Stumm, blind und ohne Blick mit dem was sich in ihrer Nähe verändert hatte saßen sie da. Was für eine Gruppe. Doch einige, waren vielversprechend. Einige begannen ihre Sinne zu schärfen, nahmen wahr was in ihrer unmittelbaren Nähe geschah. Dennoch... noch waren sie nicht mehr als ein zusammengewürfelter Haufen. Noch war die Gemeinschaft keinesfalls gefestigt und kaum konnte man anregende Themen erwarten. Es würde sich ändern. Zeit die jungen Talente etwas zu fordern. Immer wieder wurde die Konservation angeregt und gen Ende schien man annähernd in einer Richtung angelangt die erstrebenswert war. Fast schon bedauerte sie sich verabschieden zu müssen. Der kommende Tag jedoch bedurfte der Vorbereitung. Mit einem der Brüder ging sie die Treppen hinab. Die massive Mauer gab auf einen halbherzigen Wink ihr Geheimnis preis und im nächsten Moment stand sie so steif auf der Stelle als wäre sie angewachsen.
Abermals stand man sich gegenüber. Befangen, zornig und unzugänglich. Sie musste ihn wahrlich getroffen haben so der Zustand nicht abebbte. Mit bedauern zog sie die Kapuze zurück und stellte überaus belanglose Fragen. Die Antworten jedoch waren ihr kaum gefällig. Alter, sturer Bock... diese Worte würden es so ziemlich treffen und mit diesem Gedanken wandte sie sich ab. Keine Blöße vor den jüngeren Mitgliedern des Ordens. Eine unausgesprochene Regel an die sich jeder hielt. Mechanisch wurden die richtigen Zeichen und Methoden angewandt um zwei Echsen an ihre Seite zu rufen. Der junge Bruder gab ihr genug Zeit ehe er endlich nachkam, so das sie ihm lediglich eines der Tiere zur Seite stellte ehe sie davon ritten. Zu Hause angekommen war sie etwas überrascht von seinen Höflichkeiten. Ihr war gar nicht bewusst gewesen das er einer der Wenigen war die das Haus die letzten Tage nicht genutzt hatten. Ließ sie nach? Normalerweise war es ein leichtes sich derlei Dinge zu merken. Namen, Zahlen, Begebenheiten und Ähnliches.... einmal gesehen vergaß sie selten was dargelegt wurde. Eine überaus nützliche Eigenschaft die sie keinesfalls durch Schludrigkeit verlieren wollte. Sie würde mehr auf sich achten müssen. Innerlich rief sie sich zur Ordnung, gab Kayle seinen Anteil und komplimentierte ihn hinaus.
Endlich alleine holte sie das empfohlene Bad nach und ließ den aufkommenden Gedanken ihren lauf. Täuschte sie sich womöglich? Nein, sollte dem so sein war das Eis auf dem sie sich bewegte überaus brüchig. Die Suppe ward gekocht nun musste man sie auslöffeln. Sie war es leid nachzuwürzen und beschloss es bei nächster Gelegenheit klar zu stellen.
Tage später im Burghof
Skeptisch glitt ihr Blick über die unangemessene Robe des Bruders. War er damit hergekommen? Die entsprechende Bemerkung war schnell gefallen und überaus ruhig kam er dem Hinweis nach, um Herzschläge später ordentlich gekleidet vor den beiden Frauen zu stehen. Einen einzigen Blick und wenige Offensichtlichkeiten hatten sie derweil ausgetauscht. Man war sich einig, es war an der Zeit den Bruder etwas zu fordern. Seit der letzten Übung schien sich nicht sonderlich viel geändert zu haben und kurzerhand kehrte man der Burg den Rücken. Es dauerte bis man Rahal erreicht hatte und selbst dort warteten sie noch geraume Zeit auf Lythiana. Etwas schien sie aufgehalten zu haben. So es wichtig gewesen war würde sie davon erfahren. Zwischenzeitlich war eine weitere der Ihren dazu gekommen. Über 8 Tage hinweg hatte sie das junge Ding nicht mehr gesehen. Doch immerhin würde sie so am folgenden Tag zugegen sein. Einige Momente dauerte es bis der Name der Schwester in ihren Gedanken Festigkeit gewann. Sie war bei ihrem Aufnahmeritual nicht zugegen gewesen und somit war sie ihr fremder als alle Anderen. Die fehlende Anwesenheit tat ihr übriges doch glänze sie damit schließlich nicht alleine. Man würde sehen in wie weit der Kriegsherr dies dulden würde. Selbst würde sie ihre Aufmerksamkeit auf jene richten die anwesend und gewillt waren den Umgang miteinander zu pflegen. Nichts desto trotz war sie da und kam überaus gelegen. Als Ly dazu kam waren die Beiden bereits zu einer gemeinsamen Übung verdonnert worden.
Gemeinsam suchte man den Übungsplatz auf. Kurz schauderte sie bei der Erinnerung daran dann jedoch konzentrierte sie ihre Aufmerksamkeit auf Lythiana. Die Anweisungen waren klar und innerlich musste sie grinsen. In wie weit würden sie dem nachkommen können? Gespannt sah sie bei den Vorbereitungen zu und wäre fast aus allen Wolken gefallen als die junge Schwester das Gesicht einfach offenbarte. Ein Fehler der ihr kein zweites Mal passieren würde. Endlich war alles soweit geklärt das sich die Beiden auf den Platz begeben konnten. Mit Ly auf der Bank wurden leise Gedanken ausgetauscht, Wetten abgeschlossen und überaus aufmerksam auf die Beiden geachtet. Man konnte zufrieden sein, durchaus doch dann wurde sie abgelenkt. Etwas vertrautes lag in den Klängen des Liedes. Die Nähe dessen war unverkennbar und dennoch schien sie die Einzige zu sein die es wahrnahm. Die Schultern strafften sich und sie richtete sich auf. Nicht lange dauerte es ehe ihr Körper der Bewegung folgte und sie sich erhob.
Ohne lange Erklärungen teilte sie der Schwester mit das sie bald wieder zugegen sein würde und entfernte sich. Das schlichte Nicken von Ly nahm sie noch aus dem Augenwinkel wahr dann folgte sie der 'Spur'. Tatsächlich, sie hatte sich nicht getäuscht. Lange war es her seit sie gemeinsam am See verweilten. Damals hatte er sich einen Spaß erlaubt und ihr die entsprechenden Antworten über die Wasseroberfläche geliefert. Heute jedoch schien er selbst antworten zu suchen. Sie war sich sicher das er ihre Anwesenheit wahrnahm und trat erst nach einer Weile gänzlich neben ihn. Die folgenden Worte waren überaus ruhig und beacht. Scheinbar hatte ein Jeder sich seine Gedanken gemacht und innerlich durchzog sie ein gewisses Hochgefühl als sie es bestätigt sah. Nein sie hatte sich nicht geirrt. Ihm ging es kaum anders als ihr, er sah etwas in ihr das sie in ihm ebenso sah wie in Ly. Was das war würde wohl kaum jemand erfahren der sie nicht kannte. Doch noch während er sprach klagen schwere, scheppernde Schritte auf deren Gang ebenfalls nicht unbekannt war. Trotz Rüste sprachen Maske und Umhang für sich. Iloiss eine Hand auf die Schulter legend trat sie so zur Seite das die Beiden passierenden sie gut sehen konnten. Ein angemessener Gruß folgte wenngleich sie heute nicht dazu trat. Abwartend glitt der Blick über den Letharen und nachdem ihr ein langer Blick des Alka's zuteil wurde wandten die Beiden sich ab. Kurz ruckten ihre Brauen in die Höhe. Hatte sie ob der Zustände der letzten Tage etwas übersehen und hätte dem beiwohnen sollen? Sie entsann sich einige Momente nur um zu dem Schluss zu kommen das man es sie hätte wissen lassen. Doch nun waren sie unterbrochen worden.
Nicht alles wurde gesagt was man hatte sagen wollen und dennoch genug das beide Geschwister ineinander das fanden was sie verloren glaubten. Überaus einträchtig kehrten sie miteinander zurück zu den Übungen. Inzwischen hatte sich Lythiana der Schwester angenommen während der junge Bruder zusah. Mit magischem Beigeschmack fand sie den Kampf wesentlich interessanter doch glich er noch immer nicht dem was sie gewohnt war. Gleichsam konnte man erkennen das sie sich bilden würde. Es gehörte dazu hinzufallen und das Wichtigste hatte sie bereits gelernt. Sie stand wieder auf und machte weiter. Ein gewisser Respekt wurde der jungen Schwester zuteil. Die Gedanken allerdings schweiften immer wieder ab. Selten war sie unruhig doch heute sah sie zu fort zu kommen. Da Lythiana noch immer mit den Übungen zu Gange war teilte sie nur Iloiss mit wo man sie auffinden könnte und Schritt davon. Durch die halbe Stadt wandernd hob sie kaum den Kopf um sich zu orientieren. Auch dieser Weg war inzwischen überaus vertraut so das sie ihn selbst blind gefunden hätte. Knapp wurde den Wachen zugenickt die ihre gekreuzten Hellebarden lockerten um sie durchzulassen. Ohne größere Umschweife suchte sie den oberen Teil des Gebäudes auf um an die Zinnen zu treten. Tatsächlich fand sie diesen Platz überaus ansprechend. Steig klang das Rauschen des Meeres an ihre Ohren und in der Ferne sah man die Insel. Wie lange würde es noch dauern bis sie dieses Geschenk nutzten? Einige Zeit kreisten ihre Gedanken darum. Die nähe zur Stadt würde Vorteile bringen aber auch Nachteile doch letztendlich oblag es nicht ihr. Wie jeder Andere würde sie kommentarlos folgen ganz gleich wohin und wofür. Wahrhaftig, man hatte sie gut gezogen.
In einer fließenden Bewegung trat sie zurück und stieg die Treppen hinab. Die Hand bereits an der Kapuze zog sie die Türe zur Bibliothek auf und erstarrte im Rahmen. Langsam sank die Hand und die Vermummung blieb an Ort und Stelle während sie noch immer recht entgeistert wie angewachsen feststand. Offensichtlich war sie in irgendetwas hineingeplatzt das sie nichts anging. Erst auf den Gruß, der im Übrigen zuerst von ihrer Seite hätte erfolgen müssen, erwachte sie aus der Starre. Angemessen wurden seine Heiligkeit und der Lethar gegrüßt ehe sie mehr feststellte als nachhakte das ihre Anwesenheit wohl unangebracht sei. Der Blick mied dabei überaus penibel den unbedeckten Oberkörper des Alkas. Warum saß man auch halbnackt in einer Bibliothek bei einem Plausch mit einem Letharen? Er würde Gründe haben. Flüchtig nahm sie wahr das von der tiefen Wunde nicht einmal eine Schramme zurückgeblieben war. Alles schien so makellos und wohl proportioniert als hätte sie eine lebende Statue vor sich. Die Haltung wahrend ruhte ihr Blick auf dem Letharen. Er schien alt, und sicherlich wurde ihm ein gewisser Status zuteil. Erst die wohl vertraute Stimme ließ sie den Blick von diesem nehmen und mit einem kurzen Nicken quittierte sie die Erlaubnis und begab sich zu einem der Regale. Noch ehe sie die Hand ausstrecken konnte um an sich zu nehmen was sie vor Tagen hier verborgen hatte wurde neben ihr weiter gesprochen.
Hatte sie sich gerade verhört? Weswegen sollte der Lethar ihr Gesellschaft leisten? Stirnrunzelnd wandte sie sich um und musterte diesen erneut. Bislang waren Gespräche mit den Kindern des Herren nicht sonderlich ansprechend oder erbaulich gewesen. Sie war dem nicht abgeneigt, keinesfalls, war sie doch eine Jener die um die Auferstehung des Ordens und wesentlich ältere Bände wussten. Seine Heiligkeit ließ sie alleine. Da stand man nun also. Langsam ging sie auf den Fremden zu der sich nicht minder langsam in ihre Richtung bewegte. Stehend wurden die ersten Worte ausgetauscht. Er schien wahrlich alt. Ständig klang ein leises röcheln, husten oder ächzen auf aus seiner Richtung auf. Da er sich von selbst nicht wieder zu setzen schien schlug sie es kurzerhand vor. Warum es schwerer machen als es sein konnte. Er stellte sich vor und für sich wiederholte sie den ungewohnten Klang des Namens bis er vertraut war. Einzuschätzen war er schwerlich. Sie war Arkoritherin und es gewohnt in jeder Gestik und jedem Wort eine Hinterlist zu erahnen. Paranoid mochten es die Einen nennen, die Anderen nannten es krankhaft. War sein Gebaren vorgeschoben? Lag eine Macht in ihm die er verbarg oder war er ein ausgelaugtes Instrument das seinen Zweck erfüllte und im Fall des Falles von höherer Kraft durchflossen war. Gleich was er war, er war interessant und das Wissen floss durch ihn hinaus. Vielleicht war dies der Grund vielleicht aber auch etwas anderes... sie ließ ihm ein gewisses Vertrauen entgegen kommen und geraume Zeit unterhielt man sich.