Verfasst: Mittwoch 28. Februar 2018, 16:44
28. Eisbruch 261, 16. Tagesstunde - Haupttor Menek'Urs
Eine kleine Karawane passierte das Tor, nachdem der Karawanenführer sich bei den wachhabenden Janitscharen ausgewiesen hatte. Unweit abseits stand Ahmad und lächelte heimlich auf, als er die Karawane erkannte. Natürlich wurde die mittlerweile schon mal viel eher aufkommende Freude aber sofort wieder aus seinen Zügen verbannt, als er den Blick der ersten Passanten auf sich rüber schwenken sah. Dennoch setzte er sich sodann in Bewegung und steuerte zielstrebig seine Eltern an, die Teil der Karawane gewesen waren. Aylin sah man die Erschöpfung gleichsam wie ihre ungezwungene Freude über das Wiedersehen an, während Fadlan sich, ähnlich seines Sohnes, rein gar nichts anmerken ließ."Ahmad, wie schön dich zu sehen. Salam Aleykum, Anan! Hast du extra auf uns gewartet?", ließ die bereits recht betagte Natifah freudig verlauten und umarmte Ahmad, obwohl sie ganz genau wusste, dass er das nicht mochte. <<Maras..>>, dachte der jüngere Azeezah sich nur still und legte ergeben seinem Schicksal die Arme zum Gruß um seine Mutter.
"Aleykum va Salam, Mara! - Es war Zufall, dass ich von eurer Ankunft erfuhr, zugegeben."
Nachdem er eine Antwort formuliert hatte, wurde er auch wieder von der Umarmung befreit und durfte sich wie gewohnt zur militärischen Haltung aufrichten, um sodann seinem Vater entgegen zu blicken.
"Salam Aleikum, Ahmad.", Fadlan nickte ihm knapp zu, wie es unter Kameraden eben Sitte war und Ahmad erwiderte jene Geste höflich.
"Aleykum va Salam, Radeh. - Wie war die Reise?"
Selbst das war eine Höflichkeitsfrage, keine von großem Interesse. Aber er musste seinem Vater auch nichts vor machen. Fast schon hätte Ahmad es wortwörtlich vorher sagen können, was da als Antwort folgte:
"Sie verlief ohne Komplikationen. Der Handel schläft derzeit aber noch in den Grünlanden. Und hier? Wir hörten gerüchteweise von einer Schlacht."
"Aiwa, du bist doch nicht verletzt!?"
"Rani!", ermahnte Fadlan Aylin, als diese dem Sohn in ihrer Sorge vorschnell zuvor kam.
"Aiwa. Eine alles in allem einfach nur unglücklich verlaufene Grenzüberschreitung. Aber es kam niemand ernsthaft zu Schaden."
Man sah Aylin an, dass sie gerne mehr sagen wollte, doch nun ziemlich ihre Stirn halb gesenkt ließ und schwieg. Ahmads Blick ruhte kurz auf ihr, ehe er erneut zu seinem Vater voran blickte.
"Wir halten dich von deinen Aufgaben ab. Ich kümmere mich darum, dass Mara sich ausruhen kann."
Fadlan nickte nur knapp und wandte sich ohne jeglichen Abschiedsgruß ab, was sodann von den beiden anderen erwidert wurde. Aylins Blick folgte ihm wehleidig, Ahmads ausdruckslos. Kurz darauf wurde das Schweigen jedoch auch schon wieder unterbrochen, als Ahmad seine Stimme erneut erhob:
"Ich möchte dir bei Zeiten jemanden vorstellen. Hast du die Tage Zeit, Mara?"
"Oh? Wen denn? Natürlich habe ich Zeit. So schnell werden dein Radeh und ich nicht wieder abreisen."
"Yousra Khadija Falah. Sie wollte ursprünglich euch Beide kennenlernen, aber..." "Ich verstehe dich, mein lieber Ahmad. Doch sei dir gewiss, ich freue mich wirklich die junge Blüte kennenzulernen. Und eines Tages wird es dein Radeh sicher auch so sehen."
Ahmad verzog nur unschlüssig den Mund und deutete ein Nicken an.
"Dhabir, Mara. Ich weiß aiwa, wo ich dich finden kann. Darf ich dich dann einfach spontan zu einem Treffen einladen?"
"Aiwa, sicher Anan. Wann immer ihr Zwei könnt. Aber lass uns hudad langsam gehen. Ich muss mich unbedingt frisch machen, bevor ich deinem Radeh etwas zu Essen koche. Möchtest du mit uns speisen?"
"Neda, dhabir Mara."
Aylin seufzte theatralisch. "Aber du hast doch eine Natifah, die sich um dein leibliches Wohl kümmert, oder?" Dabei blickte sie ihren Sohn prüfend an.
"Aiwa, Mara.. Mir fehlt es an nichts. Versprochen."
Indessen hatten sich beide Azeezahs in Bewegung gesetzt und schauten nun vielmehr voran auf den Weg, als den jeweiligen Gesprächspartner an. Der Rest des Weges wurde mit wenig Dialog hinter sich gebracht. Aylin wusste, dass Plausch nicht Ahmads Stärke war, oder zumindest dachte sie das noch, und Ahmad genoss es hier in keiner Bringschuld zu sein. <<Ob das wirklich so eine gute Idee war, Fadlan von der Einladung auszuschließen?>>
















