Ashantis vermutlich letzte Reise
Da war sie, die Sekban der Armee, Charim des Orden, Meisterin im Führen des Säbels, Talif der Haris Khasun, Jagdführerin der Armee, bestausgebildete Natifah des Hauses Bashir, wohl teuerste Natifah Menek'Urs, Klingentänzerin der Gemeinschaft des Schleiers und einfach eine Stütze der Gesellschaft Menek'Urs.
Die einfache auf das Leben gesehen naive Natifah aus Pantherwacht, welche früher lernte den Säbel zu führen als ihr Kopftuch richtig zu binden. Sie sammelte viele Titel in Menek'Ur, viele Würden und viel Ansehen.
Ein Vater mit vielen Erwartungen, ein Kamerad in Pantherwacht mit zu viel Blödsinn im Kopf, ein Oberhaupt mit viel Geduld und ein Emir mit viel Vertrauen waren wohl die prägendsten Anaan auf ihrem Weg. Nur einen Ehemann hatte die All'Mara für Ashanti in Menek'Ur nicht vorgesehen. Beinahe war es so weit gewesen: Ramis zeigte Interesse an der willensstarken Natifah. Nicht nur des Prestige wegen, sondern vor allem der Persönlichkeit hinter dem Schleier. Dakhil zählte Ramis früh zu seinen engeren Freunden und wusste daher, dass diesem Anaan all die Titel Ashantis nicht wichtig waren. Das Oberhaupt sah mit Wohlwollen auf die wachsende Verbindung innerhalb seines Hauses, die ersten vorsichtigen Anfragen von Ramis erfolgten bereits. Gut, man konnte auch sagen, dass es bei dem wortkargen Hazar's Bashir eher ein kurzes knappes Abtasten beim Oberhaupt war. Leider musste Ramis zurück nach Al'Wasi bevor eine ernst zunehmende Bindung entstanden sein konnte.
Ashantis Abenteuergeist und Entdeckerfreude waren kaum geringer als Mirahs. Nicht selten kamen ungewöhnliche Fragen von Ashanti an Dakhil. Fragen, die ihn oft einen Moment aus dem Konzept brachten. Manchmal auch Fragen, wo er sich eine Frau an seine Seite wünschte, um an sie verweisen zu können. Manchmal konnte er es dankenswerter Weise an Djamilla weiter schieben. Manchmal musste er Ashanti aber auch wortwörtlich am Kragen zurück reißen um Schlimmeres zu verhindern.
Und eines Tages kam sie mit dieser Geschichte an. Der Geschichte eines alten Geschichtenerzählers auf dem Basar. Es gäbe in der Durrah eine Höhle mit einem Schatz, dessen einstiger Glanz noch immer unter den Dünen ruhen soll. Nur wer suche und lausche, würde verstehen und sie finden. Natürlich weckte das Ashantis Neugierde. Noch am gleichen Abend bestürmte sie Dakhil, bat um Aushänge von ihm um alle Hazar's Durrah zu informieren und eine gemeinsame Abenteuerreise daraus zu machen. Ja, so war Ashanti, eine Natifah welche an alle anderen dachte und möglichst viele einzubeziehen. Es tat Dakhil regelrecht weh ihren Entdeckergeist auszubremsen müssen, doch ohne glaubhafte Beweise konnte er keine öffentliche Aushänge machen. Und er wusste, Ashanti würde Belege finden. Wenn diese Natifah sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es durch. Doch sie sollte alle überraschen: Statt Beweise für die Geschichte in den Bibliotheken zu suchen, sammelte sie wenige Eingeweihte zusammen und zog in die Durrah. Und fand, was sie suchte. Eine Höhle. Unbetretbar versperrt durch Steine. Das war der Moment, wo sie ihr Oberhaupt mit perfektem Mocca, leckerem Baklava und einlullenden Worten um Unterstützung bat. Dakhil wusste gar nicht, wie sie es schaffte, dass er wenige Tage später vermeintlich leichtfertig sein Genick riskierte dafür. Das war auch Ashanti: Sie wusste geschickt ihr Umfeld um den Finger zu wickeln ohne dass diese es rechtzeitig bemerkten.
Für ihren Abenteuergeist und ihre Entdeckerfreude gab es diesmal jedoch einen großen Lohn: Ein Chepesch. Die Waffe der ausgebildeten Charims des Ordens. Wie stolz Ashanti diese Waffe präsentierte und führte.
Ashanti trug ebenso stets ein Lächeln um die Augen. Sie dachte an das Wohlbefinden anderer und gab Hinweise, wenn es haperte. So fiel ihr früher als allen anderen auf, dass es der Tavini mehr als nur Benehmen fehlte. Daher durfte sie ihr die Selbstfürsorge einer Natifah lehren. Dabei steckte sie der Tavini verbotenerweise Duftwasser, Salben und sogar auch Schmuck zu. Und schaffte es nach dem Bekannt werden ohne Strafe davon zu kommen. Ohne Strafe für Ashanti und ohne Strafe für die Tavini.
Als Ashanti gerade erst an die Tür klopfte, hätte wohl niemand erwartet, dass schlussendlich manche lieber Mirah hüten würden. So unterschiedlich die beiden Natifahs doch wirkten, so ähnlich waren sie sich. Ashanti ist der beherrschte Janitschar und stets auf die Einhaltung der Traditionen bedacht. Doch dass sie auch zu frechen Ideen neigte, das kennt wohl nur die Familie von ihr. Man genoss die Abende im Familienhaus mit ihr, wenn sie über dies und das plauderten. Ashanti hatte die wunderbare Eigenschaft entwickelt eine noch so ernste Situation im rechten Moment mit einer frechen Aussage aufzulockern. Doch irgendwann konnte Ashanti bei Kleinigkeiten beobachtet werden, die anfangs niemand im Ansatz erwartet hätte. Es fing an mit Bauch- und Gesichtsschmuck, gefolgt von dem Wunsch nach Hautbildern - das konnte Dakhil erfolgreich auf einen zukünfitgen Ehemann abwälzen, dann gab es Wildkraut statt Tabak in den Wasserpfeifen, eines Tages wollte sie den berittenen Kampf üben - ohne sich festzuhalten! Ganz zu schweigen von dem Unterschlagen von Fainches Gold, bei ihrem ungewollten Salzhandel.
Ashanti sorgte mit ihrem Tatendrang immer wieder für viele Sorgen beim Oberhaupt. Aber so lange Ashanti nicht mehr Arbeit verursachte oder zusätzliche Pergamente auf seinem Schreibtisch landen lässt, ließ er sie - wie auch Mirah - gewähren. Auch im Ausüben der Streiche untereinander. Nun, bis auf ab und an mal ein paar mahnende Worte einzuwerfen. Nur so pro forma. Dass ihre Frechheit nicht ausartet.
Viel Gelächter flog immer durchs Familienhaus, doch es war noch mehr, sobald Ashantis enge Freundin Florence da war. Es gackerte dann oft aus dem Natifahbereich, als wären die Hühner aus dem Garten persönlich dort eingezogen. Alle. Mit Mahuhn.
Doch diese tiefe Verbundenheit haben beide Frauen sich hart erarbeitet. Begonnen mit Ashantis Aufenthalt bei der Graik zur Stärkung der Armee- Verbundenheit, lernten beide sich neben dem militärischen auch privat kennen und zu schätzen. Sie erlebten gemeinsam eine Menge: Kämpften Seite an Seite mit den restlichen Kaluren der Graik gegen Getares, haben sich gegenseitig in ihren Ausbildungen unterstützt, standen bei den Beförderungen dabei und bejubelten eifrig die jeweils andere, lernten die Kultur des Volkes der anderen kennen und waren sich stets eine gegenseitige Stütze.
Und so tauschten sie sich über beinahe alles aus, was weibliche Wesen so beschäftigen kann: Mit zunehmender Tiefe der Freundschaft, veränderten sich auch die Themen: Aus mitgeteilten Träumen wurden Sehnsüchte, zu den erzählten Hoffnungen gesellten sich die Ängste, mit den berichteten Enttäuschungen wurde auch der Frust geteilt. Das Band der beiden versiegelte sich endgültig zu unbrechbar, als Florence von ihren Ideen für Liedern und Auftritten berichtete und Ashanti sie darin bestärkte und hoch motiviert unterstützte. So entstand nicht nur eine einmalige Erinnerung an Faatimah, sondern auch eine wunderschöne visuelle Darstellung einer möglichen Entstehungsgeschichte des Hauses Bashir. Möglich gemacht durch eine wunderschöne einmalige Freundschaft zwischen der Heldenhelferin und der Sekban.
Gekrönt wurde diese Freundschaft durch ein besonderes Versprechen, wofür sie zum Zeichen ihrer Verbundenheit feine Ohrringe mit ihren Initialien anfertigen ließen: Wann immer eine der beiden in Schwierigkeiten stecken möge, solle sie - egal wie - die Ohrringe der anderen schicken. Diese würde dann um jeden Preis alles mögliche und unmögliche versuchen um zu helfen. Und dieses Versprechen wird alles überdauern.
Doch Ashantis Zeit in der goldenen Stadt sollte zu Ende gehen. Es war anders geplant, doch Pläne sind die Witze die wir den Göttern erzählen.
Ashantis Fähigkeiten hatten Menek'Ur bereichert und die Armee, das Haus und viele andere gut voran gebracht. Doch die All'Mara zeigte deutlich auf, dass Ashantis Reise weiter gehen sollte. Ihre vorbildliche Ausbildung - die knallharte Sekban der Armee und die einfühlsame Natifah des Hauses Bashir - wurde wesentlich dringender in ihrer Heimat gebraucht. Pantherwacht hatte erfahrene Janitschare aus den anderen Ecken des Reiches der Sonne angefordert, um frischen Wind und neues Wissen in die Truppe zu bringen. Dieser Aufruf traf bei Ashanti, die die Truppenbesuche bei anderen Streitkräften mehr oder weniger initiiert hatte, eine bereits Bekehrte. Ashantis Treue und Pflichtgefühl ließen sie nicht zweimal zögern. Die erwachsen gewordene Natifah brachte ihre Dienste in Menek’Ur zu Ende, packte ihre Sachen und fuhr kurze Zeit später mit einem Handelsschiff heim nach Pantherwacht. Vielleicht sah die All'Mara dort einen Ehemann für sie, vielleicht sollte ihr Abenteuergeist dort von größerem Nutzen sein, vielleicht wurde ihre Frohnatur dort mehr benötigt, vielleicht benötigt dort jemand eine so gute Freundin.
Auf dem Schiff kam der Kapitän auf Ashanti zu und überreichte ihr mit respektvoller Mine einen Briefumschlag, welcher das Siegel der ersten Familie trug. Neugierigen Blickes riss sie den Kuvert ungeduldig auf und las die Zeilen Saif Aldeen Omars. Ein schiefes Lächeln, das man schon fast verwegen nennen musste, begann sich unter dem Schleier abzuzeichnen. Und während dieses Lächeln in ein Grinsen abzugleiten drohte und sie das Pergament zusammen faltete, hörte man ein leises: "Das verspricht interessant zu werden".
Ashanti kam als Natifah mit einer Ausbildung, die eher die eines Anaans war, eine Natifah welche ihrem Vater nie ganz genügen konnte.
Sie kehrt heim als Natifah, die zu sich selbst und die ihren Platz gefunden hat, mit der Ausbildung eines Charims und dem Wissen, was sie kann und will.
Wenn gleich nur die All'Mara weiß, zu welchen Abenteuern Ashanti nun aufbricht, so bleibt sie in Menek'Ur niemals vergessen.
Abeer Eluv'.
[Aus dem engen Spielerkreis um Ashanti kam der Wunsch sie nicht sterben zu lassen. Dem sind wir in enger Absprache mit seiner Tochter gerne nachgekommen. Es darf Rplich davon ausgegangen und daher ausgespielt werden, dass der Char Ashanti sich vor ihrer Abreise von allen gebührlich verabschiedet hat.
Wir haben versucht möglichst viele Facetten von dem Char abzubilden und haben sicher dennoch viele vergessen. Bitte seht es uns nach.
Danke an alle, welche sich an der Erstellung dieses Textes beteiligt haben.
Ashanti bleibt im RP in unseren Erinnerungen und Erzählungen lebendig.]
Die zerbrochene Vase <- Einstieg Charimausbildung
[Q] Wüstenwispern <- Aufstiegsquest zum S3