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Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 22:13
von Valentina Sturmkamm
Azeezah

Die Nachricht das sie zum Palast kommen sollte riss sie aus ihren Gedanken. Heute? Jetzt? Aalissay sah an sich herab und eilte die Stufen in ihren Keller hinab um sich frisch zu machen. So konnte sie unmöglich mit Saajid zu ihrem Emir und so zog sie sich etwas ordentliches an und machte sich auf den Weg. Die Zeit kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Farasha rannte an ihr vorbei, schenkte ihr ein warmes Lächeln und schon war sie aus ihrem Blick verschwunden. Wieso war sie nur so nervös? Sie kannte Nabil schon noch ehe er Emir war oder verheiratet und war inzwischen mehrmals bei ihm gewesen. Am gestrigen Abend erst...
Der Besuch war nur eine Formalie, er hatte ihr im Grunde doch längst gesagt das er zustimmen würde.

Erst kam Farasha zurück, kurze Zeit darauf lief Ghaazi herum und kehrte die Straße. Ein fragender Blick zu Farasha, die wohl auch nicht wusste was in ihn gefahren war. Es war schwer die Beherschung nicht zu verlieren und los zu lachen, vergnügte sie dieser Anblick doch sehr. Als sie im Westen Saajid näher kommen sah legte sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Er kam nicht alleine... ein Großteil der Familie stärkte ihm den Rücken - würde ihr den Rücken stärken. Als sie gemeinsam die Stufen empor stiegen fühlte sie sich, als hätte die Mara selbst ihre Arme wärmend und schützend um sie gelegt. Familie... konnte man es deutlicher spüren? Wohl kaum.

Sie trat an die Seite ihres Oberhauptes und lief, gemeinsam mit ihm, nach vorn. Der Rest des Rudels verweilte nicht unweit von ihnen im Hintergrund. Respektvoll hatte Lissy ihren Blick gesenkt und lauschte den Worten von Saajid. Seine Worte erwärmten ihr Herz und jedes einzelne seiner Worte bedeutete ihr viel. Sie wusste das er sie ehrlich meinte, dass sie tief aus seinem Herzen kamen und nie würde sie ihn oder ein anderes Mitglied ihrer Familie enttäuschen wollen. Sie waren ihr ans Herz gewachsen und nach diesem Besuch würde sie offiziell ein Teil von ihnen sein. Die Worte "kleine Azeezah" bekamen einen ganz anderen Sinn für sie und wieder zauberte sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Ob es sie heute noch mla verlassen würde? Wohl kaum.

Endlich war es vorbei und der Emir hatte zugestimmt, dass Lissy von nun an im Schoße der Azeezah, als eine von ihnen leben durfte. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Ein kurzer Blick zu Saajid und sie erinnerte sich zurück wie alles anfing, an jenem Abend in der Oase und wie viele Stunden sie redeten. Er hatte ihr gezeigt, dass es keine Rolle spielt ob man innerhalb der Mauern oder ausserhalb lebte, Zusammenhalt gab es überall und jenen hatte sie, im Schoße ihrer Familie gefunden.

Sie gingen alle zusammen zurück zum Haus. Saajid jagte sie direkt die Treppen hinauf um ihren Namen in den Stein zu meiseln und ihr den Familienring zu geben. Langsam streifte sie ihn über ihren schmalen Ringfinger. Ihre Augen funkelten als sie diesen betrachtete und die TReppen hinab stieg. Zur Feier des Tages hatte Saajid erlaubt, dass jede Blüte einmal am Kakusschnaps nippen durfte und so saßen sie alle zusammen und tranken und freuten sich. Rahims Worte berührten sie ebenfalls sehr und immer wieder suchte sie den Blick zu Farasha, die genau wie sie, dass Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam. Von anfang an war sie mehr als nur eine Freundin für sie gewesen und sie freute sich so sehr, dass sie nun eine Familie waren.

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Saamija eine der Tarotkarten zog und auch Mina versuchte sich daran. Sollte sie das Glück herausfordern? An einem Tag wie heute? Sowohl Farasha als auch Rahim sprachen ihr Mut zu, wenn nicht heute wann dann?
7 Karten sollte sie also ziehen und so atmete sie einmal tief durch und zog eine Karte nach der anderen, die sie aufreihte, wie Farasha ihr zuvor erklärt hatte. Der Tod, die Herrscherin, die Mässigkeit, die Hohepriesterin, der Teufel, die Liebenden und der Stern.
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Die Karte der Liebenden betrachtete sie einen Moment länger und fuhr mit der Fingerkuppe ihres Daumen sanft über jene. Als alle Karten vor ihr lagen betrachtete sie jenes Bild einen Augenblick lang um ihre Bedeutung zu erkennen. Rahim erklärte ihr, dass nicht nur jede einzelne Karte für sich wichtig war sondern auch das Gesamtbild. Doch wenn sie jenes Bild so ansah stand ihr wohl eine rosige Zukunft bevor. Ja, sie hatte sich los gerissen aus den Ketten die sie gefangen hielten. Es gab eine einschneidene Veränderung die alles auf den Kopf stellen würde und sie wusste längst, dass sie auf ihr Herz und ihr Gefühl hören musste und dank Saajid und den schweren Wochen und Tagen der vergangenheit, auch wie viel Kraft in ihr ruhte. Sie war heran gereift...

Auch Rahim neigte neugierig den Blick auf die Karte und nickte einige Male. So stimmte er ihr zu, dass sie gewichtige Karten gezogen hatte. Sollte der Weg den sie gewählt haben der richtige gewesen sein. So steinig er war, sie hatte jeden einzelnen Stein bei Seite geräumt und sie wusste, von jenem Tag an als sie diese Entscheidung getroffen hatte, es würde sich lohnen und ja, es hatte sich gelohnt.

Jetzt gab es nur noch ein Hindernis... eine Sache die ihre Kraft benötigte und sie hoffte, dass die Karten recht behielten und sie auch diese meistern würde.

Mit diesen Gedanken und einem sanften Lächeln auf ihren Lippen, schlief sie in jener Nacht ein... Aalissay Delara Azeezah...

Verfasst: Freitag 10. Juli 2015, 06:55
von Valentina Sturmkamm
Sie hatte unruhig geschlafen in jener Nacht. Immer wieder sah sie die Karten vor sich und hörte Rahims Worte. Sie waren so real das sie hätte schwören können, er stand hier, direkt neben ihrem Bett aber dort war niemand. Müde und schwerfällig stand sie schließlich auf, machte sich frisch und zog sich etwas gemütliches an. Schon jetzt wusste sie, es würde ein anstrengender und langer Tag werden doch kein Weg ging daran vorbei.

Wie sie langsam ihre küchenschränke leer räumte sah sie gedankenverloren aus dem Fenster. Der Wind der Nacht war noch immer unterwegs und wedelte die einzelnen Sandkörner der Durrah umher. Wenn sie zurück auf den Boden fielen war nichts mehr wie es einmal war. Kaum eines würde an der selben Stelle zum liegen kommen und so bildeten sich neue Wege...
War sie wie solch ein Sandkorn? Auch ihr Leben wurde einmal komplett auf den Kopf gestellt. Nur deswegen stand sie hier und packte erneut ihre ganzen Sachen in Kisten,die die Wachen später in die Stadt tragen sollten.

Hatte Rahim recht und sie hatte ihr Schicksal selbst in der Hand? Gänzlich? Oder lag ihr Schicksal ganz allein in den Händen der gütigen Mara? Vielleicht war es ein Zusammenspiel aus beidem... sie selbst hatte sich für jenen Weg entschieden doch Eluive erst,breitete diesen Weg vor ihr aus. Sie brachte Saajid an jenem Abend in die Oase und wirbelte damit die einzelnen Sandkörner umher. Ja, Lissy selbst traf die Entscheidung ihre Ehe aufzulösen, ihren Namen abzulegen und fortan einen neuen Weg zu gehen. Nun stand sie hier und war eine Blüte aus dem stolzen Haus der Azeezah und wusste um viele wichtige Menekaner in ihrem Leben denen sie wichtig war, die ihr wichtig waren... und doch fragte sie sich was Eluive ihr sagen wollte.

Wieder taten sich zwei Wege vor ihr auf und es war nicht die Angst oder die Unsicherheit einen zu wählen sondern die Frage wie sie ihn bestreiten sollte um ans Ziel zu gelangen. Wer sagte ihr ob der Weg nicht eine Sackgasse ist die nie ans Ziel führen würde? Sie hatte bereits soviel versucht ohne das es gesehen wurde. Selbst als sie wirklich den Mut gefasst hatte und direkte Worte wählte hatte sich nichts geändert - diese Situation war ihr gänzlich neu und fremd.
Sie solle Geist und Herz vereinen und handeln... das tat sie doch oder? Reichte es nicht? War es noch immer zu undeutlich? Nazeeyas Worte von damals am Meer kamen ihr in den Sinn... Wie sollte sie?

Sie wusste das sie den einen Weg nicht gehen wollte. Das sie bereits schon zu viele Schritte auf dem anderen Weg hinter sich gelegt hatte. Stein um Stein... würde es je leichter werden? Würde Eluive ihr sagen was sie tun konnte um ans Ziel zu gelangen? Sie seufzte leise und packte weiter. Ihre Gedanken unnachgiebig bei dem was am Ende auf sie warten könnte. Nur nicht einfach aufgeben, dessen war sie sich bewusst. Führte ihr weg zum Ziel so hätte sich jedes Hindernis gelohnt...

Verfasst: Freitag 17. Juli 2015, 20:52
von Valentina Sturmkamm
Der Ort an dem ihr neues Leben angefangen hatte war auch der Ort den sie aufsuchte, wenn sie Ruhe brauchte und nachdenken musste. Sie hatte vergessen wie sehr die Stadt mit Leben gefüllt war, doch hier, in mitten der Oase war ein wunderschöner Ruhepol. Sie hatte sich an eine Palme gesetzt, der Rücken gegen ihren Stam gelehnt und die Beine leicht angewinkelt. Die warem Abendsonne schien ihr ins Gesicht, ihren Schleier hatte sie gelöst.

Sie hatte sich so eine ruhige Ecke gesucht, dass sie hören würde wenn jemand kommt und so. Niemand, der es nicht sollte, würde sie also ohne Schleier sehen. Ihr Blick schweifte hinüber zu den Kissen die bereits für die Zeremonie ausgelegt worden waren. Nur noch zwei Tage und Razyr würde heiraten... Nahlah... Noch immer war sie sich nicht sicher ob sie zum Hennaabend gehen sollte. Sie hatte nicht vergessen wie der ihre war und das Nahlah die meiste Zeit mit Anisah auf dem Balkon verbracht hatte. Sie hatte so vieles nicht vergessen und so sehr sie sich bemühte, es würde wohl immer in ihr ruhen. Doch er war ihr Blut, ihr Cousin und sie gönnte ihm sein Glück von ganzem Herzen. Zur Zeremonie würde sie gehen... die erste seit sie selbst nicht mehr verheiratet war. Wie es wohl werden würde?

Sie neigte den Kopf zum Wasser und der Wind umspielte ihr offenes Haar. So viel war geschehen und sie dachte das sich alles fügen würde. Stets Nazeeya im Hinterkopf hielt sie Augen und Ohren offen, doch ihre Sinne schienen ihr nicht immer wohl gesonnen. Hatte sie sich geirrt?
Wieder musste sie an die Karten denken, die sie letzte Woche, abwechselnd, mit Rahim gezogen hatte. Ja, sie selbst war verantwortlich und so erkannte sie, dass sie längst wieder an einer Weggabelung angekommen war. Hatte sie die Augen davor veschlossen gehalten oder wollte sie es nicht sehen?

Qamaras Worte liesen ihr einfach keine Ruhe und so hatte sie sich die letzten Tage zurück gezogen. Sie mied weitgehend den Kontakt zu den anderen und versuchte sich abzulenken. Die sonst so fröhliche Blüte war nachdenklich und das Lächeln welches sonst ihre Augen strahlen lies, war seither nicht gesehen worden. Sie wollte sich niemandem erklären müssen und so genoß sie die Zeit für sich. Sie hatte alte Karten hervor geholt und sie geborgen. Auch auf den Aushang des Sanjak hatte sie sich gemeldet. Vielleicht war es an der Zeit sich ihre Ziele zurück ins Gedächnis zu holen. Um so besser war es, die alten Karten heben zu gehen. Sie durfte nicht aus der Übung kommen, nicht jetzt wo der Krieg wieder so nah war.

Sie war schon eine Weile nicht mehr los gezogen. Das letzte mal, gemeinsam mit der Familie aber sonst? Saajid hatte keine Zeit mehr... Sie presste ihre Lippen aufeinander. Die selben Bürden die einst Hasim auf den Schultern trug... Oberhaupt, Sanjak... ob er sich zu viel zugemutet hatte? Selbst wenn, er würde es nie zugeben und doch sorgte sie sich. Sie sehnte sich nach der Zeit zurück als sie in der Durrah lebten. Vieles war so viel einfacher gewesen. Sie hatten viel mehr Zeit zusammen verbracht aber Dinge verändern sich...

Lange hatte sie über die Worte von Qamara nach gedacht und vieles verstand sie nicht. Ja, sie war nur eine Blüte und ihr war bewusst das es Dinge gab, die Blüten nichts angehen aber das konnte doch unmöglich dazu zählen?! Sie hatte nicht einmal die Möglichkeit gehabt es zu hinterfragen. Wann? Wie?

Sie war nun eine Azeezah und sie trug jenen Namen mit Stolz. Sie würde ihr Versprechen halten und keine Schande über ihr Haus oder das Haus Omar bringen. Sie drehte den Ring an ihrem Finger und seufzte leise. Was nur hatte Eluive mit ihr vor? Wann würde sie ihr ein Zeichen schicken, dass sie auch verstand? Sie war es leid Zeichen deuten zu müssen um heraus zu finden, dass ihre Deutung falsch war. Sie hatte ihren Mut zusammen genommen, sie hatte geschnippt, sie hatte gekämpft und Opfer gebracht. Was sollte sie noch alles tun? Was hatte sie vergessen?

Sie spitzte ihre Lippen und schob sie nachdenklich zur Seite... wie sie es so oft tat wenn sie nach dachte. Sie hätte sich so gerne jemandem anvertraut, doch wem? Wer würde sie verstehen? Farasha? Im Grunde wusste sie was sie sagen würde aber war es das was sie hören wollte?
Sie atmete schwer ein und langsam wieder aus... Sie schwelgte in Erinnerungen an eine Zeit in der ihr Leben so perfekt schien. Eluive hatte andere Pläne mit ihr, doch wieso sagte sie ihr nicht welche? Sie blinzelte einige Male um die aufkeimenden Tränen zu unterdrücken. Nicht jetzt, nicht hier... Der dichte und dunkle Wimpernkranz, der ihre großen Augen umrandete wurde feucht, doch sie schaffte es und atmete die frische Luft einmal tief durch die Nase ein.

Als sie sich gerade erheben wollte hörte sie Stimmen in der Oase. Sie griff nach ihrem Schleier und band diesen wieder nach oben um ihr Gesicht zu verbergen. Rührte sich jedoch nicht vom Fleck. Liebe... sie lag wohl zur Zeit, überall in Menek'ur, in der Luft. Vielleicht sollte sie mit ihrem Anaan einige Tage zu ihren Eltern reisen. Etwas Abstand würde ihr sicher gut tun. Sie nickte sachte und sah wieder ans andere Ende der Oase. Wie würde sie nur hier weg kommen, ohne das man sie bemerken würde. Ganz leise zog sie sich am Stamm nach oben und schlich, kahlfüssig wie sie war, leicht wie eine Feder über das Gras... nur nicht gesehen werden.

Verfasst: Dienstag 21. Juli 2015, 22:21
von Valentina Sturmkamm
Nonsens... immer und immer wieder hallten seine Worte in ihrem Kopf. Sie hätte sich denken können, dass er sie um diese Uhrzeit nicht mehr aus dem Haus lassen würde. Wieso hatte sie es überhaupt versucht? Weil sie etwas tun musste um ihren Kopf frei zu bekommen. Weil sie ihre Sinnen schärfen wollte. Die Sinne, die angeblich so benebelt sind, von Nonsens. Sie lief im Schlafsaal auf und ab. Hatte sich noch nicht mal wieder aus ihrer Lederrüstung geschält. Hatte er wirklich gesagt, sie würde wegen Nonsens ihre Aufgaben vernachlässigen? War das Haus schmutzig? Musste er oder ein anderen Wüstensohn hungern? Ging es ihrem Anaan nicht gut? War es, dass sie nicht genug zu Hause herum saß? Was sollte sie dort den ganzen Tag sitzen? War er es nicht gewesen, der mit ihr auf die Jagd ging, damit sie besser wurde? Damit sie über sich hinaus wuchs? Merkte, zu was sie alles fähig war...

Jetzt, wo sie diesen Weg ging, um für sich zu sein um Ruhe zu suchen, war es Nonsens und sie vernachlässigte die Familie. Seine Worte schmerzten sie... ihre Hände ballten sich zu Fäusten und die Nasenflügel hebten und senkten sich mit jedem Atemzug. Sie war immer bemüht gewesen eine gute Natifah zu sein. Sie hatte sich nie etwas anmerken lassen. All ihre Gefühle, all den Schmerz der vergangen Wochen, und MOnate hatte sie mit sich alleine ausgemacht. Hatte er sie je weinen sehen? Nein... genau wie sonst kaum jemand. Wenn sie weinte, weinte sie still, in ihren eigenen vier Wänden, die sie nun nicht mehr besaß.

Die letzten Monate hatten sie stark gemacht, hatten sie abgehärtet. Sie musste doch stark sein für ihren kleinen Wüstenschatz. Sie konnte sich nicht wieder so hängen lassen, wie damals, als Hasim das erste mal verschwunden war und sie nicht einmal mehr das Haus verlassen hatte. So war sie nicht mehr... Wie konnte er also so etwas zu ihr sagen? Hatte er je einen Gedanken verschwendet was sie erlebt hatte? Wie es für sie war, als sie in die Stadt zog und dieser Dschinn sich befreit hatte? Als Malaika sie umbringen wollte? Als ihre Familie nach und nach fort zog bis sie mit ihrem Cousin Wahid alleine in diesem riesen Viertel der Ifrey lebte.

Wie es ist, als junge Blüte so alleine zu sein und wie froh sie war, dass sie bei den Bashir Freundinnen fand. Unter anderem seine Fidah... Sie hatte ganz andere Pläne für ihr Leben gehabt als sie Hasim begegnete und sich verliebte. Sie heiratete, sie musste eine Weile auf ihn verzichten und als er zurück kehrte schenkte Eluive ihnen ihren kleinen Kadir... All die Liebsten die Eluive viel zu früh zu sich geholt hatte. Sie war die Frau eines Oberhauptes, die Frau des ehemaligen Sanjak und auch die Blüte die ohne ihren Ranim mit ansehen musste, wie das Haus der Bashir geräumt wurde.

Sie ging den Weg einer hauslosen um von vorne zu beginnen und scheute keine Hürde, keinen Stein. Sie liebte grenzenlos und würde für ihre Familie alles tun und dann solche Worte...

Ihre Finger lösten sich wieder und sie ging langsam zu den KLeidertruhen hinüber um sich ihrer Rüstung zu entledigen. Während sie Stück um Stück auszog presste sie seufzend die Lippen aufeinander. Was war nur los mit ihm? Was hatte ihn so verändert? Sie hatte gesehen, dass er fühlt. Sie sah es jedesmal wenn er ihren Sohn auf dem Arm hielt oder ihn erblickte. Sie konnte sehen und spüren wie sein Herz aufging. Doch am heutigen Abend war er ein Stein... so eiskalt, dass sie sich fragte ob sein Element wirklich das Feuer war. Sagte er nicht, er habe Angst davor, mit der Kraft die in ihm ruht der Blüte die er liebt zu schaden? Sollte er dann nicht wissen, dass man nicht immer ruhig sein kann? Das es Momente gibt, wo alles über einem zusammen bricht. Wieso musste er auch ausgerechnet an diesem Abend fragen, nach dem sie sich zuvor noch mit Farasha darüber unterhalten hatte. Nach dem sie ihm den Brief auf sein Bett gelegt hatte... Warum nur?

Seit wann war es schlecht zu fühlen? War es nicht das was Eluive sie lehrte? War es nicht dass, was sie von diesem widerwärtigen Pack Alathars unterschied? Die nicht im Stande waren zu Lieben. Diesen kostbare Gefühl... Sie war keine 12 mehr. Sie gehörte nie zu den Blüten, die irgendwelche Wüstensöhne angehimmelt hatten. Bis Hasim kam, hatte sie nur ihre Ziele vor Augen und an einen Wüstensohn nicht einmal gedacht. Nie hätte sie geglaubt, das sie so früh heiraten würde, so früh ein Kind zur Welt bringen würde und doch war es Eluives Wunsch und sie fügte sich.

So viele Stunden hatten sie gemeinsam verbracht. Sie hatten geredet, sie hatten gelacht und immer wieder, wenn auch oft nur für kurze Momente, lies er sein inneres hervor blitzen... Sollte sie sich so getäuscht haben? Sie griff nach einem menekanischen Kleid aus reiner Seide und warf es sich über ihren zirlichen Körper. Leisen Schrittes ging sie zu ihrem Schlafplatz hinüber, wo ihr Sohn noch immer friedlich schlief. Die Arme vor der Brust verschrenkt beobachtete sie ihn und mit jedem Moment der verstrich, mit jedem Moment wo sie seinen ruhigen Atemzügen lauschte, beruhigte sich auch ihre Atmung wieder.

Sie hatte etwas wichtiges gelernt... Das Worte oft nur Worte waren... Hüllen ohne Inhalt. Vieles sagt man zu leichtfertig, auch wenn sie nie zu jenen gehörte, die sich leichtfertig offenbarten. Auch wenn sie sich geirrt hatte... sie hatte eine Familie und sie hatte in Farasha eine Fidah gefunden, die sie nie hatte und die sie sehr liebte. "Er hat es einfach nicht verstanden" flüsterte sie leise ihrem Sohn zu und streichelte ihm liebevoll über den dunklen Lockenschopf. Sie neigte den Kopf zur Seite und ihr Blick fiel durch das Fenster, welches durch den Mondschein leicht erhelllt wurde. "Das Schicksal liegt in meiner Hand"... Mit diesen Worten legte sie sich neben den kleinen Körper, ihr Haupt sanft gegen das seine geschmiegt, dauerte es nicht lange bis Kadir sich in die Arme seiner Mara kuschelte.

Verfasst: Freitag 24. Juli 2015, 01:25
von Gast
Sandkorn für Sandkorn rieselte zwischen ihren Fingern herunter auf den kleinen Sandhügel der sich inzwischen gebildet hatte. Nachdenklich folgten ihre schwarzen, durch die Mandelform exotisch wirkenden Augen, diesem Sand. Man sagt die Zeit heile alle Wunden und sie verrinnt so schnell wie der Sand durch deine Finger rinnt. Sand jedoch, hinterließ seine Spuren. Ein leichter, verkniffener Zug zeigte sich um ihre Mundwinkel herum. Die Worte der Natifahs gegen seine Worte. Bei Eluive! Was trieb er nur für ein Spiel? Er war ein Mann, aiwa. Aber er war auch ein Vorbild das nicht so gedankenlos mit Herzen der jungen Blüten spielen sollte. Hier eine zärtliche Geste, dort ein verlockendes Wort das Hoffnung versprach, Stimmen in ihrem Geist die sie verwirrten. Meinte er es in jenen Momente so, gab er seinem Herzen nach und vergaß seine Vorsätze oder trieb er es ganz bewusst so weit? Eigentlich hatte sie ihn neda so eingeschätzt, hatte seinen Worten geglaubt das er nur familiäre Zuneigung gezeigt hatte und die Blüten das falsch verstanden hätten doch die Worte der Natifah waren aufrichtig gewesen. In ihren Augen war keine Lüge gestanden und ja, sie hatte sein Verhalten unmöglich gefunden.


Wie hätte ich mich nicht verlieben können Farasha?


Immer wieder ging ihr diese Frage durch den Kopf während sie den Sand erneut durch die Fingern rieseln ließ. Aiwa, wie hätte sie das nicht gekonnt? Ein schöner, charmanter Mann in einer bestimmten Position der davon sprach sie zu heiraten. Es ärgerte sie das dieses Spielchen eine gewisse Unruhe in die Familie brachte, das Herzen wund und Gedanken schwer waren und dennoch, sie war so stolz auf die Antwort der kleinen Blüte gewesen das dies zumindest ihre trüben Gedanken etwas vertrieb. Blieb eine andere Blüte, die ihrem Herzen so nah war wie kaum jemand. Aalissay, ihre Schwester im Geiste wenn auch nicht im Blute. In manchen Dingen waren sie sich ähnlich doch an vielen Stellen waren sie so unterschiedlich wie Sonne und Mond. Aalissay war so jung und doch hatte sie schon so vieles erlebt, war reifer als ihre Jahre zählten. Ihr Anaan war zauberhaft und aufgeweckt, sie liebte Kadir aus ganzem Herzen und freute sich immer wenn Aalissay ihn in ihre Obhut gab. Der Tage jedoch war die flinke Menekanerin ein Schatten ihrer selbst. Sicher war es nicht einfach solch bittere Lektion zu verinnerlichen.


Doch wie sollte sie ihr helfen? Sie verstand doch selbst nicht was diesen Mann antrieb. Ihr Brautpreis war so hoch angesetzt das es ein halbes, wenn nicht ein ganzes Leben dauern würde diese Summe zu beschaffen. Fast 30 Millionen. Dabei war sie Witwe und hatte schon ein gewisses Alter erlangt. Nicht das es sie in die Ehe drängt, der Preis ehrte sie und dennoch, warum gab er sie nicht einfach in die schützenden Hände die nach ihr verlangt hatten? Das war ebenso eine Frage wie die Frage warum er ihr sagte er habe nie etwas anderes getan als die in einer Familie üblichen Zuneigung gezeigt. Welch Anlass hätte sie gehabt ihm nicht zu glauben? Doch was die Blüten erzählten, unabhängig voneinander erzählten, ließ sie umdenken. Solch deutliche Worte und Fragen konnte man nicht schön reden und dann die Situation im Keller.


Er hatte sie angesehen als hätte sie irgendeinen Fehler gemacht. Sie solle ihm aus dem Weg gehen und sie solle 'IHN' kontrollieren. Was gingen sie die Belange der Männer an? Wenn er ein Problem mit seinem Cousin hatte musste er das doch selbst bereinigen und nicht sie anfahren. Auf ihre Nachfrage hin ignorierte er sie getrost, befasste sich mit dem neuesten Familienmitglied und der Groll hob sich in ihrem Herzen. Nahezu jeden Tag brachte sie irgendetwas für die Familie mit nach Hause, erstand Notwendigkeiten wo sie zu haben waren, unterhielt sich mit den Familienmitgliedern die im Familienhaus waren doch ihn, sah sie kaum noch. Es ärgerte sie zunehmend. Ein Vorbild hatte er zu sein, gerecht und ausgeglichen. Der Tage jedoch wurde dieses Bild mehr und mehr enttäuscht. Er schien kaum mehr Zeit zu finden, war nicht im Haus anzutreffen und wenn sie ihn sah, verhielt er sich ganz und gar nicht so wie sie ihn kennen gelernt hatte.



Menschen werden schlecht und schuldig, weil sie reden und handeln, ohne die Folge ihrer Worte und Taten vorauszusehen.
~ Franz Kafka ~


Die Worte glitten durch ihre Gedanken doch war es so? Wusste er nicht was er tat, war es ihm gleich? Oder logen am Ende die Natifahs? So oder so, sie konnte es nicht einschätzen, doch es betrübte ihr Herz sehr sich darüber auch nur Gedanken machen zu müssen. Ihr Wort gegenüber der 'Kleinen' würde sie nicht brechen. Dennoch konnte sie es Aalissay vielleicht leichter machen. Nachdem ihr geliebter Kadir zu Bett gebracht war schlich sie sich noch einmal hinunter in das kleine Alchemistenlaber. Sorgsam nahm sie eine der getrockneten Blüten und legte sie zusammen mit einem Zettel auf das Kissen der Natifah. Vermutlich würde diese die Gegenstände später finden.


Wenn auch nicht neben dir, dann doch immer in deinem Herzen und in Gedanken bei dir. Du kannst immer zu mir kommen.

Farasha

Verfasst: Montag 3. August 2015, 21:24
von Valentina Sturmkamm
Viele Tage schon waren vergangen seit sie Farasha das letzte mal gesehen hatte. Ihre kleine Notiz hatte ihr Herz erwärmt, als sie sie an jenem Abend in ihrem Bett vor fand. In ihrem Herzen, ja, dort war sie und dort würde sie immer sein. Es gab selten jemand der ihr so nah gewesen war wie diese Blüte. So gern dachte sie zurück an die Zeit in der Durrah, wie sie die Datteln gegessen hatte von Saajid... oder wie sie den Marktstand in Adoran hatten und diese süßen Erdbeeren genascht hatten. "Gib Farasha doch neda Erdbeeren"... sie würde ihr noch viel mehr geben wenn es von Nöten war und alles mit ihr teilen. Kadir liebte sie auch. Wann immer er sie sah legte sich ein Lächeln auf seine Lippen und er streckte die Arme nach ihr aus. Jeden Abend vor dem Schlafen übte sie mit ihm ihren Namen zu sagen, aber es endete meist in einem fröhlichen Gelächter, denn es hörte sich nach allem an aber nicht nach Farasha.

Sie wollte ihrer Fidah eine Freude machen und überlegte seit Tagen schon in welcher Form. In ihrem Zeichenblock befanden sich einige Zeichnungen von Ideen bezüglich Schmuckstücken, die sie auf ewig verbinden sollten aber sie war halt nur eine kleine Zeichnerin, niemand wie Wahid, der Schmuck entwerfen konnte. Aber mit einem Rohdiamant konnte man doch sicher etwas anfangen.

Der Besuch bei ihrem Schneider gab ihr zu denken... seine Worte... das sie den Glanz in ihren Augen verloren hätte und er jenen nur sah, wenn sie ihren Sohn betrachtete. Ja, die Zeit hatte sie verändert und sie versuchte schon lange ihre GEfühle nicht mehr so nach aussen zu tragen, aber das es nun auf diese weise auffiel? War es nicht der Glanz ihrer Augen und ihr Strahlen, so wie das Lächeln, dass damals auch Hasim verzückte? Ist es nicht dass was eine Blüte hatte um einen Mann, nebst ihrem Wesen, von sich zu überzeugen? Wenn sie nicht strahlte, wenn sie sich in sich zurück zog, nicht oder wenig lachte, wie sollte je wieder ein Wüstensohn auf sie aufmerksam werden? Sie wusste das es schwer genug war, nun wo sie einen kleinen Sohn hatte aber sie hatte nie gesehen, dass sie es sich selbst noch zusätzlich erschwerte.

Wo steckte nur Farasha? Seit Tagen suchte sie nach ihr. Sie wollte unbedingt mit ihr darüber reden aber sie war nirgendwo zu finden. Ghaazi? Ein Versuch war es wert und so machte sie sich am frühen Abend auf den Weg zu seinem Haus. Ihr Blick schweifte über das Mauerwerk und ein ungutes Gefühl beschlich sie. Es sah verlassen aus aber sie wollte es nicht wahr haben. Sie läutete die Glocke - keine Reaktion. Zaghaft, dann lauter, rief sie nach ihm... keine Reaktion.

Sie lief zu dem Fenster hinüber und stellte sich auf ihre Zehenspitzen um einen Blick hinein zu werfen aber sehen konnte sie nichts. Etwas umständlich zog sie sich auf den Fenstersims und stieg so in das Haus ein. Stille... Tief im inneren wusste sie, dass es unnötig war zu rufen und doch tat sie es - wieder keine Antwort. Auf dem Boden hatte sich eine Schicht von feinem Sand gelegt. Ein Zeichen dafür, dass schon mehrere Tage niemand hier gewesen war. Farasha hätte niemals so eine Unordnung hinterlassen und Lissy wusste, dass sie das Haus für ihn sauber hielt. Ihre Brust schnürrte sich zu... Ihre Gedanken überschlugen sich und Lissy machte sich auf dem selben Weg wieder aus dem Haus, wie sie zuvor hinein geklettert war. Ihre Fußabdrücke hinterliesen Spuren, als sie vom Fenster hinab sprang und auf das Hausschild sah. Sie zog ihren Zeichenblock aus der Tasche und riss eine Seite heraus. Wo sie sonst so ordentlich schrieb, hinterlies sie nur eine kurze Notiz "hudad melde dich" und schob diese unter der Tür hindurch.

Die Luft wurde dünner und so presste sie ihre Lippen fest aufeinander und drehte sich ruckartig herum um auf dem schnellsten Weg den Ort zu verlassen. Sie zog sich an die Oase zurück und nahm die Nachricht von Farasha heraus.

Wenn auch nicht neben dir, dann doch immer in deinem Herzen und in Gedanken bei dir. Du kannst immer zu mir kommen.

Farasha
Eine Träne lief über ihre Wange hinab und tropfte auf das Pergament. "Immer in meinem Herzen" wiederholte sie leise die Worte und lies das erste mal seit langem ihrem Schmerz freien lauf. Sie wusste das sie fort war, sie spürte es tief in ihrem Herzen. Als sie sich langsam wieder beruhigte trocknete sie sich die Tränen und griff nach ihrem Zeichenblock. Aus der Erinnerung heraus malte sie sich und Farasha, wie sie an jenem Abend, Arm in Arm am Meer saßen und sich unterhalten hatten. Wie der Wind ihr Haar umspielte und die Welt noch in Ordnung schien. Feinsäuberlich, so wie man ihre Schrift kannte, filigran und geschwungen, schrieb sie auf eine freie Seite

Meine liebste Farasha,

mir war es stets vergönnt mit einer Fidah groß zu werden doch von dem Tag an, als dich Saajid mir vorstellte, hatte auch ich eine Fidah geschenkt bekommen. Vom ersten Moment an spürte ich das Band welches uns von nun an verbinden würde und ich wusste, dass nichts und niemand jenes Band jemals trennen könnte. Jeder einzelne Moment mit dir erscheint mir heute noch kostbarer als zu jenem Zeitpunkt als er stattfand und schon dort wusste ich ihn sehr zu schätzen. Dein Lachen, dass so warm und herzlich klingt, dein Lächeln und das Strahlen deiner Augen. Weißt du noch, wie wir die Teppiche im Keller ausgeklopft haben? Oder du die Datteln von Saajid genascht hast? Wie wir den ganzen Nachmittag in Adoran auf dem Markt gestanden haben oder die unzähligen Nächte, die wir uns mit Insektendämonen und anderem Ungeziefer um die Ohren geschlagen haben? Ich danke dir für jeden dieser kostbaren Momente, die ich nie wieder missen möchte und doch weiß ich tief in meinem inneren, dass ich eine lange Zeit auf sie verzichten muss. Ich kann nur ahnen was dich / euch dazu getrieben hat, einfach so die Stadt zu verlassen. Ohne ein Wort, ohne eine Nachricht, ohne dich von mir zu verabschieden, ohne das ich dich ein letztes mal in den Arm nehmen konnte. Ich wünschte du hättest dich mir anvertraut aber wahrscheinlich wusstest du, dass ich alles getan hätte um dich davon abzuhalten, einfach damit du mich neda alleine lässt.
Bei Eluive ich werde jeden Tag für euch beten. Und ich hoffe inständig, dass es euch gut geht und ich euch eines Tages wieder sehen werde. Hudad lass ab und zu von dir hören, gleich auf welchem Wege, gleich auf welche Art, nur damit ich weiß das es dir gut geht. Ich werde dich immer in meinem Herzen tragen und so wie ich stets in deinen Gedanken bin, so wirst du mich mein Leben lang begleiten. Du bist und bleibst meine große Fidah. Ich weiß neda wie, ob und wann dich dieser Brief erreichen wird, doch habe ich viele Kontakte und so halte ich an der Hoffnung fest. Möge Eluive jeden eurer Wege behüten.

Ma'salema


deine Aalissay

Sie zog den Schleier wieder nach oben und versiegelte das Pergament. Sie suchte in der Stadt nach einer der Bashirwachen von früher, sie wusste, dass er hin und wieder noch Dienst hatte und das sie ihm vertrauen konnte. Der Brief musste sein Ziel erreichen, ganz egal wie.