Freiheit
Die Freiheit hab' ich erst verstanden,
Als sie mich floh mit scheuem Kuß,
Doch nicht deshalb, weil ich in Banden,
Nein, weil ich andre binden muß.
Das wird ein Auferstehn der Seele,
Ein Fest, von Morgenglanz umspielt,
Sobald ich keinem mehr befehle
Und keiner lebt, der mir befiehlt!
(Hans Claar)
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Freiheit, so rein und reich, so weit und kraftspendend. Ein Glucksen, das sich zum echten Kichern mausert und zuletzt in ein glückliches Lachen verwandelt. Freiheit ist, wenn man sich ihrer dann doch endlich einmal bewusst wird, etwas so Wunderbares und vollbringt, dass der eigentliche Charakter erst erblüht.
Wer in Gefangenschaft aufwächst, wird vielleicht nie realisieren, dass er nur ein Schatten seiner Selbst ist, doch jene die Freiheit einst kannten, stellen bald fest, wie grau und blass ihr Wesen ohne dieses unbezahlbare Gut ist.
Als sie, die sie zuerst bewundert hatten, in ihre Welt kam, waren die Gefühle gemischt. Ein Mensch im Land der Schatten - eine Möglichkeit der Isolation zu entfliehen oder eher ein Eindringling in den eigenen Landen? Beides!
Sie durften, nein mussten bald heraus aus ihren Verstecken und selber spionieren. Über Jahre hier und da die Schatten kleinerer Tiere und minderer Monstrositäten stehlen, um sie in ihrer Macht zu nähren. Stets wissend, dass der eigene Schatten nun ein Druckmittel, eine Leine, war.
Bleich, blass und zuletzt so grau und verängstigt, dass sie nichts mehr sagten, sich den Anweisungen fügten und sogar versuchten, die grausame Königin der Finsternis zu immitieren, denn vielleicht wurde es dann ja leichter? Da konnte man selber ein keckerndes Lachen abgeben oder fiese Sätze zischeln, denn so war man sich bald sicher, dass es noch Andere gab, denen man Dominanz aufdrücken konnte.
Die eigene Gefangenschaft war nicht ganz so unerträglich, wenn man sich lange genug einredete, dass es jene gab, die noch weitaus gefangener und ärmer dran waren.
So hätte es ewig gehen können und doch begann einer aus ihren Reihen zu zweifeln, erinnerte sich an die Freiheit und wollte kein Teil des Ganzen mehr sein, als sie ihnen plötzlich den Auftrag gab, die reinsten aller Schatten, die der Kinder, zu stehlen.
Einer nur aber manchmal brauchte es auch nur einen kleinen Stein im Dominogefüge, um den Einsturz zu erreichen. Den Sturz einer dunklen Königin. Sie waren erstaunt und aufgeregt, als die Kinder in ihr Reich traten und in ihrer Mitte jene aus der Prophezeihung - das Efeukind. Sie schnatterten, rannten und staunten, doch helfen wollte zunächst, außer dem einen, keiner. Nich helfen, nein aber keiner der beiden Seiten. Rar machen vor der Königin, verstecken und aus den hintersten Schattenwinkeln still beobachten.
Um in die Schattenwelt zu gelangen, mussten die Kinder erst die Zwischenebene bestanden haben. Jener Ort, der sich ständig ändert und mal voller Rätsel, dann auch mal voller Monstren sein kann. Doch sie hatten es überwunden, denn sie standen ja hier!
Der eine schloss sich ihnen an und gemeinsam erbrachten sie drei Opfer:
- Hoffnungsschimmer
- Geheimnisse
- Schwäche
... um zuletzt tatsächlich vor der Königin zu stehen.
Es fiel den Schatten erst wie Schuppen von den Augen, als sie sahen, wie sehr sie alle für einander und die Freiheit ihrer Schatten kämpften.
Wie sich die Kinder selbst nach dem Tode des einen Finsterlings nicht zurückzogen oder gar unterwarfen. Nein, sie standen zusammen und schwächten die alte Herrin, bis sie verschwand.
Frei... endlich... Erinnerungen... Weinen und Lachen.
Aus den Spiegelscherben ihrer Macht wurden neue Spiegel geformt, Spiegel um den Kontakt und die beginnende Freundschaft zu halten.
Ohne Licht keine Schatten und ohne die Kinder keine Freiheit der Finsterlinge.
Als sie gingen, sah ihnen so mancher Finsterling mit unsagbarer Dankbarkeit in den Augen hinterher, den es verliesen kleine Helden ihre Welt, die ihnen eines der größten Geschenke vermacht hatten:
FREIHEIT!