tiefer und ruhiger. Er schlief, erschöpft, müde, selbst von der Krankheit ausgezehrt, aber er war glücklich.
Seine Hand hatte die Leahs niemals verlassen.
Die Schritte hallten ruhig auf dem steinernen Boden, hinterließen in dem Gang ein regelmäßiges Klacken als Geräusch, welches sich mit dem Flackern der Fackeln hinzugesellte. Der Mond war bereits aufgegangen und die Sterne glimmten klar am Firmament. Kein Luftzug war zu spüren, kein Wetter, das einem an den Kräften zehren könnte. Die Gänge boten eine frische Kühle, die einem einen leichten Schauer in den Nacken, über die Arme trieb. Doch regte sich in ihr auch ein anderes Gefühl. Sie war nervös, aufgeregt. Etwas Wichtiges würde bald geschehen; sie spürte es geradezu...
Weiterhin hallten die Schritte, nahmen den ganzen Raum ein. Die Rechte huschte unwillkürlich an den Schwertgriff, als ihr Blick zur Seite schnellte und sie innehielt. Ein kleines Licht hatte sich gebildet, glimmte einmal über ihren Schwertknauf, als im nächsten Moment der Griff eines Schwertknaufs sich in ihrer Hand gebildet hatte. Die Klinge schimmerte leicht bläulich auf, schien wie von anderen Gestaden zu sein. Der Blick ging wieder nach vorn, erfasste einen Altar mit einem Mal. So riesig war ihr das Ankh noch nie vorgekommen, so...monumental. Sie hingegen...klein und unbedeutend.
Und doch regte sich wieder dieses Gefühl in ihr....etwas lag in der Luft. Ein fernes Grollen war zu hören, kündigte ein Gewitter an, dass langsam den Himmel in schwarze Wolken hüllen würde. Ein erster Lichtblitz grellte auf, während sie sich hinkniete und die Spitze des Schwertes vor sich auf den Boden stellte, beide Hände an den Griff, das Haupt gesenkt. Ruhig hallten ihre Worte auf, klar, fest:
„Durch Feuer will ich gehen,
will suchen der höchsten Tugend
nur um deiner zu finden.
Deine Hoffnung leitet mich,
dein Licht weist mir den Weg.
Und wenn ich nicht mehr sehe zurück,
sondern gehe meinen Weg,
biete ich dir mein Schwert
als Pfand für meine Treue zu dir.“
Ein Schauer durchfuhr sie, der Atem begann, sich vor ihr zu kristallisieren. Das Grollen wurde stärker, die Nacht tauchte sich in ein tiefes schwarz, verhüllte die Sternenpracht, den klaren Mond am Firmament. Ein weiterer Blitz grellte auf, während sie ein Knistern in ihren Ohren wahrnahm. Langsam, stetig bildete sich eine dünne, klare Eisschicht in dem Kirchenraum, ergoss sich unter ihren Knien, über die Bänke und den Altar. Immer noch verharrte sie kniend, wartend, harrend....bis sie die Hand auf ihrer Schulter spürte.
„Es ist Zeit.“ Mehr Worte bedarf es nicht, um sie zuzordnen. Sofort ruckte der Kopf herauf, festigte sich starr auf den Altar vor sich, der in ein diffuses Schimmern sich ausbreitete, während ein weiterer Blitz aufgrellte, begleitet von dem unheilvollen Donnern. Alex...
Ein Aufblitzen, als sie die Klinge vor ihrem Hals sah, das Aufblinken sie schlucken ließ.
„Bringen wir es zu Ende...Schwesterherz.“
Unruhig ging der Atem, als der Alptraum sie heimsuchte. Das Fieber hatte seinen letzten finalen Höhepunkt sich ausgesucht und versuchte ein letztes Mal, gegen den Trank anzukämpfen, der stetig und verlangend die Heilung einforderte. Brennend schien der Körper sich zu erhitzen, während Liralia stetig die Wickel wechselte und dafür sorgte, dass sie sich nicht zu sehr bewegte. Es würde eine lange Nacht werden und entscheiden, wie der weitere Heilverlauf voran gehen würde. So war es nicht nur ein Kampf, den sie in ihren Träumen zu bestehen hatte, sondern auch im Hier und Jetzt.
Man konnte nicht einmal erahnen, was währenddessen in einem anderen Zimmer vor sich ging, konnte nicht wissen, welche Schatten sich ausgesucht hatten, genau in jener Nacht in ihre Gedanken zu sehen...und sie in ihren Träumen zu besuchen.
Langsam schloss er die Augen, während er im Schneidersitz vor dem Feuer saß. Konzentration und Kraft...ja...es würde wieder immense Kraft kosten, vorallem über diese Entfernung. Doch er war ruhig, er war gestärkt und er konnte kaum die Kopfschmerzen erwarten, würde er irgendwann wieder in seinen Räumlichkeiten erwachen.
Die Hände schlossen sich zusammen, einmal durchatmend und schon war er auf Reisen.
Es war leicht Sie zu finden, wusste er doch, wo Sie war.
Die Nebel lichteten sich vor ihm, gaben einen Raum preis. Doch nicht der Raum war es, der ihn interessant machte, nein, sondern die Personen, die er sah.
Leah, mit erhobener Klinge und ihr Gegenüber ein Mann.
Er holte aus, schlug zu, sie parrierte und wich einen Schritt zurück, liess nun die Klinge in einem Halbkreis auf ihn zustürmen. Er blockte die Waffe und schlug mit der Faust in Leahs Magen.
Sie taumelte zurück, er nutzte die Gelegenheit und holte abermals aus. Doch ehe seine Klinge gen Leah stürmen konnte, liess Sie sich hinabgleiten und trat mit ihren Füßen die Füße des Kontrahenten weg. Er fiel auf den Rücken, ein stöhnen entglitt ihm und durch eine Reaktion hielt er seine Waffe schützend vor ihn.
Sein Glück, denn nur kurz danach schien die Erde zu Beben, als Leahs Klinge von Oben auf seine traf. Zorn war in ihrem Gesicht, mit aller Kraft drückte Sie gegen die Waffe des Mannes.
Doch er...er schien keine Kraft zu verlieren, im Gegenteil, lachte er leicht.
Dann hob er sein Fuß und warf damit Leah über ihn, erhob sich schnell und ging einen Schritt zurück.
Leahs Klinge glitt ihr auf der Hand, rutschte einige Meter ihr nach hinten.
Der Mann ging langsam auf Leah zu, die Schwertspitze in ihre Richtung, ein lächeln, dämonisch, böse.
Malachai erkannte, was er tun würde, doch er wartete ab.
Er holte aus, seine Klinge rastete auf die unbewaffnete Leah hinzu. "STOOOOOP", ertönte seine Stimme.
Die Zeit schien wie zu gefrieren, der Mann, erstarrt wie eine Eissäule.
Langsam trat er aus dem Rauch, der Umhang gleitete ihm hinterher.
Die Klinge, nur kurz vor Leahs Gesicht.
Er umkreiste sie, die Kaputze tief ins Gesicht gezogen, die Maske aufgesetzt...es schien, als fehle Malachai das Gesicht, zeigte abermals nur tiefe, gähnende Leere.
Er musterte den Mann, er kannte ihn nicht...doch er starrte in Leahs Augen. Ihr Blick...er verriet soviel...Sie kannte ihn...ja...sie trug einen inneren Kampf aus.
Langsam zog Malachai eine Klinge und legte sie auf jene des Mannes, ruhig haltend. "Leah, schau mich an."
Leah schien zu erwachen, schaute hinauf. Wer weiß, was ihr gerade durch den Kopf ging. Wusste Sie, dass Sie träumte, wusste Sie, dass Malachai vor ihr stand, vor dem Mann, der wie gefroren die Klinge fast an ihr Gesicht drückte. "Es ist dein Kampf, Leah, dein innerer Kampf....also kämpfe...und gewinne...du kannst es...es ist dein Körper...es ist dein Geist...lass nicht zu, dass jemand ihn kontrolliert, dass etwas Fremdes dich in die Knie zwingt."
Sein Blick wandert zu der Klinge, die hinter Leah liegt. "Göttlicher Beistand...du brauchst ihn hier nicht. Ziehe deine Waffe und vertraue auf dich. Du schaffst es."
Das hallen von Metall auf Metall erfüllte den Raum. Die Klinge des Mannes traf auf die Klinge Malachais, der somit jene nur kurz von Leahs Gesicht hält. Der Feind war wieder erwacht, doch Malachai´s Blick lag nur auf Leah. "Ich kann nicht für dich kämpfen...ich kann dir nur beistehen. So wie Cyrion dir beisteht...so wie Liralia dir beisteht. Du bist nicht alleine. Vertraue auf dich, dann wirst du deinen inneren Feind besiegen und Frieden finden."
Malachai drehte sich einmal um, erhoben seine Klinge und somit die des Mannes zur Seite preschend. Dann holte er einmal aus und packte ihn am Hals, schubbste ihn zurück, von Leah. "Zieh deine Waffe...und kämpfe."
Dann ging er einige Schritte zur Seite und scheidete seine Waffe zu den anderen, verschrenkte die Arme und schien im Schatten zu verschwinden.
Er war noch da, er würde wachen...ja...wenn es nicht anders ginge, würde er ihr helfen...selbst wenn diese massive Einmischung in einen Traum ihn sehr viel Kraft kosten würde...vielleicht zuviel...doch er würde nicht zulassen, dass Sie verliert...und somit sich verliert.
Er würde ihr beistehen, in ihrem Traume, während Cyrion ihr im Geiste und Liralia ihr körperlich nahe beistehen würde. Und Sie würde es schaffen...sie war eine hervorragende Kämpferin und würde bei Zeiten ein starker Ritter werden...ja...er würde beobachten...und abwarten.
"Es ist dein Kampf, Leah, dein innerer Kampf....also kämpfe...und gewinne...du kannst es...es ist dein Körper...es ist dein Geist...lass nicht zu, dass jemand ihn kontrolliert, dass etwas Fremdes dich in die Knie zwingt...Göttlicher Beistand...du brauchst ihn hier nicht. Ziehe deine Waffe und vertraue auf dich. Du schaffst es."
Blinzelnd betrachtete sie die Gestalt vor sich, hörte den tiefen Ton der Stimme, der ihr nur allzusehr vertraut schien. Verwirrung machte sich in ihr breit, als der Blick die eingefrorene Klinge vor ihrer Miene einfing. Die Kälte strömte noch immer durch den Raum und verfing sich als einzige Bewegung in der Luft, während das Unwetter wie die Zeit eingefroren zu sein schien.
Der Kampf macht doch aber keinen Sinn...er ist mein Bruder, verflucht!, schoss es ihr durch den Schopf, als Malachai bereits sich zurückzog und die Umgebung ihren Zeitfluss wieder aufnahm. Metall klang unwirklich durch den Raum, wurde von einem weiteren Donnern begleitet. "Zieh deine Waffe...und kämpfe."
Blitzschnell rollte sie nach hinten, griff nach dem Schwert, um in einer knienden Position den Angriff des Bruders abzublocken. Angestrengt verzog sie das Gesicht, legte all ihre Kraft in die Arme und nutzte des Bruders obere Position, um mit einer Gewichtsverlagerung ihn von den Beinen zu holen.
Ein Knurren drang durch den Raum, ein Blitz gellte auf, fauchend, speiend. Doch nicht der Blitz war es, der elektrisierend jenes Geräusch von sich gab, sondern weitere Besucher des Raumes, der sich mehr und mehr in eine Ruinenlandschaft verwandelte. Ruhig trat sie auf Alex zu, trat das Schwert beiseite. Die Blicke trafen sich lange, intensiv. So viel Hass...so viel Verachtung in seinem Blick.
„Ich bin nicht die, für die du mich hälst. Ich trage nicht die Schuld, die ihr mir aufbürden wollt... Doch ich werde auch keine Schuld auf mich laden, indem ich dich töte, Alex.“ Ruhig, leise sprach sie die Worte, die gleichzeitig fest und überzeugt schienen. Seine Unbeweglichkeit störte sie nicht, es schien, als würde es dazu gehören.
„Die Götter sind immer um uns. Sie leiten uns in unserem Handeln, sie sehen dein Schicksal. Auch deines...Malachai.“ Die Augen blieben auf Alex, fixierten den vor Wut sprühenden Blick des Bruders, während sie die Stimme erhob und durch den Raum wabern ließ. Die Eisschicht unter ihr hatte zu tauen begonnen, Wärme machte sich breit, während der Regen nun schonungslos zu prasseln begann und die unüberdachten Figuren mit Nässe überzog. Ein weiteres Mal folgte ein Knurren und ein Schatten durchstreifte die Gänge, als sie nun endlich den Blick auf jene verlegte und aufmerksam beobachtete.
„Auch die Brut folgt einem Ideal....leider einem falschen.“, ein Murmeln, nicht mehr, als sie den Gedanken aussprach und der Schatten zeitgleich sich manifestierte. Ein dunkler Panther schritt anmutig aus einem Zwischengang hervor. Der Bruder war verschwunden und nur die nassen Fliesen waren an jener Stelle eingerissen, an der zuvor der am Boden liegende war.
Es war lange her, dass sie jenen Panther gesehen hatte; doch ein Blick genügte, um zu erkennen, dass es der Gleiche war. Jener, der sie nach ihrer Flucht von daheim jede Nacht besucht hatte und die Meute auf sie hetzte. Eine Meute voller Wut und ohne Gesichter.
Es war anders an jenem Male. Ruhig, wenige Schritte vor ihr, setzte sich der Panther hin. Das leise Knurren verriet seinen unbeugsamen Willen und zugleich seinen Stolz. Prächtig schimmerte das Fell, welches so schwarz wie die Wolkendecke über ihnen war. Die Regentropfen perlten an dem Tier ab, bildeten hier und dort einen besonderen Schimmer, der besonders deutlich reflektierte, sobald ein weiterer Blitz aufgellte. Ihre Kleider waren mittlerweile durchgeweicht, die Haare klebten ihr an der Stirn, als sie das Schwert erhob und das Tier fixierte.
Immer weiter und weiter, verliere den Halt.
Die Geister und Ängste, sie fordern eiskalt.
Immer weiter und weiter, es ist nun zu spät,
sieh in dein Innres, sieh, wies um dich steht.
Ihre Angst hatte sich manifestiert, stand vor ihr als jenes Tier, welches sie so unendlich ruhig vor ihr stand und jede Bewegung mit verfolgte. Das dunkle, tiefe Augenpaar des Raubtieres vor ihr wirkten leer und doch intelligent. Kurz ließ sie den Blick von ihm ab und wendet den Schopf zu den Säulen. Es konnte doch nicht sein, es war alles so...unwirklich.
Der Blick ging wieder vor, fixierte das Tier, welches sich um keinen cm bewegt hatte und immer noch stoisch vor ihr saß. Ein weiterer Blitz gellte auf, als sie das Schwert senkte und mit der Spitze den Boden unter sich berührte. Lange blieb ihr Blick auf dem Tier, dann:
Müde kam er aus dem Bad, das Haar feucht, das Handtuch durch die Haare rubbelnd. Tief einatmend schaute er zur Treppe hoch. Da oben lag seine Leah. Zusammen mit Lira. Und er... aus seinem eigenen Wohnturm vertrieben, musste er im Gästezimmer seines Guts schlafen.
Lily hatte so entschieden, nachdem er und Lira sich permanent gestritten hatten. Sicher... Leah war davon sichtlich gestresst und brauchte dringend Ruhe. Doch würde diese schon wieder einkehren, wenn diese Höllenkatze da war, wo sie hingehörte: Berchgard.
So hatte er gedacht. Bis ihm eines aufgefallen war. Er konnte Leah mit allem versorgen. Wenn man ihn wissen liess, was sie brauchte, würde er - selbst noch dabei, sich auszukurieren - sie pflegen. Sie kühlen, ihr den Schweiss abwischen, für sie kochen, ihre Albträume verscheuchen, in dem er ihr leise Dinge zuraunte, die ihre Fantasie in eine andere Richtung lenken würden...
Doch es gab eines, was er nicht tun konnte, auch wenn es ihm an Kleidung nicht fehlte: Er konnte ihre Kleidung nicht wechseln. Selbst wenn er sich die Augen verband... Wie verhindern, das er vielleicht ihre Brüste streifte? Ihren blossen Rücken berührte? Ihren Po berührte, wenn er ihr eine Hose anzog? Wie jemanden erklären, warum er etwas tat, wozu kein Mann - ausser ihr Ehemann, und der war er noch nicht - berechtigt war?
Nein... Das war etwas, das konnte er nicht tun. Lira würde ihn umbringen. Leah vermutlich seeeehr lange Zeit nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Wären sie abgeschnitten von der Welt, ein Schneesturm, bei dem man nicht mal die Nachbarn besuchen könnte und sie schweissnass im Fieber - ja das wäre verständlich. Vielleicht noch entschuldbar. Aber eine Frau ablehnen, die das tun konnte, nur weil er sie lieber vom Gut werfen würde, als weiterhin ihre Seitenhiebe und Sticheleien zu ertragen? Diese Frau war wie ein Specht und er der Baumstamm, auf dem sie dauernd herumpickte.
Beleidigte ihn, seinen Bruder, redete während Leahs Fieberträumen davon, was ein schlechter Mensch er war, das Leahs Alpträume eine scheussliche Richtung nahmen.... Vielleicht hatte sie das getan, weil sie ihn pisacken wollte - was dann allerdings höchst verwerflich war - immerhin war dies zu kosten von Leahs Seelenheil gegangen, während diese krank darniederlag. Selbst wenn sie aus reiner Überzeugung, das er ein schlechter Mensch war, zu ihr davon sprach - es war nicht rechtens, was sie getan hatte. Er würde es nicht vergessen. Das es ihr in diesem Moment wichtiger gewesen war, das ihre Meinung zu seiner Person auf Leah überging, als das Leah gesund wurde und ihre Ruhe hatte.
Naja... er war aber auch nicht viel besser... Hatte sich von Lira reizen lassen. Und war jedesmal darauf hereingefallen, bis sie auf den Waffenstillstand, den er zu halten beabsichtigte, eingegangen war. Sicher... wenn er nicht mehr reagierte, wurde es ihr langweilig, ihn zu tritzen. Schwer seufzend öffnete er die Tür und ging hinüber. >Diese Frau ist eine Pest....< ging ihm durch den Kopf.
Kalt war es draussen. Die Temperaturen waren erneut gefallen. Eiszapfen hingen von den Dächern herab. Er würde sie abschlagen müssen, wenn die beiden wach waren und er hoch gehen konnten. Wenn sie herabfielen auf jemanden, der darunter herging.... Besser, er schlug sie ab.
Drüben arbeitet er ruhig vor sich hin. Setzte Tee an, bereitete ein leichtes Frühstück für Leah vor - gekochte Eier, Weissbrot und Honig. Yoghurt mit einigen Bananenstücken sowie in Honig eingelegte Zitronenscheiben. Dinge, die er selbst ass, wenn er schon früh morgens zur Jagd aufbrach... Er stibitzte sich eine Zitronenscheibe in Honig und vertilgte sie, während er seine üblichen Trainingsgeräte rausholte. Er hatte lang genug auf der faulen Haut gelegen - wurde Zeit, das er wieder mit seinem Training begonn. Seine Leder- und Pelzkleidung zurecht rückend, stapfte er hinaus und begann einen durch den Schnee eher schwerfällig wirkenden Trab. Sein feuchtes Haar war zurück gebunden - wenn er keine Verschlechterung seines Zustands wollte, musste er seinen Körper gehörig aufwärmen. Ein 10 - 15 minütiger Lauf durch den Kniehohen Schnee würde das durchaus bewerkstelligen. Scharf atmete er die kalte Luft ein.
Lira... Er konnte es bis zu einem gewissen Grad verstehen. Für sie war er das Übelste, was ihrer Schwester passieren konnte. Er hatte eine seltsame Einstellung, die sie wahrscheinlich nicht ganz erfassen konnte mit ihrer beschränkten Sichtweise. Er befehligte Raben, trug mit Vorliebe schwarz, sah auf den ersten Blick wie ein Rahaler aus, gar ein Rabendiener. Ein Eindruck, der sich schwer abschütteln lies. Er hielt nicht sehr viel von Etikette und Tugenden waren etwas, das er zuhause am Haken liess, sobald er auf die Jagd ging, sobald er eine Waffe zog. Er war ein Schleicher, ein Spion bezeiten, einer der in der grauen Zone lebte. Einer der direkt an der Grenze zum Rahaler Reich lebte...
Dazu kamen seine Verbindungen zur Burg Eisenwart, sein Blutsbruder Malachai, welcher in ihren Augen ein Ketzer der... naja vielleicht fast... übelsten Art war.
Und das schlimmste von allem - er hatte Leah zum Weinen gebracht. Sicher... keine schöne Sache. Aber das war etwas, was Lira - Jungfrau, die sie war und völlig unerfahren, wahrscheinlich bisher noch nicht mal mit Schmetterlingen im Bauch und Herzklopfen für einen bestimmten jungen Mann gesegnet gewesen - nicht verstand. Liebe war nicht nur schön. Liebe war nicht glücklich bis an das Lebensende. Liebe verletzte auch. Gerade wenn man sich kennenlernte, fand man Seiten am Partner heraus, die einem vielleicht nicht gefielen. Man lernte nicht nru die schönen Seiten kennen - auch die hässlichen wurden offenbart. Seiten, mit denen man lernen musste, sich zu arrangieren - oder diese Liebe konnte nicht bestehen. >Jeder Partner wird sie irgendwann zum Weinen bringen. Wenn nicht ich es bin, wird es der nächste sein. Sie kann sie nicht davor beschützen. Aber das versteht sie noch nicht. Wie auch? Sie war nie verliebt.< Schwer arbeitete er daran, seine Füsse aus dem Schnee zu hebeln und Schritt für Schritt weiter zu trotten. Er fing bereits an zu schwitzen. Dies hier war Schwerstarbeit. Er brauchte nicht mal schwere Gewichte an den Gelenken - das machte der Schnee für ihn.
Auch gingen seine Gedanken zu Malachai herüber. Dieser war die letzten Tage so oft dagewesen. Hatte sich erst um ihn gekümmert, als er - laut Malachai - Halbtot darniederlag und ihm dann geholfen, sich um Leah zu kümmern. Hatte ihn Selina geschickte, welche Leahs Kleidung wechseln konnte - wahrscheinlich wusste er, das Cyrion unter verzögerter Lebensgefahr machen konnte, bedachte man das vorhandensein einer mordlustigen Höllenkatze... Und Selina hatte ihnen Lily geschickt... Trutta, so sagte Lily, wollte auch die Tage vorbeikommen, wenn das Wetter und ihre Patienten es zuliessen.
>Für heilerischen Beistand ist Dank Malachai gesorgt. Ich muss ihm beizeiten doch noch mal danken...<
An seinen Nachbarshäusern vorbei ziehend zog er einen weiten Kreis, der ihn nun wieder zu seinem Gut führte.
Wieder gingen seine Gedanken zu Leah. Sie erholte sich gut, es ging ihr zusehends besser. Und die Tatsache, das er Lira recht schalten und walten liess, brachte ihm wenigstens ein, das er mit ihnen zusammen essen durfte und ab und an nach Leah sehen konnte... Naja er fand allerlei Gründe, immer wieder mal 5 minuten im Raum zu sein. Die meisten davon waren sehr real - immerhin waren dort oben seine Waffen, eine Tränke, seine Kleidung und der Ausguck, wo er abends gerne mal stand und sich um seine Vögel kümmerte.
Das Tor knarrte, als er hindurch stapfte, schwitzen und keuchend, sich bei der Tür die Stiefel ausklopfte und dann ins warme Haus trat. >Ah... so warm hier drin...< Warm genug, das er den Wunsch verspürte, so bald wie möglich einige Lagen Kleidung los zu werden. Stiefel, Umhang, Mantel und Hemd flogen davon, bis er mit barer Brust und einem Lederhalfter unter den Deckenbalken stand. Das Halfter für seine Füsse wurde über den Balken geworfen, dann sprang er und zog sich hoch, bis er die Füsse einhängen konnte, um dann Kopfüber bequem vom Balken zu hängen. Er schwang sich ein wenig hin und her, bis er die Ledergriffe einiger Gewichte greifen konnte, die auf dem Tisch lagen. Seine Atmung gleichmässig führend, spannte er die Muskeln an und begann sich samt Gewichten hoch zu beugen. Training, das einiges an Kraft und Ausdauer in Anspruch nahm, aber er wollte ja besser werden - Stärker, Geschickter, Schneller, Ausdauernder... Alles, solang es ihm dadurch möglich war, seine Lieben zu beschützen.
Die Zeit verging, während er in Gedanken mitzählte und fast hatte er die 50 erreicht, als die Tür knarzend aufging und Lira reinkam. Ihre Augen weiteten sich leicht, als sie ihn sah, während er in der Bewegung innehielt und lose herunterhing. "Oh... Ein nackter Trottel..." Eine Augenbraue hob sich, während er erst zu ihr, dann an sich hoch sah, um sich schliesslich wieder hoch zu stemmen. "Dir auch einen... guten Morgen... Und ich denke... du meintest... nackter Mann." Ein leises Schnaufen von ihr, doch schlich sich ein Hauch Röte in ihre Wangen. "Mann? Wo? Ich seh nur eine trottelige Memme!" Ihr Blick schweifte von ihm weg zum Frühstückstablett. "Weisst du... du solltest... die Gelegenheit beim... Schopf ergreifen..." Er hielt wieder in seinem Tun inne, hing herunter und hob... naja aus ihrer Sicht senkte er sie... die Hand. "Diese sogenannte "Memme" ist das einzige männliche Wesen, das du je nackt sehen wirst - kein Mann bei rechtem Verstand wird sowas wie dich als Frau ansehen und haben wollen." Dies holte ihre Aufmerksamkeit zurück auf ihn. Ihr Atem wurde scharf eingezogen. "Deswegen rate ich dir: Schau hin, wenn du kannst." Ihr Blick huschte halb zu ihm, dann zwang sie ihn aber wieder weg zum Tablett, hob es hoch. "Warum sollte ich dich ansehen? Als ob du ein solcher Preis währest!" Wieder begann er mit seinen Übungen. "Für... dich nicht... für Leah... schon." Ächzte er, machte die letzte Übung und blickte zu dem Handtuch rüber, welches dort hing. Seine Hände waren schweissnass und er wollte nicht abrutschen, wenn er sich aus der Halterung raushängte. "Kannst du mir das Handtuch reichen? Ist etwas ausserhalb meiner Reichweite. Ihr Blick huschte wieder zu ihm, die Augen weiteten sich erneut, bevor sie sich abwandten. "Den Teufel werd ich! Helf dir selbst! Ich bin nur hier, um Leah zu helfen!" Womit sie die Tür öffnete und den Raum fluchtartig verliess... mit seinem Frühstück. Der Mund verzog sich, während er ihr hinterher sah und durch die Fenster erkennen konnte, wie sie durch den Schnee stapfte. "Ja, du mich auch..." gab er knurrend wieder und blickte einmal mehr zu Handtuch. Nur wegen eines Handtuches... "Der Frau sollte wirklich jemand den Stock aus den Arsch ziehen und sie flachlegen..." Vielleicht wurde sie dann etwas ausstehlicher. Brummelig begann er hin und her zu schwingen in dem Versuch, das Handtuch zu erreichen. Nächstes mal würde er es über den Balken hängen...
Es dauerte nicht lange, dann war er fürs erste fertig mit seinen Übungen und rieb sich ab, das er zum Turm hochgehen konnte. Lira würde es wieder mal nicht gefallen, das er da war, aber wenn sie mit seinem Frühstück davon lief, das sich ebenfalls auf dem Tablett befand, musste sie damit leben. Er jedenfalls freute sich auf die wenigen Worte, die er mit Leah wechseln konnte. Vielleicht war sie ja schon wach..
„Die Götter sind immer um uns. Sie leiten uns in unserem Handeln, sie sehen dein Schicksal. Auch deines...Malachai.“
Langsam huscht ein schmunzeln über Malachai´s Zügen, aus dem Schatten heraus, Leah weiterhin beobachtend. Es war zu erahnen, selbst jemand, der weniger gut Menschen einschätzen konnte, hätte hervorsehen können, dass Leah auch weiterhin an ihre Götter hielt.
Es war nichts verwerfliches, er hatte nicht vor, ihr den Glauben streitig zu machen...doch der Traum...diese Welt...es war ihre Welt...fern ab von Temora, war Sie die Göttin jenes Ortes, an dem Sie sich befindet...und solange Sie glaubt, dies hier wäre der Wille Temoras, solange wird sie vielleicht nicht in der Lage sein, diesen Traum zu verlassen.
Es hat nichts mit Glauben oder Unglauben zu tun, nein, der Geist muss begreifen, wie Real und Unreal dies hier ist, muss verstehen, dass man mit einem Wink mit dem Finger diese Welt vernichten kann...ihre Welt...mit ihrem Feind.
Doch sie schlug sich tapfer, ja, sie gewinnt die Kontrolle...vielleicht unbewusst, vielleicht bewusst...aber sie verändert diese Welt, ihr Geist tut es, nicht ihr Feind.
Langsam gleitet der Schatten der Wand entlang, den Panther fixierend, jenes Geschöpf, was soviel für Leah bedeutete, soviel schreckliches, fern ab von dem Zeichen Alatars, mehr, ein Lethar.
Er kannte die Magie, er wusste von Cyrion, dass Leah bedroht wurde...Angst schien weiterhin Sie zu beherschen...sie musste sich nun ihrer Angst stellen...so wie er es einst tun musste....man muss...es tun und gewinnen, sonst verliert man seinen Willen...
...und stirbt.
Er kannte dies zu gut...er bekam Beistand, Cyrion, Arsen, Selina...sie halfen ihm, zeigten ihn, in welcher Welt er gefangen war, in seiner eigenen.
Und nun würde er weiter auf Leah acht geben, ihr beistehen, wie es Cyrion auch tat.
Langsam trat er aus dem Schatten, nur einen Schritt, um Sichtbar zu sein.
Die Arme ineinander verschrenkt, die Hände in den Ärmeln versteckt, die Kaputze tief ins Gesicht gezogen, weiter mit dieser ewigen Leere statt eines Gesichtes.
Man konnte nur ahnen, wohin der Blick führte, doch er schien Leah zu fixieren. "Leah, entsage nicht deinem Glauben, doch begreife, wo du bist...begreife, was du tun musst, dann kannst du deinen Feind besiegen, dann wirst du Herr über dir sein."
Wieder tritt er einen Schritt nach vorne, langsam kommt seine Hand aus dem Ärmel und streift sich die Kaputze hinab.
Malachai schaut sie ernst an, seine Narbe scheint sich schwarz gefärbt zu haben am Auge. "Leah, ich bin nicht als dein Feind hier, ich bin hier, weil ich weiß, was in dir vor geht. Vergess nicht, du bist nicht alleine...nicht der Schattenlord wacht hier, nicht der Schattenlord steht dir bei....nein....ich bin es, Malachai, der Bruder deines Geliebten...und ein Freund.
Vertraue mir, dann wirst du hier die Siegerin sein, vertraue mir, dann erkennst du, was geschieht und siehst die Lösung so klar vor dir."
Sein Blick wirkt mitfühlend, sie weiter fixierend, den Panther ignorierend, als sei er nicht hier. "Tue es Leah, tue es.", whispert es leise aus ihm heraus, als würde er diese Sätze mehr zu sich selber sprechend, hoffend, dass Sie nun verstand und ihren Feind besiegen wird.
"Leah, entsage nicht deinem Glauben, doch begreife, wo du bist...begreife, was du tun musst, dann kannst du deinen Feind besiegen, dann wirst du Herr über dir sein."
Ihr Blick huschte zu dem Tier vor sich, welches immer noch regungslos verhielt und sie einfach anstarrte. Ein einziges Sinnbild, ein Symbol, welches so vieles beinhielt. Vergangenheit...Sünden...Schanden und Verderbnisse. Jede Konfrontation mit der Vergangenheit hatte sie bisher stärker gemacht, ruhiger...mutiger wahrscheinlich auch.
Der Regen hatte aufgehört, eine unheimliche Ruhe entstand, während sie einmal scharf einatmete, den Blick weiter zu dem Raubtier vor sich haltend.
„Es ist alles nur ein Gebilde...ein Traum.“, einen Moment überlegte sie, ob sie zu Malachai sehen sollte, versichernd, ob es wahr war, ob es die Schlussfolgerung war, die er erwartete. Doch irgendetwas in ihr hinderte sie daran, den Blick von dem schwarzen Tier vor sich abzuwenden.
„Mit der Zeit decken immer mehr Lügen als Unwahrheiten sich heraus. Er da...“, der Kopf nickte kurz gen des Panthers, ehe sie weiterhin ruhig sprach, „Ist auch eigentlich eine. Alles, was ich mit ihm je verband, entstand aus einer Falscheinschätzung meiner Person. Ich lud mir eine falsche Schuld auf...und doch waren diese Träume damals so grausam...so...“
Langsam stand der Panther auf, ein leises, ungefährliches Knurren erklang, als er nun an ihr vorbeitrappte und wieder im Schatten der Säulen hinter ihr verschwand. Das Schwert in ihrer Hand löste sich mit einem Windhauch auf, während knackend, knisternd und mit einem zugleich rauschenden Geräusch die Steinwände sich nach und nach wieder aufbauten, zusammensetzten zu der Kapelle, in der sie zu Begann stand.
„Wirklich.“ Das letzte Wort des Satzes hallte durch den Raum, um ein unwirkliches Echo zu hinterlassen. Ihr Blick striff zur Seite, fixierte Malachai, um dann auf ihn zuzugehen. Sie hatte genau das Augenpaar an ihm auf und abgleiten lassen, überlegend, nachdenklich fast. An seiner Seite wendete sie den Blick wieder nach vorn, nur um zu meinen:
„Es ist vorbei...du kannst gehen.“
Der Satz war so offen, wie der Traum es auch schien, als sie weiterging und den Gang entlangschritt. Die Schritte hallten rhytmisch, hinterließen wieder das monoton klackende Geräusch, ehe die geschaffene Welt dunkler, schwärzer wurde und langsam zu zerfallen begann.
Ein schmunzeln, als er Leah nachschaut. Die Worte hallen weiter durch seinen Kopf. Sie war stark, stärker als er es vielleicht erwartet hatte. Der Glaube, er ist gut für einige Menschen, es leitet sie, es gibt ihnen Kraft...doch viele, verlieren sich in ihm, werden fanatisch und sehen dabei die einfachsten Dinge nicht mehr.
Dies traf nicht auf Leah zu, er wusste es nun, als er sie elegant davongleiten sah, während ihre Traumwelt zerbrach.
Langsam schritt er zurück, in den Schatten und began, zu verschwinden. "Ich habe nie an dir gezweifelt Leah", halt es aus der Dunkelheit zurück, als er dann vollends den Traum verliess.
Wieder einmal kam von seinem Training mit Malachai zurück. Seine Finger schmerzten ihn ein wenig. Nicht wegen Prellungen, sondern nur generell wegen der steten Belastung von zwei Tagen harter Arbeit. Inzwischen waren sie auf echte Klingen bei Schwert und Dolch übergegangen, das er das Feingefühl für sie lernte. Doch trainierte er bei ihnen mit Lederhandschuhen vorerst. Desweiteren übte er noch mit verschiedenen Schwertern aus Holz und auch die Kriegsaxt war etwas, welches er schon beäugte, doch hatte Malachai ihm gesagt, das er bei der Axt sich die Finger noch stauchen würde oder gar an den Gelenken verletzen. So blieb ihm nur der Kampf mit Malachai - nicht nur das blosse Auffangen, sondern auch die darauf folgende Reaktion - der Angriff.
Erschöpft liess er den Kopf hängen und das Pferd seinen eigenen Weg zurück finden. Er war sehr früh am Morgen losgereist, hatte auch der Einfachheit halber die Nacht bei Malachai und Sienara verbracht, wohnten sie doch jetzt bei Bajard und am nächsten tag wieder bis gen abend trainert. Jetzt wollte er nur noch heim, ein heisses Bad nehmen und seine Finger im Wasser ziehen lassen, bis sie schrumpelig wie Rosinen waren!
Generell hatten die letzten Tage ihn erschöpft. Es war soviel vorgefallen... wenige Tage der hektischen Aktivität, Nächte in denen er Schlaflos im Bett lag oder das Bett gar nicht erst sah. Und alles nur, weil er Savea umstimmen wollte...
Leah und er hatten sich vertragen, ja. So gut vertragen, das er eines romatischen Abends, von der Muse geküsst, erneut die einen oder anderen Worte dichtete und sie in den Armen hielt, mit ihr aus dem Fenster sah. So süss die Stimmung, Romantik lag wie ein weingesponnenes Tuch aus Spinnenseide ungesehen über ihnen. Der Sternenhimmel draussen am Himmel, das warme knisternde Feuer, dessen Schein auf ihren Zügen lag und ihr Haar in warme rubinrote Töne setzte. Herzschlag... Ihr Herzschlag, den seine Fingerspitzen durch ihre Bauchdecke, ihre Kleidung spürte und der Puls den er mit seinen Lippen wahrnehmen konnte, während er ihr sanft den Hals küsste. Ob sie auch seinen Herzschlag an ihrem Rücken gefühlt hatte? Er war sich dessen sicher. Es war ein Moment der Wärme, der Nähe... Eile war nicht geboten und die Zeit vergessen. Das einzige, was zählte, war, das er sie im Arm hielt, sie berühren durte... Ein besonderer Moment wo nur sie beide zählten...
...und irgendwann im Laufe der zärtlichsten Küsse hörte er seine eigene Stimme, wie er ihr leise ins Ohr raunte; wisperte wieder jene Worte, als wären sie von zerbrechlichem Wesen.
"...Leah...schönste Maid unterm Sternenhimmel, willst du meine Frau werden..."
In jenem Moment fand jener Ring seinen Weg auf ihren Finger... Ein Ring aus verwobenen Dornenranken, silbern und gülden, denen eine Blüte entsprang aus feinstem gezogenen Silber. Ein Verlobungsring nach dem Stile Rabentals. Sie, sein Sternenmädchen, sein Reh, hatte den Ring gesehen... und mit einem Satz geantwortet, der ihn mit feucht werdenden Augen kämpfen liess. Die Worten waren zitternt über ihre Lippen gekommen, atemlos, wie dünn und doch von so feierlichem Klang.
"Dreimal will ich dir meine Liebe schwören...dreimal mein Herz, meine reine Liebe dir schenken...dreimal alles von mir vergessen und nur zu dir gehren....Ja..."
In ihm wurde etwas freigesetzt, etwas, das seinen angehaltenen Atem befreite und Freude in einer warmen Welle durch seinen Körper sandte. Freude, die ihn den restlichen Abend begleitete und ihn trotz besseres Wissens auf dem Gästebett in der Bibliothek schlafen liess - das gleich Haus, er und Leah unter einem Dach, doch war dies Wissen verdrängt, vorgeschwemmt und ertränkt in süssem Liebeswahn. Er wollte ihr nahe sein, schwelgte in der eigenen Überraschung, das er es ihr gesagt hatte, ihr jenen Ring an den Finger gesteckt hatte. Schwelgte in der süssen Erinnerung an ihrer Antwort. Wie süss doch jener Abend gewesen war.
Und wie bitter der Morgen danach...
Der Tag war ein einziges Ärgerniss gewesen... Nicht nur, das er direkt beim Aufwachen Savea gesehen hatte - schlaftrunken wie er war, war er hochgesprungen, hatte er sie doch dringend nachträglich fragen wollen, ob er um Leahs Hand anhalten durfte - und war der länge nach auf den harten Fussboden geknallt! Seine Beine waren noch in der Bettdecke gefangen gewesen und der Schritt den er hatte machen wollen, wurde aufgehalten. Man konnte mit Fug und Recht sagen, das er mit dem falschen Fuss aufgestanden war.
Doch war dies erst der Beginn dieses Leidvollen Tages. Savea hatte ihm den Kopf gründlich gewaschen, nachdem er ihr gebeichtet hatte, das er Leah einen Antrag gemacht hatte. Sie war zornig gewesen - kontrolliert zornig, aber nichtsdestotrotz zornig. Das Ausgehrecht mit Leah wurde gestrichen; ebenso durfte sie den Ring nicht an ihrem Finger tragen, gab ihn Cyrion sogar am nächsten Tag zurück. Er hatte weiterhin Etikettenunterricht zu nehmen und zu beweisen, das er Leahs würdig war. Seine letzte Chance. Vertat er diese, durfte er sich eine andere Braut suchen.
Eine weitere Auflage war Tanzunterricht - wobei Cyrion mit dieser Auflage nicht viel anfangen konnte. Tanzen? Er konnte tanzen. aber wozu sollte er Tanzunterricht brauchen? Und wo fand er einen Tanzlehrer? Es verwirrte ihn zu sehr, also liess er den Gedanken wieder fallen.
Was sie wenigstens wohl etwas wohlgefälliger stimmte, war die Tatsache, das er eine Ausbildung im Regiment bekam als Leibwächter mit allem, was man brauchte, sowie der dazu gehörigen Etikette.
>Das und hoffentlich der Fakt, das ich überhaupt ihr einen Antrag machte, wenn auch zu früh. Damit hab ich schon mal bewiesen, das ich sie tatsächlich heiraten will. Aber ob das zählt?<
Die kälte biss ihm wie immer in die Nase und er zog sie ein wenig tiefer in den Fellmantel, müde und schwerfällig wie ein nasser Sack Mehl.
Die Gedanken weiter treiben lassend, wanderten sie weiter in diesen unangenehmen Tag hinein.
Das erste Treffen in der Kaserne... Er war müde gewesen, so müde, und doch hatte er irgendwoher die Energie gehabt, aufmerksam zu zu hören. Beim Vorstellen war er ins erste Fettnäpfchen getappt... Ihm war nicht bewusst gewesen, das von ihm ein Aufstehen erwartet worden war. Er war der erste gewesen, sich vorzustellen - und alle nach ihm waren aufgestanden, manche sogar militärisch zackig. Dumm gelaufen, aber dagegen konnte er nichts mehr ausrichten.
Dazu kam, das eine Person ihn gerade zu angestarrt hatte. Eine junge Frau, die ihm mehr oder weniger gegenüber sass. Ihn anstarrte und öfters errötete.
Interessant war dabei, das nicht sie es war, zu der Lira ging um ihr zu sagen, das er vergeben war - nein ihr Handeln war auch Cyrions Schuld.. natürlich. Sie hatte ihm vorgeworfen, mit ihr zu liebäugeln - dabei war er nur von ihrem Starren irritiert gewesen. Wurde man auffällige angestarrt, war es ein reiner Reflex, ebenfalls hinzusehen. Lira hatte sich damit zufrieden gegeben, ihn zu verwarnen - eine Verwarnung, die er als völlig unangebracht gehalten hatte...
>Diese Pest auf zwei Beinen... Ihre Aufgabe im Leben ist wahrhaftig jene, das meine zu versauern. Pestilente Frau!< Brummelnd zog er dem schweren Wolfsfellmantel enger um sich.
Er war so übel gelaunt zum Stadtor geritten, wie seit langem nicht mehr... Und nur, weil er seine Waffen wieder anzog und richtete, hatte er das Pech sie zu hören, wie sie ihrer Vorgesetzten Freiin Mariella von Dragenfurt erzählte, das er ein trotteliger Mann war, war ihm der Kragen geplatz und mit dem Kragen die Contenance. Sein Auftritt war nicht gerade der schönste gewesen, hatte er ihr doch ein paar Takte gesagt und damit ihrer Hochgeboren Grund gegeben, ihm ebenfalls den Kopf zu waschen. Und Lira hatte sich ins Fäustchen gelacht.
Nun er hoffte, das er jenen schlechten Eindruck hatte wettmachen können an dem Abend, wo er bei ihrer Hochgeboren einen Bürgerbrief beantragte. Ein Bürgerbrief... er war damit wohl der am weitesten entfernt wohnende Bürger Adorans. Und das nur, damit er jene Ausbildung beim Regiment als Leibwächter machen konnte. Eine Ausbildung, auf die er sich freute. Auch wenn er sie leider mit Lira zusammen machen musste.
Nun... daran war nichts zu ändern...
Das Pferd suchte seinen Weg durch den Wald, stapfte um Bäume vorbei und kletterte den einen oder anderen kleineren Abhang hoch oder runter. Doch dann lichteten sich die Bäume und er verliess den kleinen Waldstreifen der eine Seite der grossen Lichtung umsäumte. Die Häuser, die er hier fand, waren still, Spuren führten zu ihnen hin oder von ihnen weg, zuweilen auch nur um das Haus herum zum angehörenden Garten. Der Blick wurde wieder nach Vorne gerichtet, die Nase mutig ins kalte gestreckt. Sein Haus kam in Sicht, er konnte schon den Turm in der Ferne ausmachen. Ein Bad.. ein heisses langes Bad.. und dann vielleicht noch etwas in dem einen Buch stöbern, das er über Etikette besass. Er musste lernen, musste studieren. Musste sich auch jene Liste der Aristokraten ins Gedächtnis trimmen, das er anhand eines Namens, gar einer Wappenfarbe wusste, wer da vor ihm war und wie er anzusprechen war. Er musste Savea überzeugen, das er an Leahs Seite bestehen konnte, sie nicht blamieren würde. Musste sie überzeugen, das es richtig von ihr gewesen war, ihm aufzutragen, einen Vormund zur Verhandlung des Muntpreises zu beschaffen. Sein Blick wanderte wieder über die Schulter. >Malachai... es liegt an dir... Verärgere sie nicht, aber sei ein würdiger Gegner...<
Tief atmete er aus, dann verlagerte er sein Gewicht und das Pferd trabte an, galoppierte den Pfad entlang, den es bei seiner Abreise Richtung Bajard Gestern geschaffen hatte...
Er sollte ihr Zeit geben. Zeit, zu vergessen. Das war so leicht gesagt... Er vermisste sie. Nicht die Streitereien. Aber ihr Lächeln. Ihre warme Berührung... Wie lange war es her, das sie ihn angelächelt hatte? Wie lange, das sie sich an seine Schulter gelehnt hatte? Wieviel Zeit sollte er ihr geben? Bis sie sich beruhigte... Ihm verzieh.... nicht zurück schreckte, wenn er sie im Arm halten wollte. Wieviel Zeit würde es brauchen, das sie den Schrecken vergass... Wieviel, bis sie ihn dazu auch vergass?
Wenn er schon nicht mit ihr reden konnte... Er wollte wenigstens etwas tun, an sie sich erfreuen konnte. Wieder Blumen herstellen aus Marzipan? Er wusste nicht, ob er im Haus Hohenfels fand, was er dazu brauchte. Dann was? Ein Gedicht? Ihm fiel zur Zeit beim besten Willen keins ein... Und wenn sie den Brief einfach nicht las, war es umsonst....
Blumen... Sie mochte Blumen... Doch um diese Jahreszeit... Selbst Topfpflanzen brauchten um diese Jahreszeit viel Zuwendung, da es für sie wenig Licht gab. Welche Blumen blühten schon um diese Jahreszeit im Eisbruch? Selbst bei Schnee....
Eine Pflanze kam ihm in den Sinn, zierlich und scheu, aber mutig genug, selbst bei Schnee die ersten Blüten zu zeigen... Das Schneeglöckchen.
>Schneeglöckchen..? Aber selbst für die ist der Schnee zu hoch. Ich würde nie welche finden... Selbst wenn ich drei Tage suche.... Halt nein!<
Er verhielt in seinem Lauf und sein Blick ging nach Norden. Es gab einen Ort... Einen, wo er suchen konnte... Wo er sie wohl am ehesten finden würde.
>Aber wenn ich mich da verlaufe... Dieser Wald ist tükisch!< Dann musste er wohl Murelay mitnehmen. Dort in diesem Wald, vielleicht auch schon an seinen Grenzen, würde er sie sicher finden. Seinen Umhang greifend, lief er die Treppen hinunter und marschierte aus der Tür.
Nebel hing kühl in den Zweigen, zeigte sich als dünnes Eisummantelung an den Spinnennetzen und im Moos, das von den Bäumen hing. Schnee gab es hier weniger, sammelte sich nur an offenen Stellen Fleckenweise. Keine Vögel waren zu sehen. Hin und wieder sah er mal ein Hörnchen, das vor ihm floh. Ein Hase war aufgeschreckt vor ihm davon gewetzt... Aber ansonsten nur wenige Lebenszeichen. Die Stille an diesem Ort war berunruhigend.
Und doch, er fühlte Blicke auf sich. Sie waren um ihn herum, er konnte es spüren. Elfen... Vielleicht Waldelfen. Vielleicht Lichtelfen. Waren Pfeile auf ihn gerichtet? Er hatte seine Waffen ausserhalb des Waldes im Schnee verborgen gelassen. Und doch... seine Schwarze Kleidung und sein Rabe... Er hätte nachdenken sollen, bevor er hier her kam. Sollte er sie ansprechen? Das er in Frieden kam? Oder sie ignorieren und weiter suchen?
Solange er nichts tat, was sie aufregte, würden sie ihn wohl ziehen lassen. Und so, wie er sein Pferd durch den Wald führte, hin und wieder auch ritt, wenn der Boden es ihm erlaubte... Eine Handschaufel im Gürtel, ein Blumentopf in der Hand... Er wollte sichergehen, das die Elfen verstanden, warum er hier war. Bis jetzt hatte er einige Schneeglöckchen gefunden, doch noch keine blühenden. Waren da die Elfen schon da gewesen? Hatten sie bereits bemerkt, wonach er suchte? Würden sie ihm helfen, wenn er fragte? Er fühlte sich unwohl, beobachtet zu werden. Ihre Blicke im Nacken zu spüren.
Manchmal hörte er es knacken, doch wusste er nicht zu sagen, von wo genau es kam. In diesem Wald waren die Bäume dicht gewachsen, absonderlich verschlungen. Obwohl zumeist Blattlos, gab es doch etliche Verstecke für Waldkundige. Selbst im Wald aufgewachsen, fand er viele mögliche Verstecke. Doch wollte er nicht hingehen und nachsehen, ob sich da ein Elf verbarg. Wer wusste schon, ob ein Elf, ungewollt entdeckt, nicht doch die Waffe gegen einen vermeintlichen Rabendiener...
Er blinzelte, als er an einem gewaltigen Baum vorbei trat und dort, zwischen den Ausläufern seiner Wurzeln jenes zierliche Gewächs fand, die kleinen dreiblättrigen weissen Glöckchen mit unschuldiger Scheue vor der Welt im Schutz des Baumes versteckend. Ein kleines Lächeln zeigte sich auf seinen Zügen. Er hatte so lange gesucht... Sich hinkniend, setzte er den Blumentopf ab und begann zu graben. Der Boden war nicht einfach zu bearbeiten, aber er schaffte es, drei Pflanzen mit ihren Knollen und Wurzeln auszugraben und in den kleinen Blumenpot um zu setzen. Das Loch füllte er mit lockerer Erde und Blättern...
Den Topf sicher im Arm, ergriff er erneut die Zügel des Pferdes und sah sich nach seinem Raben um. Ein scharfer Pfiff und er kam krächzend herbei geflogen, liess sich auf seiner Schulter nieder. "Siehst du, ich hab sie gefunden..." wieder lächelte er leicht, erfreut, das er nicht aufgegeben hatte. Nun konnte er Leah etwas geben, dass sie vielleicht zum Lächeln brachte. "Bring mich nach Varuna, Murelay." Gab er leise wieder udn der Vogel sprang von seiner Schulter, flog los, krächzte rauh und tief, ihm den Weg weisend. Er hatte Recht daran getan, ihn mit zu bringen. Er wusste nicht, wie tief er im Wald war, noch in welche Richtung es hinaus ging. Das Moos wuchs hier überall an den Bäumen. Keine Möglichkeit, herauszufinden, in welche Richtung es hier nach Westen ging. Doch nun hatte er, was er wollte und konnte guten Gewissens gehen. Gehen und diese beobachtenden unsichtbaren Augen hinter sich lassen.
Er war recht erschöpft, als er beim Kloster ankam und an die Tore klopfte. Erschöpft aber glücklich. Das er Leah nicht vorfand, gab ihm einen kleinen Stich - gerne hätte er gesehen, wie sie auf die Blumen reagierte. Aber der Mönch meinte, sie wäre mit Milady von Hohenfels zu einer Besprechung gegangen. Nun er konnte nicht alles haben...
"Dann richtet ihr bitte aus, diese Schneeglöckchen seien von Cyrion Sha'Ar. Und auch, das ich ihr weiterhin gute Besserung wünsche. Möge sie sich an diesen ersten Blumen des Jahres erfreuen." Mit einem kleinen flüchtigem Lächeln übergab er sein Geschenk an den Mönch. Seine Hoffnungen würden diese Schneeglöckchen begleiten, wenn auch er selbst es nicht konnte.
Der Mönch nichte leicht, ein kleines erfreutes Lächeln von sich gebend, bevor den Topf an sich nahm, ihm einen Guten Weg und Temoras Segen wünschte und die Tore wieder schloss. Einen moment blieb er noch bei den Toren stehen, wunderte sich, welches der Zimmer hinter dieser Mauer wohl das ihre sei. Leise seufzend drehte er sich um und begab sich zu seinem Pferd. Sie zum Lächeln bringen, das war sein Ziel gewesen. Ob er es schaffen würde? Er wusste es nicht. Doch mehr als das konnte er im Augenblick nicht tun.
„Es ist ein Unterschied, ob ich mich durch den Schmerz lähmen lasse....oder ihm stelle.
Ich darf nicht einknicken...nicht jetzt.“
„Mensch ist Mensch - es ist die Natur- die uns so formte. Gefühle sind die, die uns entwaffnen und rüsten - selbst Kummer kann uns stärken. Wenn du es kannst, dann knicke nicht ein.“
Stark sein, ohne Stolz zu sein. Das Schild musste nun die Kräfte von Aussen abfangen und sie schützen, durfte nicht einbrechen...kein Einknicken. Und doch jeder Tag ein neuer Kampf, ein neues Anfangen ihrer Vorsätze...Durchhalten, Geduld bewahren...und am besten nicht den Verstand verlieren.
„Es tut nur so weh...Jeder Blick nun ein Pfeil auf mich, jedes Wort scheint ein Angriff...Ich hab ihn verletzt, ja. Aber auch ich trage Blessuren, die heilen müssen.
Der Stein war in den Brunnen gefallen. Sie hatte sich entschieden, hatte die Wahl getroffen und sich gegen ein "Wir" entschieden. Das Gespräch mit Andreas in der Nacht schien noch so präsent, so nah, als sie am frühen Morgen bereits den Hengst sattelte und mit ihm ausritt. Sie waren sich ähnlich, der Knappe und sie...und doch so anders. Sie spürte noch das Hadern, das Zweifeln in Andreas, wusste, dass er noch nicht jenen festen Stand hatte, wie es einst von Nöten sein würde. Doch die Ausbildung würde es voran bringen...und das ein oder andere Wort im Vertrauen hoffentlich auch. Kies nirschte unter den Hufen, führte sie zum Stadttor und schließlich in das Gebiet vor Adoran, auf die Wiesen und Wälder. Die Nacht war nicht wirklich kühl gewesen, sodass der Morgen bereits die zähe Hitze ankündigte, die den Tag wieder überdauern würde. Die Tiere waren bereits wach, Vögel pfiffen durch die Baumkronen, hier und da das knackende Geräusch im Unterholz. Der Hengst fühlte sich wohl in dem ruhigen Schritt, wenngleich sie wusste, dass sie ihn zumindest auf dem Rückweg etwas fordern müsste, um nicht den Tag unruhig im Stall zu verbringen.
„Versprich mir: Werd eine brave Ritterin.. Eine Ritterin, von der man wissen darf - dass sie reinen Herzens ist und bleibt.
Sie hatte es ihm versprochen, trotz ihres Wissens, dass ihr Herz, ihr Schopf noch so voller Chaos war. Die letzten Tage in Wut verbracht, hatte sich nun die Trauer, der Schmerz eingeschlichen und sie voll durchdrungen. Jedes Treffen im Haus schien Stunden sich hinzuziehen, auch wenn es meist nur Sekunden, gar Minuten waren. Und es würde nicht aufhören, jeder Tag würde aufs Neue bedeuten, mit der Situation zurecht zu kommen, sich dem zu stellen. Seufzend ging sie in einen Trab über, das Gespräch mit Milady wieder in Erinnerung rufend.
„Es wird nun abzuwarten sein, ob er dazu wirklich steht und wie sich dies auswirkt, ob die emotionalen Belastungen dem allem nicht doch im Weg stehen... Wir werden beobachten und abwägen müssen, denn in jedem Fall wird sowohl Euch als auch ihm Nachsicht geboten werden, mit diesem Dilemma fertig zu werden, doch versteht es sich auch von selbst, dass daneben so weit wie möglich die Pflichten dahinter nicht zurückzustehen haben. Doch deswegen soll und wird sich deswegen niemand hier quälen müssen, das werdet Ihr Euch bewusst halten?“
Einzig Aufgaben und ständiges außer Haus gehen ist keine Qual...,bitter schoss der Gedanke durch den Schopf, als sie den Hengst etwas in den Wald hineinführte, über einen kleinen Trampelpfad laufen lassend. Sie hatte kaum gegessen die Tage, wenig darauf geachtet, sowie Wasser selten angerührt. Schlaf war Mangelware, tauschte sich eher mit völliger Erschöpfung ab, wenn sie sie überfiel. Sie hatte sich entschieden....und kassierte dafür nun den Preis, die Nachwirkungen. Sie wusste, dass es diesmal kein Zurück gab, kein erneuter Beginn oder Anfang. Sie würde ihren Weg gehen...ohne ihn. Den Weg einer Ritterin...
Schnaubend hielt Teron, als sie die Zügel etwas fester zog und den Blick nach vorn schwenken ließ. Ein kleiner Weiher tat sich vor ihr auf. Friedlich die Szenerie, in der Frösche aufquakten und das Schilf sich hin und herwog. Schwer schluckte sie, die Muskeln versteiften sich, um mit einem Herumreissen der Zügel den Hengst in den Galopp zu setzen und von diesem Ort wegzukommen.
Es würde vorbei gehen...irgendwann. Doch die Wunde war noch frisch und ungeschützt.
„Stark- wer ist stark? Kann man stark sein, wenn man in Wahrheit schwach ist ? Beweise Mut zur Stärke und erkenne deine Schwächen. Doch dir ewig was vorspielen, hauptsache etwas zu verdrängen - damit es nicht mehr weh tut- aber glaub mir! dass ein Blick dann genügt - damit sich eine Welle von Schmerz sich der Erinnerung beruft und dich übermannt.“